Leseprobe

Ausschnitte aus dem Buch

VORWORT / 13

EINLEITUNG: Warum dieses Buch? / 19

1. NAHRUNG UND  GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet? / 29
Unsere Nahrung: Basiswissen / 34
Die Bausteine unserer Nahrung: Ein kurzer Überblick / 36
Historisch gewachsenes Wissen / 45
Erhalt und Verluste von Nährstoffen / 45
Gesunde Ernährung: Man muss genau hinschauen / 51
Essenzielle Nährstoffe: Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren – Worin sind sie enthalten? / 52
Zwischenstand: Was braucht der Körper, um gesund zu sein? / 69
Die richtige Ernährung: Mikro- versus Makronährstoffe / 70
Essen muss gelernt sein / 71
Altes Wissen neu entdeckt / 72

2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus / 75
Stoffwechsel / 75
Das Immunsystem / 77
Der Darm / 80
Die Leber / 86
Die Nieren / 90
Stress / 93
Bewegung / 97
Vitamin D / 99
Fazit: Worüber sollten wir aufgeklärt werden? / 108

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH / 109
Eine Bestandsaufnahme / 109
Die Entstehung von bleibenden Zähnen / 113
MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung / 116
Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum? / 118

4. NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum? / 119
Pflanzenschutzmittel / 119
Antibiotika und Hormone in der Massentierhaltung /  125
Zusatzstoffe allgemein / 129
Zucker / 133
Salz (Natrium) / 138
Phosphat / 142
Nitrat, Nitrit und Nitriosamine / 145
Glutamat / 149
Aluminium / 152
Zusammenfassung: Was ist gefährlich für unsere Gesundheit? / 155

5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme von DGE und BMEL / 156
Schwachstellen im Detail / 158
Zusammenfassung: Was lernen unsere Kinder über Ernährung in Kitas und Schulen und was lernen sie nicht? / 172

6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht / 175
Ein durchschnittlicher Tagesplan für Kita-Kinder / 177
Menüplan einer lokalen Ganztagsgrundschule / 179
Systematische Mangelernährung in öffentlichen Einrichtungen / 180
Mangel- und Fehlernährung mit der DGE: Nichts Neues / 181

7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme / 183
Anweisungen, die unser Leben veränderten / 183
Die neue Produktwelt: Süßigkeiten, Knabberzeug und Convenience / 188
Was erklären Ärzte, Krankenkassen, Behörden und Medien? / 190
Fazit: Beeinflussung auf allen Ebenen / 196

8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen / 198
Ein Überblick: Zivilisationskrankheiten, Wachstumsraten und Profiteure / 198
1. Diabetes / 198
2. Fettleibigkeit / 200
3. Krebs / 201
4. Psychische Erkrankungen: Trends / 203
5. Sinkende Belastbarkeit der arbeitenden Bevölkerung / 205
6. Sinkende Fruchtbarkeit von Menschen / 207
Trends: Verändertes Ernährungsverhalten und mangelhafte Ernährungsbildung / 209
Das Schulfach Gesundheit: Fehlanzeige / 210
Verantwortung der Bundesregierung: Fehlanzeige / 211
Schutz für Kinder: Fehlanzeige / 212
Das globale Bild / 214
Fazit: Eine gesellschaftliche Abwärtsspirale. Weltweit. / 217

9. DIE AKTEURE IM MARKT: Die Privatwirtschaft / 219
Die Agrarindustrie / 220
Minderwertige Nahrung und hohe Rendite / 223
Das Zusammenspiel vom Bauernverband, der Wirtschaft und der Politik / 233
Ausblick für die Zukunft / 240
Fazit: Eine Verschlechterung der Grundnahrungsmittel. Weltweit. /  245

Die Lebensmittelindustrie / 246
Ein Blick hinter die Kulissen / 246
Das Beispiel Nestlé – der weltweit größte Lebensmittelkonzern / 251
Eroberung der Welt: Die Mechanismen / 254
Wieder das Beispiel Nestlé: Ein neues Geschäftsmodell musste her / 262
Es wird noch viel schlimmer, wenn wir nichts tun! / 270
Fazit: Mächtige Konzerne und gefährliche Produkte / 273

Das Gesundheitswesen / 274
Ein Blick hinter die Kulissen / 274
Vitamin D: Ein Hype oder eine große Gefahr fürs Geschäft? / 284
Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten / 294
Profitable Geschäftsfelder: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfen, mangelnde Zahngesundheit und neuronale Störungen / 300
Die Rolle der Medien und Wissenschaft / 320
Unsere Beiträge und Lebenserwartung / 330
Das internationale Bild / 334
Die Rechtslage: Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen / 336
Fazit: Manipulation auf allen Ebenen. Weltweit. / 337

Die Investoren und Finanzindustrie / 342
Die unbekannte Macht im Hintergrund / 347
Und wieder das Beispiel Nestlé / 351
Persönlichkeitsstörungen unserer Mächtigen / 354
Fazit: Kapitalmacht und kranke Menschen – eine toxische Gefahr für die Welt. / 356

10. DIE AKTEURE IM MARKT: Die öffentliche Hand / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Hintergründe und Aufgaben / 357
Die einzelnen Akteure der DGE / 361
Fazit: Fehlinformationen und fragwürdige Verbindungen auf allen Ebenen / 372

Die Bundesministerien BMEL und BMG / 374
Hintergründe: Aufgaben, Struktur und finanzielle Mittel / 374
1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / 376
2. Bundeszentrale für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / 377
3. Nationaler Aktionsplan IN FORM / 379
4. Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (BEP) / 381
5. Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA) / 383
6. Robert Koch-Institut / 388
7. Bundesamt für Risikobewertung (BfR) / 391
Fazit: BMG und BMEL: Eine Gefahr für unsere Gesundheit / 397

Einzelne Politiker / 398
Verstrickungen mit der Wirtschaft / 398
Zugang zum Bundestag / 402

EU und globale Organisationen / 404
1. Das International Life Sciences Institute (ILSA) / 404
2. Codex Alimentarius (CA) / 404
3. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL/EFSA) / 406
4. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) / 412
Fazit: Ein weltweites Drama / 416

Die Bundesregierung: Teil des Problems und nicht Teil der Lösung / 417
Ahnungslose Politiker / 420
Gesunde Nahrung: Die größte Gefahr für unseren materiellen Wohlstand / 422
Das globale Weltwirtschaftsmodell in Gefahr / 423
Fazit: Eine Regierungskoalition in der Sackgasse / 426

11. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen / 429
Weisheiten erobern die Welt / 430
Sichtbarer Wandel / 431
Als Erstes gilt: Hürden überwinden! / 438

12. PRAKTISCHE UMSETZUNG: Verantwortliche einbinden / 441
1. Die Bundesregierung in die Pflicht nehmen / 441
2. Krankenkassen in die Pflicht nehmen / 445
3. Landespolitiker in die Pflicht nehmen / 448
4. Selbst aktiv werden / 454
5. Schulfach “Gesundheit” einfordern / 455
6. Unterstützer mobilisieren / 459
Fazit: Wir brauchen Veränderungen. Jetzt! / 461

13. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungen / 462
Neue Ernährungsregeln und deren Umsetzung / 462
Umstellung unserer Ernährung / 469
Umstellungen im Haushalt / 472
Auswirkungen auf unsere Gesundheit / 480

DANKSAGUNGEN / 483

Die Umstände, die zur Entstehung dieses Buches geführt haben, sind mehr als ungewöhnlich: Die Sorgen einer Mutter wegen eines kranken Backenzahnes ihres Kindes führen über viele beachtliche Stationen letztendlich zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Weltwirtschaft! Wow, wer hätte das gedacht, dass ein Kinderzahn solch eine Karriere macht!

Auch wenn sicherlich etliche Nörgler einzelne Punkte des Buches bekritteln werden, so möchte ich das gezeichnete Bild insgesamt doch voll unterstützen: Ausgehend von einer ganz anderen Position bin ich zu vergleichbaren Erkenntnissen gekommen. Nach mehr als 50 Jahren Tätigkeit in unserem so genannten Gesundheitssystem (das zwischenzeitlich allerdings zum “Kranken-System” mutiert ist), und in dem ich alle Stufen durchlaufen habe (vom Hilfspfleger bis zum Professor, Chefarzt und Unternehmer als Gründer des ersten medizinischen Versorgungszentrums an einem Großklinikum in Deutschland), hat mich das Universum – oder wer auch immer an den Rädern der Geschichte dreht – aus diesem Umfeld herausgeholt. Dies geschah – wie auch in zahlreichen anderen Fällen – im Rahmen einer Existenzkrise. Doch dies ist nun rund 15 Jahre her und ich habe inzwischen einen neuen Weg für mich gefunden.

Ich könnte nun stundenlang aus dem Nähkästchen plaudern und noch seitenweise über “Storys aus dem System” berichten. Aber zum einen ist es nicht die Sache eines Vorwortes, die Autorin des Buches mit zusätzlichen “Fachinformationen rechts zu überholen”. Zum anderen gibt es zahlreiche Dokumentationen und Personen, die die von Frau von Aufschnaiter berichteten Sachverhalte und die Kritik an der Gesellschaft bestätigen – und dies nicht erst seit gestern! Allerdings kann ich mir den Hinweis auf ein weiteres, aktuelles Beispiel nicht verkneifen: Vor wenigen Monaten wurde der international hoch geachtete Leiter des dänischen Cochraine Institutes, Prof. Peter Gøtzsche, seines Amtes enthoben und verlor zusätzlich seine Position als Chefarzt am Rigshospitalet in Kopenhagen. Damit hat es vier Jahre gedauert, bis die offensichtlich sorgfältig eingefädelte Reaktion auf sein Buch “Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert” brutale Wirklichkeit wurde.

Vielleicht auch noch ein kleiner Rückblick, der aufzeigt, dass die Problematik nicht so ganz neu ist. Bereits im Jahr 1983 erschien das Buch “Der tödliche Fortschritt: Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums” geschrieben von einem Vertreter eben dieses Christentums, dem Pastor Eugen Drewerman. Er macht seinem weltweit als mächtiger Konzern agierenden Unternehmen Kirche die gleichen Vorwürfe wie die Autorin dieses Buches heute den “Größen der Weltwirtschaft”. Auch die Auswirkungen sind durchaus vergleichbar: Ausnutzung und Missbrauch der Menschen – unter dem Deckmantel der Menschlichkeit und Fürsorge, bis hin zum sexuellen Missbrauch der anvertrauten Kinder (und Erwachsenen)! Ein wesentlich gravierenderer “Kollateralschaden” als ein kranker Backenzahn bei dem Kind der Autorin infolge der Umtriebe der Lebensmittelindustrie! Dies ungeachtet der Tatsache, dass beides, körperliche und seelische Unversehrtheit unserer Kinder, unverzichtbare Forderungen an die Gesellschaft darstellen. Ich werde später noch einmal auf das Thema Kindergesundheit zurückkommen.

Vielmehr möchte ich dieses Vorwort nutzen, um den bereits weit gespannten Bogen von Frau von Aufschnaiter noch etwas zu erweitern und auf einen Zusammenhang verweisen, der das allgemeine Bewusstsein noch nicht erreicht hat: die Bedeutung der Umwelt für alle Lebewesen und damit auch für den Menschen. Wir leben nämlich nicht zufällig in dieser (irdischen) Umwelt, die wir seit einigen Jahrhunderten immer intensiver zerstören. Dabei ist allerdings die Sorge vor katastrophalen Unwettern und feuchten Füßen für einige Bewohner sowie dürre Steppen für andere eine schon fast müßige Diskussion angesichts der bereits eingetretenen, weltweiten Gesundheitskatastrophe, um die es in diesem Buch geht.

Was wir nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass wir von dieser Umwelt leben und ein Bestandteil von ihr sind, sozusagen eine vorübergehende Ansammlung von Biomasse dieser Erde, die in jedem Lebewesen ein nichtlineares, selbst organisierendes, selbst regenerierendes und selbst reproduzierendes System verwirklicht, welches in konstantem Austausch und damit in direkter Abhängigkeit von und mit seiner Umwelt existiert. Hat das einzelne Lebewesen seinen Auftrag (Fortführung der Evolution) erfüllt, kehren seine Bestandteile zu dieser Biomasse zurück. So einfach und doch so genial ist dieses Konzept der Natur – das mit und ohne göttlichen Hintergrund seit Milliarden von Jahren hervorragend funktioniert.

Dabei ist kürzlich erst deutlich geworden, dass die von der Autorin zitierten vielfältigen Mikronährstoffe nicht nur für unsere (gesunde) Ernährung von Bedeutung, sondern vielmehr Steuerungsfaktoren der Erbsubstanz (Gene) unseres Systems sind, ohne die das System nicht richtig funktionieren kann. Andere (physikalische) Steuerungsfaktoren aus unserer Umwelt sind z. B. die Schwerkraft, das Magnetfeld und die Strahlung der Sonne. Hinzu kommen chemische Voraussetzungen wie Sauerstoff und Wasser. Von den zuletzt zitierten Faktoren ist bekannt, dass ein Fehlen in der Umwelt tödlich ist: Nach drei Minuten ohne Sauerstoff stellt das Gehirn seine Funktion ein und nach drei Tagen ohne Wasser gibt das gesamte System seinen Löffel ab.

Ein Mangel an zahlreichen anderen Faktoren führt indes nicht sofort zur Katastrophe. Vielmehr “humpelt” das System zunächst, d. h. einzelne Organsysteme werden durch den Mangel in ihrer Funktion etwas beeinträchtigt. Allerdings ist der Körper lange Zeit in der Lage, diese Beeinträchtigungen zu kompensieren – so lange, bis das System es aufgrund der ständig zunehmenden Defizite nicht mehr schafft und dann dekompensiert. Die Symptome dieser Dekompensation werden von der zeitgenössischen Medizin als Krankheiten diagnostiziert und (vergeblich) behandelt: wie z. B. kranke Zähne, Demenz oder Krebs, um nur einige Vertreter zu nennen.

Zu diesen “Hard Facts” als Problemauslöser der Systemsteuerung kommen noch als “Soft Facts” zahlreiche Sozialfaktoren. Denn auch unser Sozialsystem hat sich gegenüber der evolutionären Realität vor mehreren Millionen Jahren dramatisch verändert. Aus dem einstmaligen “homo sapiens”, der Krone der Schöpfung, wurde der “Konsum-Sklave” der Zivilisation, der von Menschen geschaffenen Ersatzwelt. Um dies zu verstehen, müssen wir nochmals zurück in die Evolution schauen, jedoch nicht die Evolution der Arten, sondern des einzelnen Menschen. Diese Entwicklung läuft wie bei der Evolution der Arten von der einzelnen Zelle (die seinerzeit im Urmeer herumschwabbelte) bis zum fertigen Individuum der verschiedenen Spezies, immer in direkter Abhängigkeit von der Umwelt.

Bei den Säugetieren, zu denen auch der Mensch gehört, ist diese Umwelt, in der sich das Leben entwickelt, nicht mehr irgendein Teil der Natur, sondern der Körper der Eltern und das “Drama des Gesundheitsverlustes” beginnt bereits bei der Entwicklung der Keimzellen, die das neue Leben einmal bilden sollen. Denn auch diese Keimzellen sind – wie alle Lebewesen – von ihrer Umwelt abhängig. Und diese Umwelt ist der Körper von Mann und Frau. Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für die sogenannten Stammzellen, mit denen uns die Evolution ausgestattet hat.

Ist der Körper nun in einer top Verfassung, bildet er eine top Umwelt für die Keimzellen, die sich korrekt entwickeln können. Fehlt es dem Körper an natürlichen Ressourcen, kann er diese Aufgabe nicht leisten. Der seit Jahren aktenkundige Rückgang der Spermienzahl und -qualität ist eine eindrucksvolle Dokumentation dieses Prinzips. Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, also einem neuen Lebewesen, welches sich in Abhängigkeit von seiner Umwelt selbst organisiert, gilt der gleiche Grundsatz: Ist der Körper der Mutter in einer top-Verfassung, kommt es zu einer top-Entwicklung des Kindes. Bietet der Körper der Frau jedoch nicht die erforderlichen Ressourcen, geht das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes “in die Hosen”, d. h. es erfolgt eine Fehlgeburt. Meist wird das Kind jedoch ausgetragen, d. h. die Natur kann auch hier vieles kompensieren – allerdings nicht ohne Qualitätsverluste.

Was dann (unter Umständen als Frühgeburt oder auch zum Termin) erscheint, sieht aus wie ein normales Kind, ist es aber zum Teil nicht mehr, da das sich entwickelnde System infolge fehlender Ressourcen oder durch den Einfluss von Schadstoffen seine evolutionären Potenziale nicht voll entfalten konnte. Die älteren Leser werden sich sicherlich an die Contergan Affäre erinnern: Hier hat eine einzige Schlaftablette in der Schwangerschaft zum Verlust von Armen und/oder Beinen des Kindes geführt.

Solche schweren Missbildungen (wie z.B. auch die bekannte Spina bifida) sind zum Glück selten. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob ein infolge eines Mangels an Omega 3-Fettsäuren nicht voll ausgereiftes kindliches Gehirn als “Glücksfall” bezeichnet werden kann. Das gleiche gilt für ein gestörtes Immunsystem infolge eines Vitamin D Mangels der Mutter. Bereits nach der Geburt kommt es hier zu Milchschorf und im weiteren Verlauf zu einem erhöhten Risiko für Asthma, Rheuma und Multiple Sklerose. Dass dieser Mangel an Vitamin D mehr als 80 % aller Mütter in Deutschland betrifft, ist zwar aktenkundig, stört die Verantwortlichen dieser Gesellschaft jedoch offensichtlich nicht.

Die so geschädigten Kinder werden durch die Umwelt/Lebenswelt, in die sie geboren werden, weiter geschädigt: von der falschen Ernährung mit Fast Food über die fehlende Bewegung und den Vitamin-D-Mangel bis hin zur zunehmenden Exposition mit Schadfaktoren wie Pestiziden, Konservierungsmitteln, Luftverschmutzung und Elektrosmog (vom Babyphone zum Smartphone!), um nur einige Punkte zu nennen. Die daraus resultierenden Schäden des Systems hindern es in den meisten Fällen jedoch (noch) nicht daran, sich zu reproduzieren. Sollte dieser Fall doch eintreten, wie sich zunehmend zeigt, steht die Reproduktionsmedizin bereit, und das nunmehr entstehende Kind ist noch mehr belastet als seine Eltern. Als Konsequenz finden sich nicht nur “unerklärliche” Gefäßveränderungen bei Kindern aus der künstlichen Befruchtung, sondern auch ein deutlich früheres Auftreten chronischer Erkrankungen, die einst dem Alter zugeordnet wurden. So finden sich inzwischen Fälle von “Altersdiabetes” mit zwölf Jahren und Herzinfarkte im Alter von 20 Jahren. Ich habe diesen Teufelskreis bereits vor zehn Jahren in meinem ersten Buch “Vitamin D – das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention” beschrieben, und habe den Eindruck, dass sich dieses Rad immer schneller dreht.

Doch damit nicht genug: Nach neun Monaten wird das Kind aus dem Uterus der Mutter in den sozialen Uterus, die Lebenswelt der Familie entlassen. Fehlen in dieser ersten sozialen Umwelt des Kindes die nötigen (sozialen) Ressourcen, kommt es im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung ebenfalls zu gravierenden Störungen. Der Fachausdruck dafür lautet Narzissmus, der sich in zwei unterschiedlichen Extremen ausprägen kann: Die einen landen als Clochard unter den Brücken oder als Insasse in einem Gefängnis, die anderen ziehen sich einen ehernen Panzer an und machen Karriere. Ein aktuelles Beispiel ist der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten.

Bedauerlicherweise nimmt auch diese Entwicklung zusätzliche Fahrt auf – unabhängig von der Entwicklung der Patchworkfamilien: Offensichtlich stimuliert von der Wirtschaft, der qualifizierte Arbeitskräfte fehlen und die gerne die in Deutschland überwiegend gut ausgebildeten jungen Frauen hinter dem Kochtopf hervorholen möchte, hat die Bundesregierung verkündet, dass jede Frau das Recht hat, ihre Persönlichkeit (durch Berufstätigkeit) zu entfalten. Damit die Kinder nun nicht unversorgt zurückbleiben, errichtet die Regierung bundesweit Kindertagesstätten und verspricht jeder Mutter einen Platz für ihr Kind. Was die Regierung nicht verspricht, was jedoch fatal ist, ist die ausreichende und qualifizierte personelle Besetzung dieser Kindertagesstätten. Dies überlässt sie den ohnehin überschuldeten Gemeinden.

Die Folgen waren vorherzusehen und finden sich nunmehr in den Tageszeitungen: Personalmangel in den Kindertagesstätten. Was dort nicht steht, jedoch bereits wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, ist die Tatsache, dass Kinder in einer Kindertagesstätte, die nicht mit adäquatem Personal ausgestattet ist, abends einen Spiegel des Stresshormons haben, der die Dimensionen eines Burnout-Managers erreicht! Damit ist vorprogrammiert, dass diese Kinder zu seelischen Krüppeln werden – auch wenn sie nicht von geistlichen Würdenträgern missbraucht werden. Auch Herr Trump ist nicht als “enfant terrible” auf diese Welt gekommen, sondern in seiner Kindheit von “seinem sozialen Uterus” dazu gemacht worden. Egal wo und wie diese Schädigung unserer Kinder geschieht, es ist unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen dafür geradezustehen haben, wie die Geschichte lehrt.

So wie im Buch konsequent dargelegt, stellt sich nun die Frage: Was können wir, was kann der Einzelne tun, wenn die gesamte Gesellschaft auf Abwegen ist? Auch hier stimme ich mit den Ausführungen der Autorin weitestgehend überein: Von “oben” haben wir wenig zu erwarten. Anstatt jedoch in depressive Untätigkeit zu versinken, gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und sich selbst an die Arbeit zu machen. Umfangreiche und konkrete Möglichkeiten dazu finden sich in den letzten Kapiteln des Buches. Allerdings ist klar, dass die Reichweite solcher persönlichen Aktionen meist sehr begrenzt ist, es sei denn, wir erinnern uns an die Möglichkeiten der Symbiose, das Grundprinzip der Evolution. Konkret bedeutet dies eine Graswurzelbewegung zu starten, in die die Ambitionen und die Aktivitäten des Einzelnen münden: Vereint sind auch die (vermeintlich) Schwachen stark.

Die Chancen für solch eine Graswurzelbewegung stehen gut, denn die Autorin hat zu Recht darauf verwiesen, dass sich quer durch die Gesellschaft hindurch etwas tut: “Überall gibt es Menschen, die sich für unsere Kinder und deren Zukunft stark machen. Menschen die Verantwortung wieder in ihre eigenen Hände nehmen und nicht blind Politikern und der Wirtschaft vertrauen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen”. Soweit der Originalton. Unter diesen Personen finden sich Leuchttürme ganz unterschiedlicher Provenienz wie Prof. Gerald Hüther als Neurobiologe und Gründer der “Akademie für Potenzialentfaltung” oder Peter Spiegel und Ulrich Weinberg, Gründer der WeQ Foundation und Margret Rasfeld von “Schule im Aufbruch”, um nur einige zu nennen, sowie Tausende von Coaches, die die Zeichen der Zeit erkannt und sich auf den Weg gemacht haben.

Was dabei bislang fehlt, ist eine gemeinsame Interessenvertretung, eine Lobby für die Gesundheit. Genau dieses Ziel habe ich mit meinem “Netzwerk für Spitzen-Gesundheit”. Ich gebe gerne zu, dass dieses Namensspiel nicht ganz frei ist von persönlicher Eitelkeit, jedoch ist der Name auch zugleich Programm. Nur wenn wir es schaffen, nicht nur die evolutionären Potenziale des Einzelnen zu fördern und zu entfalten, sondern die daraus erwachsenen Kräfte auch zu bündeln, wird uns der nötige Erfolg beschieden sein: eine gute Gesundheit für die Mitglieder der Gesellschaft mit enormen positiven Folgen nicht nur für die Lebensqualität des Einzelnen, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur verbesserten, internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Damit die Eigenwerbung nicht zu kurz kommt, lade ich alle an der Gesundheit Interessierten ein, sich in diesem Netzwerk einzubringen: sei es als “einfacher Follower” auf der Internetplattform meiner “Akademie für menschliche Medizin” oder als aktiver Mitarbeiter im Netzwerk – vom Forscher über den Coach und Therapeuten bis hin zu den Unternehmen, die Gesundheit bzw. gesunde Produkte herstellen, denn auch so etwas gibt es inzwischen. Ungeachtet aller Visionen bin ich dabei ein bescheidener Mensch geblieben: Sollte es uns gelingen, auch nur ein Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung für dieses Projekt zu gewinnen, so bedeutet dies rund 1 Million Menschen in eine bessere Zukunft zu geleiten! Wow! Welch eine Perspektive!

Diejenigen, die an den wissenschaftlichen Hintergründen und Zusammenhängen meiner hier gemachten Aussagen interessiert sind, finden weitere Gesundheits-Informationen in den zahlreichen YouTube Videos von mir sowie auf dem jährlich in Frankfurt stattfindenden “Kongress für menschliche Medizin”. Gänzlich unabhängig von diesem Buch und seiner Autorin, jedoch zeitlich nahezu parallel zu seiner Publikation, entspricht das diesjährige Schwerpunktthema der etwa 20 eingeladenen Experten exakt dem Anliegen dieses Buches und lautet: “Tatort Schwangerschaft – wie in den frühen Jahren der Kindheit die Krankheiten des Alters entstehen”. Weitere Einzelheiten zu diesen und den früheren Kongressen finden sich auf der Internetplattform “Kongress für menschliche Medizin”. Fühlen Sie sich eingeladen, auch wenn Sie kein Gesundheits-Profi sind! Hier finden Sie wertvolle Informationen, die sie dazu anregen werden, sich noch mehr für das Anliegen dieses Buches einzusetzen. 

Warum ich ungeachtet all der aufgelisteten Probleme unserer Gesellschaft immer noch zuversichtlich in die Zukunft schaue, verdeutlicht eine alte Weisheit, die ich als Wahlspruch für meine Akademie und meine Stiftung ausgesucht habe: 

 “Wissen und Liebe vermehren sich, wenn man sie teilt”

Prof. Dr. med. Jörg Spitz
Hochinfektiöser Gesundheitserreger
Schlangenbad im Februar 2019

Ein krankes Kind
Alles begann mit einem braunen Zahn. Genauer gesagt, mit vier braunen Zähnen.

Mitte November 2016 wurde bei unserem damals knapp sechsjährigen Sohn eine schwere Zahnschmelzstörung diagnostiziert. Im deutschsprachigen Raum wird diese Erkrankung mit dem Begriff Kreidezähne betitelt, der Fachbegriff ist Molar Incisor Hypomineralisation, kurz MIH.

In den ersten Lebensjahren ist im Körper unseres Kindes irgendetwas gravierend schiefgelaufen. Das hat dazu geführt, dass sich bei allen vier bleibenden Backenzähnen, welche um das sechste Lebensjahr durchbrechen, der Zahnschmelz im Gaumen nicht normal entwickelt hat. Die Kronen der Backenzähne sind braun oder orange verfärbt, die Schneidezähne, die auch häufig von MIH betroffen sind, weisen ebenfalls braune oder deutlich zu helle Stellen auf. Die von der Erkrankung betroffenen Zähne haben generell eine deutlich geringere Zahnschmelzdichte, sind porös und können somit sehr schnell zerbrechen. Wir selbst hatten von dieser Erkrankung bis zu dem Zeitpunkt noch nie gehört.

Die zahnärztliche Prognose traf uns hart. Bei einem Schweregrad, wie er bei unserem Sohn vorlag, war zu erwarten, dass die Zähne zeitnah komplett entfernt oder mit Stahlkappen versehen werden müssten. Die Prozeduren rund um die Behandlung sind für die betroffenen Kinder meist höchst schmerzhaft und hinterlassen auch bei Eltern oft bleibende emotionale Spuren. Die Kosten für eine langfristige Restaurierung der Zähne belaufen sich geschätzt auf zwischen 10.000 und 30.000 Euro pro Kind. Diesen finanziellen Aufwand teilen sich in der Regel die Krankenkassen und Eltern.

Die emotionale Erschütterung war, besonders bei mir als Mutter, sehr hoch. Um zu verstehen, wieso ausgerechnet unser Kind an dieser Entwicklungsstörung litt, habe ich mich in den folgenden Wochen und Monaten durch jede Menge Fachliteratur gearbeitet. Nach kurzer Zeit war klar: Diese Erkrankung des Zahnschmelzes ist relativ neu und wird in der Fachliteratur vermehrt erst seit Ende der 1990er beschrieben, dabei ist sie keineswegs selten. Es wurden weltweit in den letzten zwei Jahrzehnten etliche Studien hierzu angefertigt. Im Durchschnitt sind mittlerweile global über 14% der Kinder betroffen, in einigen westlichen Ländern und Regionen sogar zwischen 30 und über 40%. In Deutschland wurde bei der letzten bundesweiten zahnärztlichen Untersuchung in 2016 ein Befall von 28,7% der 12-Jährigen festgestellt. Das Krankheitsbild findet sich in allen Gesellschaftsschichten, dabei ist die Ausprägung unterschiedlich stark und bei jüngeren Kindern vermehrt zu beobachten.

Irgendetwas ist mit unseren Kindern weltweit passiert. Aber was? Ein gesunder Körper produziert gesunde Zähne und keinen Zahnschmelz, der im Kindesalter schon zerbröselt.

Die Suche nach Ursachen
In den vorliegenden Studien wurde nach möglichen Faktoren gesucht, die zu diesem Symptombild führen können. Untersucht wurden mögliche Auswirkungen von Antibiotika, Frühgeburt, Dioxinen aus der Muttermilch, Weichmachern, erhöhtem Krankheitsstand in den ersten Lebensjahren, genetische Ursachen, Erkrankungen der Atemwege sowie mangelnde Mundhygiene. Doch keine einzige dieser Studien führte zu einem eindeutigen Ergebnis. Irritierend war, dass praktisch all die in den Studien vermuteten Faktoren in unserem persönlichen Fall irrelevant waren. Antibiotika hatte unser Sohn nie genommen, er kam termingerecht zur Welt, Vorbelastungen in der Familie gibt es nicht, Erkrankungen der Atemwege hatte er keine und krank war er selten. Ich habe ihn die ersten zehn Monate gestillt. Zwar konnte ich Dioxine, also eine Form von chemischen Giftstoffen, nicht ganz ausschließen, allerdings klangen allein Dioxine als Auslöser für den weltweiten Anstieg von MIH recht unwahrscheinlich.

Kurios war, dass ich keine Studie finden konnte, die eine veränderte Ernährung mit der Entstehung dieses Krankheitsbildes in einen Zusammenhang zu bringen versuchte. Und das, obwohl häufig erklärt wird, dass eine vollwertige Ernährung für eine gesunde Entwicklung generell wichtig ist und sich unsere Ernährung in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Lediglich allgemeine Hinweise auf Ernährung sowie eine Studie, die einen niedrigen Vitamin D-Spiegel klar als Einflussfaktor aufwies, konnte ich ausfindig machen. Was genau Vitamin D ist und was es im Körper bewirkt, wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings selbst noch nicht.

In Gesprächen mit Eltern im Freundes- und Bekanntenkreis stellte sich schnell heraus, dass auch etliche Kinder in unserem unmittelbaren Umfeld die hier beschriebenen Symptome aufwiesen. Ein paar Rahmenbedingungen schienen bei allen Kindern gleich zu sein: Sie wurden früh fremdbetreut, die Kinder waren schlechte oder wählerische Esser, beide Eltern waren berufstätig und Essen war zu Hause eine Nebensächlichkeit. All diese Bedingungen waren auch bei uns gegeben. Folgende Vermutung lag also nahe: Vielleicht hatte die Erkrankung etwas mit der Ernährung unserer Kinder zu tun, besonders in den ersten Lebensjahren.

Ein Vergleich mit dem, was es bei mir in der Kindheit bis Anfang der 1980er zu essen gab, und dem, was wir oder die Kita unserem Sohn als Nahrungsmittel angeboten hatten, machte mich stutzig. Ich wurde 1975 geboren. In den ersten Jahren meiner Kindheit gab es Sauerteigbrot mit Butter und Käse, selten Marmelade. Mittags gab es viele Eintöpfe und Suppen, Kartoffeln, Gerichte mit Eiern, Sonntagsbraten mit frischem Gemüse, Leber mit Zwiebelringen und Apfelmus, frischen oder geräucherten Fisch. Salat mit Kürbis- oder Sonnenblumenkernen. Kräuter aus dem Garten gab es häufig, ebenso wie Naturjoghurt oder Quark und Obst als Nachtisch. Absolute Ausnahmen waren Süßigkeiten, Nutella war verboten. Eis gab es nur in den Sommerferien und salzige Knabberartikel oder industriell hergestellte Kekse waren bei uns ein Fremdwort. Zu trinken gab es Wasser oder Kräutertee, Softgetränke waren höchst verpönt. Meine Mutter erstellte Wochen-Essenspläne und es wurde jeden Tag frisch gekocht. Wir waren schlank, sportlich und selten krank.

35 Jahre später wurde unser Sohn ab dem ersten Geburtstag in einer Kita betreut. Dort gab es Tortellini in Sahnesoße, Gyros mit Kraut und Joghurt-Soße, Suppe mit Wienerwürstchen, Speck und Baguette, Currywurst mit Pommes und Gemüse-Knabberteller, Milchreis und Schokopudding. Beim organisierten Frühstück wurden Brötchen vom Bäcker präsentiert, Aufschnitt aus Plastikverpackungen, Marmelade und Butter oder Margarine vom Discounter, etwas Gurke, Apfel, Möhre, manchmal abgepacktes Müsli. Im Spätdienst gab es Knäckebrot mit Marmelade, Zwieback, Kekse aus der Tüte, oder frisches Obst- und Gemüse. Für Geburtstage und Festivitäten wurden immer reichlich Kuchen, Waffeln und Muffins, Süßigkeiten, Säfte und etwas Salziges zum Knabbern mitgebracht. 

Wir haben uns an diesen Vorgaben orientiert und uns zu Hause ganz ähnlich ernährt. Wir waren der Überzeugung, dass unsere Kinder in der Kita über die warme Mittagsmahlzeit den Großteil von dem, was sie zum Wachsen brauchten, bekamen. Entsprechend haben wir abends nicht gekocht, sondern mit Brot, Joghurt, Käse, etwas Gemüse oder Milchreis und Pfannkuchen, improvisiert. Frisch gekocht haben wir für uns und unsere Kinder nur am Wochenende. Bei Freunden und Bekannten sah die Ernährung ganz ähnlich aus.

Der Unterschied zu der Ernährung, mit der ich noch aufwuchs, war also groß. Was dieser Unterschied für unsere Kinder bedeutet, war mir zunächst nicht klar. Es wurde jedoch immer deutlicher, dass die Krankheit unseres Sohnes irgendetwas mit fehlenden Nährstoffen zu tun haben könnte.

Schnell hatte ich mir ein paar Bücher gekauft, in denen Nährstoffe und ihre Funktion erklärt wurden. Der Titel eines der ersten Bücher in meinem neuen Ernährungsliteratursortiment lautete “Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente” von Heinz Knieriemen (2014). Für jedes wichtige Vitamin und jeden Mineralstoff wird auf wenigen Seiten erklärt, was sie im Körper bewirken und wie sich Mangelerscheinungen äußern. Am Ende von jedem Abschnitt wird darüber hinaus erläutert, in welchen Lebensmitteln sich die entsprechenden Nährstoffe vornehmlich befinden. Nirgendwo wurden unter dieser Sektion Nudeln, Brot, Wurst oder Milchreis gelistet. Auch das hat mich stutzig gemacht. Ebenso fiel mir schnell auf, dass die dort beschriebenen Mangelerscheinungen zu lauter Krankheitsbildern (so genannten “Zivilisationserkrankungen”) passten, die wir häufig in der Bevölkerung sehen.

Viele kranke Kinder
In den ersten Wochen meiner Recherche wurde zudem offensichtlich, dass Kinder in meinem Umfeld nicht nur gestörten Zahnschmelz aufwiesen. Auch sonst sahen viele nicht ganz gesund aus. Aus Neugier habe ich dann für diverse Krankheitsbilder die Statistiken herausgesucht. Dabei ergab sich ein erschreckendes Bild. In meiner eigenen Kindheit kannte ich nur sehr wenige Kinder, die solche Krankheitsbilder aufwiesen. Einige der folgenden Erkrankungen kannte ich gar nicht.

Insgesamt haben wir in Deutschland knapp über 13 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. An folgenden Krankheiten und Symptomen leidet aktuell unsere Jugend (Die Quellenangaben zu den folgenden Informationen finden sich am Ende dieser Einleitung):

Störungen des Immunsystems und der Hormonsteuerung:

  • 20% bzw. 2,6 Millionen der Kinder sind übergewichtig
  • 10% bzw. 1,3 Million Kinder haben eine Fettleber
  • 15% bzw. knapp 2 Millionen Kinder leiden unter Neurodermitis
  • 50% bzw. 6,5 Millionen der Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen
  • 10% bzw. 1,3 Millionen der Kinder haben Asthma
  • 4% bzw. 520.000 der Kinder haben regelmäßig Migräne
  • 1% bzw. 130.000 der Kinder und Jugendlichen haben Krebs
  • 10% bzw. 1,3 Million der Kinder haben Heuschnupfen
  • mehr als 0,2% bzw. 30.000 Kinder und Jugendliche haben Diabetes Typ 1
  • Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

  • bis zu 50% bzw. 6,5 Millionen Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten bei der Einschulung
  • bei ca. 25% bzw. über 3 Millionen Kindern besteht ein Verdacht auf eine Essstörung bzw. liegt eine bestätigte Essstörung vor
  • 4% bzw. 500.000 der Kinder haben ADHS
  • 2 bis 4% bzw. bis zu 520.000 Kinder sind Legastheniker
  • Eine rapide wachsende Zahl unserer Kinder gilt als nicht mehr beschulbar und gewalttätig
  • Der festgestellte sozial-emotionale Förderbedarf steigt rasant in allen Bundesländern

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen:

  • 30% bzw. 3,9 Millionen der Kinder haben angeborene Zahnfehlstellungen
  • 60% bzw. 7,8 Millionen der Kinder werden kiefernorthopädisch behandelt
  • 28% der 12-Jährigen bzw. 3,5 Millionen aler Kinder leiden an der Zahnschmelzstörung MIH/Kreidezähne
  • 15% bzw. 2 Millionen der Kleinkinder weisen Karies auf
  • 8% bzw. ca. 1 Million der Kinder haben Hörschäden
  • Kurzsichtigkeit bei Kindern steigt rapide an
  • zahlreiche Kinder leiden unter Skoliose (schiefer Rücken)

In der Summe sind also geschätzt irgendwas über 80% der Kinder in Deutschland in einem oder mehreren der beschriebenen Symptombilder auffällig, belastet oder gestört. Tendenz in allen Bereichen steigend. Zudem lässt sich beobachten, dass sich die Krankheitsbilder mit zunehmendem Alter häufen und verschlechtern.
Viele von unseren Kindern sind also nicht gesund. Die Statistiken sprechen für sich und stammen aus glaubwürdigen Quellen. Außerdem gilt: Man muss sich nur die Kinder im öffentlichen Raum genauer ansehen. In Freizeitparks und Indoor-Spielplätzen, in öffentlichen Schwimmbädern, in Kitas und Schulen, in Innenstädten – überall fallen Kinder auf, die deutlich zu dick sind, sich auffällig verhalten und bei denen Zähne, Haut und Haare alles andere als gesund aussehen. Diese Symptome passen alle zu den beschriebenen Mangelerscheinungen aus dem Buch von Heinz Knieriemen. Irgendetwas stimmt hier also nicht!

