Leseprobe

Ausschnitte aus dem Buch

VORWORT / 13

EINLEITUNG: Warum dieses Buch? / 19

1. NAHRUNG UND  GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet? / 29
Unsere Nahrung: Basiswissen / 34
Die Bausteine unserer Nahrung: Ein kurzer Überblick / 36
Historisch gewachsenes Wissen / 45
Erhalt und Verluste von Nährstoffen / 45
Gesunde Ernährung: Man muss genau hinschauen / 51
Essenzielle Nährstoffe: Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren – Worin sind sie enthalten? / 52
Zwischenstand: Was braucht der Körper, um gesund zu sein? / 69
Die richtige Ernährung: Mikro- versus Makronährstoffe / 70
Essen muss gelernt sein / 71
Altes Wissen neu entdeckt / 72

2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus / 75
Stoffwechsel / 75
Das Immunsystem / 77
Der Darm / 80
Die Leber / 86
Die Nieren / 90
Stress / 93
Bewegung / 97
Vitamin D / 99
Fazit: Worüber sollten wir aufgeklärt werden? / 108

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH / 109
Eine Bestandsaufnahme / 109
Die Entstehung von bleibenden Zähnen / 113
MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung / 116
Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum? / 118

4. NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum? / 119
Pflanzenschutzmittel / 119
Antibiotika und Hormone in der Massentierhaltung /  125
Zusatzstoffe allgemein / 129
Zucker / 133
Salz (Natrium) / 138
Phosphat / 142
Nitrat, Nitrit und Nitriosamine / 145
Glutamat / 149
Aluminium / 152
Zusammenfassung: Was ist gefährlich für unsere Gesundheit? / 155

5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme von DGE und BMEL / 156
Schwachstellen im Detail / 158
Zusammenfassung: Was lernen unsere Kinder über Ernährung in Kitas und Schulen und was lernen sie nicht? / 172

6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht / 175
Ein durchschnittlicher Tagesplan für Kita-Kinder / 177
Menüplan einer lokalen Ganztagsgrundschule / 179
Systematische Mangelernährung in öffentlichen Einrichtungen / 180
Mangel- und Fehlernährung mit der DGE: Nichts Neues / 181

7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme / 183
Anweisungen, die unser Leben veränderten / 183
Die neue Produktwelt: Süßigkeiten, Knabberzeug und Convenience / 188
Was erklären Ärzte, Krankenkassen, Behörden und Medien? / 190
Fazit: Beeinflussung auf allen Ebenen / 196

8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen / 198
Ein Überblick: Zivilisationskrankheiten, Wachstumsraten und Profiteure / 198
1. Diabetes / 198
2. Fettleibigkeit / 200
3. Krebs / 201
4. Psychische Erkrankungen: Trends / 203
5. Sinkende Belastbarkeit der arbeitenden Bevölkerung / 205
6. Sinkende Fruchtbarkeit von Menschen / 207
Trends: Verändertes Ernährungsverhalten und mangelhafte Ernährungsbildung / 209
Das Schulfach Gesundheit: Fehlanzeige / 210
Verantwortung der Bundesregierung: Fehlanzeige / 211
Schutz für Kinder: Fehlanzeige / 212
Das globale Bild / 214
Fazit: Eine gesellschaftliche Abwärtsspirale. Weltweit. / 217

9. DIE AKTEURE IM MARKT: Die Privatwirtschaft / 219
Die Agrarindustrie / 220
Minderwertige Nahrung und hohe Rendite / 223
Das Zusammenspiel vom Bauernverband, der Wirtschaft und der Politik / 233
Ausblick für die Zukunft / 240
Fazit: Eine Verschlechterung der Grundnahrungsmittel. Weltweit. /  245

Die Lebensmittelindustrie / 246
Ein Blick hinter die Kulissen / 246
Das Beispiel Nestlé – der weltweit größte Lebensmittelkonzern / 251
Eroberung der Welt: Die Mechanismen / 254
Wieder das Beispiel Nestlé: Ein neues Geschäftsmodell musste her / 262
Es wird noch viel schlimmer, wenn wir nichts tun! / 270
Fazit: Mächtige Konzerne und gefährliche Produkte / 273

Das Gesundheitswesen / 274
Ein Blick hinter die Kulissen / 274
Vitamin D: Ein Hype oder eine große Gefahr fürs Geschäft? / 284
Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten / 294
Profitable Geschäftsfelder: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfen, mangelnde Zahngesundheit und neuronale Störungen / 300
Die Rolle der Medien und Wissenschaft / 320
Unsere Beiträge und Lebenserwartung / 330
Das internationale Bild / 334
Die Rechtslage: Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen / 336
Fazit: Manipulation auf allen Ebenen. Weltweit. / 337

Die Investoren und Finanzindustrie / 342
Die unbekannte Macht im Hintergrund / 347
Und wieder das Beispiel Nestlé / 351
Persönlichkeitsstörungen unserer Mächtigen / 354
Fazit: Kapitalmacht und kranke Menschen – eine toxische Gefahr für die Welt. / 356

10. DIE AKTEURE IM MARKT: Die öffentliche Hand / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Hintergründe und Aufgaben / 357
Die einzelnen Akteure der DGE / 361
Fazit: Fehlinformationen und fragwürdige Verbindungen auf allen Ebenen / 372

Die Bundesministerien BMEL und BMG / 374
Hintergründe: Aufgaben, Struktur und finanzielle Mittel / 374
1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / 376
2. Bundeszentrale für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / 377
3. Nationaler Aktionsplan IN FORM / 379
4. Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (BEP) / 381
5. Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA) / 383
6. Robert Koch-Institut / 388
7. Bundesamt für Risikobewertung (BfR) / 391
Fazit: BMG und BMEL: Eine Gefahr für unsere Gesundheit / 397

Einzelne Politiker / 398
Verstrickungen mit der Wirtschaft / 398
Zugang zum Bundestag / 402

EU und globale Organisationen / 404
1. Das International Life Sciences Institute (ILSA) / 404
2. Codex Alimentarius (CA) / 404
3. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL/EFSA) / 406
4. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) / 412
Fazit: Ein weltweites Drama / 416

Die Bundesregierung: Teil des Problems und nicht Teil der Lösung / 417
Ahnungslose Politiker / 420
Gesunde Nahrung: Die größte Gefahr für unseren materiellen Wohlstand / 422
Das globale Weltwirtschaftsmodell in Gefahr / 423
Fazit: Eine Regierungskoalition in der Sackgasse / 426

11. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen / 429
Weisheiten erobern die Welt / 430
Sichtbarer Wandel / 431
Als Erstes gilt: Hürden überwinden! / 438

12. PRAKTISCHE UMSETZUNG: Verantwortliche einbinden / 441
1. Die Bundesregierung in die Pflicht nehmen / 441
2. Krankenkassen in die Pflicht nehmen / 445
3. Landespolitiker in die Pflicht nehmen / 448
4. Selbst aktiv werden / 454
5. Schulfach “Gesundheit” einfordern / 455
6. Unterstützer mobilisieren / 459
Fazit: Wir brauchen Veränderungen. Jetzt! / 461

13. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungen / 462
Neue Ernährungsregeln und deren Umsetzung / 462
Umstellung unserer Ernährung / 469
Umstellungen im Haushalt / 472
Auswirkungen auf unsere Gesundheit / 480

DANKSAGUNGEN / 483

Die Umstände, die zur Entstehung dieses Buches geführt haben, sind mehr als ungewöhnlich: Die Sorgen einer Mutter wegen eines kranken Backenzahnes ihres Kindes führen über viele beachtliche Stationen letztendlich zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Weltwirtschaft! Wow, wer hätte das gedacht, dass ein Kinderzahn solch eine Karriere macht!

Auch wenn sicherlich etliche Nörgler einzelne Punkte des Buches bekritteln werden, so möchte ich das gezeichnete Bild insgesamt doch voll unterstützen: Ausgehend von einer ganz anderen Position bin ich zu vergleichbaren Erkenntnissen gekommen. Nach mehr als 50 Jahren Tätigkeit in unserem so genannten Gesundheitssystem (das zwischenzeitlich allerdings zum “Kranken-System” mutiert ist), und in dem ich alle Stufen durchlaufen habe (vom Hilfspfleger bis zum Professor, Chefarzt und Unternehmer als Gründer des ersten medizinischen Versorgungszentrums an einem Großklinikum in Deutschland), hat mich das Universum – oder wer auch immer an den Rädern der Geschichte dreht – aus diesem Umfeld herausgeholt. Dies geschah – wie auch in zahlreichen anderen Fällen – im Rahmen einer Existenzkrise. Doch dies ist nun rund 15 Jahre her und ich habe inzwischen einen neuen Weg für mich gefunden.

Ich könnte nun stundenlang aus dem Nähkästchen plaudern und noch seitenweise über “Storys aus dem System” berichten. Aber zum einen ist es nicht die Sache eines Vorwortes, die Autorin des Buches mit zusätzlichen “Fachinformationen rechts zu überholen”. Zum anderen gibt es zahlreiche Dokumentationen und Personen, die die von Frau von Aufschnaiter berichteten Sachverhalte und die Kritik an der Gesellschaft bestätigen – und dies nicht erst seit gestern! Allerdings kann ich mir den Hinweis auf ein weiteres, aktuelles Beispiel nicht verkneifen: Vor wenigen Monaten wurde der international hoch geachtete Leiter des dänischen Cochraine Institutes, Prof. Peter Gøtzsche, seines Amtes enthoben und verlor zusätzlich seine Position als Chefarzt am Rigshospitalet in Kopenhagen. Damit hat es vier Jahre gedauert, bis die offensichtlich sorgfältig eingefädelte Reaktion auf sein Buch “Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert” brutale Wirklichkeit wurde.

Vielleicht auch noch ein kleiner Rückblick, der aufzeigt, dass die Problematik nicht so ganz neu ist. Bereits im Jahr 1983 erschien das Buch “Der tödliche Fortschritt: Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums” geschrieben von einem Vertreter eben dieses Christentums, dem Pastor Eugen Drewerman. Er macht seinem weltweit als mächtiger Konzern agierenden Unternehmen Kirche die gleichen Vorwürfe wie die Autorin dieses Buches heute den “Größen der Weltwirtschaft”. Auch die Auswirkungen sind durchaus vergleichbar: Ausnutzung und Missbrauch der Menschen – unter dem Deckmantel der Menschlichkeit und Fürsorge, bis hin zum sexuellen Missbrauch der anvertrauten Kinder (und Erwachsenen)! Ein wesentlich gravierenderer “Kollateralschaden” als ein kranker Backenzahn bei dem Kind der Autorin infolge der Umtriebe der Lebensmittelindustrie! Dies ungeachtet der Tatsache, dass beides, körperliche und seelische Unversehrtheit unserer Kinder, unverzichtbare Forderungen an die Gesellschaft darstellen. Ich werde später noch einmal auf das Thema Kindergesundheit zurückkommen.

