Leseprobe

Ausschnitte aus dem Buch

Mockups Design

VORWORT / 13

EINLEITUNG: Warum dieses Buch? / 19

1. NAHRUNG UND  GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet? / 29
Unsere Nahrung: Basiswissen / 34
Die Bausteine unserer Nahrung: Ein kurzer Überblick / 36
Historisch gewachsenes Wissen / 45
Erhalt und Verluste von Nährstoffen / 45
Gesunde Ernährung: Man muss genau hinschauen / 51
Essenzielle Nährstoffe: Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren – Worin sind sie enthalten? / 52
Zwischenstand: Was braucht der Körper, um gesund zu sein? / 69
Die richtige Ernährung: Mikro- versus Makronährstoffe / 70
Essen muss gelernt sein / 71
Altes Wissen neu entdeckt / 72

2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus / 75
Stoffwechsel / 75
Das Immunsystem / 77
Der Darm / 80
Die Leber / 86
Die Nieren / 90
Stress / 93
Bewegung / 97
Vitamin D / 99
Fazit: Worüber sollten wir aufgeklärt werden? / 108

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH / 109
Eine Bestandsaufnahme / 109
Die Entstehung von bleibenden Zähnen / 113
MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung / 116
Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum? / 118

4. NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum? / 119
Pflanzenschutzmittel / 119
Antibiotika und Hormone in der Massentierhaltung /  125
Zusatzstoffe allgemein / 129
Zucker / 133
Salz (Natrium) / 138
Phosphat / 142
Nitrat, Nitrit und Nitriosamine / 145
Glutamat / 149
Aluminium / 152
Zusammenfassung: Was ist gefährlich für unsere Gesundheit? / 155

5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme von DGE und BMEL / 156
Schwachstellen im Detail / 158
Zusammenfassung: Was lernen unsere Kinder über Ernährung in Kitas und Schulen und was lernen sie nicht? / 172

6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht / 175
Ein durchschnittlicher Tagesplan für Kita-Kinder / 177
Menüplan einer lokalen Ganztagsgrundschule / 179
Systematische Mangelernährung in öffentlichen Einrichtungen / 180
Mangel- und Fehlernährung mit der DGE: Nichts Neues / 181

7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme / 183
Anweisungen, die unser Leben veränderten / 183
Die neue Produktwelt: Süßigkeiten, Knabberzeug und Convenience / 188
Was erklären Ärzte, Krankenkassen, Behörden und Medien? / 190
Fazit: Beeinflussung auf allen Ebenen / 196

8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen / 198
Ein Überblick: Zivilisationskrankheiten, Wachstumsraten und Profiteure / 198
1. Diabetes / 198
2. Fettleibigkeit / 200
3. Krebs / 201
4. Psychische Erkrankungen: Trends / 203
5. Sinkende Belastbarkeit der arbeitenden Bevölkerung / 205
6. Sinkende Fruchtbarkeit von Menschen / 207
Trends: Verändertes Ernährungsverhalten und mangelhafte Ernährungsbildung / 209
Das Schulfach Gesundheit: Fehlanzeige / 210
Verantwortung der Bundesregierung: Fehlanzeige / 211
Schutz für Kinder: Fehlanzeige / 212
Das globale Bild / 214
Fazit: Eine gesellschaftliche Abwärtsspirale. Weltweit. / 217

9. DIE AKTEURE IM MARKT: Die Privatwirtschaft / 219
Die Agrarindustrie / 220
Minderwertige Nahrung und hohe Rendite / 223
Das Zusammenspiel vom Bauernverband, der Wirtschaft und der Politik / 233
Ausblick für die Zukunft / 240
Fazit: Eine Verschlechterung der Grundnahrungsmittel. Weltweit. /  245

Die Lebensmittelindustrie / 246
Ein Blick hinter die Kulissen / 246
Das Beispiel Nestlé – der weltweit größte Lebensmittelkonzern / 251
Eroberung der Welt: Die Mechanismen / 254
Wieder das Beispiel Nestlé: Ein neues Geschäftsmodell musste her / 262
Es wird noch viel schlimmer, wenn wir nichts tun! / 270
Fazit: Mächtige Konzerne und gefährliche Produkte / 273

Das Gesundheitswesen / 274
Ein Blick hinter die Kulissen / 274
Vitamin D: Ein Hype oder eine große Gefahr fürs Geschäft? / 284
Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten / 294
Profitable Geschäftsfelder: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfen, mangelnde Zahngesundheit und neuronale Störungen / 300
Die Rolle der Medien und Wissenschaft / 320
Unsere Beiträge und Lebenserwartung / 330
Das internationale Bild / 334
Die Rechtslage: Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen / 336
Fazit: Manipulation auf allen Ebenen. Weltweit. / 337

Die Investoren und Finanzindustrie / 342
Die unbekannte Macht im Hintergrund / 347
Und wieder das Beispiel Nestlé / 351
Persönlichkeitsstörungen unserer Mächtigen / 354
Fazit: Kapitalmacht und kranke Menschen – eine toxische Gefahr für die Welt. / 356

10. DIE AKTEURE IM MARKT: Die öffentliche Hand / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) / 357
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Hintergründe und Aufgaben / 357
Die einzelnen Akteure der DGE / 361
Fazit: Fehlinformationen und fragwürdige Verbindungen auf allen Ebenen / 372

Die Bundesministerien BMEL und BMG / 374
Hintergründe: Aufgaben, Struktur und finanzielle Mittel / 374
1. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / 376
2. Bundeszentrale für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / 377
3. Nationaler Aktionsplan IN FORM / 379
4. Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (BEP) / 381
5. Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA) / 383
6. Robert Koch-Institut / 388
7. Bundesamt für Risikobewertung (BfR) / 391
Fazit: BMG und BMEL: Eine Gefahr für unsere Gesundheit / 397

Einzelne Politiker / 398
Verstrickungen mit der Wirtschaft / 398
Zugang zum Bundestag / 402

EU und globale Organisationen / 404
1. Das International Life Sciences Institute (ILSA) / 404
2. Codex Alimentarius (CA) / 404
3. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL/EFSA) / 406
4. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) / 412
Fazit: Ein weltweites Drama / 416

Die Bundesregierung: Teil des Problems und nicht Teil der Lösung / 417
Ahnungslose Politiker / 420
Gesunde Nahrung: Die größte Gefahr für unseren materiellen Wohlstand / 422
Das globale Weltwirtschaftsmodell in Gefahr / 423
Fazit: Eine Regierungskoalition in der Sackgasse / 426

11. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen / 429
Weisheiten erobern die Welt / 430
Sichtbarer Wandel / 431
Als Erstes gilt: Hürden überwinden! / 438

12. PRAKTISCHE UMSETZUNG: Verantwortliche einbinden / 441
1. Die Bundesregierung in die Pflicht nehmen / 441
2. Krankenkassen in die Pflicht nehmen / 445
3. Landespolitiker in die Pflicht nehmen / 448
4. Selbst aktiv werden / 454
5. Schulfach “Gesundheit” einfordern / 455
6. Unterstützer mobilisieren / 459
Fazit: Wir brauchen Veränderungen. Jetzt! / 461

13. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungen / 462
Neue Ernährungsregeln und deren Umsetzung / 462
Umstellung unserer Ernährung / 469
Umstellungen im Haushalt / 472
Auswirkungen auf unsere Gesundheit / 480

DANKSAGUNGEN / 483

Die Umstände, die zur Entstehung dieses Buches geführt haben, sind mehr als ungewöhnlich: Die Sorgen einer Mutter wegen eines kranken Backenzahnes ihres Kindes führen über viele beachtliche Stationen letztendlich zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Weltwirtschaft! Wow, wer hätte das gedacht, dass ein Kinderzahn solch eine Karriere macht!

Auch wenn sicherlich etliche Nörgler einzelne Punkte des Buches bekritteln werden, so möchte ich das gezeichnete Bild insgesamt doch voll unterstützen: Ausgehend von einer ganz anderen Position bin ich zu vergleichbaren Erkenntnissen gekommen. Nach mehr als 50 Jahren Tätigkeit in unserem so genannten Gesundheitssystem (das zwischenzeitlich allerdings zum “Kranken-System” mutiert ist), und in dem ich alle Stufen durchlaufen habe (vom Hilfspfleger bis zum Professor, Chefarzt und Unternehmer als Gründer des ersten medizinischen Versorgungszentrums an einem Großklinikum in Deutschland), hat mich das Universum – oder wer auch immer an den Rädern der Geschichte dreht – aus diesem Umfeld herausgeholt. Dies geschah – wie auch in zahlreichen anderen Fällen – im Rahmen einer Existenzkrise. Doch dies ist nun rund 15 Jahre her und ich habe inzwischen einen neuen Weg für mich gefunden.

Ich könnte nun stundenlang aus dem Nähkästchen plaudern und noch seitenweise über “Storys aus dem System” berichten. Aber zum einen ist es nicht die Sache eines Vorwortes, die Autorin des Buches mit zusätzlichen “Fachinformationen rechts zu überholen”. Zum anderen gibt es zahlreiche Dokumentationen und Personen, die die von Frau von Aufschnaiter berichteten Sachverhalte und die Kritik an der Gesellschaft bestätigen – und dies nicht erst seit gestern! Allerdings kann ich mir den Hinweis auf ein weiteres, aktuelles Beispiel nicht verkneifen: Vor wenigen Monaten wurde der international hoch geachtete Leiter des dänischen Cochraine Institutes, Prof. Peter Gøtzsche, seines Amtes enthoben und verlor zusätzlich seine Position als Chefarzt am Rigshospitalet in Kopenhagen. Damit hat es vier Jahre gedauert, bis die offensichtlich sorgfältig eingefädelte Reaktion auf sein Buch “Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert” brutale Wirklichkeit wurde.

Vielleicht auch noch ein kleiner Rückblick, der aufzeigt, dass die Problematik nicht so ganz neu ist. Bereits im Jahr 1983 erschien das Buch “Der tödliche Fortschritt: Von der Zerstörung der Erde und des Menschen im Erbe des Christentums” geschrieben von einem Vertreter eben dieses Christentums, dem Pastor Eugen Drewerman. Er macht seinem weltweit als mächtiger Konzern agierenden Unternehmen Kirche die gleichen Vorwürfe wie die Autorin dieses Buches heute den “Größen der Weltwirtschaft”. Auch die Auswirkungen sind durchaus vergleichbar: Ausnutzung und Missbrauch der Menschen – unter dem Deckmantel der Menschlichkeit und Fürsorge, bis hin zum sexuellen Missbrauch der anvertrauten Kinder (und Erwachsenen)! Ein wesentlich gravierenderer “Kollateralschaden” als ein kranker Backenzahn bei dem Kind der Autorin infolge der Umtriebe der Lebensmittelindustrie! Dies ungeachtet der Tatsache, dass beides, körperliche und seelische Unversehrtheit unserer Kinder, unverzichtbare Forderungen an die Gesellschaft darstellen. Ich werde später noch einmal auf das Thema Kindergesundheit zurückkommen.

Vielmehr möchte ich dieses Vorwort nutzen, um den bereits weit gespannten Bogen von Frau von Aufschnaiter noch etwas zu erweitern und auf einen Zusammenhang verweisen, der das allgemeine Bewusstsein noch nicht erreicht hat: die Bedeutung der Umwelt für alle Lebewesen und damit auch für den Menschen. Wir leben nämlich nicht zufällig in dieser (irdischen) Umwelt, die wir seit einigen Jahrhunderten immer intensiver zerstören. Dabei ist allerdings die Sorge vor katastrophalen Unwettern und feuchten Füßen für einige Bewohner sowie dürre Steppen für andere eine schon fast müßige Diskussion angesichts der bereits eingetretenen, weltweiten Gesundheitskatastrophe, um die es in diesem Buch geht.

Was wir nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass wir von dieser Umwelt leben und ein Bestandteil von ihr sind, sozusagen eine vorübergehende Ansammlung von Biomasse dieser Erde, die in jedem Lebewesen ein nichtlineares, selbst organisierendes, selbst regenerierendes und selbst reproduzierendes System verwirklicht, welches in konstantem Austausch und damit in direkter Abhängigkeit von und mit seiner Umwelt existiert. Hat das einzelne Lebewesen seinen Auftrag (Fortführung der Evolution) erfüllt, kehren seine Bestandteile zu dieser Biomasse zurück. So einfach und doch so genial ist dieses Konzept der Natur – das mit und ohne göttlichen Hintergrund seit Milliarden von Jahren hervorragend funktioniert.

Dabei ist kürzlich erst deutlich geworden, dass die von der Autorin zitierten vielfältigen Mikronährstoffe nicht nur für unsere (gesunde) Ernährung von Bedeutung, sondern vielmehr Steuerungsfaktoren der Erbsubstanz (Gene) unseres Systems sind, ohne die das System nicht richtig funktionieren kann. Andere (physikalische) Steuerungsfaktoren aus unserer Umwelt sind z. B. die Schwerkraft, das Magnetfeld und die Strahlung der Sonne. Hinzu kommen chemische Voraussetzungen wie Sauerstoff und Wasser. Von den zuletzt zitierten Faktoren ist bekannt, dass ein Fehlen in der Umwelt tödlich ist: Nach drei Minuten ohne Sauerstoff stellt das Gehirn seine Funktion ein und nach drei Tagen ohne Wasser gibt das gesamte System seinen Löffel ab.

Ein Mangel an zahlreichen anderen Faktoren führt indes nicht sofort zur Katastrophe. Vielmehr “humpelt” das System zunächst, d. h. einzelne Organsysteme werden durch den Mangel in ihrer Funktion etwas beeinträchtigt. Allerdings ist der Körper lange Zeit in der Lage, diese Beeinträchtigungen zu kompensieren – so lange, bis das System es aufgrund der ständig zunehmenden Defizite nicht mehr schafft und dann dekompensiert. Die Symptome dieser Dekompensation werden von der zeitgenössischen Medizin als Krankheiten diagnostiziert und (vergeblich) behandelt: wie z. B. kranke Zähne, Demenz oder Krebs, um nur einige Vertreter zu nennen.

Zu diesen “Hard Facts” als Problemauslöser der Systemsteuerung kommen noch als “Soft Facts” zahlreiche Sozialfaktoren. Denn auch unser Sozialsystem hat sich gegenüber der evolutionären Realität vor mehreren Millionen Jahren dramatisch verändert. Aus dem einstmaligen “homo sapiens”, der Krone der Schöpfung, wurde der “Konsum-Sklave” der Zivilisation, der von Menschen geschaffenen Ersatzwelt. Um dies zu verstehen, müssen wir nochmals zurück in die Evolution schauen, jedoch nicht die Evolution der Arten, sondern des einzelnen Menschen. Diese Entwicklung läuft wie bei der Evolution der Arten von der einzelnen Zelle (die seinerzeit im Urmeer herumschwabbelte) bis zum fertigen Individuum der verschiedenen Spezies, immer in direkter Abhängigkeit von der Umwelt.

Bei den Säugetieren, zu denen auch der Mensch gehört, ist diese Umwelt, in der sich das Leben entwickelt, nicht mehr irgendein Teil der Natur, sondern der Körper der Eltern und das “Drama des Gesundheitsverlustes” beginnt bereits bei der Entwicklung der Keimzellen, die das neue Leben einmal bilden sollen. Denn auch diese Keimzellen sind – wie alle Lebewesen – von ihrer Umwelt abhängig. Und diese Umwelt ist der Körper von Mann und Frau. Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch für die sogenannten Stammzellen, mit denen uns die Evolution ausgestattet hat.

Ist der Körper nun in einer top Verfassung, bildet er eine top Umwelt für die Keimzellen, die sich korrekt entwickeln können. Fehlt es dem Körper an natürlichen Ressourcen, kann er diese Aufgabe nicht leisten. Der seit Jahren aktenkundige Rückgang der Spermienzahl und -qualität ist eine eindrucksvolle Dokumentation dieses Prinzips. Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, also einem neuen Lebewesen, welches sich in Abhängigkeit von seiner Umwelt selbst organisiert, gilt der gleiche Grundsatz: Ist der Körper der Mutter in einer top-Verfassung, kommt es zu einer top-Entwicklung des Kindes. Bietet der Körper der Frau jedoch nicht die erforderlichen Ressourcen, geht das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes “in die Hosen”, d. h. es erfolgt eine Fehlgeburt. Meist wird das Kind jedoch ausgetragen, d. h. die Natur kann auch hier vieles kompensieren – allerdings nicht ohne Qualitätsverluste.

Was dann (unter Umständen als Frühgeburt oder auch zum Termin) erscheint, sieht aus wie ein normales Kind, ist es aber zum Teil nicht mehr, da das sich entwickelnde System infolge fehlender Ressourcen oder durch den Einfluss von Schadstoffen seine evolutionären Potenziale nicht voll entfalten konnte. Die älteren Leser werden sich sicherlich an die Contergan Affäre erinnern: Hier hat eine einzige Schlaftablette in der Schwangerschaft zum Verlust von Armen und/oder Beinen des Kindes geführt.

Solche schweren Missbildungen (wie z.B. auch die bekannte Spina bifida) sind zum Glück selten. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob ein infolge eines Mangels an Omega 3-Fettsäuren nicht voll ausgereiftes kindliches Gehirn als “Glücksfall” bezeichnet werden kann. Das gleiche gilt für ein gestörtes Immunsystem infolge eines Vitamin D Mangels der Mutter. Bereits nach der Geburt kommt es hier zu Milchschorf und im weiteren Verlauf zu einem erhöhten Risiko für Asthma, Rheuma und Multiple Sklerose. Dass dieser Mangel an Vitamin D mehr als 80 % aller Mütter in Deutschland betrifft, ist zwar aktenkundig, stört die Verantwortlichen dieser Gesellschaft jedoch offensichtlich nicht.

Die so geschädigten Kinder werden durch die Umwelt/Lebenswelt, in die sie geboren werden, weiter geschädigt: von der falschen Ernährung mit Fast Food über die fehlende Bewegung und den Vitamin-D-Mangel bis hin zur zunehmenden Exposition mit Schadfaktoren wie Pestiziden, Konservierungsmitteln, Luftverschmutzung und Elektrosmog (vom Babyphone zum Smartphone!), um nur einige Punkte zu nennen. Die daraus resultierenden Schäden des Systems hindern es in den meisten Fällen jedoch (noch) nicht daran, sich zu reproduzieren. Sollte dieser Fall doch eintreten, wie sich zunehmend zeigt, steht die Reproduktionsmedizin bereit, und das nunmehr entstehende Kind ist noch mehr belastet als seine Eltern. Als Konsequenz finden sich nicht nur “unerklärliche” Gefäßveränderungen bei Kindern aus der künstlichen Befruchtung, sondern auch ein deutlich früheres Auftreten chronischer Erkrankungen, die einst dem Alter zugeordnet wurden. So finden sich inzwischen Fälle von “Altersdiabetes” mit zwölf Jahren und Herzinfarkte im Alter von 20 Jahren. Ich habe diesen Teufelskreis bereits vor zehn Jahren in meinem ersten Buch “Vitamin D – das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention” beschrieben, und habe den Eindruck, dass sich dieses Rad immer schneller dreht.

Doch damit nicht genug: Nach neun Monaten wird das Kind aus dem Uterus der Mutter in den sozialen Uterus, die Lebenswelt der Familie entlassen. Fehlen in dieser ersten sozialen Umwelt des Kindes die nötigen (sozialen) Ressourcen, kommt es im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung ebenfalls zu gravierenden Störungen. Der Fachausdruck dafür lautet Narzissmus, der sich in zwei unterschiedlichen Extremen ausprägen kann: Die einen landen als Clochard unter den Brücken oder als Insasse in einem Gefängnis, die anderen ziehen sich einen ehernen Panzer an und machen Karriere. Ein aktuelles Beispiel ist der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten.

Bedauerlicherweise nimmt auch diese Entwicklung zusätzliche Fahrt auf – unabhängig von der Entwicklung der Patchworkfamilien: Offensichtlich stimuliert von der Wirtschaft, der qualifizierte Arbeitskräfte fehlen und die gerne die in Deutschland überwiegend gut ausgebildeten jungen Frauen hinter dem Kochtopf hervorholen möchte, hat die Bundesregierung verkündet, dass jede Frau das Recht hat, ihre Persönlichkeit (durch Berufstätigkeit) zu entfalten. Damit die Kinder nun nicht unversorgt zurückbleiben, errichtet die Regierung bundesweit Kindertagesstätten und verspricht jeder Mutter einen Platz für ihr Kind. Was die Regierung nicht verspricht, was jedoch fatal ist, ist die ausreichende und qualifizierte personelle Besetzung dieser Kindertagesstätten. Dies überlässt sie den ohnehin überschuldeten Gemeinden.

Die Folgen waren vorherzusehen und finden sich nunmehr in den Tageszeitungen: Personalmangel in den Kindertagesstätten. Was dort nicht steht, jedoch bereits wissenschaftlich aufgearbeitet wurde, ist die Tatsache, dass Kinder in einer Kindertagesstätte, die nicht mit adäquatem Personal ausgestattet ist, abends einen Spiegel des Stresshormons haben, der die Dimensionen eines Burnout-Managers erreicht! Damit ist vorprogrammiert, dass diese Kinder zu seelischen Krüppeln werden – auch wenn sie nicht von geistlichen Würdenträgern missbraucht werden. Auch Herr Trump ist nicht als “enfant terrible” auf diese Welt gekommen, sondern in seiner Kindheit von “seinem sozialen Uterus” dazu gemacht worden. Egal wo und wie diese Schädigung unserer Kinder geschieht, es ist unwahrscheinlich, dass die Verantwortlichen dafür geradezustehen haben, wie die Geschichte lehrt.

So wie im Buch konsequent dargelegt, stellt sich nun die Frage: Was können wir, was kann der Einzelne tun, wenn die gesamte Gesellschaft auf Abwegen ist? Auch hier stimme ich mit den Ausführungen der Autorin weitestgehend überein: Von “oben” haben wir wenig zu erwarten. Anstatt jedoch in depressive Untätigkeit zu versinken, gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und sich selbst an die Arbeit zu machen. Umfangreiche und konkrete Möglichkeiten dazu finden sich in den letzten Kapiteln des Buches. Allerdings ist klar, dass die Reichweite solcher persönlichen Aktionen meist sehr begrenzt ist, es sei denn, wir erinnern uns an die Möglichkeiten der Symbiose, das Grundprinzip der Evolution. Konkret bedeutet dies eine Graswurzelbewegung zu starten, in die die Ambitionen und die Aktivitäten des Einzelnen münden: Vereint sind auch die (vermeintlich) Schwachen stark.

Die Chancen für solch eine Graswurzelbewegung stehen gut, denn die Autorin hat zu Recht darauf verwiesen, dass sich quer durch die Gesellschaft hindurch etwas tut: “Überall gibt es Menschen, die sich für unsere Kinder und deren Zukunft stark machen. Menschen die Verantwortung wieder in ihre eigenen Hände nehmen und nicht blind Politikern und der Wirtschaft vertrauen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen”. Soweit der Originalton. Unter diesen Personen finden sich Leuchttürme ganz unterschiedlicher Provenienz wie Prof. Gerald Hüther als Neurobiologe und Gründer der “Akademie für Potenzialentfaltung” oder Peter Spiegel und Ulrich Weinberg, Gründer der WeQ Foundation und Margret Rasfeld von “Schule im Aufbruch”, um nur einige zu nennen, sowie Tausende von Coaches, die die Zeichen der Zeit erkannt und sich auf den Weg gemacht haben.

Was dabei bislang fehlt, ist eine gemeinsame Interessenvertretung, eine Lobby für die Gesundheit. Genau dieses Ziel habe ich mit meinem “Netzwerk für Spitzen-Gesundheit”. Ich gebe gerne zu, dass dieses Namensspiel nicht ganz frei ist von persönlicher Eitelkeit, jedoch ist der Name auch zugleich Programm. Nur wenn wir es schaffen, nicht nur die evolutionären Potenziale des Einzelnen zu fördern und zu entfalten, sondern die daraus erwachsenen Kräfte auch zu bündeln, wird uns der nötige Erfolg beschieden sein: eine gute Gesundheit für die Mitglieder der Gesellschaft mit enormen positiven Folgen nicht nur für die Lebensqualität des Einzelnen, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur verbesserten, internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Damit die Eigenwerbung nicht zu kurz kommt, lade ich alle an der Gesundheit Interessierten ein, sich in diesem Netzwerk einzubringen: sei es als “einfacher Follower” auf der Internetplattform meiner “Akademie für menschliche Medizin” oder als aktiver Mitarbeiter im Netzwerk – vom Forscher über den Coach und Therapeuten bis hin zu den Unternehmen, die Gesundheit bzw. gesunde Produkte herstellen, denn auch so etwas gibt es inzwischen. Ungeachtet aller Visionen bin ich dabei ein bescheidener Mensch geblieben: Sollte es uns gelingen, auch nur ein Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung für dieses Projekt zu gewinnen, so bedeutet dies rund 1 Million Menschen in eine bessere Zukunft zu geleiten! Wow! Welch eine Perspektive!

Diejenigen, die an den wissenschaftlichen Hintergründen und Zusammenhängen meiner hier gemachten Aussagen interessiert sind, finden weitere Gesundheits-Informationen in den zahlreichen YouTube Videos von mir sowie auf dem jährlich in Frankfurt stattfindenden “Kongress für menschliche Medizin”. Gänzlich unabhängig von diesem Buch und seiner Autorin, jedoch zeitlich nahezu parallel zu seiner Publikation, entspricht das diesjährige Schwerpunktthema der etwa 20 eingeladenen Experten exakt dem Anliegen dieses Buches und lautet: “Tatort Schwangerschaft – wie in den frühen Jahren der Kindheit die Krankheiten des Alters entstehen”. Weitere Einzelheiten zu diesen und den früheren Kongressen finden sich auf der Internetplattform “Kongress für menschliche Medizin”. Fühlen Sie sich eingeladen, auch wenn Sie kein Gesundheits-Profi sind! Hier finden Sie wertvolle Informationen, die sie dazu anregen werden, sich noch mehr für das Anliegen dieses Buches einzusetzen. 

Warum ich ungeachtet all der aufgelisteten Probleme unserer Gesellschaft immer noch zuversichtlich in die Zukunft schaue, verdeutlicht eine alte Weisheit, die ich als Wahlspruch für meine Akademie und meine Stiftung ausgesucht habe: 

 “Wissen und Liebe vermehren sich, wenn man sie teilt”

Prof. Dr. med. Jörg Spitz
Hochinfektiöser Gesundheitserreger
Schlangenbad im Februar 2019

Ein krankes Kind
Alles begann mit einem braunen Zahn. Genauer gesagt, mit vier braunen Zähnen.

Mitte November 2016 wurde bei unserem damals knapp sechsjährigen Sohn eine schwere Zahnschmelzstörung diagnostiziert. Im deutschsprachigen Raum wird diese Erkrankung mit dem Begriff Kreidezähne betitelt, der Fachbegriff ist Molar Incisor Hypomineralisation, kurz MIH.

In den ersten Lebensjahren ist im Körper unseres Kindes irgendetwas gravierend schiefgelaufen. Das hat dazu geführt, dass sich bei allen vier bleibenden Backenzähnen, welche um das sechste Lebensjahr durchbrechen, der Zahnschmelz im Gaumen nicht normal entwickelt hat. Die Kronen der Backenzähne sind braun oder orange verfärbt, die Schneidezähne, die auch häufig von MIH betroffen sind, weisen ebenfalls braune oder deutlich zu helle Stellen auf. Die von der Erkrankung betroffenen Zähne haben generell eine deutlich geringere Zahnschmelzdichte, sind porös und können somit sehr schnell zerbrechen. Wir selbst hatten von dieser Erkrankung bis zu dem Zeitpunkt noch nie gehört.

Die zahnärztliche Prognose traf uns hart. Bei einem Schweregrad, wie er bei unserem Sohn vorlag, war zu erwarten, dass die Zähne zeitnah komplett entfernt oder mit Stahlkappen versehen werden müssten. Die Prozeduren rund um die Behandlung sind für die betroffenen Kinder meist höchst schmerzhaft und hinterlassen auch bei Eltern oft bleibende emotionale Spuren. Die Kosten für eine langfristige Restaurierung der Zähne belaufen sich geschätzt auf zwischen 10.000 und 30.000 Euro pro Kind. Diesen finanziellen Aufwand teilen sich in der Regel die Krankenkassen und Eltern.

Die emotionale Erschütterung war, besonders bei mir als Mutter, sehr hoch. Um zu verstehen, wieso ausgerechnet unser Kind an dieser Entwicklungsstörung litt, habe ich mich in den folgenden Wochen und Monaten durch jede Menge Fachliteratur gearbeitet. Nach kurzer Zeit war klar: Diese Erkrankung des Zahnschmelzes ist relativ neu und wird in der Fachliteratur vermehrt erst seit Ende der 1990er beschrieben, dabei ist sie keineswegs selten. Es wurden weltweit in den letzten zwei Jahrzehnten etliche Studien hierzu angefertigt. Im Durchschnitt sind mittlerweile global über 14% der Kinder betroffen, in einigen westlichen Ländern und Regionen sogar zwischen 30 und über 40%. In Deutschland wurde bei der letzten bundesweiten zahnärztlichen Untersuchung in 2016 ein Befall von 28,7% der 12-Jährigen festgestellt. Das Krankheitsbild findet sich in allen Gesellschaftsschichten, dabei ist die Ausprägung unterschiedlich stark und bei jüngeren Kindern vermehrt zu beobachten.

Irgendetwas ist mit unseren Kindern weltweit passiert. Aber was? Ein gesunder Körper produziert gesunde Zähne und keinen Zahnschmelz, der im Kindesalter schon zerbröselt.

Die Suche nach Ursachen
In den vorliegenden Studien wurde nach möglichen Faktoren gesucht, die zu diesem Symptombild führen können. Untersucht wurden mögliche Auswirkungen von Antibiotika, Frühgeburt, Dioxinen aus der Muttermilch, Weichmachern, erhöhtem Krankheitsstand in den ersten Lebensjahren, genetische Ursachen, Erkrankungen der Atemwege sowie mangelnde Mundhygiene. Doch keine einzige dieser Studien führte zu einem eindeutigen Ergebnis. Irritierend war, dass praktisch all die in den Studien vermuteten Faktoren in unserem persönlichen Fall irrelevant waren. Antibiotika hatte unser Sohn nie genommen, er kam termingerecht zur Welt, Vorbelastungen in der Familie gibt es nicht, Erkrankungen der Atemwege hatte er keine und krank war er selten. Ich habe ihn die ersten zehn Monate gestillt. Zwar konnte ich Dioxine, also eine Form von chemischen Giftstoffen, nicht ganz ausschließen, allerdings klangen allein Dioxine als Auslöser für den weltweiten Anstieg von MIH recht unwahrscheinlich.

Kurios war, dass ich keine Studie finden konnte, die eine veränderte Ernährung mit der Entstehung dieses Krankheitsbildes in einen Zusammenhang zu bringen versuchte. Und das, obwohl häufig erklärt wird, dass eine vollwertige Ernährung für eine gesunde Entwicklung generell wichtig ist und sich unsere Ernährung in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Lediglich allgemeine Hinweise auf Ernährung sowie eine Studie, die einen niedrigen Vitamin D-Spiegel klar als Einflussfaktor aufwies, konnte ich ausfindig machen. Was genau Vitamin D ist und was es im Körper bewirkt, wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings selbst noch nicht.

In Gesprächen mit Eltern im Freundes- und Bekanntenkreis stellte sich schnell heraus, dass auch etliche Kinder in unserem unmittelbaren Umfeld die hier beschriebenen Symptome aufwiesen. Ein paar Rahmenbedingungen schienen bei allen Kindern gleich zu sein: Sie wurden früh fremdbetreut, die Kinder waren schlechte oder wählerische Esser, beide Eltern waren berufstätig und Essen war zu Hause eine Nebensächlichkeit. All diese Bedingungen waren auch bei uns gegeben. Folgende Vermutung lag also nahe: Vielleicht hatte die Erkrankung etwas mit der Ernährung unserer Kinder zu tun, besonders in den ersten Lebensjahren.

Ein Vergleich mit dem, was es bei mir in der Kindheit bis Anfang der 1980er zu essen gab, und dem, was wir oder die Kita unserem Sohn als Nahrungsmittel angeboten hatten, machte mich stutzig. Ich wurde 1975 geboren. In den ersten Jahren meiner Kindheit gab es Sauerteigbrot mit Butter und Käse, selten Marmelade. Mittags gab es viele Eintöpfe und Suppen, Kartoffeln, Gerichte mit Eiern, Sonntagsbraten mit frischem Gemüse, Leber mit Zwiebelringen und Apfelmus, frischen oder geräucherten Fisch. Salat mit Kürbis- oder Sonnenblumenkernen. Kräuter aus dem Garten gab es häufig, ebenso wie Naturjoghurt oder Quark und Obst als Nachtisch. Absolute Ausnahmen waren Süßigkeiten, Nutella war verboten. Eis gab es nur in den Sommerferien und salzige Knabberartikel oder industriell hergestellte Kekse waren bei uns ein Fremdwort. Zu trinken gab es Wasser oder Kräutertee, Softgetränke waren höchst verpönt. Meine Mutter erstellte Wochen-Essenspläne und es wurde jeden Tag frisch gekocht. Wir waren schlank, sportlich und selten krank.

35 Jahre später wurde unser Sohn ab dem ersten Geburtstag in einer Kita betreut. Dort gab es Tortellini in Sahnesoße, Gyros mit Kraut und Joghurt-Soße, Suppe mit Wienerwürstchen, Speck und Baguette, Currywurst mit Pommes und Gemüse-Knabberteller, Milchreis und Schokopudding. Beim organisierten Frühstück wurden Brötchen vom Bäcker präsentiert, Aufschnitt aus Plastikverpackungen, Marmelade und Butter oder Margarine vom Discounter, etwas Gurke, Apfel, Möhre, manchmal abgepacktes Müsli. Im Spätdienst gab es Knäckebrot mit Marmelade, Zwieback, Kekse aus der Tüte, oder frisches Obst- und Gemüse. Für Geburtstage und Festivitäten wurden immer reichlich Kuchen, Waffeln und Muffins, Süßigkeiten, Säfte und etwas Salziges zum Knabbern mitgebracht. 

Wir haben uns an diesen Vorgaben orientiert und uns zu Hause ganz ähnlich ernährt. Wir waren der Überzeugung, dass unsere Kinder in der Kita über die warme Mittagsmahlzeit den Großteil von dem, was sie zum Wachsen brauchten, bekamen. Entsprechend haben wir abends nicht gekocht, sondern mit Brot, Joghurt, Käse, etwas Gemüse oder Milchreis und Pfannkuchen, improvisiert. Frisch gekocht haben wir für uns und unsere Kinder nur am Wochenende. Bei Freunden und Bekannten sah die Ernährung ganz ähnlich aus.

Der Unterschied zu der Ernährung, mit der ich noch aufwuchs, war also groß. Was dieser Unterschied für unsere Kinder bedeutet, war mir zunächst nicht klar. Es wurde jedoch immer deutlicher, dass die Krankheit unseres Sohnes irgendetwas mit fehlenden Nährstoffen zu tun haben könnte.

Schnell hatte ich mir ein paar Bücher gekauft, in denen Nährstoffe und ihre Funktion erklärt wurden. Der Titel eines der ersten Bücher in meinem neuen Ernährungsliteratursortiment lautete “Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente” von Heinz Knieriemen (2014). Für jedes wichtige Vitamin und jeden Mineralstoff wird auf wenigen Seiten erklärt, was sie im Körper bewirken und wie sich Mangelerscheinungen äußern. Am Ende von jedem Abschnitt wird darüber hinaus erläutert, in welchen Lebensmitteln sich die entsprechenden Nährstoffe vornehmlich befinden. Nirgendwo wurden unter dieser Sektion Nudeln, Brot, Wurst oder Milchreis gelistet. Auch das hat mich stutzig gemacht. Ebenso fiel mir schnell auf, dass die dort beschriebenen Mangelerscheinungen zu lauter Krankheitsbildern (so genannten “Zivilisationserkrankungen”) passten, die wir häufig in der Bevölkerung sehen.

Viele kranke Kinder
In den ersten Wochen meiner Recherche wurde zudem offensichtlich, dass Kinder in meinem Umfeld nicht nur gestörten Zahnschmelz aufwiesen. Auch sonst sahen viele nicht ganz gesund aus. Aus Neugier habe ich dann für diverse Krankheitsbilder die Statistiken herausgesucht. Dabei ergab sich ein erschreckendes Bild. In meiner eigenen Kindheit kannte ich nur sehr wenige Kinder, die solche Krankheitsbilder aufwiesen. Einige der folgenden Erkrankungen kannte ich gar nicht.

Insgesamt haben wir in Deutschland knapp über 13 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. An folgenden Krankheiten und Symptomen leidet aktuell unsere Jugend (Die Quellenangaben zu den folgenden Informationen finden sich am Ende dieser Einleitung):

Störungen des Immunsystems und der Hormonsteuerung:

  • 20% bzw. 2,6 Millionen der Kinder sind übergewichtig
  • 10% bzw. 1,3 Million Kinder haben eine Fettleber
  • 15% bzw. knapp 2 Millionen Kinder leiden unter Neurodermitis
  • 50% bzw. 6,5 Millionen der Schulkinder leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen
  • 10% bzw. 1,3 Millionen der Kinder haben Asthma
  • 4% bzw. 520.000 der Kinder haben regelmäßig Migräne
  • 1% bzw. 130.000 der Kinder und Jugendlichen haben Krebs
  • 10% bzw. 1,3 Million der Kinder haben Heuschnupfen
  • mehr als 0,2% bzw. 30.000 Kinder und Jugendliche haben Diabetes Typ 1
  • Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

  • bis zu 50% bzw. 6,5 Millionen Kinder zeigen Verhaltensauffälligkeiten bei der Einschulung
  • bei ca. 25% bzw. über 3 Millionen Kindern besteht ein Verdacht auf eine Essstörung bzw. liegt eine bestätigte Essstörung vor
  • 4% bzw. 500.000 der Kinder haben ADHS
  • 2 bis 4% bzw. bis zu 520.000 Kinder sind Legastheniker
  • Eine rapide wachsende Zahl unserer Kinder gilt als nicht mehr beschulbar und gewalttätig
  • Der festgestellte sozial-emotionale Förderbedarf steigt rasant in allen Bundesländern

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen:

  • 30% bzw. 3,9 Millionen der Kinder haben angeborene Zahnfehlstellungen
  • 60% bzw. 7,8 Millionen der Kinder werden kiefernorthopädisch behandelt
  • 28% der 12-Jährigen bzw. 3,5 Millionen aller Kinder leiden an der Zahnschmelzstörung MIH/Kreidezähne
  • 15% bzw. 2 Millionen der Kleinkinder weisen Karies auf
  • 8% bzw. ca. 1 Million der Kinder haben Hörschäden
  • Kurzsichtigkeit bei Kindern steigt rapide an
  • zahlreiche Kinder leiden unter Skoliose (schiefer Rücken)

In der Summe sind also geschätzt irgendwas über 80% der Kinder in Deutschland in einem oder mehreren der beschriebenen Symptombilder auffällig, belastet oder gestört. Tendenz in allen Bereichen steigend. Zudem lässt sich beobachten, dass sich die Krankheitsbilder mit zunehmendem Alter häufen und verschlechtern.
Viele von unseren Kindern sind also nicht gesund. Die Statistiken sprechen für sich und stammen aus glaubwürdigen Quellen. Außerdem gilt: Man muss sich nur die Kinder im öffentlichen Raum genauer ansehen. In Freizeitparks und Indoor-Spielplätzen, in öffentlichen Schwimmbädern, in Kitas und Schulen, in Innenstädten – überall fallen Kinder auf, die deutlich zu dick sind, sich auffällig verhalten und bei denen Zähne, Haut und Haare alles andere als gesund aussehen. Diese Symptome passen alle zu den beschriebenen Mangelerscheinungen aus dem Buch von Heinz Knieriemen. Irgendetwas stimmt hier also nicht!

Behörden und Ärzte: Wenig Interesse und keine Antworten
Dann tauchte die Frage auf: Wer ist denn eigentlich in Deutschland für die Ernährung und die Qualität unserer Lebensmittel zuständig? In erster Linie ist es das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). In einem Anfall von Aktionismus und, aus heutiger Sicht, einer großen Portion Naivität, habe ich dieses Ministerium kontaktiert. Ich glaubte, dass dem Ministerium vielleicht nicht aufgefallen war, dass unsere Kinder so krank sind, und dass dieser Zustand möglicherweise etwas mit unserer veränderten Ernährung zu tun haben könnte. Frau Dr. Anke Oepping, Referatsleiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kitas und Schulen (NQZ), schien die richtige Ansprechpartnerin zu sein. Meinen ausführlichen Bericht über die Krankheit MIH, globale Statistiken rund um weitere Krankheitsbilder, einen Vergleich von unseren Essgewohnheiten “früher und heute”, sowie mein formulierter Verdacht, dass es sich hier um eine Mangelerscheinung handeln könnte, wurde höflich beantwortet. Eine Frau Maier schrieb mir im Auftrag am 6.12.2016, wie sie mit Interesse meine Ausführungen gelesen habe und dass sie diese Informationen an die relevanten Personen intern im Ministerium weiterleiten würde. Ferner erklärte mir Frau Maier Folgendes:

“Das Bundesministerium orientiert sich bei seinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung bei Kindern an denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Informationen zu den Aktivitäten des BMEL hinsichtlich der gesunden Ernährung bei Kindern finden Sie auf dem Online-Portal IN FORM sowie auf der Homepage des BMEL: Gesunde Ernährung – Kita und Schule.”

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) war mir nur ganz vage ein Begriff. Das Portal IN FORM kannte ich gar nicht. Ich arbeitete mich also Schritt für Schritt durch deren Webseiten. Auch dort wurden die gleichen Lebensmittel angepriesen, die es in der Kita und auch bei uns zu Hause zu essen gab: viel Brot, Nudeln, mäßig Wurst, etwas Süßzeug, Obst und Gemüse. Sätze wie “Nimm 5“ stammen von der DGE. Diese Aussage kannte ich. In dem Buch von Herrn Knieriemen und auch anderen Büchern über Nährstoffe wurden diese Lebensmittel allerdings selten als relevante Quellen für Nährstoffe genannt. Dafür wurden Lebensmittel wie Schweineleber, Sesam, Austern, Bierhefe, Parmesan, Hagebutten, Sanddorn oder Lebertran aufgeführt. Auf den Seiten von IN FORM konnte ich diese Lebensmittel nicht finden.

Daraufhin kontaktierte ich Sonja Fahmy und Dr. Helmut Oberritter, indem ich ihnen meine Rechercheergebnisse sendete. Frau Fahmy ist für den Bereich Kitas und Schulen bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zuständig und Herr Dr. Oberritter ist Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Von Frau Fahmy bekam ich am 16.12.2016 eine höfliche Email zurück. Auszüge daraus lesen sich so:

“Was die Verpflegung in Kitas und Schulen betrifft, so gibt es seit fast 10 Jahren für beide Lebenswelten den DGE-Qualitätsstandard. Er definiert genau, wie eine ausgewogene Verpflegung sein sollte. Gleichzeitig stehen aber auch die individuellen Bedürfnisse der Kitas und Schulen im Vordergrund. Nur indem dies berücksichtigt wird, besteht die Chance, dass die Empfehlungen umgesetzt werden. Dies bedeutet z. B., wir empfehlen entsprechende Portionen an Gemüse und Obst, sagen aber nicht im Detail, welches Gemüse es sein muss.
Mittlerweile ist der DGE-Qualitätsstandard als Basiswerk bundesweit bei Essensanbietern, Schulen, Kitas und Trägern anerkannt. Gerne können Sie sich von den Inhalten Überzeugen. Bestellen Sie den DGE-Qualitätsstandard kostenfrei unter www.dge-medienservice.de.”

Die DGE hat also seit 2005 Qualitätsstandards in allen öffentlichen Bereichen eingeführt. Im selben Zeitraum ist die Bevölkerung, darunter insbesondere unsere Kinder, dicker und kränker geworden. Zufall?

Im Zuge meiner Untersuchungen habe ich ebenfalls all die Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum, die ihre Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Zahnschmelzstörung MIH veröffentlicht haben, und die ich ausfindig machen konnte, kontaktiert. Auch diesen Experten und dieser Expertin habe ich meine Unterlagen gesendet und eine Zusammenarbeit angeboten: Mein Mann und ich waren bereit, die Auswirkungen einer konsequenten Ernährungsumstellung auf die Zahngesundheit unseres Sohnes dokumentieren zu lassen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren. Konkret habe ich zwischen dem 25.11.2016 und 8.12.2016 folgende Personen kontaktiert:

  • Prof. Dr. Norbert Krämer: Kinderzahnheilkunde, Universitätsklinikum Gießen
  • Prof. Dr. Ulrich Schiffner: Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (ZMK) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
  • Prof. Dr. Jan Kühnisch: Kinderzahnheilkunde, Klinikum der Universität München (LMU)
  • Prof. Dr. Katrin Bekes: Universitätszahnklinik medizinische Universität Wien

Keine einzige dieser Personen hat auf meine Kontaktaufnahme oder Informationen reagiert. Auch das hat mich stutzig gemacht. Wenn eine epidemieartige Gesundheitsstörung über unsere Kinder einbricht, würde man doch denken, dass unsere führenden Wissenschaftler/in jede Möglichkeit ausschöpfen, um Lösungen zu finden?

Die Antworten vom BMEL und der DGE haben mich nicht beruhigt; ebenso wenig das Schweigen der Wissenschaftler/in. Vielleicht wäre die BEVK, die Bundeselternvertretung für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege in Berlin, an einem Dialog interessiert? Sämtliche Unterlagen habe ich daraufhin an Herrn Norman Heise, seit September 2016 Geschäftsführer der BEVK, weitergeleitet. Herr Heise schien an meinen Ausführungen interessiert zu sein und nach einigem Hin und Her zog er die Expertise einer erfahrenen Zahnärztin sowie Leiterin des zahnmedizinischen Dienstes eines Berliner Bezirks hinzu. Von dieser Zahnärztin wiederum bekam ich ein 2-seitiges Schreiben, welches auf diverse meiner Recherchen und Annahmen Bezug nahm. Fünf Aussagen stachen aus dem Schreiben heraus:

    • “Die Entstehungszeit (Mineralisation der 6 Jahresmolaren und Ober- und Unterkieferzähne) liegt um die Geburt herum. Das heißt Schwangerschaft letztes Drittel – Geburt – Babyzeit bis max. 8 Monate, würde ich sagen. Dieser Fakt ist wissenschaftlich weltweit untersucht und ich denke unumstößlich.”
    • “Gesunde Ernährung ist schon sehr wichtig! Die Ernährung in den 80ziger Jahren war anders als heute.”
    • “In der Nahrung ist heute so viel drin – wo man nicht sagen kann, welchen Einfluss Enzyme, Geschmacksstoffe, Farbstoffe u. a. auf unsere Entwicklung haben”
    • “Heute gibt es weit mehr Interessenkonflikte, besonders in der Landwirtschaft.”
    • “Die Politik und Wissenschaft sollten etwas tun – jetzt – und nicht warten, bis der Verbreitungsgrad weiter steigt. Die Folgen sind nicht lapidar – es entstehen große Probleme für Kinder und Eltern.”

Diese Aussagen waren für mich nicht plausibel: Dass bleibende Zähne schon vor oder kurz nach der Geburt im Körper geformt werden, klang für mich wenig logisch, ebenso wenig, dass wir nicht klar benennen können, welche Auswirkungen einzelne Zusatzstoffe in unserer Nahrungskette auf die Gesundheit haben. Offensichtlich war für mich auch nicht, wie Interessenkonflikte in der Landwirtschaft möglicherweise unsere Nahrung verändert haben oder was genau eigentlich unsere Politik und Wissenschaft machen, um uns zu schützen.

Die Suche nach Antworten
Mit diesen Aussagen und Fragestellungen habe ich mich intensiv auseinandergesetzt. Was sich in über zwei Jahren Recherche herauskristallisiert hat, ist Folgendes:

  1. Es existiert ein komplexes System von Entwicklungen, die unsere gesamte Nahrungskette negativ beeinflussen. Der Niedergang unserer lebensnotwendigen Versorgung schadet besonders Kindern in der kritischen Phase des Wachstums.
  2. Die verantwortlichen gesellschaftlichen Akteure in der Politik, der Wissenschaft und im medizinischen Sektor unterstützen diese negative Entwicklung aktiv, weil sie in eine wirtschaftliche Abhängigkeit geraten sind und/oder die Auswirkungen ihres Handelns in einem globalisierten Marktumfeld nicht verstehen.

Mein Ziel ist es, Ihnen als Leser bzw. Leserin zu ermöglichen, genau diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Lösungsansätze zur Schaffung der notwendigen Bedingungen für eine wirklich gesunde Entwicklung Ihrer Familien schildere ich am Ende des Buches. Folgende Schwerpunkte habe ich herausgearbeitet:

  1. NAHRUNG UND GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet?
  2. UNSER KÖRPER: Das Zusammenspiel von Nährstoffen und unserem Organismus.
  3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung MIH.
  4. NEUE ZUTATEN: Was wird uns von der Industrie ins Essen gemischt und was bewirken diese Zutaten in unserem Körper?
  5. ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme der DGE und des BMEL.
  6. DIE REALITÄT: Essen, das unsere Kinder krank macht.
  7. SCHLEICHENDE VERÄNDERUNG: Eine persönliche Bestandsaufnahme.
  8. GLOBALE TRENDS: Eine düstere Zukunft mit steigenden Krankenständen.
  9. DIE AKTEURE IM MARKT: Der private Sektor und die öffentliche Hand. 
  10. VERÄNDERUNGEN: Globale Bewegungen erobern die Welt. 
  11. Praktische Umsetzungen: Politiker/innen und Krankenkassen in die Pflicht nehmen, selbst aktiv werden. 
  12. UNSERE ANTWORT: Persönliche Veränderungen und Umsetzungsmöglichkeiten.

Alles, was ich hier zusammengetragen habe, stützt sich auf öffentlich und frei zugängliche Informationen oder persönliche Erfahrungen. Die Quellenangaben der jeweiligen Abschnitte sind immer direkt hinterlegt. Dort finden sich weiterführende Informationen und Hintergründe.

Bei genauer Betrachtung stellte sich für mich heraus, dass wir ein globales System geschaffen haben, welches uns, und besonders unseren Kindern, schwer schadet. Für all diese Kinder habe ich dieses Buch geschrieben.

Zu meiner Person
Ich bin keine ausgebildete Ernährungsexpertin. Bis Ende 2016 hatte ich generell wenig Ahnung von Nährstoffen. Ich hatte kein Verständnis davon, was unser Essen in unserem Körper bewirkt. Welche biochemischen Prozesse einzelne Nährstoffe in unserem Organismus auslösen, war mir unbekannt. Diese Zusammenhänge habe ich weder in meiner Schullaufbahn noch im Studium gelernt. Ich bin auch keine Agrarwissenschaftlerin. In den ersten 40 Jahren meines Lebens habe ich fast nichts darüber gelernt, wie wir unsere Lebensmittel produzieren und verarbeiten. Aber ich kann lesen und mich schnell in neue Inhalte einarbeiten.

Wovon ich Ahnung habe, ist Wirtschaft. Ich habe selbst zehn Jahre in leitender Funktion in Frankfurt und London in zwei Investment-Banken gearbeitet. Seit 2009 arbeite ich international mit Personen im oberen Management von DAX und FTSE Konzernen zusammen. Ich unterstütze diese Unternehmenslenker/innen darin, wie sie umsichtiger mit ihren Mitarbeitern umgehen, wie sie Konflikte lösen und Zukunftsvisionen klar und verständlich kommunizieren.

Ich habe viele Jahre im Ausland gelebt: in den USA, in Chile, Ecuador und Großbritannien. In all den Jahren konnte ich beobachten, wie sich die Lebensumstände in all diesen Ländern rasant verändert haben; insbesondere die Art und Weise, wie sich Menschen ernähren. In meinem Werdegang habe ich ebenfalls gelernt, dass viele Menschen nicht immer so agieren, wie sie eigentlich wollen. Sie arbeiten eingebettet in Glaubens- und Sachzwänge, die sie oft dazu verleiten, Dinge zu tun, die nicht gut sind, weder für sie selbst noch für andere.

Ebenfalls habe ich gelernt, dass – wenn es um viel Geld geht – auch Entscheidungen getroffen werden, die der Allgemeinheit schaden. Was diese komplexen Dynamiken aber mit unserem Essen und der Gesundheit unserer Kinder zu tun haben, das wusste ich nicht. 

Als Anmerkung vorab: Ich habe in diesem Buch überall dort, wo beide Geschlechter angesprochen werden, meist nur die männliche Form verwendet. Ich tue das aus zwei Gründen: Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass die sprachlichen Regeln des Gender-Mainstreamings die Lesbarkeit eines Buches deutlich stören. Ebenso gilt: Meine Kommentare in Bezug auf berufliche Personengruppen sind meist kritischer Natur – ich benenne Fehlverhalten der obersten Entscheidungsträger. Genau diese Entscheidungsträger sind überwiegend Männer. Frauen sprachlich in diesem Zusammenhang “gleichzustellen”, würde in vielerlei Hinsicht die Realität verzerren. 

Ulrike von Aufschnaiter 

Bremen, im April 2019

Quellen und weitere Informationen zu den Krankheitszahlen unserer Kinder

Störungen des Immunsystems und Hormonsteuerung

Neuronale Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Essstörungen und Lernstörungen:

Knochen- und Wachstumsstörungen, mangelnde Zahngesundheit sowie Störung an Sinnesorganen

3. MANGELERSCHEINUNG: Das Beispiel Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH

Wie eingangs erklärt, war der Auslöser für meine Nachforschungen die Diagnose der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH bei unserem Sohn. Es handelt sich bei dieser Störung um ein Phänomen, das im öffentlichen Diskurs als wenig erforscht und verstanden dargestellt wird. Da diese Erkrankung eine Betroffenheitsquote von ca. 30% der deutschen Kinder aufweist, möchte ich in diesem Kapitel genauer auf das Krankheitsbild und mögliche Ursachen eingehen. Für die folgenden Seiten lauten meine zentralen Thesen:

  1. Es braucht mehrere Rahmenbedingungen, die für einen gesunden Zahnaufbau gegeben sein müssen: die richtigen Nährstoffe, ein gesundes Maß an Bewegung, Sonne und positiven Stress. Alle vier sind Grundvoraussetzungen der für den Zahnaufbau notwendigen Stoffwechselprozesse.
  2. Die Notwendigkeit der Einhaltung sowie die negativen Konsequenzen einer Nichteinhaltung dieser Rahmenbedingungen sind wissenschaftlich belegt.
  3. Die notwendigen Rahmenbedingungen sind oft nicht gegeben.
  4. Das Wissen über diese Grundlagen wird der Bevölkerung nicht systematisch vermittelt.
  5. Eine Störung des Zahnschmelzes ist somit aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Eine Bestandsaufnahme

Was genau sind Kreidezähne und welche Aspekte sind über dieses Krankheitsbild bekannt? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe die verfügbaren Informationen zusammengetragen.