Behörden und Ärzte: Wenig Interesse und keine Antworten
Dann tauchte die Frage auf: Wer ist denn eigentlich in Deutschland für die Ernährung und die Qualität unserer Lebensmittel zuständig? In erster Linie ist es das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). In einem Anfall von Aktionismus und, aus heutiger Sicht, einer großen Portion Naivität, habe ich dieses Ministerium kontaktiert. Ich glaubte, dass dem Ministerium vielleicht nicht aufgefallen war, dass unsere Kinder so krank sind, und dass dieser Zustand möglicherweise etwas mit unserer veränderten Ernährung zu tun haben könnte. Frau Dr. Anke Oepping, Referatsleiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kitas und Schulen (NQZ), schien die richtige Ansprechpartnerin zu sein. Meinen ausführlichen Bericht über die Krankheit MIH, globale Statistiken rund um weitere Krankheitsbilder, einen Vergleich von unseren Essgewohnheiten “früher und heute”, sowie mein formulierter Verdacht, dass es sich hier um eine Mangelerscheinung handeln könnte, wurde höflich beantwortet. Eine Frau Maier schrieb mir im Auftrag am 6.12.2016, wie sie mit Interesse meine Ausführungen gelesen habe und dass sie diese Informationen an die relevanten Personen intern im Ministerium weiterleiten würde. Ferner erklärte mir Frau Maier Folgendes:

“Das Bundesministerium orientiert sich bei seinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung bei Kindern an denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Informationen zu den Aktivitäten des BMEL hinsichtlich der gesunden Ernährung bei Kindern finden Sie auf dem Online-Portal IN FORM sowie auf der Homepage des BMEL: Gesunde Ernährung – Kita und Schule.”

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) war mir nur ganz vage ein Begriff. Das Portal IN FORM kannte ich gar nicht. Ich arbeitete mich also Schritt für Schritt durch deren Webseiten. Auch dort wurden die gleichen Lebensmittel angepriesen, die es in der Kita und auch bei uns zu Hause zu essen gab: viel Brot, Nudeln, mäßig Wurst, etwas Süßzeug, Obst und Gemüse. Sätze wie “Nimm 5“ stammen von der DGE. Diese Aussage kannte ich. In dem Buch von Herrn Knieriemen und auch anderen Büchern über Nährstoffe wurden diese Lebensmittel allerdings selten als relevante Quellen für Nährstoffe genannt. Dafür wurden Lebensmittel wie Schweineleber, Sesam, Austern, Bierhefe, Parmesan, Hagebutten, Sanddorn oder Lebertran aufgeführt. Auf den Seiten von IN FORM konnte ich diese Lebensmittel nicht finden.

Daraufhin kontaktierte ich Sonja Fahmy und Dr. Helmut Oberritter, indem ich ihnen meine Rechercheergebnisse sendete. Frau Fahmy ist für den Bereich Kitas und Schulen bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zuständig und Herr Dr. Oberritter ist Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Von Frau Fahmy bekam ich am 16.12.2016 eine höfliche Email zurück. Auszüge daraus lesen sich so:

“Was die Verpflegung in Kitas und Schulen betrifft, so gibt es seit fast 10 Jahren für beide Lebenswelten den DGE-Qualitätsstandard. Er definiert genau, wie eine ausgewogene Verpflegung sein sollte. Gleichzeitig stehen aber auch die individuellen Bedürfnisse der Kitas und Schulen im Vordergrund. Nur indem dies berücksichtigt wird, besteht die Chance, dass die Empfehlungen umgesetzt werden. Dies bedeutet z. B., wir empfehlen entsprechende Portionen an Gemüse und Obst, sagen aber nicht im Detail, welches Gemüse es sein muss.
Mittlerweile ist der DGE-Qualitätsstandard als Basiswerk bundesweit bei Essensanbietern, Schulen, Kitas und Trägern anerkannt. Gerne können Sie sich von den Inhalten Überzeugen. Bestellen Sie den DGE-Qualitätsstandard kostenfrei unter www.dge-medienservice.de.”

Die DGE hat also seit 2005 Qualitätsstandards in allen öffentlichen Bereichen eingeführt. Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung, darunter insbesondere unsere Kinder, dicker und kränker geworden. Zufall?

Im Zuge meiner Untersuchungen habe ich ebenfalls all die Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum, die ihre Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Zahnschmelzstörung MIH veröffentlicht haben, und die ich ausfindig machen konnte, kontaktiert. Auch diesen Experten und dieser Expertin habe ich meine Unterlagen gesendet und eine Zusammenarbeit angeboten: Mein Mann und ich waren bereit, die Auswirkungen einer konsequenten Ernährungsumstellung auf die Zahngesundheit unseres Sohnes dokumentieren zu lassen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren. Konkret habe ich zwischen dem 25.11.2016 und 8.12.2016 folgende Personen kontaktiert:

  • Prof. Dr. Norbert Krämer: Kinderzahnheilkunde, Universitätsklinikum Gießen
  • Prof. Dr. Ulrich Schiffner: Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZMK) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Prof. Dr. Jan Kühnisch: Kinderzahnheilkunde, Klinikum der Universität München (LMU)
  • Prof. Dr. Katrin Bekes: Universitätszahnklinik medizinische Universität Wien

Keine einzige dieser Personen hat auf meine Kontaktaufnahme oder Informationen reagiert. Auch das hat mich stutzig gemacht. Wenn eine epidemieartige Gesundheitsstörung über unsere Kinder einbricht, würde man doch denken, dass unsere führenden Wissenschaftler/in jede Möglichkeit ausschöpfen, um Lösungen zu finden?

Die Antworten vom BMEL und der DGE haben mich nicht beruhigt; ebenso wenig das Schweigen der Wissenschaftler/in. Vielleicht wäre die BEVK, die Bundeselternvertretung für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege in Berlin, an einem Dialog interessiert? Sämtliche Unterlagen habe ich daraufhin an Herrn Norman Heise, seit September 2016 Geschäftsführer der BEVK, weitergeleitet. Herr Heise schien an meinen Ausführungen interessiert zu sein und nach einigem Hin und Her zog er die Expertise einer erfahrenen Zahnärztin sowie Leiterin des zahnmedizinischen Dienstes eines Berliner Bezirks hinzu. Von dieser Zahnärztin wiederum bekam ich ein 2-seitiges Schreiben, welches auf diverse meiner Recherchen und Annahmen Bezug nahm. Fünf Aussagen stachen aus dem Schreiben heraus:

    • “Die Entstehungszeit (Mineralisation der 6 Jahresmolaren und Ober- und Unterkieferzähne) liegt um die Geburt herum. Das heißt Schwangerschaft letztes Drittel – Geburt – Babyzeit bis max. 8 Monate, würde ich sagen. Dieser Fakt ist wissenschaftlich weltweit untersucht und ich denke unumstößlich.”
    • “Gesunde Ernährung ist schon sehr wichtig! Die Ernährung in den 80ziger Jahren war anders als heute.”
    • “In der Nahrung ist heute so viel drin – wo man nicht sagen kann, welchen Einfluss Enzyme, Geschmacksstoffe, Farbstoffe u. a. auf unsere Entwicklung haben”
    • “Heute gibt es weit mehr Interessenkonflikte, besonders in der Landwirtschaft.”
    • “Die Politik und Wissenschaft sollten etwas tun – jetzt – und nicht warten, bis der Verbreitungsgrad weiter steigt. Die Folgen sind nicht lapidar – es entstehen große Probleme für Kinder und Eltern.”

Diese Aussagen waren für mich nicht plausibel: Dass bleibende Zähne schon vor oder kurz nach der Geburt im Körper geformt werden, klang für mich wenig logisch, ebenso wenig, dass wir nicht klar benennen können, welche Auswirkungen einzelne Zusatzstoffe in unserer Nahrungskette auf die Gesundheit haben. Offensichtlich war für mich auch nicht, wie Interessenkonflikte in der Landwirtschaft möglicherweise unsere Nahrung verändert haben oder was genau eigentlich unsere Politik und Wissenschaft machen, um uns zu schützen.

Die Suche nach Antworten
Mit diesen Aussagen und Fragestellungen habe ich mich intensiv auseinandergesetzt. Was sich in über zwei Jahren Recherche herauskristallisiert hat, ist Folgendes:

  1. Es existiert ein komplexes System von Entwicklungen, die unsere gesamte Nahrungskette negativ beeinflussen. Der Niedergang unserer lebensnotwendigen Versorgung schadet besonders Kindern in der kritischen Phase des Wachstums.
  2. Die verantwortlichen gesellschaftlichen Akteure in der Politik, der Wissenschaft und im medizinischen Sektor unterstützen diese negative Entwicklung aktiv, weil sie in eine wirtschaftliche Abhängigkeit geraten sind und/oder die Auswirkungen ihres Handelns in einem globalisierten Marktumfeld nicht verstehen.

Mein Ziel ist es, Ihnen als Leser bzw. Leserin zu ermöglichen, genau diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Lösungsansätze zur Schaffung der notwendigen Bedingungen für eine wirklich gesunde Entwicklung Ihrer Familien schildere ich am Ende des Buches. Folgende Schwerpunkte habe ich herausgearbeitet:

  1. NAHRUNG UND GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet?
  2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus.
  3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung MIH.
  4. NEUE ZUTATEN: Was wird uns von der Industrie ins Essen gemischt und was bewirken diese Zutaten in unserem Körper?
  5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme der DGE und des BMEL.
  6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht.
  7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme.
  8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen.
  9. DIE AKTEURE IM MARKT: Der private Sektor und die öffentliche Hand. 
  10. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen erobern die Welt. 
  11. Praktische Umsetzungen: Politiker/innen und Krankenkassen in die Pflicht nehmen, selbst aktiv werden. 
  12. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungsmöglichkeiten.

Alles, was ich hier zusammengetragen habe, stützt sich auf öffentlich und frei zugängliche Informationen oder persönliche Erfahrungen. Die Quellenangaben der jeweiligen Abschnitte sind immer direkt hinterlegt. Dort finden sich weiterführende Informationen und Hintergründe.

Bei genauer Betrachtung stellte sich für mich heraus, dass wir ein globales System geschaffen haben, welches uns, und besonders unseren Kindern, schwer schadet. Für all diese Kinder habe ich dieses Buch geschrieben.

Zu meiner Person
Ich bin keine ausgebildete Ernährungsexpertin. Bis Ende 2016 hatte ich generell wenig Ahnung von Nährstoffen. Ich hatte kein Verständnis davon, was unser Essen in unserem Körper bewirkt. Welche biochemischen Prozesse einzelne Nährstoffe in unserem Organismus auslösen, war mir unbekannt. Diese Zusammenhänge habe ich weder in meiner Schullaufbahn noch im Studium gelernt. Ich bin auch keine Agrarwissenschaftlerin. In den ersten 40 Jahren meines Lebens habe ich fast nichts darüber gelernt, wie wir unsere Lebensmittel produzieren und verarbeiten. Aber ich kann lesen und mich schnell in neue Inhalte einarbeiten.

Wovon ich Ahnung habe, ist Wirtschaft. Ich habe selbst zehn Jahre in leitender Funktion in Frankfurt und London in zwei Investment-Banken gearbeitet. Seit 2009 arbeite ich international mit Personen im oberen Management von DAX und FTSE Konzernen zusammen. Ich unterstütze diese Unternehmenslenker/innen darin, wie sie umsichtiger mit ihren Mitarbeitern umgehen, wie sie Konflikte lösen und Zukunftsvisionen klar und verständlich kommunizieren.

Ich habe viele Jahre im Ausland gelebt: in den USA, in Chile, Ecuador und Großbritannien. In all den Jahren konnte ich beobachten, wie sich die Lebensumstände in all diesen Ländern rasant verändert haben; insbesondere die Art und Weise, wie sich Menschen ernähren. In meinem Werdegang habe ich ebenfalls gelernt, dass viele Menschen nicht immer so agieren, wie sie eigentlich wollen. Sie arbeiten eingebettet in Glaubens- und Sachzwänge, die sie oft dazu verleiten, Dinge zu tun, die nicht gut sind, weder für sie selbst noch für andere.

Ebenfalls habe ich gelernt, dass – wenn es um viel Geld geht – auch Entscheidungen getroffen werden, die der Allgemeinheit schaden. Was diese komplexen Dynamiken aber mit unserem Essen und der Gesundheit unserer Kinder zu tun haben, das wusste ich nicht. 

Als Anmerkung vorab: Ich habe in diesem Buch überall dort, wo beide Geschlechter angesprochen werden, meist nur die männliche Form verwendet. Ich tue das aus zwei Gründen: Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass die sprachlichen Regeln des Gender-Mainstreamings die Lesbarkeit eines Buches deutlich stören. Ebenso gilt: Meine Kommentare in Bezug auf berufliche Personengruppen sind meist kritischer Natur – ich benenne Fehlverhalten der obersten Entscheidungsträger. Genau diese Entscheidungsträger sind überwiegend Männer. Frauen sprachlich in diesem Zusammenhang “gleichzustellen”, würde in vielerlei Hinsicht die Realität verzerren. 

Ulrike von Aufschnaiter 

Bremen, im April 2019

Quellen und weitere Informationen zu den Krankheitszahlen unserer Kinder

Störungen des Immunsystems und Hormonsteuerung

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH

Wie eingangs erklärt, war der Auslöser für meine Nachforschungen die Diagnose der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH bei unserem Sohn. Es handelt sich bei dieser Störung um ein Phänomen, das im öffentlichen Diskurs als wenig erforscht und verstanden dargestellt wird. Da diese Erkrankung eine Betroffenheitsquote von ca. 30% der deutschen Kinder aufweist, möchte ich in diesem Kapitel genauer auf das Krankheitsbild und mögliche Ursachen eingehen. Für die folgenden Seiten lauten meine zentralen Thesen:

  1. Es braucht mehrere Rahmenbedingungen, die für einen gesunden Zahnaufbau gegeben sein müssen: die richtigen Nährstoffe, ein gesundes Maß an Bewegung, Sonne und positiven Stress. Alle vier sind Grundvoraussetzungen der für den Zahnaufbau notwendigen Stoffwechselprozesse.
  2. Die Notwendigkeit der Einhaltung sowie die negativen Konsequenzen einer Nichteinhaltung dieser Rahmenbedingungen sind wissenschaftlich belegt.
  3. Die notwendigen Rahmenbedingungen sind oft nicht gegeben.
  4. Das Wissen über diese Grundlagen wird der Bevölkerung nicht systematisch vermittelt.
  5. Eine Störung des Zahnschmelzes ist somit aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Eine Bestandsaufnahme

Was genau sind Kreidezähne und welche Aspekte sind über dieses Krankheitsbild bekannt? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe die verfügbaren Informationen zusammengetragen.

  • MIH ist eine Störung des Zahnschmelzes primär der bleibenden Zähne.
  • Besonders betroffen sind die 6-Jahres-Molaren und Schneidezähne der bleibenden Zähne, wobei sich diese Störung mittlerweile wohl auch verstärkt auf angrenzende Zähne ausweitet.
  • MIH tritt ebenfalls an Milchzähnen auf und wurde in der Literatur bereits vor ca. 10 Jahren beschrieben, zum Beispiel in der unter den Quellenangaben am Ende dieser Sektion aufgeführten Studie: “Schmelzbildungsstörungen – Fallbericht einer generalisierten Schmelzbildungsstörung in der 1. Dentition”.
  • Bei MIH ist meistens nur der Zahnschmelz, nicht aber das Dentin oder der Wurzelzement beschädigt. Die Krone ist meist normal ausgebildet, “lediglich” der Zahnschmelz ist in der Art und Weise, wie er mineralisiert wurde, gestört.
  • Da die Dichte des Zahnschmelzes der betroffenen Zähne nur ca. 10% eines gesunden Zahnschmelzes aufweist, besteht eine deutlich höhere Anfälligkeit für Karies und Zerfall der Zähne.
  • Kinder mit MIH im Alter von 9 Jahren müssen sich 10-mal häufiger einer zahnärztlichen Behandlung ihrer 6-Jahres-Molaren unterziehen als Kinder ohne MIH. Es wird sogar eine 11-mal höhere Wahrscheinlichkeit einer zahnärztlichen Therapie aufgezeigt (siehe Knapp und Nies 2009).
  • Bei Einbruch des Zahnschmelzes sind umfängliche Restaurierungsarbeiten bis zur Überkronung mit Stahlkappen notwendig. Die Prozeduren sind sowohl für die Patienten als auch für die Eltern oft schmerzvolle und traumatische Erlebnisse.
  • Die Kosten für die notwendigen und oft lebenslangen Restaurationsarbeiten an den Zähnen tragen zu großen Teilen die Patienten bzw. Eltern. Nach der Diagnose von MIH ist eine Zusatzzahnversicherung, die Folgekosten dieser Erkrankung einschließt, meist nicht mehr möglich. Die Kosten für eine wertige Restaurierung der Zähne bewegen sich über die Lebensspanne der Patienten wahrscheinlich irgendwo zwischen 10.000 und 30.000 Euro.
  • Die Prävalenz in Deutschland lag 2016 laut der “Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie” bei 28,7% der 12 jährigen Kinder. Bei dieser Studie handelt es sich um eine repräsentative Studie, die in 90 Städten und Gemeinden durchgeführt wurden.
  • Die weltweite Prävalenz liegt bei bis über 40% der untersuchten Kinder, gemessen in Stichproben in der Bevölkerung Australiens, Schwedens, Indiens, Brasiliens und Großbritanniens. Die Tendenz ist überall steigend.
  • Das Erkrankungsbild wurde in den Jahren bis ca. 1980 nicht oder nur sehr vereinzelt beobachtet. In den Fachpublikationen wurde allerdings die Frage gestellt, ob eine allgemein schlechtere Zahngesundheit und Karies in früheren Jahren eine mögliche MIH überdeckt haben.
  • Die Ausprägung der Zahnschmelzstörung variiert und wird verschiedentlich in drei Schweregrade unterteilt:
      • milde Defekte – farbliche Veränderungen
      • mäßige/moderate Defekte – isolierte Schmelzverluste
      • schwere Defekte – Schmelzverluste mit betroffenen Dentinanteilen

Mögliche Ursachen von MIH/Kreidezähnen

Global wurde in den letzten zwei Jahrzehnten verstärkt nach möglichen Ursachen für diese Erkrankung geforscht. So werden im April 2017 alleine bei einer Suche über “Google Scholar” 2650 Ergebnisse zum Thema MIH angezeigt. Unter Google Search wiederum finden sich 11 400 Treffer zu dem Thema Molar Incisor Hypomineralisation. Es wurde versucht, folgende Faktoren mit MIH zu korrelieren:

  1. Komplikationen während der Geburt, möglicherweise Sauerstoffmangel
  2. Frühgeburten
  3. Erkrankungen im Kindesalter wie Fieber, Magen-Darm-Infekte
  4. Antibiotika
  5. genetische Veranlagung
  6. Lungenerkrankungen/Asthma
  7. schlechte Mundhygiene im Milchzahngebiss
  8. Stillverhalten der Mütter/Dioxine in der Muttermilch
  9. Weichmacher wie BPA durch Plastiksauger/Babyflaschen

In keiner Studie konnte einer der aufgeführten Faktoren eindeutig als Auslöser der Erkrankung identifiziert werden.

Mögliche Korrelationen mit einer Ernährung ohne ausreichende Vitalstoffe, eine Belastung durch Strahlungen (zum Beispiel Mikro- oder Radiowellen) oder Chemikalien sowie giftige Substanzen (ausgelöst durch Kunststoffe, Spielzeug oder Zahnfüllungen) wurden meiner Kenntnis nach nicht speziell erforscht. Eine Erklärung, warum diese Aspekte nicht untersucht wurden, konnte ich nicht finden.

Eine detailreiche Aufstellung der unterschiedlichen Studien und ihrer jeweiligen nicht aussagekräftigen Ergebnisse bis 2009 erfolgt in einer Studie von Silke Knapp und Verena Mies von 2009. In dieser Studie wird Mangelernährung als mögliche Ursache zwar erwähnt, ich konnte aber keine Folgestudien finden, die sich dieser Thematik annahmen.

Lediglich Hinweise auf eine mögliche Relevanz von Schwankungen im Calciumphosphat-Spiegel in den ersten vier Lebensjahren habe ich in einzelnen Studien gefunden. Zum Beispiel in der Studie “Molar-Incisor-Hypomineralization”, Verena Knapp, Silke Marie Nies 2009. In dieser Studie wird erklärt:

“Möglicherweise haben häufige Erkrankungen in den ersten 4 Lebensjahren einen Einfluss auf die Entstehung von Hypomineralisierungen der bleibenden Zähne. Dabei spielen insbesondere Erkrankungen, die mit Schwankungen des Kalziumphosphat-Spiegels einhergehen, wie Mangelernährungszustände, Durchfallerkrankungen und Fieberzustände eine Rolle und wirken sich auf die Schmelzbildung aus.”

Kreidezähne und Vitamin D: Wichtige Erkenntnisse werden nicht verbreitet

Untersuchungen zu fehlenden Nährstoffen im Zusammenhang mit MIH/Kreidezähnen konnte ich nicht finden. Dafür habe ich eine Studie gefunden, welche die Rolle von Vitamin D im Krankheitsbild MIH betrachtet.

Die 10 Jahresstudie “Elevated serum 25(OH)-vitamin D levels are negatively correlated with molar-incisor hypomineralization” wurde in München an der LMU unter der Leitung von Prof Dr. med. dent. Jan Kühnisch erstellt und 2015 veröffentlicht.

Diese Studie belegt, dass Kinder, die einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel aufwiesen, deutlich häufiger durch MIH geschädigte Zähne hatten. Ebenso zeigten die Forschungsergebnisse, dass die untersuchten Kinder mit einem höheren Vitamin-D-Spiegel generell auch deutlich seltener an Karies litten. Man sollte also annehmen, dass diese wissenschaftlich belegten Ergebnisse dazu führen, dass ein Vitamin-D-Mangel zumindest als möglicher Auslöser oder als Co-Faktor für diese Erkrankung der Zähne in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ebenso könnte man denken, dass diese Erkenntnisse dazu führen, dass bei Kindern, bei denen MIH oder auch starke Karies diagnostiziert wurde, der Vitamin-D-Spiegel untersucht und ggf. korrigiert wird. Das aber passiert anscheinend nicht. Im Gegenteil. In keinem weiteren der öffentlich zugänglichen Berichte und Artikel wurde das Ergebnis, dass Vitamin D relevant für die Zahngesundheit, besonders bei MIH, sein könnte, erwähnt.

In Bezug auf die Studie selbst ist weiterhin Folgendes kurios: Nirgendwo wird aufgeführt, in welcher Höhe genau sich denn nun der Vitamin-D-Spiegel der betroffenen Kinder bewegt: Bei unter 5, 10, 20 oder 30 ng/ml? Es wird von einer gesundheitsfördernden Anhebung des Spiegels geschrieben, aber nicht erklärt, von wo nach wo korrigiert werden soll. Die Differenz des gemessenen Spiegels im Vergleich zu einem wissenschaftlich belegten gesunden Spiegel von 30ng/ml wird nicht erwähnt. Diese Information wäre ja durchaus relevant, damit Kinder- oder Zahnärzte den Vitamin-D-Spiegel ihrer Patienten und Patientinnen entsprechend korrigieren könnten.

Ebenfalls kurios ist, dass in der Studie nicht parallel die Blutwerte bezüglich des Calcium- und Phosphatgehalts der Probanden gemessen wurden. Dass diese drei Bausteine – Vitamin D, Calcium und Phosphat – für einen gesunden Knochen- und Zahnstoffwechsel essenziell sind, ist ja schließlich seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Über die Stoffwechselprozesse und den Auf- und Abbau von Knochen- und Zahnsubstanz informiert zum Beispiel die Studie “Demineralization–remineralization dynamics in teeth and bone”. Diese Studie bezieht sich auf 234 internationale Studien rund um diese physiologisch und wissenschaftlich erforschten Prozesse.

Anmerkung: Prof. Dr. med. dent. Jan Kühnisch war einer der Experten, die ich Anfang Dezember 2016 mit der Aussage kontaktiert habe, dass es sich bei MIH vielleicht um ein Krankheitsbild handelt, welches durch Fehl- oder Mangelernährung ausgelöst wird. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Quellen und weitere Informationen “Was ist Molar Incisor Hypomineralisation (MIH): Eine Bestandsaufnahme”

Die Entstehung von bleibenden Zähnen 

Um herauszufinden, in welchem Stadium eine Schädigung des Zahnschmelzes überhaupt stattfinden kann, sollte zuerst geklärt werden, wie und wann die Zähne denn eigentlich aufgebaut werden. Das Wissen um diesen Prozess ist umfänglich, wenngleich an manchen Stellen lückenhaft. Ebenfalls ist bekannt, wie die Zähne vor und nach dem Durchbruch mit Hilfe von Blut und Speichel mit Mineralstoffen versorgt werden.

Entwicklungsstadien

Die Entwicklung der Zähne ist ein hochkomplexer Prozess, der auch noch nicht abschließend verstanden wird. Zum Beispiel ist noch unklar, durch welchen Impuls sich die Zähne im Kiefer anordnen und auf welchen Grundlagen sie in ihrer jeweiligen Funktion ausgebildet werden, oder was genau den Mineralisierungsprozess auslöst.

Gut erforscht ist, dass sich die Entstehung der Zähne in unterschiedliche Stadien gliedert, die zeitlich versetzt sind: das Knospen-, das Kappen-, das Glocken- und das Kronenstadium. Der jeweilige Wurzelzement wird zeitlich deutlich später ausgebildet.

Dentin und Zahnschmelz werden im Kronenstadium, also dem letzten Stadium, final ausgebildet. Über eine komplexe Anordnung von Kristallen und verschiedene Einlagerungsprozesse von Mineralien (Calcium/Phosphat/Fluor) wird der Zahnschmelz gebildet. Dieser Prozess vollzieht sich in Phasen – der Zahnschmelz wird ähnlich wie ein Baum in Ringen bzw. Lagen aufgebaut. In der ersten Phase sind die Zähne lediglich zu 30% mineralisiert – es folgen komplexe Prozesse der Umstrukturierung und weitere Mineralisierungsprozesse. Die finale Ausreifung der Zähne passiert nach Durchbruch im Mundraum über die Anreicherung von Mineralstoffen aus dem Speichel. Die Ausbildung der Zahnhartsubstanz findet bei den 6-Jahres-Molaren und den Schneidezähnen zwischen dem ca. 2. und 7. Lebensjahr statt.

Manche Zahnärzte und Zahnärztinnen erklären, dass die Entstehungszeit der 6-Jahres-Molaren, also der bleibenden Backen- und Schneidezähnen, vor der Geburt beginnt und bis zum Ende des ersten Lebensjahrs abgeschlossen ist. Diese Aussage bekam ich auch von der eingangs erwähnten Amtsärztin aus Berlin; sie entspricht allerdings nicht unserem heutigen Wissensstand.

Intuitiv kommt selbst ein medizinischer Laie recht schnell zu der Erkenntnis, dass diese oft verbreitete Aussage nicht stimmen kann. Dazu muss man sich lediglich die durchaus beachtliche Größe von ausgewachsenen Backen- und Schneidezähne vorstellen und dann überlegen, wie genau diese wohl in den noch sehr kleinen Kopf und Gaumen eines Säuglings passen sollen? Dieser eklatante Platzmangel wird noch offensichtlicher, wenn man bedenkt, dass das Milchgebiss bei Säuglingen überhaupt erst Ende des ersten Lebensjahres fertig ausgebildet ist. Der nötige Raum für den strukturellen Aufbau von bleibenden Zähnen ist somit erst ab ca. Ende des ersten Lebensjahrs gegeben. Hinzu kommt, dass die Zahnschmelzschädigung MIH selbst meist nur den Zahnschmelz betrifft, und der wiederum wird in einem besonders späten Stadium des Zahnwuchses final ausgebildet.

Mit all diesen Erkenntnissen kann man die Zeitspanne einer möglichen Schädigung und somit Entstehung von MIH recht genau eingrenzen: Sie wird sich auf den Zeitraum ab Ende des 1. Lebensjahres bis kurz nach dem Durchbruch der Zähne belaufen.

Essenzielle Nährstoffe für gesunde Zähne

Der Auf- und Abbau von Zähnen ist ein lebenslanger Prozess. Zähne mineralisieren sich in unterschiedlichen Teilen über den Speichel und das Blut. Inwieweit sich Zähne auch in der Struktur wieder aufbauen können, ist umstritten. Der bereits erwähnte Wissenschaftler Weston Price beschreibt in den 1930 Jahren in seinem Buch “Nutrition and Physical Degenration – A comparison of primative and modern diets and their effects” umfänglich, und mit vielen Foto-Dokumentationen, wie sich bei verschiedenen Naturvölkern der Zahnschmelz nach starkem Abrieb wieder aufgebaut hat. Dieser Prozess scheint aber von der heutigen Schulmedizin nicht dokumentiert oder bestätigt zu werden.

Wissenschaftlich belegt ist Folgendes: Um Knochen und Zähne aufzubauen und zu mineralisieren, braucht es einen hohen Vitamin D Blutspiegel (ideal +30ng/ml), insbesondere die richtigen Mengen und Verhältnisse von Calcium, Phosphat, Magnesium sowie Vitamin K und ggf. noch diverse andere Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren. Im Detail bedeutet eine adäquate Versorgung für Kinder Folgendes:

  1. Vitamin D: Zur körpereigenen Produktion von Vitamin D muss ein Kind regelmäßig der Sonne bei hohem Sonnenstand, mit unbedeckter Haut und ohne Sonnencreme, ausgesetzt sein. Im Winter und bei niedrigem Sonnenstand wird für gesunde Kleinkinder eine wöchentliche Zufuhr von der DGE empfohlen, die folgenden Lebensmitteln entspricht: 140 Gramm geräuchertem Aal oder 840 Gramm Lachs oder 3,5 Kilogramm Ei. Alternativ kann man pro Woche 14 Gramm Lebertran verabreichen oder eine entsprechende Vitamintablette schlucken.
  2. Calcium: Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für Kinder von 1-4 Jahren findet sich in folgenden Lebensmitteln: 0,5 Gramm Eierschalen, 45g Parmesankäse, 50g Mohnsamen, 80g Gouda oder Emmentaler (45% Fett), 90g Brennnessel, 220g Mandeln, 400g Gurke, 500 ml Milch, 800g Banane oder zum Beispiel 2,9kg Vollkornbrot, 3,5kg Vollkornnudeln.
  3. Phosphat ist in Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten, Nüssen, Eiern, Milchprodukten und Getreide enthalten. Einen Überschuss an natürlichem Phosphat scheidet der Körper wieder aus. Künstliches Phosphat, welches von der Lebensmittelindustrie als Stabilisator, Säureregulator, Rieselhilfsmittel, Dickungs-, Gelier- und Bindemittel, zur Konservierung sowie als Geschmacksverstärker eingesetzt wird, kann der Körper nicht richtig ausscheiden. Bei Konsum von industriell hergestellten Lebensmitteln bildet sich somit schnell ein Phosphat-Überschuss, der den Aufbau von Zähnen stören kann.
  4. Magnesium findet sich primär in Hülsenfrüchten, Nüssen und vollem Getreide sowie in Mineralwasser. Die Aufnahme von Magnesium, ebenso wie von Phosphat, wird durch einen hohen Gehalt an Phytinsäure, welche sich in den Schalen dieser Lebensmittel befindet, behindert. Durch Einweichen oder Fermentieren wird die Konzentration von Phytinsäure verringert. Die DGE empfiehlt für gesunde Kinder, ohne Stress oder jegliche Krankheiten, für die ersten 1 bis 4 Jahre 80mg pro Tag. Dies entspricht ca. 50g Nüssen, 55g Hafer, 60g Linsen, 70g Spinat, 300g Weißbrot oder 10 Liter Bremer Trinkwasser.
  5. Vitamin K: Dieses Vitamin ist nur in Obst und Gemüse vorhanden. Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für gesunde Kleinkinder findet sich in 1 Gramm Liebstöckel, 3 Gramm Brennnessel oder Löwenzahn, 10 Gramm Brokkoli, Rosenkohl oder Schnittlauch, 40 Gramm Olivenöl, 400 Gramm Apfelsine. Eine gesunde Darmflora kann allerdings auch Vitamin K selbst herstellen.

Sind diese Konditionen nicht gegeben, ist eine Störung wie Kreidezähne/MIH aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Wenn zusätzlich Störfaktoren den Organismus in der Aufnahme und bei Stoffwechselprozessen behindern, ist eine Erkrankung der Zähne zu erwarten. Zu diesen Störfaktoren gehören Salz, Zucker, Antibiotika, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Aluminium und einiges mehr. Auf die Wirkung dieser Substanzen im Körper gehe ich im nächsten Kapitel “NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?” ausführlich ein.

Die Versorgung der Zähne: Blut und Speichel

Vor ihrem Durchbruch durch das Zahnfleisch werden Zähne über die Stoffwechselprozesse des umliegenden Gewebes bzw. über das Blut mit Mineralstoffen angereichert. Nach dem Durchbruch der Zähne übernimmt der Speichel die Funktion der Mineralisierung.

Vereinfacht: Speichel ist vergleichbar mit Blut, aus dem die roten Blutkörper herausgefiltert wurden. Der Speichel übernimmt entsprechend eine ähnliche Versorgung des Mundraumes wie Blut für den Rest des Körpers. Der Speichel spielt eine entscheidende Rolle in der Zahngesundheit: Er schützt die Zähne, indem er Säuren im Mundraum neutralisiert, und er mineralisiert die Zähne durch die Zufuhr von Calcium, Kalium, Phosphat und Fluor das ganze Leben lang.

Der Speichelfluss kommt nachts praktisch komplett zum Erliegen. Aus genau diesem Grund können sich Bakterien im Mund während des Schlafens ungehindert vermehren und führen dann morgens oft zu einem etwas unangenehmen Geschmack im Mund, und der Atem riecht unvorteilhaft. Der Speichelfluss kommt aber mit der ersten Nahrungsaufnahme wieder in Gang und erfüllt dann wieder seine Aufgaben im Mundraum: Anreicherung der Zähne mit Mineralstoffen, Abtötung und Abtransport von Bakterien sowie Herstellung eines ausgewogenen PH-Werts im Mundraum.

Speichel selbst wird wiederum von drei großen und etlichen kleinen Mundspeicheldrüsen produziert. Wenn diese Drüsen entzündet sind, wird der Speichelfluss gestört. Das wiederum beeinträchtigt die Mineralisierung der Zähne. Zu den Risikofaktoren einer Speicheldrüsenentzündung – der häufigsten Erkrankung der Speicheldrüsen – gehört eine verminderte Speichelproduktion. Die Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Speicheldrüsen auswirken, sind Medikamente, Diabetes, Eiweißmangel, Vitaminmangel oder Hormonstörungen. All diese Faktoren können zu einer Schwellung dieser Drüsen und in Folge zu einer Störung des Speichelflusses führen.

Für gesunde Zähne, ebenso wie für eine gesunde Leber, einen gesunden Darm oder gesunde Nieren, ist also entscheidend, dass unsere Stoffwechselprozesse im Körper richtig funktionieren. Und nur wenn diese Grundbedingung erfüllt ist, können unser Blut bzw. unser Speichel mit den notwendigen Nährstoffen angereichert werden und unsere unterschiedlichen Körperteile – inklusive unserer Zähne – versorgen.

Somit gilt: Das normale Vorgehen von schulmedizinisch ausgebildeten Zahnärzten, sich nur den Mundraum anzuschauen und häufiges Zähneputzen anzuraten, führt nicht automatisch zu Zahngesundheit.

Quellen und weitere Informationen zu ” Die Entstehung von bleibenden Zähnen”

MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung

Dass es sich bei MIH grundsätzlich um eine Stoffwechselstörung handelt, die durch falsche oder fehlende Nährstoffe verursacht wird und nicht, wie oft in der Öffentlichkeit suggeriert wird, in erster Linie durch Weichmacher oder unerklärbare toxische Substanzen, legt eine in 2008 veröffentlichte Studie nahe. Die Zeitschrift European Archives of Pediatric Dentistry publizierte die Studie: “Nothing new under the heavens: MIH in the past?”

Dort erklären die Autoren Ogden, Pinhasi, und White den Zusammenhang zwischen einem Mangel an den für den Zahnaufbau relevanten Nährstoffen in der entsprechenden Wachstumsphase und MIH anhand historischer Skelettfunde. In dieser Studie wird gezeigt, wie anhand detaillierter Zahnanalysen von 41 untersuchten Skeletten und 557 untersuchten Zähnen aus dem 17. und 18. Jh. aus einem Londoner Friedhof MIH nachgewiesen wurde. Neben den Untersuchungen der Zähne wurden ebenfalls etliche weitere Studien mit Erkenntnissen rund um die Zusammenhänge von Nährstoffmangel und Zahnfehlbildung hinzugezogen. Ein Großteil dieser Studien ist bereits 20 und mehr Jahre alt.

Urbane Zentren: Mangelernährung

In dem Zusammenhang dieser Erkenntnisse sollte man Folgendes wissen: London war bereits 1650 eine der dichtest besiedelten Regionen der Welt. Über 500.000 Menschen tummelten sich auf engstem Raum und die Bevölkerung wuchs bis 1815 auf über 1,4 Millionen Menschen an. Die Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln war mangelhaft und Krankheiten und Seuchen schwächten weite Teile der Bevölkerung. Ab 1750 nahm die Industrialisierung, besonders in London, Geschwindigkeit auf, und mit ihr hielt eine rapide Verschlechterung der Luftqualität Einzug.

Die untersuchten Skelette stammten also von Menschen, die auch schon in jungen Jahren mit einer hohen Luftverschmutzung, wenig Sonne und Bewegung im Freien zu kämpfen hatten. Für weite Teile dieser Bevölkerung war die Versorgung mit grünem Gemüse und somit den Mineralstoffen Calcium, Magnesium und Phosphat, ungenügend. Die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gesunde Entwicklung von Zähnen waren nicht gegeben.

Was es zu dem Zeitpunkt nicht gab, waren Weichmacher aus Plastikmaterialien oder andere synthetische Giftstoffe. Und auch, wenn diese Substanzen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht förderlich für einen gesunden Zahnaufbau sind, scheiden sie aufgrund dieser Studie als hauptsächliche Ursache für MIH aus. Diese Studie macht ebenfalls deutlich, dass es sich bei MIH um kein neues Symptombild handelt. Kreidezähne sind das Resultat einer Entwicklungsstörung, unter der Menschen unter bestimmten Gegebenheiten auch schon in der Vergangenheit litten.