Vielmehr möchte ich dieses Vorwort nutzen, um den bereits weit gespannten Bogen von Frau von Aufschnaiter noch etwas zu erweitern und auf einen Zusammenhang verweisen, der das allgemeine Bewusstsein noch nicht erreicht hat: die Bedeutung der Umwelt für alle Lebewesen und damit auch für den Menschen. Wir leben nämlich nicht zufällig in dieser (irdischen) Umwelt, die wir seit einigen Jahrhunderten immer intensiver zerstören. Dabei ist allerdings die Sorge vor katastrophalen Unwettern und feuchten Füßen für einige Bewohner sowie dürre Steppen für andere eine schon fast müßige Diskussion angesichts der bereits eingetretenen, weltweiten Gesundheitskatastrophe, um die es in diesem Buch geht.

Was wir nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass wir von dieser Umwelt leben und ein Bestandteil von ihr sind, sozusagen eine vorübergehende Ansammlung von Biomasse dieser Erde, die in jedem Lebewesen ein nichtlineares, selbst organisierendes, selbst regenerierendes und selbst reproduzierendes System verwirklicht, welches in konstantem Austausch und damit in direkter Abhängigkeit von und mit seiner Umwelt existiert. Hat das einzelne Lebewesen seinen Auftrag (Fortführung der Evolution) erfüllt, kehren seine Bestandteile zu dieser Biomasse zurück. So einfach und doch so genial ist dieses Konzept der Natur – das mit und ohne göttlichen Hintergrund seit Milliarden von Jahren hervorragend funktioniert.

Dabei ist kürzlich erst deutlich geworden, dass die von der Autorin zitierten vielfältigen Mikronährstoffe nicht nur für unsere (gesunde) Ernährung von Bedeutung, sondern vielmehr Steuerungsfaktoren der Erbsubstanz (Gene) unseres Systems sind, ohne die das System nicht richtig funktionieren kann. Andere (physikalische) Steuerungsfaktoren aus unserer Umwelt sind z. B. die Schwerkraft, das Magnetfeld und die Strahlung der Sonne. Hinzu kommen chemische Voraussetzungen wie Sauerstoff und Wasser. Von den zuletzt zitierten Faktoren ist bekannt, dass ein Fehlen in der Umwelt tödlich ist: Nach drei Minuten ohne Sauerstoff stellt das Gehirn seine Funktion ein und nach drei Tagen ohne Wasser gibt das gesamte System seinen Löffel ab.

Ein Mangel an zahlreichen anderen Faktoren führt indes nicht sofort zur Katastrophe. Vielmehr “humpelt” das System zunächst, d. h. einzelne Organsysteme werden durch den Mangel in ihrer Funktion etwas beeinträchtigt. Allerdings ist der Körper lange Zeit in der Lage, diese Beeinträchtigungen zu kompensieren – so lange, bis das System es aufgrund der ständig zunehmenden Defizite nicht mehr schafft und dann dekompensiert. Die Symptome dieser Dekompensation werden von der zeitgenössischen Medizin als Krankheiten diagnostiziert und (vergeblich) behandelt: wie z. B. kranke Zähne, Demenz oder Krebs, um nur einige Vertreter zu nennen.

Zu diesen “Hard Facts” als Problemauslöser der Systemsteuerung kommen noch als “Soft Facts” zahlreiche Sozialfaktoren. Denn auch unser Sozialsystem hat sich gegenüber der evolutionären Realität vor mehreren Millionen Jahren dramatisch verändert. Aus dem einstmaligen “homo sapiens”, der Krone der Schöpfung, wurde der “Konsum-Sklave” der Zivilisation, der von Menschen geschaffenen Ersatzwelt. Um dies zu verstehen, müssen wir nochmals zurück in die Evolution schauen, jedoch nicht die Evolution der Arten, sondern des einzelnen Menschen. Diese Entwicklung läuft wie bei der Evolution der Arten von der einzelnen Zelle (die seinerzeit im Urmeer herumschwabbelte) bis zum fertigen Individuum der verschiedenen Spezies, immer in direkter Abhängigkeit von der Umwelt.

Bei den Säugetieren, zu denen auch der Mensch gehört, ist diese Umwelt, in der sich das Leben entwickelt, nicht mehr irgendein Teil der Natur, sondern der Körper der Eltern und das “Drama des Gesundheitsverlustes” beginnt bereits bei der Entwicklung der Keimzellen, die das neue Leben einmal bilden sollen. Denn auch diese Keimzellen sind – wie alle Lebewesen – von ihrer Umwelt abhängig. Und diese Umwelt ist der Körper von Mann und Frau. Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für die sogenannten Stammzellen, mit denen uns die Evolution ausgestattet hat.

Ist der Körper nun in einer top Verfassung, bildet er eine top Umwelt für die Keimzellen, die sich korrekt entwickeln können. Fehlt es dem Körper an natürlichen Ressourcen, kann er diese Aufgabe nicht leisten. Der seit Jahren aktenkundige Rückgang der Spermienzahl und -qualität ist eine eindrucksvolle Dokumentation dieses Prinzips. Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, also einem neuen Lebewesen, welches sich in Abhängigkeit von seiner Umwelt selbst organisiert, gilt der gleiche Grundsatz: Ist der Körper der Mutter in einer top-Verfassung, kommt es zu einer top-Entwicklung des Kindes. Bietet der Körper der Frau jedoch nicht die erforderlichen Ressourcen, geht das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes “in die Hosen”, d. h. es erfolgt eine Fehlgeburt. Meist wird das Kind jedoch ausgetragen, d. h. die Natur kann auch hier vieles kompensieren – allerdings nicht ohne Qualitätsverluste.

Was dann (unter Umständen als Frühgeburt oder auch zum Termin) erscheint, sieht aus wie ein normales Kind, ist es aber zum Teil nicht mehr, da das sich entwickelnde System infolge fehlender Ressourcen oder durch den Einfluss von Schadstoffen seine evolutionären Potenziale nicht voll entfalten konnte. Die älteren Leser werden sich sicherlich an die Contergan Affäre erinnern: Hier hat eine einzige Schlaftablette in der Schwangerschaft zum Verlust von Armen und/oder Beinen des Kindes geführt.

Solche schweren Missbildungen (wie z.B. auch die bekannte Spina bifida) sind zum Glück selten. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob ein infolge eines Mangels an Omega 3-Fettsäuren nicht voll ausgereiftes kindliches Gehirn als “Glücksfall” bezeichnet werden kann. Das gleiche gilt für ein gestörtes Immunsystem infolge eines Vitamin D Mangels der Mutter. Bereits nach der Geburt kommt es hier zu Milchschorf und im weiteren Verlauf zu einem erhöhten Risiko für Asthma, Rheuma und Multiple Sklerose. Dass dieser Mangel an Vitamin D mehr als 80 % aller Mütter in Deutschland betrifft, ist zwar aktenkundig, stört die Verantwortlichen dieser Gesellschaft jedoch offensichtlich nicht.

Die so geschädigten Kinder werden durch die Umwelt/Lebenswelt, in die sie geboren werden, weiter geschädigt: von der falschen Ernährung mit Fast Food über die fehlende Bewegung und den Vitamin-D-Mangel bis hin zur zunehmenden Exposition mit Schadfaktoren wie Pestiziden, Konservierungsmitteln, Luftverschmutzung und Elektrosmog (vom Babyphone zum Smartphone!), um nur einige Punkte zu nennen. Die daraus resultierenden Schäden des Systems hindern es in den meisten Fällen jedoch (noch) nicht daran, sich zu reproduzieren. Sollte dieser Fall doch eintreten, wie sich zunehmend zeigt, steht die Reproduktionsmedizin bereit, und das nunmehr entstehende Kind ist noch mehr belastet als seine Eltern. Als Konsequenz finden sich nicht nur “unerklärliche” Gefäßveränderungen bei Kindern aus der künstlichen Befruchtung, sondern auch ein deutlich früheres Auftreten chronischer Erkrankungen, die einst dem Alter zugeordnet wurden. So finden sich inzwischen Fälle von “Altersdiabetes” mit zwölf Jahren und Herzinfarkte im Alter von 20 Jahren. Ich habe diesen Teufelskreis bereits vor zehn Jahren in meinem ersten Buch “Vitamin D – das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention” beschrieben, und habe den Eindruck, dass sich dieses Rad immer schneller dreht.

Doch damit nicht genug: Nach neun Monaten wird das Kind aus dem Uterus der Mutter in den sozialen Uterus, die Lebenswelt der Familie entlassen. Fehlen in dieser ersten sozialen Umwelt des Kindes die nötigen (sozialen) Ressourcen, kommt es im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung ebenfalls zu gravierenden Störungen. Der Fachausdruck dafür lautet Narzissmus, der sich in zwei unterschiedlichen Extremen ausprägen kann: Die einen landen als Clochard unter den Brücken oder als Insasse in einem Gefängnis, die anderen ziehen sich einen ehernen Panzer an und machen Karriere. Ein aktuelles Beispiel ist der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten.

Bedauerlicherweise nimmt auch diese Entwicklung zusätzliche Fahrt auf – unabhängig von der Entwicklung der Patchworkfamilien: Offensichtlich stimuliert von der Wirtschaft, der qualifizierte Arbeitskräfte fehlen und die gerne die in Deutschland überwiegend gut ausgebildeten jungen Frauen hinter dem Kochtopf hervorholen möchte, hat die Bundesregierung verkündet, dass jede Frau das Recht hat, ihre Persönlichkeit (durch Berufstätigkeit) zu entfalten. Damit die Kinder nun nicht unversorgt zurückbleiben, errichtet die Regierung bundesweit Kindertagesstätten und verspricht jeder Mutter einen Platz für ihr Kind. Was die Regierung nicht verspricht, was jedoch fatal ist, ist die ausreichende und qualifizierte personelle Besetzung dieser Kindertagesstätten. Dies überlässt sie den ohnehin überschuldeten Gemeinden.