  • MIH ist eine Störung des Zahnschmelzes primär der bleibenden Zähne.
  • Besonders betroffen sind die 6-Jahres-Molaren und Schneidezähne der bleibenden Zähne, wobei sich diese Störung mittlerweile wohl auch verstärkt auf angrenzende Zähne ausweitet.
  • MIH tritt ebenfalls an Milchzähnen auf und wurde in der Literatur bereits vor ca. 10 Jahren beschrieben, zum Beispiel in der unter den Quellenangaben am Ende dieser Sektion aufgeführten Studie: “Schmelzbildungsstörungen – Fallbericht einer generalisierten Schmelzbildungsstörung in der 1. Dentition”.
  • Bei MIH ist meistens nur der Zahnschmelz, nicht aber das Dentin oder der Wurzelzement beschädigt. Die Krone ist meist normal ausgebildet, “lediglich” der Zahnschmelz ist in der Art und Weise, wie er mineralisiert wurde, gestört.
  • Da die Dichte des Zahnschmelzes der betroffenen Zähne nur ca. 10% eines gesunden Zahnschmelzes aufweist, besteht eine deutlich höhere Anfälligkeit für Karies und Zerfall der Zähne.
  • Kinder mit MIH im Alter von 9 Jahren müssen sich 10-mal häufiger einer zahnärztlichen Behandlung ihrer 6-Jahres-Molaren unterziehen als Kinder ohne MIH. Es wird sogar eine 11-mal höhere Wahrscheinlichkeit einer zahnärztlichen Therapie aufgezeigt (siehe Knapp und Nies 2009).
  • Bei Einbruch des Zahnschmelzes sind umfängliche Restaurierungsarbeiten bis zur Überkronung mit Stahlkappen notwendig. Die Prozeduren sind sowohl für die Patienten als auch für die Eltern oft schmerzvolle und traumatische Erlebnisse.
  • Die Kosten für die notwendigen und oft lebenslangen Restaurationsarbeiten an den Zähnen tragen zu großen Teilen die Patienten bzw. Eltern. Nach der Diagnose von MIH ist eine Zusatzzahnversicherung, die Folgekosten dieser Erkrankung einschließt, meist nicht mehr möglich. Die Kosten für eine wertige Restaurierung der Zähne bewegen sich über die Lebensspanne der Patienten wahrscheinlich irgendwo zwischen 10.000 und 30.000 Euro.
  • Die Prävalenz in Deutschland lag 2016 laut der “Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie” bei 28,7% der 12 jährigen Kinder. Bei dieser Studie handelt es sich um eine repräsentative Studie, die in 90 Städten und Gemeinden durchgeführt wurden.
  • Die weltweite Prävalenz liegt bei bis über 40% der untersuchten Kinder, gemessen in Stichproben in der Bevölkerung Australiens, Schwedens, Indiens, Brasiliens und Großbritanniens. Die Tendenz ist überall steigend.
  • Das Erkrankungsbild wurde in den Jahren bis ca. 1980 nicht oder nur sehr vereinzelt beobachtet. In den Fachpublikationen wurde allerdings die Frage gestellt, ob eine allgemein schlechtere Zahngesundheit und Karies in früheren Jahren eine mögliche MIH überdeckt haben.
  • Die Ausprägung der Zahnschmelzstörung variiert und wird verschiedentlich in drei Schweregrade unterteilt:
      • milde Defekte – farbliche Veränderungen
      • mäßige/moderate Defekte – isolierte Schmelzverluste
      • schwere Defekte – Schmelzverluste mit betroffenen Dentinanteilen

Mögliche Ursachen von MIH/Kreidezähnen

Global wurde in den letzten zwei Jahrzehnten verstärkt nach möglichen Ursachen für diese Erkrankung geforscht. So werden im April 2017 alleine bei einer Suche über “Google Scholar” 2650 Ergebnisse zum Thema MIH angezeigt. Unter Google Search wiederum finden sich 11 400 Treffer zu dem Thema Molar Incisor Hypomineralisation. Es wurde versucht, folgende Faktoren mit MIH zu korrelieren:

  1. Komplikationen während der Geburt, möglicherweise Sauerstoffmangel
  2. Frühgeburten
  3. Erkrankungen im Kindesalter wie Fieber, Magen-Darm-Infekte
  4. Antibiotika
  5. genetische Veranlagung
  6. Lungenerkrankungen/Asthma
  7. schlechte Mundhygiene im Milchzahngebiss
  8. Stillverhalten der Mütter/Dioxine in der Muttermilch
  9. Weichmacher wie BPA durch Plastiksauger/Babyflaschen

In keiner Studie konnte einer der aufgeführten Faktoren eindeutig als Auslöser der Erkrankung identifiziert werden.

Mögliche Korrelationen mit einer Ernährung ohne ausreichende Vitalstoffe, eine Belastung durch Strahlungen (zum Beispiel Mikro- oder Radiowellen) oder Chemikalien sowie giftige Substanzen (ausgelöst durch Kunststoffe, Spielzeug oder Zahnfüllungen) wurden meiner Kenntnis nach nicht speziell erforscht. Eine Erklärung, warum diese Aspekte nicht untersucht wurden, konnte ich nicht finden.

Eine detailreiche Aufstellung der unterschiedlichen Studien und ihrer jeweiligen nicht aussagekräftigen Ergebnisse bis 2009 erfolgt in einer Studie von Silke Knapp und Verena Mies von 2009. In dieser Studie wird Mangelernährung als mögliche Ursache zwar erwähnt, ich konnte aber keine Folgestudien finden, die sich dieser Thematik annahmen.

Lediglich Hinweise auf eine mögliche Relevanz von Schwankungen im Calciumphosphat-Spiegel in den ersten vier Lebensjahren habe ich in einzelnen Studien gefunden. Zum Beispiel in der Studie “Molar-Incisor-Hypomineralization”, Verena Knapp, Silke Marie Nies 2009. In dieser Studie wird erklärt:

“Möglicherweise haben häufige Erkrankungen in den ersten 4 Lebensjahren einen Einfluss auf die Entstehung von Hypomineralisierungen der bleibenden Zähne. Dabei spielen insbesondere Erkrankungen, die mit Schwankungen des Kalziumphosphat-Spiegels einhergehen, wie Mangelernährungszustände, Durchfallerkrankungen und Fieberzustände eine Rolle und wirken sich auf die Schmelzbildung aus.”

Kreidezähne und Vitamin D: Wichtige Erkenntnisse werden nicht verbreitet

Untersuchungen zu fehlenden Nährstoffen im Zusammenhang mit MIH/Kreidezähnen konnte ich nicht finden. Dafür habe ich eine Studie gefunden, welche die Rolle von Vitamin D im Krankheitsbild MIH betrachtet.

Die 10 Jahresstudie “Elevated serum 25(OH)-vitamin D levels are negatively correlated with molar-incisor hypomineralization” wurde in München an der LMU unter der Leitung von Prof Dr. med. dent. Jan Kühnisch erstellt und 2015 veröffentlicht.

Diese Studie belegt, dass Kinder, die einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel aufwiesen, deutlich häufiger durch MIH geschädigte Zähne hatten. Ebenso zeigten die Forschungsergebnisse, dass die untersuchten Kinder mit einem höheren Vitamin-D-Spiegel generell auch deutlich seltener an Karies litten. Man sollte also annehmen, dass diese wissenschaftlich belegten Ergebnisse dazu führen, dass ein Vitamin-D-Mangel zumindest als möglicher Auslöser oder als Co-Faktor für diese Erkrankung der Zähne in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ebenso könnte man denken, dass diese Erkenntnisse dazu führen, dass bei Kindern, bei denen MIH oder auch starke Karies diagnostiziert wurde, der Vitamin-D-Spiegel untersucht und ggf. korrigiert wird. Das aber passiert anscheinend nicht. Im Gegenteil. In keinem weiteren der öffentlich zugänglichen Berichte und Artikel wurde das Ergebnis, dass Vitamin D relevant für die Zahngesundheit, besonders bei MIH, sein könnte, erwähnt.

In Bezug auf die Studie selbst ist weiterhin Folgendes kurios: Nirgendwo wird aufgeführt, in welcher Höhe genau sich denn nun der Vitamin-D-Spiegel der betroffenen Kinder bewegt: Bei unter 5, 10, 20 oder 30 ng/ml? Es wird von einer gesundheitsfördernden Anhebung des Spiegels geschrieben, aber nicht erklärt, von wo nach wo korrigiert werden soll. Die Differenz des gemessenen Spiegels im Vergleich zu einem wissenschaftlich belegten gesunden Spiegel von 30ng/ml wird nicht erwähnt. Diese Information wäre ja durchaus relevant, damit Kinder- oder Zahnärzte den Vitamin-D-Spiegel ihrer Patienten und Patientinnen entsprechend korrigieren könnten.

Ebenfalls kurios ist, dass in der Studie nicht parallel die Blutwerte bezüglich des Calcium- und Phosphatgehalts der Probanden gemessen wurden. Dass diese drei Bausteine – Vitamin D, Calcium und Phosphat – für einen gesunden Knochen- und Zahnstoffwechsel essenziell sind, ist ja schließlich seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Über die Stoffwechselprozesse und den Auf- und Abbau von Knochen- und Zahnsubstanz informiert zum Beispiel die Studie “Demineralization–remineralization dynamics in teeth and bone”. Diese Studie bezieht sich auf 234 internationale Studien rund um diese physiologisch und wissenschaftlich erforschten Prozesse.

Anmerkung: Prof. Dr. med. dent. Jan Kühnisch war einer der Experten, die ich Anfang Dezember 2016 mit der Aussage kontaktiert habe, dass es sich bei MIH vielleicht um ein Krankheitsbild handelt, welches durch Fehl- oder Mangelernährung ausgelöst wird. Eine Antwort erhielt ich nicht.

Quellen und weitere Informationen “Was ist Molar Incisor Hypomineralisation (MIH): Eine Bestandsaufnahme”

Die Entstehung von bleibenden Zähnen 

Um herauszufinden, in welchem Stadium eine Schädigung des Zahnschmelzes überhaupt stattfinden kann, sollte zuerst geklärt werden, wie und wann die Zähne denn eigentlich aufgebaut werden. Das Wissen um diesen Prozess ist umfänglich, wenngleich an manchen Stellen lückenhaft. Ebenfalls ist bekannt, wie die Zähne vor und nach dem Durchbruch mit Hilfe von Blut und Speichel mit Mineralstoffen versorgt werden.

Entwicklungsstadien

Die Entwicklung der Zähne ist ein hochkomplexer Prozess, der auch noch nicht abschließend verstanden wird. Zum Beispiel ist noch unklar, durch welchen Impuls sich die Zähne im Kiefer anordnen und auf welchen Grundlagen sie in ihrer jeweiligen Funktion ausgebildet werden, oder was genau den Mineralisierungsprozess auslöst.

Gut erforscht ist, dass sich die Entstehung der Zähne in unterschiedliche Stadien gliedert, die zeitlich versetzt sind: das Knospen-, das Kappen-, das Glocken- und das Kronenstadium. Der jeweilige Wurzelzement wird zeitlich deutlich später ausgebildet.

Dentin und Zahnschmelz werden im Kronenstadium, also dem letzten Stadium, final ausgebildet. Über eine komplexe Anordnung von Kristallen und verschiedene Einlagerungsprozesse von Mineralien (Calcium/Phosphat/Fluor) wird der Zahnschmelz gebildet. Dieser Prozess vollzieht sich in Phasen – der Zahnschmelz wird ähnlich wie ein Baum in Ringen bzw. Lagen aufgebaut. In der ersten Phase sind die Zähne lediglich zu 30% mineralisiert – es folgen komplexe Prozesse der Umstrukturierung und weitere Mineralisierungsprozesse. Die finale Ausreifung der Zähne passiert nach Durchbruch im Mundraum über die Anreicherung von Mineralstoffen aus dem Speichel. Die Ausbildung der Zahnhartsubstanz findet bei den 6-Jahres-Molaren und den Schneidezähnen zwischen dem ca. 2. und 7. Lebensjahr statt.

Manche Zahnärzte und Zahnärztinnen erklären, dass die Entstehungszeit der 6-Jahres-Molaren, also der bleibenden Backen- und Schneidezähnen, vor der Geburt beginnt und bis zum Ende des ersten Lebensjahrs abgeschlossen ist. Diese Aussage bekam ich auch von der eingangs erwähnten Amtsärztin aus Berlin; sie entspricht allerdings nicht unserem heutigen Wissensstand.

Intuitiv kommt selbst ein medizinischer Laie recht schnell zu der Erkenntnis, dass diese oft verbreitete Aussage nicht stimmen kann. Dazu muss man sich lediglich die durchaus beachtliche Größe von ausgewachsenen Backen- und Schneidezähne vorstellen und dann überlegen, wie genau diese wohl in den noch sehr kleinen Kopf und Gaumen eines Säuglings passen sollen? Dieser eklatante Platzmangel wird noch offensichtlicher, wenn man bedenkt, dass das Milchgebiss bei Säuglingen überhaupt erst Ende des ersten Lebensjahres fertig ausgebildet ist. Der nötige Raum für den strukturellen Aufbau von bleibenden Zähnen ist somit erst ab ca. Ende des ersten Lebensjahrs gegeben. Hinzu kommt, dass die Zahnschmelzschädigung MIH selbst meist nur den Zahnschmelz betrifft, und der wiederum wird in einem besonders späten Stadium des Zahnwuchses final ausgebildet.

Mit all diesen Erkenntnissen kann man die Zeitspanne einer möglichen Schädigung und somit Entstehung von MIH recht genau eingrenzen: Sie wird sich auf den Zeitraum ab Ende des 1. Lebensjahres bis kurz nach dem Durchbruch der Zähne belaufen.

Essenzielle Nährstoffe für gesunde Zähne

Der Auf- und Abbau von Zähnen ist ein lebenslanger Prozess. Zähne mineralisieren sich in unterschiedlichen Teilen über den Speichel und das Blut. Inwieweit sich Zähne auch in der Struktur wieder aufbauen können, ist umstritten. Der bereits erwähnte Wissenschaftler Weston Price beschreibt in den 1930 Jahren in seinem Buch “Nutrition and Physical Degenration – A comparison of primative and modern diets and their effects” umfänglich, und mit vielen Foto-Dokumentationen, wie sich bei verschiedenen Naturvölkern der Zahnschmelz nach starkem Abrieb wieder aufgebaut hat. Dieser Prozess scheint aber von der heutigen Schulmedizin nicht dokumentiert oder bestätigt zu werden.

Wissenschaftlich belegt ist Folgendes: Um Knochen und Zähne aufzubauen und zu mineralisieren, braucht es einen hohen Vitamin D Blutspiegel (ideal +30ng/ml), insbesondere die richtigen Mengen und Verhältnisse von Calcium, Phosphat, Magnesium sowie Vitamin K und ggf. noch diverse andere Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren. Im Detail bedeutet eine adäquate Versorgung für Kinder Folgendes:

  1. Vitamin D: Zur körpereigenen Produktion von Vitamin D muss ein Kind regelmäßig der Sonne bei hohem Sonnenstand, mit unbedeckter Haut und ohne Sonnencreme, ausgesetzt sein. Im Winter und bei niedrigem Sonnenstand wird für gesunde Kleinkinder eine wöchentliche Zufuhr von der DGE empfohlen, die folgenden Lebensmitteln entspricht: 140 Gramm geräuchertem Aal oder 840 Gramm Lachs oder 3,5 Kilogramm Ei. Alternativ kann man pro Woche 14 Gramm Lebertran verabreichen oder eine entsprechende Vitamintablette schlucken.
  2. Calcium: Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für Kinder von 1-4 Jahren findet sich in folgenden Lebensmitteln: 0,5 Gramm Eierschalen, 45g Parmesankäse, 50g Mohnsamen, 80g Gouda oder Emmentaler (45% Fett), 90g Brennnessel, 220g Mandeln, 400g Gurke, 500 ml Milch, 800g Banane oder zum Beispiel 2,9kg Vollkornbrot, 3,5kg Vollkornnudeln.
  3. Phosphat ist in Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten, Nüssen, Eiern, Milchprodukten und Getreide enthalten. Einen Überschuss an natürlichem Phosphat scheidet der Körper wieder aus. Künstliches Phosphat, welches von der Lebensmittelindustrie als Stabilisator, Säureregulator, Rieselhilfsmittel, Dickungs-, Gelier- und Bindemittel, zur Konservierung sowie als Geschmacksverstärker eingesetzt wird, kann der Körper nicht richtig ausscheiden. Bei Konsum von industriell hergestellten Lebensmitteln bildet sich somit schnell ein Phosphat-Überschuss, der den Aufbau von Zähnen stören kann.
  4. Magnesium findet sich primär in Hülsenfrüchten, Nüssen und vollem Getreide sowie in Mineralwasser. Die Aufnahme von Magnesium, ebenso wie von Phosphat, wird durch einen hohen Gehalt an Phytinsäure, welche sich in den Schalen dieser Lebensmittel befindet, behindert. Durch Einweichen oder Fermentieren wird die Konzentration von Phytinsäure verringert. Die DGE empfiehlt für gesunde Kinder, ohne Stress oder jegliche Krankheiten, für die ersten 1 bis 4 Jahre 80mg pro Tag. Dies entspricht ca. 50g Nüssen, 55g Hafer, 60g Linsen, 70g Spinat, 300g Weißbrot oder 10 Liter Bremer Trinkwasser.
  5. Vitamin K: Dieses Vitamin ist nur in Obst und Gemüse vorhanden. Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für gesunde Kleinkinder findet sich in 1 Gramm Liebstöckel, 3 Gramm Brennnessel oder Löwenzahn, 10 Gramm Brokkoli, Rosenkohl oder Schnittlauch, 40 Gramm Olivenöl, 400 Gramm Apfelsine. Eine gesunde Darmflora kann allerdings auch Vitamin K selbst herstellen.

Sind diese Konditionen nicht gegeben, ist eine Störung wie Kreidezähne/MIH aus wissenschaftlicher Perspektive keine Überraschung.

Wenn zusätzlich Störfaktoren den Organismus in der Aufnahme und bei Stoffwechselprozessen behindern, ist eine Erkrankung der Zähne zu erwarten. Zu diesen Störfaktoren gehören Salz, Zucker, Antibiotika, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Aluminium und einiges mehr. Auf die Wirkung dieser Substanzen im Körper gehe ich im nächsten Kapitel “NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?” ausführlich ein.

Die Versorgung der Zähne: Blut und Speichel

Vor ihrem Durchbruch durch das Zahnfleisch werden Zähne über die Stoffwechselprozesse des umliegenden Gewebes bzw. über das Blut mit Mineralstoffen angereichert. Nach dem Durchbruch der Zähne übernimmt der Speichel die Funktion der Mineralisierung.

Vereinfacht: Speichel ist vergleichbar mit Blut, aus dem die roten Blutkörper herausgefiltert wurden. Der Speichel übernimmt entsprechend eine ähnliche Versorgung des Mundraumes wie Blut für den Rest des Körpers. Der Speichel spielt eine entscheidende Rolle in der Zahngesundheit: Er schützt die Zähne, indem er Säuren im Mundraum neutralisiert, und er mineralisiert die Zähne durch die Zufuhr von Calcium, Kalium, Phosphat und Fluor das ganze Leben lang.

Der Speichelfluss kommt nachts praktisch komplett zum Erliegen. Aus genau diesem Grund können sich Bakterien im Mund während des Schlafens ungehindert vermehren und führen dann morgens oft zu einem etwas unangenehmen Geschmack im Mund, und der Atem riecht unvorteilhaft. Der Speichelfluss kommt aber mit der ersten Nahrungsaufnahme wieder in Gang und erfüllt dann wieder seine Aufgaben im Mundraum: Anreicherung der Zähne mit Mineralstoffen, Abtötung und Abtransport von Bakterien sowie Herstellung eines ausgewogenen PH-Werts im Mundraum.

Speichel selbst wird wiederum von drei großen und etlichen kleinen Mundspeicheldrüsen produziert. Wenn diese Drüsen entzündet sind, wird der Speichelfluss gestört. Das wiederum beeinträchtigt die Mineralisierung der Zähne. Zu den Risikofaktoren einer Speicheldrüsenentzündung – der häufigsten Erkrankung der Speicheldrüsen – gehört eine verminderte Speichelproduktion. Die Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Speicheldrüsen auswirken, sind Medikamente, Diabetes, Eiweißmangel, Vitaminmangel oder Hormonstörungen. All diese Faktoren können zu einer Schwellung dieser Drüsen und in Folge zu einer Störung des Speichelflusses führen.

Für gesunde Zähne, ebenso wie für eine gesunde Leber, einen gesunden Darm oder gesunde Nieren, ist also entscheidend, dass unsere Stoffwechselprozesse im Körper richtig funktionieren. Und nur wenn diese Grundbedingung erfüllt ist, können unser Blut bzw. unser Speichel mit den notwendigen Nährstoffen angereichert werden und unsere unterschiedlichen Körperteile – inklusive unserer Zähne – versorgen.

Somit gilt: Das normale Vorgehen von schulmedizinisch ausgebildeten Zahnärzten, sich nur den Mundraum anzuschauen und häufiges Zähneputzen anzuraten, führt nicht automatisch zu Zahngesundheit.

Quellen und weitere Informationen zu ” Die Entstehung von bleibenden Zähnen”

MIH: Ein Beispiel für Mangel- und Fehlernährung

Dass es sich bei MIH grundsätzlich um eine Stoffwechselstörung handelt, die durch falsche oder fehlende Nährstoffe verursacht wird und nicht, wie oft in der Öffentlichkeit suggeriert wird, in erster Linie durch Weichmacher oder unerklärbare toxische Substanzen, legt eine in 2008 veröffentlichte Studie nahe. Die Zeitschrift European Archives of Pediatric Dentistry publizierte die Studie: “Nothing new under the heavens: MIH in the past?”

Dort erklären die Autoren Ogden, Pinhasi, und White den Zusammenhang zwischen einem Mangel an den für den Zahnaufbau relevanten Nährstoffen in der entsprechenden Wachstumsphase und MIH anhand historischer Skelettfunde. In dieser Studie wird gezeigt, wie anhand detaillierter Zahnanalysen von 41 untersuchten Skeletten und 557 untersuchten Zähnen aus dem 17. und 18. Jh. aus einem Londoner Friedhof MIH nachgewiesen wurde. Neben den Untersuchungen der Zähne wurden ebenfalls etliche weitere Studien mit Erkenntnissen rund um die Zusammenhänge von Nährstoffmangel und Zahnfehlbildung hinzugezogen. Ein Großteil dieser Studien ist bereits 20 und mehr Jahre alt.

Urbane Zentren: Mangelernährung

In dem Zusammenhang dieser Erkenntnisse sollte man Folgendes wissen: London war bereits 1650 eine der dichtest besiedelten Regionen der Welt. Über 500.000 Menschen tummelten sich auf engstem Raum und die Bevölkerung wuchs bis 1815 auf über 1,4 Millionen Menschen an. Die Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln war mangelhaft und Krankheiten und Seuchen schwächten weite Teile der Bevölkerung. Ab 1750 nahm die Industrialisierung, besonders in London, Geschwindigkeit auf, und mit ihr hielt eine rapide Verschlechterung der Luftqualität Einzug.

Die untersuchten Skelette stammten also von Menschen, die auch schon in jungen Jahren mit einer hohen Luftverschmutzung, wenig Sonne und Bewegung im Freien zu kämpfen hatten. Für weite Teile dieser Bevölkerung war die Versorgung mit grünem Gemüse und somit den Mineralstoffen Calcium, Magnesium und Phosphat, ungenügend. Die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gesunde Entwicklung von Zähnen waren nicht gegeben.

Was es zu dem Zeitpunkt nicht gab, waren Weichmacher aus Plastikmaterialien oder andere synthetische Giftstoffe. Und auch, wenn diese Substanzen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht förderlich für einen gesunden Zahnaufbau sind, scheiden sie aufgrund dieser Studie als hauptsächliche Ursache für MIH aus. Diese Studie macht ebenfalls deutlich, dass es sich bei MIH um kein neues Symptombild handelt. Kreidezähne sind das Resultat einer Entwicklungsstörung, unter der Menschen unter bestimmten Gegebenheiten auch schon in der Vergangenheit litten.

Quellen und weitere Informationen zu “Kreidezähne/MIH: Ein wissenschaftlicher Beleg für Mangel und Fehlernährung”

  • Quelle: European Archives of Paediatric Dentistry December 2008, Volume 9, Issue 4, pp 166–171|Cite as “Nothing new under the heavens: MIH in the past?” by A. R. Ogden (Biological Anthropology Research Centre (BARC), Archaeological Sciences University of BradfordBradford England) Pinhasi (Archaeology University of CorkIreland) W. J. White (Centre for Human Bioarchaeology Museum of London, London England) Zusammenfassung Studie: Introduction: Bouts of malnutrition, disease and fever are known to depress the activity of the enamel-forming ameloblasts and to result in the formation of a thin and poorly calcified enamel matrix, with the formation of linearly distributed pits or grooves of defective enamel. Dental enamel hypoplasia (DEH) has therefore long been used as a non-specific indicator of systemic physiological stress during early life [Goodman and Rose, 1990; Gautelli-Steinberg et al., 1999]. Once formed, enamel is not remodelled during life and every individual’s enamel is a record of the first 8 or 9 years of their life when their crowns are formed [Smith, 1991; Skinner and Goodman, 1992; Hillson and Bond, 1997].” Results: Of the total number of individuals 41 (93.2%) showed signs of enamel developmental dysplasia or MIH, 28 of them showing moderate or severe lesions of molars, primary or permanent (63.6% of the sample). Incisors and canines, though surviving much less often, showed episodes of linear hypoplasia. Conclusion: The extensive lesions seen on many of the molars displayed cuspal enamel hypoplasia (CEH). Many of these teeth also exhibited Molar Incisal Hypomineralisation (MIH).”  https://link.springer.com/article/10.1007/BF03262632

Zusammenfassung: Viel Wissen, wenig Anwendung. Warum?

Für gesunde Zähne sind folgende “Zutaten” notwendig:

  1. Alle relevanten Nährstoffe: Bei einem gesunden Körper gibt es einen ständigen Prozess des Auf- und Abbaus von Mineralstoffen in Zähnen. Damit diese für den Zahnerhalt wichtigen Stoffwechselprozesse richtig funktionieren, muss die Nahrung aus hochwertigen Rohstoffen bestehen und eine angemessene Konzentration von Nährstoffen, besonders von denen, die für den Zahnaufbau notwendig sind, aufweisen.
  2. Keine/wenige Giftstoffe: Nahrung sollte keine bis wenige Substanzen enthalten, die unsere Darmflora und Leber schädigen, sonst funktionieren die notwendigen Stoffwechselprozesse nicht. Dazu gehören zum Beispiel viele Medikamente, Zucker, Nitrat, Salz, Aluminium und Pestizide.
  3. Bewegung und Sonne: Zusätzlich braucht der Körper ausreichend Bewegung und Sonne (bzw. Fisch), um die Versorgung mit Vitamin D – der Grundvoraussetzung für eine korrekte Einlagerung von Calcium und Phosphat in den Zähnen – zu gewährleisten.

Kinder brauchen also, besonders in den ersten Lebensjahren, Nahrungsmittel, die diese aufgeführten Nährstoffe beinhalten: Hülsenfrüchte, Kräuter, Eier, volles Getreide, viel grünes Gemüse, Samen und Nüsse. Die meisten Kinder bekommen aber von diesen Lebensmitteln offenbar zu wenig. Dafür bekommen sie Nahrung mit wenig Vitaminen und Mineralstoffen und Zutaten, welche die Darmflora, Leber und etliche weitere Organe und Stoffwechselprozesse stören: Wurst, Nudeln, Frischkäse, Kekse, Eis, Milchpulver, Süßigkeiten und salzige Knabberartikel.

Hinzu kommt, dass sich unsere Kinder oft nur eingeschränkt bewegen und in der Sonne – wenn überhaupt – nur unter Einwirkung von Sonnenschutzmitteln spielen dürfen. Häufiger Stress in Form von Lärmbelästigung, Krankheiten, Unruhe in externen Betreuungsmodellen sowie eine familiäre Überlastung stehen ebenfalls schon für Säuglinge und Kleinkinder auf der Tagesordnung. All diese oft dauerhaften Stresssituationen bedeuten eine zusätzliche Belastung für den wachsenden Organismus.

Wenn man sich dieses Gesamtbild anschaut, ist eine Störung der Zahnschmelzstruktur, ebenso wie etliche weitere Erkrankungen, wahrlich keine Überraschung.

ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme von DGE und BMEL

Die Ministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und Gesundheit (BMG) haben den gesetzlichen Auftrag, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Menschen in Deutschland, insbesondere Kinder, sich gesund entwickeln und auch gesund bleiben können. Diesem Auftrag werden die beiden Ministerien nicht gerecht.

Auf den folgenden Seiten belege ich anhand der öffentlichen Ernährungspläne für Kindertagesstätten, mit welchen Informationen und Methoden die zuständigen Ministerien systematisch falsche oder zumindest irreführende Informationen verbreiten.

Hintergrund der öffentlichen Ernährungspläne

Gemeinsam haben das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Ernährungspläne erstellt. Diese Pläne nennen sich Qualitätsstandards und wurden für folgende gesellschaftliche Teilbereiche konzipiert:

  • Kindertagesstätten
  • Ganztagsschulen
  • Krankenhäuser
  • Rehakliniken
  • Pflegeheimen
  • Betriebskantinen
  • Lieferdienste bzw. “Essen auf Rädern”

Die Qualitätsstandards wurden in Deutschland ab 2005 für die unterschiedlichen Gesellschaftsbereiche eingeführt. Das Ziel dieser Pläne ist, die jeweiligen Einrichtungen zu unterstützen und eine gesunde Nahrungsgestaltung zu gewährleisten. Es werden Informationen für die Zubereitung der unterschiedlichen Mahlzeiten bereitgestellt und ausgewählte Nahrungsmittel empfohlen. Diese Standards sind nicht gesetzlich verpflichtend, aber Einrichtungen können sich für deren Umsetzung zertifizieren lassen.

Seit 2005 bilden diese Pläne also eine wichtige Grundlage für die öffentliche Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung. All diese Pläne sind in Bezug auf Aufbau und Informationsgehalt fast identisch. Überall werden die gleichen Gerichte und Nahrungmittelkomponenten vorgeschlagen, und genau diese Gerichte sieht man nun in allen öffentlichen Bereichen.

Qualitätsstandards für Kindertagesstätten

Das deklarierte Ziel des Qualitätsstandards für Kindertagesstätten ist, die Einrichtungen zu unterstützen, eine wirklich gesunde Nahrungsgestaltung für unsere Kinder zu gewährleisten. In diesen Standards, ebenso wie in allen anderen Qualitätsstandards, ist die deklarierte Intention des ehemaligen Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt, sowie des Geschäftsführers der DGE, Dr. Oberritter, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Christian Schmidt erklärt auf Seite 6 dieses Qualitätsstandards:

“Kinder sollen gesund aufwachsen – dazu ist gutes und qualitativ hochwertiges Essen eine wichtige Voraussetzung. Gesundes Essen dient auch als Basis für Lebensqualität und Zufriedenheit und trägt zu guter Gesundheit im späteren Leben bei.

Dieser Qualitätsstandard hilft bei der Umsetzung einer gesundheitsfördernden Ernährung in die Praxis. Erfüllt eine Kindertagesstätte die geforderten Kriterien, besteht die Möglichkeit einer Zertifizierung. Die Tageseinrichtung beweist damit ihr Engagement für eine vollwertige und qualitativ hochwertige Verpflegung.”

Dr. Oberritter betont auf Seite 7:

“Menschen zu befähigen, ihr optimales Gesundheitspotenzial zu verwirklichen, bedeutet auch, ihr alltägliches Lebensumfeld gesundheitsfördernd zu gestalten – und das von Anfang an….

Mit dem ˈDGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinderˈ hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten ein grundlegendes Instrument entwickelt, um die Qualität der Verpflegung in Tageseinrichtungen zu sichern….

Kriterien zur optimalen Lebensmittelauswahl, der Häufigkeit der Verwendung bestimmter Lebensmittel sowie der Speisenplanung und -herstellung bis hin zum nährstoffoptimierten Verpflegungsangebot geben die Rahmenbedingungen vor.”

Die reale Umsetzung dieser Qualitätsstandards führt aber nicht dazu, ein “optimales Gesundheitspotential zu verwirklichen”. Es bestehen folgende Schwachstellen:

  1. Anpreisung ungesunder Lebensmittel: Es wird an etlichen Stellen explizit angeregt, industriell hergestellte Lebensmittel zu konsumieren. Auf die Gefahren der Zusatzstoffe oder die Belastungen durch Rückstände von Pestiziden und Hormonen wird nicht hingewiesen. Es wird nicht erklärt, dass diese Lebensmittel oft viel zu wenig essenzielle Nährstoffe, zu wenig sekundäre Pflanzenstoffe sowie selten natürliche Pro- und Präbiotika aufweisen.
  2. Irreführende und unspezifische Informationen: Nahrungsmittel, die gravierende Unterschiede in der Konzentrationen von Nährstoffen aufweisen, werden als gleichwertig deklariert.
  3. Vorenthaltung gesundheitsfördernder Lebensmittel: Etliche Lebensmittel, die eine besonders positive Wirkung auf den menschlichen Organismus haben, werden als Nahrungsmitteloptionen nicht oder nur sehr beiläufig erwähnt.
  4. Fehlende Berücksichtigung essenzieller Nährstoffe: Nährstoffverluste durch Transport, Lagerung oder lange Kochzeiten werden nicht ausreichend erläutert und müssen laut der Qualitätsstandards auch nicht angemessen kompensiert werden. Auf die notwendige Versorgung mit essenziellen Nährstoffen wird nur unvollständig eingegangen.
  5. Orientierung an Wirtschaftlichkeit: Es wird den Betreibern von Kantinen ein großer Spielraum eingeräumt, sich nach wirtschaftlichen Interessen zu richten, ohne auf mögliche Nachteile für die Gesundheit von Kindern einzugehen.

In der Summe und praktischen Umsetzung bedeuten die Anweisungen der Qualitätsstandards, dass Kinder im öffentlichen und verpflichtenden Bildungssystem minderwertige Zutaten konsumieren, ihnen zu wenig natürliche essenzielle Nährstoffe verabreicht werden und sie gleichzeitig erhöhten Belastungen durch Schadstoffe ausgesetzt werden.

Quellen und weitere Informationen zu “ANWEISUNGEN: Ernährungspläne und Einflussnahme der DGE und BMEL (ANMERKUNG 22.07.2019: Die folgenden Links sind nicht mehr aktiv; die Broschüren wurden von den Webseiten in der Zwischenzeit entfernt)

Schwachstellen im Detail

Auf den folgenden Seiten beleuchte ich die benannten Schwachstellen im Detail und belege mit konkreten Beispielen aus dem Qualitätsstandard für Kindertagesstätten, wie bestimmte Anweisungen, Vorenthaltungen und Fehlinformationen eine mangelhafte Verpflegung nach sich ziehen.

Die aktuelle Version, dieses Qualitätsstandards, ist die 5te Auflage, 2., korrigierter Nachdruck 2015. Die Öffentlichkeit kann die Pläne unter folgender Webseite einsehen: www.fitkid-aktion.de.

BEISPIEL 1: Anpreisen ungesunder Lebensmittel – allgemein

In den Qualitätsstandards werden für praktisch alle Mahlzeiten Convenience-Produkte angepriesen. Als Convenience-Produkte werden vorgefertigte Lebensmittel bezeichnet, bei denen der Nahrungsmittelhersteller bestimmte Be- und Verarbeitungsstufen übernimmt, um die weitere Zubereitung in privaten Haushalten, in der Gastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung zu erleichtern.

Zu diesen Convenience-Produkten gehören im Grunde alle Lebensmittel, oder zumindest der größte Teil davon, die Kinder in den besagten größeren Gemeinschaftsverpflegungen zum Mittagessen bekommen. Auf Seite 14 wird erklärt:

“In der Gemeinschaftsverpflegung, und damit auch bei der Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder, werden Produkte unterschiedlicher Convenience-Stufen verwendet.”

Das ist demnach so vorgesehen und wird offenkundig als völlig in Ordnung betrachtet. Auf Nachteile durch die Nutzung dieser Produkte wird nicht eingegangen. Convenience-Produkte werden in 5 Stufen aufgeteilt:

 

Convenience-Stufe

Beispiele

1

küchenfertige Lebensmittel

entbeintes, zerlegtes Fleisch, geputztes Gemüse

2

garfertige Lebensmittel

Filet, Teigwaren, TK-Gemüse, TK Obst

3

aufbereitungsfertige Lebensmittel

Salatdressing, Kartoffelpüree, Puddingpulver

4

regenerierfertige Lebensmittel

einzelne Komponenten oder fertige Menüs

5

verzehr-/tischfertige Lebensmittel

kalte Soßen, fertige Salate, Obstkonserven, Desserts

Quelle: IN FORM DGE Qualitätsstandard für Tageseinrichtungen für Kinder Seite 14.

Auf Seite 14 wird erklärt:

“Beim Einsatz von Convenience-Produkten gelten folgende Grundsätze:”

“Erlauben es die zeitlichen und personellen Kapazitäten, sind Produkte der Convenience-Stufen 1 und 2 zu bevorzugen.”

“Beim Einsatz von Convenience-Produkten der Stufe 4 und 5 sollen diese immer mit Lebensmitteln der Stufe 1 und 2 ergänzt werden.”

Das heißt augenscheinlich, dass dann, wenn Kita-Betreiber keine Zeit oder zu wenig personelle Kapazitäten haben – was ja häufig der Fall ist –, die Produkte der Stufe 3, 4 und 5 großzügig, und wenn nötig täglich, angeboten werden dürfen. Auf mögliche Belastungen und physiologische Konsequenzen durch Schad- und Zusatzstoffe wird nicht eingegangen.

Produkte, die keiner Convenience-Stufe angehören, werden gar nicht in Erwägung gezogen. Die Option, dass auch im Garten einer Großküche Kräuter, Gemüse oder Obstbäume wachsen und genutzt werden können, wird nicht vorgeschlagen.

Zusammengefasst: Convenience-Produkte werden als akzeptable, gesundheitsfördernde und täglich zu nutzende Nahrungsmittel dargestellt. Eine Selbstversorgung oder lokale Produktion durch Kinder und Personal wird nicht in Erwägung gezogen.

BEISPIEL 2: Anpreisen ungesunder Lebensmittel- Fleisch- und Wurstprodukte

Als optimale Lebensmittelauswahl für das Frühstück und als Zwischenmahlzeit werden Fleisch- und Wurstwaren als Belag angeraten. Für die Mittagsverpflegung sollen bis maximal achtmal pro Monat mageres Muskelfleisch und Wurstprodukte oder Fisch verabreicht werden. Explizit aufgeführt werden als Beispiel zur praktischen Umsetzung: Truthahn-Mortadella, Kochschinken, Bierschinken, Putenbrust, Hähnchenschnitzel und Rinderbraten (siehe Seite 11 und 16).

Das sind fragwürdige Anweisungen, denn es ist zu bedenken: Auch diese Produkte weisen oft etliche kritische Zusatzstoffe, insbesondere Salz, Phosphat und Nitrat sowie künstliche Aromen auf.

Wenn das Fleisch aus der Massentierhaltung stammt, gibt es zusätzlich auch noch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Antibiotika und Hormonen. Bei Putenfleisch aus der Massentierhaltung ergeben sich weitere Gefahren durch eine häufige Belastung mit multiresistenten Keimen. (Multiresistente Keime können bei einem hohen Einsatz von Antibiotika entstehen. Wenn diese Keime in den menschlichen Körper gelangen, können sie schwere Krankheiten auslösen, welche aufgrund der Resistenz gegen herkömmliche Medikamente dann entsprechend schwer zu bekämpfen sind.)

Zur Veranschaulichung hier zwei Beispiele von Produkten, die laut Qualitätsstandard für eine Frühstücksoption, als Zwischenmahlzeit oder als Mittagsverpflegung genutzt werden können (Angaben laut Verpackungen der Hersteller, Hervorh. d. A):

Meica Bockwurst Knackig Zart: “ZUTATEN Schweinefleisch 80 %, Trinkwasser, Speisesalz, Gewürze, Gewürzextrakte (mit SELLERIE), Dextrose, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, Konservierungsstoff: Natriumnitrit, Saitling, Rauch. Glutenfrei, laktosefrei”

Wiesenhof “Bierschinken”: “ZUTATEN: 80% Geflügelfleisch (Truthahnfleisch, Hähnchenfleisch), Trinkwasser, jodiertes Nitritpökelsalz (Kochsalz, Konservierungsstoff: Natriumnitrit; Kaliumiodat), Dextrose, Zucker, Maltodextrin, Würze (aus Raps und Mais), Gewürze, Stabilisator: Diphosphate; Antioxidationsmittel: Natriumascorbat; Aromen.”

Anmerkung zu diesen Beispielen:
  1. Gefährlich hohe Konzentration von Speisesalz: Mengenangabe für Speisesalz bei Meica Bockwurst ist 1,8 Gramm pro 100 Gramm, bei Wiesenhof Bierschinken 2,5g pro 100g. Empfohlene Tagesdosis für Kinder 1-4 Jahre ist 1,016g. Salz wird als Konservierungsstoff genutzt und ist in allen Wurstprodukten bedenklich hoch.
  2. Bedenklicher Konservierungsstoff Natriumnitrit: Nitrat wird hier als Konservierungsmittel und Farbstabilisator genutzt und hat gefährliche Nebenwirkungen. Besonders für kleine Kinder (siehe vorheriges Kapitel). Eine Mengenangabe muss auf Lebensmittelverpackungen nicht angegeben werden. Sowohl Natriumnitrit als auch Kaliumnitrit dürfen auch in biologisch erzeugten Produkten genutzt werden.
  3. Knochen- und arterienbelastender Phosphatzusatz: Bei dem hier eingesetzten Diphosphat handelt es sich um einen Phosphatzusatz, der, wie im vorherigen Kapitel beschrieben, das Calcium-Phosphat-Gleichgewicht im Körper negativ beeinflussen und in Folge zu Störungen des Knochen- und Zahnstoffwechsels führen kann. Eine solche Beeinflussung ist besonders im Wachstum bedenklich. Eine Mengenangabe muss nicht angezeigt werden. Biologisch produzierte Produkte dürfen keine Phosphat-Zusätze aufweisen.

Zusammengefasst: Es wird angeregt, dass Kinder regelmäßig verarbeitete Wurstprodukte und mageres Muskelfleisch verzehren. Auf gesundheitliche Gefahren durch Salz und Zusatzstoffe, insbesondere bei Produkten aus der Massentierhaltung, wird nicht hingewiesen. Der Verzehr von traditionellen und nährstoffreichen Zutaten wie Leber, Knochenmark oder Nieren, wird in den Qualitätsstandards nicht angeregt.

BEISPIEL 3: Irreführende und unspezifische Informationen in Bezug auf die Nutzung von Salz, Zucker und Fetten

Ebenfalls auf Seite 14 steht:

“Bei Produkten mit hohem Convenience-Grad sollten der Zucker- und Salzgehalt sowie die Art des verwendeten Fettes berücksichtigt werden.”

Auf Seite 16 wird ergänzt:

“Auf eine fettarme Zubereitung wird geachtet”

“Jodsalz wird verwendet, es wird sparsam gesalzen.”

“Zucker wird in Maßen eingesetzt.”

Der Betreiber soll also alle Produkte täglich evaluieren, auf Salz- und Zuckergehalt prüfen und errechnen, ob sich die Summen dann noch im verträglichen Rahmen für Kinder in den vorgegebenen Altersklassen bewegen? Wie genau sollen Betreiber von Kita-Kantinen das bewerkstelligen?

Für Zucker definiert die DGE kein verträgliches Maß. Was die Anweisung “in Maßen eingesetzt” bedeuten soll, bleibt unklar.

Salz bzw. Natrium wird in dieser Broschüre ebenfalls ohne einen Maximalwert aufgeführt. Aber die DGE hat für die Altersklasse 1-4 Jahre einen Richtwert von maximal 400mg Natrium auf ihren Webseiten unter Referenzwerten festgelegt. Diese Menge Natrium entspricht dem Äquivalent von 1016 mg Salz. Eine Ganztagsverpflegung dürfte dann anteilig wohl maximal 60% dieses Wertes ausschöpfen. 100 Gramm Brötchen mit Butter und Goudakäse haben allerdings bereits 2250mg Salz. Oder ein Krautsalat-Fertigprodukt von 100g kommt auf 1780mg Salz. Solche Produkte dürften, gemessen am empfohlenen Richtwert, dann gar nicht angeboten werden, stehen aber explizit im Ernährungsplan auf den späteren Seiten als Vorschläge.

Auf Seite 13 wird vorgeschlagen, als optimale Auswahl von Fetten “Rapsöl, Walnuss-, Weizenkeim-, Oliven- oder Sojaöl” zu benutzen. Wenn aber Produkte der Convenience-Stufe 3, 4, 5 verabreicht werden, dann sind darin oftmals Fette enthalten, die gar nicht für den Laien verständlich aufgelistet sind, und die selten diese teuren Nuss- und Keim-Öle beinhalten. Von der Industrie wird häufig das deutlich günstigere und weniger wertige Palmöl genutzt. (Palmöl hat nur ca. 20% Vitamin E im Vergleich zu Weizenkeimöl). Was genau soll der Kitabetreiber dann beachten? Welche Produkte soll er benutzen?

Speziell für den Konsum für Zucker werden weiterhin folgende Aspekte erklärt (Seite 19):

“Die meisten Kinder essen sehr gerne Süßigkeiten wie Schokoladenriegel, Kekse oder süße Brotaufstriche und bevorzugen süße Getränke. Gegen eine geringe Menge Süßigkeiten ist nichts einzuwenden. Diese wird in der Regel außerhalb der Tageseinrichtung, zum Beispiel im Elternhaus, verzehrt. Wenn einige Kinder Süßigkeiten von zu Hause mitbringen und andere nicht, können zudem Neid und Streitigkeiten entstehen. Daher ist es wichtig, dass die Einrichtung in Bezug auf den Umgang klare Regeln definiert”

Gegen Süßigkeiten ist demnach generell nichts einzuwenden und es wird erwartet, dass eine gewisse Menge praktisch täglich, zumindest im Elternhaus, konsumiert wird. Gefahren durch den Konsum von Süßigkeiten entstehen nach diesen Empfehlungen lediglich dadurch, dass Kinder untereinander Gefühle von Neid entwickeln. Man braucht Regeln für den Konsum, aber keine generellen Verbote. Visuell beworben werden Süßigkeiten mit einer Nahaufnahme von zwei Kinderhänden mit 6 Gummibärchen. Weiterhin ist auf Seite 19 zu lesen:

“Alternativ können ab und zu eine vollwertige süße Hauptmahlzeit, fruchtige Desserts oder Gebäck aus Vollkornmehl zubereitet, beziehungsweise in den Speiseplan eingebaut werden.”

“Süßigkeiten sind nur zu besonderen Anlässen erlaubt”

“Üblicherweise werden zu Anlässen, wie zum Beispiel religiösen Feiertagen, Sommerfesten oder Geburtstagen, Speisen und Getränke angeboten. Ob Kuchen oder belegte Brote, Süßes oder Pikantes, Tee oder Saft, es obliegt der Einrichtung, die Speiseauswahl an diesen Tagen zu steuern.”

Zu entscheiden, was als “besonderer Anlass” gewertet wird, obliegt demnach also den Einrichtungen selbst. In unserer Kita wird dieser Interpretationsfreiraum wie folgt gelebt: Wenn die Kantine keinen Nachtisch stellt, gibt es abgepackte Kekse, im Sommer gibt es öfter ein Eis am Nachmittag und belohnt wird das Aufräumen zuweilen mit Gummibärchen und anderen Süßigkeiten. An Geburtstagen, bei Sommerfesten, zum Advent und Fasching, zu Ostern, bei Übernachtungsparties und Ausflügen gibt es teils große Mengen an Kuchen, Keksen, Eis und Süßigkeiten. Im Schnitt kommen solche “Ausnahmen” ca. alle 7 bis 8 Tage vor. Dieses Verhalten scheint laut Ernährungsplänen völlig akzeptabel zu sein. Was dieses Verhalten jedoch für die tägliche und notwendige Nährstoffversorgung bedeutet, wird nicht erklärt.

Zusammengefasst: Produkte mit zugesetztem Zucker, Salz und industriellen Fetten werden als verträgliche Nahrungsmitteloptionen, auch für kleine Kinder, beworben. Klar definierte Höchstmengen werden nicht benannt. Gesundheitliche Risiken werden nicht erläutert.

BEISPIEL 4: Irreführende und unspezifische Informationen für die Speisegestaltung

Unter der Rubrik “Speiseplangestaltung” erfährt man auf Seite 15:

“Das saisonale Angebot ist zu berücksichtigen”

“Kulturspezifische und regionale Essgewohnheiten sowie religiöse Aspekte sind zu berücksichtigen.”

“Die Wünsche und Anregungen der Kinder sind in geeigneter Form in der Speiseplanung berücksichtigt.”

Was genau bedeutet “das saisonale Angebot ist zu berücksichtigen”? Der Betreiber soll dann z.B. in den Wintermonaten einmal in der Woche Weißkohl anbieten oder jeden Tag etwas Saisonales? Das würde dann bedeuten, dass die Kitabetreiber das Jahr über ständig ihre Speisepläne umstellen und an das saisonale Angebot anpassen sollten, oder? Das wäre in der Theorie machbar, dürfte wohl aber nur selten umgesetzt werden.

Was genau macht ein Kitabetreiber, wenn er drei Kinder in der Gruppe von 21 Kindern hat, die zu Hause aus “kulturspezifischen” Gründen kein Fleisch essen? Einfach die Fleischsoße weglassen und Ketchup anbieten? Wie soll der Kitabetreiber dann sicherstellen, dass alle Mikronährstoffe aufgenommen werden?

Wie genau sollen die Wünsche und Anregungen von Kindern berücksichtigt werden? Wenn Kinder einen Eintopf nicht mögen und lieber Milchreis, Schnitzel oder Dosenmais essen wollen, sollte der Kantinenbetreiber diese Wünsche umsetzen? Welche Konsequenzen hat das dann für die Versorgung der Kinder mit Nährstoffen?

Zusammengefasst: Die praktische Umsetzung dieser Anweisungen führt im Regelfall zu erheblichen Nährstoffdefiziten.

BEISPIEL 5: Irreführende und unspezifische Informationen in Bezug auf die Auswahl von Kohlenhydraten

Unter der Sektion “Anforderungen an einen Vier-Wochen-Speiseplan für die Mittagsverpflegung” wird erklärt, es sollen bei jeder Mahlzeit, also 20x pro Monat, Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln angeboten werden. (Seite 16). Als praktische Beispiele zur Umsetzung werden folgende Optionen aufgeführt:

“Pell- und Salzkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffeleintopf

Reispfanne, Reis als Beilage

Lasagne, Couscous-Salat, Hirseauflauf

Grünkern-Bratlinge, Polentaschnitten

Vollkornteigwaren, Vollkornpizza, Naturreis

Halbfertig- oder Fertigprodukte wie z.B. Kroketten, Pommes frites, Kartoffelecken, Reibekuchen, Gnocchi, Püree, Klöße”

Als Auflage wird definiert: 4x Vollkorn, 4x Kartoffelerzeugnisse. Die Auswirkung des jeweiligen Verarbeitungsgrades auf die Nährstoffkonzentration wird nicht erwähnt. Betreiber dürfen frei wählen zwischen Convenience-Stufe 1 bis 5. Selbst die Kartoffeln zu schälen oder Nudeln selbst herzustellen, wird nicht angeregt. Dass ist kurios, denn die empfohlenen Beilagen liefern ganz unterschiedliche Nährstoffprofile. Manche Lebensmitteloptionen sind gesund, andere weniger. Das zeigt die folgende Tabelle:

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 mg

Vitamin B 6 um

Folsäure µg

Vitamin C mg

Vollkornbrot

233

8

42

540

260

25

90

245

3,0

2,4

0,005

1,1

0,29

0,12

0,24

20

0

Toastbrot Weizenmehl (Weißbrot)

244

8

49

540

130

60

25

90

0,7

0,7

0,015

0,6

0,09

0,06

0,02

20

0

Naturreis (gekocht)

128

3

27

3

75

6

40

100

1,2

0,7

0

0,2

0,07

0,02

0,05

6

0

Reis poliert (parboiled)

122

2

27

2

45

10

10

40

1,0

0,6

0

0,1

0,08

0,01

0,07

4

0

Vollkornnudel mit Ei (gekocht)

137

5

24

110

140

20

45

150

1,5

1,4

0,005

0,5

0,15

0,06

0,20

20

0

Teigwaren weiß ohne Ei (gekocht)

143

5

28

100

50

10

20

65

0,5

0,6

0

0,1

0,03

0,02

0,06

9

0

Pellkartoffel (gekocht)

75

2

15

4

410

10

25

50

0,9

0,4

0,005

0,1

0,10

0,05

0,19

10

15

Gnocchi

154

4

32

420

125

15

10

45

0,3

0,3

0,005

0,2

0,05

0,01

0,02

10

10

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

14

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseke/Heseker

Anmerkung zur Tabelle – man sieht:
  • Bei fast allen Werten liefert die Vollkorn-Variante deutlich höhere Mikronährstoffkonzentrationen als polierter Reis oder Weizen-Toast aus Weißmehl, allerdings dürfen beide Optionen gewählt werden.
  • Die verarbeiteten Produkte wie Brot und Gnocchi überschreiten schon bei 100g die empfohlene tägliche Höchstdosis für Natrium (Salz).
  • Für Kohlenhydrate sowie für Magnesium und Zink wäre Vollkornbrot als Quelle relevant, allerdings sind hier die Salz-Werte bedenklich hoch.

Völlig unklar ist, warum Kartoffeln bei der DGE in der Sektion von Kohlenhydraten und nicht unter Gemüse geführt werden. Pellkartoffeln, Kartoffelgratin oder Kartoffelpüree haben einen ähnlichen Kohlenhydratwert wie Zuckermais, Pastinaken, Erbsen und Bohnen. Diese Lebensmittel werden alle als Gemüse geführt.