Quellen und weitere Informationen zu “Kreidezähne/MIH: Ein wissenschaftlicher Beleg für Mangel und Fehlernährung”

  • Quelle: European Archives of Paediatric Dentistry December 2008, Volume 9, Issue 4, pp 166–171|Cite as “Nothing new under the heavens: MIH in the past?” by A. R. Ogden (Biological Anthropology Research Centre (BARC), Archaeological Sciences University of BradfordBradford England) Pinhasi (Archaeology University of CorkIreland) W. J. White (Centre for Human Bioarchaeology Museum of London, London England) Zusammenfassung Studie: Introduction: Bouts of malnutrition, disease and fever are known to depress the activity of the enamel-forming ameloblasts and to result in the formation of a thin and poorly calcified enamel matrix, with the formation of linearly distributed pits or grooves of defective enamel. Dental enamel hypoplasia (DEH) has therefore long been used as a non-specific indicator of systemic physiological stress during early life [Goodman and Rose, 1990; Gautelli-Steinberg et al., 1999]. Once formed, enamel is not remodelled during life and every individual’s enamel is a record of the first 8 or 9 years of their life when their crowns are formed [Smith, 1991; Skinner and Goodman, 1992; Hillson and Bond, 1997].” Results: Of the total number of individuals 41 (93.2%) showed signs of enamel developmental dysplasia or MIH, 28 of them showing moderate or severe lesions of molars, primary or permanent (63.6% of the sample). Incisors and canines, though surviving much less often, showed episodes of linear hypoplasia. Conclusion: The extensive lesions seen on many of the molars displayed cuspal enamel hypoplasia (CEH). Many of these teeth also exhibited Molar Incisal Hypomineralisation (MIH).”  https://link.springer.com/article/10.1007/BF03262632

Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum?

Für gesunde Zähne sind folgende “Zutaten” notwendig:

  1. Alle relevanten Nährstoffe: Bei einem gesunden Körper gibt es einen ständigen Prozess des Auf- und Abbaus von Mineralstoffen in Zähnen. Damit diese für den Zahnerhalt wichtigen Stoffwechselprozesse richtig funktionieren, muss die Nahrung aus hochwertigen Rohstoffen bestehen und eine angemessene Konzentration von Nährstoffen, besonders von denen, die für den Zahnaufbau notwendig sind, aufweisen.
  2. Keine/wenige Giftstoffe: Nahrung sollte keine bis wenige Substanzen enthalten, die unsere Darmflora und Leber schädigen, sonst funktionieren die notwendigen Stoffwechselprozesse nicht. Dazu gehören zum Beispiel viele Medikamente, Zucker, Nitrat, Salz, Aluminium und Pestizide.
  3. Bewegung und Sonne: Zusätzlich braucht der Körper ausreichend Bewegung und Sonne (bzw. Fisch), um die Versorgung mit Vitamin D – der Grundvoraussetzung für eine korrekte Einlagerung von Calcium und Phosphat in den Zähnen – zu gewährleisten.

Kinder brauchen also, besonders in den ersten Lebensjahren, Nahrungsmittel, die diese aufgeführten Nährstoffe beinhalten: Hülsenfrüchte, Kräuter, Eier, volles Getreide, viel grünes Gemüse, Samen und Nüsse. Die meisten Kinder bekommen aber von diesen Lebensmitteln offenbar zu wenig. Dafür bekommen sie Nahrung mit wenig Vitaminen und Mineralstoffen und Zutaten, welche die Darmflora, Leber und etliche weitere Organe und Stoffwechselprozesse stören: Wurst, Nudeln, Frischkäse, Kekse, Eis, Milchpulver, Süßigkeiten und salzige Knabberartikel.

Hinzu kommt, dass sich unsere Kinder oft nur eingeschränkt bewegen und in der Sonne – wenn überhaupt – nur unter Einwirkung von Sonnenschutzmitteln spielen dürfen. Häufiger Stress in Form von Lärmbelästigung, Krankheiten, Unruhe in externen Betreuungsmodellen sowie eine familiäre Überlastung stehen ebenfalls schon für Säuglinge und Kleinkinder auf der Tagesordnung. All diese oft dauerhaften Stresssituationen bedeuten eine zusätzliche Belastung für den wachsenden Organismus.

Wenn man sich dieses Gesamtbild anschaut, ist eine Störung der Zahnschmelzstruktur, ebenso wie etliche weitere Erkrankungen, wahrlich keine Überraschung.

ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme von DGE und BMEL

Die Ministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und Gesundheit (BMG) haben den gesetzlichen Auftrag, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Menschen in Deutschland, insbesondere Kinder, sich gesund entwickeln und auch gesund bleiben können. Diesem Auftrag werden die beiden Ministerien nicht gerecht.

Auf den folgenden Seiten belege ich anhand der öffentlichen Ernährungspläne für Kindertagesstätten, mit welchen Informationen und Methoden die zuständigen Ministerien systematisch falsche oder zumindest irreführende Informationen verbreiten.

Hintergrund der öffentlichen Ernährungspläne

Gemeinsam haben das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Ernährungspläne erstellt. Diese Pläne nennen sich Qualitätsstandards und wurden für folgende gesellschaftliche Teilbereiche konzipiert:

  • Kindertagesstätten
  • Ganztagsschulen
  • Krankenhäuser
  • Rehakliniken
  • Pflegeheimen
  • Betriebskantinen
  • Lieferdienste bzw. “Essen auf Rädern”

Die Qualitätsstandards wurden in Deutschland ab 2005 für die unterschiedlichen Gesellschaftsbereiche eingeführt. Das Ziel dieser Pläne ist, die jeweiligen Einrichtungen zu unterstützen und eine gesunde Nahrungsgestaltung zu gewährleisten. Es werden Informationen für die Zubereitung der unterschiedlichen Mahlzeiten bereitgestellt und ausgewählte Nahrungsmittel empfohlen. Diese Standards sind nicht gesetzlich verpflichtend, aber Einrichtungen können sich für deren Umsetzung zertifizieren lassen.

Seit 2005 bilden diese Pläne also eine wichtige Grundlage für die öffentliche Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung. All diese Pläne sind in Bezug auf Aufbau und Informationsgehalt fast identisch. Überall werden die gleichen Gerichte und Nahrungmittelkomponenten vorgeschlagen, und genau diese Gerichte sieht man nun in allen öffentlichen Bereichen.

Qualitätsstandards für Kindertagesstätten

Das deklarierte Ziel des Qualitätsstandards für Kindertagesstätten ist, die Einrichtungen zu unterstützen, eine wirklich gesunde Nahrungsgestaltung für unsere Kinder zu gewährleisten. In diesen Standards, ebenso wie in allen anderen Qualitätsstandards, ist die deklarierte Intention des ehemaligen Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, sowie des Geschäftsführers der DGE, Dr. Oberritter, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Christian Schmidt erklärt auf Seite 6 dieses Qualitätsstandards:

“Kinder sollen gesund aufwachsen – dazu ist gutes und qualitativ hochwertiges Essen eine wichtige Voraussetzung. Gesundes Essen dient auch als Basis für Lebensqualität und Zufriedenheit und trägt zu guter Gesundheit im späteren Leben bei.

Dieser Qualitätsstandard hilft bei der Umsetzung einer gesundheitsfördernden Ernährung in die Praxis. Erfüllt eine Kindertagesstätte die geforderten Kriterien, besteht die Möglichkeit einer Zertifizierung. Die Tageseinrichtung beweist damit ihr Engagement für eine vollwertige und qualitativ hochwertige Verpflegung.”

Dr. Oberritter betont auf Seite 7:

“Menschen zu befähigen, ihr optimales Gesundheitspotenzial zu verwirklichen, bedeutet auch, ihr alltägliches Lebensumfeld gesundheitsfördernd zu gestalten – und das von Anfang an….

Mit dem ˈDGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinderˈ hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten ein grundlegendes Instrument entwickelt, um die Qualität der Verpflegung in Tageseinrichtungen zu sichern….

Kriterien zur optimalen Lebensmittelauswahl, der Häufigkeit der Verwendung bestimmter Lebensmittel sowie der Speisenplanung und -herstellung bis hin zum nährstoffoptimierten Verpflegungsangebot geben die Rahmenbedingungen vor.”

Die reale Umsetzung dieser Qualitätsstandards führt aber nicht dazu, ein “optimales Gesundheitspotential zu verwirklichen”. Es bestehen folgende Schwachstellen:

  1. Anpreisung ungesunder Lebensmittel: Es wird an etlichen Stellen explizit angeregt, industriell hergestellte Lebensmittel zu konsumieren. Auf die Gefahren der Zusatzstoffe oder die Belastungen durch Rückstände von Pestiziden und Hormonen wird nicht hingewiesen. Es wird nicht erklärt, dass diese Lebensmittel oft viel zu wenig essenzielle Nährstoffe, zu wenig sekundäre Pflanzenstoffe sowie selten natürliche Pro- und Präbiotika aufweisen.
  2. Irreführende und unspezifische Informationen: Nahrungsmittel, die gravierende Unterschiede in der Konzentrationen von Nährstoffen aufweisen, werden als gleichwertig deklariert.
  3. Vorenthaltung gesundheitsfördernder Lebensmittel: Etliche Lebensmittel, die eine besonders positive Wirkung auf den menschlichen Organismus haben, werden als Nahrungsmitteloptionen nicht oder nur sehr beiläufig erwähnt.
  4. Fehlende Berücksichtigung essenzieller Nährstoffe: Nährstoffverluste durch Transport, Lagerung oder lange Kochzeiten werden nicht ausreichend erläutert und müssen laut der Qualitätsstandards auch nicht angemessen kompensiert werden. Auf die notwendige Versorgung mit essenziellen Nährstoffen wird nur unvollständig eingegangen.
  5. Orientierung an Wirtschaftlichkeit: Es wird den Betreibern von Kantinen ein großer Spielraum eingeräumt, sich nach wirtschaftlichen Interessen zu richten, ohne auf mögliche Nachteile für die Gesundheit von Kindern einzugehen.

In der Summe und praktischen Umsetzung bedeuten die Anweisungen der Qualitätsstandards, dass Kinder im öffentlichen und verpflichtenden Bildungssystem minderwertige Zutaten konsumieren, ihnen zu wenig natürliche essenzielle Nährstoffe verabreicht werden und sie gleichzeitig erhöhten Belastungen durch Schadstoffe ausgesetzt werden.

Quellen und weitere Informationen zu “ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme der DGE und BMEL (ANMERKUNG 22.07.2019: Die folgenden Links sind nicht mehr aktiv; die Broschüren wurden von den Webseiten in der Zwischenzeit entfernt)

Schwachstellen im Detail

Auf den folgenden Seiten beleuchte ich die benannten Schwachstellen im Detail und belege mit konkreten Beispielen aus dem Qualitätsstandard für Kindertagesstätten, wie bestimmte Anweisungen, Vorenthaltungen und Fehlinformationen eine mangelhafte Verpflegung nach sich ziehen.

Die aktuelle Version, dieses Qualitätsstandards, ist die 5te Auflage, 2., korrigierter Nachdruck 2015. Die Öffentlichkeit kann die Pläne unter folgender Webseite einsehen: www.fitkid-aktion.de.

BEISPIEL 1: Anpreisen ungesunder Lebensmittel – allgemein

In den Qualitätsstandards werden für praktisch alle Mahlzeiten Convenience-Produkte angepriesen. Als Convenience-Produkte werden vorgefertigte Lebensmittel bezeichnet, bei denen der Nahrungsmittelhersteller bestimmte Be- und Verarbeitungsstufen übernimmt, um die weitere Zubereitung in privaten Haushalten, in der Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung zu erleichtern.

Zu diesen Convenience-Produkten gehören im Grunde alle Lebensmittel, oder zumindest der größte Teil davon, die Kinder in den besagten größeren Gemeinschaftsverpflegungen zum Mittagessen bekommen. Auf Seite 14 wird erklärt:

“In der Gemeinschaftsverpflegung, und damit auch bei der Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder, werden Produkte unterschiedlicher Convenience-Stufen verwendet.”

Das ist demnach so vorgesehen und wird offenkundig als völlig in Ordnung betrachtet. Auf Nachteile durch die Nutzung dieser Produkte wird nicht eingegangen. Convenience-Produkte werden in 5 Stufen aufgeteilt:

 

Convenience-Stufe

Beispiele

1

küchenfertige Lebensmittel

entbeintes, zerlegtes Fleisch, geputztes Gemüse

2

garfertige Lebensmittel

Filet, Teigwaren, TK-Gemüse, TK Obst

3

aufbereitungsfertige Lebensmittel

Salatdressing, Kartoffelpüree, Puddingpulver

4

regenerierfertige Lebensmittel

einzelne Komponenten oder fertige Menüs

5

verzehr-/tischfertige Lebensmittel

kalte Soßen, fertige Salate, Obstkonserven, Desserts

Quelle: IN FORM DGE Qualitätsstandard für Tageseinrichtungen für Kinder Seite 14.

Auf Seite 14 wird erklärt:

“Beim Einsatz von Convenience-Produkten gelten folgende Grundsätze:”

“Erlauben es die zeitlichen und personellen Kapazitäten, sind Produkte der Convenience-Stufen 1 und 2 zu bevorzugen.”

“Beim Einsatz von Convenience-Produkten der Stufe 4 und 5 sollen diese immer mit Lebensmitteln der Stufe 1 und 2 ergänzt werden.”

Das heißt augenscheinlich, dass dann, wenn Kita-Betreiber keine Zeit oder zu wenig personelle Kapazitäten haben – was ja häufig der Fall ist –, die Produkte der Stufe 3, 4 und 5 großzügig, und wenn nötig täglich, angeboten werden dürfen. Auf mögliche Belastungen und physiologische Konsequenzen durch Schad- und Zusatzstoffe wird nicht eingegangen.

Produkte, die keiner Convenience-Stufe angehören, werden gar nicht in Erwägung gezogen. Die Option, dass auch im Garten einer Großküche Kräuter, Gemüse oder Obstbäume wachsen und genutzt werden können, wird nicht vorgeschlagen.

Zusammengefasst: Convenience-Produkte werden als akzeptable, gesundheitsfördernde und täglich zu nutzende Nahrungsmittel dargestellt. Eine Selbstversorgung oder lokale Produktion durch Kinder und Personal wird nicht in Erwägung gezogen.

BEISPIEL 2: Anpreisen ungesunder Lebensmittel- Fleisch- und Wurstprodukte

Als optimale Lebensmittelauswahl für das Frühstück und als Zwischenmahlzeit werden Fleisch- und Wurstwaren als Belag angeraten. Für die Mittagsverpflegung sollen bis maximal achtmal pro Monat mageres Muskelfleisch und Wurstprodukte oder Fisch verabreicht werden. Explizit aufgeführt werden als Beispiel zur praktischen Umsetzung: Truthahn-Mortadella, Kochschinken, Bierschinken, Putenbrust, Hähnchenschnitzel und Rinderbraten (siehe Seite 11 und 16).

Das sind fragwürdige Anweisungen, denn es ist zu bedenken: Auch diese Produkte weisen oft etliche kritische Zusatzstoffe, insbesondere Salz, Phosphat und Nitrat sowie künstliche Aromen auf.

Wenn das Fleisch aus der Massentierhaltung stammt, gibt es zusätzlich auch noch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Antibiotika und Hormonen. Bei Putenfleisch aus der Massentierhaltung ergeben sich weitere Gefahren durch eine häufige Belastung mit multiresistenten Keimen. (Multiresistente Keime können bei einem hohen Einsatz von Antibiotika entstehen. Wenn diese Keime in den menschlichen Körper gelangen, können sie schwere Krankheiten auslösen, welche aufgrund der Resistenz gegen herkömmliche Medikamente dann entsprechend schwer zu bekämpfen sind.)

Zur Veranschaulichung hier zwei Beispiele von Produkten, die laut Qualitätsstandard für eine Frühstücksoption, als Zwischenmahlzeit oder als Mittagsverpflegung genutzt werden können (Angaben laut Verpackungen der Hersteller, Hervorh. d. A):

Meica Bockwurst Knackig Zart: “ZUTATEN Schweinefleisch 80 %, Trinkwasser, Speisesalz, Gewürze, Gewürzextrakte (mit SELLERIE), Dextrose, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, Konservierungsstoff: Natriumnitrit, Saitling, Rauch. Glutenfrei, laktosefrei”

Wiesenhof “Bierschinken”: “ZUTATEN: 80% Geflügelfleisch (Truthahnfleisch, Hähnchenfleisch), Trinkwasser, jodiertes Nitritpökelsalz (Kochsalz, Konservierungsstoff: Natriumnitrit; Kaliumiodat), Dextrose, Zucker, Maltodextrin, Würze (aus Raps und Mais), Gewürze, Stabilisator: Diphosphate; Antioxidationsmittel: Natriumascorbat; Aromen.”

Anmerkung zu diesen Beispielen:
  1. Gefährlich hohe Konzentration von Speisesalz: Mengenangabe für Speisesalz bei Meica Bockwurst ist 1,8 Gramm pro 100 Gramm, bei Wiesenhof Bierschinken 2,5g pro 100g. Empfohlene Tagesdosis für Kinder 1-4 Jahre ist 1,016g. Salz wird als Konservierungsstoff genutzt und ist in allen Wurstprodukten bedenklich hoch.
  2. Bedenklicher Konservierungsstoff Natriumnitrit: Nitrat wird hier als Konservierungsmittel und Farbstabilisator genutzt und hat gefährliche Nebenwirkungen. Besonders für kleine Kinder (siehe vorheriges Kapitel). Eine Mengenangabe muss auf Lebensmittelverpackungen nicht angegeben werden. Sowohl Natriumnitrit als auch Kaliumnitrit dürfen auch in biologisch erzeugten Produkten genutzt werden.
  3. Knochen- und arterienbelastender Phosphatzusatz: Bei dem hier eingesetzten Diphosphat handelt es sich um einen Phosphatzusatz, der, wie im vorherigen Kapitel beschrieben, das Calcium-Phosphat-Gleichgewicht im Körper negativ beeinflussen und in Folge zu Störungen des Knochen- und Zahnstoffwechsels führen kann. Eine solche Beeinflussung ist besonders im Wachstum bedenklich. Eine Mengenangabe muss nicht angezeigt werden. Biologisch produzierte Produkte dürfen keine Phosphat-Zusätze aufweisen.

Zusammengefasst: Es wird angeregt, dass Kinder regelmäßig verarbeitete Wurstprodukte und mageres Muskelfleisch verzehren. Auf gesundheitliche Gefahren durch Salz und Zusatzstoffe, insbesondere bei Produkten aus der Massentierhaltung, wird nicht hingewiesen. Der Verzehr von traditionellen und nährstoffreichen Zutaten wie Leber, Knochenmark oder Nieren, wird in den Qualitätsstandards nicht angeregt.

BEISPIEL 3: Irreführende und unspezifische Informationen in Bezug auf die Nutzung von Salz, Zucker und Fetten

Ebenfalls auf Seite 14 steht:

“Bei Produkten mit hohem Convenience-Grad sollten der Zucker- und Salzgehalt sowie die Art des verwendeten Fettes berücksichtigt werden.”

Auf Seite 16 wird ergänzt:

“Auf eine fettarme Zubereitung wird geachtet”

“Jodsalz wird verwendet, es wird sparsam gesalzen.”

“Zucker wird in Maßen eingesetzt.”

Der Betreiber soll also alle Produkte täglich evaluieren, auf Salz- und Zuckergehalt prüfen und errechnen, ob sich die Summen dann noch im verträglichen Rahmen für Kinder in den vorgegebenen Altersklassen bewegen? Wie genau sollen Betreiber von Kita-Kantinen das bewerkstelligen?

Für Zucker definiert die DGE kein verträgliches Maß. Was die Anweisung “in Maßen eingesetzt” bedeuten soll, bleibt unklar.

Salz bzw. Natrium wird in dieser Broschüre ebenfalls ohne einen Maximalwert aufgeführt. Aber die DGE hat für die Altersklasse 1-4 Jahre einen Richtwert von maximal 400mg Natrium auf ihren Webseiten unter Referenzwerten festgelegt. Diese Menge Natrium entspricht dem Äquivalent von 1016 mg Salz. Eine Ganztagsverpflegung dürfte dann anteilig wohl maximal 60% dieses Wertes ausschöpfen. 100 Gramm Brötchen mit Butter und Goudakäse haben allerdings bereits 2250mg Salz. Oder ein Krautsalat-Fertigprodukt von 100g kommt auf 1780mg Salz. Solche Produkte dürften, gemessen am empfohlenen Richtwert, dann gar nicht angeboten werden, stehen aber explizit im Ernährungsplan auf den späteren Seiten als Vorschläge.

Auf Seite 13 wird vorgeschlagen, als optimale Auswahl von Fetten “Rapsöl, Walnuss-, Weizenkeim-, Oliven- oder Sojaöl” zu benutzen. Wenn aber Produkte der Convenience-Stufe 3, 4, 5 verabreicht werden, dann sind darin oftmals Fette enthalten, die gar nicht für den Laien verständlich aufgelistet sind, und die selten diese teuren Nuss- und Keim-Öle beinhalten. Von der Industrie wird häufig das deutlich günstigere und weniger wertige Palmöl genutzt. (Palmöl hat nur ca. 20% Vitamin E im Vergleich zu Weizenkeimöl). Was genau soll der Kitabetreiber dann beachten? Welche Produkte soll er benutzen?

Speziell für den Konsum für Zucker werden weiterhin folgende Aspekte erklärt (Seite 19):

“Die meisten Kinder essen sehr gerne Süßigkeiten wie Schokoladenriegel, Kekse oder süße Brotaufstriche und bevorzugen süße Getränke. Gegen eine geringe Menge Süßigkeiten ist nichts einzuwenden. Diese wird in der Regel außerhalb der Tageseinrichtung, zum Beispiel im Elternhaus, verzehrt. Wenn einige Kinder Süßigkeiten von zu Hause mitbringen und andere nicht, können zudem Neid und Streitigkeiten entstehen. Daher ist es wichtig, dass die Einrichtung in Bezug auf den Umgang klare Regeln definiert”

Gegen Süßigkeiten ist demnach generell nichts einzuwenden und es wird erwartet, dass eine gewisse Menge praktisch täglich, zumindest im Elternhaus, konsumiert wird. Gefahren durch den Konsum von Süßigkeiten entstehen nach diesen Empfehlungen lediglich dadurch, dass Kinder untereinander Gefühle von Neid entwickeln. Man braucht Regeln für den Konsum, aber keine generellen Verbote. Visuell beworben werden Süßigkeiten mit einer Nahaufnahme von zwei Kinderhänden mit 6 Gummibärchen. Weiterhin ist auf Seite 19 zu lesen:

“Alternativ können ab und zu eine vollwertige süße Hauptmahlzeit, fruchtige Desserts oder Gebäck aus Vollkornmehl zubereitet, beziehungsweise in den Speiseplan eingebaut werden.”

“Süßigkeiten sind nur zu besonderen Anlässen erlaubt”

“Üblicherweise werden zu Anlässen, wie zum Beispiel religiösen Feiertagen, Sommerfesten oder Geburtstagen, Speisen und Getränke angeboten. Ob Kuchen oder belegte Brote, Süßes oder Pikantes, Tee oder Saft, es obliegt der Einrichtung, die Speiseauswahl an diesen Tagen zu steuern.”

Zu entscheiden, was als “besonderer Anlass” gewertet wird, obliegt demnach also den Einrichtungen selbst. In unserer Kita wird dieser Interpretationsfreiraum wie folgt gelebt: Wenn die Kantine keinen Nachtisch stellt, gibt es abgepackte Kekse, im Sommer gibt es öfter ein Eis am Nachmittag und belohnt wird das Aufräumen zuweilen mit Gummibärchen und anderen Süßigkeiten. An Geburtstagen, bei Sommerfesten, zum Advent und Fasching, zu Ostern, bei Übernachtungsparties und Ausflügen gibt es teils große Mengen an Kuchen, Keksen, Eis und Süßigkeiten. Im Schnitt kommen solche “Ausnahmen” ca. alle 7 bis 8 Tage vor. Dieses Verhalten scheint laut Ernährungsplänen völlig akzeptabel zu sein. Was dieses Verhalten jedoch für die tägliche und notwendige Nährstoffversorgung bedeutet, wird nicht erklärt.

Zusammengefasst: Produkte mit zugesetztem Zucker, Salz und industriellen Fetten werden als verträgliche Nahrungsmitteloptionen, auch für kleine Kinder, beworben. Klar definierte Höchstmengen werden nicht benannt. Gesundheitliche Risiken werden nicht erläutert.

BEISPIEL 4: Irreführende und unspezifische Informationen für die Speisegestaltung

Unter der Rubrik “Speiseplangestaltung” erfährt man auf Seite 15:

“Das saisonale Angebot ist zu berücksichtigen”

“Kulturspezifische und regionale Essgewohnheiten sowie religiöse Aspekte sind zu berücksichtigen.”

“Die Wünsche und Anregungen der Kinder sind in geeigneter Form in der Speiseplanung berücksichtigt.”

Was genau bedeutet “das saisonale Angebot ist zu berücksichtigen”? Der Betreiber soll dann z.B. in den Wintermonaten einmal in der Woche Weißkohl anbieten oder jeden Tag etwas Saisonales? Das würde dann bedeuten, dass die Kitabetreiber das Jahr über ständig ihre Speisepläne umstellen und an das saisonale Angebot anpassen sollten, oder? Das wäre in der Theorie machbar, dürfte wohl aber nur selten umgesetzt werden.

Was genau macht ein Kitabetreiber, wenn er drei Kinder in der Gruppe von 21 Kindern hat, die zu Hause aus “kulturspezifischen” Gründen kein Fleisch essen? Einfach die Fleischsoße weglassen und Ketchup anbieten? Wie soll der Kitabetreiber dann sicherstellen, dass alle Mikronährstoffe aufgenommen werden?

Wie genau sollen die Wünsche und Anregungen von Kindern berücksichtigt werden? Wenn Kinder einen Eintopf nicht mögen und lieber Milchreis, Schnitzel oder Dosenmais essen wollen, sollte der Kantinenbetreiber diese Wünsche umsetzen? Welche Konsequenzen hat das dann für die Versorgung der Kinder mit Nährstoffen?

Zusammengefasst: Die praktische Umsetzung dieser Anweisungen führt im Regelfall zu erheblichen Nährstoffdefiziten.

BEISPIEL 5: Irreführende und unspezifische Informationen in Bezug auf die Auswahl von Kohlenhydraten

Unter der Sektion “Anforderungen an einen Vier-Wochen-Speiseplan für die Mittagsverpflegung” wird erklärt, es sollen bei jeder Mahlzeit, also 20x pro Monat, Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln angeboten werden. (Seite 16). Als praktische Beispiele zur Umsetzung werden folgende Optionen aufgeführt:

“Pell- und Salzkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffeleintopf

Reispfanne, Reis als Beilage

Lasagne, Couscous-Salat, Hirseauflauf

Grünkern-Bratlinge, Polentaschnitten

Vollkornteigwaren, Vollkornpizza, Naturreis

Halbfertig- oder Fertigprodukte wie z.B. Kroketten, Pommes frites, Kartoffelecken, Reibekuchen, Gnocchi, Püree, Klöße”

Als Auflage wird definiert: 4x Vollkorn, 4x Kartoffelerzeugnisse. Die Auswirkung des jeweiligen Verarbeitungsgrades auf die Nährstoffkonzentration wird nicht erwähnt. Betreiber dürfen frei wählen zwischen Convenience-Stufe 1 bis 5. Selbst die Kartoffeln zu schälen oder Nudeln selbst herzustellen, wird nicht angeregt. Dass ist kurios, denn die empfohlenen Beilagen liefern ganz unterschiedliche Nährstoffprofile. Manche Lebensmitteloptionen sind gesund, andere weniger. Das zeigt die folgende Tabelle:

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 mg

Vitamin B 6 um

Folsäure µg

Vitamin C mg

Vollkornbrot

233

8

42

540

260

25

90

245

3,0

2,4

0,005

1,1

0,29

0,12

0,24

20

0

Toastbrot Weizenmehl (Weißbrot)

244

8

49

540

130

60

25

90

0,7

0,7

0,015

0,6

0,09

0,06

0,02

20

0

Naturreis (gekocht)

128

3

27

3

75

6

40

100

1,2

0,7

0

0,2

0,07

0,02

0,05

6

0

Reis poliert (parboiled)

122

2

27

2

45

10

10

40

1,0

0,6

0

0,1

0,08

0,01

0,07

4

0

Vollkornnudel mit Ei (gekocht)

137

5

24

110

140

20

45

150

1,5

1,4

0,005

0,5

0,15

0,06

0,20

20

0

Teigwaren weiß ohne Ei (gekocht)

143

5

28

100

50

10

20

65

0,5

0,6

0

0,1

0,03

0,02

0,06

9

0

Pellkartoffel (gekocht)

75

2

15

4

410

10

25

50

0,9

0,4

0,005

0,1

0,10

0,05

0,19

10

15

Gnocchi

154

4

32

420

125

15

10

45

0,3

0,3

0,005

0,2

0,05

0,01

0,02

10

10

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

14

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseke/Heseker

Anmerkung zur Tabelle – man sieht:
  • Bei fast allen Werten liefert die Vollkorn-Variante deutlich höhere Mikronährstoffkonzentrationen als polierter Reis oder Weizen-Toast aus Weißmehl, allerdings dürfen beide Optionen gewählt werden.
  • Die verarbeiteten Produkte wie Brot und Gnocchi überschreiten schon bei 100g die empfohlene tägliche Höchstdosis für Natrium (Salz).
  • Für Kohlenhydrate sowie für Magnesium und Zink wäre Vollkornbrot als Quelle relevant, allerdings sind hier die Salz-Werte bedenklich hoch.

Völlig unklar ist, warum Kartoffeln bei der DGE in der Sektion von Kohlenhydraten und nicht unter Gemüse geführt werden. Pellkartoffeln, Kartoffelgratin oder Kartoffelpüree haben einen ähnlichen Kohlenhydratwert wie Zuckermais, Pastinaken, Erbsen und Bohnen. Diese Lebensmittel werden alle als Gemüse geführt.

Zusammengefasst: Die als gleichwertig angepriesenen Lebensmittel beinhalten sehr unterschiedliche Nährstoffangebote. Es ist völlig unklar, warum Convenience-Produkte wie z.B. Kroketten, Pommes frites, Kartoffelecken, Reibekuchen, Gnocchi, Püree, Klöße Kartoffeleintopf oder Lasagne angeboten werden dürfen. Diese Produkte sind nicht gesundheitsfördernd.

BEISPIEL 6: Irreführende und unspezifische Informationen am Beispiel Obst, Gemüse und Kräuter

Die DGE erklärt, man brauche essenzielle Nährstoffe. Dabei werden Obst und Gemüse oft als gute Quellen angegeben, um den täglichen Bedarf zu decken. Es wird erklärt, Gemüse und Salat solle es bei jeder Mahlzeit geben, Obst an 8 von 20 Tagen. Welche Sorten zu wählen sind, wird nicht definiert. Auf Seite 17 wird bezüglich Kräutern noch erwähnt:

“Zum Würzen werden frische oder tiefgekühlte Kräuter verwendet.”

Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Details – wo genau finden sich denn die notwendigen Vitamine und Mineralstoffe? Die nachfolgende Tabelle gibt Aufschlüsse:

 

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium (Salz) mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 mg

Vitamin B 6 µg

Folsäure µg

Vitamin C mg

KRÄUTER

                 

Rosmarin

63

1

8

8

155

215

25

10

4,8

0,5

0,31

0,1

0,08

0,40

0,30

45

150

Brunnenkresse

21

2

2

10

275

180

35

65

3,0

0,7

4,9

1,5

0,09

0,17

0,13

40

95

Petersilie

61

4

7

35

810

180

45

90

3,6

0,7

5,2

3,7

0,14

0,30

0,20

150

160

Brennnessel

46

7

1

80

475

710

80

140

4,0

1,0

2,4

0,8

0,20

0,15

0,16

30

330

GEMÜSE

                 

Gurke

13

1

2

3

165

15

8

15

0,2

0,2

0,37

0,1

0,02

0,03

0,04

15

8

Tomate

19

1

3

3

235

10

10

20

0,5

0,2

0,59

0,08

0,06

0,04

0,10

20

20

Möhre

32

+

5

60

330

35

15

35

0,4

0,3

9,8

0,5

0,07

0,05

0,27

15

7

Brokkoli

34

4

3

20

260

60

20

60

0,8

0,5

0,85

0,6

0,10

0,18

0,28

40

95

OBST

                 

Apfel

58

+

11

1

120

5

5

10

0,2

0,1

0,029

0,5

0,04

0,03

0,10

8

10

Banane

92

1

20

1

370

7

30

20

0,4

0,2

0,03

0,3

0,04

0,06

0,36

15

10

Mandarine (Konserve)

85

+

19

1

70

20

6

10

0,2

+

0,055

0,1

0,02

0,01

0,01

2

9

Kirsche

56

1

13

2

135

12

20

15

0,5

0,1

0,02

0,1

0,01

0,03

0,02

10

5

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

16

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseker/Heseker

Anmerkungen zur Tabelle – man sieht:
  • Die Kräuter sind nahezu unschlagbar bei Pro Vitamin A und C, teilweise auch bei Kalium. Sie sind gute Lieferanten für Eisen, Magnesium und Zink sowie für Folsäure, Vitamin B2 und B6. Brennnessel, kostenfrei in der Natur zu finden, ist zusätzlich eine sehr gute Quelle für Calcium. Es reichen schon kleine Mengen dieser Kräuter, um den täglichen Bedarf an etlichen essenziellen Nährstoffen zu decken.
  • Auf Zuchtgemüse, wie Gurke und Tomate, könnte in Bezug auf Vitamine und Mineralstoffe weitgehend verzichtet werden. Dafür liefern Mohrrüben und Brokkoli ebenfalls gute Werte bei Provitamin A und Kalium. Brokkoli hat ferner relevante Mengen an Vitamin C, zumindest, wenn er frisch geerntet und verzehrt wird.
  • Das Zuchtobst Apfel, Mandarine und Kirsche schneidet – abgesehen von Kohlenhydraten, also Fruchtzucker, und B2 bei der Banane – bei allen Werten deutlich schlechter ab als Kräuter, Möhren und Brokkoli.

Zusammengefasst: Obst, Gemüse und Kräuter haben ganz unterschiedliche Nährstoffprofile. Das gilt für den unverarbeiteten Zustand und besonders, wenn man unterschiedliche Lagerungs- und Verarbeitungsmethoden wählt. Warum werden diese gravierenden Unterschiede nicht erklärt? Warum regen das BMEL und die DGE nicht an, dass sich Kindergärten, Kitas und Grundschulen mindestens einen kleinen Kräutergarten anlegen und Kinder täglich mit etwas frischem Grün versorgen?

BEISPIEL 7: Irreführende und unspezifische Informationen am Beispiel Ernährungsbildung

Ab Seite 28 wird auf zwei Seiten erläutert, dass kleine Kinder primär durch Imitation lernen. Ein vollwertiges Speiseangebot sowie eine Vorbildfunktion der Erzieher seien besonders wichtig. Es wird erklärt:

“Dabei sollte ausschließlich mit Motiven wie Genuss und Geschmack gearbeitet werden: ˈProbier doch mal! Das schmeckt richtig lecker!ˈ Andere geeignete Motive sind Entdecken, Probieren, Experimentieren, Selbermachen und Nachahmen. Eine Benennung von Lebensmitteln als ˈgesundˈ (gut) und ˈungesundˈ (schlecht) ist hingegen ungünstig. Besser ist es, mit Argumenten zu arbeiten: ˈMacht fit, macht stark, lässt dich wachsenˈ sind nur einige Beispiele.”

Laut dieser Aussage sollten Erzieher unseren Kindern NICHT erklären, dass viel Zucker, Salz, Limonade oder bestimmte Zusatzstoffe für sie schlecht sind und welche Lebensmittel sie meiden sollten. Warum nicht, wird nicht erklärt.

BEISPIEL 8: Vorenthaltung von physiologisch besonders gesundheitsfördernden Nahrungsmitteln

Beispiel Hülsenfrüchte: Diese Pflanzenprodukte haben eine besonders positive Wirkung auf den menschlichen Organismus. Aufgrund des hervorragenden Nährstoffprofils haben die Vereinten Nationen das Jahr 2016 zum “Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte” erklärt.

Über die Vorzüge dieser Pflanzengruppe liest man selbst auf den Seiten unseres Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung recht viel. In den Qualitätsstandards der DGE und BMEL spiegelt sich diese Weisheit aber nicht angemessen wider. Das ist kurios, wenn man bedenkt, dass Hülsenfrüchte nicht nur besonders wertvolle Nahrungsmittel sind, sondern auch sehr günstig und leicht zu verarbeiten.

Kurios ist ebenfalls, dass Hülsenfrüchte generell bei der DGE NICHT als Quelle für Kohlenhydrate und für Proteine gelistet werden. Hülsenfrüchte werden unter der Sektion Gemüse vergraben und zwar in folgender Reihenfolge: Ab Seite 16 steht (Hervorh. d. A.):

“Beispiele für praktische Umsetzung für Gemüse und Salat

gegarte Möhren, Brokkoli, Kohlrabi, Gemüselasagne, gefüllte Paprika (oder Zucchini, Auberginen) Erbsen-, Linsen-, Bohneneintopf, Ratatouille, Wok-Gemüse, Tomatensalat, Gurkensalat, gemischter Salat, Krautsalat.”

Hülsenfrüchte werden also eher am Rande erwähnt und das, obwohl sie hervorragende Lieferanten besonders für die gesunden langkettigen Kohlenhydrate sowie für Proteine sind und bei den Mikronährstoffen zusätzlich deutlich mehr zu bieten haben als Nudeln, Brot oder Gnocchi.

Ein Vergleich von Vollkornbrot, Teigwaren, Pellkartoffel gekocht sowie Kichererbsen, Kidneybohnen und Linsen (verzehrfertig, nicht Konserve und ohne Salz zubereitet) macht die Unterschiede deutlich:

 

 

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium (Salz) mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 µg

Vitamin B 6 um

Folsäure µg

Vitamin C mg

Vollkornbrot

233

8

42

540

260

25

90

245

3,0

2,4

0,005

1,1

0,29

0,12

0,24

20

0

Teigwahren weiß ohne Ei (gekocht)

143

5

28

100

50

10

20

65

0,5

0,6

0

0,1

0,03

0,02

0,06

9

0

Pellkartoffel (gekocht)

75

2

15

4

410

10

25

50

0,9

0,4

0,005

0,1

0,10

0,05

0,019

10

15

Kichererbsen

306

19

44

25

756

124

129

332

6,1

2,4

0,3

2,8

0,5

0,13

0,55

340

5

Mungobohnen

269

23

41

9

171

90

166

365

6,8

3,0

0,06

1,9

0,5

0,23

0,4

180

15

Linsen

275

20

40

7

837

65

130

412

8

3,4

0,1

1,1

0,48

0,26

0,58

170

7

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

16

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseker/Heseker und Die Große GU Nährwertkalorien Tabelle Elmadfa/Aign/ Muskat/Fritsche

Anmerkung zur Tabelle – offensichtlich ist:
  • Kichererbsen, Mungobohnen und Linsen sind hervorragende Lieferanten für Kohlenhydrate. Sie haben exzellente Werte bei fast allen weiteren essenziellen Nährstoffen und liefern zusätzlich große Mengen an hochwertigem Eiweiß. Enthalten sind in diesem Eiweiß der Hülsenfrüchte alle für den Menschen essenziellen Aminosäuren. Die Eiweißmengen in Hülsenfrüchten sind vergleichbar mit denen von Fleisch.
  • Die angepriesene Nudel (Teigwaren weiß, ohne Ei) ist im Vergleich und in Bezug auf essenzielle Nährstoffe minderwertig und hat auch sonst, abgesehen von Kohlenhydraten, wenig zu bieten. Es ist somit fraglich, warum Nudeln überhaupt auf dem Speiseplan stehen.