Die Folgen waren vorherzusehen und finden sich nunmehr in den Tageszeitungen: Personalmangel in den Kindertagesstätten. Was dort nicht steht, jedoch bereits wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, ist die Tatsache, dass Kinder in einer Kindertagesstätte, die nicht mit adäquatem Personal ausgestattet ist, abends einen Spiegel des Stresshormons haben, der die Dimensionen eines Burnout-Managers erreicht! Damit ist vorprogrammiert, dass diese Kinder zu seelischen Krüppeln werden – auch wenn sie nicht von geistlichen Würdenträgern missbraucht werden. Auch Herr Trump ist nicht als “enfant terrible” auf diese Welt gekommen, sondern in seiner Kindheit von “seinem sozialen Uterus” dazu gemacht worden. Egal wo und wie diese Schädigung unserer Kinder geschieht, es ist unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen dafür geradezustehen haben, wie die Geschichte lehrt.

So wie im Buch konsequent dargelegt, stellt sich nun die Frage: Was können wir, was kann der Einzelne tun, wenn die gesamte Gesellschaft auf Abwegen ist? Auch hier stimme ich mit den Ausführungen der Autorin weitestgehend überein: Von “oben” haben wir wenig zu erwarten. Anstatt jedoch in depressive Untätigkeit zu versinken, gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und sich selbst an die Arbeit zu machen. Umfangreiche und konkrete Möglichkeiten dazu finden sich in den letzten Kapiteln des Buches. Allerdings ist klar, dass die Reichweite solcher persönlichen Aktionen meist sehr begrenzt ist, es sei denn, wir erinnern uns an die Möglichkeiten der Symbiose, das Grundprinzip der Evolution. Konkret bedeutet dies eine Graswurzelbewegung zu starten, in die die Ambitionen und die Aktivitäten des Einzelnen münden: Vereint sind auch die (vermeintlich) Schwachen stark.

Die Chancen für solch eine Graswurzelbewegung stehen gut, denn die Autorin hat zu Recht darauf verwiesen, dass sich quer durch die Gesellschaft hindurch etwas tut: “Überall gibt es Menschen, die sich für unsere Kinder und deren Zukunft stark machen. Menschen die Verantwortung wieder in ihre eigenen Hände nehmen und nicht blind Politikern und der Wirtschaft vertrauen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen”. Soweit der Originalton. Unter diesen Personen finden sich Leuchttürme ganz unterschiedlicher Provenienz wie Prof. Gerald Hüther als Neurobiologe und Gründer der “Akademie für Potenzialentfaltung” oder Peter Spiegel und Ulrich Weinberg, Gründer der WeQ Foundation und Margret Rasfeld von “Schule im Aufbruch”, um nur einige zu nennen, sowie Tausende von Coaches, die die Zeichen der Zeit erkannt und sich auf den Weg gemacht haben.

Was dabei bislang fehlt, ist eine gemeinsame Interessenvertretung, eine Lobby für die Gesundheit. Genau dieses Ziel habe ich mit meinem “Netzwerk für Spitzen-Gesundheit”. Ich gebe gerne zu, dass dieses Namensspiel nicht ganz frei ist von persönlicher Eitelkeit, jedoch ist der Name auch zugleich Programm. Nur wenn wir es schaffen, nicht nur die evolutionären Potenziale des Einzelnen zu fördern und zu entfalten, sondern die daraus erwachsenen Kräfte auch zu bündeln, wird uns der nötige Erfolg beschieden sein: eine gute Gesundheit für die Mitglieder der Gesellschaft mit enormen positiven Folgen nicht nur für die Lebensqualität des Einzelnen, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur verbesserten, internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Damit die Eigenwerbung nicht zu kurz kommt, lade ich alle an der Gesundheit Interessierten ein, sich in diesem Netzwerk einzubringen: sei es als “einfacher Follower” auf der Internetplattform meiner “Akademie für menschliche Medizin” oder als aktiver Mitarbeiter im Netzwerk – vom Forscher über den Coach und Therapeuten bis hin zu den Unternehmen, die Gesundheit bzw. gesunde Produkte herstellen, denn auch so etwas gibt es inzwischen. Ungeachtet aller Visionen bin ich dabei ein bescheidener Mensch geblieben: Sollte es uns gelingen, auch nur ein Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung für dieses Projekt zu gewinnen, so bedeutet dies rund 1 Million Menschen in eine bessere Zukunft zu geleiten! Wow! Welch eine Perspektive!

Diejenigen, die an den wissenschaftlichen Hintergründen und Zusammenhängen meiner hier gemachten Aussagen interessiert sind, finden weitere Gesundheits-Informationen in den zahlreichen YouTube Videos von mir sowie auf dem jährlich in Frankfurt stattfindenden “Kongress für menschliche Medizin”. Gänzlich unabhängig von diesem Buch und seiner Autorin, jedoch zeitlich nahezu parallel zu seiner Publikation, entspricht das diesjährige Schwerpunktthema der etwa 20 eingeladenen Experten exakt dem Anliegen dieses Buches und lautet: “Tatort Schwangerschaft – wie in den frühen Jahren der Kindheit die Krankheiten des Alters entstehen”. Weitere Einzelheiten zu diesen und den früheren Kongressen finden sich auf der Internetplattform “Kongress für menschliche Medizin”. Fühlen Sie sich eingeladen, auch wenn Sie kein Gesundheits-Profi sind! Hier finden Sie wertvolle Informationen, die sie dazu anregen werden, sich noch mehr für das Anliegen dieses Buches einzusetzen. 

Warum ich ungeachtet all der aufgelisteten Probleme unserer Gesellschaft immer noch zuversichtlich in die Zukunft schaue, verdeutlicht eine alte Weisheit, die ich als Wahlspruch für meine Akademie und meine Stiftung ausgesucht habe: 

 “Wissen und Liebe vermehren sich, wenn man sie teilt”

Prof. Dr. med. Jörg Spitz
Hochinfektiöser Gesundheitserreger
Schlangenbad im Februar 2019

Ein krankes Kind
Alles begann mit einem braunen Zahn. Genauer gesagt, mit vier braunen Zähnen.

Mitte November 2016 wurde bei unserem damals knapp sechsjährigen Sohn eine schwere Zahnschmelzstörung diagnostiziert. Im deutschsprachigen Raum wird diese Erkrankung mit dem Begriff Kreidezähne betitelt, der Fachbegriff ist Molar Incisor Hypomineralisation, kurz MIH.

In den ersten Lebensjahren ist im Körper unseres Kindes irgendetwas gravierend schiefgelaufen. Das hat dazu geführt, dass sich bei allen vier bleibenden Backenzähnen, welche um das sechste Lebensjahr durchbrechen, der Zahnschmelz im Gaumen nicht normal entwickelt hat. Die Kronen der Backenzähne sind braun oder orange verfärbt, die Schneidezähne, die auch häufig von MIH betroffen sind, weisen ebenfalls braune oder deutlich zu helle Stellen auf. Die von der Erkrankung betroffenen Zähne haben generell eine deutlich geringere Zahnschmelzdichte, sind porös und können somit sehr schnell zerbrechen. Wir selbst hatten von dieser Erkrankung bis zu dem Zeitpunkt noch nie gehört.

Die zahnärztliche Prognose traf uns hart. Bei einem Schweregrad, wie er bei unserem Sohn vorlag, war zu erwarten, dass die Zähne zeitnah komplett entfernt oder mit Stahlkappen versehen werden müssten. Die Prozeduren rund um die Behandlung sind für die betroffenen Kinder meist höchst schmerzhaft und hinterlassen auch bei Eltern oft bleibende emotionale Spuren. Die Kosten für eine langfristige Restaurierung der Zähne belaufen sich geschätzt auf zwischen 10.000 und 30.000 Euro pro Kind. Diesen finanziellen Aufwand teilen sich in der Regel die Krankenkassen und Eltern.

Die emotionale Erschütterung war, besonders bei mir als Mutter, sehr hoch. Um zu verstehen, wieso ausgerechnet unser Kind an dieser Entwicklungsstörung litt, habe ich mich in den folgenden Wochen und Monaten durch jede Menge Fachliteratur gearbeitet. Nach kurzer Zeit war klar: Diese Erkrankung des Zahnschmelzes ist relativ neu und wird in der Fachliteratur vermehrt erst seit Ende der 1990er beschrieben, dabei ist sie keineswegs selten. Es wurden weltweit in den letzten zwei Jahrzehnten etliche Studien hierzu angefertigt. Im Durchschnitt sind mittlerweile global über 14% der Kinder betroffen, in einigen westlichen Ländern und Regionen sogar zwischen 30 und über 40%. In Deutschland wurde bei der letzten bundesweiten zahnärztlichen Untersuchung in 2016 ein Befall von 28,7% der 12-Jährigen festgestellt. Das Krankheitsbild findet sich in allen Gesellschaftsschichten, dabei ist die Ausprägung unterschiedlich stark und bei jüngeren Kindern vermehrt zu beobachten.

Irgendetwas ist mit unseren Kindern weltweit passiert. Aber was? Ein gesunder Körper produziert gesunde Zähne und keinen Zahnschmelz, der im Kindesalter schon zerbröselt.

Die Suche nach Ursachen
In den vorliegenden Studien wurde nach möglichen Faktoren gesucht, die zu diesem Symptombild führen können. Untersucht wurden mögliche Auswirkungen von Antibiotika, Frühgeburt, Dioxinen aus der Muttermilch, Weichmachern, erhöhtem Krankheitsstand in den ersten Lebensjahren, genetische Ursachen, Erkrankungen der Atemwege sowie mangelnde Mundhygiene. Doch keine einzige dieser Studien führte zu einem eindeutigen Ergebnis. Irritierend war, dass praktisch all die in den Studien vermuteten Faktoren in unserem persönlichen Fall irrelevant waren. Antibiotika hatte unser Sohn nie genommen, er kam termingerecht zur Welt, Vorbelastungen in der Familie gibt es nicht, Erkrankungen der Atemwege hatte er keine und krank war er selten. Ich habe ihn die ersten zehn Monate gestillt. Zwar konnte ich Dioxine, also eine Form von chemischen Giftstoffen, nicht ganz ausschließen, allerdings klangen allein Dioxine als Auslöser für den weltweiten Anstieg von MIH recht unwahrscheinlich.

Kurios war, dass ich keine Studie finden konnte, die eine veränderte Ernährung mit der Entstehung dieses Krankheitsbildes in einen Zusammenhang zu bringen versuchte. Und das, obwohl häufig erklärt wird, dass eine vollwertige Ernährung für eine gesunde Entwicklung generell wichtig ist und sich unsere Ernährung in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Lediglich allgemeine Hinweise auf Ernährung sowie eine Studie, die einen niedrigen Vitamin D-Spiegel klar als Einflussfaktor aufwies, konnte ich ausfindig machen. Was genau Vitamin D ist und was es im Körper bewirkt, wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings selbst noch nicht.