Zusammengefasst: Die als gleichwertig angepriesenen Lebensmittel beinhalten sehr unterschiedliche Nährstoffangebote. Es ist völlig unklar, warum Convenience-Produkte wie z.B. Kroketten, Pommes frites, Kartoffelecken, Reibekuchen, Gnocchi, Püree, Klöße Kartoffeleintopf oder Lasagne angeboten werden dürfen. Diese Produkte sind nicht gesundheitsfördernd.

BEISPIEL 6: Irreführende und unspezifische Informationen am Beispiel Obst, Gemüse und Kräuter

Die DGE erklärt, man brauche essenzielle Nährstoffe. Dabei werden Obst und Gemüse oft als gute Quellen angegeben, um den täglichen Bedarf zu decken. Es wird erklärt, Gemüse und Salat solle es bei jeder Mahlzeit geben, Obst an 8 von 20 Tagen. Welche Sorten zu wählen sind, wird nicht definiert. Auf Seite 17 wird bezüglich Kräutern noch erwähnt:

“Zum Würzen werden frische oder tiefgekühlte Kräuter verwendet.”

Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Details – wo genau finden sich denn die notwendigen Vitamine und Mineralstoffe? Die nachfolgende Tabelle gibt Aufschlüsse:

 

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium (Salz) mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 mg

Vitamin B 6 µg

Folsäure µg

Vitamin C mg

KRÄUTER

                 

Rosmarin

63

1

8

8

155

215

25

10

4,8

0,5

0,31

0,1

0,08

0,40

0,30

45

150

Brunnenkresse

21

2

2

10

275

180

35

65

3,0

0,7

4,9

1,5

0,09

0,17

0,13

40

95

Petersilie

61

4

7

35

810

180

45

90

3,6

0,7

5,2

3,7

0,14

0,30

0,20

150

160

Brennnessel

46

7

1

80

475

710

80

140

4,0

1,0

2,4

0,8

0,20

0,15

0,16

30

330

GEMÜSE

                 

Gurke

13

1

2

3

165

15

8

15

0,2

0,2

0,37

0,1

0,02

0,03

0,04

15

8

Tomate

19

1

3

3

235

10

10

20

0,5

0,2

0,59

0,08

0,06

0,04

0,10

20

20

Möhre

32

+

5

60

330

35

15

35

0,4

0,3

9,8

0,5

0,07

0,05

0,27

15

7

Brokkoli

34

4

3

20

260

60

20

60

0,8

0,5

0,85

0,6

0,10

0,18

0,28

40

95

OBST

                 

Apfel

58

+

11

1

120

5

5

10

0,2

0,1

0,029

0,5

0,04

0,03

0,10

8

10

Banane

92

1

20

1

370

7

30

20

0,4

0,2

0,03

0,3

0,04

0,06

0,36

15

10

Mandarine (Konserve)

85

+

19

1

70

20

6

10

0,2

+

0,055

0,1

0,02

0,01

0,01

2

9

Kirsche

56

1

13

2

135

12

20

15

0,5

0,1

0,02

0,1

0,01

0,03

0,02

10

5

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

16

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseker/Heseker

Anmerkungen zur Tabelle – man sieht:
  • Die Kräuter sind nahezu unschlagbar bei Pro Vitamin A und C, teilweise auch bei Kalium. Sie sind gute Lieferanten für Eisen, Magnesium und Zink sowie für Folsäure, Vitamin B2 und B6. Brennnessel, kostenfrei in der Natur zu finden, ist zusätzlich eine sehr gute Quelle für Calcium. Es reichen schon kleine Mengen dieser Kräuter, um den täglichen Bedarf an etlichen essenziellen Nährstoffen zu decken.
  • Auf Zuchtgemüse, wie Gurke und Tomate, könnte in Bezug auf Vitamine und Mineralstoffe weitgehend verzichtet werden. Dafür liefern Mohrrüben und Brokkoli ebenfalls gute Werte bei Provitamin A und Kalium. Brokkoli hat ferner relevante Mengen an Vitamin C, zumindest, wenn er frisch geerntet und verzehrt wird.
  • Das Zuchtobst Apfel, Mandarine und Kirsche schneidet – abgesehen von Kohlenhydraten, also Fruchtzucker, und B2 bei der Banane – bei allen Werten deutlich schlechter ab als Kräuter, Möhren und Brokkoli.

Zusammengefasst: Obst, Gemüse und Kräuter haben ganz unterschiedliche Nährstoffprofile. Das gilt für den unverarbeiteten Zustand und besonders, wenn man unterschiedliche Lagerungs- und Verarbeitungsmethoden wählt. Warum werden diese gravierenden Unterschiede nicht erklärt? Warum regen das BMEL und die DGE nicht an, dass sich Kindergärten, Kitas und Grundschulen mindestens einen kleinen Kräutergarten anlegen und Kinder täglich mit etwas frischem Grün versorgen?

BEISPIEL 7: Irreführende und unspezifische Informationen am Beispiel Ernährungsbildung

Ab Seite 28 wird auf zwei Seiten erläutert, dass kleine Kinder primär durch Imitation lernen. Ein vollwertiges Speiseangebot sowie eine Vorbildfunktion der Erzieher seien besonders wichtig. Es wird erklärt:

“Dabei sollte ausschließlich mit Motiven wie Genuss und Geschmack gearbeitet werden: ˈProbier doch mal! Das schmeckt richtig lecker!ˈ Andere geeignete Motive sind Entdecken, Probieren, Experimentieren, Selbermachen und Nachahmen. Eine Benennung von Lebensmitteln als ˈgesundˈ (gut) und ˈungesundˈ (schlecht) ist hingegen ungünstig. Besser ist es, mit Argumenten zu arbeiten: ˈMacht fit, macht stark, lässt dich wachsenˈ sind nur einige Beispiele.”

Laut dieser Aussage sollten Erzieher unseren Kindern NICHT erklären, dass viel Zucker, Salz, Limonade oder bestimmte Zusatzstoffe für sie schlecht sind und welche Lebensmittel sie meiden sollten. Warum nicht, wird nicht erklärt.

BEISPIEL 8: Vorenthaltung von physiologisch besonders gesundheitsfördernden Nahrungsmitteln

Beispiel Hülsenfrüchte: Diese Pflanzenprodukte haben eine besonders positive Wirkung auf den menschlichen Organismus. Aufgrund des hervorragenden Nährstoffprofils haben die Vereinten Nationen das Jahr 2016 zum “Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte” erklärt.

Über die Vorzüge dieser Pflanzengruppe liest man selbst auf den Seiten unseres Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung recht viel. In den Qualitätsstandards der DGE und BMEL spiegelt sich diese Weisheit aber nicht angemessen wider. Das ist kurios, wenn man bedenkt, dass Hülsenfrüchte nicht nur besonders wertvolle Nahrungsmittel sind, sondern auch sehr günstig und leicht zu verarbeiten.

Kurios ist ebenfalls, dass Hülsenfrüchte generell bei der DGE NICHT als Quelle für Kohlenhydrate und für Proteine gelistet werden. Hülsenfrüchte werden unter der Sektion Gemüse vergraben und zwar in folgender Reihenfolge: Ab Seite 16 steht (Hervorh. d. A.):

“Beispiele für praktische Umsetzung für Gemüse und Salat

gegarte Möhren, Brokkoli, Kohlrabi, Gemüselasagne, gefüllte Paprika (oder Zucchini, Auberginen) Erbsen-, Linsen-, Bohneneintopf, Ratatouille, Wok-Gemüse, Tomatensalat, Gurkensalat, gemischter Salat, Krautsalat.”

Hülsenfrüchte werden also eher am Rande erwähnt und das, obwohl sie hervorragende Lieferanten besonders für die gesunden langkettigen Kohlenhydrate sowie für Proteine sind und bei den Mikronährstoffen zusätzlich deutlich mehr zu bieten haben als Nudeln, Brot oder Gnocchi.

Ein Vergleich von Vollkornbrot, Teigwaren, Pellkartoffel gekocht sowie Kichererbsen, Kidneybohnen und Linsen (verzehrfertig, nicht Konserve und ohne Salz zubereitet) macht die Unterschiede deutlich:

 

 

 

 

100 Gramm des jeweiligen Produktes, verzehrfertig

Kcal

Eiweiß Gramm

Kohlenhydrate (gesamt)

Natrium (Salz) mg

Kalium mg

Calcium mg

Magnesium mg

Phosphor mg

Eisen mg

Zink mg

ß-Carotin (A Vorstufe) mg

Vitamin E mg

Vitamin B1 mg

Vitamin B2 µg

Vitamin B 6 um

Folsäure µg

Vitamin C mg

Vollkornbrot

233

8

42

540

260

25

90

245

3,0

2,4

0,005

1,1

0,29

0,12

0,24

20

0

Teigwahren weiß ohne Ei (gekocht)

143

5

28

100

50

10

20

65

0,5

0,6

0

0,1

0,03

0,02

0,06

9

0

Pellkartoffel (gekocht)

75

2

15

4

410

10

25

50

0,9

0,4

0,005

0,1

0,10

0,05

0,019

10

15

Kichererbsen

306

19

44

25

756

124

129

332

6,1

2,4

0,3

2,8

0,5

0,13

0,55

340

5

Mungobohnen

269

23

41

9

171

90

166

365

6,8

3,0

0,06

1,9

0,5

0,23

0,4

180

15

Linsen

275

20

40

7

837

65

130

412

8

3,4

0,1

1,1

0,48

0,26

0,58

170

7

Tagesbedarf eines Kindes 1-4 Jahre

1300

16

39

400

1000

600

80

500

8

3

3,6

6

0,6

0,7

0,4

120

20

Quelle: “Die Nährwerttabelle 2016/2017” Heseker/Heseker und Die Große GU Nährwertkalorien Tabelle Elmadfa/Aign/ Muskat/Fritsche

Anmerkung zur Tabelle – offensichtlich ist:
  • Kichererbsen, Mungobohnen und Linsen sind hervorragende Lieferanten für Kohlenhydrate. Sie haben exzellente Werte bei fast allen weiteren essenziellen Nährstoffen und liefern zusätzlich große Mengen an hochwertigem Eiweiß. Enthalten sind in diesem Eiweiß der Hülsenfrüchte alle für den Menschen essenziellen Aminosäuren. Die Eiweißmengen in Hülsenfrüchten sind vergleichbar mit denen von Fleisch.
  • Die angepriesene Nudel (Teigwaren weiß, ohne Ei) ist im Vergleich und in Bezug auf essenzielle Nährstoffe minderwertig und hat auch sonst, abgesehen von Kohlenhydraten, wenig zu bieten. Es ist somit fraglich, warum Nudeln überhaupt auf dem Speiseplan stehen.

Zusammengefasst: Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte sind hervorragende Nährstofflieferanten sowohl für etliche essenzielle Nährstoffe, als auch für die in der Wachstumsphase wichtigen Eiweiße und Kohlenhydrate. Warum wird diese Nahrungsmittelgruppe nicht deutlich empfohlen?

BEISPIEL 9: Fehlende Berücksichtigung von essenziellen Nährstoffen

Auf Seite 18 des Qualitätsstandards steht:

“Die Speisen der nährstoffoptimierten Menülinie sind im Speiseplan optisch hervorgehoben.”

Die Nährstoffe, auf die sich dieser Satz bezieht, findet man auf Seite 19 in Form einer Tabelle (siehe weiter unten). Aufgeführt werden in dieser Tabelle, Energie (KJ und kcal), Protein, Fett, Ballaststoffe, diverse Vitamine und Mineralstoffe. Für jede Kategorie findet sich ein Referenzwert, also die Angabe, wie viel von dem jeweiligen Nährstoff zugeführt werden soll, und das pro Altersgruppe “1 bis 4” und “4 bis 7” Jahre. Wie auch auf den Webseiten der DGE, gibt es hier keine Angaben, in welchen Lebensmitteln und in welcher Konzentration diese Nährstoffe enthalten sind.

“Die Gesamtenergiezufuhr (100%) ergibt sich aus folgenden energieliefernden Nährstoffen:

20 % Protein

30 % Fett

50% Kohlehydrate”

In Kursiv habe ich in der folgenden Tabelle eingefügt, wie hoch laut DGE der Tagesbedarf des jeweiligen Nährstoffs lauf Referenzwerten sein sollte.

 

Mittagstischbedarf

1 bis unter 4 Jahre

Tagesbedarf 1 bis unter 4 Jahre

Referenzwert Webseite

Mittagstischbedarf

4 bis unter 7 Jahre

Tagesbedarf 4 bis unter 7 Jahre Referenzwert Webseite

Energie (kJ)

1300

5500

1600

7500

Energie (kcal)

320

1300

380

1800

Protein (g)

16

1g/kg Körpergewicht

19

1g/kg Körpergewicht

Fett (g)

11

30-40

13

30-35

Vitamin E (mg)

2

6

2

8

Vitamin B1 (mg)

0,2

0,6

0,2

0,7

Folat (µg)

30

120

35

140

Vitamin C (mg)

5

20

8

30

Calcium (mg)

150

600

188

750

Magnesium (mg)

20

80

30

120

Eisen (mg)

2

8

2

8

Quelle: DGE Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder, Seite 19 und DGE Webseite für Referenzwerte

Anmerkungen zur Tabelle – man sieht:

Es werden lediglich die Vitamine E, B1, Folat und Vitamin C sowie die Mineralien Calcium, Magnesium und Eisen aufgeführt. Der gesamte Rest der essenziellen Nährstoffe wird nicht erwähnt. Warum nicht?

So fehlen Angaben zu folgenden essenziellen Nährstoffen:
  • Vitamine: A, D, K, B2, Niacin (B3), B6, Panthetonsäure (B5), Biotin (B7), B12
  • Mineralstoffe und Spurenelemente: Natrium, Chlorid, Kalium, Phosphor, Jod, Fluorid, Selen, Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän
  • Fettsäuren: Omega 3 und Omega 6

 

Zur Erinnerung: Die DGE stuft ALLE diese Mikronährstoffe als essenziell, also als lebensnotwendig, ein und schreibt dazu auf ihren eigenen Webseiten:

“Mit einer Zufuhr in Höhe der Referenzwerte werden lebenswichtige physische und psychische Funktionen sichergestellt, Mangelkrankheiten ebenso wie eine Überversorgung verhindert, Körperreserven geschaffen und – wo möglich – wird ein Beitrag zur Prävention chronischer ernährungsmitbedingter Krankheiten geleistet. Kurzum – die Umsetzung der Referenzwerte trägt dazu bei, Wachstum, Entwicklung und Leistungsfähigkeit sowie die Gesundheit des Menschen ein Leben lang zu fördern bzw. zu erhalten.”

Es bleibt fraglich, was genau Kita-Kantinen mit diesen Aussagen anfangen sollen? Berechnen, was Chicken Nuggets, Fertiglasagne und Pommes an Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen enthalten? Besonders schwierig gestaltet sich dieses Vorhaben, wenn man bedenkt, dass für die zulässigen Convenience-Produkte gar keine Angaben über Vitamine und Mineralstoffe gemacht werden müssen.

Zusammengefasst: Etliche essenzielle Nährstoffe müssen nicht berücksichtigt werden. Eine präzise Berechnung der Nährstoffe ist praktisch unmöglich und die tatsächliche Versorgung mit lebensnotwendigen Nährstoffen wird bei Befolgung dieser Pläne weit hinter den Vorgaben der Referenzwerte liegen.

BEISPIEL 10: Fehlende Berücksichtigung von essenziellen Nährstoffen

Ab Seite 17 findet man ein paar wenige Informationen zu Speiseherstellung:

“Die Warmhaltezeit zubereiteter Speisen beträgt maximal drei Stunden.”

“Frittierte und/oder panierte Produkte werden maximal 4x in 20 Verpflegungstagen angeboten”

“Für die Zubereitung von Gemüse und Kartoffeln werden fettarme und nährstoffreiche Garmethoden (Dünsten, Dämpfen, Grillen) angewendet.”

Wenn Essen drei Stunden warm gehalten wird, verursacht das unter anderem einen etwa 25%igen Verlust von Vitamin C und 15% Verlust von Vitamin B1. Wie diese Verluste ausgeglichen werden sollen, wird nicht erklärt.

Frittierte und panierte Lebensmittel werden auch für Kinder ab dem ersten Jahr als gesundheitsfördernd empfohlen. Welches Fett oder welche Panade genutzt wird, wird in diesem Abschnitt nicht erläutert.

Welche Konzepte sich hinter fettarmen und nährstoffreichen Garmethoden verbergen, wird nicht erklärt. Vor- und Nachteile bzw. Auswirkungen auf den Körper werden nicht erläutert.

Zusammengefasst: Es gibt keine klaren Hinweise auf Nährstoffverluste durch unsachgemäße Handhabung, mögliche weitere Ursachen oder wie man diese Verluste wieder ausgleichen kann.

BEISPIEL 11: Orientierung an Wirtschaftlichkeit – Option Nachhaltigkeit

Ab Seite 37 kommt die Sektion “Nachhaltigkeit”. Dort liest man:

“Für den Bereich Ernährung und Verpflegung wurde die Trias Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft durch die Dimension Gesundheit ergänzt.

Eine nachhaltige Ernährung sollte zum Beispiel folgende Aspekte beachten:

überwiegend pflanzlich

bevorzugt gering verarbeitet

ökologisch erzeugt

regional und saisonal

umweltverträglich verpackt

fair gehandelt”

Grundsätzlich sind diese Hinweise wichtig und lobenswert. Nur leider wird deren Umsetzung nicht eingefordert. Und mögliche Auswirkungen auf den Menschen werden auch nicht erläutert. So heißt es auf Seite 37:

“Es obliegt jeder Einrichtung selbst festzulegen, welche Bereiche von Bedeutung sind, beziehungsweise welche Aspekte der Nachhaltigkeit umgesetzt werden.”

Zusammengefasst: Alle aufgeführten Aspekte werden lediglich hinsichtlich der möglichen Auswirkungen auf die Umwelt, nicht aber hinsichtlich einer möglichen und direkten Beeinträchtigung der Gesundheit von Kindern betrachtet. Die optionale Formulierung ist ein offizieller Freifahrtschein, keinen dieser Aspekte berücksichtigen zu müssen. Da ein enormer Kostendruck auf fast allen Einrichtungen lastet, ist davon auszugehen, dass Aspekte dieser “Nachhaltigkeit” in den allermeisten Fällen minimal bis gar nicht umgesetzt werden. Dass konkret umgesetzte Nachhaltigkeit durch den Konsum von frischen regionalen Produkten eher gewährleistet wäre als durch Convenience-Produkte, wird nicht erwähnt.

Was wird in den Qualitätsstandards NICHT empfohlen?

Bei genauer Betrachtung der BMEL und DGE-Empfehlungen fällt auf, dass ein Großteil der Lebensmittel, die eine besonders hohe Nährstoffkonzentration haben, in den Qualitätsstandards für Kitas eine völlig untergeordnete Rolle spielen oder gar nicht empfohlen werden. Dazu gehören:

  1. Hülsenfrüchte: Sie sind, wie gesagt, hervorragende Nährstofflieferanten bei fast allen Mikro- und Makronährstoffen und werden im Qualitätsstandard nur beiläufig unter Gemüse geführt.
  2. Zwiebelgewächse: Hierzu gehören Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Bärlauch und Frühlingszwiebeln. Somit werden keine sekundären Pflanzenstoffe der Gruppe Sulfide empfohlen. Diese Stoffe wirken vorbeugend gegen Krebs und wachstumshemmend auf einige Mikroorganismen. Durch ihre antioxidative Wirkung schützen sie vor freien Radikalen. Außerdem wirken Sulfide der Entstehung von Blutgerinnseln entgegen und können den Cholesterinspiegel senken. Hinweise auf einen regelmäßigen Verzehr von Zwiebelgewächsen finde ich nicht.
  3. Eier: Hier wird maximal ein Ei pro Woche und Kind vorgeschlagen – und das inklusive einer Verarbeitung in den angedachten Mehlspeisen. Und das obwohl Eier eine der Hauptquellen bei 11 essenziellen Nährstoffen sind.
  4. Trockenobst und Samen: Diese werden nur als Bestandteile von Müsli als Frühstücksoption erwähnt. Diese Lebensmittel sind jedoch äußerst nährstoffreich, mit vielen Ballaststoffen und Proteinen und somit eine gute Alternative als süßer oder energiereicher Snack für zwischendurch.
  5. Nüsse: Sie stehen ebenfalls nicht auf dem Speiseplan, obwohl sie hervorragende Lieferanten von Proteinen und der nahezu gesamten Palette der Mineralstoffe sind – Selen, Magnesium, Mangan, Eisen etc.
  6. Pilze: Auch Pilze werden nicht empfohlen, obwohl sie ausgezeichnete Quellen für etliche lebensnotwendige Nährstoffe sind und eine der wenigen Nahrungsmittelgruppen, in denen sich auch Vitamin D in relevanten Mengen findet.
  7. Kräuter: Die ernährungstechnischen Vorteile von frischen Garten- und Wildkräutern sowie Gewürzen werden nur im Nebensatz als Anregung zum Würzen und ohne Spezifizierung erwähnt. Die teilweise beachtlichen Konzentrationen an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen sowie ihre vielfältigen positiven Wirkungen auf den Stoffwechsel werden nicht erklärt.
  8. Innereien wie Leber, Niere oder auch Knochenmark: Diese Produkte werden ebenfalls nicht empfohlen. Im Gegenteil: Auf Seite 13 wird explizit erklärt, man solle mageres Muskelfleisch als Option wählen. Wie oben aufgeführt, ist die Nährstoff-Differenz zwischen Muskelfleisch und den inneren Organen aber enorm – und zwar zu Gunsten der Organe. Leber ist bei den Vitaminen A, D, B2, B3, Folsäure, B5, Biotin und Eisen unschlagbarer Toplieferant.
  9. Nahrungsmittel, die eine gesunde Darmflora fördern, wie z.B. nicht erhitztes Sauerkraut oder generell fermentierte Lebensmittel mit lebenden Mikrobiotika, werden ebenfalls nicht erwähnt.

Quellen und weitere Informationen zu “Schwachstellen im Detail”

Zusammenfassung: Was lernen unsere Kinder über Ernährung in Kitas und Schulen und was lernen sie nicht?

Was Kinder in Kitas und Schulen essen, prägt ihr Verständnis und ihre Gewohnheiten in Bezug auf die Ernährung sowie ihre Geschmacksnerven ein Leben lang. Die für diese Prägung notwendige Ernährungsbildung ist auch Aufgabe des Gesetzgebers und staatlicher Institutionen und sollte entsprechend in Kitas und Schulen vermittelt werden. Dieser Aufgabe kommen das BMEL und die DGE mit ihren Ernährungsplänen nur unzureichend nach.

Im Gegenteil: Die Informationen, die über die Ernährungspläne sowie deren Umsetzung gegeben werden, vermitteln Grundprinzipien, die der Gesundheit nicht zuträglich sind.

Kinder lernen folgende ungesunde Ernährungsgewohnheiten:

  1. Zucker: Das weiße Pulver gehört zu einer ausgewogenen Ernährung. Empfohlene Tagesdosen oder Obergrenzen gibt es nicht. Süße Mehlspeisen dürfen gerne auch als vollwertige Mahlzeit verspeist werden.
  2. Salz: Das Verzehren von salzigen Knabberartikeln sowie Salz als Mittel zum Würzen ist in undefinierten Mengen völlig in Ordnung.
  3. Frittieren: Frittiertes ist auch für kleinste Kinder, selbst einmal in der Woche und als Hauptmahlzeit, zulässig. Welche Fette man bei der Zubereitung nutzt, ist wenig relevant.
  4. Convenience-Produkte: Industriell verarbeitete Lebensmittel sind zulässig und völlig in Ordnung, und das praktisch zu jeder Mahlzeit.
  5. Massentierhaltung: Milchprodukte und Wurstwaren, auch aus der Massentierhaltung, gehören regelmäßig auf den Speiseplan.
  6. Getreideprodukte: Brötchen, Nudeln, Baguette sollten jeden Tag mehrmals gegessen werden und gerne aus dem Supermarkt. Vollkornprodukte sind zwar vorzugswürdig, sie sind aber nicht zwingend notwendig.
  7. Bezugsquellen: Essen kauft man im Supermarkt und es kommt aus der Tiefkühltruhe, aus Plastikbechern, Dosen oder Pappkartons.
  8. Verarbeitungsgrad: Obst und Gemüse sind gesund – egal welches und egal ob frisch, gefroren, aus der Konserve, aus einem Quetschbeutel oder als Saft.
  9. Wahlfreiheit: Kinder dürfen selber entscheiden, was sie essen. Eine klare Unterteilung in gesunde und ungesunde Nahrungsmittel soll nicht vermittelt werden.

Kinder lernen nichts oder nur sehr wenig über folgende Lebensmittel, Prozesse und Konzepte:

  1. Lokale Naturprodukte: Das Identifizieren und Zubereiten von Lebensmitteln aus der Umgebung wie Beeren, Pilze, Nüsse, Wildkräuter werden nicht trainiert.
  2. Sinnesorgane: Die Geschmacksnerven der Kinder haben keine Möglichkeit, sich an besonders gesundheitsfördernde Nahrungsmittel zu gewöhnen. Dazu gehören neben dem Angebot aus der direkten Natur auch fermentierte Lebensmittel, Bitterstoffe aus Pflanzen und Innereien.
  3. Gefahren: Welche gravierenden Gefahren ein erhöhter Konsum von Zucker, Salz und Zusatzstoffen für ihren wachsenden Organismus bedeutet, wird nicht vermittelt.
  4. Differenzieren: Kinder lernen nicht, innerhalb der einzelnen Lebensmittelgruppen zu differenzieren. Welches Gemüse und welche Obstsorten besonders gesund und welche weniger wertvoll sind, wird nicht erklärt.
  5. Handhabung: Die Relevanz von einem sorgsamen und umsichtigen Umgang mit Lebensmitteln wird nicht vermittelt. Welche Auswirkungen unterschiedliche Lagerungs- und Zubereitungsmethoden auf die Nährstoffqualität haben, wird nicht erklärt.
  6. Stoffwechselprozesse: Welche Nahrungsmittel die Verdauung, die Leber und das Immunsystem unterstützen, wird nicht vermittelt. Das Identifizieren und Beheben möglicher Mangelerscheinungen, verursacht durch inadäquate Nahrung, wird nicht vermittelt.

Zusätzlich sollte Folgendes bedacht werden: Ganztagsschulen und Kitas sind verantwortlich für 40 – 60% der täglichen Nahrungsaufnahme unserer Kinder. Die von der DGE und dem BMEL ausgearbeiteten Ernährungspläne machen es unmöglich, eine ausreichende Versorgung der essenziellen Nährstoffe anteilig zu gewährleisten und sich gleichzeitig innerhalb der vorgegebenen Kalorienangaben für die Altersgruppe zu bewegen. Kinder werden in der betreuten Zeit also systematisch mit essenziellen Mikronährstoffen unterversorgt und gleichzeitig mit energiedichten Nahrungsmitteln überversorgt.

Die Anweisungen der Qualitätsstandards bedeuten weiterhin, dass Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit eine große Palette an Zusatzstoffen, Hormonen, Rückständen von Antibiotika und Pestiziden sowie Zusätze der Nahrungsmittelindustrie wie Glutamat, Phosphat und Nitrat zu sich nehmen. Die möglichen Nebenwirkungen sind bekannt, und bei vielen Kindern sind Symptome, die auf eine Belastung durch diese Substanzen vermuten lassen, schon heute mehr als sichtbar. Die Langzeitfolgen sind unerforscht.

DGE-Qualitätsstandards für alle Kinder

Genau diese Qualitätsstandards sollen nun in allen Kitas und Schulen eingeführt werden. Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, erklärte auf der Fachtagung KiTa- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz zum Auftakt der bundesweiten Tage der Schulverpflegung am 4.9.2018 Folgendes:

“Wir müssen gesunde Ernährung einfacher machen

  1. Maßnahme: Breitere Anwendung der DGE-Standards. Wenn es darum geht, gesunde Ernährung einfacher zu machen, sind unsere DGE-Standards der GOLD-Standard. Sie machen ein Essen weder teurer noch weniger lecker. Sie dienen als Leitplanke. Daher will ich auch, dass die Qualitätsstandards die Grundlage jedes Speiseplans in KiTas und Schulen werden.”

Quelle: https://www.bmel.de/SharedDocs/Reden/2018/18-09-04-Kita-Schulverpflegung.html

Die gleiche Intention wurde bereits im Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD (GroKo) 2018 verankert. Auf Seite 90 wird erklärt:

“Der Bund unterstützt die Länder, damit die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Mindeststandards flächendeckend in Schulen, Kitas und in der Gemeinschaftsverpflegung eingeführt werden. Dies erfolgt über die stärkere Unterstützung der Schulvernetzungsstellen und den Ausbau des ˈNationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schuleˈ (NQZ)”

Quelle: https://www.cdu.de/koalitionsvertrag-2018

Das Gesundheitswesen

Die meisten Bürger vertrauen darauf, dass ihre Ärzte und die von ihnen verabreichten Medikamente uns, und besonders unseren Kinder, helfen. Helfen gesund zu werden und es auch zu bleiben. Das ist leider sehr oft nicht der Fall.

Unsere medizinische Versorgung hat sich über Jahrzehnte in ein komplexes System entwickelt, in dem immer mehr Akteure ihren Lebensunterhalt verdienen: Menschen, die darauf angewiesen sind, dass möglichst viele Bürger krank sind und um ihre Hilfe bitten. Nur für eine angebotene Hilfe werden sie bezahlt. Damit sich das System erhält, müssen Konsumenten wiederkommen. Sie dürfen nicht vollständig genesen. Auf diesem Prinzip baut das westliche Gesundheitssystem auf.

Die Pharmaindustrie ist und war die wichtigste und treibende Kraft in dem Aufbau und in dem Erhalt dieses Systems. Sie ist ebenfalls der größte Nutznießer. Die Pharmaindustrie hat sich weltweit breit gemacht, sie hat finanzielle Abhängigkeiten geschaffen und das medizinische Grundverständnis von Bürgern in fast allen Ländern der Welt maßgeblich und zu deren Nachteil beeinflusst. Alle Bestrebungen der Pharmaindustrie haben und hatten immer ein primäres Ziel: Absatzsteigerung und Gewinnoptimierung.

In dem folgenden Kapitel beschreibe ich beispielhaft die Mechanismen und Auswüchse dieses gesundheitsgefährdenden und gesellschaftsschädigenden Systems. Ich erläutere, mit welchen Anreizen die Pharmaindustrie in fast alle Bereiche unserer medizinischen Versorgung eingreift und die unterschiedlichen Akteure instrumentalisiert, um die Absätze der eigenen Produkte zu steigern.

Ein Blick hinter die Kulissen

Die WHO erklärt, 86% aller Todesfälle in Europa seien durch Zivilisationskrankheiten, hauptsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Erkrankungen der Atemwege und Diabetes verursacht. All diese Krankheiten wären durch eine gesunde Ernährung, keinen Tabakkonsum, wenig Alkohol, mäßige Bewegung und weniger Dauerstress zu vermeiden.

Hier offenbart sich der nächste Teil unseres globalen Systemkollapses. Wir haben auf der einen Seite also etliche Industriezweige, die davon profitieren, dass Menschen überall auf der Welt künstliche Produkte essen. Auf der anderen Seite haben wir eine ebenso mächtige und wachstumsgetriebene Industrie, die uns dann angeblich wieder heilen will: Die Pharmakonzerne. Hinzu kommen eine Ärzteschaft, Wissenschaftler und diverse Hilfsberufe, die ebenfalls zum Teil stark davon profitieren, wenn wir krank sind.

Zahlenbeispiele

Die 10 größten Pharmaunternehmen beschäftigen zusammen ca. 800 000 Mitarbeiter weltweit und erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von ca. 335 Milliarden USD. Das ist vergleichbar mit dem Bruttoinlandsprodukt von zum Beispiel Ägypten. Also dem Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr innerhalb dieses Landes und einer Bevölkerung von knapp 100 Millionen Menschen produziert wurden.

Die 50 größten Pharmaunternehmen machten in 2014 gemeinsam einen Umsatz von 576 Milliarden USD. Das ist dann etwas mehr als Länder wie Schweden, Taiwan oder Argentinien. Alleine diese Zahlen verdeutlichen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Unter den Kassenschlagern befinden sich immer Produkte, die folgende Erkrankungen behandeln oder gar heilen sollen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Erkrankungen der Atemwege, Osteoporose, Schmerzen, psychische Störungen, oder Autoimmunerkrankungen wie Allergien. Die 10 größten Nutznießer der neuen “Zivilisationskrankheiten” sind folgende Pharmakonzerne:

Rang 2017UnternehmenGründungs-jahrHauptsitzUmsatz 2017 in Mrd. USD $Topseller
1Johnson & Johnson1886USA76Infliximab, Simeprevir, Abirateron
2Roche1898Schweiz53Rituximab, Bevacizumab, Trastuzumab
3Pfizer1849USA52Pregabalin, Pneumokokken-Impfung “Prevnar”, Etanercept
4Novartis1758Schweiz48Imatinib, Fingolimod, Ranibizumab
5Merck (MSD)1891USA40Sitagliptin, Ezetimib, Infliximab
6Sanofi1834Frankreich35

Insulin glargin, Clopidogrel, 

Enoxaparin-Natrium

7GlaxoSmith-Kline1873GB29Salmeterol/Fluticason, DTP+Hepatitis B+Polio-Impfstoff, Dutasterid
8AbbVie1888USA28

Adalimumab, Testosterongel, 

Iopinavir/ Ritonavir

9Gilead Sciences1987USA26

Sofosbuvir, Efavirenz/Emtricitabin/

Tenofovir (Truvada)

10AstraZeneca1913UK23

Rosuvastatin, Budesonid/Formoterol, 

Esomeprazol

Quelle: https://www.finanzen.net und Wikipedia

Quellen und weitere Informationen zu “Die Pharmaindustrie und ihre Helfer”

Die Macht der Akteure: Das Beispiel Novartis und Pfizer

Novartis war bis 2014 der größte reine Pharmakonzern weltweit. In 2017 betrug der Nettoumsatz 48 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn, also das, was nach Abzug aller Kosten übrig blieb, betrug über 7 Milliarden US-Dollar. Bis Ende 2017 war Joe Jimenez CEO von Novartis. Er erhielt für seine Leistungen in 2015 fast 12 Millionen US-Dollar. Ähnliche Verhältnisse von Umsatz zu Reingewinn und Gehältern für die oberste Führungsebene finden sich bei den anderen Pharmaunternehmen. Die meistverkauften Produkte bei Novartis sind folgende:

  • Diovan® (Valsartan) – Behandlung von Bluthochdruck
  • Glivec® (Imatinib) – Behandlung von Krebs
  • Ritalin® (Methylphenidat) – Behandlung Verhaltensauffälligkeiten und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen
  • Aclasta®/Zometa® (Zoledronat) – Behandlung von Osteoporose
  • Femara® (Letrozol) – Behandlung von Brustkrebs

Jedes einzelne dieser Produkte bringt dreistellige Millionen bis Milliardenumsätze. Es ist nicht im Interesse von Novartis, dass die Bevölkerung erfährt und lernt, wie sie sich vor diesen Krankheiten und körperlichem Zerfall mit Präventivmaßnahmen – also gesundem Essen, genug Bewegung, weniger Stress – selber schützen kann.

Über Lobbyarbeit und strategische Zusammenarbeit mit relevanten Entscheidern stellen die Pharmakonzerne sicher, dass sie besonders vorteilhafte Rahmenbedingen bekommen: Rahmenbedingungen, um neue Märkte zu erschließen, mehr Produkte platzieren zu können und ihre Gewinne weiter zu steigern.

Genau diesen Ansatz beschreibt zum Beispiel Pfizer auch auf seinen eigenen Webseiten unter der Überschrift “Responsibility” (Ein paar Auszüge finden sich auf Englisch unter den Quellenangaben zu diesem Abschnitt). Ebenso wie Nestlé prahlt Pfizer auf seinen eigenen Internetseiten damit, dass das Unternehmen in alle gesellschaftlichen Bereiche eingreift, immer unter dem Banner, etwas Gutes tun zu wollen. Was der Konzern in Wirklichkeit tut, ist, seine eigene Marktmacht auszubauen.

Und genauso wie zum Beispiel Nestlé sitzt Novartis ganz nah an den obersten Entscheidern der Welt über Gesundheit. Diese beiden jeweils weltweit größten Konzerne ihrer Branche haben ihren jeweiligen Hauptsitz in der Nähe von Genf. Genau dort finden sich auch die Zentralen der Weltgesundheitsorganisation, der Vereinten Nationen mit internationalen Programmen wie dem Joint United Nations Programme on HIV and AIDS (UNAIDS) sowie die World Heart Federation und etliche weitere globale Organisationen. Diese Organisationen setzten die politischen Rahmenbedingungen für die Versorgung mit Nahrung und verbreiten Informationen über relevante Gesundheitsprävention für die Bevölkerung in fast allen Ländern der Welt. Bei all diesen Organisationen finden sich Novartis, Pfizer, GlaxoSmithKline sowie praktisch alle weiteren globalen Pharmakonzerne unter den Sponsoren wieder.

Wie weitreichend der Eingriff in unsere Gesellschaft ist und wie viel Geld die Pharmakonzerne aufwenden müssen, damit wir Menschen die Produkte auch kaufen, mit denen sie so viele Profite erwirtschaften, lässt sich auch erahnen, wenn man sich die Kosten für Marketing im Vergleich zur Forschung betrachtet. Ein paar Beispiele für 2015:

FirmaHauptsitzMarketing in Mrd USDForschung in Mrd USD
Johnson & JohnsonUSA17.58.2
PfizerUSA11.46.6
NovatisSchweiz14,69,9
GlaxoSmithKlineGroßbritannien9,95,3

Quelle: Washington Post Studie Dadavits

Quellen und weitere Informationen “Beispiel Novartis und Pfizer”

Das Bindeglied: Die Ärzteschaft

Damit diese Verkettung von ungesunden Lebensmitteln, Krankheiten und deren Behandlung mit Medikamenten auch funktioniert, braucht es die Mediziner.

Es braucht Ärzte und Wissenschaftler, die die Gefahren von verarbeiteten Lebensmitteln wenig bis gar nicht erwähnen und die Wirksamkeit von Medikamenten und “modernen Behandlungsmethoden” hervorheben. Diese Botschaften müssen mit Studien und Publikationen bestätigt werden, damit die Lobby der Pharmaindustrie, der Ärzteschaft aber auch der Lebensmittelindustrie diese nutzen können, um ihre Interessen wirksam in den Medien und bei der Politik zu platzieren.

Ärzte und Wissenschaftler liefern natürlich nicht umsonst fragwürdige Informationen. Es braucht also “Incentives”: Geld, Geschenke, Honorare, kostenlose Ausbildungen, Fördergelder, Karriereoptionen und Ansehen.

Dass es Zahlungsströme zwischen der Pharmaindustrie und dem medizinischen Establishment gibt, ist schon länger bekannt und ausführlich dokumentiert. So finden sich für den deutschsprachigen Raum im Internet mit den Begriffen “Pharmaindustrie schmiert Ärzte” 46.000 Einträge (Google Search, gelistet am 22.9.2017). Hier handelt es sich seitenweise um Berichte aus erster Hand, die Korruption und Bestechungsmethoden beschreiben. Ein paar Schlagzeilen:

  • RTL News 30.7.2015 “15.000 Pharmavertreter machen jährlich 20 Millionen Besuche bei niedergelassenen Ärzten, um Werbung für ihre Produkte zu machen, und haben dabei oft die Spendierhosen an.”
  • Welt 17.4.2013 “Fangprämien für Patienten, Geschenke der Pharmaindustrie – die Korruption im Gesundheitswesen hat viele Gesichter.” Und “Die Ärzteschaft hat sich lange dagegen (die Offenlegung der Bezüge) gewehrt und gewarnt, ihren Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen”
  • n-tv 26.6.2012 “Das deutsche Gesundheitssystem begünstigt den Klüngel zwischen Medizinern und Pharmaherstellern.”

Dass sich zumindest ein Teil der Ärzteschaft von der Pharmaindustrie kaufen lässt, ist also keine neue Erkenntnis. Aber das Ausmaß dieser Zahlungsströme und deren Folgen überrascht dann doch – zumindest mich.

Seit Juni 2016 gibt es allerdings ein neues Antikorruptionsgesetz, welches mehr Transparenz von Zahlungsströmen einfordert. Seitdem haben die 54 größten Pharmaunternehmen ihre Zahlungen an die Ärzteschaft offengelegt. Ein Teil davon ist in einer Datenbank nun für die Bevölkerung einsehbar. In einer Zusammenarbeit haben der ORF, Der Standard und die Rechercheplattform CORRECTIV die Daten aufbereitet. Für Deutschland können Bürger nun für 20.000 Ärzte erfahren, welche Zahlungen sie von welchen Pharmaunternehmen erhalten haben. Als Einleitungstext zu der Datenbank schreibt CORRECTIV:

“71.000 Ärzte erhalten Geld von der Pharmaindustrie. Erstmals werden diese Interessenkonflikte nun öffentlich. Pharmakonzerne zeigen sich gern großzügig gegenüber Ärzten: Sie bezahlen sie für Vorträge, laden sie zu Kongressen ein, erstatten ihnen Hotelübernachtungen, honorieren sie für Anwendungsbeobachtungen. 575 Millionen Euro flossen auf diese Weise im vergangenen Jahr an mehr als 71.000 Ärzte und medizinische Einrichtungen in Deutschland. Nur 20.000 Ärzte sind aber einverstanden, dass ihr Name veröffentlicht wird.”

Das sind, wie gesagt, nur die Zahlungen für Deutschland in 2015. Internationale Zuwendungen der Pharmaindustrie an Mediziner betragen etliche Milliarden Euro.

Extra Geld für Anwendungsstudien

Besonders großzügig entlohnt werden so genannte “Beobachtungsstudien”: Die Pharmakonzerne bezahlen dafür, dass Ärzte Patienten bestimmte Medikamente verschreiben. Auf den Seiten von CORRECTIV wird dazu in einem Artikel vom 9.3.2016 Folgendes erklärt:

“Pharmakonzerne bezahlen Ärzte dafür, dass sie beobachten, wie gut ihre Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wissenschaftlich sind diese ˈAnwendungsbeobachtungenˈ wertlos. Doch Ärzte bekommen dafür im Schnitt 669 Euro – pro Patient. Eine neue CORRECTIV-Datenbank zeigt erstmals, welches Ausmaß die umstrittenen Studien erreicht haben – und welche Präparate vor allem in den Markt gedrückt werden.

Allein im Jahr 2014 haben 16.952 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, darunter rund 12.000 niedergelassene. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben damit zehn Prozent aller niedergelassenen Ärzte Geld von der Pharmaindustrie erhalten.

Für jeden Patienten haben die Ärzte im Jahr 2014 im Schnitt 669 Euro Honorar erhalten. Betrachtet man den längeren Zeitraum 2009 bis 2014 beträgt das durchschnittliche Honorar 474 Euro pro Patient.

Im gesamten Zeitraum 2009 bis 2014 wurden Anwendungsbeobachtungen an 1,7 Millionen Patientinnen und Patienten geplant.

Insgesamt verteilte die Pharmaindustrie auf diese Weise rund 100 Millionen Euro an Deutschlands Ärzte – pro Jahr.

Wobei die Zahl der beteiligten Ärzte und der beobachteten Patienten dabei jeweils als Untergrenze zu verstehen sind. In vielen Fällen lassen Pharmaunternehmen die Angaben zu Ärzten und Patienten einfach weg.”

Die Ursache: Ein Fehler im System

Ein Hausarzt kann pro Patient und Quartal nur ca. 35 Euro abrechnen. Mit notwendigen Zusatzuntersuchungen kann dieser Betrag auf ca. 60 bis 70 Euro gesteigert werden. Beratung über gesunde Ernährung und Lebensweise ist mit dem Betrag bereits abgegolten. Das ist zu wenig. Niedergelassene Ärzte haben Personal-, Investitions- und Unterhaltskosten, die neben dem eigenen Gehalt bezahlt werden müssen. Die Möglichkeit, extra Geld zu verdienen, indem man ein paar Medikamente mehr durch gut bezahlte Anwendungsstudien verschreibt, ist also eine willkommene und manchmal vielleicht auch notwendige Maßnahme, um die eigenen Kosten zu decken.

Der Fehler liegt hier also gar nicht so sehr bei den Ärzten selbst, sondern bei den Entscheidern im Gesundheitssystem. Die letzte Instanz ist hier wieder das Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Die Aufgabe des BMG ist es, die Gesundheitspolitik so auszugestalten, dass Ärzte faire Honorare bekommen und Patienten Dienstleistungen angeboten werden, die sie auch brauchen, um ihre Gesundheit nachhaltig zu fördern oder wieder herzustellen. Ärzte werden aber nicht in angemessener Weise für die Herstellung und die Erhaltung einer gesunden Bevölkerung entlohnt. Ärzte bessern also auf.

Quellen und weitere Informationen zu “Das Bindeglied: die Ärzteschaft”

 

Zahlungen der Pharmaindustrie: Die größten Nutznießer

Ganz vorne bei den Zuwendungen, teilweise mit Millionenbeträgen, liegen die Unikliniken, Chefärzte, Ausbildungsstätten, Bundesverbände und medizinischen Verlagshäuser. Wer sich diese Zahlungsströme genauer anschaut, bemerkt, dass die Pharmaindustrie strategisch vorgeht und ganz oben ansetzt. Alle diejenigen, die Forschung betreiben, Ärzte ausbilden und bestimmen, welche Informationen die Öffentlichkeit erhält, bekommen die meisten Zuwendungen.

Auch zu all diesen Umständen gibt es endlos viele Hintergrundinformationen, Bücher und Berichte aus erster Hand von Ärzten, die sich dem System entzogen haben und Patienten, die an der Nase herumgeführt wurden. Die Details und Hintergrundinformationen lassen sich unter anderem in folgenden Büchern nachlesen:

  • “Der betrogene Patient: Ein Arzt deckt auf, warum Ihr Leben in Gefahr ist, wenn Sie sich medizinisch behandeln lassen” – Dr. Gerd Reuther (2017)
  • “Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen: Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen” – Prof. Peter C. Gøtzsche (2016)
  • “Unglück auf Rezept: Die Antidepressiva-Lüge und ihre Folgen” – Dr. Peter Ansari (2016)
  • “Die Pharma-Falle: Wie uns die Pillen-Konzerne manipulieren” – Dr. Fahmy Aboulenein (2016)
  • “Die weiße Mafia: Wie Ärzte und die Pharmaindustrie unsere Gesundheit aufs Spiel setzen”– Dr. Frank Wittig (2013)
  • “Patient im Visier: Die neue Strategie der Pharmakonzerne” – Bernd Hontschik, Caroline Walter, Alexander Kobylinski(2011)
  • “Gesunder Zweifel: Einsichten eines PharmakritikersPeter Sawicki und sein Kampf für eine unabhängige Medizin”– Ursel Sieber (2010)
  • “Ein medizinischer Insider packt aus: Dokumentarroman” – Prof. Dr. Peter Yoda (2007)
  • “Die Krankheitserfinder: Wie wir zu Patienten gemacht werden” – Jörg Blech (2005)

Wer welche Gelder bezieht, können Bürger ebenfalls in der besagten Datenbank, zumindest zum Teil, nachlesen. Die Fakten, die sich da auftun, bieten allein schon Stoff für mehrere Bücher. Ein paar wenige Beispiele von Chefärzten, Unikliniken und Ausbildungsstätten, die großzügige Gelder beziehen, lauten wie folgt:

EmpfängerArtOrtBetrag in Euro 2015
med update GmbHFortbildungBerlin1.453.450,00 €
Das Fortbildungskolleg Gesellschaft für medizinische Fortbildung mbHFortbildungMünchen1.424.587,74 €
Charité Universitätsmedizin Berlin Universitätsklinikum Charité Med.fakultät d.Humbolt Univ.KlinikBerlin

1.041.489,06 €

503.600,00 €

Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbHVerlagWiesbaden945.934,78 €
DGHO Service GmbH (Fortbildung)FortbildungBerlin849.618,70 €
Deutsche Gesellschaft für NeurologieVerbandBerlin706.762,25 €
MedKom Akademie GmbHFortbildungMünchen630.299,89 €
Bundesverband Niedergelassener Kardiologen e.V.VerbandMünchen620.989,50 €
Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Neurologe – Uniklinik Essen)ChefarztEssen200.193,64 €
Prof. Dr. Jürgen Rockstroh (Innere Medizin – Uniklinik Bonn)ChefarztBonn148.413,95 €
Prof. Dr. med. Michael Nauck (Innere Medizin, Gastroenterologie, Endokrinologie – Uniklinik Bochum und Jury der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zur Förderung wissenschaftlicher Projekte)ChefarztBochum128.637,77 €
Prof. Dr. Thomas Forst (Diabetes – Institut für Stoffwechselforschung GmbH)GeschäftsführerMainz99.973,96 €
Prof. Dr. med. Mathias Mäurer (Neurologe – Uniklinik Würzburg)ChefarztWürzburg95.686,21 €

Quelle: CORRECTIV

Der Einfluss der Pharmaindustrie wächst

Interessant ist auch zu sehen, wie sich die Zuwendungen seitens der Pharmaindustrie für viele der deutschen Ärzteverbände und Gesellschaften in nur zwei Jahren verändert haben: Der Geldfluss und somit auch der Einfluss der Pharmariesen, nehmen signifikant zu. Vier Beispiele:

GesellschaftGrößte ZuwendungenSumme gesamt 2015Summe gesamt 2016
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Genzyme GmbH

Merck KGa

Novatis

706.762 €

890.887 €

plus

208.525 €

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

Roche Pharma AG

Merck KGaA

289.184 €623.150 €
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (ohne regionale Verbände)

Novatis Pharma GmbH

Ipsen Pharma GmbH

Baxalta Deutschland GmbH

380.797 €558.073 €
Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (ohne regionale Verbände)

Pfilzer Deutschland

Lilly Pharma Holding GmbH

Roche Pharma AG

85.569 €274.701 €

Quelle: CORRECTIV

Ebenso wird das Engagement der Pharmakonzerne, medizinischer Gerätehersteller und auch diverser Chemieunternehmen unter Fördermitgliedern auf den Webseiten der Gesellschaften deutlich. Auch dort finden sich praktisch alle Namen der großen Konzerne. Das Beispiel der Fördermitglieder der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie verdeutlicht die Einflussnahme der Konzerne:

Abbott Arzneimittel GmbH

AGS-Eltern- u. Patienteninitiative e.V.

Bayer Vital GmbH

Berlin Chemie AG, Menarini Group

B.R.A.H.M.S GmbH

Bionorica AG

Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung

Dia Sorin Deutschland

Die Schmetterlinge e.V.

Ferring Arzneimittel GmbH

Genzyme GmbH

InSeNSU

Ipsen Pharma GmbH

Kraniopharyngeom-Gruppe

Medipan GmbH

Netzwerk Hypophysen- & Nebennierenerkrankungen

Netzwerk Neuroendokrine Tumoren (NeT) e.V.

Novo Nordisk Pharma GmbH

Ohne Schilddrüse leben e.V.

Pfizer GmbH

Roche Diagnostics GmbH

Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.

Quelle: Webseite Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – Fördermitglieder (Hervorh. d. A)

In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Konzernen wird auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) Folgendes erklärt:

“Die Fördermitgliedschaft bei der DGE ermöglicht unseren Industriepartnern nicht nur die Unterstützung des Fachgebietes, sondern auch das aktive Mitwirken in der Fachgesellschaft. Dadurch können Projekte in enger Zusammenarbeit verwirklicht werden.”

“Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft und Interessenvertretung all derer, die im Bereich von Hormonen und Stoffwechsel forschen, lehren oder ärztlich tätig sind.”

Ich halte fest: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie vertritt die Interessen der Ärzte, die davon profitieren, wenn viele Patienten zu ihnen kommen. Die Fördermitglieder, also auch Konzerne, dürfen aktiv mitwirken an dem, was genau geforscht wird. Die Interessen der Patienten tauchen nicht auf.

Regionale Konzentration von Zahlungen

Auffällig ist auch, dass sich die finanziellen Zuwendungen seitens der Pharmakonzerne regional häufen. Allein in Berlin Mitte finden sich unter der Postleitzahl 10117 über 300 Zahlungsempfänger. Angeführt von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Der Bundestag und mit ihm alle relevanten Politiker sind ebenfalls in Berlin Mitte ansässig. Zufall?

In Hamburg finden sich unter der Adresse Martinistr. 52 weit über 100 Zahlungsempfänger der Industrie und eine Zahlungssumme von etwas unter 2 Millionen Euro. Größter Nutznießer in der Hansestadt ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

All diese “fördernden” Konzerne haben den expliziten Auftrag, als erstes die finanziellen Interessen ihrer Investoren und Aktionäre zu befriedigen. Das heißt, sie fördern den Umsatz und Absatz ihrer eigenen Produkte und nicht die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung. Das ist ihr Auftrag und den müssen sie rechtlich auch wahrnehmen. Nur wenn diese beiden Interessen zufällig zusammenfallen, dann sind diese Fördergelder auch gut für die Bevölkerung. Das ist aber wohl selten der Fall. Und genau diese “Fördermitglieder” sitzen nun überall in unserer Gesellschaft mit im Boot. Der medizinische Sektor ist nur ein Beispiel dafür – wenn auch ein sehr dramatisches. Es geht ja um unsere Gesundheit.

Quellen und weitere Informationen zu “Der Einfluss der Pharmaindustrie wächst”

Vitamin D: Ein Hype oder eine große Gefahr fürs Geschäft?

Die Pharmaindustrie will ihre Umsätze steigern. Dazu braucht sie kranke Menschen und Ärzte, die den angeschlagenen Bürgern ihre Medikamente verschreiben. Es gibt ein paar wenige Aspekte, die die Gesundheit von Menschen maßgeblich und ohne viel Aufwand und Kosten, beeinflussen: Zum Beispiel die richtige Menge an Vitamin D im Körper. Ein solcher Zustand ist gefährlich – zumindest für die Pharmaindustrie.

Die Internationale Datenlage rund um Vitamin D ist riesig und für jedermann einsehbar. Die Auswirkungen dieses Vitamins, welches im Körper zu einem Hormon umgewandelt wird, werden seit über 100 Jahren wissenschaftlich erforscht.