Zusammengefasst: Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte sind hervorragende Nährstofflieferanten sowohl für etliche essenzielle Nährstoffe, als auch für die in der Wachstumsphase wichtigen Eiweiße und Kohlenhydrate. Warum wird diese Nahrungsmittelgruppe nicht deutlich empfohlen?

BEISPIEL 9: Fehlende Berücksichtigung von essenziellen Nährstoffen

Auf Seite 18 des Qualitätsstandards steht:

“Die Speisen der nährstoffoptimierten Menülinie sind im Speiseplan optisch hervorgehoben.”

Die Nährstoffe, auf die sich dieser Satz bezieht, findet man auf Seite 19 in Form einer Tabelle (siehe weiter unten). Aufgeführt werden in dieser Tabelle, Energie (KJ und kcal), Protein, Fett, Ballaststoffe, diverse Vitamine und Mineralstoffe. Für jede Kategorie findet sich ein Referenzwert, also die Angabe, wie viel von dem jeweiligen Nährstoff zugeführt werden soll, und das pro Altersgruppe “1 bis 4” und “4 bis 7” Jahre. Wie auch auf den Webseiten der DGE, gibt es hier keine Angaben, in welchen Lebensmitteln und in welcher Konzentration diese Nährstoffe enthalten sind.

“Die Gesamtenergiezufuhr (100%) ergibt sich aus folgenden energieliefernden Nährstoffen:

20 % Protein

30 % Fett

50% Kohlehydrate”

In Kursiv habe ich in der folgenden Tabelle eingefügt, wie hoch laut DGE der Tagesbedarf des jeweiligen Nährstoffs lauf Referenzwerten sein sollte.

 

Mittagstischbedarf

1 bis unter 4 Jahre

Tagesbedarf 1 bis unter 4 Jahre

Referenzwert Webseite

Mittagstischbedarf

4 bis unter 7 Jahre

Tagesbedarf 4 bis unter 7 Jahre Referenzwert Webseite

Energie (kJ)

1300

5500

1600

7500

Energie (kcal)

320

1300

380

1800

Protein (g)

16

1g/kg Körpergewicht

19

1g/kg Körpergewicht

Fett (g)

11

30-40

13

30-35

Vitamin E (mg)

2

6

2

8

Vitamin B1 (mg)

0,2

0,6

0,2

0,7

Folat (µg)

30

120

35

140

Vitamin C (mg)

5

20

8

30

Calcium (mg)

150

600

188

750

Magnesium (mg)

20

80

30

120

Eisen (mg)

2

8

2

8

Quelle: DGE Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder, Seite 19 und DGE Webseite für Referenzwerte

Anmerkungen zur Tabelle – man sieht:

Es werden lediglich die Vitamine E, B1, Folat und Vitamin C sowie die Mineralien Calcium, Magnesium und Eisen aufgeführt. Der gesamte Rest der essenziellen Nährstoffe wird nicht erwähnt. Warum nicht?

So fehlen Angaben zu folgenden essenziellen Nährstoffen:
  • Vitamine: A, D, K, B2, Niacin (B3), B6, Panthetonsäure (B5), Biotin (B7), B12
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: Natrium, Chlorid, Kalium, Phosphor, Jod, Fluorid, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän
  • Fettsäuren: Omega 3 und Omega 6

 

Zur Erinnerung: Die DGE stuft ALLE diese Mikronährstoffe als essenziell, also als lebensnotwendig, ein und schreibt dazu auf ihren eigenen Webseiten:

“Mit einer Zufuhr in Höhe der Referenzwerte werden lebenswichtige physische und psychische Funktionen sichergestellt, Mangelkrankheiten ebenso wie eine Überversorgung verhindert, Körperreserven geschaffen und – wo möglich – wird ein Beitrag zur Prävention chronischer ernährungsmitbedingter Krankheiten geleistet. Kurzum – die Umsetzung der Referenzwerte trägt dazu bei, Wachstum, Entwicklung und Leistungsfähigkeit sowie die Gesundheit des Menschen ein Leben lang zu fördern bzw. zu erhalten.”

Es bleibt fraglich, was genau Kita-Kantinen mit diesen Aussagen anfangen sollen? Berechnen, was Chicken Nuggets, Fertiglasagne und Pommes an Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen enthalten? Besonders schwierig gestaltet sich dieses Vorhaben, wenn man bedenkt, dass für die zulässigen Convenience-Produkte gar keine Angaben über Vitamine und Mineralstoffe gemacht werden müssen.

Zusammengefasst: Etliche essenzielle Nährstoffe müssen nicht berücksichtigt werden. Eine präzise Berechnung der Nährstoffe ist praktisch unmöglich und die tatsächliche Versorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen wird bei Befolgung dieser Pläne weit hinter den Vorgaben der Referenzwerte liegen.

BEISPIEL 10: Fehlende Berücksichtigung von essenziellen Nährstoffen

Ab Seite 17 findet man ein paar wenige Informationen zu Speiseherstellung:

“Die Warmhaltezeit zubereiteter Speisen beträgt maximal drei Stunden.”

“Frittierte und/oder panierte Produkte werden maximal 4x in 20 Verpflegungstagen angeboten”

“Für die Zubereitung von Gemüse und Kartoffeln werden fettarme und nährstoffreiche Garmethoden (Dünsten, Dämpfen, Grillen) angewendet.”

Wenn Essen drei Stunden warm gehalten wird, verursacht das unter anderem einen etwa 25%igen Verlust von Vitamin C und 15% Verlust von Vitamin B1. Wie diese Verluste ausgeglichen werden sollen, wird nicht erklärt.

Frittierte und panierte Lebensmittel werden auch für Kinder ab dem ersten Jahr als gesundheitsfördernd empfohlen. Welches Fett oder welche Panade genutzt wird, wird in diesem Abschnitt nicht erläutert.

Welche Konzepte sich hinter fettarmen und nährstoffreichen Garmethoden verbergen, wird nicht erklärt. Vor- und Nachteile bzw. Auswirkungen auf den Körper werden nicht erläutert.

Zusammengefasst: Es gibt keine klaren Hinweise auf Nährstoffverluste durch unsachgemäße Handhabung, mögliche weitere Ursachen oder wie man diese Verluste wieder ausgleichen kann.

BEISPIEL 11: Orientierung an Wirtschaftlichkeit – Option Nachhaltigkeit

Ab Seite 37 kommt die Sektion “Nachhaltigkeit”. Dort liest man:

“Für den Bereich Ernährung und Verpflegung wurde die Trias Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft durch die Dimension Gesundheit ergänzt.

Eine nachhaltige Ernährung sollte zum Beispiel folgende Aspekte beachten:

überwiegend pflanzlich

bevorzugt gering verarbeitet

ökologisch erzeugt

regional und saisonal

umweltverträglich verpackt

fair gehandelt”

Grundsätzlich sind diese Hinweise wichtig und lobenswert. Nur leider wird deren Umsetzung nicht eingefordert. Und mögliche Auswirkungen auf den Menschen werden auch nicht erläutert. So heißt es auf Seite 37:

“Es obliegt jeder Einrichtung selbst festzulegen, welche Bereiche von Bedeutung sind, beziehungsweise welche Aspekte der Nachhaltigkeit umgesetzt werden.”

Zusammengefasst: Alle aufgeführten Aspekte werden lediglich hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die Umwelt, nicht aber hinsichtlich einer möglichen und direkten Beeinträchtigung der Gesundheit von Kindern betrachtet. Die optionale Formulierung ist ein offizieller Freifahrtschein, keinen dieser Aspekte berücksichtigen zu müssen. Da ein enormer Kostendruck auf fast allen Einrichtungen lastet, ist davon auszugehen, dass Aspekte dieser “Nachhaltigkeit” in den allermeisten Fällen minimal bis gar nicht umgesetzt werden. Dass konkret umgesetzte Nachhaltigkeit durch den Konsum von frischen regionalen Produkten eher gewährleistet wäre als durch Convenience-Produkte, wird nicht erwähnt.

Was wird in den Qualitätsstandards NICHT empfohlen?

Bei genauer Betrachtung der BMEL und DGE-Empfehlungen fällt auf, dass ein Großteil der Lebensmittel, die eine besonders hohe Nährstoffkonzentration haben, in den Qualitätsstandards für Kitas eine völlig untergeordnete Rolle spielen oder gar nicht empfohlen werden. Dazu gehören:

  1. Hülsenfrüchte: Sie sind, wie gesagt, hervorragende Nährstofflieferanten bei fast allen Mikro- und Makronährstoffen und werden im Qualitätsstandard nur beiläufig unter Gemüse geführt.
  2. Zwiebelgewächse: Hierzu gehören Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Bärlauch und Frühlingszwiebeln. Somit werden keine sekundären Pflanzenstoffe der Gruppe Sulfide empfohlen. Diese Stoffe wirken vorbeugend gegen Krebs und wachstumshemmend auf einige Mikroorganismen. Durch ihre antioxidative Wirkung schützen sie vor freien Radikalen. Außerdem wirken Sulfide der Entstehung von Blutgerinnseln entgegen und können den Cholesterinspiegel senken. Hinweise auf einen regelmäßigen Verzehr von Zwiebelgewächsen finde ich nicht.
  3. Eier: Hier wird maximal ein Ei pro Woche und Kind vorgeschlagen – und das inklusive einer Verarbeitung in den angedachten Mehlspeisen. Und das obwohl Eier eine der Hauptquellen bei 11 essenziellen Nährstoffen sind.
  4. Trockenobst und Samen: Diese werden nur als Bestandteile von Müsli als Frühstücksoption erwähnt. Diese Lebensmittel sind jedoch äußerst nährstoffreich, mit vielen Ballaststoffen und Proteinen und somit eine gute Alternative als süßer oder energiereicher Snack für zwischendurch.
  5. Nüsse: Sie stehen ebenfalls nicht auf dem Speiseplan, obwohl sie hervorragende Lieferanten von Proteinen und der nahezu gesamten Palette der Mineralstoffe sind – Selen, Magnesium, Mangan, Eisen etc.
  6. Pilze: Auch Pilze werden nicht empfohlen, obwohl sie ausgezeichnete Quellen für etliche lebensnotwendige Nährstoffe sind und eine der wenigen Nahrungsmittelgruppen, in denen sich auch Vitamin D in relevanten Mengen findet.
  7. Kräuter: Die ernährungstechnischen Vorteile von frischen Garten- und Wildkräutern sowie Gewürzen werden nur im Nebensatz als Anregung zum Würzen und ohne Spezifizierung erwähnt. Die teilweise beachtlichen Konzentrationen an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen sowie ihre vielfältigen positiven Wirkungen auf den Stoffwechsel werden nicht erklärt.
  8. Innereien wie Leber, Niere oder auch Knochenmark: Diese Produkte werden ebenfalls nicht empfohlen. Im Gegenteil: Auf Seite 13 wird explizit erklärt, man solle mageres Muskelfleisch als Option wählen. Wie oben aufgeführt, ist die Nährstoff-Differenz zwischen Muskelfleisch und den inneren Organen aber enorm – und zwar zu Gunsten der Organe. Leber ist bei den Vitaminen A, D, B2, B3, Folsäure, B5, Biotin und Eisen unschlagbarer Toplieferant.
  9. Nahrungsmittel, die eine gesunde Darmflora fördern, wie z.B. nicht erhitztes Sauerkraut oder generell fermentierte Lebensmittel mit lebenden Mikrobiotika, werden ebenfalls nicht erwähnt.

Quellen und weitere Informationen zu “Schwachstellen im Detail”

Zusammenfassung: Was lernen unsere Kinder über Ernährung in Kitas und Schulen und was lernen sie nicht?

Was Kinder in Kitas und Schulen essen, prägt ihr Verständnis und ihre Gewohnheiten in Bezug auf die Ernährung sowie ihre Geschmacksnerven ein Leben lang. Die für diese Prägung notwendige Ernährungsbildung ist auch Aufgabe des Gesetzgebers und staatlicher Institutionen und sollte entsprechend in Kitas und Schulen vermittelt werden. Dieser Aufgabe kommen das BMEL und die DGE mit ihren Ernährungsplänen nur unzureichend nach.

Im Gegenteil: Die Informationen, die über die Ernährungspläne sowie deren Umsetzung gegeben werden, vermitteln Grundprinzipien, die der Gesundheit nicht zuträglich sind.

Kinder lernen folgende ungesunde Ernährungsgewohnheiten:

  1. Zucker: Das weiße Pulver gehört zu einer ausgewogenen Ernährung. Empfohlene Tagesdosen oder Obergrenzen gibt es nicht. Süße Mehlspeisen dürfen gerne auch als vollwertige Mahlzeit verspeist werden.
  2. Salz: Das Verzehren von salzigen Knabberartikeln sowie Salz als Mittel zum Würzen ist in undefinierten Mengen völlig in Ordnung.
  3. Frittieren: Frittiertes ist auch für kleinste Kinder, selbst einmal in der Woche und als Hauptmahlzeit, zulässig. Welche Fette man bei der Zubereitung nutzt, ist wenig relevant.
  4. Convenience-Produkte: Industriell verarbeitete Lebensmittel sind zulässig und völlig in Ordnung, und das praktisch zu jeder Mahlzeit.
  5. Massentierhaltung: Milchprodukte und Wurstwaren, auch aus der Massentierhaltung, gehören regelmäßig auf den Speiseplan.
  6. Getreideprodukte: Brötchen, Nudeln, Baguette sollten jeden Tag mehrmals gegessen werden und gerne aus dem Supermarkt. Vollkornprodukte sind zwar vorzugswürdig, sie sind aber nicht zwingend notwendig.
  7. Bezugsquellen: Essen kauft man im Supermarkt und es kommt aus der Tiefkühltruhe, aus Plastikbechern, Dosen oder Pappkartons.
  8. Verarbeitungsgrad: Obst und Gemüse sind gesund – egal welches und egal ob frisch, gefroren, aus der Konserve, aus einem Quetschbeutel oder als Saft.
  9. Wahlfreiheit: Kinder dürfen selber entscheiden, was sie essen. Eine klare Unterteilung in gesunde und ungesunde Nahrungsmittel soll nicht vermittelt werden.

Kinder lernen nichts oder nur sehr wenig über folgende Lebensmittel, Prozesse und Konzepte:

  1. Lokale Naturprodukte: Das Identifizieren und Zubereiten von Lebensmitteln aus der Umgebung wie Beeren, Pilze, Nüsse, Wildkräuter werden nicht trainiert.
  2. Sinnesorgane: Die Geschmacksnerven der Kinder haben keine Möglichkeit, sich an besonders gesundheitsfördernde Nahrungsmittel zu gewöhnen. Dazu gehören neben dem Angebot aus der direkten Natur auch fermentierte Lebensmittel, Bitterstoffe aus Pflanzen und Innereien.
  3. Gefahren: Welche gravierenden Gefahren ein erhöhter Konsum von Zucker, Salz und Zusatzstoffen für ihren wachsenden Organismus bedeutet, wird nicht vermittelt.
  4. Differenzieren: Kinder lernen nicht, innerhalb der einzelnen Lebensmittelgruppen zu differenzieren. Welches Gemüse und welche Obstsorten besonders gesund und welche weniger wertvoll sind, wird nicht erklärt.
  5. Handhabung: Die Relevanz von einem sorgsamen und umsichtigen Umgang mit Lebensmitteln wird nicht vermittelt. Welche Auswirkungen unterschiedliche Lagerungs- und Zubereitungsmethoden auf die Nährstoffqualität haben, wird nicht erklärt.
  6. Stoffwechselprozesse: Welche Nahrungsmittel die Verdauung, die Leber und das Immunsystem unterstützen, wird nicht vermittelt. Das Identifizieren und Beheben möglicher Mangelerscheinungen, verursacht durch inadäquate Nahrung, wird nicht vermittelt.

Zusätzlich sollte Folgendes bedacht werden: Ganztagsschulen und Kitas sind verantwortlich für 40 – 60% der täglichen Nahrungsaufnahme unserer Kinder. Die von der DGE und dem BMEL ausgearbeiteten Ernährungspläne machen es unmöglich, eine ausreichende Versorgung der essenziellen Nährstoffe anteilig zu gewährleisten und sich gleichzeitig innerhalb der vorgegebenen Kalorienangaben für die Altersgruppe zu bewegen. Kinder werden in der betreuten Zeit also systematisch mit essenziellen Mikronährstoffen unterversorgt und gleichzeitig mit energiedichten Nahrungsmitteln überversorgt.

Die Anweisungen der Qualitätsstandards bedeuten weiterhin, dass Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit eine große Palette an Zusatzstoffen, Hormonen, Rückständen von Antibiotika und Pestiziden sowie Zusätze der Nahrungsmittelindustrie wie Glutamat, Phosphat und Nitrat zu sich nehmen. Die möglichen Nebenwirkungen sind bekannt, und bei vielen Kindern sind Symptome, die auf eine Belastung durch diese Substanzen vermuten lassen, schon heute mehr als sichtbar. Die Langzeitfolgen sind unerforscht.

DGE-Qualitätsstandards für alle Kinder

Genau diese Qualitätsstandards sollen nun in allen Kitas und Schulen eingeführt werden. Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, erklärte auf der Fachtagung KiTa- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz zum Auftakt der bundesweiten Tage der Schulverpflegung am 4.9.2018 Folgendes:

“Wir müssen gesunde Ernährung einfacher machen

  1. Maßnahme: Breitere Anwendung der DGE-Standards. Wenn es darum geht, gesunde Ernährung einfacher zu machen, sind unsere DGE-Standards der GOLD-Standard. Sie machen ein Essen weder teurer noch weniger lecker. Sie dienen als Leitplanke. Daher will ich auch, dass die Qualitätsstandards die Grundlage jedes Speiseplans in KiTas und Schulen werden.”

Quelle: https://www.bmel.de/SharedDocs/Reden/2018/18-09-04-Kita-Schulverpflegung.html

Die gleiche Intention wurde bereits im Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD (GroKo) 2018 verankert. Auf Seite 90 wird erklärt:

“Der Bund unterstützt die Länder, damit die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Mindeststandards flächendeckend in Schulen, Kitas und in der Gemeinschaftsverpflegung eingeführt werden. Dies erfolgt über die stärkere Unterstützung der Schulvernetzungsstellen und den Ausbau des ˈNationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schuleˈ (NQZ)”

Quelle: https://www.cdu.de/koalitionsvertrag-2018

Das Gesundheitswesen

Die meisten Bürger vertrauen darauf, dass ihre Ärzte und die von ihnen verabreichten Medikamente uns, und besonders unseren Kinder, helfen. Helfen gesund zu werden und es auch zu bleiben. Das ist leider sehr oft nicht der Fall.

Unsere medizinische Versorgung hat sich über Jahrzehnte in ein komplexes System entwickelt, in dem immer mehr Akteure ihren Lebensunterhalt verdienen: Menschen, die darauf angewiesen sind, dass möglichst viele Bürger krank sind und um ihre Hilfe bitten. Nur für eine angebotene Hilfe werden sie bezahlt. Damit sich das System erhält, müssen Konsumenten wiederkommen. Sie dürfen nicht vollständig genesen. Auf diesem Prinzip baut das westliche Gesundheitssystem auf.

Die Pharmaindustrie ist und war die wichtigste und treibende Kraft in dem Aufbau und in dem Erhalt dieses Systems. Sie ist ebenfalls der größte Nutznießer. Die Pharmaindustrie hat sich weltweit breit gemacht, sie hat finanzielle Abhängigkeiten geschaffen und das medizinische Grundverständnis von Bürgern in fast allen Ländern der Welt maßgeblich und zu deren Nachteil beeinflusst. Alle Bestrebungen der Pharmaindustrie haben und hatten immer ein primäres Ziel: Absatzsteigerung und Gewinnoptimierung.

In dem folgenden Kapitel beschreibe ich beispielhaft die Mechanismen und Auswüchse dieses gesundheitsgefährdenden und gesellschaftsschädigenden Systems. Ich erläutere, mit welchen Anreizen die Pharmaindustrie in fast alle Bereiche unserer medizinischen Versorgung eingreift und die unterschiedlichen Akteure instrumentalisiert, um die Absätze der eigenen Produkte zu steigern.

Ein Blick hinter die Kulissen

Die WHO erklärt, 86% aller Todesfälle in Europa seien durch Zivilisationskrankheiten, hauptsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Erkrankungen der Atemwege und Diabetes verursacht. All diese Krankheiten wären durch eine gesunde Ernährung, keinen Tabakkonsum, wenig Alkohol, mäßige Bewegung und weniger Dauerstress zu vermeiden.

Hier offenbart sich der nächste Teil unseres globalen Systemkollapses. Wir haben auf der einen Seite also etliche Industriezweige, die davon profitieren, dass Menschen überall auf der Welt künstliche Produkte essen. Auf der anderen Seite haben wir eine ebenso mächtige und wachstumsgetriebene Industrie, die uns dann angeblich wieder heilen will: Die Pharmakonzerne. Hinzu kommen eine Ärzteschaft, Wissenschaftler und diverse Hilfsberufe, die ebenfalls zum Teil stark davon profitieren, wenn wir krank sind.

Zahlenbeispiele

Die 10 größten Pharmaunternehmen beschäftigen zusammen ca. 800 000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von ca. 335 Milliarden USD. Das ist vergleichbar mit dem Bruttoinlandsprodukt von zum Beispiel Ägypten. Also dem Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb dieses Landes und einer Bevölkerung von knapp 100 Millionen Menschen produziert wurden.

Die 50 größten Pharmaunternehmen machten in 2014 gemeinsam einen Umsatz von 576 Milliarden USD. Das ist dann etwas mehr als Länder wie Schweden, Taiwan oder Argentinien. Alleine diese Zahlen verdeutlichen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Unter den Kassenschlagern befinden sich immer Produkte, die folgende Erkrankungen behandeln oder gar heilen sollen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Erkrankungen der Atemwege, Osteoporose, Schmerzen, psychische Störungen, oder Autoimmunerkrankungen wie Allergien. Die 10 größten Nutznießer der neuen “Zivilisationskrankheiten” sind folgende Pharmakonzerne:

Rang 2017UnternehmenGründungs-jahrHauptsitzUmsatz 2017 in Mrd. USD $Topseller
1Johnson & Johnson1886USA76Infliximab, Simeprevir, Abirateron
2Roche1898Schweiz53Rituximab, Bevacizumab, Trastuzumab
3Pfizer1849USA52Pregabalin, Pneumokokken-Impfung “Prevnar”, Etanercept
4Novartis1758Schweiz48Imatinib, Fingolimod, Ranibizumab
5Merck (MSD)1891USA40Sitagliptin, Ezetimib, Infliximab
6Sanofi1834Frankreich35

Insulin glargin, Clopidogrel, 

Enoxaparin-Natrium

7GlaxoSmith-Kline1873GB29Salmeterol/Fluticason, DTP+Hepatitis B+Polio-Impfstoff, Dutasterid
8AbbVie1888USA28

Adalimumab, Testosterongel, 

Iopinavir/ Ritonavir

9Gilead Sciences1987USA26

Sofosbuvir, Efavirenz/Emtricitabin/

Tenofovir (Truvada)

10AstraZeneca1913UK23

Rosuvastatin, Budesonid/Formoterol, 

Esomeprazol

Quelle: https://www.finanzen.net und Wikipedia

Quellen und weitere Informationen zu “Die Pharmaindustrie und ihre Helfer”

Die Macht der Akteure: Das Beispiel Novartis und Pfizer

Novartis war bis 2014 der größte reine Pharmakonzern weltweit. In 2017 betrug der Nettoumsatz 48 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn, also das, was nach Abzug aller Kosten übrig blieb, betrug über 7 Milliarden US-Dollar. Bis Ende 2017 war Joe Jimenez CEO von Novartis. Er erhielt für seine Leistungen in 2015 fast 12 Millionen US-Dollar. Ähnliche Verhältnisse von Umsatz zu Reingewinn und Gehältern für die oberste Führungsebene finden sich bei den anderen Pharmaunternehmen. Die meistverkauften Produkte bei Novartis sind folgende:

  • Diovan® (Valsartan) – Behandlung von Bluthochdruck
  • Glivec® (Imatinib) – Behandlung von Krebs
  • Ritalin® (Methylphenidat) – Behandlung Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen
  • Aclasta®/Zometa® (Zoledronat) – Behandlung von Osteoporose
  • Femara® (Letrozol) – Behandlung von Brustkrebs

Jedes einzelne dieser Produkte bringt dreistellige Millionen bis Milliardenumsätze. Es ist nicht im Interesse von Novartis, dass die Bevölkerung erfährt und lernt, wie sie sich vor diesen Krankheiten und körperlichem Zerfall mit Präventivmaßnahmen – also gesundem Essen, genug Bewegung, weniger Stress – selber schützen kann.

Über Lobbyarbeit und strategische Zusammenarbeit mit relevanten Entscheidern stellen die Pharmakonzerne sicher, dass sie besonders vorteilhafte Rahmenbedingen bekommen: Rahmenbedingungen, um neue Märkte zu erschließen, mehr Produkte platzieren zu können und ihre Gewinne weiter zu steigern.

Genau diesen Ansatz beschreibt zum Beispiel Pfizer auch auf seinen eigenen Webseiten unter der Überschrift “Responsibility” (Ein paar Auszüge finden sich auf Englisch unter den Quellenangaben zu diesem Abschnitt). Ebenso wie Nestlé prahlt Pfizer auf seinen eigenen Internetseiten damit, dass das Unternehmen in alle gesellschaftlichen Bereiche eingreift, immer unter dem Banner, etwas Gutes tun zu wollen. Was der Konzern in Wirklichkeit tut, ist, seine eigene Marktmacht auszubauen.

Und genauso wie zum Beispiel Nestlé sitzt Novartis ganz nah an den obersten Entscheidern der Welt über Gesundheit. Diese beiden jeweils weltweit größten Konzerne ihrer Branche haben ihren jeweiligen Hauptsitz in der Nähe von Genf. Genau dort finden sich auch die Zentralen der Weltgesundheitsorganisation, der Vereinten Nationen mit internationalen Programmen wie dem Joint United Nations Programme on HIV and AIDS (UNAIDS) sowie die World Heart Federation und etliche weitere globale Organisationen. Diese Organisationen setzten die politischen Rahmenbedingungen für die Versorgung mit Nahrung und verbreiten Informationen über relevante Gesundheitsprävention für die Bevölkerung in fast allen Ländern der Welt. Bei all diesen Organisationen finden sich Novartis, Pfizer, GlaxoSmithKline sowie praktisch alle weiteren globalen Pharmakonzerne unter den Sponsoren wieder.

Wie weitreichend der Eingriff in unsere Gesellschaft ist und wie viel Geld die Pharmakonzerne aufwenden müssen, damit wir Menschen die Produkte auch kaufen, mit denen sie so viele Profite erwirtschaften, lässt sich auch erahnen, wenn man sich die Kosten für Marketing im Vergleich zur Forschung betrachtet. Ein paar Beispiele für 2015:

FirmaHauptsitzMarketing in Mrd USDForschung in Mrd USD
Johnson & JohnsonUSA17.58.2
PfizerUSA11.46.6
NovatisSchweiz14,69,9
GlaxoSmithKlineGroßbritannien9,95,3

Quelle: Washington Post Studie Dadavits

Quellen und weitere Informationen “Beispiel Novartis und Pfizer”

Das Bindeglied: Die Ärzteschaft

Damit diese Verkettung von ungesunden Lebensmitteln, Krankheiten und deren Behandlung mit Medikamenten auch funktioniert, braucht es die Mediziner.

Es braucht Ärzte und Wissenschaftler, die die Gefahren von verarbeiteten Lebensmitteln wenig bis gar nicht erwähnen und die Wirksamkeit von Medikamenten und “modernen Behandlungsmethoden” hervorheben. Diese Botschaften müssen mit Studien und Publikationen bestätigt werden, damit die Lobby der Pharmaindustrie, der Ärzteschaft aber auch der Lebensmittelindustrie diese nutzen können, um ihre Interessen wirksam in den Medien und bei der Politik zu platzieren.

Ärzte und Wissenschaftler liefern natürlich nicht umsonst fragwürdige Informationen. Es braucht also “Incentives”: Geld, Geschenke, Honorare, kostenlose Ausbildungen, Fördergelder, Karriereoptionen und Ansehen.

Dass es Zahlungsströme zwischen der Pharmaindustrie und dem medizinischen Establishment gibt, ist schon länger bekannt und ausführlich dokumentiert. So finden sich für den deutschsprachigen Raum im Internet mit den Begriffen “Pharmaindustrie schmiert Ärzte” 46.000 Einträge (Google Search, gelistet am 22.9.2017). Hier handelt es sich seitenweise um Berichte aus erster Hand, die Korruption und Bestechungsmethoden beschreiben. Ein paar Schlagzeilen:

  • RTL News 30.7.2015 “15.000 Pharmavertreter machen jährlich 20 Millionen Besuche bei niedergelassenen Ärzten, um Werbung für ihre Produkte zu machen, und haben dabei oft die Spendierhosen an.”
  • Welt 17.4.2013 “Fangprämien für Patienten, Geschenke der Pharmaindustrie – die Korruption im Gesundheitswesen hat viele Gesichter.” Und “Die Ärzteschaft hat sich lange dagegen (die Offenlegung der Bezüge) gewehrt und gewarnt, ihren Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen”
  • n-tv 26.6.2012 “Das deutsche Gesundheitssystem begünstigt den Klüngel zwischen Medizinern und Pharmaherstellern.”

Dass sich zumindest ein Teil der Ärzteschaft von der Pharmaindustrie kaufen lässt, ist also keine neue Erkenntnis. Aber das Ausmaß dieser Zahlungsströme und deren Folgen überrascht dann doch – zumindest mich.

Seit Juni 2016 gibt es allerdings ein neues Antikorruptionsgesetz, welches mehr Transparenz von Zahlungsströmen einfordert. Seitdem haben die 54 größten Pharmaunternehmen ihre Zahlungen an die Ärzteschaft offengelegt. Ein Teil davon ist in einer Datenbank nun für die Bevölkerung einsehbar. In einer Zusammenarbeit haben der ORF, Der Standard und die Rechercheplattform CORRECTIV die Daten aufbereitet. Für Deutschland können Bürger nun für 20.000 Ärzte erfahren, welche Zahlungen sie von welchen Pharmaunternehmen erhalten haben. Als Einleitungstext zu der Datenbank schreibt CORRECTIV:

“71.000 Ärzte erhalten Geld von der Pharmaindustrie. Erstmals werden diese Interessenkonflikte nun öffentlich. Pharmakonzerne zeigen sich gern großzügig gegenüber Ärzten: Sie bezahlen sie für Vorträge, laden sie zu Kongressen ein, erstatten ihnen Hotelübernachtungen, honorieren sie für Anwendungsbeobachtungen. 575 Millionen Euro flossen auf diese Weise im vergangenen Jahr an mehr als 71.000 Ärzte und medizinische Einrichtungen in Deutschland. Nur 20.000 Ärzte sind aber einverstanden, dass ihr Name veröffentlicht wird.”

Das sind, wie gesagt, nur die Zahlungen für Deutschland in 2015. Internationale Zuwendungen der Pharmaindustrie an Mediziner betragen etliche Milliarden Euro.

Extra Geld für Anwendungsstudien

Besonders großzügig entlohnt werden so genannte “Beobachtungsstudien”: Die Pharmakonzerne bezahlen dafür, dass Ärzte Patienten bestimmte Medikamente verschreiben. Auf den Seiten von CORRECTIV wird dazu in einem Artikel vom 9.3.2016 Folgendes erklärt:

“Pharmakonzerne bezahlen Ärzte dafür, dass sie beobachten, wie gut ihre Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wissenschaftlich sind diese ˈAnwendungsbeobachtungenˈ wertlos. Doch Ärzte bekommen dafür im Schnitt 669 Euro – pro Patient. Eine neue CORRECTIV-Datenbank zeigt erstmals, welches Ausmaß die umstrittenen Studien erreicht haben – und welche Präparate vor allem in den Markt gedrückt werden.

Allein im Jahr 2014 haben 16.952 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, darunter rund 12.000 niedergelassene. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben damit zehn Prozent aller niedergelassenen Ärzte Geld von der Pharmaindustrie erhalten.

Für jeden Patienten haben die Ärzte im Jahr 2014 im Schnitt 669 Euro Honorar erhalten. Betrachtet man den längeren Zeitraum 2009 bis 2014 beträgt das durchschnittliche Honorar 474 Euro pro Patient.

Im gesamten Zeitraum 2009 bis 2014 wurden Anwendungsbeobachtungen an 1,7 Millionen Patientinnen und Patienten geplant.

Insgesamt verteilte die Pharmaindustrie auf diese Weise rund 100 Millionen Euro an Deutschlands Ärzte – pro Jahr.

Wobei die Zahl der beteiligten Ärzte und der beobachteten Patienten dabei jeweils als Untergrenze zu verstehen sind. In vielen Fällen lassen Pharmaunternehmen die Angaben zu Ärzten und Patienten einfach weg.”

Die Ursache: Ein Fehler im System

Ein Hausarzt kann pro Patient und Quartal nur ca. 35 Euro abrechnen. Mit notwendigen Zusatzuntersuchungen kann dieser Betrag auf ca. 60 bis 70 Euro gesteigert werden. Beratung über gesunde Ernährung und Lebensweise ist mit dem Betrag bereits abgegolten. Das ist zu wenig. Niedergelassene Ärzte haben Personal-, Investitions- und Unterhaltskosten, die neben dem eigenen Gehalt bezahlt werden müssen. Die Möglichkeit, extra Geld zu verdienen, indem man ein paar Medikamente mehr durch gut bezahlte Anwendungsstudien verschreibt, ist also eine willkommene und manchmal vielleicht auch notwendige Maßnahme, um die eigenen Kosten zu decken.

Der Fehler liegt hier also gar nicht so sehr bei den Ärzten selbst, sondern bei den Entscheidern im Gesundheitssystem. Die letzte Instanz ist hier wieder das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Die Aufgabe des BMG ist es, die Gesundheitspolitik so auszugestalten, dass Ärzte faire Honorare bekommen und Patienten Dienstleistungen angeboten werden, die sie auch brauchen, um ihre Gesundheit nachhaltig zu fördern oder wieder herzustellen. Ärzte werden aber nicht in angemessener Weise für die Herstellung und die Erhaltung einer gesunden Bevölkerung entlohnt. Ärzte bessern also auf.

Quellen und weitere Informationen zu “Das Bindeglied: die Ärzteschaft”

 

Zahlungen der Pharmaindustrie: Die größten Nutznießer

Ganz vorne bei den Zuwendungen, teilweise mit Millionenbeträgen, liegen die Unikliniken, Chefärzte, Ausbildungsstätten, Bundesverbände und medizinischen Verlagshäuser. Wer sich diese Zahlungsströme genauer anschaut, bemerkt, dass die Pharmaindustrie strategisch vorgeht und ganz oben ansetzt. Alle diejenigen, die Forschung betreiben, Ärzte ausbilden und bestimmen, welche Informationen die Öffentlichkeit erhält, bekommen die meisten Zuwendungen.

Auch zu all diesen Umständen gibt es endlos viele Hintergrundinformationen, Bücher und Berichte aus erster Hand von Ärzten, die sich dem System entzogen haben und Patienten, die an der Nase herumgeführt wurden. Die Details und Hintergrundinformationen lassen sich unter anderem in folgenden Büchern nachlesen:

  • “Der betrogene Patient: Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen” – Dr. Gerd Reuther (2017)
  • “Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen: Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen” – Prof. Peter C. Gøtzsche (2016)
  • “Unglück auf Rezept: Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen” – Dr. Peter Ansari (2016)
  • “Die Pharma-Falle: Wie uns die Pillen-Konzerne manipulieren” – Dr. Fahmy Aboulenein (2016)
  • “Die weiße Mafia: Wie Ärzte und die Pharmaindustrie unsere Gesundheit aufs Spiel setzen”– Dr. Frank Wittig (2013)
  • “Patient im Visier: Die neue Strategie der Pharmakonzerne” – Bernd Hontschik, Caroline Walter, Alexander Kobylinski(2011)
  • “Gesunder Zweifel: Einsichten eines PharmakritikersPeter Sawicki und sein Kampf für eine unabhängige Medizin”– Ursel Sieber (2010)
  • “Ein medizinischer Insider packt aus: Dokumentarroman” – Prof. Dr. Peter Yoda (2007)
  • “Die Krankheitserfinder: Wie wir zu Patienten gemacht werden” – Jörg Blech (2005)

Wer welche Gelder bezieht, können Bürger ebenfalls in der besagten Datenbank, zumindest zum Teil, nachlesen. Die Fakten, die sich da auftun, bieten allein schon Stoff für mehrere Bücher. Ein paar wenige Beispiele von Chefärzten, Unikliniken und Ausbildungsstätten, die großzügige Gelder beziehen, lauten wie folgt:

EmpfängerArtOrtBetrag in Euro 2015
med update GmbHFortbildungBerlin1.453.450,00 €
Das Fortbildungskolleg Gesellschaft für medizinische Fortbildung mbHFortbildungMünchen1.424.587,74 €
Charité Universitätsmedizin Berlin Universitätsklinikum Charité Med.fakultät d.Humbolt Univ.KlinikBerlin

1.041.489,06 €

503.600,00 €

Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbHVerlagWiesbaden945.934,78 €
DGHO Service GmbH (Fortbildung)FortbildungBerlin849.618,70 €
Deutsche Gesellschaft für NeurologieVerbandBerlin706.762,25 €
MedKom Akademie GmbHFortbildungMünchen630.299,89 €
Bundesverband Niedergelassener Kardiologen e.V.VerbandMünchen620.989,50 €
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Neurologe – Uniklinik Essen)ChefarztEssen200.193,64 €
Prof. Dr. Jürgen Rockstroh (Innere Medizin – Uniklinik Bonn)ChefarztBonn148.413,95 €
Prof. Dr. med. Michael Nauck (Innere Medizin, Gastroenterologie, Endokrinologie – Uniklinik Bochum und Jury der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zur Förderung wissenschaftlicher Projekte)ChefarztBochum128.637,77 €
Prof. Dr. Thomas Forst (Diabetes – Institut für Stoffwechselforschung GmbH)GeschäftsführerMainz99.973,96 €
Prof. Dr. med. Mathias Mäurer (Neurologe – Uniklinik Würzburg)ChefarztWürzburg95.686,21 €

Quelle: CORRECTIV

Der Einfluss der Pharmaindustrie wächst

Interessant ist auch zu sehen, wie sich die Zuwendungen seitens der Pharmaindustrie für viele der deutschen Ärzteverbände und Gesellschaften in nur zwei Jahren verändert haben: Der Geldfluss und somit auch der Einfluss der Pharmariesen, nehmen signifikant zu. Vier Beispiele:

GesellschaftGrößte ZuwendungenSumme gesamt 2015Summe gesamt 2016
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Genzyme GmbH

Merck KGa

Novatis

706.762 €

890.887 €

plus

208.525 €

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Roche Pharma AG

Merck KGaA

289.184 €623.150 €
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (ohne regionale Verbände)

Novatis Pharma GmbH

Ipsen Pharma GmbH

Baxalta Deutschland GmbH

380.797 €558.073 €
Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (ohne regionale Verbände)

Pfilzer Deutschland

Lilly Pharma Holding GmbH

Roche Pharma AG

85.569 €274.701 €

Quelle: CORRECTIV

Ebenso wird das Engagement der Pharmakonzerne, medizinischer Gerätehersteller und auch diverser Chemieunternehmen unter Fördermitgliedern auf den Webseiten der Gesellschaften deutlich. Auch dort finden sich praktisch alle Namen der großen Konzerne. Das Beispiel der Fördermitglieder der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verdeutlicht die Einflussnahme der Konzerne:

Abbott Arzneimittel GmbH

AGS-Eltern- u. Patienteninitiative e.V.