In Gesprächen mit Eltern im Freundes- und Bekanntenkreis stellte sich schnell heraus, dass auch etliche Kinder in unserem unmittelbaren Umfeld die hier beschriebenen Symptome aufwiesen. Ein paar Rahmenbedingungen schienen bei allen Kindern gleich zu sein: Sie wurden früh fremdbetreut, die Kinder waren schlechte oder wählerische Esser, beide Eltern waren berufstätig und Essen war zu Hause eine Nebensächlichkeit. All diese Bedingungen waren auch bei uns gegeben. Folgende Vermutung lag also nahe: Vielleicht hatte die Erkrankung etwas mit der Ernährung unserer Kinder zu tun, besonders in den ersten Lebensjahren.

Ein Vergleich mit dem, was es bei mir in der Kindheit bis Anfang der 1980er zu essen gab, und dem, was wir oder die Kita unserem Sohn als Nahrungsmittel angeboten hatten, machte mich stutzig. Ich wurde 1975 geboren. In den ersten Jahren meiner Kindheit gab es Sauerteigbrot mit Butter und Käse, selten Marmelade. Mittags gab es viele Eintöpfe und Suppen, Kartoffeln, Gerichte mit Eiern, Sonntagsbraten mit frischem Gemüse, Leber mit Zwiebelringen und Apfelmus, frischen oder geräucherten Fisch. Salat mit Kürbis- oder Sonnenblumenkernen. Kräuter aus dem Garten gab es häufig, ebenso wie Naturjoghurt oder Quark und Obst als Nachtisch. Absolute Ausnahmen waren Süßigkeiten, Nutella war verboten. Eis gab es nur in den Sommerferien und salzige Knabberartikel oder industriell hergestellte Kekse waren bei uns ein Fremdwort. Zu trinken gab es Wasser oder Kräutertee, Softgetränke waren höchst verpönt. Meine Mutter erstellte Wochen-Essenspläne und es wurde jeden Tag frisch gekocht. Wir waren schlank, sportlich und selten krank.

35 Jahre später wurde unser Sohn ab dem ersten Geburtstag in einer Kita betreut. Dort gab es Tortellini in Sahnesoße, Gyros mit Kraut und Joghurt-Soße, Suppe mit Wienerwürstchen, Speck und Baguette, Currywurst mit Pommes und Gemüse-Knabberteller, Milchreis und Schokopudding. Beim organisierten Frühstück wurden Brötchen vom Bäcker präsentiert, Aufschnitt aus Plastikverpackungen, Marmelade und Butter oder Margarine vom Discounter, etwas Gurke, Apfel, Möhre, manchmal abgepacktes Müsli. Im Spätdienst gab es Knäckebrot mit Marmelade, Zwieback, Kekse aus der Tüte, oder frisches Obst- und Gemüse. Für Geburtstage und Festivitäten wurden immer reichlich Kuchen, Waffeln und Muffins, Süßigkeiten, Säfte und etwas Salziges zum Knabbern mitgebracht. 

Wir haben uns an diesen Vorgaben orientiert und uns zu Hause ganz ähnlich ernährt. Wir waren der Überzeugung, dass unsere Kinder in der Kita über die warme Mittagsmahlzeit den Großteil von dem, was sie zum Wachsen brauchten, bekamen. Entsprechend haben wir abends nicht gekocht, sondern mit Brot, Joghurt, Käse, etwas Gemüse oder Milchreis und Pfannkuchen, improvisiert. Frisch gekocht haben wir für uns und unsere Kinder nur am Wochenende. Bei Freunden und Bekannten sah die Ernährung ganz ähnlich aus.

Der Unterschied zu der Ernährung, mit der ich noch aufwuchs, war also groß. Was dieser Unterschied für unsere Kinder bedeutet, war mir zunächst nicht klar. Es wurde jedoch immer deutlicher, dass die Krankheit unseres Sohnes irgendetwas mit fehlenden Nährstoffen zu tun haben könnte.

Schnell hatte ich mir ein paar Bücher gekauft, in denen Nährstoffe und ihre Funktion erklärt wurden. Der Titel eines der ersten Bücher in meinem neuen Ernährungsliteratursortiment lautete “Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente” von Heinz Knieriemen (2014). Für jedes wichtige Vitamin und jeden Mineralstoff wird auf wenigen Seiten erklärt, was sie im Körper bewirken und wie sich Mangelerscheinungen äußern. Am Ende von jedem Abschnitt wird darüber hinaus erläutert, in welchen Lebensmitteln sich die entsprechenden Nährstoffe vornehmlich befinden. Nirgendwo wurden unter dieser Sektion Nudeln, Brot, Wurst oder Milchreis gelistet. Auch das hat mich stutzig gemacht. Ebenso fiel mir schnell auf, dass die dort beschriebenen Mangelerscheinungen zu lauter Krankheitsbildern (so genannten “Zivilisationserkrankungen”) passten, die wir häufig in der Bevölkerung sehen.

Viele kranke Kinder
In den ersten Wochen meiner Recherche wurde zudem offensichtlich, dass Kinder in meinem Umfeld nicht nur gestörten Zahnschmelz aufwiesen. Auch sonst sahen viele nicht ganz gesund aus. Aus Neugier habe ich dann für diverse Krankheitsbilder die Statistiken herausgesucht. Dabei ergab sich ein erschreckendes Bild. In meiner eigenen Kindheit kannte ich nur sehr wenige Kinder, die solche Krankheitsbilder aufwiesen. Einige der folgenden Erkrankungen kannte ich gar nicht.

Insgesamt haben wir in Deutschland knapp über 13 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. An folgenden Krankheiten und Symptomen leidet aktuell unsere Jugend (Die Quellenangaben zu den folgenden Informationen finden sich am Ende dieser Einleitung):

Störungen des Immunsystems und der Hormonsteuerung:

  • 20% bzw. 2,6 Millionen der Kinder sind übergewichtig
  • 10% bzw. 1,3 Million Kinder haben eine Fettleber
  • 15% bzw. knapp 2 Millionen Kinder leiden unter Neurodermitis
  • 50% bzw. 6,5 Millionen der Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen
  • 10% bzw. 1,3 Millionen der Kinder haben Asthma
  • 4% bzw. 520.000 der Kinder haben regelmäßig Migräne
  • 1% bzw. 130.000 der Kinder und Jugendlichen haben Krebs
  • 10% bzw. 1,3 Million der Kinder haben Heuschnupfen
  • mehr als 0,2% bzw. 30.000 Kinder und Jugendliche haben Diabetes Typ 1
  • Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

  • bis zu 50% bzw. 6,5 Millionen Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten bei der Einschulung
  • bei ca. 25% bzw. über 3 Millionen Kindern besteht ein Verdacht auf eine Essstörung bzw. liegt eine bestätigte Essstörung vor
  • 4% bzw. 500.000 der Kinder haben ADHS
  • 2 bis 4% bzw. bis zu 520.000 Kinder sind Legastheniker
  • Eine rapide wachsende Zahl unserer Kinder gilt als nicht mehr beschulbar und gewalttätig
  • Der festgestellte sozial-emotionale Förderbedarf steigt rasant in allen Bundesländern

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen:

  • 30% bzw. 3,9 Millionen der Kinder haben angeborene Zahnfehlstellungen
  • 60% bzw. 7,8 Millionen der Kinder werden kiefernorthopädisch behandelt
  • 28% der 12-Jährigen bzw. 3,5 Millionen aler Kinder leiden an der Zahnschmelzstörung MIH/Kreidezähne
  • 15% bzw. 2 Millionen der Kleinkinder weisen Karies auf
  • 8% bzw. ca. 1 Million der Kinder haben Hörschäden
  • Kurzsichtigkeit bei Kindern steigt rapide an
  • zahlreiche Kinder leiden unter Skoliose (schiefer Rücken)

In der Summe sind also geschätzt irgendwas über 80% der Kinder in Deutschland in einem oder mehreren der beschriebenen Symptombilder auffällig, belastet oder gestört. Tendenz in allen Bereichen steigend. Zudem lässt sich beobachten, dass sich die Krankheitsbilder mit zunehmendem Alter häufen und verschlechtern.
Viele von unseren Kindern sind also nicht gesund. Die Statistiken sprechen für sich und stammen aus glaubwürdigen Quellen. Außerdem gilt: Man muss sich nur die Kinder im öffentlichen Raum genauer ansehen. In Freizeitparks und Indoor-Spielplätzen, in öffentlichen Schwimmbädern, in Kitas und Schulen, in Innenstädten – überall fallen Kinder auf, die deutlich zu dick sind, sich auffällig verhalten und bei denen Zähne, Haut und Haare alles andere als gesund aussehen. Diese Symptome passen alle zu den beschriebenen Mangelerscheinungen aus dem Buch von Heinz Knieriemen. Irgendetwas stimmt hier also nicht!

Behörden und Ärzte: Wenig Interesse und keine Antworten
Dann tauchte die Frage auf: Wer ist denn eigentlich in Deutschland für die Ernährung und die Qualität unserer Lebensmittel zuständig? In erster Linie ist es das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). In einem Anfall von Aktionismus und, aus heutiger Sicht, einer großen Portion Naivität, habe ich dieses Ministerium kontaktiert. Ich glaubte, dass dem Ministerium vielleicht nicht aufgefallen war, dass unsere Kinder so krank sind, und dass dieser Zustand möglicherweise etwas mit unserer veränderten Ernährung zu tun haben könnte. Frau Dr. Anke Oepping, Referatsleiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kitas und Schulen (NQZ), schien die richtige Ansprechpartnerin zu sein. Meinen ausführlichen Bericht über die Krankheit MIH, globale Statistiken rund um weitere Krankheitsbilder, einen Vergleich von unseren Essgewohnheiten “früher und heute”, sowie mein formulierter Verdacht, dass es sich hier um eine Mangelerscheinung handeln könnte, wurde höflich beantwortet. Eine Frau Maier schrieb mir im Auftrag am 6.12.2016, wie sie mit Interesse meine Ausführungen gelesen habe und dass sie diese Informationen an die relevanten Personen intern im Ministerium weiterleiten würde. Ferner erklärte mir Frau Maier Folgendes:

“Das Bundesministerium orientiert sich bei seinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung bei Kindern an denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Informationen zu den Aktivitäten des BMEL hinsichtlich der gesunden Ernährung bei Kindern finden Sie auf dem Online-Portal IN FORM sowie auf der Homepage des BMEL: Gesunde Ernährung – Kita und Schule.”