Ich selbst habe mehrere hundert Studien gesichtet. Die überwiegende Mehrheit der wissenschaftlichen Untersuchungen kommt zu dem Ergebnis, dass ein niedriger Vitamin-D Spiegel mit den jeweils untersuchten Krankheitsbildern korreliert und sich die Krankheitsbilder signifikant verbessern, wenn der im Blut gemessene Spiegel angehoben wird. Ein paar wenige Studien konnten kein eindeutiges Ergebnis ausfindig machen. Keine einzige Studie konnte ich finden, welche eine angemessene Vitamin D Supplementierung mit einem damit einhergehenden Blutspiegel bis maximal 100 ng/ml mit gesundheitlichen Gefahren in Verbindung bringen konnte.

Der international verbreitete Konsens ist, dass Vitamin D für sehr viele Bereiche im Körper essenziell ist und ein Spiegel über 30ng/ml die Gesundheit der Bevölkerung enorm unterstützt. Ebenso ist ausgiebig recherchiert und bekannt, dass die allerwenigsten Menschen in Deutschland einen Blutspiegel von über 30ng/ml – oder dem Äquivalent von 75 nmo/l – an Vitamin D vorweisen können.

Informationen über die Relevanz von Vitamin D und die Notwendigkeit einer Supplementierung für die breite Bevölkerung wird im Ausland, zum Beispiel in Großbritannien, auch von Seiten der Regierung, aktiv öffentlich gemacht. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Vitamin D ist auch in Holland weit verbreitet. Dort werden Kinder bis 4 Jahre mit Vitamin D von staatlicher Seite aus versorgt.

Nicht so bei uns in Deutschland. Wir werden im Dunkeln gehalten, mit einem ausgeklügelten Verwirrspiel bedient und unsere Kinder bekommen Symptome, die mit einem Vitamin-D-Mangel korrelieren. Aber Studien gibt es – und zwar viele tausende.

Vitamin D ist essenziell für die Linderung oder Behebung von etlichen Krankheitsbildern. Ein paar wenige Beispiele bezüglich Studien, die einen Vitamin-D-Mangel mit unterschiedlichen Krankheitsbildern in Verbindung bringen:

  1. Blutkrebs/Leukämie: “Vitamin D levels in patients of acute leukemia before and after remission-induction therapy” 2013 by Arshi Naz, Rizwan N. Qureshi, Tahir S. Shamsi, and Tabassum Mahboob https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3809206/
  2. Rheuma: “Vitamin D involvement in rheumatoid arthritis and systemic lupus erythaematosus” 2009 by Cutolo M, Otsa K, Paolino S, Yprus M, Veldi T, Seriolo B (2009) Ann Rheum Dis 68:446–447 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5743852/
  3. Krebs, Herzkreislauferkrankungen und Osteoperose: “Vitamin D: importance in the prevention of cancers, type 1 diabetes, heart disease, and osteoporosis” 2004 by Holick MF. Published in Am J Clin Nutr., 79 (3): 362-371. https://pdfs.semanticscholar.org/d862/39d46e22131e6a54a3bf3da44814816d5dcb.pdf
  4. Übergewicht und Diabetes: “Vitamin D deficiency is the cause of common obesity” 2009 Med Hypotheses.Foss YJ:, 72 (3): 314-321. 10.1016/j.mehy.2008.10.005. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19054627
  5. Übergewicht und Diabetes bei Kindern: “Hypovitaminosis D in obese children and adolescents: relationship with adiposity, insulin sensitivity, ethnicity, and season” 2008 by Alemzadeh R., Kichler J., Babar G., Calhoun M. in Metabolism 57: 183–191. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18191047
  6. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: “Vitamin D Deficiency and Risk for Cardiovascular Disease Vitamin D Deficiency and Risk for Cardiovascular Disease”2009 by Judd S., Tanqpricha V. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19593102
  7. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: “25-hydroxyvitamin d levels and risk of ischemic heart disease, myocardial infarction, and early death: population-based study and meta-analyses of 18 and 17 studies” 2012 by Brøndum-Jacobsen PBenn MJensen GBNordestgaard BG. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22936341
  8. Geschwächtes Immunsystems: “Vitamin D and 1,25-dihydroxyvitamin D3 as modulators in the immunesystem” by Mathieu C, van Etten E, Decallonne B, et al.. J Steroid Biochem Mol Bio 2004; 89–90: 449–52. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15225818
  9. Depression: “Vitamin D deficiency and depression in adults: systematic review and meta-analysis” 2013by Anglin RESamaan ZWalter SDMcDonald SD published in Br J Psychiatry. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23377209
  10. Hepatitis C: “Association between vitamin D and hepatitis C virus infection: A meta-analysis” 2013 by Livia Melo VillarJosé Antonio Del CampoIsidora RanchalElisabeth Lampe, and Manuel Romero-Gomez https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3793147/
  11. Fettleber: “The association of vitamin D deficiency with non-alcoholic fatty liver disease” 2014 by Metin Küçükazman, Naim Ata, Kürşat Dal, Abdullah Özgür Yeniova, Ayşe Kefeli, Sebahat Basyigit, Bora Aktas, Kadir Okhan Akin, Kadir Ağladioğlu, Öznur Sari Üre, Firdes Topal, Yaşar Nazligül, Esin Beyan, and Derun Taner Ertugrul, published in Clinics (Sao Paulo). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4129561/
  12. Asthma: International Cochrane Meta Studie von 2016 http://www.cochrane.org/news/high-quality-evidence-suggests-vitamin-d-can-reduce-asthma-attacks und http://www.nhs.uk/news/2016/09September/Pages/Vitamin-D-protects-against-severe-asthma-attacks.aspx

Eine Zusammenfassung von Vitamin D und dessen Auswirkungen auf diverse Krankheitsbilder findet sich zum Beispiel in der Studie: “Vitamin D: An Evidence-Based Review” 2009 http://www.jabfm.org/content/22/6/698.full

Jede dieser Studien, wie unzählige weitere, kann jeder Bürger im Internet – und in den meisten Fällen kostenlos – nachlesen. Zu finden unter Eingabe von entsprechenden Schlagwörtern unter zum Beispiel der Plattform Google Scholar. Und wirklich neu davon ist das Wenigste. Die Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels auf unsere Gesundheit werden schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts erforscht. Standardwerke wie “Atlas und Grundriss der Rachitis” von Franz Wohlauer, publiziert in 1911, kann man ebenfalls noch heute im Internet kaufen.

All diese Studien belegen, dass Vitamin D für unsere Gesundheit essenziell ist. Auch das ist im Grunde nicht überraschend. Der Mensch ist ja ein “tagaktives Säugetier” und dafür gebaut, an der frischen Luft seine Nahrung zu suchen. All diese Studien sind also lediglich ein wissenschaftlicher Beleg dafür, dass der Mensch in den unterschiedlichen Bereichen seines Körpers krank wird, wenn ihm eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Existenz entzogen wird: Sonne – ebenso wie ausreichend Bewegung und alle essenziellen Nährstoffe – fallen gleichermaßen in diese Kategorie. Der logische Menschenverstand sagt einem das Gleiche.

Ich halte fest: Auch wissenschaftlich ist belegt, dass die richtige Dosis von Sonne oder verzehrtem Fisch, und somit einem gesunden Vitamin-D-Spiegel, für Menschen essenziell ist. Die oben aufgeführten und etliche weitere Studien belegen, dass ein Mangel an Vitamin D häufig mit folgenden Schädigungen an Organen oder Systemsteuerungen korreliert:

  • Rheumatoide Arthritis (Erkrankung der Gelenke)
  • Hepatitis C (Erkrankung der Leber)
  • Morbus Crohn (Erkrankung des Darms)
  • Asthma (Erkrankung der Lunge)
  • Diabetes Typ 1 und 2 (Erkrankung der Hormonsteuerung)
  • Multiple Sklerose (Erkrankung des Nervensystems)
  • Krebs (Entartete Zellen, die ein geschwächtes Immunsystem nicht mehr bekämpft)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Erkrankungen der Blutgefäße)

Wer nun betrachtet, welche Medikamente weltweit die höchsten Umsätze erwirtschaften, findet eine verblüffende Korrelation. Einzelne Pharmaprodukte mit einem Verkaufswert von über 5 Milliarden USD im Jahr 2015 sind folgende:

RangMedikamentHandels-nameVerwendungHerstellerUmsatz 2015 in Millionen USDVeränderung im Vergleich zu 2014
1AdalimumabHumiraRheumatoide ArthritisAbbVie Inc.14,0121,469
2Ledipasvir/ sofosbuvirHarvoniHepatitis CGilead Sciences13,86411,737
3EtanerceptEnbrelRheumatoide Arthritis

Amgen

Pfizer

8,6974,009
4InfliximabRemicade

Rheumatoide Arthritis

Morbus Crohn

Johnson & Johnson8,3551,487
5Rituximab

Mabthera

Rituxan

Krebs

Rheumatoide Arthrose

Roche7,1151,456
6Insulin glargineLantusDiabetesSanofi7,02951
7BevacizumabAvastinKrebsRoche6,751270
8TrastuzumabHerceptinBrustkrebsRoche6,603265
9LenalidomideRevlimidKrebsCelgene5,801821
10SofosbuvirSovaldiHepatitis CGilead Sciences5,276(5,007)
11

Fluticasone propionate/

salmeterol

Seretide

Advair

Asthma

und kronische Erkranungen der Athemwege

GlaxoSmith-Kline5,227(778)
12RosuvastatinCrestorHerz-Kreislauf-ErkrankungenAstraZeneca5,017(495)

Quelle: Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_largest_selling_pharmaceutical_products

Es werden also astronomische Summen mit einigen wenigen Medikamenten verdient. Somit stellen sich folgende Fragen:

  • Was würde mit dem Absatz all dieser Medikamente passieren, wenn Menschen ihren Vitamin D Spiegel systematisch wieder auf ein gesundheitsförderndes Maß anheben würden?
  • Wie würde sich die Gesundheit von Menschen entwickeln, wenn sie auch bei allen anderen essenziellen Nährstoffen so versorgt werden, dass sie die Richtwerte von Nährstoffen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung einhalten?
  • Wie würden sich Menschen verhalten, wenn sie wüssten, in welchen Nahrungsmitteln die für sie notwendigen Nährstoffe enthalten sind? Würden sie ihre Gesundheit fördern und Linsen, Kräuter und Wildobst oder doch Wurst, Pommes und Süßigkeiten essen?
  • Würden Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen, oder lieber Medikamente mit oft schweren Nebenwirkungen einnehmen?

Um diese Fragen zu beantworten, müssten Behörden, Schulen und Ärzte die Bevölkerung entsprechend aufklären und untersuchen. Genau das wird aber nicht systematisch getan.

Quellen und weitere Informationen zu “Vitamin D: Ein Hype oder eine Gefahr fürs Geschäft?”

Ärzte- und Dachverbände: Dubiose Informationspolitik am Beispiel Vitamin D

Besonders wichtig für die Pharmakonzerne sind Ärzteverbände und Selbsthilfegruppen. Sie haben eine große Reichweite: Tausende von Patienten und Ärzten lesen die von ihnen veröffentlichten Informationen und folgen ihnen. Diese Informationen sollten mit Vorsicht genossen werden und Bürger sollten sich fragen: In wessen Interesse werden bestimmte Informationen veröffentlicht?

Ich erläutere beispielhaft und anhand der folgenden Verbände und Selbsthilfegruppen, deren fragwürdige Propaganda rund um die Zusammenhänge von Vitamin D und dem Erhalt der Gesundheit.

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Ein Fachärzteverband.
  2. Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE): Der Dachverband von Menschen mit Diabetes und Berufsgruppen, die sich mit Diabetes beschäftigen. Dazu gehören Ärzte und Wissenschaftler, Diabetesberater, Psychologen und Podologen. Gegründet wurde dieser Dachverband auf Initiative der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Beide kooperieren eng miteinander.
  3. Deutsche Krebsgesellschaft: Ein Fachärzteverband.
  4. Adipositasverband Deutschen e.V: Eine Bundesweite Selbsthilfegruppe für Fettleibige.

1. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Die DDG erläuterte, wie oben dargelegt, bereits in 2013 öffentlich, die Korrelation zwischen einem niedrigen Vitamin D-Spiegel und Diabetes. Diese Informationen suche ich in den nachfolgenden Jahren und Veröffentlichungen – und finde wenig.

Ein Beispiel: In dem neuesten Gesundheitsbericht bezüglich Diabetes von 2017, herausgegeben von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sowie der Deutschen Diabetes-Hilfe und der Deutschen Allianz Nicht-übertragbarer Krankheiten (DANK), liest man viel über nötige Fortbildungen für Ärzte, neue Behandlungsmethoden, Partnerschaften mit der Wirtschaft, Beschreibungen der Krankheitsbilder sowie Gefahren durch Zucker. Als Präventionsmaßnahmen werden folgende vier Punkte aufgeführt:

“Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE /Deutsche Diabetes-Hilfe plädieren zusammen mit der Deutschen Allianz Nicht- übertragbarer Krankheiten (DANK) dafür, die folgenden vier verhältnispräventiven Forderungen umzusetzen:

    1. Täglich mindestens eine Stunde Bewegung (Sport) in Schule und Kindergarten.
    2. Adipogene Lebensmittel besteuern und gesunde Lebensmittel entlasten (Zucker-Fett-Steuer).
    3. Verbindliche Qualitätsstandards für die Kindergarten- und Schulverpflegung.
    4. Verbot von an Minderjährige gerichteter Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel.”

Die Empfehlung, den Vitamin D-Status der Patienten überprüfen zu lassen oder den Vitamin D-Spiegel im Blut auf die oben beschriebenen 30ng/ml und mehr anzuheben, sind nicht zu finden. Weder als Präventivmaßnahme noch als Option zur Behandlung. Auf allen 260 Seiten dieses Berichts wird Vitamin D noch nicht einmal erwähnt.

Da mag man sich wieder fragen: Wieso nicht? Gibt es möglicherweise finanzielle Anreize, die dazu geführt haben, dass Entscheider relevante Informationen unterdrücken? Beispiele, die Raum für Spekulationen geben, gibt es viele. Da wäre etwa der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland, der 2016 eine Zahlung von über 35.000 Euro erhielt – hauptsächlich von dem Konzern MSD. Auch der “Past Präsident”, Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, erhielt 2015 Zahlungen in Höhe von 61.404 Euro, ebenfalls primär von MSD SHARP & DOHME GmbH, sowie Boehring Ingelheim Pharma GmbH und Lilly Pharma Holding GmbH. Alle drei Pharmakonzerne produzieren Medikamente für Krankheiten, die mit einer Anhebung des Vitamin-D-Spiegels verträglicher und deutlich günstiger behandelt werden könnten. Die DDG selbst erhielt in 2016 über 890.000 Euro von verschiedenen Pharmakonzernen; hauptsächlich von Novo Nordisk Pharma GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, MSD-SHARP & DOHME GmbH und Lilly Pharma Holding GmbH.

2. Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE)

Über diesen Dachverband, der eng mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zusammenarbeitet, finden sich folgende Informationen: Der Geschäftsführer dieser Gesellschaft war von 2010 bis 2017 Dietrich Garlichs. Im Juni 2017 übernahm Barbara Bitzer, eine ehemalige Angestellte des weltweit größten Insulinherstellers Novo Nordisk, die Führung. Die Leistungen von Garlichs werden auf den Seiten der Deutschen Diabetes Gesellschaft in einer Pressemitteilung vom 22.2.2017 z.B. wie folgt beschrieben:

“ˈEs war ein Glücksfall, dass die DDG 2010 Dietrich Garlichs als Geschäftsführer gewinnen konnte mit seiner breiten Managementerfahrung aus Wirtschaft, Politik und öffentlicher Verwaltung’, betont DDG Präsident Professor Dr. Baptist Gallwitz. ˈMit ihm wurde die 1964 gegründete medizinisch-wissenschaftlich geprägte Fachgesellschaft zur politischen Stimme in Berlin.’

1996 wurde er zudem Vorstand der von ihm gegründeten UNICEF-Stiftung, deren Stiftungskapital in seiner Zeit von 0,25 Millionen Euro auf 95 Millionen Euro wuchs.

2009 wechselte er ins Gesundheitswesen. Dort hat er als Gründungsgeschäftsführer die diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe aufgebaut, bevor er die Geschäftsführung der Muttergesellschaft, der DDG, übernahm. 

2010 gründete Garlichs die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), deren Sprecher er ist. DANK ist ein Zusammenschluss von 17 medizinischen Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen, der sich für eine bessere Prävention der modernen Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden und Diabetes einsetzt”

Eine beeindruckende Vita. Sie zeigt, dass Garlichs sehr geschäftstüchtig, bestens mit der Politik und Wirtschaft vernetzt ist und hervorragende Fähigkeiten mitbringt, Gelder einzuwerben. Beim Lesen von all dem frage ich mich allerdings: Welchen Nutzen mag all diese “Businessakquise” für die Gesundheit von Diabetes-, Krebs- und Herz-Kreislauf-Patienten haben?

Auch interessant ist, dass man auf den Seiten der DiabetisDE/ Deutsche Diabetes-Hilfe unter “Zahlen und Fakten rund um Diabetes” ebenfalls keinen Hinweis zu Vitamin D und einer möglichen Korrelation mit Diabetes findet. Als Ursachen für Diabetes werden hier nur Übergewicht und Bewegungsmangel genannt. Eine Suche von Informationen rund um Vitamin D über das angegebene Suchfenster in dem gesamten Portal führt zu keinem Eintrag. Ähnlich magere Informationen finde ich über alle anderen essenziellen Nährstoffe oder belastende Substanzen aus der Nahrung auf diesem Webportal: Vitamine, Mineralstoffe, essenzielle Fettsäuren, Zusatzstoffe, Pestizide – all diese Faktoren scheinen hier wenig relevant bei der Entstehung von Diabetes zu sein.

Interessant ist ebenfalls Folgendes: Unter den kooperierenden Vorstandsmitgliedern der DiabetisDE/ Deutsche Diabetes-Hilfe findet sich Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, Wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE), und Prof. Dr. med. Hans Hauner, Ordinarius für Ernährungsmedizin an der TU München. Diese beiden Professoren stehen auch auf der Gehaltsliste diverser Pharmakonzerne. Ebenfalls sind beide auch für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) tätig. Dort sind sie in der Funktion der gewählten und kooperierenden Mitglieder des Präsidiums aktiv. So schließt sich wieder der Kreis von Ernährung, Pharmaindustrie und Wissenschaft. Auf diese beiden Herren komme ich noch einmal in dem Kapitel “Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)” zu sprechen.

3. Die Deutsche Krebsgesellschaft

Auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft, die, wie schon erwähnt, großzügige Zahlungen der Pharmabranche erhielt, lese ich auch erstaunlich wenig über Vitamin D. Zumindest nichts Positives.

Der erste Artikel, der aufgerufen wird, wenn man im Suchfeld auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft “Vitamin D” eingibt, macht gleich negative Schlagzeilen. Da liest man vom 26.10.2015 “VITAMIN D UND KALZIUM: GUTARTIGE DARMTUMOREN NICHT SELTENER”. Es wird erklärt, dass tägliche Vitamin D-Zugaben und Calcium keinen oder sogar einen negativen Einfluss auf Krebsleiden haben. Geschrieben steht dort:

“43 Prozent der Teilnehmer hatten bei der Kontrolldarmspiegelung ein oder mehrere weitere Adenome. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Teilnehmer Vitamin D, Kalzium, beides oder Placebo eingenommen hatten. Dies galt auch für fortgeschrittene Adenome, bei denen die Chance, dass sie sich zu Darmkrebs entwickeln, noch höher ist. Jedoch traten bei einigen Teilnehmern schwerwiegende Nebenwirkungen infolge der Behandlung auf.”

Die Studie, auf die sich diese Aussage bezieht und die auch angeführt wird, liest sich deutlich differenzierter. Dort wird unter anderem erklärt, dass die Gaben von Vitamin D für betroffene Patienten deutlich niedriger waren als die von führenden internationalen Verbänden empfohlene Dosis. Die verabreichte Dosis in dieser Studie lag bei 1000i.E. Empfohlen werden für Erwachsene zwischen 2000 bis 4000 i.E. Hinzu kommt, dass über 35% der Patienten in dieser Studie fettleibig waren. Unter diesen Umständen braucht der Körper bekanntermaßen deutlich höhere Dosen an Mikronährstoffen, wozu auch Vitamin D und Calcium gehören. Ebenso wird erklärt, dass der Beobachtungszeitraum möglicherweise zu kurz war. Relevante negative Auswirkungen der Versuchsreihe wurden laut Studie nicht beobachtet. Auch diese Studie kann jeder Bürger kostenlos im Internet nachlesen. Die Angaben und relevanten Ausschnitte dieser Studie habe ich im Quellenverzeichnis dieses Abschnitts aufgeführt.

Es stellt sich die Frage: Wieso stellt die Deutsche Krebsgesellschaft diese Studie in einem völlig falschen Licht dar? Es ist zu vermuten, dass die Deutsche Krebsgesellschaft versucht, die Wirkung von Vitamin D und auch weiterer essenzieller Nährstoffe im Kampf gegen Krebs zu vertuschen. Ein weiteres Zeichen hierfür ist zum Beispiel der Eintrag “GESUND ESSEN, GESUND BLEIBEN”. Ebenfalls zu lesen auf den Webseiten der Deutschen Krebsgesellschaft. Dort steht:

“Mit Vitaminen Krebs vorbeugen? Mit antioxidativ wirkenden Vitaminen Krebserkrankungen vorbeugen? Experten warnen derzeit eher noch vor einer unkritischen Einnahme von Vitaminpräparaten.”

Aufgeführt werden auf der Seite als möglich hilfreiche Vitamine im Kampf gegen Krebs: Vitamin B6, Vitamin K, Flavonoide (ein sekundärer Pflanzenstoff) und Selen. Diese Nährstoffe sind zwar grundsätzlich für den Erhalt von Gesundheit relevant, spielen aber in der Bekämpfung von Krebs nur eine untergeordnete Rolle. Laut internationaler Studienlage sind für die Bekämpfung von Krebs besonders Vitamin D, aber auch Vitamin A, E und C sowie die Fettsäure Omega 3 von hoher Relevanz. Diese Vitamine und Fettsäuren werden hier aber nicht erwähnt.

Auch hier gilt: Besonders für Vitamin D ist die Datenlage erdrückend. Ein Indiz dafür, dass Vitamin D sehr relevant ist für die Vorbeugung und die Behandlung von Krebs, liefert wieder eine Suche bei Google Scholar. Unter dem Eintrag “Vitamin D and Cancer” finde ich deutlich über 2 Millionen Einträge, genauer gesagt, 2.340.000, gezogen am 15.5.2018. Die ältesten der hier gelisteten Studien stammen aus den 1960ern. Bereits zu dem Zeitpunkt wurde die Entstehung von Brustkrebs mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel in Verbindung gebracht. Unter dem Thema alleine finden sich wohl ein paar tausend Studien. Aber die Deutsche Krebsgesellschaft, ebenfalls zu großen Teilen finanziert aus Steuer- und Stiftungsgeldern, erwähnt Vitamin D nicht. Erstaunlich.

Ebenso wenig erwähnt die Deutsche Krebsgesellschaft in diesem Beitrag Vitamin C und das obwohl auch dieses Vitamin schon in den 1970er Jahren in hochdosierter Form als sehr effektives Mittel gegen Krebs identifiziert wurde. Unter anderem von dem Wissenschaftler und Nobelpreisträger Prof. Dr. Linus Paulin. Die höchsten Konzentrationen von Vitamin C finden sich in Lebensmitteln, die bis vor wenigen Jahrzehnten von der Bevölkerung noch regelmäßig gegessen wurden: Wildobst wie Sanddorn, Hagebutten, Holunderbeeren oder Kräuter und Blattgrün wie Brennnessel, Sauerampfer und Grünkohl.

4. Adipositasverband Deutschland e.V.

Dieser Verein ist eine bundesweite Selbsthilfegruppe für Fettleibige. Der Verein stellt seine Historie und Ziele selbst wie folgt dar:

“Der Adipositas Verband Deutschland e.V. wurde im März 2006 in Dinslaken von Betroffenen und Ärzten ins Leben gerufen. Während der Gründungsversammlung haben sich die Gründungsmitglieder folgende Ziele für den Adipositas-Verband-Deutschland gesetzt:

    • Aufbau eines Netzwerkes von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen
    • Beratung und Begleitung von Adipositas Betroffenen
    • Erwachsenen- und Jugendaufklärung
    • Zusammenarbeit mit Schulen und sonstigen Einrichtungen zur Aufklärung über Adipositas
    • Gründung, Unterstützung und Betreuung von Adipositas-Selbsthilfe-Gruppen (SHG)
    • Aus- und Weiterbildung ehrenamtlicher Leiter/Moderatoren der SHG
    • Ausrichtung von Informationsveranstaltungen für Betroffene, Angehörige, Ärzte und Interessierte
    • Förderung von wissenschaftlichen Studien und Arbeiten.”

Der Adipositasverband Deutschland e.V bemühte sich im Jahr 2018 verstärkt darum Fettleibigkeit offiziell als Krankheit anerkennen zu lassen und die Aufnahme der Behandlungskosten von Folgeerkrankungen im Leistungskatalog der Krankenkassen zu verankern. Krankenkassen und somit alle Beitragszahler müssten dann die medizinische Versorgung dieser Patienten mitfinanzieren. Profitieren würden davon besonders die Pharmakonzerne und Ärzteschaft, denn Fettleibigkeit korreliert mit einer breiten Palette an Krankheitsbildern, trifft verstärkt sozial schwache Bevölkerungsgruppen, also Menschen, die sich eine Behandlung mit Medikamenten aus eigener Tasche oft nicht leisten können. Produkte wie Optifast von Nestlé würden die Allgemeinheit dann noch häufiger bezahlen.

Interessant ist in dem Zusammenhang Folgendes: Finanziert wurde dieser Verein laut eigenen Angaben bis mindestens Ende 2018 von Johnson&Johnson. Also einem der größten Pharmakonzerne weltweit und in 2017 mit einem Jahresumsatz von 70 Milliarden Euro. Kommerzielle Schwerpunkte dieses Giganten sind nicht nur Zahnpflegeprodukte, sondern auch Medikamente zur Behandlung von Krebs, Störungen des Immunsystems, Erkrankungen des Darms und Erkrankungen der Gelenke: alles Begleiterscheinungen oder Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit.

Als Anmerkung: In Bezug auf Vitamin D hat meine Recherche ergeben, dass keiner der großen Ärzteverbände und keine der meist ebenfalls von der Pharmaindustrie finanzierten Selbsthilfegruppen, relevante Informationen rund um Vitamin D verbreitet. Weitere Beispiele für einen wortkargen Auftritt rund um Vitamin D sind zum Beispiel der Berufsverband Deutscher Internisten, der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner und die Deutsche Alzheimergesellschaft.

Quellen und weitere Informationen zu “Dubiose Informationspolitik der Ärzteverbände – zwei Beispiele”

Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ)

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) ist auch ein interessanter Fall. Die DAKJ ist der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Fachverbände Deutschlands. Unter anderem berät die DAKJ den Vorstand der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) in gesundheitlichen Belangen rund um unsere Kita-Kinder.

Mit der DAKJ und der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) sollte ich eigentlich Anfang 2017 eine Telefonkonferenz bezüglich der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH führen. Mir wurde von diesen beiden Vereinen ein gemeinsames Gespräch angeboten. Auf mögliche Terminvorschläge von meiner Seite gab es allerdings keine Rückmeldung und ein Gespräch hat nicht stattgefunden. Die selbstproklamierten Aufgaben der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) sind folgende:

    • “koordiniert die gemeinsamen gemeinnützigen Ziele und Aufgaben ihrer Mitglieder zum Wohle von Kindern und Jugendlichen.
    • vertritt diese Ziele nach außen gegenüber Gesellschaft und Politik.
    • setzt sich für die bestmögliche gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen ein.
    • engagiert sich für die Umsetzung der Kinderrechte, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention verankert sind.”

Mindestens die letzten beiden Punkte suggerieren, dass das Wohl unserer Kinder im Fokus steht. Ob diese Intention im notwendigen Umfang umgesetzt wird, ist fraglich.

Zur UN-Kinderrechtskonvention sollte man wissen, dass sich der Staat Deutschland verpflichtet hat sicherzustellen, dass unsere Kinder Rahmenbedingungen bekommen, die ihre Gesundheit schützen und fördern. Wenn der DAKJ sich diese Aufgabe auf die Fahne schreibt, gehört als erstes dazu, dass sie die Ärzte der Kinderheilkunde seriös, unabhängig und konsequent über das Zusammenspiel von Nährstoffen und physiologischen Prozessen im Körper aufklärt. Dazu gehört: Worin sind die essenziellen Nährstoffe enthalten? Wie erhält man sie und was passiert, besonders mit einem Kinderkörper im Wachstum, wenn er davon zu wenig bekommt? Eine solche Aufklärung von Seiten der DAKJ sollte zur Folge haben, dass alle Eltern umfänglich von ihren jeweiligen Kinderärzten über genau diese Zusammenhänge aufgeklärt werden. Genau diese Aufklärung findet aber nicht statt.

In diesem Zusammenhang ist Folgendes interessant: Der Generalsekretär des DAKJ, Prof. Dr. med. Huppertz, erhielt 2015 direkte Zahlungen von den Pharmakonzernen Pfizer und Novartis in Höhe von 7.176,78 €. Huppertz ist ebenfalls Klinikdirektor der Prof.-Hess-Kinderklinik, welche wiederum Teil des Klinikums Bremen-Mitte ist.

Das Klinikum Bremen Mitte wurde mit 87.107,50 € im Jahr 2015 von der Pharmaindustrie begünstigt. Das Klinikum Bremen-Mitte wiederum ist Teil des Klinikverbundes Gesundheit Nord (GENO). Dieser Verbund ist seit Anfang 2018 praktisch pleite. Das bedeutet, dass besonders in Zukunft Zahlungen und Zuschüsse – egal von wem – angenommen werden müssen. Das Personal und laufende Kosten müssen schließlich gedeckt werden – eine begrüßenswerte Situation für die Pharmaindustrie und wohl auch für die Hersteller medizinischer Geräte und sicherlich noch für andere Branchen. Kapitalgeber haben ein leichtes Spiel mit Schuldnern: Sie können die Konditionen, unter denen es Gelder und Zuwendungen gibt, häufig sehr genau festlegen. Welche Gesundheitsgefahren diese Dynamik für Bremer Patienten mit sich bringt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Bundesverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ)

Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bekommt Zahlungen. Die Zentrale des Verbandes erhielt für seine “Dienste” in 2015 von der Pharmaindustrie 180,584 Euro. Die einzelnen Regionen und Niederlassungen bekamen zusätzlich noch separate Zahlungen. Dr. Thomas Fischbach, der Präsident dieser Ärztevereinigung, erhielt z.B. im Jahr 2015 für seine “Leistungen” von GlaxoSmithKline GmbH und Sanofi Pasteur MSD GmbH 5384,90 Euro.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)

Die DGKJ ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Kinder- und Jugendärzte – also der Bereich, in dem nationale und internationale wissenschaftliche Erkenntnisse gesichtet und für die Ärzteschaft aufbereitet werden sollten. Laut eigener Webseite werden die Aufgaben wie folgt dargestellt:

“Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der gesamten Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Deutschland. Die DGKJ fördert die wissenschaftlichen und fachlichen Belange der Kinder- und Jugendmedizin und setzt sich für die optimale ambulante und stationäre medizinische Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein. Sie engagiert sich, die Weiterbildung der Kinder- und Jugendärzte auf hohem Niveau zu gewährleisten.

Die DGKJ unterstützt die Aus- und Fortbildung und die Berufsausübung der Kinder- und Jugendärzte sowie die pädiatrische Forschung. Nicht zuletzt vertritt die Gesellschaft die berufspolitischen Interessen der Kinder- und Jugendärzte und bietet ihnen eine Plattform für den fachlichen und persönlichen Austausch.”

Auch diese Gesellschaft wurde 2016 von der Pharmaindustrie gesponsert, wenn auch “nur” mit 19.647,92 €. Unter dem wissenschaftlichen Beirat finden sich auch wieder Dr. Thomas Fischbach und Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz.

Interessant ist, dass genau diese Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) bereits 2011 in der Studie “Vitamin-D-Versorgung im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter” in Bezug auf die mangelnde Vitamin-D-Versorgung unserer Kinder Folgendes erklärte:

“Aktuelle nationale und internationale Publikationen beschreiben eine suboptimale Vitamin-D-Aufnahme bzw. einen unzureichenden Vitamin-D-Status in allen Altersstufen. Ziel dieser Stellungnahme ist es, die vorhandene Literatur und Evidenz zu den Referenzbereichen von Vitamin-D-Aufnahme und zur Vitamin D-Versorgung sowie zum tatsächlichen Verzehr zusammenzustellen und Empfehlungen für das Säuglings-, Kindes- und Jugendalter zu geben.”

Die Erkenntnisse dieser Studie von 2011 wurden anscheinend nicht in eine flächendeckende und verpflichtende Aufklärung und Vorsorge für unsere Kinder übersetzt. Warum nicht?

Noch mehr Profiteure

Neben den genannten Vereinigungen gibt es noch etliche weitere Vereine und Zusammenkünfte von Kinderärzten, die ich hier nicht im Detail erwähne.

Soweit ich es zum derzeitigen Zeitpunkt meiner Recherchen überblicken kann, werden allerdings alle von mir gesichteten Vereinigungen in irgendeiner Form von der Pharmaindustrie mitfinanziert. Sowohl die jeweiligen gemeinnützigen Vereine selbst als auch etliche der leitenden Personen. Weitere Zahlungsempfänger der Pharmaindustrie und zuständig für Kinderheilkunde, sind zum Beispiel:

  • GPOH e.V. – Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
  • Gesellschaft für Nopädiatrie e.V.
  • Gesellschaft Für Pädiatrische Nephrologie E. V
  • GPGE e.V. – Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e.V.

All diese Gruppen erhalten, laut der Datenbank von CORRECTIV, Gelder von der Pharmaindustrie. Und sie alle sind zu finden unter der gleichen Adresse: Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin.

Babynahrung: Kinderärzte als Vertriebsnetz

Wir haben von unserem Kinderarzt keinen einzigen Hinweis für eine wirklich gesunde Nahrungsversorgung für unsere Kinder erhalten. Die Verabreichung von Vitamin D Tabletten wurde nur für das erste Lebensjahr unserer Kinder empfohlen. Dafür bewirbt unser Arzt im Behandlungszimmer Milchpulverpackungen für Säuglinge und Kleinkinder.

Ein ganzes Regal ist vollgestellt mit folgenden Produkten: jeweils mehrere Packungen von BEPA (Nestlé), ALTHÉRA (Spezialnahrung von Nestlé Health Science), Hipp Comfort Spezialnahrung (HIPP), Humana Comfort (Seit 2016 Teil der HIPP Gesellschaft) und Neocate von Nutria (Danone Gruppe). Ich gehe davon aus, dass die Vertreter der Lebensmittelkonzerne nicht nur unseren Kinderarzt besucht haben, sondern auch andere Kinderärzte, und sich Produkte dieser Hersteller auch in vielen weiteren Arztpraxen wiederfinden.

Das ist nicht überraschend. Denn wer bedenkt, welche Umsätze die Lebensmittelkonzerne mit Milchpulvern für Babys und Kleinkinder erwirtschaften, sieht schnell, dass ohne die tatkräftige Bewerbung dieser Produkte in Arztpraxen – in Deutschland und anderen Ländern – ein solch wirtschaftlicher Erfolg nicht zu erreichen wäre.

Der globale Markt für Milchpulver und Babynahrung belief sich bereits 2015 auf ca. 40 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als der globale Impfmarkt einbringt. Auch diesem Marktsegment werden weltweit große Wachstumschancen zugesprochen. Es wird erwartet, dass die Wachstumsraten über 6% pro Jahr betragen werden und bis 2021 ein Umsatz von ca. 70 Milliarden Euro weltweit erwirtschaftet wird. Die USA führen, ähnlich wie auch in den meisten Lebensmittel- und Pharmatrends, den Wachstumsmarkt an.

Übrigens ist in der Pulvermilch für Kinder praktisch immer eine extra Portion an zugesetztem Phosphat zu finden, welches bekanntlich den Knochen- und Zahnstoffwechsel, besonders in der Wachstumsphase, stören kann. Zusätzlich führen künstliche Phosphatverbindungen in der Nahrung zu Bluthochdruck und Arterienverkalkung. Die Gefahren, besonders für kleine Kinder, sind bekannt. Entsprechend tragen Produkte mit diesen Phosphatverbindungen den Warnhinweis “Vorsicht bei Kleinkindern, da die akzeptable tägliche Aufnahmemenge überschritten werden könnte.”

Aber diese Phosphatverbindungen befinden sich in den meisten Babymilchpulvern. Selbst in Bioprodukten und bei führenden Herstellern wie HIPP findet sich das E341 für Calciumphosphate. Auch das trägt den besagten Warnhinweis. Der Hersteller HIPP ist aber der Meinung, dass ein Zusatz mit einer undefinierten Menge von E341 nicht nur nicht schädlich sei, sondern gar gesund und notwendig. Auf dem Online-Expertenforum von HIPP als Antwort auf einen Leserbrief erklärt der Hersteller:

“Das zugesetzte Calciumorthophosphat ist in unserer Milchnahrung sicher nicht schädlich für Ihr Baby, im Gegenteil, es ist sogar sehr wichtig für den kleinen Babykörper…. Ich kann Ihnen versichern, dass die von uns eingesetzte Phosphatverbindung gesetzlich zugelassen und ernährungsphysiologisch erforderlich und wichtig ist.

Bei Calciumorthophosphat handelt es sich um eine Mineralstoffverbindung, die in Art und Menge genauestens gesetzlich geregelt und ausdrücklich für Säuglings- und Kleinkindprodukte erlaubt sind und in keiner Weise ein Risiko darstellt. Sie brauchen sich daher keine Gedanken machen, Ihr Kleines könne zu viel davon bekommen, auch wenn es ausschließlich Pre Nahrung trinkt.”

Wie der Hersteller HIPP sicher herleiten kann, wann genau eine akzeptable Höchstmenge dieses synthetischen Zusatzes überschritten ist – ohne das gesamte Ernährungssverhalten des Säuglings zu kennen und zu evaluieren – ist mir als Leserin unklar.

Aber nicht nur der Hersteller HIPP nutzt fragwürdige Zusatzstoffe in seiner Babynahrung. Ein weiteres Beispiel ist das Produkt Nestlé BEBA PRO Anfangsmilch Start PRE 600 g (Hervorh. d. A):

“Zutaten: Molkenerzeugnis, Magermilch, pflanzliche Öle, Laktose, Milcheiweiß, Calciumcitrat, Fischöl, Vitaminmischung (Vit. C, Vit. E, Niacin, Pantothenat, Vit. A, Vit B1, Vit. B6, Vit. B2, Folsäure, Vit. K, Biotin, Vit. D), Öl aus Mortiererella alpina, Emulgator: Sojalecithine; Magnesiumchlorid, Kaliumchlorid, Phenylalanin, Kaliumcitrat, Natriumphosphate, L-Histidin, Taurin, Inositol, Nucleotide (Cytidin-, Uridin-, Adenosin-, Guanosin-5-monophosphat), Natriumchlorid, Eisensulfat, Zinksulfat, Calciumorthophosphat, L-Carnitin, Milchsäurebakterien (mit Bifiduskultur), Kupfersulfat, Kaliumjodid, Mangansulfat, Natriumselenat.”

Fazit: Generell handelt es sich auch bei Babymilchpulvern um nichts anderes als eine synthetisch hergestellte Mischung aus essenziellen Nährstoffen und Milchpulver – meist aus der Massentierhaltung. Die Packung kostet im Schnitt 18 Euro und sie reicht für 6 Liter Milch. Der Liter kostet somit deutlich mehr als 3 Euro. Warum Eltern ihren Kindern jemals ein solches Produkt verabreichen sollten, erschließt sich mir und mit meinem heutigen Wissensstand nicht.

All diese Zusammenhänge wurden uns von unserem Kinderarzt, der diese Babymilchpackungen offen bewirbt, nicht erklärt.

Kinderärzte: Ein Mangel an Wissen?

Es stellen sich die offensichtlichen Fragen:

  • Liegt in den Verstrickungen zwischen Ärzteverbänden und der Pharmaindustrie die Antwort, warum Kinderärzte anscheinend wenig Ahnung vom flächendeckenden Mangel an Vitamin D, und wohl auch sonst wenig Verständnis von Ernährung und Mikronährstoffen, haben?
  • Können sie unsere Kinder aufgrund dieser Wissenslücke überhaupt differenziert betrachten und angemessen behandeln?
  • Wenn Kinderärzte dieses Wissen nicht haben, wie sollen sie dann Eltern und gesellschaftliche Bereiche angemessen über Präventionsmaßnahmen aufklären?
  • Beginnt der Prozess der lückenhaften Bereitstellungen von lebenserhaltenden Informationen bereits im Medizinstudium?

Wahrscheinlich lernen auch niedergelassene Kinderärzte auf den von der DGKJ organisierten Fortbildungen wenig bis gar nichts darüber, welche Nahrungsmittel ein kleines Kind essen müsste, um auf seinen täglichen Bedarf an Vitamin A zu kommen. Oder wie viele Sonnenblumenkerne oder Haselnüsse es knabbern sollte, damit es den von der DGE angeratenen täglichen Bedarf an Vitamin E deckt. Oder dass eine Fehlfunktion der Schilddrüse auch bei Kindern vielleicht etwas mit falscher Ernährung und einer Belastung durch zu viele Zusätze aus Nahrungsmitteln, verabreichten Medikamenten oder Pflegeprodukten zu tun hat?

Quellen und weitere Informationen zu “Die Rolle von Kinder- und Jugendärzten”

Profitable Geschäftsfelder: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfen, mangelnde Zahngesundheit und neuronale Störungen

Es gibt weitere – und zwar sehr lukrative – Bereiche, in denen sich die Pharmaindustrie breit gemacht hat. Bereiche, in denen sie mit Hilfe der medizinischen Fachwelt den Patienten ihre Produkte andient.

HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN: Auch ein Bombengeschäft

Auf Platz zwölf der lukrativsten Einzelmedikamente findet sich das Produkt “Crestor” von AstraZeneca. Und das ist bei weitem nicht das einzige Medikament, welches für den Erhalt unserer Blutkreisläufe eingesetzt wird. Ebenfalls mit dabei sind:

  • Vytorin – Merck und Co
  • Xarelto – Bayer
  • Brilinta – AstraZenka
  • Letains – GlaxoSmithKline
  • Opsumit – Johnson & Johnson
  • Vocado – Berlin Chemie
  • Rasilenz – Novartis
  • Blopress – Takeda
  • Clexane – Sanofi
  • Efient – Lilly
  • Pradaxa – Bohringer Ingelheim

Nur die 10 erfolgreichsten Medikamente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben in 2017 einen Umsatz von ca. 12 Milliarden Euro generiert. Zieht man die Kosten für Behandlung hinzu, schaffen es beide zusammen auf einen weltweiten Umsatz von über 120 Milliarden Euro. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind mittlerweile die häufigste Todesursache von Menschen.

Wer nun betrachtet, welche gigantische Einnahmequelle geschädigte Blutgefäße für das Gesundheitssystem bedeuten, ist wohl nicht überrascht, dass sich Mechanismen entwickelt haben, die behindern, dass Patienten lernen, selber adäquate Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Dazu müssten Menschen genau wissen, welche Faktoren das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken erhöhen und wie sie diese Risiken effektiv minimieren. Die vier bekannten Hauptrisikofaktoren sind:

  1. ein Mangel an Vitamin D und einigen weiteren essenziellen Nährstoffen
  2. der Konsum von zu viel Salz und künstlich zugesetzte Phosphatverbindungen
  3. ein Mangel an Bewegung
  4. der Konsum von Zigaretten

Anmerkung: Hier lohnt sich ein erneuter Blick auf die Tabelle “Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren – Worin sind sie enthalten?” im Kapitel “Nahrung und Gesundheit: Wer definiert und entscheidet?” sowie “NEUE ZUTATEN: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?” Sektion “Salz (Natrium)” und “Phosphat”.

Quellen und weitere Informationen zu ” Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein Bombengeschäft”

  • NCB 2016 “Cardiovascular disease market set to grow very slowly to $146.4 billion by 2022, says GBI Research” Sep. 2016, by Cardiovasc J Afr https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5370385/
  • The Pharma Letter “Slow growth forecast for cardiovascular drug market as blockbusters face generics” https://www.thepharmaletter.com/article/slow-growth-forecast-for-cardiovascular-drug-market-as-blockbusters-face-generics
  • PM Life “Top 25 pharma companies by cardiovascular sales” http://www.pmlive.com/top_pharma_list/cardiovascular_revenues
  • IgeaHub Pharmaceutical Club 4.5.2018 “10 Best Selling Drugs 2018 – Cardiovascular. The Complete List and Analysis of the Best Selling Cardiovascular Drugs in 2017. All the Top Cardiovascular Products in the Pharmaceutical and Biotechnology Industry with detailed performance and future trends Cardiovascular remains one of the largest disease areas in the pharmaceutical business together with oncology, rheumatology, respiratory, anti-virals, and others. Total revenues for the 10 best selling cardiovascular medications approached 12 billions USD in 2017.” https://www.igeahub.com/2018/05/04/best-selling-drugs-2018/
  • NCBI 2010 “How Tobacco Smoke Causes Disease: The Biology and Behavioral Basis for Smoking-Attributable Disease: A Report of the Surgeon General.” by the Centers for Disease Control and Prevention (US); National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion (US); Office on Smoking and Health (US). Atlanta (GA):Centers for Disease Control and Prevention (US); https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK53012/
  • SWR Aktuell 25.3.2019 “Bayer-Konzern zahlt Hunderte Millionen an Entschädigung” Zitat: “Der Bayer-Konzern zahlt umgerechnet 686 Millionen Euro an US-Amerikanerinnen und -Amerikaner, die ihn wegen seines Blutverdünners Xarelto verklagt haben. Die Nachrichtenagentur dpa spricht von 25.000 Klagen wegen möglicher Gesundheitsschäden durch seinen Blutgerinnungshemmer Xarelto. Patienten oder deren Angehörige machen das Medikament für Gesundheitsschäden bis hin zum Tod verantwortlich. Xarelto ist Bayers umsatzstärkstes Medikament – 2018 hat der Konzern damit einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro gemacht.” https://www.swr.de/swraktuell/Bayer-Konzern-zahlt-Hunderte-Millionen-an-Entschaedigung,bayer-entschaedigung-100.html

IMPFUNGEN: Ein globaler Feldzug

Seit den 80er Jahren haben wir eine gigantische globale Impfkampagne der Pharmakonzerne erlebt. Überall auf der Welt wird gegen immer mehr geimpft.

Vor dreißig Jahren haben wir gegen fünf Krankheitserreger geimpft: BCG, Diphtherie, Tetanus, Polio und Masern. Mittlerweile werden wir angehalten, uns gegen bis zu 23 Krankheiten impfen zu lassen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), welche Teil des Robert Koch-Instituts ist. Die Aufsichtsbehörde für das Robert Koch-Institut und somit der STIKO ist das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Empfohlene Impfungen A – Z

Cholera

Diphtherie

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Gelbfieber

Hepatitis A

Hepatitis B

Herpes zoster (Gürtelrose)

Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

HPV (Humane Papillomviren)

Influenza

Masern

Meningokokken

Mumps

Pertussis (Keuchhusten)

Pneumokokken

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Rotaviren

Röteln

Tetanus

Tollwut

Tuberkulose

Varizellen (Windpocken)

Zoster (Herpes zoster, Gürtelrose)

Quelle: Webseite Ständige Impfkommision, Robert Koch-Institut

Da die unterschiedlichen Wirkstoffe zum Teil mehrmals verabreicht werden müssen, addieren sich die einzelnen Impfwirkstoffe und entsprechenden Arzttermine recht beeindruckend auf. Manche dieser Impfstoffe werden als Kombinationspräparate verabreicht, ein großer Teil davon enthält Aluminium oder auch Quecksilber als Trägersubstanz, so genannte Adjuvantien.

Die Bundesregierung, bzw. das Robert Koch-Institut empfiehlt, inzwischen unseren neugeborenen Kindern bereits in den ersten 13 Monaten 40 Impfungen. Laut Eltern für Impfaufklärung (EFI) ist die Steigerungsrate von 1976 bis 2013 beachtlich:

  • 1976 = 11 Impfungen gesamt
  • 1994 = 22 Impfungen gesamt
  • 2013 = 40 Impfungen gesamt

Globale Profiteure

Insgesamt wird erwartet, dass der globale Markt für Impfungen bis 2022 auf über 40 Mrd. Euro anwachsen wird. 2017 betrug der Umsatz knapp 30 Mrd. Euro. Das sind also Steigerungsraten von über 7% pro Jahr. Um diese Wachstumsraten zu erreichen, brauchen wir also deutlich mehr Menschen, die sich spritzen lassen. Und unterstützende Ärzte ebenso wie Politiker und Journalisten.

Die Kinder- und Jugendärzteverbände, BVKJ und DAKJ, scheinen da entsprechende Wachstumshelfer zu sein. Der Generalsekretär und der Präsident dieser beiden Organisationen sind die bereits erwähnten Ärzte Prof. Dr. Huppertz und Dr. Fischbach. Sie fordern zum Beispiel öffentlich, eine Impfpflicht für alle Kinder gesetzlich zu verankern. Das ist mehr als fragwürdig, wenn man genau hinschaut.

Das Beispiel Pneumokokken

Seit 2006 impfen wir in Deutschland gegen Pneumokokken. Pneumokokken sind Erreger, die eine Lungen-, Hirnhaut oder Mittelohrentzündung auslösen können. Diese Erkrankungen treten vermehrt in den Wintermonaten auf. Also in der Zeit, in der Menschen weniger mit natürlichem Vitamin D versorgt sind und ihr Immunsystem oft geschwächt ist. Studien, die diesen Zusammenhang belegen, gibt es einige Z.B.: “Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections: systematic review and meta-analysis of individual participant data”, eine großangelegte Studie von 2017 mit über 11.000 Probanden und eindeutigen Resultaten.

Für die Pharmaindustrie ist das ein Problem: Mit dem Verabreichen von Vitamin D verdient sie fast nichts. Mit Impfungen gegen diesen Erreger aber schon – und zwar sehr viel.

Den Markt für Impfungen gegen Pneumokokken teilen sich Pfizer (Prevenar und Prevenar 13) und GlaxoSmithKline (Synflorix). Die beiden Konzerne haben sowohl die BVKJ als auch die DAKJ reichlich bezahlt. Pfizer wiederum hat alleine mit seinem Impfstoff Prevenar 13 in 2015 über 5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Tendenz stark steigend. Wie gesagt: Bis 2006 wurden wir in Deutschland gegen Pneumokokken gar nicht geimpft. Und kränker waren wir vor dem Zeitpunkt trotzdem nicht.

GlaxoSmithKline wiederum hat alleine mit seinem globalen “Impf-Business” in 2016 ca. 5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Die Wachstumsraten im Vergleich zu 2015 betrugen hier ca. 14%. Wer dann wiederum bedenkt, dass ein starkes Immunsystem in den meisten Fällen durchaus in der Lage ist – auch potentiell gefährliche Erreger wie Pneumokokken – selbst zu bekämpfen, dem wird klar, warum wir nicht Vitamin D, Hagebutten, Leber und Brennnessel verordnet bekommen. Wenn wir nämlich systematisch das Immunsystem unserer Kinder, und natürlich auch unser eigenes, stärken würden – mit allen notwendigen Nährstoffen, wenig Stress und Sonne/Vitamin D und der Abwesenheit von toxischen Stoffen wie Aluminium und vielen mehr, dann bräuchten wir auch fast keine Impfungen. Das würde dann bis zu 40 Mrd. USD weniger für die Pharmaindustrie bedeuten und Verluste für all die Branchen, die mittlerweile auch von diesem Geschäftsfeld abhängig sind: Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Apotheken, Chemiekonzerne, die Verpackungsindustrie und viele, viele mehr. Weltweit.

Das Beispiel Masern

Weltweit sind wieder Ausbrüche von Masernerkrankungen auf dem Vormarsch und die Zahlen von betroffenen Kindern steigen. So auch, z.B. Anfang 2019, in Niedersachsen. Die Antwort auf diese Entwicklung unserer politischen Vertreter auf Bundesebene ist das Einfordern einer gesetzlich verpflichtenden Impfpflicht für alle Kita- und Schulkinder. Zu den lautstarken Verfechtern dieser Zwangsmaßnahme gehören Jens Spahn (CDU, Bundesgesundheitsminister), Dr. Franziska Giffey (SPD, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Andrea Nahles (Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion), Anja Karliczek (CDU, Bildungsministerin) sowie Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD, Mitglied des Deutschen Bundestages).

Das Argument ist immer das Gleiche – Zitat Nahles: “Individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet”. Wer sich mit den Details der Masernerkrankung, den historischen Entwicklungen und den Profiteuren dieser Impfung auseinandersetzt, muss sich fragen: Wer genau berät eigentlich diese Volksvertreter? Und inwieweit hinterfragen genau diese Vertreter eigentlich die präsentierten Details?

Differenzierte Informationen rund um Masern – ebenso wie alle anderen “Kinderkrankheiten” – gibt es mittlerweile reichlich. Ein hervorragend recherchiertes Buch – “Die Impf-Illusion” – wurde z.B. von Dr. Suzanne Humphries, einer amerikanischen Internisten und Nierenspezialistin (Nephrologin) geschrieben. Dr. Humphries arbeite 19 Jahre lang als angesehene Internistin in einem Krankenhaus und war laut eigenen Aussagen zunächst keine Impfgegnerin. Als im Winter 2009, kurz nach einer routinemäßigen Verabreichung des H2N12-Grippeimpfstoffs, mehrere Patienten mit Nierenversagen bis hin zu Todesfällen in ihrer Station eingeliefert wurden, wurde sie allerdings stutzig. Einen Diskurs über mögliche Zusammenhänge mit dem Impfwirkstoff wurden ihr von Seiten des Chefarztes und der medizinischen Leitung des Krankenhausens verweigert.