Bayer Vital GmbH

Berlin Chemie AG, Menarini Group

B.R.A.H.M.S GmbH

Bionorica AG

Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung

Dia Sorin Deutschland

Die Schmetterlinge e.V.

Ferring Arzneimittel GmbH

Genzyme GmbH

InSeNSU

Ipsen Pharma GmbH

Kraniopharyngeom-Gruppe

Medipan GmbH

Netzwerk Hypophysen- & Nebennierenerkrankungen

Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e.V.

Novo Nordisk Pharma GmbH

Ohne Schilddrüse leben e.V.

Pfizer GmbH

Roche Diagnostics GmbH

Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

Quelle: Webseite Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – Fördermitglieder (Hervorh. d. A)

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Konzernen wird auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) Folgendes erklärt:

“Die Fördermitgliedschaft bei der DGE ermöglicht unseren Industriepartnern nicht nur die Unterstützung des Fachgebietes, sondern auch das aktive Mitwirken in der Fachgesellschaft. Dadurch können Projekte in enger Zusammenarbeit verwirklicht werden.”

“Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft und Interessenvertretung all derer, die im Bereich von Hormonen und Stoffwechsel forschen, lehren oder ärztlich tätig sind.”

Ich halte fest: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vertritt die Interessen der Ärzte, die davon profitieren, wenn viele Patienten zu ihnen kommen. Die Fördermitglieder, also auch Konzerne, dürfen aktiv mitwirken an dem, was genau geforscht wird. Die Interessen der Patienten tauchen nicht auf.

Regionale Konzentration von Zahlungen

Auffällig ist auch, dass sich die finanziellen Zuwendungen seitens der Pharmakonzerne regional häufen. Allein in Berlin Mitte finden sich unter der Postleitzahl 10117 über 300 Zahlungsempfänger. Angeführt von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Der Bundestag und mit ihm alle relevanten Politiker sind ebenfalls in Berlin Mitte ansässig. Zufall?

In Hamburg finden sich unter der Adresse Martinistr. 52 weit über 100 Zahlungsempfänger der Industrie und eine Zahlungssumme von etwas unter 2 Millionen Euro. Größter Nutznießer in der Hansestadt ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

All diese “fördernden” Konzerne haben den expliziten Auftrag, als erstes die finanziellen Interessen ihrer Investoren und Aktionäre zu befriedigen. Das heißt, sie fördern den Umsatz und Absatz ihrer eigenen Produkte und nicht die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung. Das ist ihr Auftrag und den müssen sie rechtlich auch wahrnehmen. Nur wenn diese beiden Interessen zufällig zusammenfallen, dann sind diese Fördergelder auch gut für die Bevölkerung. Das ist aber wohl selten der Fall. Und genau diese “Fördermitglieder” sitzen nun überall in unserer Gesellschaft mit im Boot. Der medizinische Sektor ist nur ein Beispiel dafür – wenn auch ein sehr dramatisches. Es geht ja um unsere Gesundheit.

Quellen und weitere Informationen zu “Der Einfluss der Pharmaindustrie wächst”

Vitamin D: Ein Hype oder eine große Gefahr fürs Geschäft?

Die Pharmaindustrie will ihre Umsätze steigern. Dazu braucht sie kranke Menschen und Ärzte, die den angeschlagenen Bürgern ihre Medikamente verschreiben. Es gibt ein paar wenige Aspekte, die die Gesundheit von Menschen maßgeblich und ohne viel Aufwand und Kosten, beeinflussen: Zum Beispiel die richtige Menge an Vitamin D im Körper. Ein solcher Zustand ist gefährlich – zumindest für die Pharmaindustrie.

Die Internationale Datenlage rund um Vitamin D ist riesig und für jedermann einsehbar. Die Auswirkungen dieses Vitamins, welches im Körper zu einem Hormon umgewandelt wird, werden seit über 100 Jahren wissenschaftlich erforscht.

Ich selbst habe mehrere hundert Studien gesichtet. Die überwiegende Mehrheit der wissenschaftlichen Untersuchungen kommt zu dem Ergebnis, dass ein niedriger Vitamin-D Spiegel mit den jeweils untersuchten Krankheitsbildern korreliert und sich die Krankheitsbilder signifikant verbessern, wenn der im Blut gemessene Spiegel angehoben wird. Ein paar wenige Studien konnten kein eindeutiges Ergebnis ausfindig machen. Keine einzige Studie konnte ich finden, welche eine angemessene Vitamin D Supplementierung mit einem damit einhergehenden Blutspiegel bis maximal 100 ng/ml mit gesundheitlichen Gefahren in Verbindung bringen konnte.

Der international verbreitete Konsens ist, dass Vitamin D für sehr viele Bereiche im Körper essenziell ist und ein Spiegel über 30ng/ml die Gesundheit der Bevölkerung enorm unterstützt. Ebenso ist ausgiebig recherchiert und bekannt, dass die allerwenigsten Menschen in Deutschland einen Blutspiegel von über 30ng/ml – oder dem Äquivalent von 75 nmo/l – an Vitamin D vorweisen können.

Informationen über die Relevanz von Vitamin D und die Notwendigkeit einer Supplementierung für die breite Bevölkerung wird im Ausland, zum Beispiel in Großbritannien, auch von Seiten der Regierung, aktiv öffentlich gemacht. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Vitamin D ist auch in Holland weit verbreitet. Dort werden Kinder bis 4 Jahre mit Vitamin D von staatlicher Seite aus versorgt.

Nicht so bei uns in Deutschland. Wir werden im Dunkeln gehalten, mit einem ausgeklügelten Verwirrspiel bedient und unsere Kinder bekommen Symptome, die mit einem Vitamin-D-Mangel korrelieren. Aber Studien gibt es – und zwar viele tausende.

Vitamin D ist essenziell für die Linderung oder Behebung von etlichen Krankheitsbildern. Ein paar wenige Beispiele bezüglich Studien, die einen Vitamin-D-Mangel mit unterschiedlichen Krankheitsbildern in Verbindung bringen:

  1. Blutkrebs/Leukämie: “Vitamin D levels in patients of acute leukemia before and after remission-induction therapy” 2013 by Arshi Naz, Rizwan N. Qureshi, Tahir S. Shamsi, and Tabassum Mahboob https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3809206/
  2. Rheuma: “Vitamin D involvement in rheumatoid arthritis and systemic lupus erythaematosus” 2009 by Cutolo M, Otsa K, Paolino S, Yprus M, Veldi T, Seriolo B (2009) Ann Rheum Dis 68:446–447 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5743852/
  3. Krebs, Herzkreislauferkrankungen und Osteoperose: “Vitamin D: importance in the prevention of cancers, type 1 diabetes, heart disease, and osteoporosis” 2004 by Holick MF. Published in Am J Clin Nutr., 79 (3): 362-371. https://pdfs.semanticscholar.org/d862/39d46e22131e6a54a3bf3da44814816d5dcb.pdf
  4. Übergewicht und Diabetes: “Vitamin D deficiency is the cause of common obesity” 2009 Med Hypotheses.Foss YJ:, 72 (3): 314-321. 10.1016/j.mehy.2008.10.005. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19054627
  5. Übergewicht und Diabetes bei Kindern: “Hypovitaminosis D in obese children and adolescents: relationship with adiposity, insulin sensitivity, ethnicity, and season” 2008 by Alemzadeh R., Kichler J., Babar G., Calhoun M. in Metabolism 57: 183–191. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18191047
  6. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: “Vitamin D Deficiency and Risk for Cardiovascular Disease Vitamin D Deficiency and Risk for Cardiovascular Disease”2009 by Judd S., Tanqpricha V. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19593102
  7. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: “25-hydroxyvitamin d levels and risk of ischemic heart disease, myocardial infarction, and early death: population-based study and meta-analyses of 18 and 17 studies” 2012 by Brøndum-Jacobsen PBenn MJensen GBNordestgaard BG. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22936341
  8. Geschwächtes Immunsystems: “Vitamin D and 1,25-dihydroxyvitamin D3 as modulators in the immunesystem” by Mathieu C, van Etten E, Decallonne B, et al.. J Steroid Biochem Mol Bio 2004; 89–90: 449–52. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15225818
  9. Depression: “Vitamin D deficiency and depression in adults: systematic review and meta-analysis” 2013by Anglin RESamaan ZWalter SDMcDonald SD published in Br J Psychiatry. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23377209
  10. Hepatitis C: “Association between vitamin D and hepatitis C virus infection: A meta-analysis” 2013 by Livia Melo VillarJosé Antonio Del CampoIsidora RanchalElisabeth Lampe, and Manuel Romero-Gomez https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3793147/
  11. Fettleber: “The association of vitamin D deficiency with non-alcoholic fatty liver disease” 2014 by Metin Küçükazman, Naim Ata, Kürşat Dal, Abdullah Özgür Yeniova, Ayşe Kefeli, Sebahat Basyigit, Bora Aktas, Kadir Okhan Akin, Kadir Ağladioğlu, Öznur Sari Üre, Firdes Topal, Yaşar Nazligül, Esin Beyan, and Derun Taner Ertugrul, published in Clinics (Sao Paulo). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4129561/
  12. Asthma: International Cochrane Meta Studie von 2016 http://www.cochrane.org/news/high-quality-evidence-suggests-vitamin-d-can-reduce-asthma-attacks und http://www.nhs.uk/news/2016/09September/Pages/Vitamin-D-protects-against-severe-asthma-attacks.aspx

Eine Zusammenfassung von Vitamin D und dessen Auswirkungen auf diverse Krankheitsbilder findet sich zum Beispiel in der Studie: “Vitamin D: An Evidence-Based Review” 2009 http://www.jabfm.org/content/22/6/698.full

Jede dieser Studien, wie unzählige weitere, kann jeder Bürger im Internet – und in den meisten Fällen kostenlos – nachlesen. Zu finden unter Eingabe von entsprechenden Schlagwörtern unter zum Beispiel der Plattform Google Scholar. Und wirklich neu davon ist das Wenigste. Die Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels auf unsere Gesundheit werden schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts erforscht. Standardwerke wie “Atlas und Grundriss der Rachitis” von Franz Wohlauer, publiziert in 1911, kann man ebenfalls noch heute im Internet kaufen.

All diese Studien belegen, dass Vitamin D für unsere Gesundheit essenziell ist. Auch das ist im Grunde nicht überraschend. Der Mensch ist ja ein “tagaktives Säugetier” und dafür gebaut, an der frischen Luft seine Nahrung zu suchen. All diese Studien sind also lediglich ein wissenschaftlicher Beleg dafür, dass der Mensch in den unterschiedlichen Bereichen seines Körpers krank wird, wenn ihm eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Existenz entzogen wird: Sonne – ebenso wie ausreichend Bewegung und alle essenziellen Nährstoffe – fallen gleichermaßen in diese Kategorie. Der logische Menschenverstand sagt einem das Gleiche.

Ich halte fest: Auch wissenschaftlich ist belegt, dass die richtige Dosis von Sonne oder verzehrtem Fisch, und somit einem gesunden Vitamin-D-Spiegel, für Menschen essenziell ist. Die oben aufgeführten und etliche weitere Studien belegen, dass ein Mangel an Vitamin D häufig mit folgenden Schädigungen an Organen oder Systemsteuerungen korreliert:

  • Rheumatoide Arthritis (Erkrankung der Gelenke)
  • Hepatitis C (Erkrankung der Leber)
  • Morbus Crohn (Erkrankung des Darms)
  • Asthma (Erkrankung der Lunge)
  • Diabetes Typ 1 und 2 (Erkrankung der Hormonsteuerung)
  • Multiple Sklerose (Erkrankung des Nervensystems)
  • Krebs (Entartete Zellen, die ein geschwächtes Immunsystem nicht mehr bekämpft)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Erkrankungen der Blutgefäße)

Wer nun betrachtet, welche Medikamente weltweit die höchsten Umsätze erwirtschaften, findet eine verblüffende Korrelation. Einzelne Pharmaprodukte mit einem Verkaufswert von über 5 Milliarden USD im Jahr 2015 sind folgende:

RangMedikamentHandels-nameVerwendungHerstellerUmsatz 2015 in Millionen USDVeränderung im Vergleich zu 2014
1AdalimumabHumiraRheumatoide ArthritisAbbVie Inc.14,0121,469
2Ledipasvir/ sofosbuvirHarvoniHepatitis CGilead Sciences13,86411,737
3EtanerceptEnbrelRheumatoide Arthritis

Amgen

Pfizer

8,6974,009
4InfliximabRemicade

Rheumatoide Arthritis

Morbus Crohn

Johnson & Johnson8,3551,487
5Rituximab

Mabthera

Rituxan

Krebs

Rheumatoide Arthrose

Roche7,1151,456
6Insulin glargineLantusDiabetesSanofi7,02951
7BevacizumabAvastinKrebsRoche6,751270
8TrastuzumabHerceptinBrustkrebsRoche6,603265
9LenalidomideRevlimidKrebsCelgene5,801821
10SofosbuvirSovaldiHepatitis CGilead Sciences5,276(5,007)
11

Fluticasone propionate/

salmeterol

Seretide

Advair

Asthma

und kronische Erkranungen der Athemwege

GlaxoSmith-Kline5,227(778)
12RosuvastatinCrestorHerz-Kreislauf-ErkrankungenAstraZeneca5,017(495)

Quelle: Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_largest_selling_pharmaceutical_products

Es werden also astronomische Summen mit einigen wenigen Medikamenten verdient. Somit stellen sich folgende Fragen:

  • Was würde mit dem Absatz all dieser Medikamente passieren, wenn Menschen ihren Vitamin D Spiegel systematisch wieder auf ein gesundheitsförderndes Maß anheben würden?
  • Wie würde sich die Gesundheit von Menschen entwickeln, wenn sie auch bei allen anderen essenziellen Nährstoffen so versorgt werden, dass sie die Richtwerte von Nährstoffen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einhalten?
  • Wie würden sich Menschen verhalten, wenn sie wüssten, in welchen Nahrungsmitteln die für sie notwendigen Nährstoffe enthalten sind? Würden sie ihre Gesundheit fördern und Linsen, Kräuter und Wildobst oder doch Wurst, Pommes und Süßigkeiten essen?
  • Würden Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen, oder lieber Medikamente mit oft schweren Nebenwirkungen einnehmen?

Um diese Fragen zu beantworten, müssten Behörden, Schulen und Ärzte die Bevölkerung entsprechend aufklären und untersuchen. Genau das wird aber nicht systematisch getan.

Quellen und weitere Informationen zu “Vitamin D: Ein Hype oder eine Gefahr fürs Geschäft?”

Ärzte- und Dachverbände: Dubiose Informationspolitik am Beispiel Vitamin D

Besonders wichtig für die Pharmakonzerne sind Ärzteverbände und Selbsthilfegruppen. Sie haben eine große Reichweite: Tausende von Patienten und Ärzten lesen die von ihnen veröffentlichten Informationen und folgen ihnen. Diese Informationen sollten mit Vorsicht genossen werden und Bürger sollten sich fragen: In wessen Interesse werden bestimmte Informationen veröffentlicht?

Ich erläutere beispielhaft und anhand der folgenden Verbände und Selbsthilfegruppen, deren fragwürdige Propaganda rund um die Zusammenhänge von Vitamin D und dem Erhalt der Gesundheit.

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Ein Fachärzteverband.
  2. Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE): Der Dachverband von Menschen mit Diabetes und Berufsgruppen, die sich mit Diabetes beschäftigen. Dazu gehören Ärzte und Wissenschaftler, Diabetesberater, Psychologen und Podologen. Gegründet wurde dieser Dachverband auf Initiative der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Beide kooperieren eng miteinander.
  3. Deutsche Krebsgesellschaft: Ein Fachärzteverband.
  4. Adipositasverband Deutschen e.V: Eine Bundesweite Selbsthilfegruppe für Fettleibige.

1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Die DDG erläuterte, wie oben dargelegt, bereits in 2013 öffentlich, die Korrelation zwischen einem niedrigen Vitamin D-Spiegel und Diabetes. Diese Informationen suche ich in den nachfolgenden Jahren und Veröffentlichungen – und finde wenig.

Ein Beispiel: In dem neuesten Gesundheitsbericht bezüglich Diabetes von 2017, herausgegeben von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sowie der Deutschen Diabetes-Hilfe und der Deutschen Allianz Nicht-übertragbarer Krankheiten (DANK), liest man viel über nötige Fortbildungen für Ärzte, neue Behandlungsmethoden, Partnerschaften mit der Wirtschaft, Beschreibungen der Krankheitsbilder sowie Gefahren durch Zucker. Als Präventionsmaßnahmen werden folgende vier Punkte aufgeführt:

“Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE /Deutsche Diabetes-Hilfe plädieren zusammen mit der Deutschen Allianz Nicht- übertragbarer Krankheiten (DANK) dafür, die folgenden vier verhältnispräventiven Forderungen umzusetzen:

    1. Täglich mindestens eine Stunde Bewegung (Sport) in Schule und Kindergarten.
    2. Adipogene Lebensmittel besteuern und gesunde Lebensmittel entlasten (Zucker-Fett-Steuer).
    3. Verbindliche Qualitätsstandards für die Kindergarten- und Schulverpflegung.
    4. Verbot von an Minderjährige gerichteter Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel.”

Die Empfehlung, den Vitamin D-Status der Patienten überprüfen zu lassen oder den Vitamin D-Spiegel im Blut auf die oben beschriebenen 30ng/ml und mehr anzuheben, sind nicht zu finden. Weder als Präventivmaßnahme noch als Option zur Behandlung. Auf allen 260 Seiten dieses Berichts wird Vitamin D noch nicht einmal erwähnt.

Da mag man sich wieder fragen: Wieso nicht? Gibt es möglicherweise finanzielle Anreize, die dazu geführt haben, dass Entscheider relevante Informationen unterdrücken? Beispiele, die Raum für Spekulationen geben, gibt es viele. Da wäre etwa der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland, der 2016 eine Zahlung von über 35.000 Euro erhielt – hauptsächlich von dem Konzern MSD. Auch der “Past Präsident”, Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, erhielt 2015 Zahlungen in Höhe von 61.404 Euro, ebenfalls primär von MSD SHARP & DOHME GmbH, sowie Boehring Ingelheim Pharma GmbH und Lilly Pharma Holding GmbH. Alle drei Pharmakonzerne produzieren Medikamente für Krankheiten, die mit einer Anhebung des Vitamin-D-Spiegels verträglicher und deutlich günstiger behandelt werden könnten. Die DDG selbst erhielt in 2016 über 890.000 Euro von verschiedenen Pharmakonzernen; hauptsächlich von Novo Nordisk Pharma GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, MSD-SHARP & DOHME GmbH und Lilly Pharma Holding GmbH.

2. Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE)

Über diesen Dachverband, der eng mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zusammenarbeitet, finden sich folgende Informationen: Der Geschäftsführer dieser Gesellschaft war von 2010 bis 2017 Dietrich Garlichs. Im Juni 2017 übernahm Barbara Bitzer, eine ehemalige Angestellte des weltweit größten Insulinherstellers Novo Nordisk, die Führung. Die Leistungen von Garlichs werden auf den Seiten der Deutschen Diabetes Gesellschaft in einer Pressemitteilung vom 22.2.2017 z.B. wie folgt beschrieben:

“ˈEs war ein Glücksfall, dass die DDG 2010 Dietrich Garlichs als Geschäftsführer gewinnen konnte mit seiner breiten Managementerfahrung aus Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung’, betont DDG Präsident Professor Dr. Baptist Gallwitz. ˈMit ihm wurde die 1964 gegründete medizinisch-wissenschaftlich geprägte Fachgesellschaft zur politischen Stimme in Berlin.’

1996 wurde er zudem Vorstand der von ihm gegründeten UNICEF-Stiftung, deren Stiftungskapital in seiner Zeit von 0,25 Millionen Euro auf 95 Millionen Euro wuchs.

2009 wechselte er ins Gesundheitswesen. Dort hat er als Gründungsgeschäftsführer die diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe aufgebaut, bevor er die Geschäftsführung der Muttergesellschaft, der DDG, übernahm. 

2010 gründete Garlichs die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), deren Sprecher er ist. DANK ist ein Zusammenschluss von 17 medizinischen Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen, der sich für eine bessere Prävention der modernen Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes einsetzt”

Eine beeindruckende Vita. Sie zeigt, dass Garlichs sehr geschäftstüchtig, bestens mit der Politik und Wirtschaft vernetzt ist und hervorragende Fähigkeiten mitbringt, Gelder einzuwerben. Beim Lesen von all dem frage ich mich allerdings: Welchen Nutzen mag all diese “Businessakquise” für die Gesundheit von Diabetes-, Krebs- und Herz-Kreislauf-Patienten haben?

Auch interessant ist, dass man auf den Seiten der DiabetisDE/ Deutsche Diabetes-Hilfe unter “Zahlen und Fakten rund um Diabetes” ebenfalls keinen Hinweis zu Vitamin D und einer möglichen Korrelation mit Diabetes findet. Als Ursachen für Diabetes werden hier nur Übergewicht und Bewegungsmangel genannt. Eine Suche von Informationen rund um Vitamin D über das angegebene Suchfenster in dem gesamten Portal führt zu keinem Eintrag. Ähnlich magere Informationen finde ich über alle anderen essenziellen Nährstoffe oder belastende Substanzen aus der Nahrung auf diesem Webportal: Vitamine, Mineralstoffe, essenzielle Fettsäuren, Zusatzstoffe, Pestizide – all diese Faktoren scheinen hier wenig relevant bei der Entstehung von Diabetes zu sein.

Interessant ist ebenfalls Folgendes: Unter den kooperierenden Vorstandsmitgliedern der DiabetisDE/ Deutsche Diabetes-Hilfe findet sich Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, Wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE), und Prof. Dr. med. Hans Hauner, Ordinarius für Ernährungsmedizin an der TU München. Diese beiden Professoren stehen auch auf der Gehaltsliste diverser Pharmakonzerne. Ebenfalls sind beide auch für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) tätig. Dort sind sie in der Funktion der gewählten und kooperierenden Mitglieder des Präsidiums aktiv. So schließt sich wieder der Kreis von Ernährung, Pharmaindustrie und Wissenschaft. Auf diese beiden Herren komme ich noch einmal in dem Kapitel “Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)” zu sprechen.

3. Die Deutsche Krebsgesellschaft

Auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft, die, wie schon erwähnt, großzügige Zahlungen der Pharmabranche erhielt, lese ich auch erstaunlich wenig über Vitamin D. Zumindest nichts Positives.

Der erste Artikel, der aufgerufen wird, wenn man im Suchfeld auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft “Vitamin D” eingibt, macht gleich negative Schlagzeilen. Da liest man vom 26.10.2015 “VITAMIN D UND KALZIUM: GUTARTIGE DARMTUMOREN NICHT SELTENER”. Es wird erklärt, dass tägliche Vitamin D-Zugaben und Calcium keinen oder sogar einen negativen Einfluss auf Krebsleiden haben. Geschrieben steht dort:

“43 Prozent der Teilnehmer hatten bei der Kontrolldarmspiegelung ein oder mehrere weitere Adenome. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Teilnehmer Vitamin D, Kalzium, beides oder Placebo eingenommen hatten. Dies galt auch für fortgeschrittene Adenome, bei denen die Chance, dass sie sich zu Darmkrebs entwickeln, noch höher ist. Jedoch traten bei einigen Teilnehmern schwerwiegende Nebenwirkungen infolge der Behandlung auf.”

Die Studie, auf die sich diese Aussage bezieht und die auch angeführt wird, liest sich deutlich differenzierter. Dort wird unter anderem erklärt, dass die Gaben von Vitamin D für betroffene Patienten deutlich niedriger waren als die von führenden internationalen Verbänden empfohlene Dosis. Die verabreichte Dosis in dieser Studie lag bei 1000i.E. Empfohlen werden für Erwachsene zwischen 2000 bis 4000 i.E. Hinzu kommt, dass über 35% der Patienten in dieser Studie fettleibig waren. Unter diesen Umständen braucht der Körper bekanntermaßen deutlich höhere Dosen an Mikronährstoffen, wozu auch Vitamin D und Calcium gehören. Ebenso wird erklärt, dass der Beobachtungszeitraum möglicherweise zu kurz war. Relevante negative Auswirkungen der Versuchsreihe wurden laut Studie nicht beobachtet. Auch diese Studie kann jeder Bürger kostenlos im Internet nachlesen. Die Angaben und relevanten Ausschnitte dieser Studie habe ich im Quellenverzeichnis dieses Abschnitts aufgeführt.

Es stellt sich die Frage: Wieso stellt die Deutsche Krebsgesellschaft diese Studie in einem völlig falschen Licht dar? Es ist zu vermuten, dass die Deutsche Krebsgesellschaft versucht, die Wirkung von Vitamin D und auch weiterer essenzieller Nährstoffe im Kampf gegen Krebs zu vertuschen. Ein weiteres Zeichen hierfür ist zum Beispiel der Eintrag “GESUND ESSEN, GESUND BLEIBEN”. Ebenfalls zu lesen auf den Webseiten der Deutschen Krebsgesellschaft. Dort steht:

“Mit Vitaminen Krebs vorbeugen? Mit antioxidativ wirkenden Vitaminen Krebserkrankungen vorbeugen? Experten warnen derzeit eher noch vor einer unkritischen Einnahme von Vitaminpräparaten.”

Aufgeführt werden auf der Seite als möglich hilfreiche Vitamine im Kampf gegen Krebs: Vitamin B6, Vitamin K, Flavonoide (ein sekundärer Pflanzenstoff) und Selen. Diese Nährstoffe sind zwar grundsätzlich für den Erhalt von Gesundheit relevant, spielen aber in der Bekämpfung von Krebs nur eine untergeordnete Rolle. Laut internationaler Studienlage sind für die Bekämpfung von Krebs besonders Vitamin D, aber auch Vitamin A, E und C sowie die Fettsäure Omega 3 von hoher Relevanz. Diese Vitamine und Fettsäuren werden hier aber nicht erwähnt.

Auch hier gilt: Besonders für Vitamin D ist die Datenlage erdrückend. Ein Indiz dafür, dass Vitamin D sehr relevant ist für die Vorbeugung und die Behandlung von Krebs, liefert wieder eine Suche bei Google Scholar. Unter dem Eintrag “Vitamin D and Cancer” finde ich deutlich über 2 Millionen Einträge, genauer gesagt, 2.340.000, gezogen am 15.5.2018. Die ältesten der hier gelisteten Studien stammen aus den 1960ern. Bereits zu dem Zeitpunkt wurde die Entstehung von Brustkrebs mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel in Verbindung gebracht. Unter dem Thema alleine finden sich wohl ein paar tausend Studien. Aber die Deutsche Krebsgesellschaft, ebenfalls zu großen Teilen finanziert aus Steuer- und Stiftungsgeldern, erwähnt Vitamin D nicht. Erstaunlich.

Ebenso wenig erwähnt die Deutsche Krebsgesellschaft in diesem Beitrag Vitamin C und das obwohl auch dieses Vitamin schon in den 1970er Jahren in hochdosierter Form als sehr effektives Mittel gegen Krebs identifiziert wurde. Unter anderem von dem Wissenschaftler und Nobelpreisträger Prof. Dr. Linus Paulin. Die höchsten Konzentrationen von Vitamin C finden sich in Lebensmitteln, die bis vor wenigen Jahrzehnten von der Bevölkerung noch regelmäßig gegessen wurden: Wildobst wie Sanddorn, Hagebutten, Holunderbeeren oder Kräuter und Blattgrün wie Brennnessel, Sauerampfer und Grünkohl.

4. Adipositasverband Deutschland e.V.

Dieser Verein ist eine bundesweite Selbsthilfegruppe für Fettleibige. Der Verein stellt seine Historie und Ziele selbst wie folgt dar:

“Der Adipositas Verband Deutschland e.V. wurde im März 2006 in Dinslaken von Betroffenen und Ärzten ins Leben gerufen. Während der Gründungsversammlung haben sich die Gründungsmitglieder folgende Ziele für den Adipositas-Verband-Deutschland gesetzt:

    • Aufbau eines Netzwerkes von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen
    • Beratung und Begleitung von Adipositas Betroffenen
    • Erwachsenen- und Jugendaufklärung
    • Zusammenarbeit mit Schulen und sonstigen Einrichtungen zur Aufklärung über Adipositas
    • Gründung, Unterstützung und Betreuung von Adipositas-Selbsthilfe-Gruppen (SHG)
    • Aus- und Weiterbildung ehrenamtlicher Leiter/Moderatoren der SHG
    • Ausrichtung von Informationsveranstaltungen für Betroffene, Angehörige, Ärzte und Interessierte
    • Förderung von wissenschaftlichen Studien und Arbeiten.”

Der Adipositasverband Deutschland e.V bemühte sich im Jahr 2018 verstärkt darum Fettleibigkeit offiziell als Krankheit anerkennen zu lassen und die Aufnahme der Behandlungskosten von Folgeerkrankungen im Leistungskatalog der Krankenkassen zu verankern. Krankenkassen und somit alle Beitragszahler müssten dann die medizinische Versorgung dieser Patienten mitfinanzieren. Profitieren würden davon besonders die Pharmakonzerne und Ärzteschaft, denn Fettleibigkeit korreliert mit einer breiten Palette an Krankheitsbildern, trifft verstärkt sozial schwache Bevölkerungsgruppen, also Menschen, die sich eine Behandlung mit Medikamenten aus eigener Tasche oft nicht leisten können. Produkte wie Optifast von Nestlé würden die Allgemeinheit dann noch häufiger bezahlen.

Interessant ist in dem Zusammenhang Folgendes: Finanziert wurde dieser Verein laut eigenen Angaben bis mindestens Ende 2018 von Johnson&Johnson. Also einem der größten Pharmakonzerne weltweit und in 2017 mit einem Jahresumsatz von 70 Milliarden Euro. Kommerzielle Schwerpunkte dieses Giganten sind nicht nur Zahnpflegeprodukte, sondern auch Medikamente zur Behandlung von Krebs, Störungen des Immunsystems, Erkrankungen des Darms und Erkrankungen der Gelenke: alles Begleiterscheinungen oder Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit.

Als Anmerkung: In Bezug auf Vitamin D hat meine Recherche ergeben, dass keiner der großen Ärzteverbände und keine der meist ebenfalls von der Pharmaindustrie finanzierten Selbsthilfegruppen, relevante Informationen rund um Vitamin D verbreitet. Weitere Beispiele für einen wortkargen Auftritt rund um Vitamin D sind zum Beispiel der Berufsverband Deutscher Internisten, der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner und die Deutsche Alzheimergesellschaft.

Quellen und weitere Informationen zu “Dubiose Informationspolitik der Ärzteverbände – zwei Beispiele”

Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ)

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) ist auch ein interessanter Fall. Die DAKJ ist der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Fachverbände Deutschlands. Unter anderem berät die DAKJ den Vorstand der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) in gesundheitlichen Belangen rund um unsere Kita-Kinder.

Mit der DAKJ und der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) sollte ich eigentlich Anfang 2017 eine Telefonkonferenz bezüglich der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH führen. Mir wurde von diesen beiden Vereinen ein gemeinsames Gespräch angeboten. Auf mögliche Terminvorschläge von meiner Seite gab es allerdings keine Rückmeldung und ein Gespräch hat nicht stattgefunden. Die selbstproklamierten Aufgaben der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) sind folgende:

    • “koordiniert die gemeinsamen gemeinnützigen Ziele und Aufgaben ihrer Mitglieder zum Wohle von Kindern und Jugendlichen.
    • vertritt diese Ziele nach außen gegenüber Gesellschaft und Politik.
    • setzt sich für die bestmögliche gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen ein.
    • engagiert sich für die Umsetzung der Kinderrechte, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind.”

Mindestens die letzten beiden Punkte suggerieren, dass das Wohl unserer Kinder im Fokus steht. Ob diese Intention im notwendigen Umfang umgesetzt wird, ist fraglich.

Zur UN-Kinderrechtskonvention sollte man wissen, dass sich der Staat Deutschland verpflichtet hat sicherzustellen, dass unsere Kinder Rahmenbedingungen bekommen, die ihre Gesundheit schützen und fördern. Wenn der DAKJ sich diese Aufgabe auf die Fahne schreibt, gehört als erstes dazu, dass sie die Ärzte der Kinderheilkunde seriös, unabhängig und konsequent über das Zusammenspiel von Nährstoffen und physiologischen Prozessen im Körper aufklärt. Dazu gehört: Worin sind die essenziellen Nährstoffe enthalten? Wie erhält man sie und was passiert, besonders mit einem Kinderkörper im Wachstum, wenn er davon zu wenig bekommt? Eine solche Aufklärung von Seiten der DAKJ sollte zur Folge haben, dass alle Eltern umfänglich von ihren jeweiligen Kinderärzten über genau diese Zusammenhänge aufgeklärt werden. Genau diese Aufklärung findet aber nicht statt.

In diesem Zusammenhang ist Folgendes interessant: Der Generalsekretär des DAKJ, Prof. Dr. med. Huppertz, erhielt 2015 direkte Zahlungen von den Pharmakonzernen Pfizer und Novartis in Höhe von 7.176,78 €. Huppertz ist ebenfalls Klinikdirektor der Prof.-Hess-Kinderklinik, welche wiederum Teil des Klinikums Bremen-Mitte ist.

Das Klinikum Bremen Mitte wurde mit 87.107,50 € im Jahr 2015 von der Pharmaindustrie begünstigt. Das Klinikum Bremen-Mitte wiederum ist Teil des Klinikverbundes Gesundheit Nord (GENO). Dieser Verbund ist seit Anfang 2018 praktisch pleite. Das bedeutet, dass besonders in Zukunft Zahlungen und Zuschüsse – egal von wem – angenommen werden müssen. Das Personal und laufende Kosten müssen schließlich gedeckt werden – eine begrüßenswerte Situation für die Pharmaindustrie und wohl auch für die Hersteller medizinischer Geräte und sicherlich noch für andere Branchen. Kapitalgeber haben ein leichtes Spiel mit Schuldnern: Sie können die Konditionen, unter denen es Gelder und Zuwendungen gibt, häufig sehr genau festlegen. Welche Gesundheitsgefahren diese Dynamik für Bremer Patienten mit sich bringt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Bundesverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)

Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bekommt Zahlungen. Die Zentrale des Verbandes erhielt für seine “Dienste” in 2015 von der Pharmaindustrie 180,584 Euro. Die einzelnen Regionen und Niederlassungen bekamen zusätzlich noch separate Zahlungen. Dr. Thomas Fischbach, der Präsident dieser Ärztevereinigung, erhielt z.B. im Jahr 2015 für seine “Leistungen” von GlaxoSmithKline GmbH und Sanofi Pasteur MSD GmbH 5384,90 Euro.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

Die DGKJ ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendärzte – also der Bereich, in dem nationale und internationale wissenschaftliche Erkenntnisse gesichtet und für die Ärzteschaft aufbereitet werden sollten. Laut eigener Webseite werden die Aufgaben wie folgt dargestellt:

“Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der gesamten Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Deutschland. Die DGKJ fördert die wissenschaftlichen und fachlichen Belange der Kinder- und Jugendmedizin und setzt sich für die optimale ambulante und stationäre medizinische Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein. Sie engagiert sich, die Weiterbildung der Kinder- und Jugendärzte auf hohem Niveau zu gewährleisten.

Die DGKJ unterstützt die Aus- und Fortbildung und die Berufsausübung der Kinder- und Jugendärzte sowie die pädiatrische Forschung. Nicht zuletzt vertritt die Gesellschaft die berufspolitischen Interessen der Kinder- und Jugendärzte und bietet ihnen eine Plattform für den fachlichen und persönlichen Austausch.”

Auch diese Gesellschaft wurde 2016 von der Pharmaindustrie gesponsert, wenn auch “nur” mit 19.647,92 €. Unter dem wissenschaftlichen Beirat finden sich auch wieder Dr. Thomas Fischbach und Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz.

Interessant ist, dass genau diese Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) bereits 2011 in der Studie “Vitamin-D-Versorgung im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter” in Bezug auf die mangelnde Vitamin-D-Versorgung unserer Kinder Folgendes erklärte:

“Aktuelle nationale und internationale Publikationen beschreiben eine suboptimale Vitamin-D-Aufnahme bzw. einen unzureichenden Vitamin-D-Status in allen Altersstufen. Ziel dieser Stellungnahme ist es, die vorhandene Literatur und Evidenz zu den Referenzbereichen von Vitamin-D-Aufnahme und zur Vitamin D-Versorgung sowie zum tatsächlichen Verzehr zusammenzustellen und Empfehlungen für das Säuglings-, Kindes- und Jugendalter zu geben.”

Die Erkenntnisse dieser Studie von 2011 wurden anscheinend nicht in eine flächendeckende und verpflichtende Aufklärung und Vorsorge für unsere Kinder übersetzt. Warum nicht?

Noch mehr Profiteure

Neben den genannten Vereinigungen gibt es noch etliche weitere Vereine und Zusammenkünfte von Kinderärzten, die ich hier nicht im Detail erwähne.

Soweit ich es zum derzeitigen Zeitpunkt meiner Recherchen überblicken kann, werden allerdings alle von mir gesichteten Vereinigungen in irgendeiner Form von der Pharmaindustrie mitfinanziert. Sowohl die jeweiligen gemeinnützigen Vereine selbst als auch etliche der leitenden Personen. Weitere Zahlungsempfänger der Pharmaindustrie und zuständig für Kinderheilkunde, sind zum Beispiel:

  • GPOH e.V. – Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
  • Gesellschaft für Nopädiatrie e.V.
  • Gesellschaft Für Pädiatrische Nephrologie E. V
  • GPGE e.V. – Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V.

All diese Gruppen erhalten, laut der Datenbank von CORRECTIV, Gelder von der Pharmaindustrie. Und sie alle sind zu finden unter der gleichen Adresse: Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin.

Babynahrung: Kinderärzte als Vertriebsnetz

Wir haben von unserem Kinderarzt keinen einzigen Hinweis für eine wirklich gesunde Nahrungsversorgung für unsere Kinder erhalten. Die Verabreichung von Vitamin D Tabletten wurde nur für das erste Lebensjahr unserer Kinder empfohlen. Dafür bewirbt unser Arzt im Behandlungszimmer Milchpulverpackungen für Säuglinge und Kleinkinder.