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) war mir nur ganz vage ein Begriff. Das Portal IN FORM kannte ich gar nicht. Ich arbeitete mich also Schritt für Schritt durch deren Webseiten. Auch dort wurden die gleichen Lebensmittel angepriesen, die es in der Kita und auch bei uns zu Hause zu essen gab: viel Brot, Nudeln, mäßig Wurst, etwas Süßzeug, Obst und Gemüse. Sätze wie “Nimm 5“ stammen von der DGE. Diese Aussage kannte ich. In dem Buch von Herrn Knieriemen und auch anderen Büchern über Nährstoffe wurden diese Lebensmittel allerdings selten als relevante Quellen für Nährstoffe genannt. Dafür wurden Lebensmittel wie Schweineleber, Sesam, Austern, Bierhefe, Parmesan, Hagebutten, Sanddorn oder Lebertran aufgeführt. Auf den Seiten von IN FORM konnte ich diese Lebensmittel nicht finden.

Daraufhin kontaktierte ich Sonja Fahmy und Dr. Helmut Oberritter, indem ich ihnen meine Rechercheergebnisse sendete. Frau Fahmy ist für den Bereich Kitas und Schulen bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zuständig und Herr Dr. Oberritter ist Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Von Frau Fahmy bekam ich am 16.12.2016 eine höfliche Email zurück. Auszüge daraus lesen sich so:

“Was die Verpflegung in Kitas und Schulen betrifft, so gibt es seit fast 10 Jahren für beide Lebenswelten den DGE-Qualitätsstandard. Er definiert genau, wie eine ausgewogene Verpflegung sein sollte. Gleichzeitig stehen aber auch die individuellen Bedürfnisse der Kitas und Schulen im Vordergrund. Nur indem dies berücksichtigt wird, besteht die Chance, dass die Empfehlungen umgesetzt werden. Dies bedeutet z. B., wir empfehlen entsprechende Portionen an Gemüse und Obst, sagen aber nicht im Detail, welches Gemüse es sein muss.
Mittlerweile ist der DGE-Qualitätsstandard als Basiswerk bundesweit bei Essensanbietern, Schulen, Kitas und Trägern anerkannt. Gerne können Sie sich von den Inhalten Überzeugen. Bestellen Sie den DGE-Qualitätsstandard kostenfrei unter www.dge-medienservice.de.”

Die DGE hat also seit 2005 Qualitätsstandards in allen öffentlichen Bereichen eingeführt. Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung, darunter insbesondere unsere Kinder, dicker und kränker geworden. Zufall?

Im Zuge meiner Untersuchungen habe ich ebenfalls all die Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum, die ihre Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Zahnschmelzstörung MIH veröffentlicht haben, und die ich ausfindig machen konnte, kontaktiert. Auch diesen Experten und dieser Expertin habe ich meine Unterlagen gesendet und eine Zusammenarbeit angeboten: Mein Mann und ich waren bereit, die Auswirkungen einer konsequenten Ernährungsumstellung auf die Zahngesundheit unseres Sohnes dokumentieren zu lassen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren. Konkret habe ich zwischen dem 25.11.2016 und 8.12.2016 folgende Personen kontaktiert:

  • Prof. Dr. Norbert Krämer: Kinderzahnheilkunde, Universitätsklinikum Gießen
  • Prof. Dr. Ulrich Schiffner: Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZMK) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Prof. Dr. Jan Kühnisch: Kinderzahnheilkunde, Klinikum der Universität München (LMU)
  • Prof. Dr. Katrin Bekes: Universitätszahnklinik medizinische Universität Wien

Keine einzige dieser Personen hat auf meine Kontaktaufnahme oder Informationen reagiert. Auch das hat mich stutzig gemacht. Wenn eine epidemieartige Gesundheitsstörung über unsere Kinder einbricht, würde man doch denken, dass unsere führenden Wissenschaftler/in jede Möglichkeit ausschöpfen, um Lösungen zu finden?

Die Antworten vom BMEL und der DGE haben mich nicht beruhigt; ebenso wenig das Schweigen der Wissenschaftler/in. Vielleicht wäre die BEVK, die Bundeselternvertretung für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege in Berlin, an einem Dialog interessiert? Sämtliche Unterlagen habe ich daraufhin an Herrn Norman Heise, seit September 2016 Geschäftsführer der BEVK, weitergeleitet. Herr Heise schien an meinen Ausführungen interessiert zu sein und nach einigem Hin und Her zog er die Expertise einer erfahrenen Zahnärztin sowie Leiterin des zahnmedizinischen Dienstes eines Berliner Bezirks hinzu. Von dieser Zahnärztin wiederum bekam ich ein 2-seitiges Schreiben, welches auf diverse meiner Recherchen und Annahmen Bezug nahm. Fünf Aussagen stachen aus dem Schreiben heraus:

    • “Die Entstehungszeit (Mineralisation der 6 Jahresmolaren und Ober- und Unterkieferzähne) liegt um die Geburt herum. Das heißt Schwangerschaft letztes Drittel – Geburt – Babyzeit bis max. 8 Monate, würde ich sagen. Dieser Fakt ist wissenschaftlich weltweit untersucht und ich denke unumstößlich.”
    • “Gesunde Ernährung ist schon sehr wichtig! Die Ernährung in den 80ziger Jahren war anders als heute.”
    • “In der Nahrung ist heute so viel drin – wo man nicht sagen kann, welchen Einfluss Enzyme, Geschmacksstoffe, Farbstoffe u. a. auf unsere Entwicklung haben”
    • “Heute gibt es weit mehr Interessenkonflikte, besonders in der Landwirtschaft.”
    • “Die Politik und Wissenschaft sollten etwas tun – jetzt – und nicht warten, bis der Verbreitungsgrad weiter steigt. Die Folgen sind nicht lapidar – es entstehen große Probleme für Kinder und Eltern.”

Diese Aussagen waren für mich nicht plausibel: Dass bleibende Zähne schon vor oder kurz nach der Geburt im Körper geformt werden, klang für mich wenig logisch, ebenso wenig, dass wir nicht klar benennen können, welche Auswirkungen einzelne Zusatzstoffe in unserer Nahrungskette auf die Gesundheit haben. Offensichtlich war für mich auch nicht, wie Interessenkonflikte in der Landwirtschaft möglicherweise unsere Nahrung verändert haben oder was genau eigentlich unsere Politik und Wissenschaft machen, um uns zu schützen.

Die Suche nach Antworten
Mit diesen Aussagen und Fragestellungen habe ich mich intensiv auseinandergesetzt. Was sich in über zwei Jahren Recherche herauskristallisiert hat, ist Folgendes:

  1. Es existiert ein komplexes System von Entwicklungen, die unsere gesamte Nahrungskette negativ beeinflussen. Der Niedergang unserer lebensnotwendigen Versorgung schadet besonders Kindern in der kritischen Phase des Wachstums.
  2. Die verantwortlichen gesellschaftlichen Akteure in der Politik, der Wissenschaft und im medizinischen Sektor unterstützen diese negative Entwicklung aktiv, weil sie in eine wirtschaftliche Abhängigkeit geraten sind und/oder die Auswirkungen ihres Handelns in einem globalisierten Marktumfeld nicht verstehen.

Mein Ziel ist es, Ihnen als Leser bzw. Leserin zu ermöglichen, genau diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Lösungsansätze zur Schaffung der notwendigen Bedingungen für eine wirklich gesunde Entwicklung Ihrer Familien schildere ich am Ende des Buches. Folgende Schwerpunkte habe ich herausgearbeitet:

  1. NAHRUNG UND GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet?
  2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus.
  3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung MIH.
  4. NEUE ZUTATEN: Was wird uns von der Industrie ins Essen gemischt und was bewirken diese Zutaten in unserem Körper?
  5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme der DGE und des BMEL.
  6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht.
  7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme.
  8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen.
  9. DIE AKTEURE IM MARKT: Der private Sektor und die öffentliche Hand. 
  10. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen erobern die Welt. 
  11. Praktische Umsetzungen: Politiker/innen und Krankenkassen in die Pflicht nehmen, selbst aktiv werden. 
  12. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungsmöglichkeiten.

Alles, was ich hier zusammengetragen habe, stützt sich auf öffentlich und frei zugängliche Informationen oder persönliche Erfahrungen. Die Quellenangaben der jeweiligen Abschnitte sind immer direkt hinterlegt. Dort finden sich weiterführende Informationen und Hintergründe.

Bei genauer Betrachtung stellte sich für mich heraus, dass wir ein globales System geschaffen haben, welches uns, und besonders unseren Kindern, schwer schadet. Für all diese Kinder habe ich dieses Buch geschrieben.

Zu meiner Person
Ich bin keine ausgebildete Ernährungsexpertin. Bis Ende 2016 hatte ich generell wenig Ahnung von Nährstoffen. Ich hatte kein Verständnis davon, was unser Essen in unserem Körper bewirkt. Welche biochemischen Prozesse einzelne Nährstoffe in unserem Organismus auslösen, war mir unbekannt. Diese Zusammenhänge habe ich weder in meiner Schullaufbahn noch im Studium gelernt. Ich bin auch keine Agrarwissenschaftlerin. In den ersten 40 Jahren meines Lebens habe ich fast nichts darüber gelernt, wie wir unsere Lebensmittel produzieren und verarbeiten. Aber ich kann lesen und mich schnell in neue Inhalte einarbeiten.

Wovon ich Ahnung habe, ist Wirtschaft. Ich habe selbst zehn Jahre in leitender Funktion in Frankfurt und London in zwei Investment-Banken gearbeitet. Seit 2009 arbeite ich international mit Personen im oberen Management von DAX und FTSE Konzernen zusammen. Ich unterstütze diese Unternehmenslenker/innen darin, wie sie umsichtiger mit ihren Mitarbeitern umgehen, wie sie Konflikte lösen und Zukunftsvisionen klar und verständlich kommunizieren.

Ich habe viele Jahre im Ausland gelebt: in den USA, in Chile, Ecuador und Großbritannien. In all den Jahren konnte ich beobachten, wie sich die Lebensumstände in all diesen Ländern rasant verändert haben; insbesondere die Art und Weise, wie sich Menschen ernähren. In meinem Werdegang habe ich ebenfalls gelernt, dass viele Menschen nicht immer so agieren, wie sie eigentlich wollen. Sie arbeiten eingebettet in Glaubens- und Sachzwänge, die sie oft dazu verleiten, Dinge zu tun, die nicht gut sind, weder für sie selbst noch für andere.