Daraufhin hat sie sich selbst, und in Zusammenarbeit mit Roman Bystrianyk, einem Experten rund um die Geschichte von Krankheiten, auf eine umfängliche Suche nach Antworten begeben. Die beiden Experten haben über mehrere Jahre unzählige historische Aufzeichnungen und medizinische Quellen der USA und aus Großbritannien durchforstet und zusammengetragen. Über 50 Graphiken sowie dutzende Originalfotos dokumentieren die gesundheitliche Entwicklung der Bevölkerung dieser beiden Länder. Alle Graphiken, Fotos und Hintergründe zu diesem Forschungsprojekt sind online und kostenlos einzusehen unter www.dissolvingillusions.com. In Bezug auf Masern haben diese beiden Experten Folgendes zusammengetragen:

  • Ausbrüche von Masern waren in den USA und Großbritannien bis Ende des Ersten Weltkrieges häufig.
  • Bis 1890 haben diese Ausbrüche auch bei bis zu 30% der betroffenen Patienten zum Tode geführt.
  • Die Ausbrüche fanden überwiegend in urbanen Zentren statt, also in Regionen, in denen die Bevölkerung zu der Zeit oft unter katastrophalen hygienischen Umständen hauste, schwer mangelernährt war und ohne Tageslicht in Fabriken gearbeitet hat.
  • Ein Verständnis der Zusammenhänge von Nährstoffen, Hygiene und einem gesunden Körper gab es damals noch nicht.
  • Kinder haben zu der Zeit keinen hohen Stellenwert in der Gesellschaft gehabt und ihrer Gesundheit wurde keine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
  • Diese Faktoren – ein Verständnis der Zusammenhänge von Nahrung, Nährstoffen, Hygiene und Gesundheit, besonders im Wachstum – hat sich erst nach dem zweiten Weltkrieg in den USA und in Großbritannien in der Bevölkerung und dank staatlicher Maßnahmen, schnell verbreitet.
  • In der Konsequenz fiel die Anzahl von Ausbrüchen und Todesfällen, verursacht durch Masern, kontinuierlich auf einen historischen Tiefstand: “Die offizielle Zahl der Todesfälle durch Masern von 1960 in den USA wurde mit 360 angegeben. Damals lag die Zahl der Bevölkerung bei 180.671.000. Dies entsprach einer Mortalitätsrate von 0.24 pro 100.000 Menschen.” (Seite 316)
  • In den USA wurde der Masernimpfstoff erst NACH diesem Rekordtief eingeführt – und zwar 1963.
  • Der erste Masernimpfstoff enthielt “tote” Vieren, extrahiert aus den Nieren von Affen, und als Trägersubstanz Aluminium. Diese Kombination führte bei vielen Probanden zu Lungen- und Hirnentzündungen.
  • Um diese Komplikationen zu vermeiden, wurden später Lebendimpfstoffe genutzt, die allerdings auch zu Komplikationen führten: Die Impfstoffe selbst verursachen bei den Probanden Masernausbrüche, die ohne Test nicht von den Ausbrüchen, die es zu verhindern gilt, unterschieden werden können. Diese Problematik besteht auch heute noch: Über 30% der Ausbrüche werden durch den Impfwirkstoff selbst ausgelöst.

Todesursachen in sechs Neuenglandstaaten im Jahr 1963

StaatMasernAsthmaUnfälleHerz-Kreislauf-Erkrankungen
Maine1415144734
New Hampshire0213052937
Vermont3112221871
Massachusetts0138229923611
Rhode Island1283414356
Connecticut04499810301
New England5283467947804

Quelle:Die IMPF-Illusion” 2015, Dr. Suzanne Humphries und Roman Bystrianyk, Seite 316

Das Buch bezieht sich ebenfalls auf eine Reihe von Studien, die belegen, dass besonders die Vitamine A und C einen hohen Schutz vor Infektionen mit Masern bieten und im Falle der Erkrankung den Genesungsprozess positiv unterstützen. Relevante Konzentrationen von Vitamin A finden sich in Kräutern, Mohrrüben und Leber und Vitamin C in Kräutern und Wildobst. Solche Lebensmittel haben Kinder in der Zeit der Industrialisierung wohl selten gegessen. Das gleiche gilt für unsere heutigen Kinder, die anhand der DGE-Ernährungspläne ernährt werden.

In Bezug auf kommerzielle Profiteure ist Folgendes interessant: Auf Wikipedia wird für Masern erklärt “Seit Einführung der frühesten Versionen in den 1970er Jahren wurden etwa 500 Millionen Dosen in über 60 Ländern verwendet.” Seit 2006 wird in Deutschland der Kombinationswirkstoff MMRV genutzt. Eine einzelne Impfung kostet zwischen 33 bis 90 Euro. Die Hersteller des Wirkstoffs MMRV sind GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur MSD.

Wer nun überlegt, wie viel wohl seit den 1970ern nur mit der Verabreichung des Impfwirkstoffs für Masern umgesetzt wurde, und als Kosten für eine Impfung 20 Euro veranschlagt, – in vielen Ländern wird und wurde der Wirkstoff wohl deutlich günstiger angeboten als in Deutschland – und diesen Preis mit 500 Millionen multipliziert, kommt auf die beachtliche Summe von 10 Milliarden Euro. Und jeder, der einmal in oder mit einem internationalen Großkonzern gearbeitet hat, weiß, dass bei solchen Geldsummen alle erdenklichen Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den wachsenden Kapitalflusses nicht zu gefährden.

Wie holt man Kinderärzte mit ins Boot?

Die Honorierung von Impfungen wird, gemessen an dem Behandlungsaufwand, sehr hoch bezahlt. Ein finanzielles Anreizsystem mag besonders für die im Vergleich mit anderen Ärztegruppen schlecht bezahlten Kinderärzte attraktiv sein.

Informationen darüber, welche Zahlungen Ärzte für Impfungen erhalten, hat die Arbeitsgruppe IMP-Formation in einem Artikel vom 04.01.2015 zusammengestellt. Die folgenden Kosten für die Verabreichung der jeweiligen Impfstoffe dürfen Ärzte abrechnen. Auszüge der zusammengestellten Daten lesen sich wie folgt:

Lebensjahr 1-2:

    • Rotavirenimpfung 3 mal = 22,59 €
    • 6-fach Impfung 4 mal = 73,36 €
    • Pneumokokkenimpfung 4 mal 30,12 €
    • Meningokokken C Impfung 1 mal = 7,53 €
    • Masern, Mumps, Röteln Impfung 2 mal = 19,02 €
    • Varizellenimpfung 2 mal = 15,06 €
    • (Sachsen empfiehlt außerdem Meningokokken B, Hepatitis A und die jährliche Influenzaimpfung)

ab Lebensjahr 3:

    • FSME-Impfung 3 mal = 22,59 €
    • Auffrischung aller 3 Jahre (bis zum 70. Geburtstag = 21 mal = 158,13 €

Auffrischung bis Lebensjahr 18:

    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten 1 mal: 9,71 €
    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Polio 1 mal: 9,71 €
    • HPV-Impfung 3 mal: = 22,59 €

Auffrischungen ab Lebensjahr 18:

    • Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten (wegen Keuchhustenkomponente 1 mal auffrischen) = 9,71 €
    • Tetanus/Diphtherie (aller 10 Jahre) 4 mal = 31,72 €
    • Influenzaimpfung (jährlich ab 60) 10 mal = 77,90 €
    • Pneumokokkenimpfung 1 mal: 7,53 €
    • (Sachsen empfiehlt außerdem ab 50 Impfung gegen Herpes Zoster = Gürtelrose)

Summe: 507,56 € bekommt ein Arzt für das Impfen vergütet pro durchgeimpfte Person

Das wirkt im ersten Moment nicht gerade viel, jedoch ist das nur der Teil der Vergütung für impfende Ärzte BEI EINER PERSON und je mehr geimpft wird, desto besser die Vergütung. Überschlägt man das auf “nur” die Hälfte der deutschen Bevölkerung, liegen wir bei:

20.302.400.000,00 € (zwanzigmilliardendreihundertzweimillionenvierhundertausend)”

Lukrative Impfungen: Ein Vergleich

Wie finanziell attraktiv, gemessen am Zeitaufwand, das Verabreichen von Impfungen ist, wird deutlich, wenn man die Zahlungen für andere und zum Teil deutlich aufwendigere Eingriffe betrachtet. Die folgende Aufstellung wurde von der Initiative Hausärztemangel in Deutschland zusammengestellt:

Wundnaht oder kl. operativer Eingriff6,07 €
Lungenfunktionsprüfung6,39 €
Einzelimpfung (Grippe, FSME etc.)7,67 €
Ultraschall der Schilddrüse9,06 €
Demenztest bei Patienten über 70 J.13,00 €
Kombinationsimpfung15,34 €
Ultraschall des Bauches16,73 €
Belastungs-EKG (Ergometrie)21,31 €
Hausbesuch22,59 €

Quelle: “Kassenhonorar der Hausärzte” https://www.xn--hausrztemangel-8hb.info/haus%C3%A4rztemangel/honorar-der-haus%C3%A4rzte/

Wachstumshelfer Apotheken

Aber nicht nur die Ärzteverbände, Kinder- und Allgemeinärzte betätigen sich als Wachstumshelfer für die Pharmakonzerne. Auch die Apotheken sind mit dabei. So liest man online in einem Artikel vom 18.7.2017 über Grippe (Influenza) in der Apotheken-Umschau wenig aussagekräftige Informationen darüber, was eine Grippe ist und was nicht. Beschrieben werden bekannte Symptome und Diagnosemethoden und für eine Behandlung werden Schonung und Bettruhe sowie Medikamente empfohlen.

Laut Apotheken-Umschau sollten sich Patienten als Vorbeugung lediglich oft die Hände waschen und sich impfen lassen. Kein Wort liest man darüber, dass ein Körper sich selbst gut wehren kann, wenn er ein starkes Immunsystem hat und er dieses nur bekommt, wenn er mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt wird. Man erfährt auch nichts darüber, dass im Krankheitsfall etliche Kräuter, als Tee oder zum Inhalieren, dem Körper wieder auf die Beine helfen können. Oder dass Wadenwickel oder ein Überwärmungsbad effektive und magenschonende Mittel sind, um hohes Fieber zu senken.

Interessant ist dann wieder zu schauen, wer für die Inhalte in diesem Magazin verantwortlich ist. Das war in diesem Fall ein Professor Dr. med. Bernd Salzberger, Internist und Infektiologe. Seit 2001 ist er als Professor für Klinische Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg tätig. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind HIV-Infektion, CMV-Infektion und Viruserkrankungen bei immunsupprimierten Patienten. Salzberger erhielt in 2016 Honorargelder und Spesen in Höhe von 5.460,22. Hauptgeldgeber war GlaxoSmithKline. Prof. Dr. Salzberger ist ebenfalls im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie e.V. Die wurde auch reichlich mit Spendengeldern beglückt. Hauptzahler sind wieder GlaxoSmithKline und MSD Sharp.

Generelle Sicherheit von Impfwirkstoffen

Das US-Amerikanische Netzwerk Informed Consent Action Network (ICAN), hat 2018 zusammen mit Robert F. Kennedy Jr., gegen die US-Regierung Klage erhoben. Sie verklagten das Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste (DHHS) wegen Impfschutzverletzungen und sie gewannen. Es stellte sich heraus, dass Pharmakonzerne in den vergangenen 30 Jahren keine Belege über die Sicherheit der eingesetzten Impfwirkstoffe vorlegen mussten. Die Bundesbehörde ist somit ihren Impfschutzverpflichtungen seit über drei Jahrzehnten nicht sachgerecht nachgekommen. Es stellt sich die Frage: Wie werden die oft gleichen Wirkstoffe in anderen Ländern geprüft?

Bedenkliche Inhaltsstoffe

Unter den Zutaten von Impfwirkstoffen befinden sich ebenfalls äußerst bedenkliche Substanzen. Eine genaue Aufstellung findet sich unter der 2018 veröffentlichenden Liste des “Centers for Disease Control and Prevention Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases, 13th Edition 2018” unter dem Titel “Vaccine Excipient & Media Summary Excipients Included in U.S. Vaccines, by Vaccine”. Folgende Inhaltsstoffe werden laut dieser Studie flächendeckend und in unterschiedlichen Konzentrationen und Kombinationen genutzt:

  • Thimerosal/Thiomersal (besteht zur Hälfte aus Quecksilber, hochgiftig, neurotoxisch und hirnschädigend)
  • Mononatrium-Glutamat (neurotoxisch und hirnschädigend)
  • Aluminiumhydroxyd, Aluminiumphosphat und Aluminiumsalze (stehen in Verbindung als (Mit-) Ursache von Alzheimer und Demenz)
  • Formaldehyd (hirnschädigend und krebserregend)
  • Zitronensäure (E330, erhöht die Aufnahme von Aluminium im Körper)
  • Neomycin (giftiges Antibiotikum, Risiko: anaphylaktischer Schock, Herzrasen und Erbrechen, wenn es in den Blutkreislauf gelangt)
  • Azeton (giftiges Lösungsmittel)

Besonders häufig kommen Aluminiumsalze zum Einsatz. Dieses Nervengift wird seit 90 Jahren in Impfwirkstoffen genutzt. Es ist bekannt, dass dieser Stoff unsere Nerven schädigt. Die genauen Wirkungen sind allerdings fast nicht erforscht. Diesen Tatbestand beleuchten die Wissenschaftler Tomljenovic L, Shaw CA 2011 in der Studie “Aluminium vaccine adjuvants: are they safe?”.

Ich halte fest:
  1. Hohe Gewinne: Pharmakonzerne erzielen mit dem Umsatz von Impfwirkstoffen weltweit Milliardenerträge.
  2. Unverhältnismäßigkeit: Zahlungen an Ärzte für die Verabreichung von Impfwirkstoffen – gemessen am Zeitaufwand und technischem Können – sind im Vergleich zu Zahlungen für komplexere Tätigkeiten, welche eine medizinische Ausbildung benötigen – kleine Operationen, Beratung von Patienten – unverständlich hoch.
  3. Mangelnde Vorsorge: Bei Vorsorgeuntersuchungen oder akuter Krankheit werden Patienten nicht verpflichtend und umfassend über Nahrungsmittel, welche den Körper stärken und welche ihn besonders schädigen, aufgeklärt.
  4. Mangelnde Aufklärung: Eine differenzierte und verpflichtende Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen ausgelöst durch potentiell gefährliche Zutaten in Impfstoffen – dazu gehören Aluminium, Quecksilber, Mononatrium-Glutamat – findet nicht statt. Und das, obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass diese Trägersubstanzen schwere gesundheitliche Schäden im Körper auslösen können und eine Anreicherung im Körper mit dem Anstieg von etlichen Zivilisationskrankheiten korreliert. Dazu gehören Demenz, Autismus, Brustkrebs, Multiple Sklerose, Morbus Crohn und Allergien. (siehe Studien unter Quellenverweis sowie Kapitel “Aluminium” und “Glutamat” unter “Neue Zutaten: Was mischt uns die Industrie ins Essen und warum?”)
Wer sich diese Zusammenhänge anschaut, sollte sich fragen:
  • Impfen wir wirklich, weil es Epidemien verhindert und wir unsere Kinder besonders schützen wollen?
  • Oder sollen wir uns impfen lassen, weil insbesondere die Pharmaindustrie sehr, sehr viel Geld an dieser Maßnahme verdient?

Was auch immer die Antwort sein mag, fest steht, dass die flächendeckende Behandlung mit Impfwirkstoffen von der Bundesregierung gewollt ist. Im Koalitionsvertrag von 2018 versichern die CDU/CSU und SPD den Pharmakonzernen die staatliche Unterstützung und fördert den weiteren Ausbau des nationalen Impfwahns. Auf Seite 101 unter den Zeilen 4703 und 4704 steht:

“Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, um die notwendigen Impfquoten zum Schutz der Bevölkerung zu erreichen.”

Anmerkung: Wir als Eltern waren früher nicht gegen Impfungen. Im Gegenteil. Wir haben unseren beiden Kindern alle empfohlenen Impfungen verabreichen lassen. Wir haben mit Gehorsam die Anweisungen unseres Arztes befolgt. Wir haben vertraut, dass der Staat den Schutz unserer Kinder als oberste Priorität betrachtet und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen hat. Wir haben das System und die Anweisungen unseres Arztes nicht hinterfragt.

Aus heutiger Perspektive hätten wir anders gehandelt: Wir hätten die jeweilige Notwendigkeit einer Impfung hinterfragt und uns einzelne Wirkstoffe und Gefahren sowie mögliche Interessenkonflikte und Alternativen sehr genau angeschaut. Wir hätten uns auch mit der Geschichte und den Akteuren rund um die Infektionshypothese beschäftigt. Die nachstehend aufgeführten Quellen und weiteren Informationen hätten uns bei der Suche nach Antworten Orientierung gegeben.

Quelle und weitere Informationen zu “Impfungen: Ein globaler Feldzug”

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ZAHNGESUNDHEIT: Putzen, putzen putzen?

In dem Kapitel über MIH/Kreidezähne habe ich erläutert, wie wichtig Nährstoffe für den Aufbau und Erhalt von gesunden Zähnen sind. Besonders relevant ist eine Versorgung mit den richtigen Mengen an Vitamin D, Calcium, Phosphat, Magnesium und Vitamin K.

Auch auf die Rolle eines gesunden Speichelflusses und der Darmgesundheit sowie die Relevanz von funktionsfähigen Organen, wie Leber und Nieren, bin ich eingegangen. All diese Zusammenhänge sind gut erforscht und seit vielen Jahren wissenschaftlich belegt. Genau diese Zusammenhänge werden der breiten Bevölkerung nicht oder nur unzulänglich erklärt. Warum? Und wer profitiert von all dem Zurückhalten von wichtigen Erkenntnissen? Da offenbaren sich gleich wieder mehrere Gewinner:

  • Hersteller von Zahncremes und Oralpflegeprodukten: Ein globales Marktsegment von ca. 30 Milliarden Euro.
  • Hersteller von Geräten für Zahnarztpraxen: Instrumente für Lasertechnik, Radiologie, Hygiene etc. Der Umsatz in diesem globalen Marktsegment belief sich in 2016 auf ca. 15 Milliarden Euro.
  • Die Hersteller für Zahnersatz und Zahnimplantaten: Dieses globale Marktsegment erzielte 2016 ca. 12 Milliarden Euro. Erwartete Wachstumsraten betragen 7.7% jährlich.
  • Zahnärzte und Kieferorthopäden: 2016 verdienten Bundesweit 94 098 Personen ihren Lebensunterhalt damit, dass Menschen Unterstützung bei dem Erhalt ihrer Zähne brauchten. 1995 waren es fast 20 000 Zahnärzte weniger.

In Bezug auf die Hersteller von Produkten für Zahngesundheit – Zahncremes, Mundspülungen, Zahnbürsten und Co. – sind ein paar weitere Details ganz spannend. Die Hauptakteure im Markt sind folgende Konzerne:

  1. Colgate Palmolive (USA) – Colgate, Elmex, Dentagard – Jahresumsatz in 2017 über 15 Milliarden US Dollar.
  2. GlaxoSmithKline (UK) – Best, Odol, Sensodyne – Jahresumsatz 2017 über 20 Milliarden US Dollar.
  3. Procter and Gamble (USA) – Oral-B, Crest – Jahresumsatz 2017 über 65 Milliarden US Dollar.
  4. Johnson & Johnson (USA) – Hexoral, Listerine – Jahresumsatz 2017 über 76 Milliarden US Dollar.

Diese multinationalen Konzerne stellen allerdings nicht nur Mundpflegeprodukte her, sondern auch entweder industriell verarbeite Reiniguns-, Lebensmittel oder Pharmaprodukte. Vier Dinge haben sie alle gemeinsam:

  • Sie alle wurden vor 1890 gegründet und haben sich noch vor dem ersten Weltkrieg als einflussreiche Unternehmen etabliert.
  • Heute agieren sie weltweit in fast allen Ländern, beraten Regierungen, finanzieren wissenschaftliche Studien und unterstützen Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen.
  • Sie profitieren davon, dass Menschen nicht verstehen, wie zum Beispiel ein gesunder Speichelfluss maßgeblich durch die Verabreichung von Medikamenten oder industriell verarbeitete Lebensmittel negativ verändert wird.
  • Die Produkte von überwiegend genau diesen Herstellern werden flächendeckend von der Bundeszahnärztekammer und von Zahnärzten empfohlen und genutzt. Ebenso werden die Produkte über ausgelegtes Informationsmaterial und Gratisproben in Arztpraxen, Kindergärten und Schulen in Deutschland intensiv beworben. In den meisten anderen Ländern der Welt wird die Situation ähnlich sein.

Die Interessen der Ärzte für unseren Mundraum wiederum werden vertreten durch den Dachverband der Zahnärzte. Die Ziele dieses Ärzteverbandes lesen sich wie folgt:

“Der DZV ist der bundesweite Dachverband der deutschen Zahnärzte. Mutmacher für die moderne Zahnarztpraxis. Motivator für Studierende und Praxisgründer. Kämpfer für die niedergelassenen Zahnärzte. Als Mitglied profitieren Sie von unseren pragmatischen Services. In Ihrer Regionalinitiative erleben Sie kollegialen Zusammenhalt. Und wo Krankenkassen, Kostenträger oder Politiker die Zahnärzteschaft beeinflussen wollen, vertritt der DZV Ihre Interessen – als Schwergewicht der Branche.”

Die Interessen der Patienten spielen bei diesem Verband laut diesen Aussagen keine Rolle.

Folgendes lässt sich herleiten: Die Menschen, die im Bereich der Zahngesundheit arbeiten, sind abhängig davon, dass Bürger kein wirklich gesundes Gebiss haben. Sie haben ihren Lebensunterhalt auf dieser Voraussetzung aufgebaut. Entsprechend ist es auch gar nicht überraschend, dass Patienten die Informationen, die sie brauchen, um vitale Zähne zu haben, nicht systematisch vermittelt bekommen.

Bei der Zahnschmelzerkrankung Kreidezähne/MIH handelt es sich in dieser Entwicklung wohl eher um einen Kollateralschaden. Denn wenn Zahnärzte uns Eltern nun flächendeckend erklären würden, dass Vitamin D wirklich wichtig ist, und wir nicht ständig unsere Kinder mit Sonnenschutzmitteln eincremen sollen, würden wir stutzig werden.

Wenn unsere Zahnärzte uns dann weiter aufklären würden, dass Industrie-Wurst, Nudeln, Kekse oder Eis wirklich nicht genug von all den notwendigen oder richtigen Mengen an Nährstoffen für einen gesunden Zahnaufbau enthalten, und wir diese Lebensmittel unseren Kindern nicht geben sollten, würden wir uns doch fragen, warum wir solche klaren Worte nicht schon vorher gehört haben? Warum werden uns und unseren Kindern genau diese Produkte in unseren Kindergärten, Schulen und Supermärkten täglich angeboten?

Wir würden uns auch wundern, warum uns seit Jahrzehnten erzählt wird, dass hauptsächlich das häufige Zähneputzen, immer mit reichlich Zahnpasta und regelmäßig neuen Zahnbürsten, ausschlaggebend für gesunde Zähne sei. Kurios erscheint dann die Aussage, dass primär das Essen von Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln direkt im Mundraum Karies verursacht. Diese Aussage macht dann ja gar keinen Sinn. Ebenso, wie sie bereits vor knapp 100 Jahren keinen Sinn gemacht hat, also zu dem Zeitpunkt, als der bereits erwähnte Zahnarzt und Forscher Weston Price die gängige Theorie von säureproduzierenden Bakterien im Mundraum als Auslöser für Karies und Mundfäule als Trugschluss entlarvte. Diese Feststellung machte Price 50 Jahre nach der Gründung der global führenden Hersteller für Zahnpflegeprodukte. (Siehe Kapitel “NAHRUNG UND GESUNDHEIT: Wer definiert und entscheidet? – Altes Wissen neu entdeckt”)

Quellen und weitere Informationen zu “Zahngesundheit: Putzen, putzen, putzen?”

NEUROLOGISCHE STUDIEN: Unterdrückte Erkenntnisse

Es gibt und gab viele relevante Studien und wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Menschen an neuronalen Störungen leiden, wenn sie zu wenige der lebensnotwendigen Nährstoffe bekommen. Diese Studien finden selten ihren Weg in unsere Arztpraxen, Krankenhäuser und in die öffentlichen Medien.

Neben den bereits erwähnten Studien in der Sektion “Stress” unter “UNSER KÖRPER: Was sollte man noch über Ernährung und Gesundheit wissen” habe ich mir vier Studien zum Zusammenhang zwischen neurologischen Störungen und Mikronährstoffen genauer angeschaut.

Studie 1 – Verhaltensgestörte Patienten

Diese Studie ist von 2004 aus den USA. Das Team Walsh, Glab, Haakenson hat 207 Patienten mit aggressiven Verhaltensstörungen individuell auf ihr biochemisches Gleichgewicht getestet und nach individuellen Bedürfnissen eingestellt. Etwa die Hälfte der Testpersonen hat die Behandlung zu Ende geführt. Die Patienten wurden je nach den individuellen Ergebnissen mit Zink, Vitamin A, D, E und C sowie Calcium, Selen, B-Vitaminen, Mangan und noch einigen weiteren Mikronährstoffen behandelt. Von den Patienten, die die Behandlung beendet haben, zeigten 92% eine verringerte Anzahl von Gewalttaten und bei 58% war gewalttätiges Verhalten komplett behoben worden. In dieser Studie werden weitere 51 Studien aufgeführt, die ebenfalls den Zusammenhang zwischen Gewalt und Mikronährstoffen untersucht haben.

Studie 2 – Depression und die Relevanz von Nährstoffen

Weiter erhellend ist in dem Zusammenhang zum Beispiel die Studie “Understanding nutrition, depression and mental illnesses”. Diese Studie beleuchtet systematisch und basierend auf über 50 aufgeführten internationalen Studien die Auswirkungen von langkettigen Kohlenhydraten, Proteinen, Omega 3-Fettsäuren, B-Vitaminen, Folsäure, Calcium, Chrom, Jod, Eisen, Selen und Zink auf neuronale Störungen im Körper. Diese Studie ist aus dem Jahr 2008.

Studie 3 – Insassen in einem schottischen Gefängnis

In einer Studie von 2014 von Dr. Bernard Gesch, Oxford University, wurde ebenfalls der Zusammenhang zwischen Ernährung und Gewaltbereitschaft untersucht. In einem Gefängnis in Schottland wurden der Hälfte der Insassen Nahrungsergänzungsmittel – Multivitamine und Omega 3 Fettsäuren – verabreicht. Vorab gab es keine individuelle biochemische Analyse oder Einstellung der Probanden. Aber selbst bei dieser unspezifischen Vorgehensweise konnte das Team von Forschern eine Reduktion der Gewaltbereitschaft bei den behandelten Insassen von 35% klar beobachten.

Eine Reportage zu diesem Experiment hat der SWR am 28.5.2015 ausgestrahlt und sie trägt den Titel: “Essen und Aggression. Macht Ernährung gewalttätig?”

Ich zitiere hier die im Internet dargestellte Zusammenfassung dieser Reportage, um aufzeigen, wie Zuschauerinnen und Leser für dumm verkauft werden. Die Wissenschaftler, die die beschriebene Studie angefertigt haben, behaupten mit vollem Ernst, dass ihre Erkenntnisse neu und bahnbrechend seien. Ich gehe davon aus, dass Wissenschaftler – zumal von einer der renommiertesten Universität der Welt (Oxford University) – mindestens ähnlich befähigt sind, im Internet oder in Fachbüchern nach relevanten Studien zu suchen, wie ich es bin: Ich habe in nur wenigen Sekunden in Google Scholar etliche Duzend von relevanten Studien gefunden.

“Essen und Gewalt – ein Zusammenhang?

Ideale Forschungsbedingungen für Bernard Gesch. Er ist Wissenschaftler an der Universität Oxford. Im Gefängnis von Polmont will er seine Theorie in der Praxis überprüfen. Er glaubt, dass die Gewaltbereitschaft der jungen Männer mit ihrer Ernährung zusammenhängt: ’Wir haben in englischen Gefängnissen geforscht und haben untersucht, was die Häftlinge dort essen. Wir haben herausgefunden, dass viele von ihnen eine schlechte Ernährung haben. Vor allem, weil sie gar kein gesundes Essen kannten. Als wir dann die Ernährung geändert haben, entdeckten wir plötzlich, dass viele von ihnen bedeutend weniger Straftaten begingen. Die Anzahl schwerer Vergehen sank um 37 Prozent!’ Ein fast unglaubliches Ergebnis! Erstmals wird ein Zusammenhang von Ernährung und Gewalt derart sichtbar. Doch was passiert da im Körper?

Eine Zusatz-Diät gegen Aggression

Kleine unscheinbare Packungen sollen helfen, das zu klären: Pillen mit einer Spezialdiät. Christine Galloway gehört zum Team der Universität Oxford. Sie wird einzelne Gefangene mit der Zusatzdiät versorgen. Die normale Gefängniskost ist nicht ausgewogen. Kein Wunder, denn pro Häftling und Tag stehen nicht einmal drei Euro fürs Essen zur Verfügung. Die Dragees der Wissenschaftler aus Oxford enthalten ungesättigte Fettsäuren, Mineralien und Vitamine. Doch manche Packungen enthalten keine der wertvollen Nährstoffe. Sie sind Placebos. Weder der Gefangene noch die Forscher wissen, was verabreicht wird. So kann das Ergebnis nicht verfälscht werden. Doch wie sollen einfache Vitamin-Pillen das Verhalten von Straftätern beeinflussen? ’Naja, die Antwort ist recht einfach’, meint Bernard Gesch. ’Unser Gehirn ist ein Organ, das wie jeder andere Teil des Körpers Nahrung braucht um zu funktionieren. Das Gehirn ist sogar ein Sonderfall. Es benötigt sehr viel Energie. Gut 20 Prozent des Essens dienen seiner Funktion. So gesehen hat unsere Ernährung einen direkten Einfluss auf die Leistungen unseres Gehirns.’ 

Kann eine Diät positive Effekte auf das Sozialverhalten haben?

Timmy ist bereits seit ein paar Monaten Teilnehmer an der Ernährungsstudie. Wie bekommen ihm die Nährstoffe? Hat er schon eine Veränderung an sich bemerken können? ’Ich werde nicht mehr so wütend wie früher’, sagt er, ’beruhige mich schneller, gerate nicht in Schwierigkeiten, in der Schule läuft es auch besser’. Das ist sein Eindruck! Aber lässt sich die Psyche durch Ernährung objektiv messbar beeinflussen? Psycho-Tests werden durchgeführt. Reagieren die Häftlinge unter der Diät gelassener, weniger aggressiv? Wenn ja, hätte das enorme Auswirkungen. Schließlich ist schlechtes Essen auch außerhalb der Gefängnismauern in vielen Kreisen verbreitet

Die Lösung scheint einfach: Vitamine statt Fast-Food

’Ich denke, das Essen hat einen Einfluss auf unser Verhalten’, so Christine Galloway. ’Ich habe mit psychisch Kranken draußen gearbeitet bevor ich hier herkam, und da habe ich den Einfluss von schlechter Ernährung auf die Psyche ebenso feststellen können. Ich denke, das ist direkt vergleichbar.’ Das Essen in der Gefängnisküche ist zwar nicht wirklich ungesund, aber für Bernard Gesch einfach nicht gesund genug. Es ist an den Geschmack angepasst, den die Häftlinge von draußen mitgebracht haben: Fast Food und ’fettiges Zeug’ wie sie sagen. Tragische Ernährungsgewohnheiten, denn selbst wenn ihnen einmal Obst und Gemüse angeboten werden, verschmähen die meisten Insassen gesundes Essen. Und doch will der Direktor Derek McGill nicht aufgeben, die Ernährung seiner über 700 Gefangenen zu verbessern: ’Es ist ja so, dass das ein Gewinn nicht nur für das Gefängnis hier wäre. Wir könnten das ganze auch viel jüngeren Leuten anbieten, etwa in Schulen. Und wenn auch in Schulen eine Verhaltensänderung sichtbar wird, dann könnte das junge Leute davor bewahren, hierher kommen zu müssen.’

Unbeschreibliches Leiden verhindern

Die Gefängnisstudie weist auf ein großes soziales Problem hin, das in Wirklichkeit außerhalb der Gefängnismauern seine Wurzeln hat. ’Wenn wir Recht haben, ich bin Wissenschaftler, deshalb sage ich ganz bewusst, ’wenn’ wir recht haben – denn wir müssen das Ganze schließlich noch weiter in Studien belegen. Dann können wir unbeschreibliches Leiden verhindern’, hofft Bernard Gesch. Leiden, das womöglich durch falsche Ernährung mit verursacht wurde. ’Das einzige Risiko bei der ganzen Sache ist ein gesünderes Leben, und das ist doch für alle ein Gewinn’, meint Gesch. 
Die Lösung der Forscher klingt einfach: Essen gegen Aggression. Doch noch sind viele Fragen offen.”

Der Artikel beschreibt nicht nur, wie angeblich verblüfft die Wissenschaftler über ihre Erkenntnisse sind. Nein, aus dem Artikel und dem dazugehörigen Film wird deutlich, dass kein Versuch gemacht wurde, die Ernährung der Probanden generell umzustellen. Die Insassen essen weiterhin Fast-Food oder Convenience-Produkte mit allen bekannten Zusatzstoffen wie Phosphat, Salz, Aluminium, Nitrat, Pestiziden, Glutamat, Hormonen, Antibiotika, Zucker und Auszugsmehl. Inwieweit sich die Probanden unter einer wirklich gesunden Ernährung entwickelt hätten, bleibt also ein Geheimnis.

Studie 4 – Eine Schule in London

Im Rahmen einer weiteren Studie, und zwar aus dem Jahr 2016, wurden in einer 12 Wochen langen “Double Blind Studie” Kinder einer ganzen Schule in London auf ihre Mikronährstoffversorgung untersucht. Auch hier kamen die Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis: Eine verbesserte Mikronährstoffversorgung reduzierte Aggressionen und führte generell zu weniger Gewalt. Aber in dieser Studie wurden anschließend nicht nur verändertes Verhalten beobachtet, sondern auch im Blutserum biochemische Veränderungen gemessen.

Doch wie auch in der vorherigen Studie wurde die Ernährung der Kinder offensichtlich nicht generell umgestellt – es wurden lediglich Nahrungsergänzungsmittel verabreicht. Man kann also davon ausgehen, dass die Darmflora der Kinder weiter belastet ist.

Unter den Literaturangaben wurden 53 Studien der letzten 20 Jahre aufgeführt – relevante Studien, die sich ebenfalls mit Mikronährstoffen und Auswirkungen auf den menschlichen Körper in Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten befassen. Die Studie von Dr. Walsh, (Studie 1) findet sich allerdings nicht unter den Quellenangaben. Ich gehe also davon aus, dass es zusätzlich zu den hier erwähnten Studien noch etliche weitere gibt.

Fazit: Neuronale Störung, oft ein Problem der Biochemie

Seit langem ist wissenschaftlich belegt, dass Menschen bei einer Unterversorgung von einer Reihe von essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen Störungen im zentralen Nervensystem aufweisen. Besonders die Nährstoffe B1, B2, B3, B6, B7, B12, Vitamin C, Calcium, Zink, Selen sowie Omega 3 werden für gesunde Nervenbahnen benötigt.

Bei einem Mangel an diesen essenziellen Nährstoffen beobachtet man bei Menschen vermehrt Angstzustände, Depression, Aggression, Wut, Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen.

Ebenso ist bekannt, dass weite Teile der Bevölkerung, dank unserer heutigen Ernährung, mit einem Großteil dieser essenziellen Mikronährstoffe unterversorgt sind. Teilweise sogar schwer. Diese Erkenntnisse gelten für Erwachsene genauso wie für Kinder. Ich frage mich:

  • Warum wird nicht sichergestellt, dass unseren Kindern in allen öffentlichen Bereichen nur Lebensmittel angeboten werden dürfen, die auch ihre Gesundheit fördern?
  • Warum werden bei betroffenen Kindern nicht systematisch mögliche Mangelerscheinungen über Laborwerte ausgeschlossen?
  • Warum wird all dieses Wissen nicht bei uns in der Schulmedizin angewandt? Wissen unsere Ärzte von diesen Zusammenhängen vielleicht gar nichts?
  • Wer profitiert davon, dass dieses Wissen der Bevölkerung nicht systematisch zugänglich gemacht wird?

Wer sich diese Fragen stellt, merkt: Auch hier stimmt was nicht! Was genau, lässt ein Artikel des SPIEGEL ONLINE vom 16.5.2011 vermuten. Diese Wochenzeitung beleuchtet, dass anscheinend der größte Teil der führenden Psychiater, Neurologen und Psychologen eng mit der Pharmaindustrie zusammenarbeitet:

“MEDIZIN Seelsorge für die Industrie. Die Elite der Nervenheilkunde ist eng mit Pharmakonzernen verflochten: Psychiater, Neurologen, aber auch Psychologen arbeiten als bezahlte Berater für die Unternehmen. Nun fordert ein Professor seine Kollegen auf, ihre Nebeneinkünfte offenzulegen.

Zahlungen von Pharmafirmen an Ärzte gibt es in vielen Bereichen der Medizin. In nur wenigen sind sie derart selbstverständlich geworden wie in der Nervenheilkunde. Es sind die Psychiater, die einer Studie aus Minnesota zufolge die höchsten Zuwendungen aus der Industrie kassieren. Von 37 Leitern der Kliniken für Psychiatrie an deutschen Universitätskliniken haben nach SPIEGEL-Recherchen offenbar mindestens 35 auf ihrem Berufsweg finanzielle Zuwendungen von Pharmafirmen angenommen.

Mitarbeiter von Pharmafirmen sehen es genauso. Systematisch rekrutieren sie Nervenärzte. Diese verdingen sich dann als Berater (Mitglieder des ˈadvisory boardˈ) und als bezahlte Redner (Mitglieder des ˈspeakers’ bureauˈ). Alles läuft gegen Bezahlung.”

Quellen und weitere Informationen zu “Neuronale Störungen: unterdrückte Studien”

  • Sience Direct 2004 “Reduced violent behaviour vollowing biochemical therapy.” by Walsh Wj. Published in Psychology & Behaviour Zusammenfassung Studie: “Reduced violent behavior following biochemical therapy. We conducted an outcome study to measure the effectiveness of biochemical therapy for 207 consecutive patients presenting with a diagnosed behavior disorder. The treatment protocols were based on clinical evaluation and our past experience in the treatment of 8000 patients with behavior disorders at the Pfeiffer Treatment Center (PTC) over a 10-year period. Each test subject was screened for chemical imbalances previously found in high incidence in this population, including metal-metabolism disorders, methylation abnormalities, disordered pyrrole chemistry, heavy-metal overload, glucose dyscontrol, and malabsorption. The clinical procedure included a medical history, assay of 90 biochemical factors, and a physical examination. Standardized treatment protocols were applied for each imbalance that was identified. The frequencies of physical assaults and destructive episodes were determined using a standardized behavior scale before and after treatment, with follow-up ranging from 4 to 8 months.” Result: “A reduced frequency of assaults was reported by 92% of the compliant assaultive patients, with 58% achieving elimination of the behavior. A total of 88% of compliant destructive patients exhibited a reduced frequency of destructive incidents and 53% achieved elimination of the behavior.” https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0031938404003105?via%3Dihub
  • SWR 28.5.2015 “Essen und Aggression. Macht Ernährung gewalttätig?” http://www.swr.de/odysso/macht-ernaehrung-gewalttaetig/-/id=1046894/did=13998754/nid=1046894/1m8gzaz/index.html
  • British Journal of Nutrition 28.1.2016 “A randomised double-blind placebo-controlled trial investigating the behavioural effects of vitamin, mineral and n-3 fatty acid supplementation in typically developing adolescent schoolchildren” first published 15.11.2015, by Jonathan D. Tammam, David Steinsaltz, D. W. Bester, Turid Semb-Andenaes and John F. Stein https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/randomised-doubleblind-placebocontrolled-trial-investigating-the-behavioural-effects-of-vitamin-mineral-and-n3-fatty-acid-supplementation-in-typically-developing-adolescent-schoolchildren/969EC01F1E71E822243DBFD080CD904F
  • Indian Journal of Phsychiatry 2008 “Understanding nutrition, depression and mental illnesses” by T. S. Sathyanarayana Rao, M. R. Asha, B. N. Ramesh, K. S. Jagannatha Rao https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2738337/
  • SPIEGEL ONLINE 16.5.2011 “MEDIZIN Seelsorge für die Industrie” http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78522323.html
  • Buch: “Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht” 2016, by Jörg Blech
  • Buch: “The End of Alzheimer’s: The First Programme to Prevent and Reverse the Cognitive Decline of Dementia” 2017, by Dr Dale Bredesen
  • Buch: “Alzheimer ist heilbar: Rechtzeitig zurück in ein gesundes Leben” 2017, by Dr. med Michael Nehls

Die Rolle der Medien und Wissenschaft

Wer genau hinschaut, sieht, dass die Pharmaindustrie ihren kometenhaften Aufstieg nur mit Hilfe aktiver Unterstützung bewerkstelligen konnte: Ärzteverbände, Patientenvereinigungen, die Medien und die Wissenschaft – sie alle helfen mit. Auf den folgenden Seiten belege ich mit weiteren Beispielen die allumfassenden Fehlinformationen und Vorteilsnahmen im System.

Zum Beispiel werden in etliche Artikeln in Zeitschriften und Tageszeitungen fragwürdige Inhalte verbreitet. Inhalte, die die Umsätze der Pharmabranche und des sonstigen medizinischen Establishments befeuern und nicht die Gesundheit der Menschen unterstützen.

Das Beispiel Neurodermitis offenbart die Mechanismen, wie in der Presse wichtige Informationen vorenthalten oder Fehlinformation verbreitet werden. In der Zeitschrift “Eltern Wissen Kindergesundheit” vom April bis Oktober 2017, kostenfrei zu beziehen bei unserem Kinderarzt, lese ich spannende Details. Ab Seite 30 steht unter dem Titel:

“Was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht?

Wenn bei einem Kind Neurodermitis, Diabetes oder Asthma festgestellt wird, fallen seine Eltern erstmal in ein tiefes Loch. Zum Glück zeigen die modernen Therapiekonzepte schnell: Mein Kind schafft das!”

Für Neurodermitis heißt das dort beschriebene, moderne Therapiekonzept nicht etwa eine differenzierte Bestandsaufnahme der Ernährung. Fragen rund um Bewegung, frische Luft und Stress werden nicht gestellt. Das Ausschließen eines biochemischen Ungleichgewichts im Körper des Kindes, verursacht durch eine mögliche Unterversorgung von Mikronährstoffen, steht ebenfalls nicht auf dem Programm.

Stattdessen wird erklärt, wie heute ein “modernes Therapiekonzept” zum Einsatz kommt. Das Kind soll lernen, mit Hilfe von einem Kuscheltier, häufig eine Creme mit dem Wirkstoff Chlorhexidin aufzutragen. Mögliche Nebenwirkungen dieses Wirkstoffs, selbst bei einer Creme, umfassen laut Onmeda.de: “Hautbrennen, Unverträglichkeitsreaktionen (Kontaktallergien), schwere allergische Reaktionen, Kontaktdermatitis, allgemeine allergische Reaktionen, örtlichen Hautreizungen bis in sehr seltenen Fällen hin zum allergischen Schock.” Also ganz ähnliche Symptome, die es hier zu behandeln gilt. Spannend.

Der Oberarzt Dr. Wolfgang Frank von der Fachklinik Wangen/Allgäu erklärt dann weiter auf Seite 32 unter dem Artikel “Nahrung ist selten Schuld”.

Frage Eltern Wissen: Spielen Nahrungsmittel eine große Rolle?

Antwort Herr Dr. Frank: Eine geringere, als gemeinhin angenommen wird, bei nur 30% der Patienten.

Frage Eltern Wissen: Und wie bekommen Sie das heraus?

Antwort Herr Dr. Frank: Zunächst durch einen sogenannten Allergietest. Hier wird entweder über die Haut oder eine Blutabnahme nach allergischen Auslösern gesucht. Wir ergänzen die Diagnostik oft durch eine Nahrungsmittelprovokation. Das bedeutet: Ein bestimmtes Nahrungsmittel muss über einen Zeitraum von ungefähr zehn Tagen strikt gemieden werden, um es anschließend wieder kontrolliert in den Speiseplan einzubauen. Für solche Tests brauchen alle Beteiligten vor allem Geduld. Hautreaktionen stellen sich nicht unbedingt fünf Minuten nach dem Essen ein, sondern manchmal erst bis zu 48 Stunden danach.”

Auch hier wird klar: Das Kind wird nicht systematisch nach einer Unterversorgung von Mikronährstoffen untersucht oder auf Belastungen durch bedenkliche, von der EU zugelassene Zusatzstoffe, Pestizide oder ähnliche Schadstoffe getestet. Nach dem Interview zu urteilen, werden auch hier noch nicht einmal die Essgewohnheiten der Familie oder die der Kita abgefragt.

Interessant ist auch der erste Antwortsatz bezüglich Ernährung von Dr. Frank: “Eine geringere, als gemeinhin angenommen wird, bei nur 30% der Patienten.” Das suggeriert, dass wir Eltern sehr wohl intuitiv wissen, dass das, was wir unseren Kindern heutzutage zu essen geben, irgendwie schlecht für sie ist. Aber wenn der Arzt sagt, dass die Erkrankungen, an denen unsere Kinder leiden, nichts oder wenig mit unserer Ernährung zu tun haben, dann glauben wir das doch. Das sind ja die Experten.

Generell stellt sich auch die Frage, wie man herausfinden soll, wo die Schwachstelle in einem komplexen, biochemischen System ist – und genau das ist der menschliche Körper – indem man immer nur EINE Variable erhöht oder weglässt. Ohne zu klären, ob die grundsätzlichen Rahmenbedingungen, die ein gesunder Körper braucht, überhaupt gegeben sind. Dass so eine Methode nicht zielführend sein kann, sollte mit etwas Nachdenken doch klar sein, oder?

Mit der beschriebenen Methode, immer nur auf einen Wirkstoff zu testen, lässt sich aber deutlich mehr Geld verdienen. Die Kinder plus Eltern sind ganze vier Wochen stationär im Fachklinikum Wangen untergebracht. So wird es in der Zeitschrift erklärt. Das ist gut für die Bilanz des Krankenhauses und auch sehr gut für das Pharmaunternehmen, welches die Cremes und weitere “moderne Therapiekonzepte” entwickelt.

Die Steigerungsrate von Zahlungen seitens der Pharmaindustrie an die Fachklinik Wangen/Allgäu lässt vermuten, dass auch in Zukunft nicht genau auf eine Nährstoffversorgung von Patienten geschaut, sondern eher mit “modernen Therapiekonzepten” gearbeitet wird. Zahlungen von 2500 Euro in 2015 stiegen auf 38.555,00 EUR in 2016. Die “Hauptsponsoren” dieser Spezialklinik waren in 2016 GlaxoSmithKline, Boehringer Ingelheim Pharma und Novartis.

Ebenso profitiert die Lebensmittelindustrie. Auf meine schriftliche Anfrage vom 8.6.2017 beim Fachklinikum Wangen, den Speiseplan einsehen zu dürfen, bekam ich keine Antwort. Anzunehmen ist, dass die Verpflegung ähnlich aufgebaut ist wie in den Krankenhäusern in Bremen. Der in der Hansestadt zuständige Krankenhausverbund Gesundheit Nord (GENO) ließ über seinen Sprecher Timo Sczuplinski im Weser-Kurier am 26.11.2017 diesbezüglich erklären: “Wir sind zu 80% eine Convenience- und Fertigproduktküche”.

Das ist dank der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ja auch völlig zulässig. Die Details lassen sich in den Qualitätsstandards für Krankenhäuser und Rehakliniken noch einmal nachlesen. Bei über 300.000 Hauptmahlzeiten pro Jahr – nur bei der GENO im Bundesland Bremen – ist das für die Lebensmittelindustrie ein grandioses Geschäft. Und noch besser ist es, wenn alle anderen Krankenhäuser in der Bundesrepublik ihre Kranken ganz ähnlich ernähren. Nur für die Gesundheit der Patienten bedeutet das nichts Gutes. Denn die für den Genesungsprozess so wichtigen natürlichen Vitamine und Mineralstoffe gibt es in den Convenience- und Fertigprodukten fast gar nicht.

Über all diese Details lese ich in der Zeitung “Eltern Wissen Kindergesundheit” leider gar nichts.

Fragwürdige Inhalte im Fernsehen: Das Beispiel Vitamin D

Auch in TV-Sendungen sieht und hört der Zuschauer etliche fragwürdige Inhalte und Anweisungen. Das Beispiel Wissenssendung der ARD. Die Beschreibung der Sendung liest sich wie folgt:

Vitamin D – wer mit dem Hype das große Geld macht.

Bei rezeptpflichtigen Pillen kletterte der Verkauf von 2,7 Millionen Packungen auf 3,7 Millionen in nur zwei Jahren. Und der Boom bei den rezeptfreien Packungen ist noch größer. Hier ging es hoch auf 7,1 Millionen. Zusammen ergibt das einen Umsatz von 179 Millionen Euro.”

In diesem Beitrag wird bemängelt, dass immer mehr Menschen Vitamin D einnehmen. Gegen den Rat ihrer Ärzte. Es wird suggeriert, dass die Bevölkerung auf die Werbung der Pharmakonzerne hereinfällt, die mit dem Verkauf von Vitamin D angeblich einen riesigen Reibach machen. An den Pranger gestellt wird hier der Pharmakonzern Merck. Bei näherer Beleuchtung wird klar, dass diese Aussage absurd ist. Das deutsche Unternehmen Merck hat seine pharmazeutischen Schwerpunkte in der Behandlung von Krebs, neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Diabetes, Schildrüsenerkrankungen, Herzkreislauferkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen. Der Gesamtumsatz von Merck belief sich 2016 auf über 15 Milliarden Euro.

Dass Merck auch Vitamin-D-Präparate herstellt – und zwar schon seit 1927 – bedeutet lediglich, dass es eine weiterhin bestehende Nachfrage in der Bevölkerung bedient, nicht aber, dass Merck damit das große Geschäft macht. Ganz im Gegenteil. Die “rezeptfreie” Produktion von Vigantoletten (die Pillen lösten ab 1966 das flüssige Produkt Vigantol ab) sowie die eines Nasensprays, ist ganz offensichtlich kein Kerngeschäft des Pharmariesen. Beide Produkte wurde Mitte 2018 an die amerikanische Firma Proctor and Gamble verkauft.

In dem Beitrag von Plusminus wird also deutlich: Viele Menschen in der Bevölkerung entscheiden sich – trotz gegenteiliger Anweisungen ihrer Ärzte – FÜR die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten. Die befragten Menschen in diesem Beitrag geben an, dass es ihnen mit den Einnahmen von Vitamin D deutlich besser gehe. Sich den ausdrücklichen Anweisungen des Arztes zu widersetzen, ist wohl ein Zeichen, dass Patienten zunehmend das blinde Vertrauen in Mediziner verlieren. Viele nehmen das Zepter für ihre Gesundheit wieder selbst in die Hand und kosten tut das ja auch meistens nicht viel. Die Jahrespackung für Vitamin-D-Tabletten bewegt sich zwischen 5 bis 40 Euro.

Auswählen können Bürger aus einer großen Reihe von Herstellern, denn die Produktion von Vitaminen ist nicht geschützt. Nahrungsergänzungsmittel werden überwiegend von kleineren und nicht pharmazeutischen Herstellern angefertigt. Ein Vergleich der weltweiten Umsätzen zeigt, dass das große Geschäft auch nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln gemacht wird, sondern mit dem Vertrieb von Pharmaprodukten:

  • Umsatz Ergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralstoffe 2015: 5 Mrd. Euro
  • Umsatz der größten 50 Pharmakonzerne 2014: 576 Mrd. Euro

Vitamin D und Diabetes – ein Seitenblick

Diese Eigeninitiative der Bürger ist aber sehr gefährlich fürs Geschäft und zwar für die Pharmakonzerne und auch die Ärzteschaft. Denn wenn die Bevölkerung zunehmend Vitamin D schluckt, könnte das gesundheitsfördernde Nebenwirkungen haben. Vitamin D ist unter anderem ein Hauptspieler für das hormonelle Gleichgewicht und bedeutsam, um die Insulinproduktion im Körper in der Balance zu halten. Somit ist es auch wichtig, um Diabetes, Krebs und neuronalen Erkrankungen vorzubeugen. Das sind also genau die Krankheiten, mit denen Merck wirklich viel Geld verdient. Die Deutsche Gesellschaft für Diabetes (DGD) schrieb dazu bereits 2013:

“Neue Studien geben Hinweise darauf, dass eine Therapie mit Vitamin D die Insulinsensitivität und -sekretion verbessern und die Blutzuckerstoffwechsellage stabilisieren kann.” 

Vitamin D ist zweifellos sehr wichtig für den Blutzuckerstoffwechsel. Aber neu ist diese Erkenntnis nicht.

Wie erwähnt, gibt es wohl kein Vitamin, welches besser untersucht wurde als Vitamin D und das schon seit fast 100 Jahren. Man kann sich dazu durch die Seiten von Google Scholars arbeiten oder jede Menge anderer Quellen nutzen. Dass die Deutsche Gesellschaft für Diabetes (DDG) behauptet, erst “neue Studien” zeigten eine Korrelation, ist somit falsch. Doch das muss diese Gesellschaft von Chefärzten wohl sagen, denn die Bevölkerung kommt ihr zunehmend auf die Schliche.