Ein ganzes Regal ist vollgestellt mit folgenden Produkten: jeweils mehrere Packungen von BEPA (Nestlé), ALTHÉRA (Spezialnahrung von Nestlé Health Science), Hipp Comfort Spezialnahrung (HIPP), Humana Comfort (Seit 2016 Teil der HIPP Gesellschaft) und Neocate von Nutria (Danone Gruppe). Ich gehe davon aus, dass die Vertreter der Lebensmittelkonzerne nicht nur unseren Kinderarzt besucht haben, sondern auch andere Kinderärzte, und sich Produkte dieser Hersteller auch in vielen weiteren Arztpraxen wiederfinden.

Das ist nicht überraschend. Denn wer bedenkt, welche Umsätze die Lebensmittelkonzerne mit Milchpulvern für Babys und Kleinkinder erwirtschaften, sieht schnell, dass ohne die tatkräftige Bewerbung dieser Produkte in Arztpraxen – in Deutschland und anderen Ländern – ein solch wirtschaftlicher Erfolg nicht zu erreichen wäre.

Der globale Markt für Milchpulver und Babynahrung belief sich bereits 2015 auf ca. 40 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als der globale Impfmarkt einbringt. Auch diesem Marktsegment werden weltweit große Wachstumschancen zugesprochen. Es wird erwartet, dass die Wachstumsraten über 6% pro Jahr betragen werden und bis 2021 ein Umsatz von ca. 70 Milliarden Euro weltweit erwirtschaftet wird. Die USA führen, ähnlich wie auch in den meisten Lebensmittel- und Pharmatrends, den Wachstumsmarkt an.

Übrigens ist in der Pulvermilch für Kinder praktisch immer eine extra Portion an zugesetztem Phosphat zu finden, welches bekanntlich den Knochen- und Zahnstoffwechsel, besonders in der Wachstumsphase, stören kann. Zusätzlich führen künstliche Phosphatverbindungen in der Nahrung zu Bluthochdruck und Arterienverkalkung. Die Gefahren, besonders für kleine Kinder, sind bekannt. Entsprechend tragen Produkte mit diesen Phosphatverbindungen den Warnhinweis “Vorsicht bei Kleinkindern, da die akzeptable tägliche Aufnahmemenge überschritten werden könnte.”

Aber diese Phosphatverbindungen befinden sich in den meisten Babymilchpulvern. Selbst in Bioprodukten und bei führenden Herstellern wie HIPP findet sich das E341 für Calciumphosphate. Auch das trägt den besagten Warnhinweis. Der Hersteller HIPP ist aber der Meinung, dass ein Zusatz mit einer undefinierten Menge von E341 nicht nur nicht schädlich sei, sondern gar gesund und notwendig. Auf dem Online-Expertenforum von HIPP als Antwort auf einen Leserbrief erklärt der Hersteller:

“Das zugesetzte Calciumorthophosphat ist in unserer Milchnahrung sicher nicht schädlich für Ihr Baby, im Gegenteil, es ist sogar sehr wichtig für den kleinen Babykörper…. Ich kann Ihnen versichern, dass die von uns eingesetzte Phosphatverbindung gesetzlich zugelassen und ernährungsphysiologisch erforderlich und wichtig ist.

Bei Calciumorthophosphat handelt es sich um eine Mineralstoffverbindung, die in Art und Menge genauestens gesetzlich geregelt und ausdrücklich für Säuglings- und Kleinkindprodukte erlaubt sind und in keiner Weise ein Risiko darstellt. Sie brauchen sich daher keine Gedanken machen, Ihr Kleines könne zu viel davon bekommen, auch wenn es ausschließlich Pre Nahrung trinkt.”

Wie der Hersteller HIPP sicher herleiten kann, wann genau eine akzeptable Höchstmenge dieses synthetischen Zusatzes überschritten ist – ohne das gesamte Ernährungssverhalten des Säuglings zu kennen und zu evaluieren – ist mir als Leserin unklar.

Aber nicht nur der Hersteller HIPP nutzt fragwürdige Zusatzstoffe in seiner Babynahrung. Ein weiteres Beispiel ist das Produkt Nestlé BEBA PRO Anfangsmilch Start PRE 600 g (Hervorh. d. A):

“Zutaten: Molkenerzeugnis, Magermilch, pflanzliche Öle, Laktose, Milcheiweiß, Calciumcitrat, Fischöl, Vitaminmischung (Vit. C, Vit. E, Niacin, Pantothenat, Vit. A, Vit B1, Vit. B6, Vit. B2, Folsäure, Vit. K, Biotin, Vit. D), Öl aus Mortiererella alpina, Emulgator: Sojalecithine; Magnesiumchlorid, Kaliumchlorid, Phenylalanin, Kaliumcitrat, Natriumphosphate, L-Histidin, Taurin, Inositol, Nucleotide (Cytidin-, Uridin-, Adenosin-, Guanosin-5-monophosphat), Natriumchlorid, Eisensulfat, Zinksulfat, Calciumorthophosphat, L-Carnitin, Milchsäurebakterien (mit Bifiduskultur), Kupfersulfat, Kaliumjodid, Mangansulfat, Natriumselenat.”

Fazit: Generell handelt es sich auch bei Babymilchpulvern um nichts anderes als eine synthetisch hergestellte Mischung aus essenziellen Nährstoffen und Milchpulver – meist aus der Massentierhaltung. Die Packung kostet im Schnitt 18 Euro und sie reicht für 6 Liter Milch. Der Liter kostet somit deutlich mehr als 3 Euro. Warum Eltern ihren Kindern jemals ein solches Produkt verabreichen sollten, erschließt sich mir und mit meinem heutigen Wissensstand nicht.

All diese Zusammenhänge wurden uns von unserem Kinderarzt, der diese Babymilchpackungen offen bewirbt, nicht erklärt.

Kinderärzte: Ein Mangel an Wissen?

Es stellen sich die offensichtlichen Fragen:

  • Liegt in den Verstrickungen zwischen Ärzteverbänden und der Pharmaindustrie die Antwort, warum Kinderärzte anscheinend wenig Ahnung vom flächendeckenden Mangel an Vitamin D, und wohl auch sonst wenig Verständnis von Ernährung und Mikronährstoffen, haben?
  • Können sie unsere Kinder aufgrund dieser Wissenslücke überhaupt differenziert betrachten und angemessen behandeln?
  • Wenn Kinderärzte dieses Wissen nicht haben, wie sollen sie dann Eltern und gesellschaftliche Bereiche angemessen über Präventionsmaßnahmen aufklären?
  • Beginnt der Prozess der lückenhaften Bereitstellungen von lebenserhaltenden Informationen bereits im Medizinstudium?

Wahrscheinlich lernen auch niedergelassene Kinderärzte auf den von der DGKJ organisierten Fortbildungen wenig bis gar nichts darüber, welche Nahrungsmittel ein kleines Kind essen müsste, um auf seinen täglichen Bedarf an Vitamin A zu kommen. Oder wie viele Sonnenblumenkerne oder Haselnüsse es knabbern sollte, damit es den von der DGE angeratenen täglichen Bedarf an Vitamin E deckt. Oder dass eine Fehlfunktion der Schilddrüse auch bei Kindern vielleicht etwas mit falscher Ernährung und einer Belastung durch zu viele Zusätze aus Nahrungsmitteln, verabreichten Medikamenten oder Pflegeprodukten zu tun hat?

Quellen und weitere Informationen zu “Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten”

Profitable Geschäftsfelder: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfen, mangelnde Zahngesundheit und neuronale Störungen

Es gibt weitere – und zwar sehr lukrative – Bereiche, in denen sich die Pharmaindustrie breit gemacht hat. Bereiche, in denen sie mit Hilfe der medizinischen Fachwelt den Patienten ihre Produkte andient.

HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN: Auch ein Bombengeschäft

Auf Platz zwölf der lukrativsten Einzelmedikamente findet sich das Produkt “Crestor” von AstraZeneca. Und das ist bei weitem nicht das einzige Medikament, welches für den Erhalt unserer Blutkreisläufe eingesetzt wird. Ebenfalls mit dabei sind:

  • Vytorin – Merck und Co
  • Xarelto – Bayer
  • Brilinta – AstraZenka
  • Letains – GlaxoSmithKline
  • Opsumit – Johnson & Johnson
  • Vocado – Berlin Chemie
  • Rasilenz – Novartis
  • Blopress – Takeda
  • Clexane – Sanofi
  • Efient – Lilly
  • Pradaxa – Bohringer Ingelheim

Nur die 10 erfolgreichsten Medikamente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben in 2017 einen Umsatz von ca. 12 Milliarden Euro generiert. Zieht man die Kosten für Behandlung hinzu, schaffen es beide zusammen auf einen weltweiten Umsatz von über 120 Milliarden Euro. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind mittlerweile die häufigste Todesursache von Menschen.

Wer nun betrachtet, welche gigantische Einnahmequelle geschädigte Blutgefäße für das Gesundheitssystem bedeuten, ist wohl nicht überrascht, dass sich Mechanismen entwickelt haben, die behindern, dass Patienten lernen, selber adäquate Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Dazu müssten Menschen genau wissen, welche Faktoren das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken erhöhen und wie sie diese Risiken effektiv minimieren. Die vier bekannten Hauptrisikofaktoren sind:

  1. ein Mangel an Vitamin D und einigen weiteren essenziellen Nährstoffen
  2. der Konsum von zu viel Salz und künstlich zugesetzte Phosphatverbindungen
  3. ein Mangel an Bewegung
  4. der Konsum von Zigaretten

Anmerkung: Hier lohnt sich ein erneuter Blick auf die Tabelle “Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren – Worin sind sie enthalten?” im Kapitel “Nahrung und Gesundheit: Wer definiert und entscheidet?” sowie “NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?” Sektion “Salz (Natrium)” und “Phosphat”.

Quellen und weitere Informationen zu ” Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein Bombengeschäft”

  • NCB 2016 “Cardiovascular disease market set to grow very slowly to $146.4 billion by 2022, says GBI Research” Sep. 2016, by Cardiovasc J Afr https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5370385/
  • The Pharma Letter “Slow growth forecast for cardiovascular drug market as blockbusters face generics” https://www.thepharmaletter.com/article/slow-growth-forecast-for-cardiovascular-drug-market-as-blockbusters-face-generics
  • PM Life “Top 25 pharma companies by cardiovascular sales” http://www.pmlive.com/top_pharma_list/cardiovascular_revenues
  • IgeaHub Pharmaceutical Club 4.5.2018 “10 Best Selling Drugs 2018 – Cardiovascular. The Complete List and Analysis of the Best Selling Cardiovascular Drugs in 2017. All the Top Cardiovascular Products in the Pharmaceutical and Biotechnology Industry with detailed performance and future trends Cardiovascular remains one of the largest disease areas in the pharmaceutical business together with oncology, rheumatology, respiratory, anti-virals, and others. Total revenues for the 10 best selling cardiovascular medications approached 12 billions USD in 2017.” https://www.igeahub.com/2018/05/04/best-selling-drugs-2018/
  • NCBI 2010 “How Tobacco Smoke Causes Disease: The Biology and Behavioral Basis for Smoking-Attributable Disease: A Report of the Surgeon General.” by the Centers for Disease Control and Prevention (US); National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion (US); Office on Smoking and Health (US). Atlanta (GA):Centers for Disease Control and Prevention (US); https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK53012/
  • SWR Aktuell 25.3.2019 “Bayer-Konzern zahlt Hunderte Millionen an Entschädigung” Zitat: “Der Bayer-Konzern zahlt umgerechnet 686 Millionen Euro an US-Amerikanerinnen und -Amerikaner, die ihn wegen seines Blutverdünners Xarelto verklagt haben. Die Nachrichtenagentur dpa spricht von 25.000 Klagen wegen möglicher Gesundheitsschäden durch seinen Blutgerinnungshemmer Xarelto. Patienten oder deren Angehörige machen das Medikament für Gesundheitsschäden bis hin zum Tod verantwortlich. Xarelto ist Bayers umsatzstärkstes Medikament – 2018 hat der Konzern damit einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro gemacht.” https://www.swr.de/swraktuell/Bayer-Konzern-zahlt-Hunderte-Millionen-an-Entschaedigung,bayer-entschaedigung-100.html

IMPFUNGEN: Ein globaler Feldzug

Seit den 80er Jahren haben wir eine gigantische globale Impfkampagne der Pharmakonzerne erlebt. Überall auf der Welt wird gegen immer mehr geimpft.

Vor dreißig Jahren haben wir gegen fünf Krankheitserreger geimpft: BCG, Diphtherie, Tetanus, Polio und Masern. Mittlerweile werden wir angehalten, uns gegen bis zu 23 Krankheiten impfen zu lassen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), welche Teil des Robert Koch-Instituts ist. Die Aufsichtsbehörde für das Robert Koch-Institut und somit der STIKO ist das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Empfohlene Impfungen A – Z

Cholera

Diphtherie

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Gelbfieber

Hepatitis A

Hepatitis B

Herpes zoster (Gürtelrose)

Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

HPV (Humane Papillomviren)

Influenza

Masern

Meningokokken

Mumps

Pertussis (Keuchhusten)

Pneumokokken

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Rotaviren

Röteln

Tetanus

Tollwut

Tuberkulose

Varizellen (Windpocken)

Zoster (Herpes zoster, Gürtelrose)

Quelle: Webseite Ständige Impfkommision, Robert Koch-Institut

Da die unterschiedlichen Wirkstoffe zum Teil mehrmals verabreicht werden müssen, addieren sich die einzelnen Impfwirkstoffe und entsprechenden Arzttermine recht beeindruckend auf. Manche dieser Impfstoffe werden als Kombinationspräparate verabreicht, ein großer Teil davon enthält Aluminium oder auch Quecksilber als Trägersubstanz, so genannte Adjuvantien.

Die Bundesregierung, bzw. das Robert Koch-Institut empfiehlt, inzwischen unseren neugeborenen Kindern bereits in den ersten 13 Monaten 40 Impfungen. Laut Eltern für Impfaufklärung (EFI) ist die Steigerungsrate von 1976 bis 2013 beachtlich:

  • 1976 = 11 Impfungen gesamt
  • 1994 = 22 Impfungen gesamt
  • 2013 = 40 Impfungen gesamt

Globale Profiteure

Insgesamt wird erwartet, dass der globale Markt für Impfungen bis 2022 auf über 40 Mrd. Euro anwachsen wird. 2017 betrug der Umsatz knapp 30 Mrd. Euro. Das sind also Steigerungsraten von über 7% pro Jahr. Um diese Wachstumsraten zu erreichen, brauchen wir also deutlich mehr Menschen, die sich spritzen lassen. Und unterstützende Ärzte ebenso wie Politiker und Journalisten.

Die Kinder- und Jugendärzteverbände, BVKJ und DAKJ, scheinen da entsprechende Wachstumshelfer zu sein. Der Generalsekretär und der Präsident dieser beiden Organisationen sind die bereits erwähnten Ärzte Prof. Dr. Huppertz und Dr. Fischbach. Sie fordern zum Beispiel öffentlich, eine Impfpflicht für alle Kinder gesetzlich zu verankern. Das ist mehr als fragwürdig, wenn man genau hinschaut.

Das Beispiel Pneumokokken

Seit 2006 impfen wir in Deutschland gegen Pneumokokken. Pneumokokken sind Erreger, die eine Lungen-, Hirnhaut oder Mittelohrentzündung auslösen können. Diese Erkrankungen treten vermehrt in den Wintermonaten auf. Also in der Zeit, in der Menschen weniger mit natürlichem Vitamin D versorgt sind und ihr Immunsystem oft geschwächt ist. Studien, die diesen Zusammenhang belegen, gibt es einige Z.B.: “Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data”, eine großangelegte Studie von 2017 mit über 11.000 Probanden und eindeutigen Resultaten.

Für die Pharmaindustrie ist das ein Problem: Mit dem Verabreichen von Vitamin D verdient sie fast nichts. Mit Impfungen gegen diesen Erreger aber schon – und zwar sehr viel.

Den Markt für Impfungen gegen Pneumokokken teilen sich Pfizer (Prevenar und Prevenar 13) und GlaxoSmithKline (Synflorix). Die beiden Konzerne haben sowohl die BVKJ als auch die DAKJ reichlich bezahlt. Pfizer wiederum hat alleine mit seinem Impfstoff Prevenar 13 in 2015 über 5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Tendenz stark steigend. Wie gesagt: Bis 2006 wurden wir in Deutschland gegen Pneumokokken gar nicht geimpft. Und kränker waren wir vor dem Zeitpunkt trotzdem nicht.

GlaxoSmithKline wiederum hat alleine mit seinem globalen “Impf-Business” in 2016 ca. 5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die Wachstumsraten im Vergleich zu 2015 betrugen hier ca. 14%. Wer dann wiederum bedenkt, dass ein starkes Immunsystem in den meisten Fällen durchaus in der Lage ist – auch potentiell gefährliche Erreger wie Pneumokokken – selbst zu bekämpfen, dem wird klar, warum wir nicht Vitamin D, Hagebutten, Leber und Brennnessel verordnet bekommen. Wenn wir nämlich systematisch das Immunsystem unserer Kinder, und natürlich auch unser eigenes, stärken würden – mit allen notwendigen Nährstoffen, wenig Stress und Sonne/Vitamin D und der Abwesenheit von toxischen Stoffen wie Aluminium und vielen mehr, dann bräuchten wir auch fast keine Impfungen. Das würde dann bis zu 40 Mrd. USD weniger für die Pharmaindustrie bedeuten und Verluste für all die Branchen, die mittlerweile auch von diesem Geschäftsfeld abhängig sind: Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken, Chemiekonzerne, die Verpackungsindustrie und viele, viele mehr. Weltweit.

Das Beispiel Masern

Weltweit sind wieder Ausbrüche von Masernerkrankungen auf dem Vormarsch und die Zahlen von betroffenen Kindern steigen. So auch, z.B. Anfang 2019, in Niedersachsen. Die Antwort auf diese Entwicklung unserer politischen Vertreter auf Bundesebene ist das Einfordern einer gesetzlich verpflichtenden Impfpflicht für alle Kita- und Schulkinder. Zu den lautstarken Verfechtern dieser Zwangsmaßnahme gehören Jens Spahn (CDU, Bundesgesundheitsminister), Dr. Franziska Giffey (SPD, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Andrea Nahles (Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion), Anja Karliczek (CDU, Bildungsministerin) sowie Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages).

Das Argument ist immer das Gleiche – Zitat Nahles: “Individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet”. Wer sich mit den Details der Masernerkrankung, den historischen Entwicklungen und den Profiteuren dieser Impfung auseinandersetzt, muss sich fragen: Wer genau berät eigentlich diese Volksvertreter? Und inwieweit hinterfragen genau diese Vertreter eigentlich die präsentierten Details?

Differenzierte Informationen rund um Masern – ebenso wie alle anderen “Kinderkrankheiten” – gibt es mittlerweile reichlich. Ein hervorragend recherchiertes Buch – “Die Impf-Illusion” – wurde z.B. von Dr. Suzanne Humphries, einer amerikanischen Internisten und Nierenspezialistin (Nephrologin) geschrieben. Dr. Humphries arbeite 19 Jahre lang als angesehene Internistin in einem Krankenhaus und war laut eigenen Aussagen zunächst keine Impfgegnerin. Als im Winter 2009, kurz nach einer routinemäßigen Verabreichung des H2N12-Grippeimpfstoffs, mehrere Patienten mit Nierenversagen bis hin zu Todesfällen in ihrer Station eingeliefert wurden, wurde sie allerdings stutzig. Einen Diskurs über mögliche Zusammenhänge mit dem Impfwirkstoff wurden ihr von Seiten des Chefarztes und der medizinischen Leitung des Krankenhausens verweigert.

Daraufhin hat sie sich selbst, und in Zusammenarbeit mit Roman Bystrianyk, einem Experten rund um die Geschichte von Krankheiten, auf eine umfängliche Suche nach Antworten begeben. Die beiden Experten haben über mehrere Jahre unzählige historische Aufzeichnungen und medizinische Quellen der USA und aus Großbritannien durchforstet und zusammengetragen. Über 50 Graphiken sowie dutzende Originalfotos dokumentieren die gesundheitliche Entwicklung der Bevölkerung dieser beiden Länder. Alle Graphiken, Fotos und Hintergründe zu diesem Forschungsprojekt sind online und kostenlos einzusehen unter www.dissolvingillusions.com. In Bezug auf Masern haben diese beiden Experten Folgendes zusammengetragen:

  • Ausbrüche von Masern waren in den USA und Großbritannien bis Ende des Ersten Weltkrieges häufig.
  • Bis 1890 haben diese Ausbrüche auch bei bis zu 30% der betroffenen Patienten zum Tode geführt.
  • Die Ausbrüche fanden überwiegend in urbanen Zentren statt, also in Regionen, in denen die Bevölkerung zu der Zeit oft unter katastrophalen hygienischen Umständen hauste, schwer mangelernährt war und ohne Tageslicht in Fabriken gearbeitet hat.
  • Ein Verständnis der Zusammenhänge von Nährstoffen, Hygiene und einem gesunden Körper gab es damals noch nicht.
  • Kinder haben zu der Zeit keinen hohen Stellenwert in der Gesellschaft gehabt und ihrer Gesundheit wurde keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
  • Diese Faktoren – ein Verständnis der Zusammenhänge von Nahrung, Nährstoffen, Hygiene und Gesundheit, besonders im Wachstum – hat sich erst nach dem zweiten Weltkrieg in den USA und in Großbritannien in der Bevölkerung und dank staatlicher Maßnahmen, schnell verbreitet.
  • In der Konsequenz fiel die Anzahl von Ausbrüchen und Todesfällen, verursacht durch Masern, kontinuierlich auf einen historischen Tiefstand: “Die offizielle Zahl der Todesfälle durch Masern von 1960 in den USA wurde mit 360 angegeben. Damals lag die Zahl der Bevölkerung bei 180.671.000. Dies entsprach einer Mortalitätsrate von 0.24 pro 100.000 Menschen.” (Seite 316)
  • In den USA wurde der Masernimpfstoff erst NACH diesem Rekordtief eingeführt – und zwar 1963.
  • Der erste Masernimpfstoff enthielt “tote” Vieren, extrahiert aus den Nieren von Affen, und als Trägersubstanz Aluminium. Diese Kombination führte bei vielen Probanden zu Lungen- und Hirnentzündungen.
  • Um diese Komplikationen zu vermeiden, wurden später Lebendimpfstoffe genutzt, die allerdings auch zu Komplikationen führten: Die Impfstoffe selbst verursachen bei den Probanden Masernausbrüche, die ohne Test nicht von den Ausbrüchen, die es zu verhindern gilt, unterschieden werden können. Diese Problematik besteht auch heute noch: Über 30% der Ausbrüche werden durch den Impfwirkstoff selbst ausgelöst.

Todesursachen in sechs Neuenglandstaaten im Jahr 1963

StaatMasernAsthmaUnfälleHerz-Kreislauf-Erkrankungen
Maine1415144734
New Hampshire0213052937
Vermont3112221871
Massachusetts0138229923611
Rhode Island1283414356
Connecticut04499810301
New England5283467947804

Quelle:Die IMPF-Illusion” 2015, Dr. Suzanne Humphries und Roman Bystrianyk, Seite 316

Das Buch bezieht sich ebenfalls auf eine Reihe von Studien, die belegen, dass besonders die Vitamine A und C einen hohen Schutz vor Infektionen mit Masern bieten und im Falle der Erkrankung den Genesungsprozess positiv unterstützen. Relevante Konzentrationen von Vitamin A finden sich in Kräutern, Mohrrüben und Leber und Vitamin C in Kräutern und Wildobst. Solche Lebensmittel haben Kinder in der Zeit der Industrialisierung wohl selten gegessen. Das gleiche gilt für unsere heutigen Kinder, die anhand der DGE-Ernährungspläne ernährt werden.

In Bezug auf kommerzielle Profiteure ist Folgendes interessant: Auf Wikipedia wird für Masern erklärt “Seit Einführung der frühesten Versionen in den 1970er Jahren wurden etwa 500 Millionen Dosen in über 60 Ländern verwendet.” Seit 2006 wird in Deutschland der Kombinationswirkstoff MMRV genutzt. Eine einzelne Impfung kostet zwischen 33 bis 90 Euro. Die Hersteller des Wirkstoffs MMRV sind GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur MSD.

Wer nun überlegt, wie viel wohl seit den 1970ern nur mit der Verabreichung des Impfwirkstoffs für Masern umgesetzt wurde, und als Kosten für eine Impfung 20 Euro veranschlagt, – in vielen Ländern wird und wurde der Wirkstoff wohl deutlich günstiger angeboten als in Deutschland – und diesen Preis mit 500 Millionen multipliziert, kommt auf die beachtliche Summe von 10 Milliarden Euro. Und jeder, der einmal in oder mit einem internationalen Großkonzern gearbeitet hat, weiß, dass bei solchen Geldsummen alle erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den wachsenden Kapitalflusses nicht zu gefährden.

Wie holt man Kinderärzte mit ins Boot?

Die Honorierung von Impfungen wird, gemessen an dem Behandlungsaufwand, sehr hoch bezahlt. Ein finanzielles Anreizsystem mag besonders für die im Vergleich mit anderen Ärztegruppen schlecht bezahlten Kinderärzte attraktiv sein.

Informationen darüber, welche Zahlungen Ärzte für Impfungen erhalten, hat die Arbeitsgruppe IMP-Formation in einem Artikel vom 04.01.2015 zusammengestellt. Die folgenden Kosten für die Verabreichung der jeweiligen Impfstoffe dürfen Ärzte abrechnen. Auszüge der zusammengestellten Daten lesen sich wie folgt:

Lebensjahr 1-2:

    • Rotavirenimpfung 3 mal = 22,59 €
    • 6-fach Impfung 4 mal = 73,36 €
    • Pneumokokkenimpfung 4 mal 30,12 €
    • Meningokokken C Impfung 1 mal = 7,53 €
    • Masern, Mumps, Röteln Impfung 2 mal = 19,02 €
    • Varizellenimpfung 2 mal = 15,06 €
    • (Sachsen empfiehlt außerdem Meningokokken B, Hepatitis A und die jährliche Influenzaimpfung)

ab Lebensjahr 3:

    • FSME-Impfung 3 mal = 22,59 €
    • Auffrischung aller 3 Jahre (bis zum 70. Geburtstag = 21 mal = 158,13 €

Auffrischung bis Lebensjahr 18:

    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten 1 mal: 9,71 €
    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Polio 1 mal: 9,71 €
    • HPV-Impfung 3 mal: = 22,59 €

Auffrischungen ab Lebensjahr 18:

    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten (wegen Keuchhustenkomponente 1 mal auffrischen) = 9,71 €
    • Tetanus/Diphtherie (aller 10 Jahre) 4 mal = 31,72 €
    • Influenzaimpfung (jährlich ab 60) 10 mal = 77,90 €
    • Pneumokokkenimpfung 1 mal: 7,53 €
    • (Sachsen empfiehlt außerdem ab 50 Impfung gegen Herpes Zoster = Gürtelrose)

Summe: 507,56 € bekommt ein Arzt für das Impfen vergütet pro durchgeimpfte Person

Das wirkt im ersten Moment nicht gerade viel, jedoch ist das nur der Teil der Vergütung für impfende Ärzte BEI EINER PERSON und je mehr geimpft wird, desto besser die Vergütung. Überschlägt man das auf “nur” die Hälfte der deutschen Bevölkerung, liegen wir bei:

20.302.400.000,00 € (zwanzigmilliardendreihundertzweimillionenvierhundertausend)”

Lukrative Impfungen: Ein Vergleich

Wie finanziell attraktiv, gemessen am Zeitaufwand, das Verabreichen von Impfungen ist, wird deutlich, wenn man die Zahlungen für andere und zum Teil deutlich aufwendigere Eingriffe betrachtet. Die folgende Aufstellung wurde von der Initiative Hausärztemangel in Deutschland zusammengestellt:

Wundnaht oder kl. operativer Eingriff6,07 €
Lungenfunktionsprüfung6,39 €
Einzelimpfung (Grippe, FSME etc.)7,67 €
Ultraschall der Schilddrüse9,06 €
Demenztest bei Patienten über 70 J.13,00 €
Kombinationsimpfung15,34 €
Ultraschall des Bauches16,73 €
Belastungs-EKG (Ergometrie)21,31 €
Hausbesuch22,59 €

Quelle: “Kassenhonorar der Hausärzte” https://www.xn--hausrztemangel-8hb.info/haus%C3%A4rztemangel/honorar-der-haus%C3%A4rzte/

Wachstumshelfer Apotheken

Aber nicht nur die Ärzteverbände, Kinder- und Allgemeinärzte betätigen sich als Wachstumshelfer für die Pharmakonzerne. Auch die Apotheken sind mit dabei. So liest man online in einem Artikel vom 18.7.2017 über Grippe (Influenza) in der Apotheken-Umschau wenig aussagekräftige Informationen darüber, was eine Grippe ist und was nicht. Beschrieben werden bekannte Symptome und Diagnosemethoden und für eine Behandlung werden Schonung und Bettruhe sowie Medikamente empfohlen.

Laut Apotheken-Umschau sollten sich Patienten als Vorbeugung lediglich oft die Hände waschen und sich impfen lassen. Kein Wort liest man darüber, dass ein Körper sich selbst gut wehren kann, wenn er ein starkes Immunsystem hat und er dieses nur bekommt, wenn er mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt wird. Man erfährt auch nichts darüber, dass im Krankheitsfall etliche Kräuter, als Tee oder zum Inhalieren, dem Körper wieder auf die Beine helfen können. Oder dass Wadenwickel oder ein Überwärmungsbad effektive und magenschonende Mittel sind, um hohes Fieber zu senken.

Interessant ist dann wieder zu schauen, wer für die Inhalte in diesem Magazin verantwortlich ist. Das war in diesem Fall ein Professor Dr. med. Bernd Salzberger, Internist und Infektiologe. Seit 2001 ist er als Professor für Klinische Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg tätig. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind HIV-Infektion, CMV-Infektion und Viruserkrankungen bei immunsupprimierten Patienten. Salzberger erhielt in 2016 Honorargelder und Spesen in Höhe von 5.460,22. Hauptgeldgeber war GlaxoSmithKline. Prof. Dr. Salzberger ist ebenfalls im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. Die wurde auch reichlich mit Spendengeldern beglückt. Hauptzahler sind wieder GlaxoSmithKline und MSD Sharp.

Generelle Sicherheit von Impfwirkstoffen

Das US-Amerikanische Netzwerk Informed Consent Action Network (ICAN), hat 2018 zusammen mit Robert F. Kennedy Jr., gegen die US-Regierung Klage erhoben. Sie verklagten das Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste (DHHS) wegen Impfschutzverletzungen und sie gewannen. Es stellte sich heraus, dass Pharmakonzerne in den vergangenen 30 Jahren keine Belege über die Sicherheit der eingesetzten Impfwirkstoffe vorlegen mussten. Die Bundesbehörde ist somit ihren Impfschutzverpflichtungen seit über drei Jahrzehnten nicht sachgerecht nachgekommen. Es stellt sich die Frage: Wie werden die oft gleichen Wirkstoffe in anderen Ländern geprüft?

Bedenkliche Inhaltsstoffe

Unter den Zutaten von Impfwirkstoffen befinden sich ebenfalls äußerst bedenkliche Substanzen. Eine genaue Aufstellung findet sich unter der 2018 veröffentlichenden Liste des “Centers for Disease Control and Prevention Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases, 13th Edition 2018” unter dem Titel “Vaccine Excipient & Media Summary Excipients Included in U.S. Vaccines, by Vaccine”. Folgende Inhaltsstoffe werden laut dieser Studie flächendeckend und in unterschiedlichen Konzentrationen und Kombinationen genutzt:

  • Thimerosal/Thiomersal (besteht zur Hälfte aus Quecksilber, hochgiftig, neurotoxisch und hirnschädigend)
  • Mononatrium-Glutamat (neurotoxisch und hirnschädigend)
  • Aluminiumhydroxyd, Aluminiumphosphat und Aluminiumsalze (stehen in Verbindung als (Mit-) Ursache von Alzheimer und Demenz)
  • Formaldehyd (hirnschädigend und krebserregend)
  • Zitronensäure (E330, erhöht die Aufnahme von Aluminium im Körper)
  • Neomycin (giftiges Antibiotikum, Risiko: anaphylaktischer Schock, Herzrasen und Erbrechen, wenn es in den Blutkreislauf gelangt)
  • Azeton (giftiges Lösungsmittel)

Besonders häufig kommen Aluminiumsalze zum Einsatz. Dieses Nervengift wird seit 90 Jahren in Impfwirkstoffen genutzt. Es ist bekannt, dass dieser Stoff unsere Nerven schädigt. Die genauen Wirkungen sind allerdings fast nicht erforscht. Diesen Tatbestand beleuchten die Wissenschaftler Tomljenovic L, Shaw CA 2011 in der Studie “Aluminium vaccine adjuvants: are they safe?”.

Ich halte fest:
  1. Hohe Gewinne: Pharmakonzerne erzielen mit dem Umsatz von Impfwirkstoffen weltweit Milliardenerträge.
  2. Unverhältnismäßigkeit: Zahlungen an Ärzte für die Verabreichung von Impfwirkstoffen – gemessen am Zeitaufwand und technischem Können – sind im Vergleich zu Zahlungen für komplexere Tätigkeiten, welche eine medizinische Ausbildung benötigen – kleine Operationen, Beratung von Patienten – unverständlich hoch.
  3. Mangelnde Vorsorge: Bei Vorsorgeuntersuchungen oder akuter Krankheit werden Patienten nicht verpflichtend und umfassend über Nahrungsmittel, welche den Körper stärken und welche ihn besonders schädigen, aufgeklärt.
  4. Mangelnde Aufklärung: Eine differenzierte und verpflichtende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen ausgelöst durch potentiell gefährliche Zutaten in Impfstoffen – dazu gehören Aluminium, Quecksilber, Mononatrium-Glutamat – findet nicht statt. Und das, obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass diese Trägersubstanzen schwere gesundheitliche Schäden im Körper auslösen können und eine Anreicherung im Körper mit dem Anstieg von etlichen Zivilisationskrankheiten korreliert. Dazu gehören Demenz, Autismus, Brustkrebs, Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Allergien. (siehe Studien unter Quellenverweis sowie Kapitel “Aluminium” und “Glutamat” unter “Neue Zutaten: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?”)
Wer sich diese Zusammenhänge anschaut, sollte sich fragen:
  • Impfen wir wirklich, weil es Epidemien verhindert und wir unsere Kinder besonders schützen wollen?
  • Oder sollen wir uns impfen lassen, weil insbesondere die Pharmaindustrie sehr, sehr viel Geld an dieser Maßnahme verdient?

Was auch immer die Antwort sein mag, fest steht, dass die flächendeckende Behandlung mit Impfwirkstoffen von der Bundesregierung gewollt ist. Im Koalitionsvertrag von 2018 versichern die CDU/CSU und SPD den Pharmakonzernen die staatliche Unterstützung und fördert den weiteren Ausbau des nationalen Impfwahns. Auf Seite 101 unter den Zeilen 4703 und 4704 steht:

“Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, um die notwendigen Impfquoten zum Schutz der Bevölkerung zu erreichen.”

Anmerkung: Wir als Eltern waren früher nicht gegen Impfungen. Im Gegenteil. Wir haben unseren beiden Kindern alle empfohlenen Impfungen verabreichen lassen. Wir haben mit Gehorsam die Anweisungen unseres Arztes befolgt. Wir haben vertraut, dass der Staat den Schutz unserer Kinder als oberste Priorität betrachtet und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen hat. Wir haben das System und die Anweisungen unseres Arztes nicht hinterfragt.

Aus heutiger Perspektive hätten wir anders gehandelt: Wir hätten die jeweilige Notwendigkeit einer Impfung hinterfragt und uns einzelne Wirkstoffe und Gefahren sowie mögliche Interessenkonflikte und Alternativen sehr genau angeschaut. Wir hätten uns auch mit der Geschichte und den Akteuren rund um die Infektionshypothese beschäftigt. Die nachstehend aufgeführten Quellen und weiteren Informationen hätten uns bei der Suche nach Antworten Orientierung gegeben.

Quelle und weitere Informationen zu “Impfungen: Ein globaler Feldzug”

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ZAHNGESUNDHEIT: Putzen, putzen putzen?

In dem Kapitel über MIH/Kreidezähne habe ich erläutert, wie wichtig Nährstoffe für den Aufbau und Erhalt von gesunden Zähnen sind. Besonders relevant ist eine Versorgung mit den richtigen Mengen an Vitamin D, Calcium, Phosphat, Magnesium und Vitamin K.

Auch auf die Rolle eines gesunden Speichelflusses und der Darmgesundheit sowie die Relevanz von funktionsfähigen Organen, wie Leber und Nieren, bin ich eingegangen. All diese Zusammenhänge sind gut erforscht und seit vielen Jahren wissenschaftlich belegt. Genau diese Zusammenhänge werden der breiten Bevölkerung nicht oder nur unzulänglich erklärt. Warum? Und wer profitiert von all dem Zurückhalten von wichtigen Erkenntnissen? Da offenbaren sich gleich wieder mehrere Gewinner:

  • Hersteller von Zahncremes und Oralpflegeprodukten: Ein globales Marktsegment von ca. 30 Milliarden Euro.
  • Hersteller von Geräten für Zahnarztpraxen: Instrumente für Lasertechnik, Radiologie, Hygiene etc. Der Umsatz in diesem globalen Marktsegment belief sich in 2016 auf ca. 15 Milliarden Euro.
  • Die Hersteller für Zahnersatz und Zahnimplantaten: Dieses globale Marktsegment erzielte 2016 ca. 12 Milliarden Euro. Erwartete Wachstumsraten betragen 7.7% jährlich.
  • Zahnärzte und Kieferorthopäden: 2016 verdienten Bundesweit 94 098 Personen ihren Lebensunterhalt damit, dass Menschen Unterstützung bei dem Erhalt ihrer Zähne brauchten. 1995 waren es fast 20 000 Zahnärzte weniger.

In Bezug auf die Hersteller von Produkten für Zahngesundheit – Zahncremes, Mundspülungen, Zahnbürsten und Co. – sind ein paar weitere Details ganz spannend. Die Hauptakteure im Markt sind folgende Konzerne:

  1. Colgate Palmolive (USA) – Colgate, Elmex, Dentagard – Jahresumsatz in 2017 über 15 Milliarden US Dollar.
  2. GlaxoSmithKline (UK) – Best, Odol, Sensodyne – Jahresumsatz 2017 über 20 Milliarden US Dollar.
  3. Procter and Gamble (USA) – Oral-B, Crest – Jahresumsatz 2017 über 65 Milliarden US Dollar.
  4. Johnson & Johnson (USA) – Hexoral, Listerine – Jahresumsatz 2017 über 76 Milliarden US Dollar.