Ebenfalls habe ich gelernt, dass – wenn es um viel Geld geht – auch Entscheidungen getroffen werden, die der Allgemeinheit schaden. Was diese komplexen Dynamiken aber mit unserem Essen und der Gesundheit unserer Kinder zu tun haben, das wusste ich nicht. 

Als Anmerkung vorab: Ich habe in diesem Buch überall dort, wo beide Geschlechter angesprochen werden, meist nur die männliche Form verwendet. Ich tue das aus zwei Gründen: Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass die sprachlichen Regeln des Gender-Mainstreamings die Lesbarkeit eines Buches deutlich stören. Ebenso gilt: Meine Kommentare in Bezug auf berufliche Personengruppen sind meist kritischer Natur – ich benenne Fehlverhalten der obersten Entscheidungsträger. Genau diese Entscheidungsträger sind überwiegend Männer. Frauen sprachlich in diesem Zusammenhang “gleichzustellen”, würde in vielerlei Hinsicht die Realität verzerren. 

Ulrike von Aufschnaiter 

Bremen, im April 2019

 

Quellen und weitere Informationen zu den Krankheitszahlen unserer Kinder

Störungen des Immunsystems und Hormonsteuerung

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH

Wie eingangs erklärt, war der Auslöser für meine Nachforschungen die Diagnose der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH bei unserem Sohn. Es handelt sich bei dieser Störung um ein Phänomen, das im öffentlichen Diskurs als wenig erforscht und verstanden dargestellt wird. Da diese Erkrankung eine Betroffenheitsquote von ca. 30% der deutschen Kinder aufweist, möchte ich in diesem Kapitel genauer auf das Krankheitsbild und mögliche Ursachen eingehen. Für die folgenden Seiten lauten meine zentralen Thesen:

  1. Es braucht mehrere Rahmenbedingungen, die für einen gesunden Zahnaufbau gegeben sein müssen: die richtigen Nährstoffe, ein gesundes Maß an Bewegung, Sonne und positiven Stress. Alle vier sind Grundvoraussetzungen der für den Zahnaufbau notwendigen Stoffwechselprozesse.
  2. Die Notwendigkeit der Einhaltung sowie die negativen Konsequenzen einer Nichteinhaltung dieser Rahmenbedingungen sind wissenschaftlich belegt.
  3. Die notwendigen Rahmenbedingungen sind oft nicht gegeben.
  4. Das Wissen über diese Grundlagen wird der Bevölkerung nicht systematisch vermittelt.
  5. Eine Störung des Zahnschmelzes ist somit aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Eine Bestandsaufnahme

Was genau sind Kreidezähne und welche Aspekte sind über dieses Krankheitsbild bekannt? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe die verfügbaren Informationen zusammengetragen.

  • MIH ist eine Störung des Zahnschmelzes primär der bleibenden Zähne.
  • Besonders betroffen sind die 6-Jahres-Molaren und Schneidezähne der bleibenden Zähne, wobei sich diese Störung mittlerweile wohl auch verstärkt auf angrenzende Zähne ausweitet.
  • MIH tritt ebenfalls an Milchzähnen auf und wurde in der Literatur bereits vor ca. 10 Jahren beschrieben, zum Beispiel in der unter den Quellenangaben am Ende dieser Sektion aufgeführten Studie: “Schmelzbildungsstörungen – Fallbericht einer generalisierten Schmelzbildungsstörung in der 1. Dentition”.
  • Bei MIH ist meistens nur der Zahnschmelz, nicht aber das Dentin oder der Wurzelzement beschädigt. Die Krone ist meist normal ausgebildet, “lediglich” der Zahnschmelz ist in der Art und Weise, wie er mineralisiert wurde, gestört.
  • Da die Dichte des Zahnschmelzes der betroffenen Zähne nur ca. 10% eines gesunden Zahnschmelzes aufweist, besteht eine deutlich höhere Anfälligkeit für Karies und Zerfall der Zähne.
  • Kinder mit MIH im Alter von 9 Jahren müssen sich 10-mal häufiger einer zahnärztlichen Behandlung ihrer 6-Jahres-Molaren unterziehen als Kinder ohne MIH. Es wird sogar eine 11-mal höhere Wahrscheinlichkeit einer zahnärztlichen Therapie aufgezeigt (siehe Knapp und Nies 2009).
  • Bei Einbruch des Zahnschmelzes sind umfängliche Restaurierungsarbeiten bis zur Überkronung mit Stahlkappen notwendig. Die Prozeduren sind sowohl für die Patienten als auch für die Eltern oft schmerzvolle und traumatische Erlebnisse.
  • Die Kosten für die notwendigen und oft lebenslangen Restaurationsarbeiten an den Zähnen tragen zu großen Teilen die Patienten bzw. Eltern. Nach der Diagnose von MIH ist eine Zusatzzahnversicherung, die Folgekosten dieser Erkrankung einschließt, meist nicht mehr möglich. Die Kosten für eine wertige Restaurierung der Zähne bewegen sich über die Lebensspanne der Patienten wahrscheinlich irgendwo zwischen 10.000 und 30.000 Euro.
  • Die Prävalenz in Deutschland lag 2016 laut der “Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie” bei 28,7% der 12 jährigen Kinder. Bei dieser Studie handelt es sich um eine repräsentative Studie, die in 90 Städten und Gemeinden durchgeführt wurden.
  • Die weltweite Prävalenz liegt bei bis über 40% der untersuchten Kinder, gemessen in Stichproben in der Bevölkerung Australiens, Schwedens, Indiens, Brasiliens und Großbritanniens. Die Tendenz ist überall steigend.
  • Das Erkrankungsbild wurde in den Jahren bis ca. 1980 nicht oder nur sehr vereinzelt beobachtet. In den Fachpublikationen wurde allerdings die Frage gestellt, ob eine allgemein schlechtere Zahngesundheit und Karies in früheren Jahren eine mögliche MIH überdeckt haben.
  • Die Ausprägung der Zahnschmelzstörung variiert und wird verschiedentlich in drei Schweregrade unterteilt:
      • milde Defekte – farbliche Veränderungen
      • mäßige/moderate Defekte – isolierte Schmelzverluste
      • schwere Defekte – Schmelzverluste mit betroffenen Dentinanteilen

Mögliche Ursachen von MIH/Kreidezähnen

Global wurde in den letzten zwei Jahrzehnten verstärkt nach möglichen Ursachen für diese Erkrankung geforscht. So werden im April 2017 alleine bei einer Suche über “Google Scholar” 2650 Ergebnisse zum Thema MIH angezeigt. Unter Google Search wiederum finden sich 11 400 Treffer zu dem Thema Molar Incisor Hypomineralisation. Es wurde versucht, folgende Faktoren mit MIH zu korrelieren:

  1. Komplikationen während der Geburt, möglicherweise Sauerstoffmangel
  2. Frühgeburten
  3. Erkrankungen im Kindesalter wie Fieber, Magen-Darm-Infekte
  4. Antibiotika
  5. genetische Veranlagung
  6. Lungenerkrankungen/Asthma
  7. schlechte Mundhygiene im Milchzahngebiss
  8. Stillverhalten der Mütter/Dioxine in der Muttermilch
  9. Weichmacher wie BPA durch Plastiksauger/Babyflaschen

In keiner Studie konnte einer der aufgeführten Faktoren eindeutig als Auslöser der Erkrankung identifiziert werden.

Mögliche Korrelationen mit einer Ernährung ohne ausreichende Vitalstoffe, eine Belastung durch Strahlungen (zum Beispiel Mikro- oder Radiowellen) oder Chemikalien sowie giftige Substanzen (ausgelöst durch Kunststoffe, Spielzeug oder Zahnfüllungen) wurden meiner Kenntnis nach nicht speziell erforscht. Eine Erklärung, warum diese Aspekte nicht untersucht wurden, konnte ich nicht finden.

Eine detailreiche Aufstellung der unterschiedlichen Studien und ihrer jeweiligen nicht aussagekräftigen Ergebnisse bis 2009 erfolgt in einer Studie von Silke Knapp und Verena Mies von 2009. In dieser Studie wird Mangelernährung als mögliche Ursache zwar erwähnt, ich konnte aber keine Folgestudien finden, die sich dieser Thematik annahmen.

Lediglich Hinweise auf eine mögliche Relevanz von Schwankungen im Calciumphosphat-Spiegel in den ersten vier Lebensjahren habe ich in einzelnen Studien gefunden. Zum Beispiel in der Studie “Molar-Incisor-Hypomineralization”, Verena Knapp, Silke Marie Nies 2009. In dieser Studie wird erklärt:

“Möglicherweise haben häufige Erkrankungen in den ersten 4 Lebensjahren einen Einfluss auf die Entstehung von Hypomineralisierungen der bleibenden Zähne. Dabei spielen insbesondere Erkrankungen, die mit Schwankungen des Kalziumphosphat-Spiegels einhergehen, wie Mangelernährungszustände, Durchfallerkrankungen und Fieberzustände eine Rolle und wirken sich auf die Schmelzbildung aus.”

Kreidezähne und Vitamin D: Wichtige Erkenntnisse werden nicht verbreitet

Untersuchungen zu fehlenden Nährstoffen im Zusammenhang mit MIH/Kreidezähnen konnte ich nicht finden. Dafür habe ich eine Studie gefunden, welche die Rolle von Vitamin D im Krankheitsbild MIH betrachtet.

Die 10 Jahresstudie “Elevated serum 25(OH)-vitamin D levels are negatively correlated with molar-incisor hypomineralization” wurde in München an der LMU unter der Leitung von Prof Dr. med. dent. Jan Kühnisch erstellt und 2015 veröffentlicht.

Diese Studie belegt, dass Kinder, die einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel aufwiesen, deutlich häufiger durch MIH geschädigte Zähne hatten. Ebenso zeigten die Forschungsergebnisse, dass die untersuchten Kinder mit einem höheren Vitamin-D-Spiegel generell auch deutlich seltener an Karies litten. Man sollte also annehmen, dass diese wissenschaftlich belegten Ergebnisse dazu führen, dass ein Vitamin-D-Mangel zumindest als möglicher Auslöser oder als Co-Faktor für diese Erkrankung der Zähne in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ebenso könnte man denken, dass diese Erkenntnisse dazu führen, dass bei Kindern, bei denen MIH oder auch starke Karies diagnostiziert wurde, der Vitamin-D-Spiegel untersucht und ggf. korrigiert wird. Das aber passiert anscheinend nicht. Im Gegenteil. In keinem weiteren der öffentlich zugänglichen Berichte und Artikel wurde das Ergebnis, dass Vitamin D relevant für die Zahngesundheit, besonders bei MIH, sein könnte, erwähnt.