Unter den Suchbegriffen “Diabetes and Vitamin D” finde ich in wenigen Sekunden unter Google Scholar eine lange Reihe an Studien, die den Zusammenhang von Vitamin D und Diabetes beleuchten. Diese Studien sind zum Teil älter als 35 Jahre. Man kann davon ausgehen, dass in der Zeit noch einigermaßen unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen betrieben wurden. Die Pharmaindustrie war damals noch überwiegend national aufgestellt und in kleineren Unternehmen organisiert und sie hatte damals weniger Einfluss auf Ärzte und Wissenschaftler als heute. Ein paar Beispiele an relevanten Studien der letzten 37 Jahre:

  • “Vitamin D deficiency inhibits pancreatic secretion of insulin” (1980) Norman AW, Frankel JB, Heldt AM, Grodsky GM Science 209:823–825 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6250216
  • “Effects of vitamin D deficiency and repletion on insulin and glucagon secretion in man” (1986) Gedik O, Akalin S, Diabetologia 29:142–145 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3516771
  • “Vitamin D receptor gene polymorphisms influence insulin secretion in Bangladeshi Asians”(1998) Hitman GA, Mannan N, McDermott MF et al, Diabetes 47:688–690
  • “Hypovitaminosis D is associated with insulin resistance and beta cell dysfunction” (2004) Chiu KC, Chu A, Go VL, Saad MF Am, J Clin Nutr 79:820–825 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15113720

Die Studie “Vitamin D insufficiency and insulin resistance in obese adolescents” 2014 von Catherine A. Peterson, Aneesh K. Tosh, Anthony M. Belenchia, ist eine Metastudie und sie enthält im Anhang über 160 Studien zu dem Zusammenhang eines Mangels an Vitamin D und Diabetes. Diese Studien stammen aus dem Zeitraum von 1971 bis 2014. Auf diese Aspekte geht der Beitrag der ARD nicht ein. Aber es wird der Experte Prof. Dr. Schatz zu Rate gezogen:

“Dr. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Der Mediziner ist Experte beim Thema Stoffwechsel. Er verfolgt seit Jahrzehnten die Diskussion. Ganz klar ist für ihn, dass Vitamin D nur hier hilft: ˈEine klare Therapie mit Vitamin D ist beim Neugeborenen gegeben. Zweitens, wenn man eine Darmerkrankung hat, wo der Knochen erweicht, das nennt man eine Osteomalazie. Drittens: Patienten, die eine Nierenerkrankung haben und die Osteoporose. Alle anderen Begründungen für eine Vitamin-D-Einnahme sind spekulativ.ˈ”

Dazu sollte man Folgendes wissen: Diabetes ist eine Hormonstoffwechselstörung und gehört inhaltlich in den Fachbereich der Endokrinologie. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und zwar nur die Hauptzentrale, wurde in 2016, wie oben aufgeführt, mit 558.073,12 Euro von unterschiedlichen Pharmakonzernen “gefördert”. Diabetes wird aber, laut Schatz, nicht durch einen Mangel an Vitamin D beeinflusst. Das ist erstaunlich. Ebenso erklärt Prof. Dr. Schatz nicht, dass ein Mangel an Vitamin D mit Übergewicht, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Morbus Crohn, einem geschwächten Immunsystem, Rheuma, Multiple Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen korreliert. All diese Informationen verschweigt er, obwohl selbst die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) diese Zusammenhänge bereits 2013 öffentlich – wenn auch schwer zu finden – erklärt hat. So liest man auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Diabetes (DDG) in einer Pressemitteilung vom 06.11.2013:

“Neben der Wirkung auf die Knochen wurde Vitamin D inzwischen auch andere Effekte nachgewiesen. Im Hinblick auf das Immunsystem haben inzwischen Studien bei mehreren Autoimmunerkrankungen, wie Lupus erythematodes, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis und Autoimmunthyreoiditis, den Nutzen einer Vitamin-D-Supplementation belegt.”

 Zu Diabetes selbst schreibt die DDG in der gleichen Pressemitteilung:

“Vitamin D stabilisiert auch den Blutzuckerstoffwechsel bei Menschen mit Diabetes: Im Muskel, in der Leber und an den Betazellen des Pankreas, den insulinproduzierenden Zellen, konnten Forscher die Wirkung nachweisen. ˈIm Hinblick auf die Insulinwirkung auf die peripheren Gewebe verbesserte sich die Insulinsensitivität um 60 Prozent, wenn der Vitamin-D-Spiegel von einem schweren Mangel von unter zehn ng/ml auf über 30 ng/ml anstiegˈ, erklärt Professor Dr. Klaus Badenhoop, Sprecher der DDG Arbeitsgemeinschaft Molekularbiologie und Genetik des Diabetes vom Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Medizinische Klinik 1, Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetes und Stoffwechsel in Frankfurt am Main.”

Auch hier wird ein gesundheitsfördernder Effekt von Vitamin D mit über 30 ng/ml dargestellt. Solche Vitamin-D-Werte hat bei uns in der Bevölkerung, zumindest in den Wintermonaten, aber fast niemand mehr. Jedenfalls nicht ohne eine Vitamin-D-Substitution, regelmäßige Besuche im Solarium oder ohne den Konsum von sehr viel Seefisch. Auch diese Erkenntnisse sind nicht neu. Studien bezüglich der Korrelation zwischen einem Vitamin-D-Mangel und den hier beschriebenen Krankheitsbildern gibt es, wie bereits beschrieben, schon lange.

Bei all diesen wissenschaftlich belegten und öffentlich zugänglichen Zusammenhängen frage ich mich Folgendes:

  1. Hat Markus Gürne, der Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion und Moderator dieser Sendung, sich vielleicht keine dieser Studien angeschaut? Kann er etwa kein Englisch?
  2. Hat das Team von Plusminus vielleicht auch nicht betrachtet, wie die biochemischen Stoffwechselprozesse im Körper ablaufen und welche Rolle Vitamin D dort generell spielt?
  3. Hätte der Beitrag nicht anders ausfallen müssen, wenn die Journalisten unsere veränderten Lebens- und Essgewohnheiten der letzten 40 Jahre mit einbezogen hätten?
  4. Haben sich Markus Gürne oder sein Team vielleicht gar nicht angeschaut, mit welchen Produkten der Pharmakonzern Merck wirklich viel Geld verdient? Hätten sie das getan, dann hätte ihnen doch auffallen müssen, dass hier ein paar Aussagen nicht zusammenpassen, oder?

Fehlinformationen der Presse überall

Aber nicht nur Sendungen wie Plusminus oder die Zeitschrift Eltern Wissen Kindergesundheit, die sich den Anschein einer unabhängigen Berichterstattung geben, helfen den Pharmakonzernen mit fragwürdigen Beiträgen. Nein, in der Presse finden sich viele Unterstützer, die der Pharmaindustrie unter die Arme greifen und ihr helfen, ihre Produkte zu vertreiben.

Diverse Details dazu kann man unter anderem in dem Buch “Patient im Visier – die neuen Strategien der Pharmakonzerne” (überarbeitete Auflage 2015) von Caroline Walter und Alexander Kobylinski nachlesen. Dort wird detailliert und mit etlichen Beispielen beschrieben, wie Zeitschriften, Tageszeitungen und TV-Sendungen die Produktwelt der Pharmakonzerne anpreisen. Es werden von Konzernen hochkarätige Professoren engagiert, welche dann die geschäftsfördernden Informationen verbreiten. Aussagen, die von der Presse entweder nicht kritisch hinterfragt oder wissentlich falsch verbreitet werden.

Wie genau die Konzerne wiederum Journalisten beeinflussen und kaufen, beschreibt der ehemalige FAZ-Reporter Dr. Udo Ulfkotte ebenfalls ausführlich in seinem Buch “Gekaufte Journalisten”. Auch die in diesem Buch beschriebene Entwicklung ist nicht überraschend. Denn wer bedenkt, wie abhängig die öffentlichen Berichterstatter mittlerweile von den Werbeeinnahmen sind – bezahlt von unter anderem Pharmakonzernen – ist das eine logische Konsequenz. Das Sprichwort: “Man beißt nicht die Hand, die einen füttert” findet ganz offensichtlich auch hier seine Anwendung.

Quellen und weitere Informationen zu “Die Medien helfen mit”

Fragwürdige Wissenschaft und Fortbildungsträger

Auch Wissenschaftler in Forschungseinrichtungen und Universitäten werden großzügig bedacht. Insofern sollte man alle Studien, die Produkte der Pharmaindustrie anpreisen, genau unter die Lupe nehmen und sich fragen: Ist das wirklich das beste Produkt für unsere Gesundheit? Ist es die einzige Alternative oder lässt sich mit der richtigen Ernährung, einem Verzicht auf Rauchen und Alkohol, ausreichend Vitamin D, und einem Anfeuern des Immunsystems mit Sport, der gleiche Effekt erzielen? Gibt es einen Sponsor aus der Wirtschaft? Geht es um den Erhalt und die Wiederherstellung von unserer Gesundheit oder doch primär um eine höhere Rendite?

Wie ausgeklügelt und weit verbreitet das System zur Beeinflussung der Wissenschaft ist, ist auch kein Geheimnis mehr. Um die Hintergründe besser zu verstehen, empfehle ich zum Beispiel das Buch “Gekaufte Forschung – Wissenschaft im Dienst der Konzerne”, 2015, von Prof. Dr. Christian Kreiß. Dort erläutert Prof. Dr. Kreiß anschaulich, wie Großkonzerne systematisch in die Wissenschaft eingreifen und Studien anfertigen lassen, die den Interessen der Konzerne dienen. Kreiß ist ehemaliger Banker und seit 2002 an der Hochschule Aalen als Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik tätig.

Das Buch betrachtet die Einflussnahme der Tabakkonzerne, der Chemie- und Pharmaindustrie, Finanzdienstleister, der Gentechnik, der Zucker- und Automobilindustrie, der Wasserwirtschaft sowie die der Energiekonzerne und Giganten der IT-Branche wie Google. Die genutzten Mechanismen sind bei allen Industrien die gleichen: Es gibt Geld, Ruhm und Aufstiegschancen im Gegenzug zu positiv gestimmten Studien. Studien, die nicht den Wünschen der Auftragsgeber entsprechen, werden oft zurückgehalten.

In diesem Zusammenhang sollte man auch wissen, dass die Finanzierung von Forschungsprojekten durch die Wirtschaft allgemein in den letzten zwei Jahrzehnten rapide zugenommen hat. Detailinformationen dazu bietet zum Beispiel die Studie “Der Druck wächst – Drittmittelfinanzierung der Hochschulen” (2014) von Gerhardt Vogt. Dort erklärt Vogt, dass es in den letzten zwei Jahrzehnten eine klare Verschiebung von staatlich finanzierten Zuschüssen für die Wissenschaft hin zu deutlich mehr Drittmittel-Finanzierung gegeben hat.

Drittmittel sind Gelder, die zur Förderung der Forschung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zusätzlich zum regulären Haushalt der betreffenden Einrichtung von öffentlichen oder privaten Stellen (“Dritten”) eingeworben werden. Die Drittmittel für alle wissenschaftlichen Bereiche aus wirtschaftlichen Quellen belaufen sich laut dieser Studie bis 2011 auf 19% der verfügbaren Finanzmittel. Ebenso wird erklärt, dass der Druck auf wissenschaftliche Institute, genau diese Drittmittel einzuwerben, deutlich zugenommen hat. Der Einfluss auf die Wissenschaft von Seiten der Wirtschaft ist in allen Bereichen über die letzten zwei Jahrzehnte deutlich gestiegen.

Noch dramatischer ist dieser Trend im medizinischen Bereich. In Bezug auf die Einflussnahme von Pharmakonzernen auf die Wissenschaft liest man ab Seite 46 in dem Buch von Prof. Dr. Kreiß, wie Ben Goldacre, selbst Arzt aus Großbritannien, aussagt, dass lediglich 10% klinischer Studien NICHT von der Pharmaindustrie finanziert werden. Klinische Studien sind Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten und “modernen Therapiekonzepten” belegen wollen. Als Fazit von Goldcare wird genannt: “Die Konzerne beherrschen das Gebiet, geben den Ton an, setzen Normen”.

Eine Zusammenfassung von Goldacres bezüglich der in der Wissenschaft genutzten Manipulationsmechanismen findet sich in einem 14 minütigen Ted Talk von 2012, zu sehen unter dem Titel: “What doctors don’t know about the drugs they prescribe” (https://www.ted.com/talks/ben_goldacre_what_doctors_don_t_know_about_the_drugs_they_prescribe)

Die Manipulation von wissenschaftlichen Studien wird auch von einigen Medien schon seit Jahren kritisiert. Der Bayerische Rundfunk publiziert online in einem Artikel vom 19.7.2017 folgende Details:

“Manipulierte Daten, geschönte Ergebnisse – Fehlverhalten in der Wissenschaft,

International ist von einem Vertrauensverlust in die Wissenschaft die Rede. Plagiate, gefälschte Daten und zurückgezogene Aufsätze haben das Image beschädigt. Allerdings ist nicht bekannt, wie verbreitet wissenschaftliches Fehlverhalten tatsächlich ist. Eine BR-Umfrage unter den Ombudsleuten deutscher Forschungseinrichtungen wirft nun ein interessantes Schlaglicht auf den Umgang der Unis mit wissenschaftlichem Fehlverhalten.”

Bereits am 6.12.2013 erklärt der SWR in einem Beitrag:

“Gefahr für die Gesundheit – Gefälschte Pharmastudien

In jüngster Zeit mehren sich Berichte über fragwürdige Praktiken bei Arzneimittelstudien. Von systematischem Vorgehen ist die Rede, davon, dass die Pharmaindustrie ihre Studien schönt, manipuliert oder sogar fälscht. SWR-Odysso geht einem Fall nach.”

Auch medizinische Fortbildungen sind ein Teil des Systems der Fehlinformation. Pharmakonzerne finanzieren, auch heute noch, das System von Fortbildungen und Schulungen von Ärzten mit dem Ziel, diese Zielgruppe zu motivieren, mehr von ihren Medikamenten zu verschreiben. Kritische Stimmen gibt es bereits seit 10 Jahren. Der SWR erklärte in 2009:

“Pharmaindustrie finanziert Ärztefortbildung

Die Pharmaindustrie bringt immer neue Medikamente auf den Markt. Daran ist erst einmal nichts verkehrt – vorausgesetzt sie wirken und sind sicher. Aber die neuen Wirkstoffe fordern auch eine ständige Fortbildung der Ärzte. Nur so ist gewährleistet, dass die Mediziner immer auf dem neusten pharmazeutischen Stand sind. Eine kleine aber nicht unerhebliche Frage muss in diesem Zusammenhang gut bedacht werden: Wer finanziert – und wie unabhängig ist – diese Fortbildung?“

Die Situation scheint sich nicht gravierend verbessert zu haben. 2017 erklärte CORRECTIV in einem Beitrag in Bezug auf den Geldfluss von 2016:

“105 Millionen Euro bekamen Ärzte als Vortragshonorar und für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Mit weiteren 101 Millionen Euro sponserte die Industrie Veranstaltungen und Institutionen.”

Fazit: Wissenschaftler und Fortbildungszentren lassen sich flächendeckend von der Pharmaindustrie bezahlen. Wirklich unabhängige Studien sind unter solchen Zuständen in der Praxis selten möglich.

Quellen und weitere Informationen zu “Fragwürdige Wissenschaft und Fortbildungsträger”

Unsere Beiträge und Lebenserwartung

Dass hier etwas im System nicht stimmt und wir Menschen, Erwachsene ebenso wie Kinder, immer kränker werden, trotz des proklamierten Wohlstandes, lässt sich auch zum Beispiel an der Steigerungsrate der Ärzte in Deutschland erkennen: Laut Statistica.de waren bundesweit 1990 ca. 237.700 Ärzte beschäftigt, 2016 waren es dann bereits 378.600. Das ist eine Steigerungsrate von 59% bei einer fast konstanten Bevölkerungszahl von ca. 80 Millionen Menschen.

Ebenso kann man sich die Versicherungsbeiträge anschauen, die wir Bürger zahlen. 1985 lagen diese für eine Krankenversicherung in Westdeutschland im Schnitt bei 11,8% unseres Gehalts. Anfang 2018 lagen die Prämien nun bei 15,7%. Das ist eine Steigerung von 33%. Die neue Koalition zwischen CDU, CSU und SPD hat für die kommenden Jahre bereits weitere Steigerungen in Aussicht gestellt. Es stellt sich die Frage: Wer profitiert wirklich von diesen zusätzlichen Einnahmen?

Wie man Patienten das Geld aus der Tasche zieht

Im Prinzip haben wir es hier mit einem einfachen Umlagesystem zu tun. Und zwar nicht in dem Sinne, dass alle Mitglieder einer Krankenkasse für ihre kranken Menschen zahlen, die unverschuldet Hilfe brauchen. Nein, wir Bürger zahlen dafür, dass die Lebensmittelindustrie uns teure und ungesunde Lebensmittel aufschwatzt und dann anschließend die Pharmakonzerne, Krankenhausbetriebe und Ärzte mit diesen künstlich erzeugten Krankenständen viel Geld verdienen und ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Hinzu kommt, dass seit dem 1. Januar 2009 alle deutschen Bürger verpflichtet sind, dieses kranke System zu finanzieren. Seit diesem Datum besteht gemäß § 193 III VVG die Allgemeine Krankenversicherungspflicht. Es müssen sich demnach alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland bei einem in Deutschland zugelassenen Krankenversicherer gegen Krankheitskosten versichern.

Diese nun verpflichtenden Mehrausgaben für Bürger in Deutschland und gesteigerten Aktivitäten im Gesundheitssektor findet unsere Bundesregierung anscheinend sehr gut. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erklärt 2018 auf seinen Webseiten:

“Die deutsche Gesundheitswirtschaft hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für den Standort Deutschland. Die Gesundheitsausgaben beliefen sich im Jahr 2014 auf rund 344,2 Mrd. Euro – das entspricht 4.213 Euro je Einwohner und einem Anteil von 12 % am Bruttoinlandsprodukt.

Die Gesundheitswirtschaft ist eine Wachstumsbranche auf Expansionskurs. Ihre Bruttowertschöpfung ist in den letzten elf Jahren mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 3,5 % deutlich schneller als die Gesamtwirtschaft gewachsen. Umsatz nach Branchen (Produktion):

    • Medizintechnik: über 28 Milliarden Euro (2016)
    • Pharmazeutische Industrie: 48 Milliarden Euro (2016)
    • Biotechnologie: 3,28 Milliarden Euro (2015)”

Wer alleine über den Begriff “Gesundheitswirtschaft” nachdenkt, der merkt: Hier stimmt etwas nicht! Wirtschaftlichen Erfolg erzielt man ja nicht mit Gesunden. Bürger gehen schließlich nicht zum Arzt und lassen sich behandeln, wenn sie gar nicht krank sind. Es sollte also korrekterweise “Krankheitswirtschaft” heißen.

Wie absurd diese Entwicklung ist, stellt man spätestens dann fest, wenn man einfach einmal über die Zahlen nachdenkt: Im Schnitt muss jeder von uns Menschen in Deutschland mehr als 4.000 Euro pro Jahr zahlen, damit er angeblich gesund durchs Leben geht. Man mag sich fragen: Wie hat es die Menschheit überhaupt in den letzten 20.000 Jahren geschafft, zu überleben? Ohne diesen Gesundheitssektor, mit dem wir 12% unseres Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften? Um diese Aussage noch einmal zu relativieren: Deutschland hat also 2016 mit der Behandlung von seinen kranken Bürgern pro Jahr so viel umgesetzt wie das ganze Land Ägypten mit knapp 100 Millionen Menschen im selben Jahr erwirtschaftet hat.

Es geht noch schlimmer

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz sechs der Pro-Kopfausgaben: hinter den USA (ca. 8.500 Euro) der Schweiz (7.000 Euro), Luxemburg (6.400 Euro) und Norwegen (5.700).

Die Pro-Kopf Ausgaben haben sich in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt:

  • 1995 = 2.280 USD
  • 2014 = 5.182 USD

Hohe Ausgaben führen allerdings nicht automatisch zu besserer Gesundheit. Ein Vergleich von Zentralafrika, Deutschland und USA macht das deutlich (Daten von 2016):

 Jährliche Pro-Kopf Ausgaben in EuroProzent Fettleibigkeit in der Bevölkerung Prozent an Diabetes-Erkrankungen in der BevölkerungProzent aller Todesfälle verursacht durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen Prozent aller Todesfälle verursacht durch Krebs
Zentralafrika2165,7114
Deutschland4213267,43726
USA8462379,13022

Quelle: Country Sheets WHO

Übrigens: Seit dem Jahr 2000 ist der Prozentsatz von Fettleibigkeit in Zentralafrika von 1% der Bevölkerung in den folgenden 16 Jahren um 600% gestiegen. Fettleibigkeit wiederum korreliert eindeutig mit Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Demenz, Osteoporose und psychosomatischen Störungen. Man mag sich fragen: Was ist passiert? Welcher “Wohlstand” hat Zentralafrika in diesen 16 Jahren ereilt?

Eine positive Entwicklung?

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), von Haus aus Jurist, oder auch unser neuer Gesundheitsminister, Jens Spahn (CDU), von Haus aus Banker und Jurist, sollten aufschreien und verlangen, dass wir darüber aufklären, wie wir in eine solche Schieflage geraten sind. Das machen sie aber nicht. Im Gegenteil. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erklärt:

“Gesundheitswirtschaft als Jobmotor

Die Gesundheitswirtschaft ist ein Beschäftigungsmotor. Im Gesundheitswesen arbeiten derzeit 5,5 Millionen Menschen. Damit ist heute etwa jeder achte Erwerbstätige in dieser Branche tätig. Die Dynamik dieses Jobmotors zeigt sich in bemerkenswerten Beschäftigungszuwächsen: Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen um rund eine Million zugenommen.

Bei einer weiter gefassten Definition (inkl. Wellness, Gesundheitstourismus etc.), die u. a. in der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung des BMWi verwendet wird, arbeiteten im Jahr 2016 erstmals 7 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft. Das entspricht einem Zuwachs von über 27 Prozent (Anm. d. A.: gegenüber 2000). Demzufolge wäre jeder sechste Erwerbstätige in dieser Branche tätig.”

Fazit: Wir sind also noch viel kränker als im Jahr 2000 und brauchen viel mehr Personal, welches sich um all die angeschlagenen Menschen kümmert. Unsere Kinder sind die lukrative Basis, damit dieser Jobmotor auch in Zukunft auf allen Zylindern fährt. Das flächendeckende Angebot von Convenience-Produkten stellt, dank der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Ministerien, eine sichere Grundlage für diese Entwicklung dar. Der rasant wachsende Ausbau der Ganztagsbetreuung unserer Kleinsten sorgt für den Rest.

Auch hier lohnt sich ein Vergleich: In den 50er Jahren waren 20% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, also mit der Produktion von damals noch gesunder Nahrung, beschäftigt. Heute sind es nur noch 1,8% der Erwerbstätigen, die sich um die Grundlage unseres Lebens kümmern. Dafür ist jeder 6te Erwerbstätige damit beschäftigt, all die kranken Menschen in unserer Gesellschaft zu versorgen. Ich frage mich, was wohl besser ist?

Die Lebenserwartung steigt?

Man könnte nun zu argumentieren versuchen, dass wir ja alle viel länger leben und in den letzten Jahren unseres erfüllten Lebens etwas mehr ärztliche Versorgung brauchen. Auch diese Aussage hinkt.

Unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Modell baut auf dem der USA auf. Dort gilt schon seit den 50er Jahren: Esst Fast-Food und Convenience-Produkte, arbeitet viel und verdient viel Geld – egal wie. Gebt eure Kinder früh in eine Fremdbetreuung, macht Karriere und konsumiert viel. Das persönliche Weiterkommen und die individuelle Verwirklichung sind euer gutes Recht, Verantwortung für andere oder eine intakte Umwelt muss keiner übernehmen. Wachstum ist der Grundpfeiler für eine moderne Gesellschaft und Stress gehört zum Erfolg einfach dazu. Was das mit den Amerikanern gemacht hat, ist anschaulich zu sehen. Diese gelebten “Werte” führen dazu, dass trotz gigantischer Ausgaben für eine medizinische Versorgung die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Amerikaner seit einigen Jahren wieder sinken. In Großbritannien offenbart sich nun der gleiche Trend. Das Wirtschafts- und Wertesystem ist dort praktisch mit dem der USA identisch.

Seit den 80ern erleben wir in Deutschland ebenfalls eine zunehmende und flächendeckende Verschiebung hin zu diesem “Wertesystem” und sehen nun auch bei uns die Konsequenzen: Wir sind dicker, kränker und die Gesellschaft bricht zunehmend auseinander. Ebenfalls ist bekannt: Wenn Menschen mit 40 Jahren adipös sind, sinkt ihre Lebenserwartung um 6 bis 8 Jahre. Adipös sind in Deutschland mittlerweile über 26% der Bevölkerung. Tendenz stark steigend. So, wie wir uns jetzt verhalten, werden unsere Lebensqualität und Lebenserwartung als Gesellschaft nicht mehr steigen. Im Gegenteil.

Quellen und weitere Informationen zu “Unsere Beiträge und Lebenserwartung”

Das internationale Bild

In den USA sieht das Bild noch trüber aus als bei uns. Dort erhalten laut der Datenbank Pro Publica fast alle Ärzte und medizinischen Einrichtungen Zahlungen der Pharmaindustrie. Ebenso sind die Lebensmittel- und Pharmakonzerne in den USA noch mächtiger als bei uns: Gesundes Essen gibt es für die meisten Bürger dort schon lange nicht mehr.

Die Offenlegung der Zahlungsströme zwischen der Pharmaindustrie und dem medizinischen Sektor ist allerdings in den USA bereits seit 2013 gesetzlich vorgeschrieben. Zumindest in dem Punkt zeigen die USA eine Transparenz, die bei uns leider nicht zu finden ist. Wir Deutschen können nicht mit Sicherheit herausfinden, wer von unseren Ärzten einen Interessenkonflikt hat und wer nicht. Dass die USA hier das Gesetz geändert haben, liegt vielleicht daran, dass in den USA mittlerweile verschreibungspflichtige Medikamente die viert-größte Todesursache sind. Zu dieser Erkenntnis kam 2014 eine großangelegte Studie von der Harvard University. Weiterhin hat 2016 die medizinische Fakultät der John Hopkins University bestätigt, dass Behandlungsfehler von Ärzten – dazu gehören falsche und überdosierte Medikation und Fehler in der manuellen Behandlung – in den USA mittlerweile die drittgrößte Todesursache ist.

In Australien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich (GB) ist das Bild ähnlich wie in Deutschland. In all diesen Ländern können Bürger – zumindest zum Teil – einsehen, welche Ärzte und medizinischen Einrichtungen von der Pharmaindustrie finanzielle Zuwendungen erhalten. In anderen Ländern ist bekannt, dass große Zahlungsströme fließen, aber nicht an wen. Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Kanada, Südafrika oder auch Neuseeland.

Details über die Zahlungsströme von Seiten der Pharmaindustrie und Einflussnahme auf EU-Politiker in Brüssel lassen sich in dem sehr gut recherchierten Buch “Patient im Visier” (2015) von Caroline Walter und Alexander Kobylinski ab Seite 125 nachlesen. Anschaulich und mit vielen Details beschreiben die Autoren, wie EU-Abgeordnete regelrecht von der Pharmalobby belagert werden und sichergestellt wird, dass auch dort die Interessen der Industrie berücksichtigt werden. Als Unterstützer der Pharmaindustrie wird hier zum Beispiel der EU-Abgeordnete und das CDU Mitglied Peter Liese genannt. Liese ist laut eigener Webseite ebenfalls Mitglied des Committee on the Environment, Public Health and Food Safety.

In demselben Buch wird ebenfalls erklärt, wie zum Beispiel die Patientenorganisation Donna – The European Breast Cancer Coalition fast ausschließlich von der Pharmaindustrie bezahlt wird. Diese Organisation betreibt Patientenforen in fast allen EU-Ländern und klärt dort auf, wie Frauen kostspielige Untersuchungen, wie zum Beispiel eine Mammographie, am besten ganz früh nutzen sollten. Unter den Ursachen für einen weltweit rasanten Anstieg für Brustkrebs finde ich auch hier keine Informationen über Vitamin D.

Es geht auch anders: Das Beispiel Indien

Aber es gibt auch Länder, die sich bemühen, der Pharmaindustrie einen Riegel vorzuschieben. Zum Beispiel Indien. In Indien ist bereits 2009 ein Gesetz verabschiedet worden, welches Ärzten die Annahme jeglicher Zuwendungen von Seiten der Pharmakonzerne verbietet. Darunter fallen Spesen für Reisen, Unterkunft und Verpflegung, Geschenke und finanzielle Anreize jeglicher Art. Die Annahme dieser Zuwendungen ist nun strafbar und bedeutet, dass Ärzte ihre Lizenz für die Ausübung ihres Berufes verlieren können. Die Regierung hatte zuvor festgestellt, dass diese Form der Korruption weit verbreitet war. Die Kosten für die Bestechung der Ärzteschaft wurden auf die Produktpreise addiert und somit von der Bevölkerung getragen.

Quellen und weitere Informationen zu “Das internationale Bild”

Die Rechtslage: Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen

Die Verstrickungen zwischen der Pharmaindustrie, Ärzten und Politik scheinen flächendeckend durch alle Bereiche zu gehen. Das bedeutet viel Geld für die einen, und eine gesundheitsgefährdende Informationspolitik für die anderen. Ist das rechtens?

Schauen wir uns doch einmal das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen vom 30.5.2016 an. Welche Regeln sollten in der Praxis eingehalten werden?

Ҥ 299a Bestechlichkeit im Gesundheitswesen

Wer als Angehöriger eines Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert, im Zusammenhang mit der Ausübung seines Berufs einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen lässt oder annimmt, dass er

    • bei der Verordnung von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten,
    • bei dem Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten, die jeweils zur unmittelbaren Anwendung durch den Heilberufsangehörigen oder einen seiner Berufshelfer bestimmt sind, oder
    • bei der Zuführung von Patienten oder Untersuchungsmaterial einen anderen im inländischen oder ausländischen Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    • 299b Bestechung im Gesundheitswesen

Wer einem Angehörigen eines Heilberufs im Sinne des § 299a im Zusammenhang mit dessen Berufsausübung einen Vorteil für diesen oder einen Dritten als Gegenleistung dafür anbietet, verspricht oder gewährt, dass er

    • bei der Verordnung von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten,
    • bei dem Bezug von Arznei- oder Hilfsmitteln oder von Medizinprodukten, die jeweils zur unmittelbaren Anwendung durch den Heilberufsangehörigen oder einen seiner Berufshelfer bestimmt sind, oder
    • bei der Zuführung von Patienten oder Untersuchungsmaterial
    • ihn oder einen anderen im inländischen oder ausländischen Wettbewerb in unlauterer Weise bevorzuge, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    • 300 Besonders schwere Fälle der Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr und im Gesundheitswesen
    • In besonders schweren Fällen wird eine Tat nach den §§ 299, 299a und 299b mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
    • die Tat sich auf einen Vorteil großen Ausmaßes bezieht oder
    • der Täter gewerbsmäßig handelt oder als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat.”

Stellt unsere Bundesregierung in ausreichender Weise sicher, dass Verstöße gegen dieses Gesetz verhindert werden? Wieso beendet dieses neue Gesetz nicht die Geldströme zwischen der Pharmaindustrie und dem Gesundheitswesen?

Quellen und weitere Informationen zu “Das Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen”

Fazit: Manipulation auf allen Ebenen. Weltweit.

Wer sich die beschriebenen Zahlungsströme anschaut, erkennt ein Muster. Besonders reichlich bedacht werden weltweit folgende Bereiche:

  • Onkologie (Krebsforschung): Brustkrebs, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs, Leukämie, Lungenkrebs etc. — Krebs entsteht bei einer gestörten Immunabwehr.
  • Endokrinologie: Diabetes Typ 1 & 2 und Schildrüsenfehlfunktionen — hier handelt es sich um eine Störung im Hormonhaushalt.
  • Neurologie: Schlaganfälle, Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose, Kopfschmerzen und Migräne — all diese Symptombilder beschreiben Störungen der Nervenbahnen.
  • Innere Medizin: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Lungenentzündungen, Erkrankungen der Nieren und Leber etc. — hier handelt es sich um Erkrankungen einzelner Organe.
  • Dermatologie: Dermatitis und andere Ekzeme, Herpes und sichtbare allergische Reaktionen auf der Haut – hier handelt es sich um Schädigungen der äußeren Hülle des Menschen.
  • Gynäkologie/Urologie: Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Störungen in der Fruchtbarkeit von Menschen (Reproduktionsmedizin) – hier handelt es sich meist um lokale Anomalien und Infektionsherde sowie Störungen in der hormonellen Systemsteuerung.
  • Zahnheilkunde: Implantate, Schmerztherapie, Zahnreinigung — diese Behandlungen sind nötig, wenn Stoffwechselprozesse im Darm, den Nieren und der Leber nicht reibungslos ablaufen und den Speichelfluss stören.
  • Impfwirkstoffe: Hepatitis A und C, HPV, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Pneumokokken, Meningokokken B und C, FSME, Influenza und mehr — all diese Impfungen sollen uns angeblich schützen, wenn unserer eigene Immunabwehr versagt.

In all diesen Bereichen lässt sich in unserem medizinischen Abrechnungssystem besonders viel Geld verdienen: Mit der Verabreichung von Medikamenten und der Behandlung von kranken Patienten.

Um diese “modernen Behandlungsmethoden” der Bevölkerung flächendeckend aufzuschwatzen, wurde über Jahrzehnte ein ausgeklügeltes System aufgebaut. Etliche Menschen und Berufsgruppen wurden eingespannt, um bewusst oder unbewusst die für Bürger wirklich relevanten Informationen zu unterdrücken und als Vertriebsnetz der globalen Pharmakonzerne, ebenso wie als Handlanger der Hersteller von medizinischen Geräten, zu agieren.

Wie immer gilt: Nicht alle machen mit, aber genügend, um den Konzernen satte Gewinne und viel Macht zu bescheren. Dabei werden die meisten Patienten in Unwissenheit gelassen und oft gesundheitlich und finanziell geschädigt. Die Pharmaindustrie kauft, instrumentalisiert oder beeinflusst die folgenden Bereiche mit gravierenden Konsequenzen für die Bevölkerung:

  • Ärzteverbände und Gesellschaften: Diese erstellen Behandlungsstandards sowie Aus- und Fortbildungspläne. Der Fokus wird auf Pharmakologie und “moderne” Behandlungsmethoden gelegt, nicht auf Präventiv- und orthomolekulare Medizin. Diese Verbände und Gesellschaften unterdrücken wichtige Informationen wie z.B. die Wirkung von Vitamin D und Informationen rund um Mangelerscheinungen. So lernen junge Ärzte in der Schulmedizin heute praktisch nichts mehr über den Einfluss und die Wirkung von Sonne und die Bedeutung der einzelnen Lebensmittel auf unseren Körper.
  • Universitäten: Dort werden gezielt Studien angefertigt oder als Lehrmaterial angeboten, die der Pharma- oder auch Lebensmittelindustrie nutzen, nicht aber die Gesundheit von Menschen unterstützen.
  • Fortbildungszentren: Ärzte werden dort nach Abschluss des Studiums gezielt “geschult”, die Produktwelt der Pharmaindustrie zu verschreiben oder zu nutzen.
  • Das Management von Krankenhäusern: Die halten das Personal an kosteneffizient und wirtschaftlich zu arbeiten. In unserem jetzigen System bedeutet das möglichst viele und lukrative Behandlungen, Maßnahmen und Medikamente zu verordnen.
  • Chefärzte: Diese diktieren ihren Assistenzärzten, wie sie agieren sollen – im Interesse der Pharma- und Krankenhausbilanz – nicht im Interesse des Patienten.
  • Niedergelassene Ärzten: Diese verschreiben oft unnötige bis schädliche Medikamente.
  • Apotheken: Sie empfehlen oft bedenkliche Pharmaprodukte, auch wenn eine differenzierte Beratung über Ernährung deutlich sinnvoller wäre.
  • Die Presse und Fachpublikationen: Dort werden fragwürdige Berichte über angeblich wirksame Medikamente veröffentlicht, die Wirkung von z.B. Vitamin D heruntergespielt und teilweise gefährliche Medikamente angepriesen. Journalisten werden zu großzügigen Fortbildungsveranstaltungen in kostspielige Hotels gelockt, wo sie dann schon fertige Pressemitteilungen bekommen, die sie nur abzuschreiben brauchen.
  • Patientenvereinigungen: Die werden von der Pharmaindustrie gezielt finanziert und angeleitet, wie sie ihre angeblichen Interessen in der Politik einfordern. Einfordern heißt hier: Kostenübernahme von neuen und teuren Behandlungsmethoden.
  • Ministerien, Behörden und einzelne Politiker: Zu diesen Gruppen komme ich gleich.

Extensive Recherchen, Dokumentationen, Zeugenaussagen und Originaldokumente machen die Verflechtungen von “unabhängigen” Vereinen und Instituten, der führenden Ärzteschaft mit der Pharmaindustrie und Politik für jedermann einsehbar. All diese öffentlich beklagten Missstände haben aber nicht dazu geführt, dass unsere amtierenden Politiker entschlossen eingreifen und eine Korrektur dieses desolaten Systems einfordern.

Im Gegenteil. Es hat sich anscheinend auf der gesamten globalen Führungsebene von Ärzteschaft, Regierung und Industrie die grundsätzliche Einstellung etabliert, dass eine enge Zusammenarbeit rechtlich und moralisch völlig akzeptabel ist.

Bei dieser Zusammenarbeit geht es primär um Rendite, also Geld. Wir Patienten sind zu Kenn- und Planzahlen verkommen, mit denen die Pharmaindustrie und die Medizinbranche gute Absätze generieren. Und gute Absätze lassen sich nur generieren, wenn Menschen häufig oder chronisch krank sind. Entsprechend hat sich ein System aufgebaut, das die Gesundheit der Bevölkerung gar nicht mehr zum Ziel hat, sondern nur noch den systemischen Selbsterhalt. Was dieses System mit unseren Kindern oder uns als Gesellschaft macht, wird nicht hinterfragt, in Kauf genommen oder es ist womöglich sogar erwünscht?

Genau dieses System von Missständen und gegenseitigen Abhängigkeiten der Führungseliten und deren Mitarbeiter wird immer schlimmer und es umfasst mittlerweile praktisch alle Bereiche unserer medizinischen Versorgung. Auch für diejenigen, die sehen, dass falsch gehandelt wird, gibt es fast keine Anlaufstellen mehr. An wen auch sollen sie sich wenden? Die mehr oder weniger korrupten Vernetzungen sind global und allgegenwärtig. Und je mehr Geld im System ist – und viel kommt jedes Jahr dazu – desto mehr werden Hebel und Angel von ganz oben genutzt, um das geschaffene System weiter nach den Interessen der führenden Personen zu formen.

Und so erklärt sich, warum unsere Kinder – trotz eines sehr hohen medizinischen Wissenstandes – so krank sind.

Quellen und sehenswerte Dokumentationen zu “Fazit: Manipulationen auf allen Ebenen. Weltweit”

  • Ärzteblatt 2017 “Öko­nomi­sierung patientenbezogener Entscheidungen im Krankenhaus. Eine qualitative Studie zu den Wahrnehmungen von Ärzten und Geschäftsführern” by Wehkamp, Karl-HeinzNaegler, Heinz https://www.aerzteblatt.de/archiv/194752/Oekonomisierung-patientenbezogener-Entscheidungen-im-Krankenhaus
  • ZEIT ONLINE 23.5.2018 “Die Widerspenstigen. Es sind fast immer Whistleblower, die große Wirtschaftsskandale aufdecken. Oft verlieren sie ihren Job, werden gemobbt und verarmen. Die Bundesregierung hat das lange nicht gekümmert. Nun macht die EU Druck.” https://www.zeit.de/2018/22/whistleblower-wirtschaftsskandale-schutz-eu-richtlinien
  • Evidence-Based Medicine (BMJ) 16.9.2018 “Cochrane – A sinking ship?” Zitat: “A scandal has erupted within the Cochrane Collaboration, the world’s most prestigious scientific organisation devoted to independent reviews of health care interventions. One of its highest profile board members has been sacked, resulting in four other board members staging a mass exodus. They are protesting, what they describe as, the organisation’s shift towards a commercial business model approach, away from its true roots of independent, scientific analysis and open public debate.” https://blogs.bmj.com/bmjebmspotlight/2018/09/16/cochrane-a-sinking-ship/
  • “Whistleblower – Die Einsamkeit der Mutigen”, ARD 14.2.2017 https://programm.ard.de/TV/phoenix/whistleblower—die-einsamkeit-der-mutigen/eid_2872576468960
  • Deutsches Ärzteblatt 2014 “Krankenhäuser zwischen Medizin und Ökonomie: Die Suche nach dem richtigen Maß” Zitat: “39 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden 1.432 Chefärzte gaben an, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihrem Fachgebiet zu überhöhten Eingriffszahlen führten. In der Kardiologie waren es sogar 61 Prozent, bei den Orthopäden und Unfallchirurgen knapp 50 Prozent.” https://www.aerzteblatt.de/archiv/163452/Krankenhaeuser-zwischen-Medizin-und-Oekonomie-Die-Suche-nach-dem-richtigen-Mass
  • Video-Dokumentation: “Mediziner packt aus: Korrupte Ärzte & die geheimen Tricks der Pharmaindustrie” Beschreibung Video: “Die Götter in Weiß – wer würde es wagen, sie in Frage zu stellen? Der gemeinnützige Verein “MEZIS e.V.“ hat sich zur Aufgabe gemacht, Ärzte und Patienten auf die Beeinflussungen von Pharmaherstellern aufmerksam zu machen. Im Studio begrüßen wir dazu ein Vorstandsmitglied von MEZIS, Dr. med. Thomas Mayer. Im Gespräch mit Robert Fleischer erläutert er, wie die Beeinflussung der Pharmaindustrie in der Praxis läuft und welche Folgen dies für den Patienten hat.” Interview – Welt im Wandel TV 27.10.2017 https://www.youtube.com/watch?v=kRbtb-2SERg
  • Video-Dokumentation: “Der betrogene Patient: Das Geschäft mit den Kranken – Arzt packt aus!” Beschreibung Video: “Jährlich sterben in deutschen Kliniken rund 18.800 Menschen durch Behandlungsfehler. Das sind etwa fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr, hat eine Studie der AOK ergeben, die von Ärzten dafür heftig kritisiert wurde. Doch unser Gast, der Radiologe Dr. med. Gerd Reuther, geht noch weiter: Die Dunkelziffer der Todesopfer von Ärzten dürfte sogar noch deutlich höher liegen.” Interview in Welt im Wandel TV 24.11.2017 https://www.youtube.com/watch?v=x5OZVu0LJkI&t=4s
  • Video-Dokumentation: “Der marktgerechte Patient” Zitat Filmbeschreibung: “In den deutschen Krankenhäusern stehe nicht mehr der Patient sondern das Geld im Mittelpunkt aller Gedanken, sagt der Oberarzt für Anästhesie Peter Hoffmann im Film. ’Das Geld ist immer im Hintergrund aller Entscheidungen. Man tut etwas, um die Kosten zu reduzieren oder man tut etwas, um mehr Erlöse, mehr Einnahmen für das Krankenhaus zu generieren. Das Krankenhaus wird geführt wie eine Fabrik. Maximaler Output, minimaler Aufwand, schneller, und der Patient wird zum Werkstück, die Abläufe werden industriell strukturiert, der Patient wird vorne eingefüllt und kommt hinten raus, und zwar bitte ein bisschen schneller. Geht das nicht einen Tag schneller?’ by Leslie Franke und Herdolor Lorenz, November 2018 http://der-marktgerechte-patient.org/index.php/de/
  • Video-Dokumentation: “Außer Kontrolle – das gefährliche Geschäft mit der Gesundheit” Beschreibung Video: Wegen defekter Herzschrittmacher, Hüftprothesen oder Brustimplantaten leiden oder sterben Menschen weltweit. Die Probleme werden verheimlicht, Behörden überwachen den Markt nicht systematisch, Patienten werden zu Versuchskaninchen.” ARD 26.11.18 Dokumentation (auf Videothek oder unter YouTube zu sehen)
  • SWR1 Baden-Württemberg 9 Apr 2019 “Rechnet nach 30 Jahren als Arzt mit seinem Berufsstand ab | Gerd Reuther | Radiologe |” Beschreibung Dokumentation: “Ein langes und glückliches Leben in Gesundheit steht auf der Wunschliste der meisten Menschen ganz oben. Doch wer den Therapieempfehlungen der Mediziner rückhaltlos vertraut, schadet sich häufiger, als er sich nützt. Das sagt Dr. med. Gerd Reuther, Facharzt mit Lehrbefugnis für Radiologie, der nach 30 Jahren als Arzt seinen Berufsstand schonungslos seziert. Er deckt auf, dass die Medizin häufig nicht auf das langfristige Wohlergehen der Kranken abzielt, sondern in erster Linie die Kasse der Kliniken und Praxen füllen soll. Eine bessere Medizin müsste mit einer anderen Vergütung medizinischer Dienstleistung beginnen und Geld dürfte nicht mehr über Leben und Tod bestimmen – so seine Forderung. Moderation: Nicole Köster” https://www.youtube.com/watch?v=jyemPnEstEw&feature=youtu.be

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

All die Veränderungen unserer Nahrungskette und Nahrungsgewohnheiten wären, zumindest in Deutschland, nicht ohne eine tatkräftige Unterstützung von Seiten der DGE und den dazugehörigen Wissenschaftlern möglich gewesen.

Das folgende Kapitel beleuchtet also noch einmal im Detail die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und im Besonderen die Personen, die im Hintergrund agieren. Denn auch hier gilt: Es sind nicht Organisationen, welche Gesellschaften verändern, sondern immer einzelne Entscheider. Und genau diese Entscheider haben oft nicht das Wohl der Bevölkerung im Fokus.

Was motiviert diese Menschen? Welche Mechanismen nutzen diese wenigen, aber einflussreichen Personen, um das öffentliche Bewusstsein rund um Nahrung und Gesundheit zu beeinflussen? In welchen Gremien und auf welchen Entscheidungsebenen findet man dieselben Entscheider immer wieder? Welche Vorteile haben diese Personen durch die Verbreitung von falschen Informationen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Hintergründe und Aufgaben

Wie bereits erwähnt, ist die DGE die oberste Instanz, welche die Bundesregierung rund um Ernährung berät und die wissenschaftlichen Grundlagen für eine angeblich gesunde Ernährung liefert. Die Anweisungen dieser Instanz werden durch die Ministerien flächendeckend in alle gesellschaftlichen Bereiche getragen und sollten dazu führen, dass wir eine vitale Bevölkerung haben. Aber die Bevölkerung – besonders unsere Kinder – ist nicht gesund und vital. Was also macht die DGE? Und warum?

Zuerst ein paar weitere Hintergrundinformationen zur DGE. Die folgenden Informationen finden sich auf den Webseiten und in der Satzung für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Gegründet wurde die DGE 1953. Das selbstproklamierte und Ende 2018 überarbeitete Leitbild der DGE lautet wie folgt:

“Leitbild der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) ist die für Deutschland zuständige wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich Ernährung, die im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) tätig ist. Wir sind bundesweit und auf regionaler Ebene mit Unterstützung von Länderministerien aktiv. Darüber hinaus vertritt die DGE Deutschland auf europäischer und internationaler Ebene.

Unsere Grundsätze

Wir stehen für wissenschaftlich fundierte Aussagen, die neutral, unabhängig und transparent erarbeitet werden. Bei der Entwicklung und dem Transfer dieser Aussagen sind wir unserer Verantwortung bewusst. Wir haben einen offenen und ganzheitlichen Blick auf das Feld Ernährung und vereinen „Wissenschaft und Praxis“. Unser Umgang untereinander und mit anderen ist respektvoll und partnerschaftlich. Im deutschsprachigen und internationalen Raum sind wir ein verlässlicher Netzwerkpartner.

Unsere Ziele

Auf Grundlage von Forschungsergebnissen erarbeiten wir die für Deutschland gültigen Ernährungsempfehlungen und Aussagen. Wir transferieren diese Erkenntnisse zielgruppengerecht, um die Gesundheit der Bevölkerung unter nachhaltigen Aspekten langfristig zu fördern und zu erhalten.”

Zu den Aufgaben der DGE gehören primär:

  • Aufgaben der Qualitätssicherung in der Gemeinschaftsverpflegung

  • Qualifizierung spezieller Berufsgruppen

  • Vertretung der deutschen Ernährungswissenschaft in nationalen und internationalen Organisationen sowie die bilaterale Zusammenarbeit mit ernährungswissenschaftlichen Gesellschaften anderer Staaten

Die DGE verwirklicht bundesweit ihre Ziele, laut eigenen Angaben insbesondere durch die:

  • Herausgabe des Ernährungsberichtes

  • Herausgabe der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

  • Herausgabe von DGE-Beratungs-Standards und Leitlinien

  • Herausgabe einer ernährungswissenschaftlichen Zeitschrift als Organ

  • Herausgabe weiterer Informations- und wissenschaftlicher Medien

  • Erarbeitung von Curricula

  • Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen sowie Fortbildungs- Multiplikatoren- und Informationsveranstaltungen.

Finanziert wird die DGE zu 70% aus öffentlichen Mitteln – also aus Steuergeldern. Die restlichen 30% werden durch eigene Einnahmen, Gebühren für Schriften und Medien, Beratungen und Lehrgänge sowie Mitgliedsbeiträge gedeckt.

Alleiniger Geschäftsführer ist Dr. Helmut Oberritter und zwar seit 2007. Dr. Oberritter promovierte 1985 an der Universität Tübingen und ist seit 1994 auch als Gastdozent für den Fachbereich Ernährungswissenschaft an der Universität Wien tätig. Dr. Oberritter ist gerichtlich und außergerichtlich für die DGE verantwortlich. Oberritter findet sich weiterhin im wissenschaftlichen Beirat in der Zeitschrift Ernährungsumschau und dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD). Er publiziert in etlichen Fachzeitschriften und ist Autor von diversen Ratgebern rund um gesunde Ernährung.

Präsidenten der DGE (Informationen von Wikipedia)

  • Volker Pudel (1992–1994)

  • Günther Wolfram (1990–1992, 1994–1998)

  • Helmut F. Erbersdobler (1998–2003)

  • Peter Stehle (2004–2010)

  • Helmut Heseker (2010–2016)

  • Ulrike Arens-Azevedo (seit 2016)

Zu den Mitgliedern steht:

“Die meisten Mitglieder sind Einzelpersonen, aber auch Verbände, Firmen und Wirtschaftsverbände haben eine Mitgliedschaft bei der DGE. Im Dezember 2015 waren insgesamt 4065 Mitglieder registriert.”

Jeder kann also Mitglied werden. Einzelpersonen genauso wie Firmen und Wirtschaftsverbände. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 57 bis knapp 600 Euro, je nachdem, ob man ein Verband oder eine Einzelperson ist. Konkrete Informationen dazu, wer genau diese Mitglieder sind, finde ich nicht. Anzunehmen ist, dass alle relevanten Großkonzerne und deren Verbände ebenso Mitglieder sind wie lokale Lebensmittelhersteller und ggf. auch Pharmakonzerne. Die folgenden Informationen zu lokalen Sektionen geben ein wenig Raum für Vermutungen.

Die Sektionen. Dazu wird erklärt:

“Auf Länderebene ist die DGE durch Sektionen in den Bundesländern Baden-Württemberg (BW), Hessen (HE), Mecklenburg-Vorpommern (MV), Niedersachsen (NI), Schleswig-Holstein (SH) und Thüringen (TH) vertreten. Die Sektionen Hessen und Baden-Württemberg sind rechtlich selbstständig.

Die Sektionen nehmen landesspezifische Interessen wahr und verbreiten die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft und die Empfehlungen der DGE in regionalen Netzwerken. Sie fördern die Ernährungsaufklärung und leisten Beratung sowie Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu führen die Sektionen Fachtagungen und Fortbildungsseminare für Multiplikatoren wie Ernährungsfachkräfte und Fachkräfte aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Prävention und Politik durch.”

Die Sektionen selbst sind eine Zusammenkunft von lokalen Politikern, Verbraucherschützern, Universitäten mit entsprechenden Lehrstühlen, Vertretern der Landwirtschaft, Lebensmittelkonzernen sowie der Fleisch- und Milchindustrie. Ebenfalls mit dabei sind Vertreter des BMEL und des Max Rubner-Instituts (ein Teil des BMEL mit dem Forschungsschwerpunkt gesundheitlicher Verbraucherschutz im Ernährungsbereich).

Dass all diese Bereiche zunächst einmal ihre jeweiligen eigenen Interessen vertreten, ist logisch. Mindestens die Hälfte der anwesenden Gruppen hat wirtschaftliche Interessen, die sich in vielen Fällen nicht mit gesundheitsförderlichen Nahrungsmitteln vereinbaren lassen. Ein Beispiel: Die Arbeitsgemeinschaft Ernährungsindustrie Hessen, Teil der DGE Sektion Hessen. Da liest man auf den eigenen Seiten (Hervorh. d. A):

“Die Arbeitsgemeinschaft Ernährungsindustrie Hessen vertritt die gemeinschaftlichen Interessen der Mitglieder in wirtschaftspolitischen, wirtschaftsrechtlichen und lebensmittelrechtlichen Fragen. Die Produktpalette der hessischen Ernährungsindustrie ist breit gefächert. Sie umfasst Brot- und Backwaren, Milcherzeugnisse, Nährmittel, Kartoffelerzeugnisse, Fleisch und Wurst, Süßigkeiten, Dauerbackwaren, Mühlenprodukte und Teigwaren, Zucker sowie die gesamte Getränkepalette: Bier, Wein, Spirituosen, Mineralwasser, Fruchtsäfte, Limonaden. Mit gut 8 Milliarden Euro Jahresumsatz (2004) gehört die Ernährungsindustrie zu den umsatzstärksten Wirtschaftsbereichen in Hessen.”

Fazit: Es geht nicht darum, dass die DGE in den einzelnen Sektionen erklärt, wie eine wirklich gesunde Ernährung aussieht, sondern eher darum, dass die Akteure gemeinsam aushandeln, was für alle beteiligten Branchen annehmbar ist. Durchsetzen werden sich, wie sonst auch, diejenigen, die am ehesten Geld oder Arbeitsplätze beisteuern können. Und das ist nun mal die Wirtschaft.

Der Koordinationskreis:

Weiterhin gibt es einen Koordinationskreis mit dem Ziel, eine Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung und Ernährungsbildung zu gewährleisten. Dazu liest man auf den Webseiten der DGE:

“Die Bereiche ˈErnährungsberatungˈ und ˈErnährungsbildungˈ haben sich in den letzten Jahrzehnten umfassend weiterentwickelt. Ernährungsberatung und -bildung werden heute von vielen unterschiedlichen Berufsgruppen angeboten. Das Ziel der Rahmenvereinbarung ist es, den Verbrauchern unterschiedliche Qualifikationen von Ernährungsfachkräften transparent zu machen. Seit 2006 ist der Koordinierungskreis der DGE angegliedert. Sprecher des Koordinierungskreises ist Dr. Helmut Oberritter, Geschäftsführer der DGE.”

Zu diesem Kreis gehören folgende Verbände:

  • Berufsverband Hauswirtschaft e. V. berufsverband-hauswirtschaft.de

  • Berufsverband Oecotrophologie e. V. (VDOE) vdoe.de

  • Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e. V. (BDEM) bdem.de

  • Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin e. V. daem.de

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) dge.de

  • Deutscher Volkshochschul-Verband e. V. (dvv) dvv-vhs.de

  • Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) vdd.de

  • Verband der Köche Deutschlands e. V. (VKD) vkd.com

  • VerbraucherService im KDFB e. V. – Bundesverband verbraucherservice-kdfb.de

  • Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) vzbv.de

Inwieweit die Ernährungsstandards der DGE Einfluss auf diese Verbände haben könnten, lässt sich unschwer erahnen.