Diese multinationalen Konzerne stellen allerdings nicht nur Mundpflegeprodukte her, sondern auch entweder industriell verarbeite Reiniguns-, Lebensmittel oder Pharmaprodukte. Vier Dinge haben sie alle gemeinsam:

  • Sie alle wurden vor 1890 gegründet und haben sich noch vor dem ersten Weltkrieg als einflussreiche Unternehmen etabliert.
  • Heute agieren sie weltweit in fast allen Ländern, beraten Regierungen, finanzieren wissenschaftliche Studien und unterstützen Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen.
  • Sie profitieren davon, dass Menschen nicht verstehen, wie zum Beispiel ein gesunder Speichelfluss maßgeblich durch die Verabreichung von Medikamenten oder industriell verarbeitete Lebensmittel negativ verändert wird.
  • Die Produkte von überwiegend genau diesen Herstellern werden flächendeckend von der Bundeszahnärztekammer und von Zahnärzten empfohlen und genutzt. Ebenso werden die Produkte über ausgelegtes Informationsmaterial und Gratisproben in Arztpraxen, Kindergärten und Schulen in Deutschland intensiv beworben. In den meisten anderen Ländern der Welt wird die Situation ähnlich sein.

Die Interessen der Ärzte für unseren Mundraum wiederum werden vertreten durch den Dachverband der Zahnärzte. Die Ziele dieses Ärzteverbandes lesen sich wie folgt:

“Der DZV ist der bundesweite Dachverband der deutschen Zahnärzte. Mutmacher für die moderne Zahnarztpraxis. Motivator für Studierende und Praxisgründer. Kämpfer für die niedergelassenen Zahnärzte. Als Mitglied profitieren Sie von unseren pragmatischen Services. In Ihrer Regionalinitiative erleben Sie kollegialen Zusammenhalt. Und wo Krankenkassen, Kostenträger oder Politiker die Zahnärzteschaft beeinflussen wollen, vertritt der DZV Ihre Interessen – als Schwergewicht der Branche.”

Die Interessen der Patienten spielen bei diesem Verband laut diesen Aussagen keine Rolle.

Folgendes lässt sich herleiten: Die Menschen, die im Bereich der Zahngesundheit arbeiten, sind abhängig davon, dass Bürger kein wirklich gesundes Gebiss haben. Sie haben ihren Lebensunterhalt auf dieser Voraussetzung aufgebaut. Entsprechend ist es auch gar nicht überraschend, dass Patienten die Informationen, die sie brauchen, um vitale Zähne zu haben, nicht systematisch vermittelt bekommen.

Bei der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH handelt es sich in dieser Entwicklung wohl eher um einen Kollateralschaden. Denn wenn Zahnärzte uns Eltern nun flächendeckend erklären würden, dass Vitamin D wirklich wichtig ist, und wir nicht ständig unsere Kinder mit Sonnenschutzmitteln eincremen sollen, würden wir stutzig werden.

Wenn unsere Zahnärzte uns dann weiter aufklären würden, dass Industrie-Wurst, Nudeln, Kekse oder Eis wirklich nicht genug von all den notwendigen oder richtigen Mengen an Nährstoffen für einen gesunden Zahnaufbau enthalten, und wir diese Lebensmittel unseren Kindern nicht geben sollten, würden wir uns doch fragen, warum wir solche klaren Worte nicht schon vorher gehört haben? Warum werden uns und unseren Kindern genau diese Produkte in unseren Kindergärten, Schulen und Supermärkten täglich angeboten?

Wir würden uns auch wundern, warum uns seit Jahrzehnten erzählt wird, dass hauptsächlich das häufige Zähneputzen, immer mit reichlich Zahnpasta und regelmäßig neuen Zahnbürsten, ausschlaggebend für gesunde Zähne sei. Kurios erscheint dann die Aussage, dass primär das Essen von Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln direkt im Mundraum Karies verursacht. Diese Aussage macht dann ja gar keinen Sinn. Ebenso, wie sie bereits vor knapp 100 Jahren keinen Sinn gemacht hat, also zu dem Zeitpunkt, als der bereits erwähnte Zahnarzt und Forscher Weston Price die gängige Theorie von säureproduzierenden Bakterien im Mundraum als Auslöser für Karies und Mundfäule als Trugschluss entlarvte. Diese Feststellung machte Price 50 Jahre nach der Gründung der global führenden Hersteller für Zahnpflegeprodukte. (Siehe Kapitel “NAHRUNG UND GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet? – Altes Wissen neu entdeckt”)

Quellen und weitere Informationen zu “Zahngesundheit: Putzen, putzen, putzen?”

NEUROLOGISCHE STUDIEN: Unterdrückte Erkenntnisse

Es gibt und gab viele relevante Studien und wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Menschen an neuronalen Störungen leiden, wenn sie zu wenige der lebensnotwendigen Nährstoffe bekommen. Diese Studien finden selten ihren Weg in unsere Arztpraxen, Krankenhäuser und in die öffentlichen Medien.

Neben den bereits erwähnten Studien in der Sektion “Stress” unter “UNSER KÖRPER: Was sollte man noch über Ernährung und Gesundheit wissen” habe ich mir vier Studien zum Zusammenhang zwischen neurologischen Störungen und Mikronährstoffen genauer angeschaut.

Studie 1 – Verhaltensgestörte Patienten

Diese Studie ist von 2004 aus den USA. Das Team Walsh, Glab, Haakenson hat 207 Patienten mit aggressiven Verhaltensstörungen individuell auf ihr biochemisches Gleichgewicht getestet und nach individuellen Bedürfnissen eingestellt. Etwa die Hälfte der Testpersonen hat die Behandlung zu Ende geführt. Die Patienten wurden je nach den individuellen Ergebnissen mit Zink, Vitamin A, D, E und C sowie Calcium, Selen, B-Vitaminen, Mangan und noch einigen weiteren Mikronährstoffen behandelt. Von den Patienten, die die Behandlung beendet haben, zeigten 92% eine verringerte Anzahl von Gewalttaten und bei 58% war gewalttätiges Verhalten komplett behoben worden. In dieser Studie werden weitere 51 Studien aufgeführt, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen Gewalt und Mikronährstoffen untersucht haben.

Studie 2 – Depression und die Relevanz von Nährstoffen

Weiter erhellend ist in dem Zusammenhang zum Beispiel die Studie “Understanding nutrition, depression and mental illnesses”. Diese Studie beleuchtet systematisch und basierend auf über 50 aufgeführten internationalen Studien die Auswirkungen von langkettigen Kohlenhydraten, Proteinen, Omega 3-Fettsäuren, B-Vitaminen, Folsäure, Calcium, Chrom, Jod, Eisen, Selen und Zink auf neuronale Störungen im Körper. Diese Studie ist aus dem Jahr 2008.

Studie 3 – Insassen in einem schottischen Gefängnis

In einer Studie von 2014 von Dr. Bernard Gesch, Oxford University, wurde ebenfalls der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gewaltbereitschaft untersucht. In einem Gefängnis in Schottland wurden der Hälfte der Insassen Nahrungsergänzungsmittel – Multivitamine und Omega 3 Fettsäuren – verabreicht. Vorab gab es keine individuelle biochemische Analyse oder Einstellung der Probanden. Aber selbst bei dieser unspezifischen Vorgehensweise konnte das Team von Forschern eine Reduktion der Gewaltbereitschaft bei den behandelten Insassen von 35% klar beobachten.

Eine Reportage zu diesem Experiment hat der SWR am 28.5.2015 ausgestrahlt und sie trägt den Titel: “Essen und Aggression. Macht Ernährung gewalttätig?”

Ich zitiere hier die im Internet dargestellte Zusammenfassung dieser Reportage, um aufzeigen, wie Zuschauerinnen und Leser für dumm verkauft werden. Die Wissenschaftler, die die beschriebene Studie angefertigt haben, behaupten mit vollem Ernst, dass ihre Erkenntnisse neu und bahnbrechend seien. Ich gehe davon aus, dass Wissenschaftler – zumal von einer der renommiertesten Universität der Welt (Oxford University) – mindestens ähnlich befähigt sind, im Internet oder in Fachbüchern nach relevanten Studien zu suchen, wie ich es bin: Ich habe in nur wenigen Sekunden in Google Scholar etliche Duzend von relevanten Studien gefunden.

“Essen und Gewalt – ein Zusammenhang?

Ideale Forschungsbedingungen für Bernard Gesch. Er ist Wissenschaftler an der Universität Oxford. Im Gefängnis von Polmont will er seine Theorie in der Praxis überprüfen. Er glaubt, dass die Gewaltbereitschaft der jungen Männer mit ihrer Ernährung zusammenhängt: ’Wir haben in englischen Gefängnissen geforscht und haben untersucht, was die Häftlinge dort essen. Wir haben herausgefunden, dass viele von ihnen eine schlechte Ernährung haben. Vor allem, weil sie gar kein gesundes Essen kannten. Als wir dann die Ernährung geändert haben, entdeckten wir plötzlich, dass viele von ihnen bedeutend weniger Straftaten begingen. Die Anzahl schwerer Vergehen sank um 37 Prozent!’ Ein fast unglaubliches Ergebnis! Erstmals wird ein Zusammenhang von Ernährung und Gewalt derart sichtbar. Doch was passiert da im Körper?

Eine Zusatz-Diät gegen Aggression

Kleine unscheinbare Packungen sollen helfen, das zu klären: Pillen mit einer Spezialdiät. Christine Galloway gehört zum Team der Universität Oxford. Sie wird einzelne Gefangene mit der Zusatzdiät versorgen. Die normale Gefängniskost ist nicht ausgewogen. Kein Wunder, denn pro Häftling und Tag stehen nicht einmal drei Euro fürs Essen zur Verfügung. Die Dragees der Wissenschaftler aus Oxford enthalten ungesättigte Fettsäuren, Mineralien und Vitamine. Doch manche Packungen enthalten keine der wertvollen Nährstoffe. Sie sind Placebos. Weder der Gefangene noch die Forscher wissen, was verabreicht wird. So kann das Ergebnis nicht verfälscht werden. Doch wie sollen einfache Vitamin-Pillen das Verhalten von Straftätern beeinflussen? ’Naja, die Antwort ist recht einfach’, meint Bernard Gesch. ’Unser Gehirn ist ein Organ, das wie jeder andere Teil des Körpers Nahrung braucht um zu funktionieren. Das Gehirn ist sogar ein Sonderfall. Es benötigt sehr viel Energie. Gut 20 Prozent des Essens dienen seiner Funktion. So gesehen hat unsere Ernährung einen direkten Einfluss auf die Leistungen unseres Gehirns.’ 

Kann eine Diät positive Effekte auf das Sozialverhalten haben?

Timmy ist bereits seit ein paar Monaten Teilnehmer an der Ernährungsstudie. Wie bekommen ihm die Nährstoffe? Hat er schon eine Veränderung an sich bemerken können? ’Ich werde nicht mehr so wütend wie früher’, sagt er, ’beruhige mich schneller, gerate nicht in Schwierigkeiten, in der Schule läuft es auch besser’. Das ist sein Eindruck! Aber lässt sich die Psyche durch Ernährung objektiv messbar beeinflussen? Psycho-Tests werden durchgeführt. Reagieren die Häftlinge unter der Diät gelassener, weniger aggressiv? Wenn ja, hätte das enorme Auswirkungen. Schließlich ist schlechtes Essen auch außerhalb der Gefängnismauern in vielen Kreisen verbreitet

Die Lösung scheint einfach: Vitamine statt Fast-Food

’Ich denke, das Essen hat einen Einfluss auf unser Verhalten’, so Christine Galloway. ’Ich habe mit psychisch Kranken draußen gearbeitet bevor ich hier herkam, und da habe ich den Einfluss von schlechter Ernährung auf die Psyche ebenso feststellen können. Ich denke, das ist direkt vergleichbar.’ Das Essen in der Gefängnisküche ist zwar nicht wirklich ungesund, aber für Bernard Gesch einfach nicht gesund genug. Es ist an den Geschmack angepasst, den die Häftlinge von draußen mitgebracht haben: Fast Food und ’fettiges Zeug’ wie sie sagen. Tragische Ernährungsgewohnheiten, denn selbst wenn ihnen einmal Obst und Gemüse angeboten werden, verschmähen die meisten Insassen gesundes Essen. Und doch will der Direktor Derek McGill nicht aufgeben, die Ernährung seiner über 700 Gefangenen zu verbessern: ’Es ist ja so, dass das ein Gewinn nicht nur für das Gefängnis hier wäre. Wir könnten das ganze auch viel jüngeren Leuten anbieten, etwa in Schulen. Und wenn auch in Schulen eine Verhaltensänderung sichtbar wird, dann könnte das junge Leute davor bewahren, hierher kommen zu müssen.’

Unbeschreibliches Leiden verhindern

Die Gefängnisstudie weist auf ein großes soziales Problem hin, das in Wirklichkeit außerhalb der Gefängnismauern seine Wurzeln hat. ’Wenn wir Recht haben, ich bin Wissenschaftler, deshalb sage ich ganz bewusst, ’wenn’ wir recht haben – denn wir müssen das Ganze schließlich noch weiter in Studien belegen. Dann können wir unbeschreibliches Leiden verhindern’, hofft Bernard Gesch. Leiden, das womöglich durch falsche Ernährung mit verursacht wurde. ’Das einzige Risiko bei der ganzen Sache ist ein gesünderes Leben, und das ist doch für alle ein Gewinn’, meint Gesch. 
Die Lösung der Forscher klingt einfach: Essen gegen Aggression. Doch noch sind viele Fragen offen.”

Der Artikel beschreibt nicht nur, wie angeblich verblüfft die Wissenschaftler über ihre Erkenntnisse sind. Nein, aus dem Artikel und dem dazugehörigen Film wird deutlich, dass kein Versuch gemacht wurde, die Ernährung der Probanden generell umzustellen. Die Insassen essen weiterhin Fast-Food oder Convenience-Produkte mit allen bekannten Zusatzstoffen wie Phosphat, Salz, Aluminium, Nitrat, Pestiziden, Glutamat, Hormonen, Antibiotika, Zucker und Auszugsmehl. Inwieweit sich die Probanden unter einer wirklich gesunden Ernährung entwickelt hätten, bleibt also ein Geheimnis.

Studie 4 – Eine Schule in London

Im Rahmen einer weiteren Studie, und zwar aus dem Jahr 2016, wurden in einer 12 Wochen langen “Double Blind Studie” Kinder einer ganzen Schule in London auf ihre Mikronährstoffversorgung untersucht. Auch hier kamen die Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis: Eine verbesserte Mikronährstoffversorgung reduzierte Aggressionen und führte generell zu weniger Gewalt. Aber in dieser Studie wurden anschließend nicht nur verändertes Verhalten beobachtet, sondern auch im Blutserum biochemische Veränderungen gemessen.

Doch wie auch in der vorherigen Studie wurde die Ernährung der Kinder offensichtlich nicht generell umgestellt – es wurden lediglich Nahrungsergänzungsmittel verabreicht. Man kann also davon ausgehen, dass die Darmflora der Kinder weiter belastet ist.

Unter den Literaturangaben wurden 53 Studien der letzten 20 Jahre aufgeführt – relevante Studien, die sich ebenfalls mit Mikronährstoffen und Auswirkungen auf den menschlichen Körper in Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten befassen. Die Studie von Dr. Walsh, (Studie 1) findet sich allerdings nicht unter den Quellenangaben. Ich gehe also davon aus, dass es zusätzlich zu den hier erwähnten Studien noch etliche weitere gibt.

Fazit: Neuronale Störung, oft ein Problem der Biochemie

Seit langem ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen bei einer Unterversorgung von einer Reihe von essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen Störungen im zentralen Nervensystem aufweisen. Besonders die Nährstoffe B1, B2, B3, B6, B7, B12, Vitamin C, Calcium, Zink, Selen sowie Omega 3 werden für gesunde Nervenbahnen benötigt.

Bei einem Mangel an diesen essenziellen Nährstoffen beobachtet man bei Menschen vermehrt Angstzustände, Depression, Aggression, Wut, Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen.

Ebenso ist bekannt, dass weite Teile der Bevölkerung, dank unserer heutigen Ernährung, mit einem Großteil dieser essenziellen Mikronährstoffe unterversorgt sind. Teilweise sogar schwer. Diese Erkenntnisse gelten für Erwachsene genauso wie für Kinder. Ich frage mich:

  • Warum wird nicht sichergestellt, dass unseren Kindern in allen öffentlichen Bereichen nur Lebensmittel angeboten werden dürfen, die auch ihre Gesundheit fördern?
  • Warum werden bei betroffenen Kindern nicht systematisch mögliche Mangelerscheinungen über Laborwerte ausgeschlossen?
  • Warum wird all dieses Wissen nicht bei uns in der Schulmedizin angewandt? Wissen unsere Ärzte von diesen Zusammenhängen vielleicht gar nichts?
  • Wer profitiert davon, dass dieses Wissen der Bevölkerung nicht systematisch zugänglich gemacht wird?

Wer sich diese Fragen stellt, merkt: Auch hier stimmt was nicht! Was genau, lässt ein Artikel des SPIEGEL ONLINE vom 16.5.2011 vermuten. Diese Wochenzeitung beleuchtet, dass anscheinend der größte Teil der führenden Psychiater, Neurologen und Psychologen eng mit der Pharmaindustrie zusammenarbeitet:

“MEDIZIN Seelsorge für die Industrie. Die Elite der Nervenheilkunde ist eng mit Pharmakonzernen verflochten: Psychiater, Neurologen, aber auch Psychologen arbeiten als bezahlte Berater für die Unternehmen. Nun fordert ein Professor seine Kollegen auf, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen.

Zahlungen von Pharmafirmen an Ärzte gibt es in vielen Bereichen der Medizin. In nur wenigen sind sie derart selbstverständlich geworden wie in der Nervenheilkunde. Es sind die Psychiater, die einer Studie aus Minnesota zufolge die höchsten Zuwendungen aus der Industrie kassieren. Von 37 Leitern der Kliniken für Psychiatrie an deutschen Universitätskliniken haben nach SPIEGEL-Recherchen offenbar mindestens 35 auf ihrem Berufsweg finanzielle Zuwendungen von Pharmafirmen angenommen.

Mitarbeiter von Pharmafirmen sehen es genauso. Systematisch rekrutieren sie Nervenärzte. Diese verdingen sich dann als Berater (Mitglieder des ˈadvisory boardˈ) und als bezahlte Redner (Mitglieder des ˈspeakers’ bureauˈ). Alles läuft gegen Bezahlung.”

Quellen und weitere Informationen zu “Neuronale Störungen: unterdrückte Studien”

  • Sience Direct 2004 “Reduced violent behaviour vollowing biochemical therapy.” by Walsh Wj. Published in Psychology & Behaviour Zusammenfassung Studie: “Reduced violent behavior following biochemical therapy. We conducted an outcome study to measure the effectiveness of biochemical therapy for 207 consecutive patients presenting with a diagnosed behavior disorder. The treatment protocols were based on clinical evaluation and our past experience in the treatment of 8000 patients with behavior disorders at the Pfeiffer Treatment Center (PTC) over a 10-year period. Each test subject was screened for chemical imbalances previously found in high incidence in this population, including metal-metabolism disorders, methylation abnormalities, disordered pyrrole chemistry, heavy-metal overload, glucose dyscontrol, and malabsorption. The clinical procedure included a medical history, assay of 90 biochemical factors, and a physical examination. Standardized treatment protocols were applied for each imbalance that was identified. The frequencies of physical assaults and destructive episodes were determined using a standardized behavior scale before and after treatment, with follow-up ranging from 4 to 8 months.” Result: “A reduced frequency of assaults was reported by 92% of the compliant assaultive patients, with 58% achieving elimination of the behavior. A total of 88% of compliant destructive patients exhibited a reduced frequency of destructive incidents and 53% achieved elimination of the behavior.” https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0031938404003105?via%3Dihub
  • SWR 28.5.2015 “Essen und Aggression. Macht Ernährung gewalttätig?” http://www.swr.de/odysso/macht-ernaehrung-gewalttaetig/-/id=1046894/did=13998754/nid=1046894/1m8gzaz/index.html
  • British Journal of Nutrition 28.1.2016 “A randomised double-blind placebo-controlled trial investigating the behavioural effects of vitamin, mineral and n-3 fatty acid supplementation in typically developing adolescent schoolchildren” first published 15.11.2015, by Jonathan D. Tammam, David Steinsaltz, D. W. Bester, Turid Semb-Andenaes and John F. Stein https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/randomised-doubleblind-placebocontrolled-trial-investigating-the-behavioural-effects-of-vitamin-mineral-and-n3-fatty-acid-supplementation-in-typically-developing-adolescent-schoolchildren/969EC01F1E71E822243DBFD080CD904F
  • Indian Journal of Phsychiatry 2008 “Understanding nutrition, depression and mental illnesses” by T. S. Sathyanarayana Rao, M. R. Asha, B. N. Ramesh, K. S. Jagannatha Rao https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2738337/
  • SPIEGEL ONLINE 16.5.2011 “MEDIZIN Seelsorge für die Industrie” http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522323.html
  • Buch: “Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht” 2016, by Jörg Blech
  • Buch: “The End of Alzheimer’s: The First Programme to Prevent and Reverse the Cognitive Decline of Dementia” 2017, by Dr Dale Bredesen
  • Buch: “Alzheimer ist heilbar: Rechtzeitig zurück in ein gesundes Leben” 2017, by Dr. med Michael Nehls

Die Rolle der Medien und Wissenschaft

Wer genau hinschaut, sieht, dass die Pharmaindustrie ihren kometenhaften Aufstieg nur mit Hilfe aktiver Unterstützung bewerkstelligen konnte: Ärzteverbände, Patientenvereinigungen, die Medien und die Wissenschaft – sie alle helfen mit. Auf den folgenden Seiten belege ich mit weiteren Beispielen die allumfassenden Fehlinformationen und Vorteilsnahmen im System.

Zum Beispiel werden in etliche Artikeln in Zeitschriften und Tageszeitungen fragwürdige Inhalte verbreitet. Inhalte, die die Umsätze der Pharmabranche und des sonstigen medizinischen Establishments befeuern und nicht die Gesundheit der Menschen unterstützen.

Das Beispiel Neurodermitis offenbart die Mechanismen, wie in der Presse wichtige Informationen vorenthalten oder Fehlinformation verbreitet werden. In der Zeitschrift “Eltern Wissen Kindergesundheit” vom April bis Oktober 2017, kostenfrei zu beziehen bei unserem Kinderarzt, lese ich spannende Details. Ab Seite 30 steht unter dem Titel:

“Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht?

Wenn bei einem Kind Neurodermitis, Diabetes oder Asthma festgestellt wird, fallen seine Eltern erstmal in ein tiefes Loch. Zum Glück zeigen die modernen Therapiekonzepte schnell: Mein Kind schafft das!”

Für Neurodermitis heißt das dort beschriebene, moderne Therapiekonzept nicht etwa eine differenzierte Bestandsaufnahme der Ernährung. Fragen rund um Bewegung, frische Luft und Stress werden nicht gestellt. Das Ausschließen eines biochemischen Ungleichgewichts im Körper des Kindes, verursacht durch eine mögliche Unterversorgung von Mikronährstoffen, steht ebenfalls nicht auf dem Programm.

Stattdessen wird erklärt, wie heute ein “modernes Therapiekonzept” zum Einsatz kommt. Das Kind soll lernen, mit Hilfe von einem Kuscheltier, häufig eine Creme mit dem Wirkstoff Chlorhexidin aufzutragen. Mögliche Nebenwirkungen dieses Wirkstoffs, selbst bei einer Creme, umfassen laut Onmeda.de: “Hautbrennen, Unverträglichkeitsreaktionen (Kontaktallergien), schwere allergische Reaktionen, Kontaktdermatitis, allgemeine allergische Reaktionen, örtlichen Hautreizungen bis in sehr seltenen Fällen hin zum allergischen Schock.” Also ganz ähnliche Symptome, die es hier zu behandeln gilt. Spannend.

Der Oberarzt Dr. Wolfgang Frank von der Fachklinik Wangen/Allgäu erklärt dann weiter auf Seite 32 unter dem Artikel “Nahrung ist selten Schuld”.

Frage Eltern Wissen: Spielen Nahrungsmittel eine große Rolle?

Antwort Herr Dr. Frank: Eine geringere, als gemeinhin angenommen wird, bei nur 30% der Patienten.

Frage Eltern Wissen: Und wie bekommen Sie das heraus?

Antwort Herr Dr. Frank: Zunächst durch einen sogenannten Allergietest. Hier wird entweder über die Haut oder eine Blutabnahme nach allergischen Auslösern gesucht. Wir ergänzen die Diagnostik oft durch eine Nahrungsmittelprovokation. Das bedeutet: Ein bestimmtes Nahrungsmittel muss über einen Zeitraum von ungefähr zehn Tagen strikt gemieden werden, um es anschließend wieder kontrolliert in den Speiseplan einzubauen. Für solche Tests brauchen alle Beteiligten vor allem Geduld. Hautreaktionen stellen sich nicht unbedingt fünf Minuten nach dem Essen ein, sondern manchmal erst bis zu 48 Stunden danach.”

Auch hier wird klar: Das Kind wird nicht systematisch nach einer Unterversorgung von Mikronährstoffen untersucht oder auf Belastungen durch bedenkliche, von der EU zugelassene Zusatzstoffe, Pestizide oder ähnliche Schadstoffe getestet. Nach dem Interview zu urteilen, werden auch hier noch nicht einmal die Essgewohnheiten der Familie oder die der Kita abgefragt.

Interessant ist auch der erste Antwortsatz bezüglich Ernährung von Dr. Frank: “Eine geringere, als gemeinhin angenommen wird, bei nur 30% der Patienten.” Das suggeriert, dass wir Eltern sehr wohl intuitiv wissen, dass das, was wir unseren Kindern heutzutage zu essen geben, irgendwie schlecht für sie ist. Aber wenn der Arzt sagt, dass die Erkrankungen, an denen unsere Kinder leiden, nichts oder wenig mit unserer Ernährung zu tun haben, dann glauben wir das doch. Das sind ja die Experten.

Generell stellt sich auch die Frage, wie man herausfinden soll, wo die Schwachstelle in einem komplexen, biochemischen System ist – und genau das ist der menschliche Körper – indem man immer nur EINE Variable erhöht oder weglässt. Ohne zu klären, ob die grundsätzlichen Rahmenbedingungen, die ein gesunder Körper braucht, überhaupt gegeben sind. Dass so eine Methode nicht zielführend sein kann, sollte mit etwas Nachdenken doch klar sein, oder?

Mit der beschriebenen Methode, immer nur auf einen Wirkstoff zu testen, lässt sich aber deutlich mehr Geld verdienen. Die Kinder plus Eltern sind ganze vier Wochen stationär im Fachklinikum Wangen untergebracht. So wird es in der Zeitschrift erklärt. Das ist gut für die Bilanz des Krankenhauses und auch sehr gut für das Pharmaunternehmen, welches die Cremes und weitere “moderne Therapiekonzepte” entwickelt.

Die Steigerungsrate von Zahlungen seitens der Pharmaindustrie an die Fachklinik Wangen/Allgäu lässt vermuten, dass auch in Zukunft nicht genau auf eine Nährstoffversorgung von Patienten geschaut, sondern eher mit “modernen Therapiekonzepten” gearbeitet wird. Zahlungen von 2500 Euro in 2015 stiegen auf 38.555,00 EUR in 2016. Die “Hauptsponsoren” dieser Spezialklinik waren in 2016 GlaxoSmithKline, Boehringer Ingelheim Pharma und Novartis.

Ebenso profitiert die Lebensmittelindustrie. Auf meine schriftliche Anfrage vom 8.6.2017 beim Fachklinikum Wangen, den Speiseplan einsehen zu dürfen, bekam ich keine Antwort. Anzunehmen ist, dass die Verpflegung ähnlich aufgebaut ist wie in den Krankenhäusern in Bremen. Der in der Hansestadt zuständige Krankenhausverbund Gesundheit Nord (GENO) ließ über seinen Sprecher Timo Sczuplinski im Weser-Kurier am 26.11.2017 diesbezüglich erklären: “Wir sind zu 80% eine Convenience- und Fertigproduktküche”.

Das ist dank der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ja auch völlig zulässig. Die Details lassen sich in den Qualitätsstandards für Krankenhäuser und Rehakliniken noch einmal nachlesen. Bei über 300.000 Hauptmahlzeiten pro Jahr – nur bei der GENO im Bundesland Bremen – ist das für die Lebensmittelindustrie ein grandioses Geschäft. Und noch besser ist es, wenn alle anderen Krankenhäuser in der Bundesrepublik ihre Kranken ganz ähnlich ernähren. Nur für die Gesundheit der Patienten bedeutet das nichts Gutes. Denn die für den Genesungsprozess so wichtigen natürlichen Vitamine und Mineralstoffe gibt es in den Convenience- und Fertigprodukten fast gar nicht.

Über all diese Details lese ich in der Zeitung “Eltern Wissen Kindergesundheit” leider gar nichts.

Fragwürdige Inhalte im Fernsehen: Das Beispiel Vitamin D

Auch in TV-Sendungen sieht und hört der Zuschauer etliche fragwürdige Inhalte und Anweisungen. Das Beispiel Wissenssendung der ARD. Die Beschreibung der Sendung liest sich wie folgt:

Vitamin D – wer mit dem Hype das große Geld macht.

Bei rezeptpflichtigen Pillen kletterte der Verkauf von 2,7 Millionen Packungen auf 3,7 Millionen in nur zwei Jahren. Und der Boom bei den rezeptfreien Packungen ist noch größer. Hier ging es hoch auf 7,1 Millionen. Zusammen ergibt das einen Umsatz von 179 Millionen Euro.”

In diesem Beitrag wird bemängelt, dass immer mehr Menschen Vitamin D einnehmen. Gegen den Rat ihrer Ärzte. Es wird suggeriert, dass die Bevölkerung auf die Werbung der Pharmakonzerne hereinfällt, die mit dem Verkauf von Vitamin D angeblich einen riesigen Reibach machen. An den Pranger gestellt wird hier der Pharmakonzern Merck. Bei näherer Beleuchtung wird klar, dass diese Aussage absurd ist. Das deutsche Unternehmen Merck hat seine pharmazeutischen Schwerpunkte in der Behandlung von Krebs, neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes, Schildrüsenerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen. Der Gesamtumsatz von Merck belief sich 2016 auf über 15 Milliarden Euro.

Dass Merck auch Vitamin-D-Präparate herstellt – und zwar schon seit 1927 – bedeutet lediglich, dass es eine weiterhin bestehende Nachfrage in der Bevölkerung bedient, nicht aber, dass Merck damit das große Geschäft macht. Ganz im Gegenteil. Die “rezeptfreie” Produktion von Vigantoletten (die Pillen lösten ab 1966 das flüssige Produkt Vigantol ab) sowie die eines Nasensprays, ist ganz offensichtlich kein Kerngeschäft des Pharmariesen. Beide Produkte wurde Mitte 2018 an die amerikanische Firma Proctor and Gamble verkauft.

In dem Beitrag von Plusminus wird also deutlich: Viele Menschen in der Bevölkerung entscheiden sich – trotz gegenteiliger Anweisungen ihrer Ärzte – FÜR die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten. Die befragten Menschen in diesem Beitrag geben an, dass es ihnen mit den Einnahmen von Vitamin D deutlich besser gehe. Sich den ausdrücklichen Anweisungen des Arztes zu widersetzen, ist wohl ein Zeichen, dass Patienten zunehmend das blinde Vertrauen in Mediziner verlieren. Viele nehmen das Zepter für ihre Gesundheit wieder selbst in die Hand und kosten tut das ja auch meistens nicht viel. Die Jahrespackung für Vitamin-D-Tabletten bewegt sich zwischen 5 bis 40 Euro.

Auswählen können Bürger aus einer großen Reihe von Herstellern, denn die Produktion von Vitaminen ist nicht geschützt. Nahrungsergänzungsmittel werden überwiegend von kleineren und nicht pharmazeutischen Herstellern angefertigt. Ein Vergleich der weltweiten Umsätzen zeigt, dass das große Geschäft auch nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln gemacht wird, sondern mit dem Vertrieb von Pharmaprodukten:

  • Umsatz Ergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralstoffe 2015: 5 Mrd. Euro
  • Umsatz der größten 50 Pharmakonzerne 2014: 576 Mrd. Euro

Vitamin D und Diabetes – ein Seitenblick

Diese Eigeninitiative der Bürger ist aber sehr gefährlich fürs Geschäft und zwar für die Pharmakonzerne und auch die Ärzteschaft. Denn wenn die Bevölkerung zunehmend Vitamin D schluckt, könnte das gesundheitsfördernde Nebenwirkungen haben. Vitamin D ist unter anderem ein Hauptspieler für das hormonelle Gleichgewicht und bedeutsam, um die Insulinproduktion im Körper in der Balance zu halten. Somit ist es auch wichtig, um Diabetes, Krebs und neuronalen Erkrankungen vorzubeugen. Das sind also genau die Krankheiten, mit denen Merck wirklich viel Geld verdient. Die Deutsche Gesellschaft für Diabetes (DGD) schrieb dazu bereits 2013:

“Neue Studien geben Hinweise darauf, dass eine Therapie mit Vitamin D die Insulinsensitivität und -sekretion verbessern und die Blutzuckerstoffwechsellage stabilisieren kann.” 

Vitamin D ist zweifellos sehr wichtig für den Blutzuckerstoffwechsel. Aber neu ist diese Erkenntnis nicht.

Wie erwähnt, gibt es wohl kein Vitamin, welches besser untersucht wurde als Vitamin D und das schon seit fast 100 Jahren. Man kann sich dazu durch die Seiten von Google Scholars arbeiten oder jede Menge anderer Quellen nutzen. Dass die Deutsche Gesellschaft für Diabetes (DDG) behauptet, erst “neue Studien” zeigten eine Korrelation, ist somit falsch. Doch das muss diese Gesellschaft von Chefärzten wohl sagen, denn die Bevölkerung kommt ihr zunehmend auf die Schliche.

Unter den Suchbegriffen “Diabetes and Vitamin D” finde ich in wenigen Sekunden unter Google Scholar eine lange Reihe an Studien, die den Zusammenhang von Vitamin D und Diabetes beleuchten. Diese Studien sind zum Teil älter als 35 Jahre. Man kann davon ausgehen, dass in der Zeit noch einigermaßen unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen betrieben wurden. Die Pharmaindustrie war damals noch überwiegend national aufgestellt und in kleineren Unternehmen organisiert und sie hatte damals weniger Einfluss auf Ärzte und Wissenschaftler als heute. Ein paar Beispiele an relevanten Studien der letzten 37 Jahre:

  • “Vitamin D deficiency inhibits pancreatic secretion of insulin” (1980) Norman AW, Frankel JB, Heldt AM, Grodsky GM Science 209:823–825 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6250216
  • “Effects of vitamin D deficiency and repletion on insulin and glucagon secretion in man” (1986) Gedik O, Akalin S, Diabetologia 29:142–145 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3516771
  • “Vitamin D receptor gene polymorphisms influence insulin secretion in Bangladeshi Asians”(1998) Hitman GA, Mannan N, McDermott MF et al, Diabetes 47:688–690
  • “Hypovitaminosis D is associated with insulin resistance and beta cell dysfunction” (2004) Chiu KC, Chu A, Go VL, Saad MF Am, J Clin Nutr 79:820–825 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15113720

Die Studie “Vitamin D insufficiency and insulin resistance in obese adolescents” 2014 von Catherine A. Peterson, Aneesh K. Tosh, Anthony M. Belenchia, ist eine Metastudie und sie enthält im Anhang über 160 Studien zu dem Zusammenhang eines Mangels an Vitamin D und Diabetes. Diese Studien stammen aus dem Zeitraum von 1971 bis 2014. Auf diese Aspekte geht der Beitrag der ARD nicht ein. Aber es wird der Experte Prof. Dr. Schatz zu Rate gezogen:

“Dr. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Der Mediziner ist Experte beim Thema Stoffwechsel. Er verfolgt seit Jahrzehnten die Diskussion. Ganz klar ist für ihn, dass Vitamin D nur hier hilft: ˈEine klare Therapie mit Vitamin D ist beim Neugeborenen gegeben. Zweitens, wenn man eine Darmerkrankung hat, wo der Knochen erweicht, das nennt man eine Osteomalazie. Drittens: Patienten, die eine Nierenerkrankung haben und die Osteoporose. Alle anderen Begründungen für eine Vitamin-D-Einnahme sind spekulativ.ˈ”

Dazu sollte man Folgendes wissen: Diabetes ist eine Hormonstoffwechselstörung und gehört inhaltlich in den Fachbereich der Endokrinologie. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und zwar nur die Hauptzentrale, wurde in 2016, wie oben aufgeführt, mit 558.073,12 Euro von unterschiedlichen Pharmakonzernen “gefördert”. Diabetes wird aber, laut Schatz, nicht durch einen Mangel an Vitamin D beeinflusst. Das ist erstaunlich. Ebenso erklärt Prof. Dr. Schatz nicht, dass ein Mangel an Vitamin D mit Übergewicht, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Morbus Crohn, einem geschwächten Immunsystem, Rheuma, Multiple Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen korreliert. All diese Informationen verschweigt er, obwohl selbst die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) diese Zusammenhänge bereits 2013 öffentlich – wenn auch schwer zu finden – erklärt hat. So liest man auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Diabetes (DDG) in einer Pressemitteilung vom 06.11.2013:

“Neben der Wirkung auf die Knochen wurde Vitamin D inzwischen auch andere Effekte nachgewiesen. Im Hinblick auf das Immunsystem haben inzwischen Studien bei mehreren Autoimmunerkrankungen, wie Lupus erythematodes, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis und Autoimmunthyreoiditis, den Nutzen einer Vitamin-D-Supplementation belegt.”

 Zu Diabetes selbst schreibt die DDG in der gleichen Pressemitteilung:

“Vitamin D stabilisiert auch den Blutzuckerstoffwechsel bei Menschen mit Diabetes: Im Muskel, in der Leber und an den Betazellen des Pankreas, den insulinproduzierenden Zellen, konnten Forscher die Wirkung nachweisen. ˈIm Hinblick auf die Insulinwirkung auf die peripheren Gewebe verbesserte sich die Insulinsensitivität um 60 Prozent, wenn der Vitamin-D-Spiegel von einem schweren Mangel von unter zehn ng/ml auf über 30 ng/ml anstiegˈ, erklärt Professor Dr. Klaus Badenhoop, Sprecher der DDG Arbeitsgemeinschaft Molekularbiologie und Genetik des Diabetes vom Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Medizinische Klinik 1, Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechsel in Frankfurt am Main.”

Auch hier wird ein gesundheitsfördernder Effekt von Vitamin D mit über 30 ng/ml dargestellt. Solche Vitamin-D-Werte hat bei uns in der Bevölkerung, zumindest in den Wintermonaten, aber fast niemand mehr. Jedenfalls nicht ohne eine Vitamin-D-Substitution, regelmäßige Besuche im Solarium oder ohne den Konsum von sehr viel Seefisch. Auch diese Erkenntnisse sind nicht neu. Studien bezüglich der Korrelation zwischen einem Vitamin-D-Mangel und den hier beschriebenen Krankheitsbildern gibt es, wie bereits beschrieben, schon lange.

Bei all diesen wissenschaftlich belegten und öffentlich zugänglichen Zusammenhängen frage ich mich Folgendes:

  1. Hat Markus Gürne, der Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion und Moderator dieser Sendung, sich vielleicht keine dieser Studien angeschaut? Kann er etwa kein Englisch?
  2. Hat das Team von Plusminus vielleicht auch nicht betrachtet, wie die biochemischen Stoffwechselprozesse im Körper ablaufen und welche Rolle Vitamin D dort generell spielt?
  3. Hätte der Beitrag nicht anders ausfallen müssen, wenn die Journalisten unsere veränderten Lebens- und Essgewohnheiten der letzten 40 Jahre mit einbezogen hätten?
  4. Haben sich Markus Gürne oder sein Team vielleicht gar nicht angeschaut, mit welchen Produkten der Pharmakonzern Merck wirklich viel Geld verdient? Hätten sie das getan, dann hätte ihnen doch auffallen müssen, dass hier ein paar Aussagen nicht zusammenpassen, oder?