In Bezug auf die Studie selbst ist weiterhin Folgendes kurios: Nirgendwo wird aufgeführt, in welcher Höhe genau sich denn nun der Vitamin-D-Spiegel der betroffenen Kinder bewegt: Bei unter 5, 10, 20 oder 30 ng/ml? Es wird von einer gesundheitsfördernden Anhebung des Spiegels geschrieben, aber nicht erklärt, von wo nach wo korrigiert werden soll. Die Differenz des gemessenen Spiegels im Vergleich zu einem wissenschaftlich belegten gesunden Spiegel von 30ng/ml wird nicht erwähnt. Diese Information wäre ja durchaus relevant, damit Kinder- oder Zahnärzte den Vitamin-D-Spiegel ihrer Patienten und Patientinnen entsprechend korrigieren könnten.

Ebenfalls kurios ist, dass in der Studie nicht parallel die Blutwerte bezüglich des Calcium- und Phosphatgehalts der Probanden gemessen wurden. Dass diese drei Bausteine – Vitamin D, Calcium und Phosphat – für einen gesunden Knochen- und Zahnstoffwechsel essenziell sind, ist ja schließlich seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Über die Stoffwechselprozesse und den Auf- und Abbau von Knochen- und Zahnsubstanz informiert zum Beispiel die Studie “Demineralization–remineralization dynamics in teeth and bone”. Diese Studie bezieht sich auf 234 internationale Studien rund um diese physiologisch und wissenschaftlich erforschten Prozesse.

Anmerkung: Prof. Dr. med. dent. Jan Kühnisch war einer der Experten, die ich Anfang Dezember 2016 mit der Aussage kontaktiert habe, dass es sich bei MIH vielleicht um ein Krankheitsbild handelt, welches durch Fehl- oder Mangelernährung ausgelöst wird. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Quellen und weitere Informationen “Was ist Molar Incisor Hypomineralisation (MIH): Eine Bestandsaufnahme”

Die Entstehung von bleibenden Zähnen 

Um herauszufinden, in welchem Stadium eine Schädigung des Zahnschmelzes überhaupt stattfinden kann, sollte zuerst geklärt werden, wie und wann die Zähne denn eigentlich aufgebaut werden. Das Wissen um diesen Prozess ist umfänglich, wenngleich an manchen Stellen lückenhaft. Ebenfalls ist bekannt, wie die Zähne vor und nach dem Durchbruch mit Hilfe von Blut und Speichel mit Mineralstoffen versorgt werden.

Entwicklungsstadien

Die Entwicklung der Zähne ist ein hochkomplexer Prozess, der auch noch nicht abschließend verstanden wird. Zum Beispiel ist noch unklar, durch welchen Impuls sich die Zähne im Kiefer anordnen und auf welchen Grundlagen sie in ihrer jeweiligen Funktion ausgebildet werden, oder was genau den Mineralisierungsprozess auslöst.

Gut erforscht ist, dass sich die Entstehung der Zähne in unterschiedliche Stadien gliedert, die zeitlich versetzt sind: das Knospen-, das Kappen-, das Glocken- und das Kronenstadium. Der jeweilige Wurzelzement wird zeitlich deutlich später ausgebildet.

Dentin und Zahnschmelz werden im Kronenstadium, also dem letzten Stadium, final ausgebildet. Über eine komplexe Anordnung von Kristallen und verschiedene Einlagerungsprozesse von Mineralien (Calcium/Phosphat/Fluor) wird der Zahnschmelz gebildet. Dieser Prozess vollzieht sich in Phasen – der Zahnschmelz wird ähnlich wie ein Baum in Ringen bzw. Lagen aufgebaut. In der ersten Phase sind die Zähne lediglich zu 30% mineralisiert – es folgen komplexe Prozesse der Umstrukturierung und weitere Mineralisierungsprozesse. Die finale Ausreifung der Zähne passiert nach Durchbruch im Mundraum über die Anreicherung von Mineralstoffen aus dem Speichel. Die Ausbildung der Zahnhartsubstanz findet bei den 6-Jahres-Molaren und den Schneidezähnen zwischen dem ca. 2. und 7. Lebensjahr statt.

Manche Zahnärzte und Zahnärztinnen erklären, dass die Entstehungszeit der 6-Jahres-Molaren, also der bleibenden Backen- und Schneidezähnen, vor der Geburt beginnt und bis zum Ende des ersten Lebensjahrs abgeschlossen ist. Diese Aussage bekam ich auch von der eingangs erwähnten Amtsärztin aus Berlin; sie entspricht allerdings nicht unserem heutigen Wissensstand.

Intuitiv kommt selbst ein medizinischer Laie recht schnell zu der Erkenntnis, dass diese oft verbreitete Aussage nicht stimmen kann. Dazu muss man sich lediglich die durchaus beachtliche Größe von ausgewachsenen Backen- und Schneidezähne vorstellen und dann überlegen, wie genau diese wohl in den noch sehr kleinen Kopf und Gaumen eines Säuglings passen sollen? Dieser eklatante Platzmangel wird noch offensichtlicher, wenn man bedenkt, dass das Milchgebiss bei Säuglingen überhaupt erst Ende des ersten Lebensjahres fertig ausgebildet ist. Der nötige Raum für den strukturellen Aufbau von bleibenden Zähnen ist somit erst ab ca. Ende des ersten Lebensjahrs gegeben. Hinzu kommt, dass die Zahnschmelzschädigung MIH selbst meist nur den Zahnschmelz betrifft, und der wiederum wird in einem besonders späten Stadium des Zahnwuchses final ausgebildet.

Mit all diesen Erkenntnissen kann man die Zeitspanne einer möglichen Schädigung und somit Entstehung von MIH recht genau eingrenzen: Sie wird sich auf den Zeitraum ab Ende des 1. Lebensjahres bis kurz nach dem Durchbruch der Zähne belaufen.

Essenzielle Nährstoffe für gesunde Zähne

Der Auf- und Abbau von Zähnen ist ein lebenslanger Prozess. Zähne mineralisieren sich in unterschiedlichen Teilen über den Speichel und das Blut. Inwieweit sich Zähne auch in der Struktur wieder aufbauen können, ist umstritten. Der bereits erwähnte Wissenschaftler Weston Price beschreibt in den 1930 Jahren in seinem Buch “Nutrition and Physical Degenration – A comparison of primative and modern diets and their effects” umfänglich, und mit vielen Foto-Dokumentationen, wie sich bei verschiedenen Naturvölkern der Zahnschmelz nach starkem Abrieb wieder aufgebaut hat. Dieser Prozess scheint aber von der heutigen Schulmedizin nicht dokumentiert oder bestätigt zu werden.

Wissenschaftlich belegt ist Folgendes: Um Knochen und Zähne aufzubauen und zu mineralisieren, braucht es einen hohen Vitamin D Blutspiegel (ideal +30ng/ml), insbesondere die richtigen Mengen und Verhältnisse von Calcium, Phosphat, Magnesium sowie Vitamin K und ggf. noch diverse andere Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren. Im Detail bedeutet eine adäquate Versorgung für Kinder Folgendes:

  1. Vitamin D: Zur körpereigenen Produktion von Vitamin D muss ein Kind regelmäßig der Sonne bei hohem Sonnenstand, mit unbedeckter Haut und ohne Sonnencreme, ausgesetzt sein. Im Winter und bei niedrigem Sonnenstand wird für gesunde Kleinkinder eine wöchentliche Zufuhr von der DGE empfohlen, die folgenden Lebensmitteln entspricht: 140 Gramm geräuchertem Aal oder 840 Gramm Lachs oder 3,5 Kilogramm Ei. Alternativ kann man pro Woche 14 Gramm Lebertran verabreichen oder eine entsprechende Vitamintablette schlucken.
  2. Calcium: Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für Kinder von 1-4 Jahren findet sich in folgenden Lebensmitteln: 0,5 Gramm Eierschalen, 45g Parmesankäse, 50g Mohnsamen, 80g Gouda oder Emmentaler (45% Fett), 90g Brennnessel, 220g Mandeln, 400g Gurke, 500 ml Milch, 800g Banane oder zum Beispiel 2,9kg Vollkornbrot, 3,5kg Vollkornnudeln.
  3. Phosphat ist in Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten, Nüssen, Eiern, Milchprodukten und Getreide enthalten. Einen Überschuss an natürlichem Phosphat scheidet der Körper wieder aus. Künstliches Phosphat, welches von der Lebensmittelindustrie als Stabilisator, Säureregulator, Rieselhilfsmittel, Dickungs-, Gelier- und Bindemittel, zur Konservierung sowie als Geschmacksverstärker eingesetzt wird, kann der Körper nicht richtig ausscheiden. Bei Konsum von industriell hergestellten Lebensmitteln bildet sich somit schnell ein Phosphat-Überschuss, der den Aufbau von Zähnen stören kann.
  4. Magnesium findet sich primär in Hülsenfrüchten, Nüssen und vollem Getreide sowie in Mineralwasser. Die Aufnahme von Magnesium, ebenso wie von Phosphat, wird durch einen hohen Gehalt an Phytinsäure, welche sich in den Schalen dieser Lebensmittel befindet, behindert. Durch Einweichen oder Fermentieren wird die Konzentration von Phytinsäure verringert. Die DGE empfiehlt für gesunde Kinder, ohne Stress oder jegliche Krankheiten, für die ersten 1 bis 4 Jahre 80mg pro Tag. Dies entspricht ca. 50g Nüssen, 55g Hafer, 60g Linsen, 70g Spinat, 300g Weißbrot oder 10 Liter Bremer Trinkwasser.
  5. Vitamin K: Dieses Vitamin ist nur in Obst und Gemüse vorhanden. Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für gesunde Kleinkinder findet sich in 1 Gramm Liebstöckel, 3 Gramm Brennnessel oder Löwenzahn, 10 Gramm Brokkoli, Rosenkohl oder Schnittlauch, 40 Gramm Olivenöl, 400 Gramm Apfelsine. Eine gesunde Darmflora kann allerdings auch Vitamin K selbst herstellen.

Sind diese Konditionen nicht gegeben, ist eine Störung wie Kreidezähne/MIH aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Wenn zusätzlich Störfaktoren den Organismus in der Aufnahme und bei Stoffwechselprozessen behindern, ist eine Erkrankung der Zähne zu erwarten. Zu diesen Störfaktoren gehören Salz, Zucker, Antibiotika, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Aluminium und einiges mehr. Auf die Wirkung dieser Substanzen im Körper gehe ich im nächsten Kapitel “NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?” ausführlich ein.