Quellen und weitere Informationen zu “Das Bindeglied, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)”

Die einzelnen Akteure der DGE

Wer sind die aktuellen und ehemaligen Präsidenten? Wer sind die gewählten Mitglieder des wissenschaftlichen Präsidiums, kooperierenden Mitglieder und Ehemaligen des wissenschaftlichen Präsidiums? Einige dieser besonders tonangebenden Köpfe haben beeindruckende Verbindungen in die Wirtschaft und Politik. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, das gesellschaftliche Bewusstsein rund um Ernährung und Gesundheit zu formen. Diese Verbindungen sind im Internet recht leicht zu finden. Man muss nur den jeweiligen Namen gleichzeitig mit Wörtern wie: Nestlé, Danone, Monsanto oder Novartis eingeben oder auf die Datenbank von CORRECTIV zurückgreifen.

Wer genau hinschaut, erkennt Folgendes: Etliche diese “Autoritätspersonen” missbrauchen das Ansehen ihrer beruflichen Positionen, um teilweise mit beachtlichem Nachdruck irreführende Informationen in die Bevölkerung zu tragen. Wer sind diese Personen?

Präsidenten der DGE

Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevêdo ist seit 2016 amtierende Präsidentin der DGE. Sie ist Professorin für Ernährungswissenschaften und Gemeinschaftsverpflegung. Prof. Dr. Arens-Azevêdo war an der Ausgestaltung der Essenspläne für Kinder beteiligt. Zwischen 1989 und 2015 war sie als Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg tätig. Prof. Dr. Arens-Azevêdo ist CDU-Mitglied und sitzt für die Partei im Bundestag. Ebenso in der CDU, bzw. der Schwesterpartei CSU, finden sich der ehemalige Bundesminister Christian Schmidt (BMEL) und der ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (BMG).

Hat Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevêdo nicht bemerkt, dass die Ernährungspläne für Kinder nicht mit den vorgegebenen essenziellen Mikronährstoffen zusammenpassen? Auch Prof. Dr. Arens-Azevêdo ist der Meinung, dass die “Wünsche unserer Kinder” bei der Gestaltung der Mahlzeiten berücksichtigt werden sollten. Das erklärt die Ernährungswissenschaftlerin in einem der nachstehend aufgeführten Videos, ausgestrahlt 2016 vom BMEL.

Informationen über die Relevanz von Mikronährstoffen und der tatsächlichen Versorgung in Bezug auf diese lebenswichtigen Substanzen im Kita- und Schulbetrieb konnte ich von ihr keine Aussagen finden.

Quellen und weitere Informationen zu “Prof. Dr. Ulrike Arens-Azevêdo

Prof. Dr. Helmut Heseker war Präsident der DGE von 2010 bis 2016. Er ist nun Mitglied des Wissenschaftlichen Präsidiums der DGE. Er ist Professor der Ernährungswissenschaften an der Uni Paderborn und hat eine aktualisierte Auflage des bereits erwähnten Buches “Die Nährwerttabelle 2016/2017” In diesem Buch beschreibt Prof. Dr. Heseker die Wichtigkeit für fast alle essenziellen Mikronährstoffe und führt auf, in welchen Lebensmitteln sie zu finden sind.

Heseker führt in dieser Nährwerttabelle auch die Nährwerte von ausgewählten Fertiggerichten auf. Es sollte ihm also durchaus bewusst sein, dass diese von ihm aufgeführten industriell verarbeiteten Lebensmittel nur einen Bruchteil an essenziellen Mikronährstoffen im Vergleich zu den unverarbeiteten Lebensmitteln haben, welche er ebenfalls auflistet. Wenn man diese Fertigprodukte zu sich nimmt, ist eine adäquate Versorgung des Körpers, bei gleichzeitiger Einhaltung der Kalorienvorgaben, praktisch nicht möglich. Entsprechend verwunderlich ist es, dass auch Prof. Dr. Heseker die öffentliche Debatte nicht weg von Makronährstoffen (Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß) hin zu Mikronährstoffen führt (Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, Aminosäuren). Es folgen ein paar Beispiele von fragwürdigen Auftritten und Empfehlungen.

1. Ein öffentlicher TV-Auftritt

In einem Beitrag vom Trendfrühstück (Tagesspiegel) vom 2.5.2016 zum Thema “Salz, Fett, Zucker. Wie viel ist zuviel?” hört man verwunderliche Aussagen. Die Podiumsgäste in dieser Diskussion waren Renate Künast (Grüne und MdB, Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz), Prof. Dr. Helmut Heseker (zu dem Zeitpunkt Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Stephan Nießner (Präsident des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Prof. Dr. Heseker sagt:

“Denken Sie mal daran, unverarbeitete Grundnahrungsmittel haben in der Regel weniger als 100 Kalorien und das, was wir heute so auf dem Teller haben und uns die Industrie anbietet an Pizzazungen oder auch belegten Brötchen, hat 250, 300 Kalorien und damit ist es uns natürlich einfach gemacht, dass wir uns überernähren. Und die Studien sind dann auch eindeutig. Wenn man Studien macht, wo die Leute eine negative Energiebilanz haben, das heißt unter ihrem Verbrauch liegen, dann ist es relativ egal, ob ich etwas mehr Zucker esse oder etwas mehr Fett esse und so weiter. Es wird wirklich erst dann zu einem Problem, wenn man an dieser Grenze ist und drüber hinaus ist.”

“Und ich verlange auch von der Industrie, dass sie endlich mal hingeht und ihren Gehirnschmalz einsetzt und intensiv darüber nachdenkt, wie kriegen sie schmackhafte Lebensmittel hin mit nicht so vielen Kalorien. Das ist, was wir brauchen.”

Heseker vermittelt mit diesen Aussagen den Eindruck, dass man Lebensmittel nur nach ihrer Menge von Kalorien beurteilen sollte. Er unterschlägt die Relevanz von essenziellen Nährstoffen und deren Mangel in verarbeiteten Lebensmitteln. Eine ähnliche Vorgehensweise von diesem Professor findet sich in etlichen weiteren Interviews und TV-Auftritten.

2. Fragwürdige Informationen in Bezug auf Vitamin D

In seinem Buch “Die Nährwerttabelle 2016/2017” hat Prof. Dr. Heseker Vitamin D einfach weggelassen. Es finden sich keine Angaben, in welchen Lebensmitteln man diesen essenziellen Nährstoff findet. Das ist kurios, denn Daten dazu gibt es reichlich. Sie sind zum Beispiel in dem Buch “Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle 2016/2017” von Elmadfa, Aign, Muskat und Fritsche, aufgeführt. Dafür hört man Prof. Dr. Heseker in einem weiteren Medienbericht von “Volle Kanne” mit dem Titel “Wundermittel Vitamin D” ausgestrahlt vom ZDF am 15.5.2017, sagen: “Sonne und Ernährung reichen vollkommen aus.”

Auch das ist eine erstaunliche Aussage. Wie bereits ausführlich erläutert, und Heseker bestimmt bekannt, ist die Sonnenbestrahlung in den Wintermonaten in nördlichen Ländern wie Deutschland nicht ausreichend für den Erhalt einer Gesundheit, da der Sonnenstand viel zu niedrig ist. Das ist umfänglich wissenschaftlich bewiesen. Um den täglichen Bedarf über Ernährung zu decken und den der DGE vorgegebenen Wert von 20ug/Tag zu erreichen, müsste ein Erwachsener pro Tag 300g Lachs, 300 g Steinpilze, 400g Makrele oder 7 Eier essen. Die DGE erklärt man solle zwei bis drei Eier pro Woche verzehren.

3. Die Zeitschrift Ernährungsumschau: Beispiel für fragwürdige Verstrickungen

Prof. Dr. Heseker ist auch Herausgeber der Zeitschrift “Ernährungsumschau.” Dort finden sich Deutschlands führende Ernährungsverbände, die bei genauer Betrachtung auch alle irgendwie in Verbindung mit Nestlé, Danone und Co. stehen. Zu den Ernährungsverbänden gehören:

  • BerufsVerband Oecotrophologie e.V. (VDOE)

  • RAL Gütegemeinschaft Ernährungs-Kompetenz e. V. (GEK)

  • Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD)

Auch auf den Seiten dieser online Zeitschrift wird das Mantra verbreitet, dass Convenience-Produkte prima für die Gesundheit sind. Explizit beworben werden unter anderem die Hersteller Danone, Alpro und Kelloggs im Besonderen, sowie Zucker im Allgemeinen. Über Zucker steht geschrieben:

“Zucker ist ein Naturprodukt und traditioneller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Mit der Initiative ˈSchmeckt Richtig!ˈ möchte die deutsche Zuckerwirtschaft zur sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Zucker einladen. Weitere Informationen stehen auf www.schmecktrichtig.de bereit.”

Zu Kelloggs schreibt dieses Ernährungsportal den Werbetext:

“Vor mehr als 100 Jahren erkannte W. K. Kellogg die positiven Eigenschaften, die in einem Getreidekorn stecken. Mit einfachen Zutaten, die in gerösteten Corn Flakes enthalten sind, wurden schließlich die Frühstückscerealien geboren. Kellogg bietet qualitativ hochwertige Frühstücksprodukte für Familien auf der ganzen Welt.”

Quellen und weitere Informationen zu “Prof Dr. Helmut Heseker”

Prof. Dr. Peter Stehle war Präsident der DGE von 2004 bis 2010. Unter seiner wissenschaftlichen Leitung wurden die DGE Qualitätsstandards, und 2005, die dreidimensionale DGE-Lebensmittelpyramide eingeführt. Die Qualitätsstandards wurden in den öffentlichen Bereichen – Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Betriebskantinen – etabliert und die Pyramide dient seit 2005 bundesweit Fachgesellschaften im Bereich der Ernährung zur visuellen Verdeutlichung der DGE Ernährungsrichtlinien. Bildlich beworben werden auf der Lebensmittelpyramide folgende Lebensmittel als Teil einer gesunden Ernährung: eine Tüte Chips, 6 Stück Schokolade, ein Stück Schoko/Sahne-Torte, ein Lolli, eine Aludose mit Energydrink, ein Glas mit Kola, ein Pappbecher mit Limo, Margarine, ein Stück Wurst, eine Schale Pommes, ein Weißmehlbrötchen, weiße Nudeln.

Nach Ende seiner Präsidentschaft wurde Stehle Mitglied des Wissenschaftlichen Präsidiums der DGE. Er ist ebenfalls Professor und Dekan an der Universität Bonn am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften. Prof. Dr. Stehle findet man weiterhin aktiv am Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Seine akademische Ausbildung hat Stehle an der Universität Hohenheim begonnen. Weitere pikante Details zu Prof. Dr. Stehle sind Folgende:

  1. Glutamat: Zum Beispiel in dem Buch “Die Ernährungsfalle” (2015) von Hans-Ulrich Grimm. Dort wird erklärt, dass Prof. D. Stehle sich in einer Expertenrunde in den Hohenheimer Konsensusgesprächen in 2006 sehr für den Geschmacksverstärker Glutamat einsetzte. Stehle hat angeblich betont, dass ein Pfund Glutamat am Tag als völlig unschädlich zu betrachten sei. Das von der Lebensmittelindustrie genutzte Glutamat ist, wie eingangs erklärt, ein Nervengift und höchst umstritten. Die gleichen Informationen findet man unter den Seiten von DR. WATSON – Der Food Detektiv – (Im Quellenverzeichnis).

  2. Ausgewogene Ernährung mit Convenience-Produkten. Das Bestreben der SPD, den Gehalt von Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren, kommentiert Prof. Dr. Stehle als “Augenwischerei”. Zu lesen in einem Artikel vom 18.1.2018 der Tageszeitung Welt:

“SPD will Pizza und Cola per Gesetz gesünder machen. Die Veränderung der Rezepturen einzelner Lebensmittel beziehungsweise -gruppen bleibt aus wissenschaftlicher Sicht Augenwischerei“, sagt der Ernährungsphysiologe vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn. Zielführend sei letztlich nur eine Veränderung des Ernährungsverhaltens generell. Denn auch mit den vorhandenen Lebensmitteln sei eine ausgewogene und gesundheitsfördernde Ernährung möglich.”

  1. Wissenschaftliche Evidenz: Erhellend ist auch ein Interview mit dem General-Bonn-Anzeiger.de vom 31.1.2016, zu lesen online. Der Titel lautet: “Der Verbraucher versteht das Wort Risiko nicht”. Ein paar Auszüge aus dem Interview:

“General Anzeiger: Sie haben vorhin das Wort Risiko besonders betont. Warum?

Stehle: Weil der Verbraucher das Wort nicht versteht. Er denkt in Kategorien wie gesund und ungesund. Schon eine solche Formulierung ist falsch, weil es suggeriert: Das eine darf ich, das andere nicht. Diese Trennung gibt es aber in der Ernährung nicht. Ein ungünstiges Ernährungsverhalten ist ein Faktor, mit dem das Risiko für die Entwicklung von Krankheiten steigen kann. Ernährungsforschung ist komplex und schwierig, es kann kein schwarz und weiß geben, auch wenn viele das gerne hätten.

General Anzeiger: Wie hoch ist denn der Einfluss der Ernährung auf die Verfassung?
Stehle: Das lässt sich nicht quantifizieren. Niemand weiß das.

General Anzeiger: Das heißt, wenn Willet behauptet, kluge Menschen tränken keine Cola, ist das …
Stehle: Totaler Quatsch! Das ist wissenschaftlich unmotiviert und beschreibt nicht das Problem, das wir haben: dass wir nämlich nicht genügend wissenschaftliche Evidenz liefern können.”

Da ist also wieder die Aussage: Es gibt keine gesunden oder ungesunden Nahrungsmittel. Der Konsum von Industrie-Zucker, Phosphatzusätzen, Nitrat, Glutamat, Hormonen, Aluminium und viel zu wenig Mikronährstoffe – all das ist laut Stehle ausdrücklich nicht zu beanstanden.

Ganz nebenbei bemerkt: Bei dem Experten, dessen Aussagen Prof. Dr. Stehle mit “Totaler Quatsch!” bezeichnet, handelt es sich um Walter C. Willett. Willettist ein amerikanischer Arzt, Epidemiologe und Ernährungswissenschaftler, und Professor of Nutrition an der Harvard Medical School und Vorstand am Harvard School of Public Health, Department of Nutrition.

  1. Zusammenarbeit mit Nestlé: Wenn man dieses Interview und all die anderen Aktivitäten von Prof. Dr. Stehle betrachtet, mag man sich wundern, was diese fragwürdigen Aussagen mit seiner Zusammenarbeit mit Nestlé zu tun haben mögen? Prof. Dr. Stehle ist im Beirat von Nestlé Deutschland aktiv.

Vielleicht möchte Stehle den von ihm beklagten Mangel an “wissenschaftlicher Evidenz” gemeinsam mit Nestlé beheben? Vielleicht hilft er Nestlé dabei, die Rezeptur von mit Eisen und Vitamin A angereicherten Maggi-Brühwürfeln für den afrikanischen Markt zu überarbeiten? Oder er unterstützt die Kreation einer neuen Geschmacksrichtung für das Optifast-Programm? Ein Programm, welches aktiv von Prof. Dr. Stephan Bischoff in den Medien beworben wird. Zur Erinnerung: Prof. Dr. Bischoff ist an der Universität Hohenheim als Leitung der Fachgemeinschaft Ernährungsmedizin/Prävention und Genderforschung tätig. Er arbeitet also an der gleichen Universität, an der Stehle seinen akademischen Ursprung fand. Zufall?

Was auch immer Prof. Dr. Stehle bei Nestlé macht, Nestlé selbst findet die Akquisition von diesem angesehenen Wissenschaftler anscheinend recht fruchtbar und schmückt sich online mit dessen Errungenschaften. Auf den Webseiten von Nestlé steht Folgendes:

“Peter Stehle von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Der Bonner Ernährungsphysiologe Prof. Dr. rer. nat. Peter Stehle vertritt im Beirat die Grundlagenwissenschaften im Bereich Ernährung und Lebensmittel. Peter Stehle studierte an der Universität Hohenheim Ernährungswissenschaft, promovierte und habilitierte auf dem Gebiet der Biochemie der Ernährung. Als ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und langjähriges Mitglied des Wissenschaftlichen Präsidiums beteiligt sich Stehle an der Ausarbeitung und Kommunikation der Richtlinien für eine ausgewogene, die Gesundheit erhaltende Kost unter Verwendung von hochwertigen Lebensmitteln.

Neben international anerkannten Forschungsarbeiten auf den Gebieten des Eiweiß- und Fettstoffwechsels beschäftigt sich Stehle schwerpunktmäßig mit den funktionellen Eigenschaften von Inhaltsstoffen pflanzlicher Lebensmittel.

Im Beirat unterstützt er Nestlé in den Aktivitäten zur stetigen Verbesserung der Produktqualität. Dies betrifft sowohl die Überarbeitung der Nährstoffzusammensetzung von Produkten als auch die Formulierung von neuen Lebensmitteln für spezielle Bevölkerungsgruppen. Die Basis hierfür bilden aktuelle Erkenntnisse über den Zusammenhang der Nährstoffaufnahme bzw. des Lebensmittelkonsums auf die mittel- bis langfristige Gesundheit.”

Besonders aufschlussreich ist das Zitat von Stehle selbst am Ende dieser Seite:

“Nur wenn die Ernährungsforschung direkt mit der Lebensmittelindustrie zusammenarbeitet und die aktuellen Forschungsergebnisse für die Umsetzung in die Praxis übersetzt, kann die Qualität der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel und damit die Ernährung der Bevölkerung dauerhaft verbessert werden!

Peter Stehle, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn”

Ich habe immer gedacht, die Aufgabe der Wissenschaft sei es, Wissen zu schaffen und das unabhängig von Interessen der Konzernwelt. Das ist aber ja gar nicht möglich, wenn diese beiden, wie von Prof. Dr. Stehle gefordert, eng zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit wird wohl kaum dazu führen, dass Nestlé oder Stehle der Bevölkerung erklären, dass der Verzehr von unbehandeltem Obst oder Wildkräutern aus dem eigenen Garten doch die besten Mittel zum Erhalt der eigenen Gesundheit sind.

Quellen und weitere Informationen zu “Prof Dr. Peter Stehle”

Prof. Dr. Volker Pudel († 7. Oktober 2009) war Leiter der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle am Zentrum für Psychologische Medizin an der Universität Göttingen. Pudel war ebenfalls von 1988 bis 1998 Vizepräsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Weiterhin war er unter anderem Mitglied im Vorstand der Akademie für Ernährungsmedizin in Hannover, Mitglied im wehrmedizinischen Beirat des Bundesministeriums für Verteidigung und Vorsitzender des Kuratoriums der Heinz-Lohmann-Stiftung, einer Stiftung, die zu der PHW-Gruppe und somit einem der weltweit größten Geflügelmastbetriebe gehört.

Prof. Dr. Pudel war auch Mitglied im Denkwerk Zukunft und ordentliches Mitglied der europäischen Akademie der Wissenschaft und Künste. 1989 wurde Pudel mit dem internationalen Ernährungspreis der Schweizer Stiftung für Ernährungsforschung und Ernährungsaufklärung ausgezeichnet. 2001 erhielt er den Dr. Rainer Wild-Preis für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der gesunden Ernährung und seinen ganzheitlichen Forschungsansatz. Im Jahr 2003 verlieh ihm die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, also die Gesellschaft, die unterschlägt, dass Übergewicht stark mit einem Vitamin-D Mangel korreliert, den Therapie-Preis.

Prof. Dr. Pudel hat ebenfalls das Optifast-Programm entwickelt, ursprünglich für den Pharmakonzern Novartis. 2007 übernahm Nestlé das Geschäftsfeld Medical Nutrition von Novartis und mit ihm die äußerst lukrative Vitamin- /Mineralstoffmischung für Übergewichtige.

Prof. Dr. Pudel war ebenfalls ein lautstarker Verfechter der Theorie, dass Menschen, um schlank zu sein, viele Kohlehydrate in Form von Getreide und wenig Fett essen sollen. Pudel ist am 7. Oktober 2009 im Alter von nur 65 Jahren nach langer und schwerer Krankheit verstorben.

Quellen und weitere Informationen zu “Prof. Dr. Volker Pudel”

Gewählte und ehemalige Mitglieder des wissenschaftlichen Präsidiums und kooperierende Mitglieder der DGE

1. Prof. Dr. Hans Hauner ist Professor am Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin, Lehrstuhl für Ernährungsmedizin, TU München, und sitzt im wissenschaftlichen Beirat der DGE. Hauner war bei folgenden Veranstaltungen Tagungspräsident: Deutsche Adipositas Gesellschaft 1999 Düsseldorf, Deutsche Diabetes Gesellschaft 2008 München, Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2012 Freising-Weihenstephan, Europäische Diabetes Gesellschaft 2016 München u.a.

Ebenfalls ist Hauner Mitglied unter anderem bei folgenden Kommissionen: Mitglied der Verbraucherkommission der Bayerischen Staatsregierung, Editior-in-Chief Obesity Facts (European Journal of Obesity). Prof. Dr. Hans Hauner gibt Interviews bei Nestlé und findet sich unter den Vorstandsmitgliedern von diabetesDE/Deutsche Diabetes-Hilfe.

Hauner ist im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) und einer der Autoren der dort publizierten Studie “Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas”. Auch in dieser Studie suche ich vergeblich nach irgendwelchen Hinweisen auf die Einflüsse von Vitamin D oder anderen essenziellen Nährstoffen auf Fettleibigkeit. Dieser Gesellschaft wurden von Novo Nordisk in 2016 über 40.000 Euro überweisen. Prof. Dr. Hauner selbst erhielt 2015 über 8000 Euro von der Pharmaindustrie – ebenfalls primär von Novo Nordisk Pharma GmbH, also dem Weltmarkthersteller Nummer Eins von künstlichem Insulin.

Hauner gibt viele Interviews über Ernährung, aber Angaben zu der Wichtigkeit von Mikronährstoffen, inklusive Vitamin D, finde ich auch von ihm nicht.

Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlicht 2015 in einem Schlusswort zu dem Beitrag “Prävention und Therapie der Adipositas von Prof. Dr. med. Alfred Wirth, Prof. Dr. med. Martin Wabitsch, Prof. Dr. med. Hans Hauner in Heft 42/2014” Informationen über folgende Interessenskonflikte:

“Prof. Hauner wurde honoriert für Beratertätigkeiten (Advisory Board) von Weight Watchers International und Apothecom. Er hat Studienunterstützung (Drittmittel) erhalten von Weight Watchers International und den Firmen Riemser GmbH und Certmedica. Er gehört einem internationalen Advisory Board von NovoNordisk an.”

Quellen zu “Prof. Dr. Hans Hauner”

  • Klinische Ernährungsmedizin Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt Technische Universität München “Lebenslauf Prof. Dr. med. Hans Hauner” http://www.kem.wzw.tum.de/index.php?id=3

  • CORRECTIV Zahlungen an Hauner

https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/hans-hauner-freising-oberbay/ und https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/hans-hauner-munchen-1/ und https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/hans-hauner-munchen/ und https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/hans-johann-hauner-munchen/

Dr. Thomas Ellrott ist Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie der Universität Göttingen und Nachfolger des oben genannten Prof. Dr. Pudel. Ellrott ist auch ehrenamtlicher Sektionsleiter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Sektion Niedersachsen (DGE). Er ist Mitglied in Fachgesellschaften wie dem Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) sowie Mitglied im Gutachterkreis für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Ebenfalls ist Dr. Ellrott im Experten-Beirat der Plattform Ernährung & Bewegung (PEB) tätig (alle Angaben Stand Ende 2017). Ellrot arbeitet also bei vielen tonangebenden Gremien der Gesellschaft mit.

Ellrot ist ebenso wie Prof. Dr. Hauner im Beirat der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) tätig und war einer der Autoren der dort publizierten Studie “Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas”. Eine Studie, die im Zusammengang mit der Stoffwechselstörung Adipositas die Relevanz von essenziellen Nährstoffen, wie gesagt, nicht erwähnt.

Verknüpfungen mit der Lebensmittelindustrie: Im Auftrag des “Nestlé Zukunftsforums” hat Ellrott die Zukunft der Ernährung mit skizziert und auf dem Göttinger Campus über die Ernährung der Zukunft gesprochen. Dabei präsentierte er die Ergebnisse der Néstle-Studie “Wie is(s)t Deutschland 2030”. In dieser Studie wird suggeriert, dass wir praktisch alle Lebensmittel in den kommenden Jahren aus Petrischalen und Tuben, natürlich von Konzernen wie Nestlé produziert, essen werden. Informationen darüber ob und ggf. in welcher Höhe Ellrott Zahlungen von Nestlé für seine Kooperation erhält, konnte ich nicht ausfindig machen.

Weiterhin hat Ellrott schon 1999 mindestens einen Artikel veröffentlicht, der die Vorzüge der Formula-Diät Optifast betont. Diese Werbebotschaften von Ellrott wurden ebenfalls von Nestlé, zum Beispiel 2011, in der beigefügten Broschüre, “Optifast Prävention und Therapie der Adipositas MEHR LEBENSQUALITÄT DURCH WENIGER GEWICHT!” veröffentlicht.

Wie bereits erwähnt, ist Ellrott auch Verfasser der 2007 veröffentlichten Studie “Wie Kinder essen lernen”. Die Aussagen, dass Lebensmittelverbote oder eine klare Benennung von bestimmten Lebensmitteln als ungesund in der Ernährungserziehung bei Kindern generell zu vermeiden sind, stammten aus Studien von diesem Wissenschaftler. Diese Aussage, mit Bezug auf die Studie von Ellrott, findet sich auch wieder in zum Beispiel dem “Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder” auf Seite 28.

Den Namen Dr. Thomas Ellrott findet man in Verbindung mit Nestlé in unzähligen Artikeln, publiziert seit Ende der 90er. Zu finden unter entsprechenden Schlagworten im Internet.

Quelle zu “Dr. Thomas Ellrott”

Prof. Dr. Anette Buyken ist tätig am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, Universität Bonn, war Projekt Supervisor für die Studie “Carbohydrate quality and its association with body composition and puberty onset – is carbohydrate intake critical before or during puberty: data from the prospective DONALD Study” 2007 bis 2009. Diese Studie wurde unter anderem von Danone mitfinanziert. Abgesehen von Eisen, wurde in dieser Langzeitstudie die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen der betrachteten Kinder anscheinend nicht untersucht.

Quellen zu “Prof. Dr. Anette Byken”

Prof. Dr. Hans-Georg Joost ist Mitglied des Wissenschaftlichen Präsidiums und im Verwaltungsrat des Deutschen Institutes für Ernährungsforschung (DIfE), Nuthetal. In einem Interview mit Deutsche Welle erklärt Joost ebenfalls: “Es gibt keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel.”

Prof. Dr. Joost ist Gründungsmitglied von diabetesDE/Deutsche Diabetes-Hilfe und seit 2009 für die Gruppe von Ärzten und Wissenschaftlern im Vorstand, seit 2011 als kooperierendes Mitglied. Er hatte bereits zahlreiche Ehrenämter inne, u.a. als Mitglied des Senats der Universität Göttingen und des Fachkollegiums Medizin 4 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (davon vier Jahre als Sprecher), als Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), als Vorsitzender der Jury der DDG zur Förderung wissenschaftlicher Projekte sowie derzeit als zentrale Ombudsperson der Leibniz-Gemeinschaft.

Die ausgewiesenen Bezüge von Pharmakonzernen für Joost betrugen 2015 1.418,88 €. Die Zuwendungen der Pharmaindustrie für die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), bei der Joost Mitglied zur Förderung wissenschaftlicher Projekte ist, betrugen 2016 über 885.000 Euro. Der Name Hans-Georg Joost findet sich im Zusammenhang mit etlichen Publikationen und Nestlé im Internet.

Quellen zu “Prof. Dr. Hans-Georg Joost”

Dagmar von Cramm ist seit 1995 kooperierendes Präsidiumsmitglied der DGE. Von Cramm hat etliche Ratgeber und Ernährungsbücher für Kinder herausgebracht. Wir haben einige für unsere eigenen Kinder genutzt, z.B. “Kochen für Babys” (2008) und “Kochen für Kleinkinder” (2016) sowie “Unser Baby. Das erste Jahr” (2012). Auch in diesen Büchern und auf den Webseiten von Dagmar von Cramm finde ich keine speziellen Angaben zu Mikronährstoffen, Informationen rund um die Stärkung des Immunsystems oder der Darmgesundheit.

Von Cramm ist im Kuratorium der Lohmannstiftung tätig. Die Lohmannstiftung ist Teil der PHW-Gruppe und gehört zu dem bereits erwähnten und größten Geflügelzuchtkonzern weltweit. Zu den Tochterfirmen dieser Stiftung gehören die Firma Wiesenhof (Produkte aus der Geflügelmassentierhaltung) und die Lohmann-Pharma (Pharmaprodukte für Tiere und Menschen). Warnhinweise bezüglich Gefahren aus der Massentierhaltung durch Hormone oder Antibiotikarückstände für kleine Kinder finde ich in den Büchern von Frau von Cramm nicht.

Laut dem Buch “Die Ernährungsfalle” 2015, von Hans-Ulrich Grimm, setzte sich von Cramm ebenfalls für die Vereinigung Initiative Lebensmitteldose ein. Das ist eine Verbindung von Verpackungsunternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Essen aus Konserven und Verpackungen schmackhaft zu machen. Ob von Cramm sich weiterhin für diese Organisation engagiert, konnte ich über eine Recherche im Internet nicht herausbekommen.

Quellen zu “Dagmar von Cramm”

Professor Dr. Klaus-Dieter Jany wurde 2007 zum Ehrenmitglied der DGE ernannt. Jany war Gentechnik-Experte der Karlsruher Bundesforschungsanstalt für Ernährung, jetzt Max-Rubner-Institut, und hat sich in den Neunzigerjahren sehr für den Gentechnik-Konzern Monsanto engagiert.

Dieser Konzern wurde, wie erwähnt, 2018 von der BAYER AG gekauft. Seit 2008 ist Jany laut eigenen Angaben auf der eigenen Webseite, biotech-gm-food.com, in folgenden Gremien und Aufsichtsbehörden aktiv: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Wissenschaftlicher Ausschusses für Lebensmittelkontaktstoffe, Aromen, Enzyme und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF-Panel, 2008-2014), Mitglied verschiedener Arbeitsgruppen (Enzymes, Emerging Risks, Risk Terminology), BfR-Kommissionen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel (GVO-Kommission) und für Lebensmittelzusatzstoffe (LAV-Kommission).

Quelle zu “Professor Klaus-Dieter Janyhttps://www.biotech-gm-food.com/jany/

Fazit: Fehlinformationen und fragwürdige Verbindungen auf allen Ebenen

Ich halte Folgendes fest:

  1. Fragwürdige Informationspolitik: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist eine Institution, die für die gesamte Bevölkerung in Deutschland Empfehlungen für eine angeblich gesunde Ernährung herausgibt. Diese Institution definiert Ernährungspläne für alle öffentlichen Bereiche wie Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Rehakliniken und “Essen auf Rädern”. Diese Informationen und Ernährungspläne sind nicht zu vereinbaren mit den ebenfalls von dieser Organisation herausgegebenen Angaben über notwendige Mikronährstoffe.

  2. Unterschlagung von wissenschaftlichen Erkenntnissen: Informationen über eine wirklich gesundheitsfördernde Ernährung werden systematisch unterbunden. Dazu gehört, in welchen Lebensmitteln man relevante Konzentrationen von essenziellen Nährstoffen findet, wie man diese Nährstoffe in der Verarbeitung erhält und wie man Ernährungspläne aufbaut, die sich an dem Bedarf von essenziellen Nährstoffen orientieren. Angemessene Warnungen in Bezug auf Giftstoffe aus der Landwirtschaft gibt es keine. Widersprüchliche Aussagen wie “es gibt keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel” werden von Präsidenten und Mitarbeitern des wissenschaftlichen Beirats systematisch verbreitet.

  3. Keine staatliche Kontrolle: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ist lediglich ein eingetragener Verein. Dieser Verein ist KEINEM Bundesministerium unterstellt. Es gibt KEINE staatlichen Kontrollen, die evaluieren, ob die Angaben der DGE zueinander passen und wirklich die Gesundheit der Bevölkerung fördern.

  4. Fragwürdige Macht: Warum genau dieser Verein ausgewählt wurde und konkurrenzlos seit 60 Jahren als oberste Instanz für die Ernährung von über 80 Millionen Deutschen besteht, ist nicht ersichtlich. Unklar ist auch, wofür und warum dieser Verein mit über 5 Millionen Euro Steuergeldern jährlich finanziert wird.

  5. Keine Unabhängigkeit: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat einen Verwaltungsrat, der ebenso wie die amtierenden Präsidenten, von den Mitgliedern gewählt wird. Die Mitglieder bestehen aus Firmen und Wirtschaftsverbänden. Man kann insofern davon ausgehen, dass nur Verwaltungsräte oder Präsidenten gewählt werden, welche die Wirtschaftsinteressen der Mitglieder unterstützen. Wie dieser Tatbestand zu der Aussage “Wir stehen für wissenschaftlich fundierte Aussagen, die neutral, unabhängig und transparent erarbeitet werden.” passen soll, ist fragwürdig.

  6. Verbindungen mit der Wirtschaft: Diese Initiative pflegt sehr enge Verbindungen zur Wirtschaft, insbesondere zur Lebensmittelindustrie und zu internationalen Pharmakonzernen. Wissenschaftliche Studien und Lehrstühle der Ernährungswissenschaft werden von diesen Industrien finanziert. Etliche Wissenschaftler der DGE engagieren sich direkt für die Konzernwelt und finden sich in Gremien und beratenden Positionen wieder. Mit dieser Verflechtung wird offen geworben.

  7. Vertriebskanal von Convenience-Produkten: Über unterschiedliche Informationskanäle preist die DGE die Produktwelt der verarbeitenden Lebensmittelindustrie an. Über gesundheitliche Risiken durch eine bedingte Aufnahme von Phosphatzusätzen, Nitraten, Hormonen, Pestiziden, Aluminium, Weichmachern, synthetischen Aromen, Glutamat und mehr, wird die Bevölkerung nicht angemessen aufgeklärt.

  8. Gefährdung des Herz-Kreislauf Systems: Wer sich an die Ernährungspläne der DGE hält, riskiert fast immer eine gefährlich hohe Salzaufnahme. Herz-Kreislauf Erkrankungen sind als eine der möglichen Folgen sehr wahrscheinlich.

  9. Resultierende Mangelernährung: Der laut DGE zulässige und angeblich unbedenkliche Konsum von raffiniertem Zucker führt unweigerlich zu einer Unterversorgung mit essenziellen Nährstoffen, es sei denn, es werden gleichzeitig Nahrungsergänzungsmittel konsumiert. Davon wird jedoch seitens der offiziellen Stellen abgeraten.

Wer die Gesundheit von Menschen schützen und fördern will, darf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht trauen.

In den Monaten meiner Recherche habe ich viele Gespräche mit anderen Eltern geführt. Ich wurde immer wieder gefragt: Was genau machen wir – mein Mann und ich – nun mit all dem Wissen? Welche konkreten Veränderungen haben wir in unserer eigenen Ernährung, unserem Verhalten und unseren täglichen Abläufen vorgenommen, um unseren Kindern wieder ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen? Wie gehen wir mit dem Nahrungsangebot in der Öffentlichkeit um und wie haben Freunde und Bekannte reagiert?

Die folgenden Seiten beschreiben das Resultat unseres persönlichen Veränderungsprozesses von über zwei Jahren. Diese Zeitspanne war für uns an vielen Stellen unglaublich anstrengend, entbehrungsreich und mit vielen Emotionen verbunden. Wir haben realisiert, dass ein deutsches Abitur und internationale Universitätsabschlüsse in Geistes- und Naturwissenschaften uns noch nicht einmal die Grundlagen für eine angemessene Gesundheitsvorsorge vermittelt haben.

Entsprechend mussten wir viele neue Fähigkeiten erlernen bzw. uns traditionelles Wissen wieder aneignen. Diese Fähigkeiten ermöglichen uns nun, die Verantwortung und Fürsorge für unsere eigene Familie zu übernehmen. Bei all den Anstrengungen und Mühen haben wir auch festgestellt, dass diese neue Form der Selbstständigkeit uns auch ein Gefühl von Freiheit gibt – die Freiheit, unser Leben mit deutlich weniger Abhängigkeiten zu gestalten. Dieses Kapitel unterteilt sich in folgende Bereiche:

  1. Neue Ernährungsregeln und deren Umsetzung
  2. Umstellung unserer Ernährung
  3. Umstellungen im Haushalt
  4. Auswirkungen auf unsere Gesundheit

Neue Ernährungsregeln und deren Umsetzung

Auf der Grundlage meiner Recherchen haben wir für uns folgende Ernährungsrichtlinien aufgestellt. Die Grundprinzipien sind: hohe regionale Qualität ohne Schadstoffbelastung, Vielfalt und von uns selbst verarbeitet.

  1. Nur Bio-Produkte: Wir achten darauf, nur Produkte zu konsumieren, die unter natürlichen Konditionen gewachsen sind. Die Produkte stammen direkt aus der Natur oder aus einer biologisch produzierten Landwirtschaft, wenn irgend möglich aus biodynamischer Produktion und den Zusatzqualitätssiegeln Demeter, Naturland oder Bioland. Das stellt sicher, dass die Aufnahme von Rückständen von Pestiziden, Hormonen, Antibiotika und anderen unerwünschten Schadstoffen weitestgehend vermieden wird. Diese Maßnahmen schützen die Darmflora und stellen sicher, dass der Körper bzw. Stoffwechsel so wenig wie möglich mit toxischen Substanzen belastet wird.
  2. Regional und Saisonal: Wir kaufen, soweit es geht, regional und saisonal ein und kochen immer frisch. Je länger Lebensmittel, besonders Obst und Gemüse, transportiert und gelagert werden, desto mehr zerfallen die essenziellen Vitamine.
  3. Hohe Nährstoffdichte: Wir wählen nur natürliche Lebensmittel, die eine hohe Konzentration an Mikronährstoffen bieten. Somit essen wir keine höher verarbeiteten Produkte, also keine Produkte der Conveniencestufe 3, 4 und 5. Die Abwesenheit dieser Produkte bedeutet ebenfalls eine geringe Belastung mit Salz, Zucker und anderen Zusatzstoffen. Das wiederum führt auch zu einer besseren Darmflora und Nährstoffresorbtion.

Folgende Lebensmittel stehen nun bei uns auf dem Speiseplan:

PFLANZLICHE PRODUKTE (15 bis 20 unterschiedliche Sorten pro Tag)

  • Nüsse, Trockenobst und Hülsenfrüchte: Produkte aller drei Kategorien sind sehr gute Lieferanten für eine Vielzahl von Mikronährstoffen. Sie sind ebenfalls gute Lieferanten von Energie – sowohl Fett als auch Kohlenhydraten – was besonders für unsere Kinder im Wachstum wichtig ist.
  • Kräuter und Gewürze (Wild- und Gartenkräuter, sowie getrocknete Gewürze): In all diesen Pflanzenprodukten sind besonders hohe Konzentrationen an Mikronährstoffen enthalten. Ebenso stärken sie den Körper mit entzündungshemmenden, krebsvorbeugenden, verdauungsanregenden und weiteren Eigenschaften.
  • Bitterstoffe: Diese Stoffe regen die Gallenblase an und helfen, Giftstoffe aus dem Körper auszuschwemmen. Zum Beispiel finden sich Bitterstoffe in Chicorée, Löwenzahn, Rucola und vielen Kohlsorten.
  • Fermentierte Lebensmittel: Fermentierte Lebensmittel unterstützen die Darmgesundheit mit Probiotika und erlauben der Darmflora die Vitamine K, C und alle B-Vitamine zu produzieren. Wir nutzen: Wasserkefir, Sauerkraut und Joghurt (selbst gemacht und nicht erhitzt – das zerstört die notwendigen Bakterien/Probiotika).
  • Zwiebelgewächse: Diese stärken das Immunsystem, wirken gegen Krebs und beugen der Entstehung von Blutgerinnseln im Körper vor. Zwiebelgewächse sind Zwiebeln, Lauch, Bärlauch, Frühlingszwiebeln, Schalotten, Knoblauch.
  • Pilze: Pilze sind gute Quellen für etliche Mineralstoffe und eines der wenigen Lebensmittel, welches auch Vitamin-D bietet.
  • Getreide nutzen wir überwiegend in Form von Haferflocken zum Frühstück oder als Nachmittagssnack. Hafer bietet, im Vergleich zu dem heutigen Weizen, ein deutlich höheres Angebot von Mineralstoffen und Vitaminen.
  • Sauerteig als Brot: Brot backe ich selbst aus Dinkel, Roggen, Weizen, Nüssen, Leinsamen und Sonnenblumenkernen und immer aus vollem Korn. Wir essen Sauerteigbrot, weil es gesünder ist, da es deutlich weniger Phytinsäure beinhaltet. Die Phytinsäure ist ein Pflanzenstoff, welcher die Aufnahme von Magnesium, Calcium und Eisen behindert und über den Säuerungsprozess abgebaut wird.
  • Kartoffeln essen wir als Pellkartoffeln, Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat. Kartoffeln sind gute Lieferanten für Kalium und, wenn frisch, für zum Beispiel Vitamin C. Als Kartoffelsalat (kalt und selbstgemacht) sind sie ebenfalls gute Lieferanten von Ballaststoffen.
  • Reis essen wir mit Schale – also Naturreis – und somit mit allen Nährstoffen.
  • Natürliche Süße: Wir nutzen Zuckerrübensirup (eine gute Eisenquelle), gelegentlich braunen Rohrzucker oder Honig (tierisches Produkt), zum Backen und Süßen. Diese Süßstoffe haben neben einigen essenziellen Nährstoffen auch antibakterielle Wirkungen (Honig) und unterstützen somit die Gesundheit. Raffinierten Zucker oder industriell hergestellte Süßigkeiten gibt es bei uns gar nicht mehr – sie bieten keine lebensnotwendigen Nährstoffe, belasten den Darm und behindern eine gesunde Insulinausschüttung des Körpers.

TIERISCHE PRODUKTE

  • Wurst: Wir essen gelegentlich kleine Mengen an Wurst – biologisch produziert und ohne Nitratzusätze (Nitrat und Nitrit sind auch in Bioprodukten erlaubt). Bei höherem Konsum ist insbesondere, und auch bei biologisch produzierten Produkten, die Aufnahme von Salz (Natriumchlorid) bedenklich.
  • Fleisch: Wir essen kleine Mengen von Fleisch in Form von Fleisch am Knochen, Organe, Suppenhuhn oder Hackfleisch. All diese Varianten bieten ein breiteres Spektrum an Nährstoffen und sind daher gesünder und zusätzlich auch kostengünstiger als mageres Muskelfleisch.
  • Leber: Bio-Leber ist eine hervorragende Quelle für Vitamin A und ebenfalls eine gute Quelle für Vitamin D, B2, B3, B5, B12, Biotin, Folsäure, Eisen und Kupfer. In den Wintermonaten essen wir alle 4 bis 6 Wochen ein kleines Stück und ermöglichen somit eine Grundversorgung von besonders Vitamin A. Vitamin A, bzw. dessen Vorstufe Beta Carotin, findet sich auch in relevanten Konzentrationen in Kräutern, die aber im Winter weniger verfügbar sind.
  • Knochenbrühe: Knochenbrühe hat viel Kollagen und viele Mineralstoffe. Beides ist wichtig für den Knochenaufbau und das Bindegewebe. Ich koche unsere Knochenbrühe regelmäßig aus einem Berg Bio-Knochen, friere die Brühe in kleineren Portionen ein und nutze sie dann regelmäßig in Suppen und Eintöpfen.
  • Fetter Fisch: Wir essen alle zwei bis drei Wochen einmal Fisch – frisch gekocht, geräuchert oder gelegentlich aus der Konserve. Der Fisch stammt bei uns immer aus “line caught” oder mit dem Siegel FSC nachhaltig gefischt, meist aus dem Atlantik oder Süßwassergewässern der Umgebung. Wir essen primär Makrele, Hering, Forelle, gelegentlich Thunfisch, selten Lachs. Fisch bietet ein gutes Spektrum an essenziellen Fettsäuren und leistet einen Beitrag zur Vitamin D Versorgung. Fisch und Meeresfrüchte müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet werden – sie sind zunehmend mit Giftstoffen wie Plastikrückständen und Metallen belastet.
  • Eier: Eier sind hervorragende Nährstofflieferanten und variabel einsetzbar. Wir essen 3 bis 7 Eier pro Woche und Person. Die Eier stammen aus Freilandhaltung von kleinen Herden.
  • Käse, Milch, Sahne, Quark: Wir nutzen frische Milchprodukte aus Weidehaltung immer mit vollem Fettgehalt hergestellt aus Rohmilch oder pasteurisierter Milch, nicht ultrahoch erhitzt. Ohne oder mit schonender Erhitzung bleiben ein höherer Teil der Nährstoffe und für eine Darmgesundheit relevante Bakterienkulturen erhalten. Besonders verträglich sind gesäuerte Produkte wie Joghurt, Dickmilch oder Kefir.

FETTE

  • Auf Brot: Butter von Kühen aus Weidehaltung.
  • Zum Kochen nutzen wir Butter, Schmalz oder Koch-Olivenöl. Sie enthalten relevante Konzentrationen der Vitamine A, D, E und K sowie der Mineralien Calcium, Magnesium, Phosphorund Eisen. Kaltgepresstes Kokosnussöl eignet sich ebenfalls zum Kochen. Es hat besonders viel Selen. All diese Fette sind bei Hitze stabil und bilden keine freien Radikale.
  • Für Salate und Dressings nutzen wir Olivenöl, Kürbis-, Leinsamen-, Raps- und Sonnenblumenöl. All diese Nuss- und Keimöle haben viel Vitamin A und E und sind gute Lieferanten von essenzielle Fettsäuren, besonders Omega 3. Diese Öle sollten immer kaltgepresst sein und nicht erhitzt werden. Bei Hitze verändern sich manche dieser Fette und sind dann eher giftig. Öle sollten zeitnah verwendet werden, damit sie nicht ranzig werden.

SALZ, WASSER UND VERARBEITUNG

1.      Salzarm: Wir halten uns an die Maximalvorgaben der WHO von maximal 5g Salz für Erwachsene und entsprechend weniger für unsere Kinder. Wir würzen somit wenig mit Salz und nutzen Kräuter für Geschmack und Aroma. Wir nutzen Meer- oder Steinsalz und kein raffiniertes Industriesalz, da bei Industriesalz fast alle natürlichen Mineralstoffe herausgefiltert werden und nur noch NatriumChlorid (NaCI) übrig bleibt. Ziel bei einer salzarmen Ernährung ist es, unsere Arterien und unser Herz langfristig zu schützen und somit auch im Alter weniger anfällig für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu werden.

2.     Zum Trinken Leitungswasser, Kräutertees und Wasserkefir: Zur Deckung unseres Flüssigkeitsbedarfs nutzen wir fast ausschließlich Leitungswasser. Die Kontrollen unserer lokalen Stadtwerke und die Qualität des Wassers scheinen besser zu sein als die von etlichen Mineralwasserherstellern, was allerdings nicht gleichermaßen für alle Teile in Deutschland gilt. Wir mischen oft Kräuter in das Wasser oder nutzen das Wasser als Ausgangsprodukt für Wasserkefir. Wir Erwachsenen trinken auch Bio-Kaffee und gelegentlich Bio-Bier und Bio-Wein.

3.     Vitaminschonend einkaufen, lagern und zubereiten:

  • Obst und Gemüse waschen wir und essen es mit Schale. Die meisten Vitamine/Mineralien stecken direkt unter der Schale.
  • Gemüse waschen wir vor dem Zerkleinern, damit weniger Nährstoffe über das Wasser ausgeschwemmt werden.
  • Kartoffeln kochen wir in der Schale und pellen sie erst anschließend. So werden die Nährstoffe nicht ausgeschwemmt.
  • Gemüse dünsten wir oder nutzen einen Drucktopf, um die Garzeit zu verkürzen.
  • Wir essen häufig Suppen und Eintöpfe. So bleiben die Mineralstoffe im Essen erhalten.
  • Wir lagern Lebensmittelreste luftdicht in Keramik, Glas oder Edelstahlbehältern. Das verhindert einen schnelleren Zerfall von Vitaminen durch Oxidation.
  • Frische Lebensmittel verbrauchen wir meist innerhalb von 2 bis 3 Tagen.
  • Nuss- und Keimöle lagern wir dunkel und kühl. So zerfallen die Vitamine A und E langsamer.
  • Äpfel und Tomaten lagern wir getrennt von Bananen und anderem Obst. Gemüse lagern wir dunkel und bei höherer Luftfeuchte. Diese Methoden verlangsamen die Nachreifung und die Produkte halten sich besser.
  • Gefrorene Lebensmittel verbrauchen wir innerhalb von maximal 3 Monaten. Vitamine zerfallen auch im Tiefkühlfach.

Diese Regeln und deren Umsetzung sind fast identisch mit dem, was in meiner frühen Kindheit zu Hause praktiziert wurde. Das Wissen dafür hatte meine Mutter im Fach Hauswirtschaftslehre in ihrer eigenen Jugend gelernt.

VITAMINE UND MINERALSTOFFE

Für alle essenziellen Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren habe ich versucht zu evaluieren, ob und in welchen Mengen wir sie mit der momentanen Ernährung aufnehmen. Das ist immer noch ein Austarierungsprozess, den ich regelmäßig anpasse.

Die Umstellung unserer Nahrung hat ergeben, dass wir nun generell mit den meisten Nährstoffen gut versorgt sind. Wir ergänzen nur sehr wenige Nährstoffe und manche auch lediglich zu bestimmten Jahreszeiten oder bei Krankheit. Dazu gehören:

  • Vitamin D: Wie beschrieben, ist Vitamin D über die alleinige Ernährung schwer abzudecken. Wir essen keine großen Mengen an fettem Fisch, gehen nicht ins Solarium und sind auch nicht im Winter im Süden im Urlaub. Besonders in den Wintermonaten sind wir daher zu schlecht versorgt und ergänzen unsere Nahrung mit ca. 20.000 i.E. Vitamin D pro Erwachsenem und Woche und ca. 7.000 pro Kind und Woche. Von März bis Oktober nehmen wir geringere Dosen, je nachdem, ob wir uns viel oder wenig in der Sonne aufhalten. Sonnencreme nutzen wir, bis auf wenige Ausnahmen im Urlaub, gar nicht mehr. Die Kosten für unsere Vitamin D-Versorgung für das ganze Jahr betragen weniger als 15 Euro pro Person.
  • Calcium: Ein Mangel an Calcium kann recht schnell entstehen. Wir nutzen daher regelmäßig kleine Mengen bzw. alle paar Tage ca. 1 Gramm pro Erwachsenem und 0,5 Gramm pro Kind an gemahlenen Eierschalen, ein natürliches und kostengünstiges Konzentrat an Calcium. Ich koche dafür unsere gesammelten Bio-Eierschalen aus, trockne sie im Backofen und mahle sie anschließend in einem Hochleistungsmixer zu Pulver (Mit den übrigen Eierschalen dünge ich unseren Garten oder nutze sie als Zutat in Reinigungs- und Pflegeprodukten).
  • Jod: Wir nehmen kein mit Fluorid und Jodid angereichertes Industriesalz, sondern einfach ab und zu Algenpulver (Kelbalge) und zwar eingemischt in Smoothies. Die Konzentration von natürlichem Jod ist dort sehr hoch.
  • Vitamin C und Zink: Im Winter und bei den ersten Anzeichen von Erkältungen oder geschwächtem Immunsystem nehmen wir bis zu 1 Gramm pro Tag Vitamin C in Form von Ascorbinsäure und bis zu 5 mg Zink pro Person – untergemischt in Smoothies.
  • Magnesium: Bei hoher sportlicher Betätigung oder viel Schwitzen mischen wir gelegentlich bis zu einem Gramm Magnesiumcitrat (Pulver und ohne Füllstoffe) pro Erwachsenem und entsprechend weniger für die Kinder in Getränke.

Quellen und weitere Informationen zu “Neue Ernährungsregeln und Umsetzung”

Essensplan

Parallel zu meinen Recherchen habe ich für uns einen Ernährungsplan ausgearbeitet. Auch das ist ein stetiger Lernprozess und er ist mit Sicherheit noch nicht in allen Details durchdacht.

Da wir keine Vegetarier sind, habe ich mich nicht im Detail mit entsprechenden Ernährungsplänen für vegane oder vegetarische Ernährungsformen beschäftigt. Es sollte durchaus möglich sein, sich auch mit diesen Ernährungsformen gesund und mit allen essenziellen Nährstoffen zu ernähren. Allerdings benötigt man dann wohl in den Wintermonaten deutlich mehr pflanzliche Import-Nahrung. Wir wollen uns soweit wie möglich regional ernähren und haben uns daher für eine ausgewogene Mischkost entschieden.

Vor dem Kindergarten/der Schule – Frühstück zu Hause für die Kinder:

  • eine große Schale aufgekochte Haferflocken mit Milch und Wasser plus Nussmus, Zimt, Apfel- oder Quittenmus, Banane und Rosinen. Wasser oder Wasserkefir zum Trinken.
  • drei – bis sechsmal pro Woche ein Glas Smoothie mit Ingwer, 5 bis 10 Garten- und Wildkräutern, Apfel, Banane bzw. saisonales Obst plus Gurke, Grünkohl, Spinat etc., gemahlene Eierschalen und Jod plus Joghurt oder Quark.