Fehlinformationen der Presse überall

Aber nicht nur Sendungen wie Plusminus oder die Zeitschrift Eltern Wissen Kindergesundheit, die sich den Anschein einer unabhängigen Berichterstattung geben, helfen den Pharmakonzernen mit fragwürdigen Beiträgen. Nein, in der Presse finden sich viele Unterstützer, die der Pharmaindustrie unter die Arme greifen und ihr helfen, ihre Produkte zu vertreiben.

Diverse Details dazu kann man unter anderem in dem Buch “Patient im Visier – die neuen Strategien der Pharmakonzerne” (überarbeitete Auflage 2015) von Caroline Walter und Alexander Kobylinski nachlesen. Dort wird detailliert und mit etlichen Beispielen beschrieben, wie Zeitschriften, Tageszeitungen und TV-Sendungen die Produktwelt der Pharmakonzerne anpreisen. Es werden von Konzernen hochkarätige Professoren engagiert, welche dann die geschäftsfördernden Informationen verbreiten. Aussagen, die von der Presse entweder nicht kritisch hinterfragt oder wissentlich falsch verbreitet werden.

Wie genau die Konzerne wiederum Journalisten beeinflussen und kaufen, beschreibt der ehemalige FAZ-Reporter Dr. Udo Ulfkotte ebenfalls ausführlich in seinem Buch “Gekaufte Journalisten”. Auch die in diesem Buch beschriebene Entwicklung ist nicht überraschend. Denn wer bedenkt, wie abhängig die öffentlichen Berichterstatter mittlerweile von den Werbeeinnahmen sind – bezahlt von unter anderem Pharmakonzernen – ist das eine logische Konsequenz. Das Sprichwort: “Man beißt nicht die Hand, die einen füttert” findet ganz offensichtlich auch hier seine Anwendung.

Quellen und weitere Informationen zu “Die Medien helfen mit”

Fragwürdige Wissenschaft und Fortbildungsträger

Auch Wissenschaftler in Forschungseinrichtungen und Universitäten werden großzügig bedacht. Insofern sollte man alle Studien, die Produkte der Pharmaindustrie anpreisen, genau unter die Lupe nehmen und sich fragen: Ist das wirklich das beste Produkt für unsere Gesundheit? Ist es die einzige Alternative oder lässt sich mit der richtigen Ernährung, einem Verzicht auf Rauchen und Alkohol, ausreichend Vitamin D, und einem Anfeuern des Immunsystems mit Sport, der gleiche Effekt erzielen? Gibt es einen Sponsor aus der Wirtschaft? Geht es um den Erhalt und die Wiederherstellung von unserer Gesundheit oder doch primär um eine höhere Rendite?

Wie ausgeklügelt und weit verbreitet das System zur Beeinflussung der Wissenschaft ist, ist auch kein Geheimnis mehr. Um die Hintergründe besser zu verstehen, empfehle ich zum Beispiel das Buch “Gekaufte Forschung – Wissenschaft im Dienst der Konzerne”, 2015, von Prof. Dr. Christian Kreiß. Dort erläutert Prof. Dr. Kreiß anschaulich, wie Großkonzerne systematisch in die Wissenschaft eingreifen und Studien anfertigen lassen, die den Interessen der Konzerne dienen. Kreiß ist ehemaliger Banker und seit 2002 an der Hochschule Aalen als Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik tätig.

Das Buch betrachtet die Einflussnahme der Tabakkonzerne, der Chemie- und Pharmaindustrie, Finanzdienstleister, der Gentechnik, der Zucker- und Automobilindustrie, der Wasserwirtschaft sowie die der Energiekonzerne und Giganten der IT-Branche wie Google. Die genutzten Mechanismen sind bei allen Industrien die gleichen: Es gibt Geld, Ruhm und Aufstiegschancen im Gegenzug zu positiv gestimmten Studien. Studien, die nicht den Wünschen der Auftragsgeber entsprechen, werden oft zurückgehalten.

In diesem Zusammenhang sollte man auch wissen, dass die Finanzierung von Forschungsprojekten durch die Wirtschaft allgemein in den letzten zwei Jahrzehnten rapide zugenommen hat. Detailinformationen dazu bietet zum Beispiel die Studie “Der Druck wächst – Drittmittelfinanzierung der Hochschulen” (2014) von Gerhardt Vogt. Dort erklärt Vogt, dass es in den letzten zwei Jahrzehnten eine klare Verschiebung von staatlich finanzierten Zuschüssen für die Wissenschaft hin zu deutlich mehr Drittmittel-Finanzierung gegeben hat.

Drittmittel sind Gelder, die zur Förderung der Forschung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zusätzlich zum regulären Haushalt der betreffenden Einrichtung von öffentlichen oder privaten Stellen (“Dritten”) eingeworben werden. Die Drittmittel für alle wissenschaftlichen Bereiche aus wirtschaftlichen Quellen belaufen sich laut dieser Studie bis 2011 auf 19% der verfügbaren Finanzmittel. Ebenso wird erklärt, dass der Druck auf wissenschaftliche Institute, genau diese Drittmittel einzuwerben, deutlich zugenommen hat. Der Einfluss auf die Wissenschaft von Seiten der Wirtschaft ist in allen Bereichen über die letzten zwei Jahrzehnte deutlich gestiegen.

Noch dramatischer ist dieser Trend im medizinischen Bereich. In Bezug auf die Einflussnahme von Pharmakonzernen auf die Wissenschaft liest man ab Seite 46 in dem Buch von Prof. Dr. Kreiß, wie Ben Goldacre, selbst Arzt aus Großbritannien, aussagt, dass lediglich 10% klinischer Studien NICHT von der Pharmaindustrie finanziert werden. Klinische Studien sind Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten und “modernen Therapiekonzepten” belegen wollen. Als Fazit von Goldcare wird genannt: “Die Konzerne beherrschen das Gebiet, geben den Ton an, setzen Normen”.

Eine Zusammenfassung von Goldacres bezüglich der in der Wissenschaft genutzten Manipulationsmechanismen findet sich in einem 14 minütigen Ted Talk von 2012, zu sehen unter dem Titel: “What doctors don’t know about the drugs they prescribe” (https://www.ted.com/talks/ben_goldacre_what_doctors_don_t_know_about_the_drugs_they_prescribe)

Die Manipulation von wissenschaftlichen Studien wird auch von einigen Medien schon seit Jahren kritisiert. Der Bayerische Rundfunk publiziert online in einem Artikel vom 19.7.2017 folgende Details:

“Manipulierte Daten, geschönte Ergebnisse – Fehlverhalten in der Wissenschaft,

International ist von einem Vertrauensverlust in die Wissenschaft die Rede. Plagiate, gefälschte Daten und zurückgezogene Aufsätze haben das Image beschädigt. Allerdings ist nicht bekannt, wie verbreitet wissenschaftliches Fehlverhalten tatsächlich ist. Eine BR-Umfrage unter den Ombudsleuten deutscher Forschungseinrichtungen wirft nun ein interessantes Schlaglicht auf den Umgang der Unis mit wissenschaftlichem Fehlverhalten.”

Bereits am 6.12.2013 erklärt der SWR in einem Beitrag:

“Gefahr für die Gesundheit – Gefälschte Pharmastudien

In jüngster Zeit mehren sich Berichte über fragwürdige Praktiken bei Arzneimittelstudien. Von systematischem Vorgehen ist die Rede, davon, dass die Pharmaindustrie ihre Studien schönt, manipuliert oder sogar fälscht. SWR-Odysso geht einem Fall nach.”

Auch medizinische Fortbildungen sind ein Teil des Systems der Fehlinformation. Pharmakonzerne finanzieren, auch heute noch, das System von Fortbildungen und Schulungen von Ärzten mit dem Ziel, diese Zielgruppe zu motivieren, mehr von ihren Medikamenten zu verschreiben. Kritische Stimmen gibt es bereits seit 10 Jahren. Der SWR erklärte in 2009:

“Pharmaindustrie finanziert Ärztefortbildung

Die Pharmaindustrie bringt immer neue Medikamente auf den Markt. Daran ist erst einmal nichts verkehrt – vorausgesetzt sie wirken und sind sicher. Aber die neuen Wirkstoffe fordern auch eine ständige Fortbildung der Ärzte. Nur so ist gewährleistet, dass die Mediziner immer auf dem neusten pharmazeutischen Stand sind. Eine kleine aber nicht unerhebliche Frage muss in diesem Zusammenhang gut bedacht werden: Wer finanziert – und wie unabhängig ist – diese Fortbildung?“

Die Situation scheint sich nicht gravierend verbessert zu haben. 2017 erklärte CORRECTIV in einem Beitrag in Bezug auf den Geldfluss von 2016:

“105 Millionen Euro bekamen Ärzte als Vortragshonorar und für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Mit weiteren 101 Millionen Euro sponserte die Industrie Veranstaltungen und Institutionen.”

Fazit: Wissenschaftler und Fortbildungszentren lassen sich flächendeckend von der Pharmaindustrie bezahlen. Wirklich unabhängige Studien sind unter solchen Zuständen in der Praxis selten möglich.

Quellen und weitere Informationen zu “Fragwürdige Wissenschaft und Fortbildungsträger”

Unsere Beiträge und Lebenserwartung

Dass hier etwas im System nicht stimmt und wir Menschen, Erwachsene ebenso wie Kinder, immer kränker werden, trotz des proklamierten Wohlstandes, lässt sich auch zum Beispiel an der Steigerungsrate der Ärzte in Deutschland erkennen: Laut Statistica.de waren bundesweit 1990 ca. 237.700 Ärzte beschäftigt, 2016 waren es dann bereits 378.600. Das ist eine Steigerungsrate von 59% bei einer fast konstanten Bevölkerungszahl von ca. 80 Millionen Menschen.

Ebenso kann man sich die Versicherungsbeiträge anschauen, die wir Bürger zahlen. 1985 lagen diese für eine Krankenversicherung in Westdeutschland im Schnitt bei 11,8% unseres Gehalts. Anfang 2018 lagen die Prämien nun bei 15,7%. Das ist eine Steigerung von 33%. Die neue Koalition zwischen CDU, CSU und SPD hat für die kommenden Jahre bereits weitere Steigerungen in Aussicht gestellt. Es stellt sich die Frage: Wer profitiert wirklich von diesen zusätzlichen Einnahmen?

Wie man Patienten das Geld aus der Tasche zieht

Im Prinzip haben wir es hier mit einem einfachen Umlagesystem zu tun. Und zwar nicht in dem Sinne, dass alle Mitglieder einer Krankenkasse für ihre kranken Menschen zahlen, die unverschuldet Hilfe brauchen. Nein, wir Bürger zahlen dafür, dass die Lebensmittelindustrie uns teure und ungesunde Lebensmittel aufschwatzt und dann anschließend die Pharmakonzerne, Krankenhausbetriebe und Ärzte mit diesen künstlich erzeugten Krankenständen viel Geld verdienen und ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Hinzu kommt, dass seit dem 1. Januar 2009 alle deutschen Bürger verpflichtet sind, dieses kranke System zu finanzieren. Seit diesem Datum besteht gemäß § 193 III VVG die Allgemeine Krankenversicherungspflicht. Es müssen sich demnach alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer gegen Krankheitskosten versichern.

Diese nun verpflichtenden Mehrausgaben für Bürger in Deutschland und gesteigerten Aktivitäten im Gesundheitssektor findet unsere Bundesregierung anscheinend sehr gut. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erklärt 2018 auf seinen Webseiten:

“Die deutsche Gesundheitswirtschaft hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für den Standort Deutschland. Die Gesundheitsausgaben beliefen sich im Jahr 2014 auf rund 344,2 Mrd. Euro – das entspricht 4.213 Euro je Einwohner und einem Anteil von 12 % am Bruttoinlandsprodukt.

Die Gesundheitswirtschaft ist eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs. Ihre Bruttowertschöpfung ist in den letzten elf Jahren mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,5 % deutlich schneller als die Gesamtwirtschaft gewachsen. Umsatz nach Branchen (Produktion):

    • Medizintechnik: über 28 Milliarden Euro (2016)
    • Pharmazeutische Industrie: 48 Milliarden Euro (2016)
    • Biotechnologie: 3,28 Milliarden Euro (2015)”

Wer alleine über den Begriff “Gesundheitswirtschaft” nachdenkt, der merkt: Hier stimmt etwas nicht! Wirtschaftlichen Erfolg erzielt man ja nicht mit Gesunden. Bürger gehen schließlich nicht zum Arzt und lassen sich behandeln, wenn sie gar nicht krank sind. Es sollte also korrekterweise “Krankheitswirtschaft” heißen.

Wie absurd diese Entwicklung ist, stellt man spätestens dann fest, wenn man einfach einmal über die Zahlen nachdenkt: Im Schnitt muss jeder von uns Menschen in Deutschland mehr als 4.000 Euro pro Jahr zahlen, damit er angeblich gesund durchs Leben geht. Man mag sich fragen: Wie hat es die Menschheit überhaupt in den letzten 20.000 Jahren geschafft, zu überleben? Ohne diesen Gesundheitssektor, mit dem wir 12% unseres Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften? Um diese Aussage noch einmal zu relativieren: Deutschland hat also 2016 mit der Behandlung von seinen kranken Bürgern pro Jahr so viel umgesetzt wie das ganze Land Ägypten mit knapp 100 Millionen Menschen im selben Jahr erwirtschaftet hat.

Es geht noch schlimmer

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz sechs der Pro-Kopfausgaben: hinter den USA (ca. 8.500 Euro) der Schweiz (7.000 Euro), Luxemburg (6.400 Euro) und Norwegen (5.700).

Die Pro-Kopf Ausgaben haben sich in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt:

  • 1995 = 2.280 USD
  • 2014 = 5.182 USD

Hohe Ausgaben führen allerdings nicht automatisch zu besserer Gesundheit. Ein Vergleich von Zentralafrika, Deutschland und USA macht das deutlich (Daten von 2016):

 Jährliche Pro-Kopf Ausgaben in EuroProzent Fettleibigkeit in der Bevölkerung Prozent an Diabetes-Erkrankungen in der BevölkerungProzent aller Todesfälle verursacht durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen Prozent aller Todesfälle verursacht durch Krebs
Zentralafrika2165,7114
Deutschland4213267,43726
USA8462379,13022

Quelle: Country Sheets WHO

Übrigens: Seit dem Jahr 2000 ist der Prozentsatz von Fettleibigkeit in Zentralafrika von 1% der Bevölkerung in den folgenden 16 Jahren um 600% gestiegen. Fettleibigkeit wiederum korreliert eindeutig mit Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Demenz, Osteoporose und psychosomatischen Störungen. Man mag sich fragen: Was ist passiert? Welcher “Wohlstand” hat Zentralafrika in diesen 16 Jahren ereilt?

Eine positive Entwicklung?

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), von Haus aus Jurist, oder auch unser neuer Gesundheitsminister, Jens Spahn (CDU), von Haus aus Banker und Jurist, sollten aufschreien und verlangen, dass wir darüber aufklären, wie wir in eine solche Schieflage geraten sind. Das machen sie aber nicht. Im Gegenteil. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erklärt:

“Gesundheitswirtschaft als Jobmotor

Die Gesundheitswirtschaft ist ein Beschäftigungsmotor. Im Gesundheitswesen arbeiten derzeit 5,5 Millionen Menschen. Damit ist heute etwa jeder achte Erwerbstätige in dieser Branche tätig. Die Dynamik dieses Jobmotors zeigt sich in bemerkenswerten Beschäftigungszuwächsen: Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen um rund eine Million zugenommen.

Bei einer weiter gefassten Definition (inkl. Wellness, Gesundheitstourismus etc.), die u. a. in der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung des BMWi verwendet wird, arbeiteten im Jahr 2016 erstmals 7 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft. Das entspricht einem Zuwachs von über 27 Prozent (Anm. d. A.: gegenüber 2000). Demzufolge wäre jeder sechste Erwerbstätige in dieser Branche tätig.”

Fazit: Wir sind also noch viel kränker als im Jahr 2000 und brauchen viel mehr Personal, welches sich um all die angeschlagenen Menschen kümmert. Unsere Kinder sind die lukrative Basis, damit dieser Jobmotor auch in Zukunft auf allen Zylindern fährt. Das flächendeckende Angebot von Convenience-Produkten stellt, dank der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Ministerien, eine sichere Grundlage für diese Entwicklung dar. Der rasant wachsende Ausbau der Ganztagsbetreuung unserer Kleinsten sorgt für den Rest.

Auch hier lohnt sich ein Vergleich: In den 50er Jahren waren 20% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, also mit der Produktion von damals noch gesunder Nahrung, beschäftigt. Heute sind es nur noch 1,8% der Erwerbstätigen, die sich um die Grundlage unseres Lebens kümmern. Dafür ist jeder 6te Erwerbstätige damit beschäftigt, all die kranken Menschen in unserer Gesellschaft zu versorgen. Ich frage mich, was wohl besser ist?

Die Lebenserwartung steigt?

Man könnte nun zu argumentieren versuchen, dass wir ja alle viel länger leben und in den letzten Jahren unseres erfüllten Lebens etwas mehr ärztliche Versorgung brauchen. Auch diese Aussage hinkt.

Unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Modell baut auf dem der USA auf. Dort gilt schon seit den 50er Jahren: Esst Fast-Food und Convenience-Produkte, arbeitet viel und verdient viel Geld – egal wie. Gebt eure Kinder früh in eine Fremdbetreuung, macht Karriere und konsumiert viel. Das persönliche Weiterkommen und die individuelle Verwirklichung sind euer gutes Recht, Verantwortung für andere oder eine intakte Umwelt muss keiner übernehmen. Wachstum ist der Grundpfeiler für eine moderne Gesellschaft und Stress gehört zum Erfolg einfach dazu. Was das mit den Amerikanern gemacht hat, ist anschaulich zu sehen. Diese gelebten “Werte” führen dazu, dass trotz gigantischer Ausgaben für eine medizinische Versorgung die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Amerikaner seit einigen Jahren wieder sinken. In Großbritannien offenbart sich nun der gleiche Trend. Das Wirtschafts- und Wertesystem ist dort praktisch mit dem der USA identisch.

Seit den 80ern erleben wir in Deutschland ebenfalls eine zunehmende und flächendeckende Verschiebung hin zu diesem “Wertesystem” und sehen nun auch bei uns die Konsequenzen: Wir sind dicker, kränker und die Gesellschaft bricht zunehmend auseinander. Ebenfalls ist bekannt: Wenn Menschen mit 40 Jahren adipös sind, sinkt ihre Lebenserwartung um 6 bis 8 Jahre. Adipös sind in Deutschland mittlerweile über 26% der Bevölkerung. Tendenz stark steigend. So, wie wir uns jetzt verhalten, werden unsere Lebensqualität und Lebenserwartung als Gesellschaft nicht mehr steigen. Im Gegenteil.

Quellen und weitere Informationen zu “Unsere Beiträge und Lebenserwartung”

Das internationale Bild

In den USA sieht das Bild noch trüber aus als bei uns. Dort erhalten laut der Datenbank Pro Publica fast alle Ärzte und medizinischen Einrichtungen Zahlungen der Pharmaindustrie. Ebenso sind die Lebensmittel- und Pharmakonzerne in den USA noch mächtiger als bei uns: Gesundes Essen gibt es für die meisten Bürger dort schon lange nicht mehr.

Die Offenlegung der Zahlungsströme zwischen der Pharmaindustrie und dem medizinischen Sektor ist allerdings in den USA bereits seit 2013 gesetzlich vorgeschrieben. Zumindest in dem Punkt zeigen die USA eine Transparenz, die bei uns leider nicht zu finden ist. Wir Deutschen können nicht mit Sicherheit herausfinden, wer von unseren Ärzten einen Interessenkonflikt hat und wer nicht. Dass die USA hier das Gesetz geändert haben, liegt vielleicht daran, dass in den USA mittlerweile verschreibungspflichtige Medikamente die viert-größte Todesursache sind. Zu dieser Erkenntnis kam 2014 eine großangelegte Studie von der Harvard University. Weiterhin hat 2016 die medizinische Fakultät der John Hopkins University bestätigt, dass Behandlungsfehler von Ärzten – dazu gehören falsche und überdosierte Medikation und Fehler in der manuellen Behandlung – in den USA mittlerweile die drittgrößte Todesursache ist.

In Australien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich (GB) ist das Bild ähnlich wie in Deutschland. In all diesen Ländern können Bürger – zumindest zum Teil – einsehen, welche Ärzte und medizinischen Einrichtungen von der Pharmaindustrie finanzielle Zuwendungen erhalten. In anderen Ländern ist bekannt, dass große Zahlungsströme fließen, aber nicht an wen. Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Kanada, Südafrika oder auch Neuseeland.

Details über die Zahlungsströme von Seiten der Pharmaindustrie und Einflussnahme auf EU-Politiker in Brüssel lassen sich in dem sehr gut recherchierten Buch “Patient im Visier” (2015) von Caroline Walter und Alexander Kobylinski ab Seite 125 nachlesen. Anschaulich und mit vielen Details beschreiben die Autoren, wie EU-Abgeordnete regelrecht von der Pharmalobby belagert werden und sichergestellt wird, dass auch dort die Interessen der Industrie berücksichtigt werden. Als Unterstützer der Pharmaindustrie wird hier zum Beispiel der EU-Abgeordnete und das CDU Mitglied Peter Liese genannt. Liese ist laut eigener Webseite ebenfalls Mitglied des Committee on the Environment, Public Health and Food Safety.

In demselben Buch wird ebenfalls erklärt, wie zum Beispiel die Patientenorganisation Donna – The European Breast Cancer Coalition fast ausschließlich von der Pharmaindustrie bezahlt wird. Diese Organisation betreibt Patientenforen in fast allen EU-Ländern und klärt dort auf, wie Frauen kostspielige Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Mammographie, am besten ganz früh nutzen sollten. Unter den Ursachen für einen weltweit rasanten Anstieg für Brustkrebs finde ich auch hier keine Informationen über Vitamin D.

Es geht auch anders: Das Beispiel Indien

Aber es gibt auch Länder, die sich bemühen, der Pharmaindustrie einen Riegel vorzuschieben. Zum Beispiel Indien. In Indien ist bereits 2009 ein Gesetz verabschiedet worden, welches Ärzten die Annahme jeglicher Zuwendungen von Seiten der Pharmakonzerne verbietet. Darunter fallen Spesen für Reisen, Unterkunft und Verpflegung, Geschenke und finanzielle Anreize jeglicher Art. Die Annahme dieser Zuwendungen ist nun strafbar und bedeutet, dass Ärzte ihre Lizenz für die Ausübung ihres Berufes verlieren können. Die Regierung hatte zuvor festgestellt, dass diese Form der Korruption weit verbreitet war. Die Kosten für die Bestechung der Ärzteschaft wurden auf die Produktpreise addiert und somit von der Bevölkerung getragen.

Quellen und weitere Informationen zu “Das internationale Bild”

Die Rechtslage: Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen

Die Verstrickungen zwischen der Pharmaindustrie, Ärzten und Politik scheinen flächendeckend durch alle Bereiche zu gehen. Das bedeutet viel Geld für die einen, und eine gesundheitsgefährdende Informationspolitik für die anderen. Ist das rechtens?

Schauen wir uns doch einmal das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen vom 30.5.2016 an. Welche Regeln sollten in der Praxis eingehalten werden?

Ҥ 299a Bestechlichkeit im Gesundheitswesen

Wer als Angehöriger eines Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert, im Zusammenhang mit der Ausübung seines Berufs einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen lässt oder annimmt, dass er

    • bei der Verordnung von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten,
    • bei dem Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten, die jeweils zur unmittelbaren Anwendung durch den Heilberufsangehörigen oder einen seiner Berufshelfer bestimmt sind, oder
    • bei der Zuführung von Patienten oder Untersuchungsmaterial einen anderen im inländischen oder ausländischen Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    • 299b Bestechung im Gesundheitswesen

Wer einem Angehörigen eines Heilberufs im Sinne des § 299a im Zusammenhang mit dessen Berufsausübung einen Vorteil für diesen oder einen Dritten als Gegenleistung dafür anbietet, verspricht oder gewährt, dass er

    • bei der Verordnung von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten,
    • bei dem Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten, die jeweils zur unmittelbaren Anwendung durch den Heilberufsangehörigen oder einen seiner Berufshelfer bestimmt sind, oder
    • bei der Zuführung von Patienten oder Untersuchungsmaterial
    • ihn oder einen anderen im inländischen oder ausländischen Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    • 300 Besonders schwere Fälle der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr und im Gesundheitswesen
    • In besonders schweren Fällen wird eine Tat nach den §§ 299, 299a und 299b mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
    • die Tat sich auf einen Vorteil großen Ausmaßes bezieht oder
    • der Täter gewerbsmäßig handelt oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat.”

Stellt unsere Bundesregierung in ausreichender Weise sicher, dass Verstöße gegen dieses Gesetz verhindert werden? Wieso beendet dieses neue Gesetz nicht die Geldströme zwischen der Pharmaindustrie und dem Gesundheitswesen?

Quellen und weitere Informationen zu “Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen”

Fazit: Manipulation auf allen Ebenen. Weltweit.

Wer sich die beschriebenen Zahlungsströme anschaut, erkennt ein Muster. Besonders reichlich bedacht werden weltweit folgende Bereiche:

  • Onkologie (Krebsforschung): Brustkrebs, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs, Leukämie, Lungenkrebs etc. — Krebs entsteht bei einer gestörten Immunabwehr.
  • Endokrinologie: Diabetes Typ 1 & 2 und Schildrüsenfehlfunktionen — hier handelt es sich um eine Störung im Hormonhaushalt.
  • Neurologie: Schlaganfälle, Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose, Kopfschmerzen und Migräne — all diese Symptombilder beschreiben Störungen der Nervenbahnen.
  • Innere Medizin: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Lungenentzündungen, Erkrankungen der Nieren und Leber etc. — hier handelt es sich um Erkrankungen einzelner Organe.
  • Dermatologie: Dermatitis und andere Ekzeme, Herpes und sichtbare allergische Reaktionen auf der Haut – hier handelt es sich um Schädigungen der äußeren Hülle des Menschen.
  • Gynäkologie/Urologie: Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Störungen in der Fruchtbarkeit von Menschen (Reproduktionsmedizin) – hier handelt es sich meist um lokale Anomalien und Infektionsherde sowie Störungen in der hormonellen Systemsteuerung.
  • Zahnheilkunde: Implantate, Schmerztherapie, Zahnreinigung — diese Behandlungen sind nötig, wenn Stoffwechselprozesse im Darm, den Nieren und der Leber nicht reibungslos ablaufen und den Speichelfluss stören.
  • Impfwirkstoffe: Hepatitis A und C, HPV, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Pneumokokken, Meningokokken B und C, FSME, Influenza und mehr — all diese Impfungen sollen uns angeblich schützen, wenn unserer eigene Immunabwehr versagt.

In all diesen Bereichen lässt sich in unserem medizinischen Abrechnungssystem besonders viel Geld verdienen: Mit der Verabreichung von Medikamenten und der Behandlung von kranken Patienten.

Um diese “modernen Behandlungsmethoden” der Bevölkerung flächendeckend aufzuschwatzen, wurde über Jahrzehnte ein ausgeklügeltes System aufgebaut. Etliche Menschen und Berufsgruppen wurden eingespannt, um bewusst oder unbewusst die für Bürger wirklich relevanten Informationen zu unterdrücken und als Vertriebsnetz der globalen Pharmakonzerne, ebenso wie als Handlanger der Hersteller von medizinischen Geräten, zu agieren.

Wie immer gilt: Nicht alle machen mit, aber genügend, um den Konzernen satte Gewinne und viel Macht zu bescheren. Dabei werden die meisten Patienten in Unwissenheit gelassen und oft gesundheitlich und finanziell geschädigt. Die Pharmaindustrie kauft, instrumentalisiert oder beeinflusst die folgenden Bereiche mit gravierenden Konsequenzen für die Bevölkerung:

  • Ärzteverbände und Gesellschaften: Diese erstellen Behandlungsstandards sowie Aus- und Fortbildungspläne. Der Fokus wird auf Pharmakologie und “moderne” Behandlungsmethoden gelegt, nicht auf Präventiv- und orthomolekulare Medizin. Diese Verbände und Gesellschaften unterdrücken wichtige Informationen wie z.B. die Wirkung von Vitamin D und Informationen rund um Mangelerscheinungen. So lernen junge Ärzte in der Schulmedizin heute praktisch nichts mehr über den Einfluss und die Wirkung von Sonne und die Bedeutung der einzelnen Lebensmittel auf unseren Körper.
  • Universitäten: Dort werden gezielt Studien angefertigt oder als Lehrmaterial angeboten, die der Pharma- oder auch Lebensmittelindustrie nutzen, nicht aber die Gesundheit von Menschen unterstützen.
  • Fortbildungszentren: Ärzte werden dort nach Abschluss des Studiums gezielt “geschult”, die Produktwelt der Pharmaindustrie zu verschreiben oder zu nutzen.
  • Das Management von Krankenhäusern: Die halten das Personal an kosteneffizient und wirtschaftlich zu arbeiten. In unserem jetzigen System bedeutet das möglichst viele und lukrative Behandlungen, Maßnahmen und Medikamente zu verordnen.
  • Chefärzte: Diese diktieren ihren Assistenzärzten, wie sie agieren sollen – im Interesse der Pharma- und Krankenhausbilanz – nicht im Interesse des Patienten.
  • Niedergelassene Ärzten: Diese verschreiben oft unnötige bis schädliche Medikamente.
  • Apotheken: Sie empfehlen oft bedenkliche Pharmaprodukte, auch wenn eine differenzierte Beratung über Ernährung deutlich sinnvoller wäre.
  • Die Presse und Fachpublikationen: Dort werden fragwürdige Berichte über angeblich wirksame Medikamente veröffentlicht, die Wirkung von z.B. Vitamin D heruntergespielt und teilweise gefährliche Medikamente angepriesen. Journalisten werden zu großzügigen Fortbildungsveranstaltungen in kostspielige Hotels gelockt, wo sie dann schon fertige Pressemitteilungen bekommen, die sie nur abzuschreiben brauchen.
  • Patientenvereinigungen: Die werden von der Pharmaindustrie gezielt finanziert und angeleitet, wie sie ihre angeblichen Interessen in der Politik einfordern. Einfordern heißt hier: Kostenübernahme von neuen und teuren Behandlungsmethoden.
  • Ministerien, Behörden und einzelne Politiker: Zu diesen Gruppen komme ich gleich.

Extensive Recherchen, Dokumentationen, Zeugenaussagen und Originaldokumente machen die Verflechtungen von “unabhängigen” Vereinen und Instituten, der führenden Ärzteschaft mit der Pharmaindustrie und Politik für jedermann einsehbar. All diese öffentlich beklagten Missstände haben aber nicht dazu geführt, dass unsere amtierenden Politiker entschlossen eingreifen und eine Korrektur dieses desolaten Systems einfordern.

Im Gegenteil. Es hat sich anscheinend auf der gesamten globalen Führungsebene von Ärzteschaft, Regierung und Industrie die grundsätzliche Einstellung etabliert, dass eine enge Zusammenarbeit rechtlich und moralisch völlig akzeptabel ist.

Bei dieser Zusammenarbeit geht es primär um Rendite, also Geld. Wir Patienten sind zu Kenn- und Planzahlen verkommen, mit denen die Pharmaindustrie und die Medizinbranche gute Absätze generieren. Und gute Absätze lassen sich nur generieren, wenn Menschen häufig oder chronisch krank sind. Entsprechend hat sich ein System aufgebaut, das die Gesundheit der Bevölkerung gar nicht mehr zum Ziel hat, sondern nur noch den systemischen Selbsterhalt. Was dieses System mit unseren Kindern oder uns als Gesellschaft macht, wird nicht hinterfragt, in Kauf genommen oder es ist womöglich sogar erwünscht?

Genau dieses System von Missständen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Führungseliten und deren Mitarbeiter wird immer schlimmer und es umfasst mittlerweile praktisch alle Bereiche unserer medizinischen Versorgung. Auch für diejenigen, die sehen, dass falsch gehandelt wird, gibt es fast keine Anlaufstellen mehr. An wen auch sollen sie sich wenden? Die mehr oder weniger korrupten Vernetzungen sind global und allgegenwärtig. Und je mehr Geld im System ist – und viel kommt jedes Jahr dazu – desto mehr werden Hebel und Angel von ganz oben genutzt, um das geschaffene System weiter nach den Interessen der führenden Personen zu formen.

Und so erklärt sich, warum unsere Kinder – trotz eines sehr hohen medizinischen Wissenstandes – so krank sind.

Quellen und sehenswerte Dokumentationen zu “Fazit: Manipulationen auf allen Ebenen. Weltweit”

  • Ärzteblatt 2017 “Öko­nomi­sierung patientenbezogener Entscheidungen im Krankenhaus. Eine qualitative Studie zu den Wahrnehmungen von Ärzten und Geschäftsführern” by Wehkamp, Karl-HeinzNaegler, Heinz https://www.aerzteblatt.de/archiv/194752/Oekonomisierung-patientenbezogener-Entscheidungen-im-Krankenhaus
  • ZEIT ONLINE 23.5.2018 “Die Widerspenstigen. Es sind fast immer Whistleblower, die große Wirtschaftsskandale aufdecken. Oft verlieren sie ihren Job, werden gemobbt und verarmen. Die Bundesregierung hat das lange nicht gekümmert. Nun macht die EU Druck.” https://www.zeit.de/2018/22/whistleblower-wirtschaftsskandale-schutz-eu-richtlinien
  • Evidence-Based Medicine (BMJ) 16.9.2018 “Cochrane – A sinking ship?” Zitat: “A scandal has erupted within the Cochrane Collaboration, the world’s most prestigious scientific organisation devoted to independent reviews of health care interventions. One of its highest profile board members has been sacked, resulting in four other board members staging a mass exodus. They are protesting, what they describe as, the organisation’s shift towards a commercial business model approach, away from its true roots of independent, scientific analysis and open public debate.” https://blogs.bmj.com/bmjebmspotlight/2018/09/16/cochrane-a-sinking-ship/
  • “Whistleblower – Die Einsamkeit der Mutigen”, ARD 14.2.2017 https://programm.ard.de/TV/phoenix/whistleblower—die-einsamkeit-der-mutigen/eid_2872576468960
  • Deutsches Ärzteblatt 2014 “Krankenhäuser zwischen Medizin und Ökonomie: Die Suche nach dem richtigen Maß” Zitat: “39 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden 1.432 Chefärzte gaben an, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihrem Fachgebiet zu überhöhten Eingriffszahlen führten. In der Kardiologie waren es sogar 61 Prozent, bei den Orthopäden und Unfallchirurgen knapp 50 Prozent.” https://www.aerzteblatt.de/archiv/163452/Krankenhaeuser-zwischen-Medizin-und-Oekonomie-Die-Suche-nach-dem-richtigen-Mass
  • Video-Dokumentation: “Mediziner packt aus: Korrupte Ärzte & die geheimen Tricks der Pharmaindustrie” Beschreibung Video: “Die Götter in Weiß – wer würde es wagen, sie in Frage zu stellen? Der gemeinnützige Verein “MEZIS e.V.“ hat sich zur Aufgabe gemacht, Ärzte und Patienten auf die Beeinflussungen von Pharmaherstellern aufmerksam zu machen. Im Studio begrüßen wir dazu ein Vorstandsmitglied von MEZIS, Dr. med. Thomas Mayer. Im Gespräch mit Robert Fleischer erläutert er, wie die Beeinflussung der Pharmaindustrie in der Praxis läuft und welche Folgen dies für den Patienten hat.” Interview – Welt im Wandel TV 27.10.2017 https://www.youtube.com/watch?v=kRbtb-2SERg
  • Video-Dokumentation: “Der betrogene Patient: Das Geschäft mit den Kranken – Arzt packt aus!” Beschreibung Video: “Jährlich sterben in deutschen Kliniken rund 18.800 Menschen durch Behandlungsfehler. Das sind etwa fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr, hat eine Studie der AOK ergeben, die von Ärzten dafür heftig kritisiert wurde. Doch unser Gast, der Radiologe Dr. med. Gerd Reuther, geht noch weiter: Die Dunkelziffer der Todesopfer von Ärzten dürfte sogar noch deutlich höher liegen.” Interview in Welt im Wandel TV 24.11.2017 https://www.youtube.com/watch?v=x5OZVu0LJkI&t=4s
  • Video-Dokumentation: “Der marktgerechte Patient” Zitat Filmbeschreibung: “In den deutschen Krankenhäusern stehe nicht mehr der Patient sondern das Geld im Mittelpunkt aller Gedanken, sagt der Oberarzt für Anästhesie Peter Hoffmann im Film. ’Das Geld ist immer im Hintergrund aller Entscheidungen. Man tut etwas, um die Kosten zu reduzieren oder man tut etwas, um mehr Erlöse, mehr Einnahmen für das Krankenhaus zu generieren. Das Krankenhaus wird geführt wie eine Fabrik. Maximaler Output, minimaler Aufwand, schneller, und der Patient wird zum Werkstück, die Abläufe werden industriell strukturiert, der Patient wird vorne eingefüllt und kommt hinten raus, und zwar bitte ein bisschen schneller. Geht das nicht einen Tag schneller?’ by Leslie Franke und Herdolor Lorenz, November 2018 http://der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/
  • Video-Dokumentation: “Außer Kontrolle – das gefährliche Geschäft mit der Gesundheit” Beschreibung Video: Wegen defekter Herzschrittmacher, Hüftprothesen oder Brustimplantaten leiden oder sterben Menschen weltweit. Die Probleme werden verheimlicht, Behörden überwachen den Markt nicht systematisch, Patienten werden zu Versuchskaninchen.” ARD 26.11.18 Dokumentation (auf Videothek oder unter YouTube zu sehen)
  • SWR1 Baden-Württemberg 9 Apr 2019 “Rechnet nach 30 Jahren als Arzt mit seinem Berufsstand ab | Gerd Reuther | Radiologe |” Beschreibung Dokumentation: “Ein langes und glückliches Leben in Gesundheit steht auf der Wunschliste der meisten Menschen ganz oben. Doch wer den Therapieempfehlungen der Mediziner rückhaltlos vertraut, schadet sich häufiger, als er sich nützt. Das sagt Dr. med. Gerd Reuther, Facharzt mit Lehrbefugnis für Radiologie, der nach 30 Jahren als Arzt seinen Berufsstand schonungslos seziert. Er deckt auf, dass die Medizin häufig nicht auf das langfristige Wohlergehen der Kranken abzielt, sondern in erster Linie die Kasse der Kliniken und Praxen füllen soll. Eine bessere Medizin müsste mit einer anderen Vergütung medizinischer Dienstleistung beginnen und Geld dürfte nicht mehr über Leben und Tod bestimmen – so seine Forderung. Moderation: Nicole Köster” https://www.youtube.com/watch?v=jyemPnEstEw&feature=youtu.be