Die Versorgung der Zähne: Blut und Speichel

Vor ihrem Durchbruch durch das Zahnfleisch werden Zähne über die Stoffwechselprozesse des umliegenden Gewebes bzw. über das Blut mit Mineralstoffen angereichert. Nach dem Durchbruch der Zähne übernimmt der Speichel die Funktion der Mineralisierung.

Vereinfacht: Speichel ist vergleichbar mit Blut, aus dem die roten Blutkörper herausgefiltert wurden. Der Speichel übernimmt entsprechend eine ähnliche Versorgung des Mundraumes wie Blut für den Rest des Körpers. Der Speichel spielt eine entscheidende Rolle in der Zahngesundheit: Er schützt die Zähne, indem er Säuren im Mundraum neutralisiert, und er mineralisiert die Zähne durch die Zufuhr von Calcium, Kalium, Phosphat und Fluor das ganze Leben lang.

Der Speichelfluss kommt nachts praktisch komplett zum Erliegen. Aus genau diesem Grund können sich Bakterien im Mund während des Schlafens ungehindert vermehren und führen dann morgens oft zu einem etwas unangenehmen Geschmack im Mund, und der Atem riecht unvorteilhaft. Der Speichelfluss kommt aber mit der ersten Nahrungsaufnahme wieder in Gang und erfüllt dann wieder seine Aufgaben im Mundraum: Anreicherung der Zähne mit Mineralstoffen, Abtötung und Abtransport von Bakterien sowie Herstellung eines ausgewogenen PH-Werts im Mundraum.

Speichel selbst wird wiederum von drei großen und etlichen kleinen Mundspeicheldrüsen produziert. Wenn diese Drüsen entzündet sind, wird der Speichelfluss gestört. Das wiederum beeinträchtigt die Mineralisierung der Zähne. Zu den Risikofaktoren einer Speicheldrüsenentzündung – der häufigsten Erkrankung der Speicheldrüsen – gehört eine verminderte Speichelproduktion. Die Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Speicheldrüsen auswirken, sind Medikamente, Diabetes, Eiweißmangel, Vitaminmangel oder Hormonstörungen. All diese Faktoren können zu einer Schwellung dieser Drüsen und in Folge zu einer Störung des Speichelflusses führen.

Für gesunde Zähne, ebenso wie für eine gesunde Leber, einen gesunden Darm oder gesunde Nieren, ist also entscheidend, dass unsere Stoffwechselprozesse im Körper richtig funktionieren. Und nur wenn diese Grundbedingung erfüllt ist, können unser Blut bzw. unser Speichel mit den notwendigen Nährstoffen angereichert werden und unsere unterschiedlichen Körperteile – inklusive unserer Zähne – versorgen.

Somit gilt: Das normale Vorgehen von schulmedizinisch ausgebildeten Zahnärzten, sich nur den Mundraum anzuschauen und häufiges Zähneputzen anzuraten, führt nicht automatisch zu Zahngesundheit.

Quellen und weitere Informationen zu ” Die Entstehung von bleibenden Zähnen”

MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung

Dass es sich bei MIH grundsätzlich um eine Stoffwechselstörung handelt, die durch falsche oder fehlende Nährstoffe verursacht wird und nicht, wie oft in der Öffentlichkeit suggeriert wird, in erster Linie durch Weichmacher oder unerklärbare toxische Substanzen, legt eine in 2008 veröffentlichte Studie nahe. Die Zeitschrift European Archives of Pediatric Dentistry publizierte die Studie: “Nothing new under the heavens: MIH in the past?”

Dort erklären die Autoren Ogden, Pinhasi, und White den Zusammenhang zwischen einem Mangel an den für den Zahnaufbau relevanten Nährstoffen in der entsprechenden Wachstumsphase und MIH anhand historischer Skelettfunde. In dieser Studie wird gezeigt, wie anhand detaillierter Zahnanalysen von 41 untersuchten Skeletten und 557 untersuchten Zähnen aus dem 17. und 18. Jh. aus einem Londoner Friedhof MIH nachgewiesen wurde. Neben den Untersuchungen der Zähne wurden ebenfalls etliche weitere Studien mit Erkenntnissen rund um die Zusammenhänge von Nährstoffmangel und Zahnfehlbildung hinzugezogen. Ein Großteil dieser Studien ist bereits 20 und mehr Jahre alt.

Urbane Zentren: Mangelernährung

In dem Zusammenhang dieser Erkenntnisse sollte man Folgendes wissen: London war bereits 1650 eine der dichtest besiedelten Regionen der Welt. Über 500.000 Menschen tummelten sich auf engstem Raum und die Bevölkerung wuchs bis 1815 auf über 1,4 Millionen Menschen an. Die Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln war mangelhaft und Krankheiten und Seuchen schwächten weite Teile der Bevölkerung. Ab 1750 nahm die Industrialisierung, besonders in London, Geschwindigkeit auf, und mit ihr hielt eine rapide Verschlechterung der Luftqualität Einzug.

Die untersuchten Skelette stammten also von Menschen, die auch schon in jungen Jahren mit einer hohen Luftverschmutzung, wenig Sonne und Bewegung im Freien zu kämpfen hatten. Für weite Teile dieser Bevölkerung war die Versorgung mit grünem Gemüse und somit den Mineralstoffen Calcium, Magnesium und Phosphat, ungenügend. Die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gesunde Entwicklung von Zähnen waren nicht gegeben.

Was es zu dem Zeitpunkt nicht gab, waren Weichmacher aus Plastikmaterialien oder andere synthetische Giftstoffe. Und auch, wenn diese Substanzen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht förderlich für einen gesunden Zahnaufbau sind, scheiden sie aufgrund dieser Studie als hauptsächliche Ursache für MIH aus. Diese Studie macht ebenfalls deutlich, dass es sich bei MIH um kein neues Symptombild handelt. Kreidezähne sind das Resultat einer Entwicklungsstörung, unter der Menschen unter bestimmten Gegebenheiten auch schon in der Vergangenheit litten.

Quellen und weitere Informationen zu “Kreidezähne/MIH: Ein wissenschaftlicher Beleg für Mangel und Fehlernährung”

  • Quelle: European Archives of Paediatric Dentistry December 2008, Volume 9, Issue 4, pp 166–171|Cite as “Nothing new under the heavens: MIH in the past?” by A. R. Ogden (Biological Anthropology Research Centre (BARC), Archaeological Sciences University of BradfordBradford England) Pinhasi (Archaeology University of CorkIreland) W. J. White (Centre for Human Bioarchaeology Museum of London, London England) Zusammenfassung Studie: Introduction: Bouts of malnutrition, disease and fever are known to depress the activity of the enamel-forming ameloblasts and to result in the formation of a thin and poorly calcified enamel matrix, with the formation of linearly distributed pits or grooves of defective enamel. Dental enamel hypoplasia (DEH) has therefore long been used as a non-specific indicator of systemic physiological stress during early life [Goodman and Rose, 1990; Gautelli-Steinberg et al., 1999]. Once formed, enamel is not remodelled during life and every individual’s enamel is a record of the first 8 or 9 years of their life when their crowns are formed [Smith, 1991; Skinner and Goodman, 1992; Hillson and Bond, 1997].” Results: Of the total number of individuals 41 (93.2%) showed signs of enamel developmental dysplasia or MIH, 28 of them showing moderate or severe lesions of molars, primary or permanent (63.6% of the sample). Incisors and canines, though surviving much less often, showed episodes of linear hypoplasia. Conclusion: The extensive lesions seen on many of the molars displayed cuspal enamel hypoplasia (CEH). Many of these teeth also exhibited Molar Incisal Hypomineralisation (MIH).”  https://link.springer.com/article/10.1007/BF03262632

Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum?

Für gesunde Zähne sind folgende “Zutaten” notwendig:

  1. Alle relevanten Nährstoffe: Bei einem gesunden Körper gibt es einen ständigen Prozess des Auf- und Abbaus von Mineralstoffen in Zähnen. Damit diese für den Zahnerhalt wichtigen Stoffwechselprozesse richtig funktionieren, muss die Nahrung aus hochwertigen Rohstoffen bestehen und eine angemessene Konzentration von Nährstoffen, besonders von denen, die für den Zahnaufbau notwendig sind, aufweisen.
  2. Keine/wenige Giftstoffe: Nahrung sollte keine bis wenige Substanzen enthalten, die unsere Darmflora und Leber schädigen, sonst funktionieren die notwendigen Stoffwechselprozesse nicht. Dazu gehören zum Beispiel viele Medikamente, Zucker, Nitrat, Salz, Aluminium und Pestizide.
  3. Bewegung und Sonne: Zusätzlich braucht der Körper ausreichend Bewegung und Sonne (bzw. Fisch), um die Versorgung mit Vitamin D – der Grundvoraussetzung für eine korrekte Einlagerung von Calcium und Phosphat in den Zähnen – zu gewährleisten.

Kinder brauchen also, besonders in den ersten Lebensjahren, Nahrungsmittel, die diese aufgeführten Nährstoffe beinhalten: Hülsenfrüchte, Kräuter, Eier, volles Getreide, viel grünes Gemüse, Samen und Nüsse. Die meisten Kinder bekommen aber von diesen Lebensmitteln offenbar zu wenig. Dafür bekommen sie Nahrung mit wenig Vitaminen und Mineralstoffen und Zutaten, welche die Darmflora, Leber und etliche weitere Organe und Stoffwechselprozesse stören: Wurst, Nudeln, Frischkäse, Kekse, Eis, Milchpulver, Süßigkeiten und salzige Knabberartikel.

Hinzu kommt, dass sich unsere Kinder oft nur eingeschränkt bewegen und in der Sonne – wenn überhaupt – nur unter Einwirkung von Sonnenschutzmitteln spielen dürfen. Häufiger Stress in Form von Lärmbelästigung, Krankheiten, Unruhe in externen Betreuungsmodellen sowie eine familiäre Überlastung stehen ebenfalls schon für Säuglinge und Kleinkinder auf der Tagesordnung. All diese oft dauerhaften Stresssituationen bedeuten eine zusätzliche Belastung für den wachsenden Organismus.

Wenn man sich dieses Gesamtbild anschaut, ist eine Störung der Zahnschmelzstruktur, ebenso wie etliche weitere Erkrankungen, wahrlich keine Überraschung.