Frühstück am Wochenende:

  • selbstgemachtes Brot mit Käse, Butter, Salami, Frischkäse, vegetarische Aufstriche, Leberwurst oder Nussbutter plus je ein weichgekochtes Ei
  • oder: Bauernfrühstück mit Bratkartoffeln, Zwiebeln, Ei und Gemüse
  • plus jeweils ein Glas Smoothie und Kaffee/Tee/Wasser

Kindergarten/Schulfrühstück:

  • selbstgemachtes Brot mit Nussbutter oder Butter mit Bio Salami, Fleischwurst (ohne Nitrat-Zusätze) 
  • saisonales Obst: ¼ Apfel oder ¼ Birne und/oder ¼ Banane, im Sommer Beerenobst und/oder Trockenobst
  • halbe Mohrrübe (Beta Carotin)
  • 1 kleine saure Gurke oder frische Gurke (Polyphenol und Beta Carotin)
  • eine Handvoll Nüsse

Nachmittagssnack, wenn hungrig:

  • saisonales Gemüse wie Mohrrüben, Gurke, Tomate, Sellerie etc.
  • saisonales Obst wie Apfel, Birne, Pflaume oder auch Banane
  • Kokosflocken, Mandeln, Haselnüsse, Cashewnüsse, Kürbiskerne, Erdnüsse, ein Schälchen Sesam
  • Trockenobst wie Rosinen, Pfirsiche, Feigen (ungeschwefelt)
  • ein Stück selbstgemachter Kuchen (Zutaten je nach Rezept: Karotten/Kürbis/Nüsse/Mohn/Buchweizenmehl/Lein- oder Sesamsamen/Butter/Obst/Eier/Honig/Rohrzucker)
  • Popcorn mit Kokosöl, Honig und Zimt
  • heiße Schokolade (Milch, Zimt, Kakaopulver, Honig)

Optionen fürs Mittagessen und Abendbrot – immer frisch oder maximal am Vorabend gekocht:

Vegetarisch:

  • Gemüsesuppe (z.B. mit Zwiebel, Knoblauch, Kürbis, Blumenkohl, Brokkoli, Sellerie und Gartenkräutern Rosmarin/Petersilie, Salbei/Thymian etc.)
  • Gemüsecurry mit Blumenkohl, Kartoffeln, Möhren, Erbsen, Zwiebeln, Gewürzen, Kokosmilch und Kraftbrühe plus Gewürze
  • Asiatisch gebratenes Gemüse mit Knoblauch und Ingwer
  • Omelett mit Salat und frischen Kräutern
  • Spiegelei mit Salat und Kartoffel und/oder Quark mit Kräutern und Gemüse
  • Pellkartoffeln mit Quark und Salat
  • Kartoffelsalat mit Ei, Käse, Gemüse und Kräutern
  • Linsensalat oder Bohnensalat mit gebratenem Gemüse und Kräutern
  • Linsen, Bohnen- oder Kichererbsenauflauf oder Eintopf mit Kräutern und Gewürzen
  • Bratlinge aus Lupinen und Kichererbsen plus Gemüse und Kräuter
  • Gemüsepizza mit Salat und Gartenkräutern
  • Vollkornreissalat mit Erbsen, Zwiebel, Möhren, Paprika, Zucchini, Kräutern

Fisch- und Fleischgerichte:

  • Suppenhuhn mit Gemüse, Kräutern und Gewürzen
  • Beinscheibe mit Gemüse, Kräutern und Gewürzen
  • Weißkohl/Zwiebel/Knoblauch/Kartoffel/Hack/Senf Eintopf mit Petersilie
  • Möhren/Kartoffel/Zwiebel/Mettenden/Kochwurst Eintopf mit Petersilie
  • Tafelspitz mit Kartoffeln und Gemüse/Salat
  • Kohlroulade mit Kartoffelbrei und Salat
  • Grünkohl mit Pinkel und Kartoffeln plus Salat
  • Sauerkraut mit Kassler, Zwiebeln und Kartoffeln plus Salat
  • Gulasch mit Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Sauren Gurken und Salat
  • Hack/Kartoffelauflauf mit Erbsen, Zwiebeln, Knoblauch und Rosmarin plus Salat
  • Rostbratwürste mit gedünstetem Gemüse, Sauerkraut und Pellkartoffeln
  • Leber mit gebratenen Zwiebelringen, Kartoffelpüree und Salat
  • Sonntagsbraten mit Ofengemüse, Kartoffeln und Salat
  • Hackbällchen mit Kartoffeln, Gemüse (Erbsen, Bohnen, Mohrrüben) und Salat oder rohem Gemüse
  • Fisch (gebraten/gedünstet oder im Ofen gebacken) mit Gemüse (Spinat/Kohl) und Kartoffeln
  • Salat mit Ei und Thunfisch (Konserve) oder mit geräuchertem Fisch plus z.B. Erbsen, Zwiebeln, Chicorée oder mit anderem Gemüse und Kräutern

Salate immer im Wechsel, z.B.:

  • Geriebene Möhre oder Rote Bete mit Apfel, Zitrone mit Sonnenblumenkernen und Olivenöl
  • Tomatensalat mit Zwiebeln, Gurke und Feta und Kräutern
  • Blattsalate und Wildkräuter mit Gurke, Frühlingszwiebel, Tomate, Radieschen, Paprika
  • Kartoffelsalat mit Zwiebeln, saurer Gurke, Eiern und Kräutern
  • Gartenkräuter wie Brunnenkresse, Schnittlauch, Petersilie, Rucola, Sauerampfer plus Sellerie, Zwiebeln, Käse und gerösteten Sonnenblumenkernen oder Sesam
  • 2-3 mal die Woche eine kleinen Portion selbstgemachtes Sauerkraut oder Rotkraut (für Vitamin K und gesunde Darmflora)

Zum Nachtisch abgestimmt aufs Hauptgericht:

  • Naturjoghurt/Quark mit Nüssen, frischem oder tiefgefrorenem Obst und Zimt
  • Selbstgemachtes Schokoladen- oder Obst-Eis oder Mousse mit Milch/Sahne/Joghurt, Honig, Zimt, Obst oder dunkler Schokolade
  • Pfannkuchen aus Dinkelmehl oder mit Haferflocken, Zimt, Rosinen, Bananen, Nussbutter oder Zuckerrübensirup

Einen Großteil der Rezepte kannten mein Mann und ich aus unserer eigenen Kindheit, ansonsten nutzen wir Anregungen aus dem Internet. Ebenfalls hilfreich fand ich die Kochbücher “Hemsley und Hemsley: Einfach gut essen – jeden Tag” 2016 und “Hemsley und Hemsley: Natürlich gut essen” 2015. Alle dort beschriebenen Rezepte, finden wir sehr lecker. Die Rezepte orientieren sich an dem wissenschaftlich belegten Verständnis rund um essenzielle Nährstoffe und sind meist einfach in der Zubereitung.

Umstellung unserer Ernährung

Bis November 2016 haben wir ca. alle 10 Tage bei Lidl eingekauft und dort den größten Teil unserer Lebensmittel besorgt. Das war für uns logistisch besonders einfach und auch immer recht kostengünstig. Wir haben spontan am Abend etwas zusammengewürfelt und morgens mit Müsli/Cornflakes/gesüßten Joghurts oder Brot mit Marmelade oder Nutella und Obst für uns und die Kinder improvisiert. Wir haben bis zu dem Zeitpunkt keine Lebensmittel aus unserem Garten bezogen oder in der Umgebung gesammelt.

Dann war klar, dass mit unserer Ernährung etwas grundsätzlich nicht stimmte. Was genau, wusste ich zu Anfang aber nicht. Vorsorglich habe ich daraufhin alle unsere Schränke ausgeräumt und alles, was verarbeitet war und nicht aus biologischem Anbau kam, entsorgt. Das war praktisch alles, was bei uns an Lebensmitteln zu finden war. Ich habe mich dann mit einem leeren Blatt Papier an einen Tisch gesetzt und damit begonnen, Lebensmittel aufzulisten, die uns guttun. Kraftbrühe und Eintöpfe kamen als erstes auf die Liste.

Wir haben also wieder ganz von vorne angefangen. Ich habe dann nach und nach all unsere Bezugsquellen für Lebensmittel ausgetauscht. Mittlerweile habe ich eine recht einfache und praktische Infrastruktur aufgestellt.

  • Wir kaufen ca. dreimal in der Woche frische Lebensmittel in einem Bioladen, Hofladen oder auf dem Markt. Dort besorgen wir unser Sortiment an Obst, Gemüse, Getreide, Käse, Nüssen, Trockenobst, Hülsenfrüchten, Schokolade, Fisch und teilweise gefrorenen Beeren und Gemüse, wenn es davon saisonbedingt keine Frischware gibt.
  • Rindfleisch, Hühner- und Schweinefleisch kaufen wir alle paar Monate direkt bei einem Biobauern, der ca. 5 km von uns entfernt ist. Die Tiere werden dort in Freilandhaltung in einem Naturschutzgebiet in kleinen Herden gehalten. Das Fleisch frieren wir ein.
  • Kräuter und etwas Obst und Gemüse bauen wir nun im Garten an oder sammeln es in der Umgebung.
  • Neben allen frisch gekochten Gerichten stelle ich ebenfalls nun folgende Lebensmittel selbst her: Alle Backwaren inklusive Brot und Kuchen, zum Teil Joghurt, Sauerkraut, Nussmus, Knochenbrühe, diverse Soßen und Dips. Das Spektrum wird stetig erweitert.

Die meisten frischen Lebensmittel kommen aus dem Bremer Umland. Ein paar Produkte kommen von weiter her. Doch auch dann fokussieren wir uns auf Produkte aus Europa und, wenn irgend möglich, mit Demeter-, Bioland- oder Naturland-Label. All diese Vereinigungen kontrollieren die zertifizierten Betriebe regelmäßig und haben deutlich höhere Standards als andere EU-Labels. Wir bemühen uns, wenigstens ein paar der Bezugsquellen – also die einzelnen Landwirtschaftsbetriebe – persönlich kennen zu lernen. Wir versuchen insgesamt mehr Klarheit darüber zu erlangen, unter welchen Bedingungen und wie genau die Lebensmittel produziert werden.

Wir kaufen gar nicht mehr in den großen Ketten wie Lidl, Aldi, Rewe oder Edeka ein. In diesen Supermärkten ist es schwer nachzuvollziehen, wo die Lebensmittel wirklich herkommen. Außerdem sind diese Lebensmittelgiganten in der Versorgung mit Nahrungsmitteln Haupttreiber in einem globalen System von menschlicher und ökologischer Ausbeutung, was zu der momentanen Misere stark beigetragen hat. Diese Rolle der Supermarktketten in diesem System war uns vor 2016 nicht bewusst.

Gewürze, Sprossen und Keimlinge

Im Winter, wenn wir weniger frische Kräuter im Garten sammeln können, nutzen wir verstärkt ein breites Spektrum an Trockengewürzen, Sprossen und Keimlingen. Dazu gehören Zimt, Kümmel, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Curcuma, Senfsamen, Muskatnuss, Chili, Sternanis, Nelken, Bockshornklee, verschiedene Pfeffersorten und Paprikapulver. Keimen lassen wir zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen sowie Brokkoli, Senfsamen und verschiedene Getreidesorten. Keimlinge und Sprossen haben eine besonders hohe und für den menschlichen Körper verfügbare Konzentration an Vitaminen und Mineralstoffen. Auch all die Gewürze helfen dabei, das Immunsystem und das Darmmilieu zu stärken.

Produkte aus Übersee

Abgesehen von Kaffee, Tee, Bananen und ein paar Gewürzen, kommt bei uns praktisch nichts mehr aus Übersee. Unser Ziel ist es, dass möglichst wenige Nährstoffe durch unnötigen Transport verlorengehen. Dazu kommt, dass durch Korruption und andere Gepflogenheiten in der Lebensmittelproduktion in manchen Ländern deutlich niedrigere Standards bestehen als bei uns. Selbst wenn “Bio” draufsteht, ist nicht unbedingt Bio drin. Ferner sind wir mittlerweile der Überzeugung, dass die nährstoffreichen Lebensmittel auch in den Ländern bleiben sollten, in denen sie produziert werden. Nur dann bleiben die Menschen dort auch gesund und wir haben eine Chance auf ein globales Gleichgewicht.

Aufgrund des hohen Einsatzes von genveränderten Lebensmitteln und praktisch flächendeckendem Einsatz von Pestiziden, primär Glyphosat, meiden wir jegliche Lebensmittel aus den USA, Kanada, China, Brasilien und Argentinien. Weiterhin meiden wir alle Lebensmittel aus Japan, da die radioaktive Kontamination von Lebensmitteln und deren Auswirkung auf den menschlichen Körper völlig unklar sind. Diese Lebensmittel drängen nach Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Japan (JEFTA) seit Mitte 2018 verstärkt auf den europäischen Markt. Japan ist ebenso wie Deutschland oder die USA ein stark kapitalistisch getriebenes Land und auch dort stehen staatliche Kontrollfunktionen in der Kritik, sich primär an wirtschaftlichen Interessen und nicht an der Gesundheit von Menschen zu orientieren.

Durch diese Umstellungen sind Belastungen durch Antibiotika, Hormone, Pestizide, genveränderte Lebensmittel, Zusatz- und Farbstoffe sowie Zucker für uns irrelevant geworden. Es bleiben Aluminium und das “Ausbluten” von Plastik. Beides versuchen wir zu minimieren, indem wir nun primär Edelstahl, Glas-, Glaskeramik oder Emaille-Töpfe, Pfannen und Behälter nutzen. Aluminium als Werkstoff rund um Lebensmittel, inklusive Aluminiumfolie, wird bei uns nicht mehr genutzt. Damit sind auch Konserven, die ebenfalls oft mit Weichmachern (BPA) laminiert sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, aus unserem Haushalt verbannt.

Quellen und weitere Informationen zu “Umstellung unserer Ernährung”

Umstellungen im Haushalt

Haushaltsmittel, Giftstoffe und andere schädliche Einflüsse

Unsere gesamten Putz- und Pflegeprodukte habe ich ebenfalls buchstäblich mit der Lupe durchforstet. Alles, was giftige Substanzen wie BPA, Mikroplastik, Erdöl basierte Substanzen und vieles mehr unter den Inhaltsstoffen aufführte, ist aus unserem Haushalt geflogen. Auch da blieb nicht mehr viel übrig.

Wir nutzen nur noch biologisch produzierte und vollständig abbaubare Produkte. Den Großteil davon stelle ich mittlerweile selbst her. Dazu gehören Cremes und Zahnpasta, Lippenpflege, Shampoo, Raumdüfte, Waschpulver, Badreiniger, Wachstücher, Seifenblasen und Knete. Auch hier habe ich festgestellt, dass man ökologisch, nachhaltig und kostengünstig mit sehr wenig Zeitaufwand ohne die Produktwelt von Henkel und Unilever hervorragend auskommt. Ich nutzte die Tipps und praktischen Anleitungen von unter anderem www.smarticular.net und www.utopia.de.

Bei Kleidung achten wir schon seit Jahren darauf, dass die Produkte aus biologisch hergestellten Naturfasern bestehen und/oder aus zweiter Hand stammen. In beiden Fällen ist die Aufnahme von chemischen Schadstoffen über die Haut, und somit die Belastung des Körpers, deutlich geringer als bei Kleidung von der Stange aus dem Kaufhaus.

All diese Umstellungen bedeutet für uns, dass wir nun praktisch keine Lebensmittelabfälle mehr haben und sich unser zu entsorgender Müll auch sonst deutlich reduziert hat. Küchenabfälle kompostieren wir, das haben wir vorher allerdings auch schon getan, und nutzen die entstehende Erde wieder als Dünger im Garten.

Umbau Garten

Wir haben einen eigenen Garten und haben uns bemüht, unsere Lebensmittelversorgung lokal aufzuwerten. Im ersten Schritt habe ich einen Schwerpunkt auf Nahrungsmittel gelegt, die eine hohe Nährstoffkonzentration bieten, nicht oder nur selten im Supermarkt zu kaufen sind und wenig Platz, Wissen und Zuwendung benötigen. Das waren primär Garten- und Wildkräuter. Ein paar Gemüsesorten und Obst kamen im zweiten Jahr hinzu.

Folgende Pflanzen und Gewürzkräuter wachsen nun bei uns direkt vor der Haustür: Verschiedene Basilikumsorten, Oregano, Petersilie, Rosmarin, Lavendel, Thymian, Vietnamesischer- und Echter Koriander, Bohnenkraut, Lorbeer, Mutterkraut, Schnittlauch, Süßdolde, Pflückkohl, Wasserfenchel, Koreanischer Wassersellerie, Kümmel, Currykraut, Liebstöckel, Estragon, Salbei, Zitronenverbene, Ysop, Brunnen- und Gartenkresse, Taglilie, Rucola, Staudensellerie, Bärlauch, Melisse, Pfefferminze, Katzenminze, Jiougulan, Tomaten, Stangenbohnen, Felsenbirne. Für Salate, Tees und Suppen nutzen wir zusätzlich auch Wildkräuter und -sträucher und Gartenpflanzen wie Brennnessel, Löwenzahn, Wollziest, Waldmeister, Schafgabe, kriechender Günsel, Scharbockskraut, Beifuß, Barbarakraut, Berberitze, Rosen-Hagebutten, Giersch, Blätter von Haselnusssträuchern und Vergissmeinnicht. Von letzteren hatten wir diverse sowieso schon im Garten; wir wussten allerdings nicht, dass man diese Pflanzen essen oder in Smoothies und Tees verarbeiten kann, diese Pflanzen unsere Immunabwehr besonders stärken und meist auch sehr gut schmecken.

Wir sammeln im Garten und auf Spaziergängen, was gerade so wächst. Das Sammeln selbst dauert meist nur wenige Minuten. Mit der Zeit haben wir eine Routine entwickelt; wir können nun einzelne Kräuter gut auseinanderhalten, kennen die Wirkung von einzelnen Pflanzen und wissen, welche gut miteinander harmonieren.

Unsere Kräuter ziehe ich selbst, tausche Ableger mit Freunden oder wir beziehen sie von der Biogärtnerei Rühlemann‘s, die auch bundesweit ihre Pflanzen versendet (siehe Quellenangaben). Neben Kräutern und ersten Gemüsesorten haben wir mittlerweile auch jeweils zwei Apfel- und Birnenbäume, Heidelbeer- und Himbeersträucher, Johannisbeere, Stachelbeere, Holundersträucher sowie eine Aroniabeere gepflanzt. Dafür sind Ziersträucher gewichen. Jegliche Form von Pflanzenschutzmitteln habe ich entsorgt. Wir düngen unsere Pflanzen kostenfrei mit eigenem Kompost, Pferdeäpfeln, selbstgemachter Brennnesseljauche, Eierschalen und Kaffeesatz. Die gesamte Fläche, die wir nun mit essbaren Pflanzen bestellt haben, beläuft sich auf unter 100 Quadratmeter.

Die Umstellungen in unserem Garten bedeuten ebenfalls, dass wir ein deutlich besseres Nahrungsangebot für Insekten und Bienen haben. Eine leichte Erholung des Bestandes ist inzwischen schon spürbar. Neben vermehrtem Insektenaufkommen beobachten wir eine Reihe von Vogelpaaren, die bei uns auf dem Grundstück nisten sowie Eichhörnchen, Frösche und Echsen. Wir sehen deutlich, wie schnell sich die Natur regeneriert, wenn man wieder die notwendigen Rahmenbedingungen herstellt.

Ende 2018 bekamen unsere Kinder zwei Kaninchen. Die Tiere helfen ihnen – und uns Erwachsenen – dabei, wieder ein Verständnis für das Zusammenspiel von Natur und Lebewesen aufzubauen. Beim Lesen über eine artgerechte Haltung von Kaninchen wurde schnell offensichtlich, dass ein Großteil der Grundlagen von notwendigen Rahmenbedingungen für einen gesunden Stoffwechsel bei Kaninchen und Menschen identisch sind: Beide brauchen die gleichen Pflanzen- und essenzielle Nährstoffe, Bewegung, mindestens ein zweites Tier zum Kuscheln und Wohlfühlen, ein verträgliches Maß an Stress und frische Luft. Für das kommende Jahr planen wir einen Hühnerstall mit ca. 4-6 Hühnern und mehrere Bienenstöcke.

Unterwegs

Generell versuchen wir Convenience-Produkte zu vermeiden. Entsprechend sind wir nun auch bei jedem Familienausflug mit mitgebrachten Lebensmitteln ausgestattet. Geschnittenes Gemüse, Obst, Brote, hartgekochte Eier, Salate, Hafergrütze, Nüsse und Trockenobst sowie in Flaschen abgefülltes Leitungswasser sind in unterschiedlichen Kombinationen nun immer mit dabei. Ebenso besuchen wir fast nur noch Einrichtungen, die entweder gesunde Lebensmittel anbieten, was selten der Fall ist, oder uns erlauben, eigenen Sachen mitzubringen.

Auch unsere Urlaube planen wir nun mit einem genaueren Blick auf Ernährung: Entweder versorgen wir uns selbst, gehen in Hotels, die hochwertige Nahrungsmittel anbieten und auch erlauben, dass wir diese unseren Kindern geben, oder wir bleiben zu Hause und machen Tagesausflüge. Wenn nötig, sagen wir einen Urlaub aufgrund unzulänglicher Lebensmittelangebote auch wieder ab. Das haben wir beispielsweise im April 2017 getan. Wir hatten einen Urlaub mit Freunden in einer Jugendherberge auf einer Nordseeinsel gebucht. Dort war die angebotene Versorgung so schlecht, dass wir unseren Urlaub wieder storniert haben.

In der Zeit unserer Umstellung stellten mein Mann und ich auch fest, dass das Angebot auf Geschäftsreisen beängstigend schlecht ist: hochwertige Nahrung ohne Schadstoffe wird uns fast nirgendwo angeboten. Für uns bedeutet das: Auch auf Geschäftsreisen nehmen wir nun unsere eigenen Brote mit, gegebenenfalls auch Nahrungsergänzungsmittel und verpflegen uns zwischendurch mit Nüssen und Trockenobst. Damit sind wir nicht optimal ernährt, aber für ein paar Tage geht es. Diese Erkenntnis schmälert die Attraktivität von Geschäftsreisen deutlich.

Schutz im öffentlichen Raum

Zum Zeitpunkt der Zahnschmelzdiagnose unseres Sohnes besuchten unsere beiden Kinder eine lokale Kita. Zum Schutz unserer Kinder haben wir auch dort die Ernährung, soweit es ging, anpassen lassen. Ich habe das Gespräch mit der Leitung und den jeweiligen Betreuern gesucht und gebeten, unseren Kindern keine Süßigkeiten oder jegliche Form von Süßspeisen mehr zu geben. Diese Bitte wurde von allen Erzieherinnen erfüllt.

Ebenfalls habe ich mit der Kitaleitung in den ersten Monaten unserer Umstellung etliche Gespräche über den generellen Mangel an Nahrungsmittelqualität geführt. Schnell wurde klar, dass der Kindergarten sich an die Bremer Ernährungspläne hält, welche wiederum auf den Qualitätsstandards der DGE und BMEL aufbauen. Meine Kritik und Sorge, dass mit genau diesen Plänen etwas nicht stimme und Kinder in Tageseinrichtungen nicht gesund versorgt werden, stieß auf recht großes Unverständnis. Verständlicherweise überwog bei der Leitung der Einrichtung die Überzeugung, dass die zuständigen Behörden und Ernährungsexperten wirklich gesunde Pläne ausgearbeitet hatten und meine Kritik somit haltlos war.

Auch diese Diskussionen haben mit dazu beigetragen, dieses Buch zu schreiben. Ohne den Beweis, dass die ausgearbeiteten Ernährungspläne der Bundesregierung sich nicht an dem Wohl von Kindern orientieren, sondern primär durch wirtschaftliche Interessen geleitet sind, sind notwendige Veränderungen auf lokaler Ebene praktisch unmöglich.

Seit Sommer 2017 besucht unser Sohn eine Grundschule. Wir hatten ihn dort ursprünglich für die Ganztagsbetreuung angemeldet. Schnell war klar, dass auch dort die Ernährungspläne alles andere als gesund sind. Wir haben daraus die Konsequenzen gezogen und ihn aus der Ganztagsbetreuung wieder herausgenommen. Er isst nun jeden Mittag zu Hause.

Die Sorgen, die uns zu Anfang ebenfalls beschäftigt haben, waren: Wie verkraften unsere Kinder diese Umstellung – was macht das mit ihnen in Bezug auf Freundschaften und Akzeptanz in der Gruppe? Auch da waren unsere Bedenken zum Glück unnötig. Beide Kinder haben in der Kita und Schule enge Freundschaften geschlossen und eine Ausgrenzung oder negative Konsequenzen scheint es für sie nicht zu geben. Dazu muss man sagen: Es gibt im Umfeld mittlerweile etliche Kinder, die aufgrund von Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien nur ein eingeschränktes Nahrungsangebot wahrnehmen dürfen. Unsere Kinder fallen also gar nicht besonders aus der Reihe.

Zeit und Bewegung

Neben der Umstellung unserer Ernährung versuchen wir inzwischen auch, die Zeit mit unseren Kindern insgesamt bewusster zu gestalten. Zeitdruck und Hektik waren bei uns früher an der Tagesordnung. Uns war nicht klar, dass auch die ständig mehr oder weniger präsente Eile eine hohe Belastung für den Körper bedeutet. Das gewachsene Verständnis hat uns zum Umdenken gebracht und wir bemühen uns deutlich mehr, Stresssituationen in unserem Alltag, besonders mit den Kindern, zu reduzieren. Wir stehen morgens etwas früher auf, um einfach den Tag nicht mit Hetze und Gereiztheit zu beginnen. Wir planen für das gemeinsame Mittag- und Abendessen und anschließende Bettgehprogramm mehr Zeit ein.

Wir versuchen mehr Ausgleich in unseren Alltag zu integrieren und lesen, basteln und spielen Brettspiele mit unseren Kindern. Wir nehmen uns mehr Zeit für die Bedürfnisse unsere Kinder nach Körperkontakt: Wir kuscheln viel, was ihnen und auch uns sichtlich gut tut.

Ebenfalls hat Bewegung einen deutlich höheren bzw. bewussteren Stellenwert bei uns eingenommen. Wir treiben mit den Kindern mehr Sport und bewegen uns über den Tag verteilt, wenn möglich, draußen. Das tun wir oft in Form von Fangspielen, Toben und “Kitzel-Attacken”. Wir animieren die Kinder dazu, zu balancieren und viel zu klettern – im Haus und draußen. An den Wochenenden machen wir gemeinsam häufiger Radtouren, gehen schwimmen, oder fahren Rollerblades; lauter Aktivitäten, die sich wiederum positiv auf unser familiäres Zusammenleben auswirken. Wir bemühen uns Angebote zu finden, die nichts oder sehr wenig Geld kosten, damit unsere Kinder mit dem Verständnis aufwachsen, dass Spaß und ein spannender Tag nicht in Verbindung mit finanziellen Ausgaben stehen.

Im Zuge dieser Veränderungen haben wir festgestellt, dass unsere Kinder ab ca. 2,5 Stunden intensiverer Bewegung über den Tag verteilt spürbar ausgeglichener sind als früher. Da Kita und Schule bei uns in Sachen Bewegung nur einen geringen Beitrag leisten, sind wir auch hier deutlich mehr in der Pflicht, unsere Kinder zu unterstützen, als uns anfangs klar war. Neben mehr Bewegung zu Hause machen unsere Kinder ein bis zweimal pro Woche Sport in einem Verein.

Wir achten ebenfalls mehr darauf, dass unsere Kinder viel selbstbestimmt spielen dürfen. Wir sorgen dafür, dass sie sich mit anderen Kindern am Nachmittag treffen können und dann gemeinsam mit Gleichaltrigen draußen toben. Auch da haben wir festgestellt: Wenn Kinder gemeinsam spielen, erfüllen sie sich den Drang nach Bewegung und geistiger Anregung selbst.

Medienkonsum

Computerspiele und mobile Smartphones/Tablets nutzen unsere Kinder gar nicht. Einen zeitweise ausufernden TV-Konsum mit oft einhergehenden Konflikten haben wir Anfang 2019 stark reduziert. Auch hier war uns nicht klar, wie viel Schädigung der Zellen im gesamten Organismus, Anspannung und Stress, sowie Haltungsschäden und Reizüberflutung die Gegenwart von WLAN-Strahlung, die Benutzung von Handys, Tablets, TV und Spielkonsolen für den wachsenden Kinderkörper bedeuten. Wenn man genau hinschaut, wird auch hier schnell klar: Die Digitalisierung unserer Klassenzimmer, der öffentlichen Infrastruktur und Familien bringt gewissen Unternehmen enorm viel Geld und stört überwiegend die gesunde Entwicklung von Kindern. Ein Verständnis auch dieser Zusammenhänge hat unser Verhalten und unsere Wachsamkeit in Bezug auf Medienkonsum verändert. Wir selbst versuchen ein gutes Vorbild zu sein und nutzen unsere eigenen Handys nicht bei Mahlzeiten oder wenn wir uns mit unseren Kindern beschäftigen. Alle WLAN-Geräte schalten wir nachts aus. Wie wir unsere Kinder vor dem rasant zunehmend und gesetzlich verpflichtenden Medienkonsum im Kindergarten und Schulen schützen können, ist uns allerdings nicht klar.

Sonne

Wir achten heute viel bewusster darauf, dass wir uns alle ausreichend lange in der Sonne aufhalten. Spielen in der Mittagssonne steht bei uns regelmäßig auf dem Programm. Abgesehen von wenigen Ausnahmen im Hochgebirge oder an der Küste schützt uns nun eine gute Nährstoffversorgung und Kleidung vor zu viel Sonne und  Zellschäden in der Haut. Besonders eine gute Versorgung mit den Vitaminen A, C, E, D, den Mineralstoffen Selen, Zink und der Fettsäure Omega 3, und gelegentlich ein Hut oder T-Shirt, ersetzen nun bei uns die Palette an käuflichen und oft mit Schadstoffen belasteten Cremes und Sprays. Dass die richtige Nahrung adäquaten Schutz vor zu viel Sonnenstrahlen bietet, ist übrigens auch keine neue Erkenntnis, sondern seit einigen Jahren wissenschaftlich belegt. Zusätzlich schont diese Umstellung unseren Geldbeutel und die Umwelt vor Plastikresten.

Kosten

Unsere monatlichen Ausgaben sind insgesamt deutlich gesunken: Für Lebensmittel geben wir in der Summe zwar ähnlich viel Geld aus wie vorher, bekommen aber eine deutlich bessere Qualität. Gekauftes Obst und Gemüse ist nur geringfügig teurer, besonders wenn man die Lebensmittel saisonal und regional bezieht. Bei Fleisch merken wir eine deutliche Differenz: Ein Bio-Huhn kostet ca. drei- bis viermal so viel wie ein Huhn aus der Massentierhaltung. Wir essen allerdings seltener Fleisch und auch nicht mehr nur die Brust von einem Huhn, sondern das ganze Tier als Suppenhuhn oder im Eintopf. Die Mehrkosten für organisch produzierte Produkte kompensieren wir durch deutlich geringere Ausgaben für industriell hergestellte Produkte. Zu den teuren und wenig wertigen Produkten, die wir gar nicht mehr kaufen gehören: Nutella, Marmeladen, Saft, Pizza, Fertigsoßen, Konserven, teure Süßigkeiten, Kuchen, Kekse und vieles mehr.

Ebenso kaufen wir fast keine industrielle hergestellten Körper-Pflegeprodukte oder Reinigungsmittel für den Haushalt mehr. Diese meist teuren und ebenfalls oft gesundheitlich bedenklichen Produkte stelle ich jeweils in wenigen Minuten selbst her.

Wir haben unseren Konsum insgesamt deutlich verringert und versuchen, wo möglich, gebrauchte Sachen zu kaufen, im Freundeskreis zu tauschen oder Sachen selbst herzustellen. Das gilt für Kleidung ebenso wie für Gartengeräte und andere Gebrauchsgegenstände. Das ist manchmal zeitaufwendig, macht besonders mir aber auch viel Spaß und ermöglicht viele neue Erfahrungen.

Auch Angebote wie Kinos, Freizeitparks und Indoorspielplätze meiden wir. Ich persönlich finde alleine den Geruch von frittiertem Fett und Zuckerprodukten unerträglich und den Anblick von oft beeinträchtigten Kindern, besonders mit meinem heutigen Wissen, zu betrüblich. Insgesamt haben wir festgestellt: Was uns physiologisch gut tut, tut auch der Umwelt und unserem Geldbeutel gut.

Die Reaktionen im Umfeld

Im Umfeld gab es ganz unterschiedliche Reaktionen, besonders zu Anfang, in der Zeit also, in der ich recht viele radikale Umstellungen bei uns eingeführt habe. Ohne die Zusammenhänge wirklich alle zu verstehen und somit auch noch weit entfernt davon, sie erklären zu können, war unser Verhalten für manche Bekannte und Freunde befremdlich. Aber je mehr mein Verständnis über Ernährung, die Auswirkungen im Körper unserer Kinder und die wirtschaftlichen Zusammenhänge wuchs, desto mehr Interesse kam aus dem Umfeld.

Viele der Gespräche, die ich geführt habe, liefen recht ähnlich ab: Sobald ich erklärte, dass generell etwas mit unserer Ernährung nicht stimme, wurde abgewunken und erklärt, dass man sich schon prima ernähren würde. Irgendwann habe ich aufgehört mit den Erklärungen, sondern einfach nur meine Unterlagen geschickt. Dann kamen meistens ein Schock und große Betroffenheit bei den besagten Eltern. Zu realisieren, wie weit wir uns von einer gesunden Ernährung und Lebensweise entfernt haben, ist für praktisch alle – inklusive uns – im ersten Anlauf schwer zu ertragen.

Danach haben die meisten Eltern, mit denen ich gesprochen habe, ihre Ernährung auch umgestellt. Die wenigsten sind so radikal wie wir, aber viele unserer Ansätze wurden übernommen. Das wiederum machte das Zusammensein zwischen uns und unseren Freunden sowie zwischen unseren Kindern einfacher: Essen ist nun weniger ein Aspekt der Sorge. In unserem Freundeskreis kochen immer mehr Menschen mit biologischen Produkten, es wird auf den Konsum von Zucker geachtet und der Konsum von verarbeitetem Essen aus Plastikbechern ist bei vielen gesunken. Auch tauschen wir mit Eltern – Vätern wie Müttern – nun Rezepte aus oder wir unterhalten uns darüber, wie und welches Gemüse im eigenen oder Schrebergarten oder auf einem gepachteten Acker gut wächst. Wir sammeln Fallobst im Park oder bei Nachbarn und suchen gemeinsam nach Kräutern. All das macht Spaß und ermöglicht uns ganz neue gemeinsame Erlebnisse. Wir diskutieren darüber, ob man Hühner oder Bienen halten kann und wie das gehen würde.

Abgesehen von den Eltern in unserem Umfeld, habe ich auch mit vielen Kollegen und Kunden über das Thema Ernährung gesprochen. Da stellte sich zu meinem Erstaunen heraus, dass viele Menschen in der Konzernwelt bereits ein recht differenziertes Bild von Ernährung besaßen und sich mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Diese Personen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Ältere Menschen mit erwachsenen- oder ohne Kinder, die oft selbst Gesundheitsprobleme hatten und dann anfingen, sich jenseits der offiziellen Angaben zu informieren. Und junge Kollegen, die noch keine Kinder hatten, aber entweder selbst auch schon unter Gesundheitsproblemen litten oder bei denen im eigenen Bekanntenkreis das Thema Ernährung einen größeren Stellenwert einnahm. In beiden Gruppen wurde nach Erzählungen viel private Zeit und Energie investiert, um sich ein differenziertes Verständnis für die kausalen Zusammenhänge aufzubauen.

Weitere Veränderungen und Planung für die Zukunft

Was sich bei all den Anpassungen verändert hat, ist unser täglicher Zeitaufwand. Für das Einkaufen, Vorbereiten und Kochen brauchen mein Mann oder ich – wir wechseln uns ab, je nachdem, wer beruflich unterwegs ist – zwischen 1,5 und 2,5 Stunden täglich. Hinzu kommt ein größerer Betreuungsaufwand für unsere Kinder und den Garten. Für häusliche Aufgaben ist unser zeitlicher Aufwand im Vergleich zu vorher um ca. 300% gestiegen.

Diese Umstellungen haben uns deutlich gemacht, dass unser vorheriges Modell – beide Elternteile voll berufstätig – gar nicht genug Raum und Zeit lässt, sich um die Gesundheit der Familie zu kümmern. Auch diese Erkenntnis hat bei uns zur Bereitschaft für ein generelles Umdenken geführt.

Mit der logistischen Umstellung unserer Nahrungsversorgung gingen grundsätzliche Gespräche rund um unser eigenes Wertesystem einher. Nicht nur ein hohes Augenmerk auf den gesundheitlichen Schutz unserer Kinder wurde relevant, sondern auch grundsätzliche Fragen der Zukunftsgestaltung standen im Raum:

  • Was für eine Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen?
  • Welche gesellschaftlichen Entwicklungen wollen wir unterstützen und welche nicht?
  • Welche Werte haben unser eigenes Handeln bestimmt und warum?

Leistung und Leistungsbereitschaft haben in meiner eigenen Familie eine große Rolle gespielt. Meine Eltern hatten beide Vollzeitstellen, waren in ihren eigenen Berufen erfolgreich und wurden als Experten angesehen. Bei uns Kindern wurde in den frühen Jahren der Erziehung auf Gesundheit, besonders in Bezug auf Nahrung und Bewegung, geachtet; ansonsten waren wir Geschwister überwiegend uns selbst überlassen.

Anerkennung gab es für schulische und sportliche Leistungen und später für beruflichen Erfolg, finanzielle Unabhängigkeit und eine erfolgreiche Karriere. Genau diese Aspekte waren für mich richtungsweisend. Ich habe die Erziehung unserer Kinder hinter meine Karriere gestellt und häusliche Verantwortung als wenig wertvoll und wichtig erlebt. Nun war für mich dieses gesamte “Wertesystem” ins Wanken geraten. Was macht mich als Mutter, Geschäftsfrau, Ehefrau, Tochter oder Freundin aus? Was ist wichtig und für wen und warum eigentlich? Die Suche nach Antworten ist ein mühsamer und oft aufreibender Prozess.

Zu realisieren, dass wir nicht nur Opfer einer völlig fehlgeleiteten und globalen Informationspolitik, sondern gleichzeitig Triebkräfte in diesem System sind, das unsere Gesellschaft und somit die Zukunft unserer Kinder zerstört, ist bitter. Wie kommen wir aus diesem System wieder heraus? Nach den ersten logistischen Umstellungen der Ernährung, war das die nächste Frage, die uns intensiv beschäftigte.

Mittlerweile engagiere ich mich selbst deutlich seltener für externen Kunden. Mit den wenigen Kunden, mit denen ich weiterhin zusammenarbeite, führe ich nun grundsätzliche Diskussionen über den Sinn von Wachstum, Nachhaltigkeit sowie individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Gesundheit. Die Bereitschaft zu Gesprächen, und der Wunsch gemeinsam über Lösungen nachzudenken, ist hier generell sehr hoch: Auch viele von meinen Kunden hinterfragen den Sinn einer sich immer schneller drehenden Leistungsspirale und überhöhten Anforderungen der Arbeitswelt und leiden oft selbst an chronischen Erkrankungen.

Die restliche Zeit widme ich unseren Kindern, der Haushaltsführung und dem Engagement im Umfeld. Dazu gehören ein Schulsprecheramt und lokale Diskussionen, wie wir die gesundheitliche Versorgung unserer Kinder verbessern können. Weitere Sitzungen im Stadtteil ebenso, wie erste Diskurse über mögliche Veränderungen unserer Nahrungsmittelproduktion mit lokalen Landwirten, bestimmen nun ebenso meinen Zeitplan. Nachforschungen und das Schreiben dieses Buches hat in den vergangenen zwei Jahren natürlich auch einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen.

Quellen und weitere Informationen zu “Haushaltsmittel, Giftstoffe und andere schädliche Einflüsse”

Auswirkungen auf unsere Gesundheit

Zahngesundheit

Nachdem bei unserem Sohn die Diagnose Kreidezähne gestellt wurde, war mir, wie bereits erläutert, recht schnell klar, dass es sich bei der Symptomatik mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen handeln musste. Wir haben daraufhin unseren Kinderarzt gebeten, bei unserem Sohn den Vitamin D-Status zu messen und bei einer zweiten Kontrolle auch Calcium, Phosphat, Eisen, Vitamin A und E zu bestimmen. Bei Vitamin D waren die Werte bei der ersten Untersuchung außerhalb des Messbereichs, also extrem niedrig. Als gesund gelten 30 bis 100ng/ml, unser Sohn hatte unter 7ng/ml. Vitamin D ist, wie gesagt, essenziell und unter anderem am Knochenstoffwechsel und dem Aufbau von Zähnen beteiligt. Dieser Prozess war bei unserem Sohn ja gestört, der geringe Vitamin D-Wert also keine Überraschung.

Ebenfalls wies unser Sohn einen starken Eisenmangel auf. Die Symptome dazu sind unter anderem eingerissene Mundwinkel, Blässe und Abgespanntheit. All diese Symptome wies unser Sohn auf, wir konnten sie aber nicht deuten, unser Kinderarzt anscheinend auch nicht. Die zweite Untersuchung zeigte, dass wir durch unsere Ernährungsumstellung, die Zugaben von Vitamin D und etwas Eisen, erfolgreich waren. Ebenfalls haben wir den Vitamin D-Spiegel bei unserer Tochter und bei uns Erwachsenen messen lassen. Wir alle litten unter einem signifikanten Mangel.

Aufgrund dieser niedrigen Werte haben wir dann alle eine hochdosierte Vitamin D-Therapie gemacht, mit dem Ziel, unseren Vitamin D-Spiegel auf ca. 50ng/ml anzuheben. Für die Berechnung der Anfangs- und später Erhaltungstherapie habe ich die Umrechnungstabellen von Dr. med. Raimund von Helden genutzt. Diese sind dargestellt in dem Buch “Gesund in sieben Tagen: Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie” 2015. Von Helden ist ein Experte auf dem Gebiet und Hausarzt, welcher sich seit Jahrzehnten mit dem flächendeckenden Vitaminmangel in der Bevölkerung auseinandersetzt und etliche Aufklärungskampagnen führt.

Die notwendigen Zugaben für eine Korrektur unseres eigenen Vitamin-D Spiegels bewegten sich pro Person und abhängig von Größe und Gewicht zwischen 140.000 und 400.000 i.E. Diese Mengen haben wir über die Zeitspanne von 5 Tagen eingenommen. Diese Dimensionen von notwendigen Zugaben für eine Korrektur auf ein gesundes Maß, im Vergleich zu den Empfehlungen der DGE und der deutschen Ärzteverbände, haben für uns auch deutlich gemacht, wie absurd die öffentlichen Angaben sind. Die DGE empfiehlt, wie gesagt, 800i.E. pro Tag und pro Erwachsenem.

Wie eingangs beschrieben, war die Störung des Zahnschmelzes bei unserem Sohn sehr gravierend. Bei dem Ausmaß der Schädigung war ein zeitnaher Einbruch des Zahnschmelzes von mindestens einem der Backenzähne zu erwarten. Das ist nicht eingetreten. Im Gegenteil. Der Zahnschmelz ist nach Untersuchungen des Zahnarztes nun, nach über zwei Jahren der Ernährungsumstellung, hart genug und stabil, und die Zähne weisen keinerlei funktionale Schäden oder atypische Empfindlichkeiten auf. Wir waren zu Anfang alle drei Monate bei einer Zahnuntersuchung. Seit Ende 2018 gehen wir wieder einmal im Jahr zur regulären Vorsorgeuntersuchung.

Bemerkenswert ist ebenfalls Folgendes: Einer der bleibenden Schneidezähne unseres Sohnes im Unterkiefer wies eine Fehlstellung von ca. 30 Grad auf. Nach Wegfall der Eckzähne im Milchgebiss, und folglich mehr Platz im Unterkiefer, hat sich diese Zahnfehlstellung von selbst korrigiert. Die Zahnreihen im Ober- und Unterkiefer sind nun gesund ausgeprägt und greifen funktional sauber ineinander. Diese eigenständige Korrektur des Körpers hatte uns zu Anfang überrascht. Nach etlichen Recherchen wurde auch hier klar: Wenn der Körper wieder mit allen lebenswichtigen Bausteinen versorgt wird, korrigieren sich auch solche Missbildungen im Wachstum von alleine.

Erwähnenswert ist weiterhin: Seit der Ernährungsumstellung hat keiner von uns mehr Zahnstein, noch Parodontitis oder Zahnfleischentzündungen. Kostspielige Zahnreinigungen sind in unserer Familie inzwischen überflüssig. Das lässt darauf schließen, dass die Zusammensetzung von Speichel und der Speichelfluss sich bei uns allen verändert haben. Die konsequente Ernährungsumstellung hat auch hier vergleichsweise schnell zu sehr erfreulichen Ergebnissen geführt.

Aber nicht nur unsere Zahngesundheit hat sich deutlich verbessert. Wir haben bei unseren Kindern, und auch uns Erwachsenen, etliche weitere positive Veränderungen beobachtet:

  • besseres Hautbild und gesündere Haare
  • gesunde Verdauung
  • ruhiger Schlaf
  • keine Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen
  • starkes Immunsystem
  • emotionale Stabilität und gute Konzentrationsfähigkeit
  • gesunde Augen und gute Hörfähigkeit
  • gute Beweglichkeit, hohe Körperspannung und Fitness

Insgesamt scheinen sich unsere Kinder ähnlich zu verhalten und weisen einen vergleichbaren physiologischen Entwicklungsstand auf, wie noch der Großteil der Kinder im vergleichbaren Alter in den frühen 1980er Jahren.

Solide Grundlage für eine gesunde Entwicklung

Während meiner beiden Schwangerschaften, und während der gesamten Stillzeit, habe ich keinen Alkohol getrunken, nicht geraucht, habe mich nicht impfen lassen und habe auch keine Medikamente eingenommen. Eine Belastung durch giftige Substanzen war somit bei mir gering. Dafür habe ich das in England häufig empfohlene Breitband-Nahrungsergänzungsmittel “Pregnacare” eingenommen. Hierbei handelt es sich um ein Vitamin- und Mineralstoffpräparat, welches den erhöhten Nährstoffbedarf von Frauen und Säuglingen in dieser kritischen Wachstumsphase bedient.

Ebenso habe ich mich noch nie überwiegend von Convenience-Produkten ernährt und besonders in den Schwangerschaften darauf geachtet viel Obst und Gemüse zu essen. Aus der heutigen Perspektive weiß ich aber, dass meine Ernährung in den beiden Schwangerschaften nicht den erhöhten Nährstoffbedarf decken konnte. Daher bin ich überzeugt, dass dieses Nahrungsergänzungsmittel die gesunde Entwicklung unserer Kinder unterstützt hat – ohne dass ich jetzt explizit für dieses Produkt Werbung machen will. Mit meinem heutigen Wissen hätte ich mich nicht für dieses Produkt entschieden, sondern mich insgesamt anders ernährt und den Bedürfnissen meines Körpers und meiner heranwachsenden Föten bzw. Säuglingen deutlich mehr Aufmerksamkeit gegeben.

In dieser zusätzlichen Versorgung mag sich aber ein Teil der Antworten finden, warum unsere Kinder generell ein recht robustes Immunsystem haben und alle Organe und einzelnen Körperteile gesund ausgebildet sind. Einen eindeutigen Mangel und eine Fehlernährung haben unsere Kinder nur zwischen dem ersten und knapp sechsten bzw. ersten und knapp vierten Lebensjahr erleiden müssen. Und auch nur in dieser Zeitspanne haben wir bei unseren Kindern auffälliges Verhalten wie anhaltende Wutausbrüche und einen Mangel an Konzentrationsfähigkeit beobachtet. Und auch in dieser Zeitspanne wurden die geschädigten Zähne unseres Sohnes ausgebildet. Die anschließende Umstellung hat die zwischenzeitliche Fehlversorgung wieder korrigiert und erwartungsgemäß hat sich der Organismus unserer Kinder normalisiert.

Die wenigen Krankheitssymptome, die wir gelegentlich noch erleiden, behandeln wir mit natürlichen Heilverfahren. Wir nutzen Hausmittel wie Hühnerbrühe, Kräutertees, Zwiebelsaft, Wadenwickel, sowie viel Schlaf und frische Luft. Als erste Informationsquelle für mögliche Störungen im biochemischen Gleichgewicht nutzte ich das “Handbuch der Nährstoffe” 2012 von Burgerstein, Schurgast und Zimmermann.

Käufliche oder verschreibungspflichtige Medikamente nutzen wir nicht mehr. Ärztliche Unterstützung haben wir in den letzten zwei Jahren ebenfalls nicht benötigt. Lediglich eine gesetzlich angeordnete Vorsorgeuntersuchung für unsere Tochter, sowie zahnärztliche Untersuchungen für alle Familienmitglieder, haben wir genutzt. Ob wir diese Leistungen in Zukunft weiter in Anspruch nehmen werden, wage ich zu bezweifeln.

Fazit: Altbewährtes führt zum Ziel

Mit Blick auf alle umgesetzten Veränderungen lässt sich schlussendlich Folgendes feststellen: Die Rahmenbedingungen, die wir für unsere Kinder nun geschaffen haben, sind fast identisch mit denen, die meine Eltern in den 1970er Jahren für uns ermöglicht haben. Und genau in dieser Vielschichtigkeit von Konditionen liegt die Antwort, warum Kinder vor 40 Jahren noch ganz anders aussahen als heute.

Quellen und weitere Informationen zu “Erfassung unseres Gesundheitszustandes”

  • Buch: “Handbuch der Nährstoffe” 2012, by Uli P. Burgerstein , Hugo Schurgast, Prof. Dr. Michael B. Zimmermann
  • Buch: “Gesund in sieben Tagen: Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie” 2015, by Dr. Raimund von Helden
  • Buch:“Karies heilen” 2012, by Ramiel Nagel
  • Buch: “Blut – Die Geheimnisse unseres »flüssigen Organs«: Schlüssel zur Heilung” 2016, by Dr. Ulrich Strunz

DANKSAGUNGEN

Mein Leben war nicht langweilig. Weder wollte ich ein Buch schreiben noch Berge von Fachliteratur wälzen. Aber manchmal kommt alles anders als man denkt.

Dieses Projekt hat nicht nur mir, sondern auch meiner Familie sehr viel abverlangt. Mein Dank gilt daher insbesondere unseren beiden Kindern und meinem Mann Dr. Zareer Dadachanji. Auch wenn es manchmal schwer fiel, haben mir alle drei die Zeit eingeräumt, die es brauchte, um all die Nachforschungen zu bewerkstelligen. Über den gesamten Zeitraum war mein Mann mein wichtigster Gesprächspartner und erster Lektor für alle schriftlichen Fragmente, die ich zusammengetragen habe. Ohne seine unschlagbare Geduld und Rückendeckung hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Sehr dankbar bin ich auch für die Unterstützung meines Vaters, Prof. Dr. Stefan von Aufschnaiter. Er hat das gesamte Manuskript zweimal durchgearbeitet, wichtige Anmerkungen gemacht und Verbesserungen angeregt.

Neben den Menschen, die mich über den Zeitraum von zwei Jahren, zum Teil täglich, unterstützt haben, gibt es viele weitere und sehr wichtige Personen, die zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben. Etliche Freunde, Bekannte sowie mir persönlich zunächst unbekannte Experten, die ich um Unterstützung gebeten habe, standen mir hilfreich zur Seite. Sie haben das ganze Manuskript oder Teile davon gelesen und inhaltliche Ungenauigkeiten und sprachliche Fehler korrigiert. Sie haben geholfen, die einzelnen Kapitel besser zu strukturieren und sie gaben wichtige Hinweise, um den Sprachfluss und die visuelle Gestaltung der Texte zu verbessern. Etliche Personen schickten mir ergänzendes Material und schilderten mir ihre Eindrücke. Oft saßen wir auch einfach nur zusammen und suchten gemeinsam nach Lösungen.

Ich möchte insbesondere den folgenden Unterstützern danken: Dr. Till Markus, Dr. Janna Wolff, Manuela auf der Heide, Annika Speidel, Beryl Hilker, Stefan und Julia König, Jana Schneider, Natalie und Klaas Unteusch, Bettina Curione, Ann-Christin Philip, Gesa Conze, Tina und Carsten Wulf, Julia Gorka, Kathrin Fox, Elke Kolb, Marta Hansen, Dominique Gröne-Streubel, Zoe Cohen, Nadine Bieg, Dr. Karin Bender-Gonser, Thomas Kruchem, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein sowie der Journalistin Beate Wiemers, mit der ich während weiter Teile des Prozesses engmaschig in Kontakt stand. Ein ganz besonderer Dank gilt Prof. Dr. Jörg Spitz für sein treffendes und engagiertes Vorwort!

Ebenso gilt: Ohne die vorherige Leistung von unzähligen engagierten Bürgern und Bürgerinnen, die sich weltweit um Aufklärung bemühen, hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Nur dank all dieser oft uneigennützigen Personen, die sich für das schonungslose Aufdecken von Missständen einsetzen, hatte ich Zugang zu den relevanten Informationen. Zu diesem Personenkreis gehören gleichermaßen Ärzte, Wissenschaftler, Journalisten, Aktivisten, Filmemacher und Politiker – alles Menschen, die in vielen Fällen bereit sind, für diese notwendige Aufklärung ihre eigenen beruflichen und manchmal auch privaten Existenzen zu riskieren. Ohne den Mut und das Engagement dieser Personen hätte ich von dem Ort aus, an dem ich dieses Buch geschrieben habe, – meinem Schreibtisch – nichts bewirken können.

Ein großer Dank gilt ebenfalls all den Menschen, die öffentlich über Bücher, Blogs und gut verständliche Videos erklären, wie jeder einzelne Bürger leicht und ohne große Kosten für sich selbst sorgen kann: Mit gesunder Nahrung und Vorsorge für die eigene Gesundheit, mit Pflege- und Haushaltsprodukten ohne Plastik und Chemikalien bis hin zu der Herstellung einer angemessenen Behausung, Kleidung und benötigter Energie. Diese oft einfach umzusetzenden Anleitungen machen den Systemfehler und das gigantische Lügenkonstrukt, dem wir alle – und zwar weltweit – unterliegen, überhaupt erst offensichtlich.

Zuletzt möchte ich meiner 2013 verstorbenen Mutter, Dorit von Aufschnaiter, danken. Meine Mutter war nicht nur eine unglaublich charismatische und patente Frau, sondern auch ein wichtiges Vorbild: Sie hat mir mit dem Vorleben von täglichen und praktischen Umsetzungen gezeigt, wie man eine Familie richtig versorgt. Die Erinnerungen an meine Kindheit haben mir eine Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben überhaupt erst ermöglicht. So kann ich auch heute noch riechen und schmecken, ob mein gekochter Eintopf mit dem meiner Mutter standhält. Aber nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten meiner Mutter dienen mir jetzt als Orientierung. Nein, als Krankengymnastin hat sich meine Mutter auch ihr Leben lang – und das immer mit vollem Einsatz – für den Erhalt und die Wiederherstellung von Gesundheit eingesetzt. Ihr besonderes Augenmerk galt beeinträchtigten Kindern.

Für meine Mutter war es auch immer eine Selbstverständlichkeit, dass Erwachsene gemeinschaftlich die Verantwortung für alle Kinder tragen. Sie wusste, dass eine gesundheitliche Vorsorge und Versorgung der Kleinsten der Gesellschaft der wichtigste Teil dieser Aufgabe sind. Meine Mutter wusste auch noch, wie genau Erwachsene diese Verantwortung in die Tat umsetzen.